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Die Marxsche Krisentheorie

Essay 2007 8 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung

2. Die Krisenursachen
2.1. Mehrwert
2.2. Marxens Wertlehre
2.3. Akkumulation des Kapitals

3. Die Formen der Krise

4. Das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate

5. Die Verlaufsform der Krise

6. Resümee

1.Hinführung

Karl Marx gilt weithin als einer der besten Analytiker des Kapitalismus seiner Epoche. Ihm gebührt der Verdienst, als Erster die dem Kapitalismus inhärenten Kausalmechanismen erkannt und adäquat beschrieben zu haben. Während dieser deskriptive Teil seines Opus von vielen Seiten große Anerkennung erfuhr, verhielt es sich mit dem prognostischen Teil seiner Arbeit geradezu antithetisch. Von der einen Seite verehrt, in den Himmel gehoben, ja bisweilen wurde seinem Opus nachgerade doktrinärer Charakter zugeschrieben, erntete sie auf der anderen Seite des ideologischen Spektrums Ablehnung, Verunglimpfung und den Status einer gefährlichen, bis aufs Blut zu bekämpfenden Ideologie.

Aus welchen Gründen schafften es die Überlegungen eines einzelnen Mannes (sieht man mal von seinem Kompagnon Engels ab), eine solche Spaltung in der ideologischen Auseinandersetzung zu etablieren, die, wenn auch zum Glück in stark abgeschwächter Form, bis heute fortbesteht und die das Potenzial besitzt jederzeit wieder zu einer globalen Konfrontation beizutragen? Ein Grund für diese Situation wird im Allgemeinen in der teilweise unvollständigen bzw. inkonsistent bis fehlerhaften Marxschen Krisentheorie verortet, die ein Kernstück seines Theoriegebäudes darstellt. Diese Theorie der wiederkehrenden kapitalistischen Krisen soll im Folgenden kurz in ihren zahlreichen Facetten dargestellt werden um eine adäquate Bewertung ihrer Plausibilität - nicht zuletzt auch im Lichte der heutigen “modernen“ Wirtschaftstheorie - zu bewerkstelligen.

Generell gibt es die verschiedensten Spielarten der Krisentheorie, und je nachdem aus welcher Ecke des ideologischen Spektrums der Autor stammt dessen Werk man zu Rate zieht, wird dieser oder jener Aspekt völlig ausgeblendet beziehungsweise ein anderer als der allein erklärungsmächtige dargestellt. So sahen beispielsweise zahlreiche marxistische Autoren der 70er Jahre das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate, so wie es Marx durchaus plausibel beschrieben hatte, als dessen Hauptbeitrag zur Krisentheorie.

2.Die Krisenursachen

Als Grundlage für seine Theorie der Krisenentwicklung stellt Marx zunächst die kapitalistische Produktionsweise und deren Überproduktion holzschnittartig dar, die seiner Meinung nach zwingend nach folgendem Schema abläuft. Marx teilt das Kapital, also die zur Produktion nötigen Faktoren, in zwei Bestandteile: Zum einen nennt er das variable Kapital, welches den Wert der eingesetzten Arbeitskraft darstellt, zum anderen das konstante Kapital, welches dem Wert der eingesetzten Arbeitsgeräte und Rohstoffe entspricht.

2.1. Mehrwert

Als den einzig und allein Mehrwert produzierenden Faktor sieht Marx die Arbeitskraft der beschäftigten (Industrie-)Arbeiter, also das variable Kapital. Hingegen die Bestandteile des konstanten Kapitals schaffen seiner Meinung nach keinen Mehrwert, sie sind reine Hilfsmittel für die produzierenden Arbeiter. Doch kann man sich vorstellen, dass der Mehrwert, der auf einer weitgehend automatisierten Produktionsstraße, z. B. in einem Automobilbetrieb, geschaffen wird, lediglich der Verdienst desjenigen Arbeiters sein soll, der die Maschinen und Roboter überwacht? Eine solche Vorstellung mutet doch sehr skurril an. Zumal Marx gegen die Logik verstößt wenn er konstatiert dass Rohstoffe, Arbeitsgerät und Arbeitskraft notwendige Voraussetzungen für Mehrwertproduktion seien, er den Mehrwert schaffenden Faktor aber nur in der Arbeitskraft lokalisiert.

2.2. Marxens Wertlehre

Nach Marx Verständnis hat die produzierte Ware einen objektiven Wert, ihren Gebrauchswert. In dieser Vorstellung ist er ein Kind seiner Zeit und zugleich einem fundamentalen Irrtum unterlegen; die subjektive Wertschätzung der Ware, die letztlich das einzig entscheidende Kriterium für Kauf und Verkauf einer Ware darstellt, spielt in seiner Theorie keine Rolle. Dieser grundlegende Irrtum hat zahlreiche falsche Schlussfolgerungen als Konsequenz und führt somit auch zu seiner unkorrekten zentralen Argumentation.

2.3. Akkumulation des Kapitals

Setzt man eine Mehrproduktion des konstanten Kapitals voraus, sprich dass die eingesetzten Maschinen einen Mehrwert produzieren (ein Wert, welcher, folgt man Marx, eigentlich nichts anderes ist als die unbezahlte, expropriierte Mehrwertproduktion des Arbeiters und deshalb auch diesem zustehen müsste), der den Gegenwert des eingesetzten Kapitals übersteigt, so entsteht die Grundlage für kapitalistische Akkumulation. Marx sieht das Maß dieser Mehrproduktion in der „vorhandene[n] Stufenleiter der Produktionsbedingungen“ und dem „Bereicherungstrieb [...] der Kapitalisten“ begründet und gerade nicht in der Konsumtion, da er diese als relativ konstant ansieht. Denn ein Großteil der Bevölkerung gehöre der Arbeiterklasse an, deren Konsumtion sich nur in sehr engen Grenzen erweitern könne; außerdem gehe die relative Nachfrage nach Arbeit im Laufe der Fortentwicklung des Kapitalismus kontinuierlich zurück, obwohl sie absolut gesehen wachse. Allein dieses Faktum erkläre, dass die zusätzliche Produktion nicht unendlich konsumiert werden könne, es also fortlaufend und in immer größerem Maße zu Überproduktion komme.

Problematisch ist an dieser Stelle der Marxschen Theorie meine Meinung nach die von ihm vorgenommene völlige Außerachtlassung des Prinzips der Angebotsregulierung durch die Nachfrage, ebenso wie die Preisbildung über Angebot und Nachfrage. Marx nimmt an, dass die produzierte Ware stets zu ihrem Wert verkauft würde, der sich wiederum aus der Produktionsweise ableiten ließe. Dass es aber die Regel ist, dass Waren zu Marktpreisen abgesetzt werden, und deren Preis sich nach Angebot und Nachfrage richtet, schließt Marx expressis verbis aus diesem Teil seiner Theorie aus, womit er letztlich dem Warenproduzenten Marktblindheit unterstellt. Natürlich gibt es bei der Warenproduktion Unwägbarkeiten, doch sind diese als bei weitem nicht so bedeutend einzuschätzen wie es Marx darstellt. In diesem Teil der Marxschen Theorie sehen einige Autoren bereits die ganze Erklärung für die Krisenphänomene.

3.Die Formen der Krise

Die Ware steht im Mittelpunkt der Krisenproblematik bei Marx. In ihr sei der Widerspruch zwischen Gebrauchswert und Wert an sich enthalten. Zu Tage trete jener Widerspruch jedoch erst in dem Moment, in dem Geld als Mittel des Austausches zwischen Kauf und Verkauf der Waren, als sog. Zirkulationsmittel, auftaucht.

Denn während im Tauschhandel die Ware lediglich dann einen Wert besitzt, wenn sie gegen ein anderes Gut eingetauscht werden kann, wobei Verkauf und Kauf ein und dieselbe Aktion darstellen, wird, sobald Geld als allgemeines Wertäquivalent in Erscheinung tritt, die Möglichkeit eines Auseinanderfallens dieser beiden ursprünglich zusammengehörigen Prozesse überhaupt erst ermöglicht. Da ja nun Verkauf und Kauf auseinanderfallen können, man also seine produzierten Waren verkaufen kann, dafür Geld als Wertäquivalent erhält und so die Möglichkeit besitzt, mit diesem Geld Einkäufe zu tätigen - oder auch nicht - , ergibt sich jedoch zugleich die Möglichkeit, dass produzierte Waren nicht mehr abgenommen werden, keinen Käufer finden. In einer solchen Stockung der „Warenmetamorphose“, wie Marx sie bezeichnet, ist die grundlegende Möglichkeit zur Krise enthalten. Das Geld als Zahlungsmittel und Wertform ermöglicht also überhaupt erst das Aufkommen einer Krise. Jedoch ist diese Argumentation noch keine Begründung für eine Tendenz hin zu einer Krise, sondern lediglich für die Möglichkeit deren Auftretens.

4.Das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate

Marx entwickelt seine Analyse der Krisen aus den Widersprüchen, die das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate enthält. Erst durch die Profitrate und der Regulierung der Produktion durch selbige sei die Voraussetzung dafür gegeben, dass das Kapital seine größtmögliche Vermehrung anstreben könne. Während der allgemeinste Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise in jenem zwischen materieller Produktion und Verwertungsprozeß gesehen wird, der sich im Gegensatz zwischen Gebrauchswert und Wert der Ware und zwischen konkreter und abstrakter Arbeit manifestiert, schließt er auch zugleich die Möglichkeit der Krise ein, bildet aber nicht deren Wirklichkeit; sprich er ist lediglich Bedingung und Grundlage für eine Krise. Denn „die reale Krise kann nur aus der realen Bewegung der kapitalistischen Produktion, Konkurrenz und Kredit, dar]gestellt werden“.

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Details

Seiten
8
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640914296
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171830
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Politische Wissenschaft
Schlagworte
Marx Krise Krisentheorie Mehrwert Wertlehre Kapital tendenzieller Fall der Profitrate Profitrate Produktion Überproduktion Überakkumulation Wirtschaftskrise

Autor

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