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Die Geschichte der Hofer Textilindustrie 1789-1919

Bachelorarbeit 2011 74 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand, Literatur, Quellen

3. Die Industrielle Revolution

4. Das Hofer Textilgewerbe von den Anfängen bis 1789

5. Die Hofer Textilindustrie von 1789 bis 1919
5.1. Allgemeine Wirtschaftslage und –politik
5.2. Rohstoffe, Zulieferindustrie, Logistik
5.3. Technische Entwicklung und Ausstattung, gefertigte Produkte
5.4. Kapital- und Absatzverhältnisse

6. Situation der Arbeiter und Beschäftigten
6.1. Arbeitsumfeld und Lohnverhältnisse
6.2. Lebensbedingungen
6.3. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Gewerkschaften, Arbeiterparteien

7. Schlussbetrachtung

8. Anhang
8.1 Statistiken und Tabellen
8.2. Abkürzungsverzeichnis
8.3. Quellenverzeichnis
8.3.1. Unveröffentlichte Quellen
8.3.2. Veröffentlichte Quellen
8.4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Fertigung von Textilien praktiziert der Mensch schon seit der Jungsteinzeit und den antiken Hochkulturen Sumers und Ägyptens. Die Bedeutung, die die Menschen dieser Tätigkeit zusprechen und die sie in ihrem Leben eingenommen hat, kann man daran erkennen, dass sie in vielfacher Weise in Literatur, Mythologie und Sprache Eingang gefunden hat. Beispielsweise spinnen in der griechischen Mythologie die drei Moiren Klotho, Atropos und Lachesis den Schicksals- und Lebensfaden der Menschen, ebenso wie die drei Nornen in der nordischen Sagenwelt. In den allgemeinen Sprachgebrauch sind bestimmte Wörter eingegangen, die ursprünglich aus dem Textilgewerbe stammen, z.B. sich „verzetteln“[1], „aufbäumen“[2], sich „verhaspeln“[3] oder „den Faden verlieren“. Außerdem kennt man den „roten Faden“ der Ariadne, mit dem sie Odysseus hilft, aus dem Labyrinth des Minotaurus hinauszugelangen, oder den Ausspruch, dass etwas am „seidenen Faden hängt“.

Die Entscheidung, meine Bachelorarbeit über die Geschichte der Hofer Textilindustrie zu schreiben, war eine weitestgehend spontane: ich wollte etwas über die Geschichte meiner Heimatstadt schreiben, und so kam mir das Textilgewerbe in den Sinn. Diese Entscheidung hatte zwei Gründe: Erstens bin ich in Hof geboren und aufgewachsen und mag die Stadt, wusste aber bisher nur wenig über ihre Geschichte, was sich durch diese Arbeit nun geändert hat. Zweitens habe ich auch einen familiären Bezug zur Textilindustrie: Einer meiner Onkel hat eine Ausbildung in der Textilindustrie durchlaufen und meine Großeltern mütterlicherseits arbeiteten nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Hofer Spinnerei. Auf jeden Fall hatte und hat die Textilindustrie in Hof, neben dem Brauereiwesen, schon immer eine Schlüsselposition inne: sie stellt einen wichtigen Industriezweig dar und beschäftigt viele Menschen in der Stadt und der Region.

Ziel dieser Arbeit soll sein, die Geschichte der Hofer Textilindustrie von 1789 bis 1919 darzustellen und wichtige Entwicklungen aufzuzeigen. Dieser Zeitraum wurde gewählt, da sich in dieser Periode in Hof der Umbruch von manueller Produktion zu industrieller Fertigung von Textilprodukten vollzog. Zum anderen war aber auch die Notwendigkeit, den Zeitraum eingrenzen zu müssen, ausschlaggebend, da sonst der Umfang der Arbeit gesprengt worden wäre. Die temporäre Abgrenzung kann jedoch nicht immer genau eingehalten werden, einerseits wegen überlappender Entwicklungen und Strömungen, andererseits, um z.B. bei der Darstellung der technischen Entwicklung eine gewisse Textkohärenz zu erzielen. Außerdem versuche ich, das gesamte Textilgewerbe Hofs zu betrachten und allgemeine Entwicklungen aufzuzeigen, und konzentriere mich nicht auf einzelne Betriebe.

Zuerst werde ich den Forschungsstand aufzeigen und die verwendete Literatur darstellen. Hierbei wird die Frage der Aktualität behandelt, welche Themen dargestellt werden und die Verlässlichkeit der Literatur kritisch betrachtet.

Der dritte Teil gibt einen Kurzüberblick über die Industrielle Revolution, die für Hof eine entscheidende Bedeutung hatte, da in diesem Zeitraum die ersten mechanischen Textilfabriken entstanden. Die Ursprünge und Grundlagen in Großbritannien werden beschrieben, dann folgt ein kurzer Abschnitt über die deutsche Industrialisierung und ihre Katalysatoren, und schließlich gehe ich noch auf die Situation in Oberfranken ein, wo die Textilindustrie neben der Porzellanindustrie die Leitindustrie darstellte.

Der vierte Teil handelt von der Entwicklung des Hofer Textilgewerbes von seinen Ursprüngen im 14. Jahrhundert bis etwa 1789, in der die Baumwollweberei mit Schleiern, Flören und Tüchlein den wichtigsten Aspekt darstellt, aber auch Gewerbe wie die Leinenweberei werden kurz angerissen.

Teil fünf stellt die Hofer Textilindustrie von 1789 bis 1919 dar. Zuerst wird die allgemeine Wirtschaftslage und -politik auf internationaler und nationaler Ebene von 1789 bis 1919 mit ihren konkreten Auswirkungen auf das Hofer Textilgewerbe dargestellt. Danach werden Rohstoffe, die Zulieferindustrie und die Logistik der Unternehmen betrachtet. Hier wird der Import der benötigten Rohstoffe wie Wolle, Baumwolle und später auch Kohle aufgezeigt. Weiterhin werden die Transportmethoden der Rohstoffe beleuchtet: von den mittelalterlichen und neuzeitlichen Straßen bis zur Entstehung der Eisenbahn, die durch die Industrialisierung befördert wurde und der Stadt Hof nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn völlig neue Möglichkeiten bot. Der dritte Aspekt ist die technische Ausstattung und Entwicklung und die gefertigten Produkte. Hier wird ein kurzer Überblick über die Erfindungen und Innovationen von der Erfindung der Handspindel bis zur Präsentation des elektrischen Webstuhls beschrieben und auch aufgezeigt, welche Maschinen in der Hofer Textilindustrie verwendet wurden und inwieweit technische Neuerungen dort Einzug fanden. Auch auf die hergestellten Produkte der einzelnen Bereiche wird eingegangen. Der vierte Abschnitt handelt von den Kapital- und Absatzverhältnissen, wobei bei ersteren hauptsächlich die Situation in den mechanischen Betrieben betrachtet wird.

Der sechste Teil beschäftigt sich mit der Situation der Arbeiterschaft. Zuerst werden das Arbeitsumfeld und die Lohnsituation der Arbeiter dargestellt. Sowohl die Zeit der manuellen Weberei bis 1850 als auch die Fabrikära wird betrachtet. Bei letzterer werden Fabrikordnungen dargestellt, die viele Dinge, wie z.B. Arbeitszeit oder Lohnverhältnisse, regelten. Weiterhin werden die Wohlfahrtsorganisationen, mit denen die Unternehmen ihre Arbeiter unterstützten, in Hof und komparativ zu Textilunternehmen in Bayreuth und Bamberg betrachtet, und schließlich noch die Arbeitskämpfe, die in Hofer Textilfabriken stattfanden, und deren Folgen.

Die anschließend dargestellten Lebensbedingungen der Arbeiter geht vor allem auf die Wohnsituation ein, wobei der Fokus in der Zeit von 1789 bis 1850 auf den Familienverhältnissen und den Mietpreisen liegt. Ab 1850 wird die Situation in den neu errichteten Arbeiterwohnungen dargestellt: die Mietpreise und die Zimmer, deren Auslastung und Probleme mit Schlafgängern und Kündigungsfristen. Ein kleinerer Blick wird auf die Ernährung der Arbeiter geworfen: sowohl ihre bevorzugten Speisen als auch die Entwicklung der Lebensmittelpreise und der Kaufkraft. Kurz wird auch noch auf die Tuberkulosesterblichkeit eingegangen.

Der dritte Aspekt bei der Betrachtung der Arbeitersituation ist der der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, der Gewerkschaften und der Arbeiterparteien. Zuerst werden, in Ermangelung von Arbeitgeberverbänden, hauptsächlich textile Arbeitnehmervereinigungen beleuchtet, ihre Maßnahmen und Erfolge, ihre Akzeptanz unter der Arbeiterschaft und ihre Probleme. Zweitens wird ein kurzer Blick auf die Textilgewerkschaften in Hof geworfen. Zum Dritten wird die parteiliche Organisation der Arbeiter in Hof beschrieben, wobei der Fokus hierbei auf der 1869 in Eisenach gegründeten SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei, ab 1890 SPD) liegen wird. Ebenso wie bei den Arbeitnehmerverbänden werden auch hier ihre Intentionen, ihre Erfolge (z.B. bei der Organisation von Streiks), aber auch ihre Probleme und Niederlagen (z.B. das Sozialistengesetz und die Überwachung durch den Hofer Stadtmagistrat) dargestellt. Auch die Wahlergebnisse der SDAP/SPD bei den Reichstagswahlen werden aufgezeigt und bestimmte Tendenzen hierzu dargelegt.

In der Schlussbetrachtung wird versucht, die Arbeit zusammenzufassen und auch abschließend zu bewerten. Statistiken über das Hofer Textilgewerbe finden sich im Anhang, da ich es vermeiden wollte, zuviele Zahlen im Fließtext aufzuführen.

2. Forschungsstand, Literatur, Quellen

Bis heute existiert keine Gesamtdarstellung der Geschichte der Hofer Textilindustrie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Die beiden wohl detailliertesten Werke über die Hofer Textilgeschichte stammen von Karl Schmid, dem Sohn eines Hofer Textilfabrikanten und späteren Vorstandsmitglied der Vogtländischen Baumwollspinnerei, aus dem Jahr 1923, und von Ernst Dietlein (1884-1954), der Pfarrer, Studienprofessor und Stadtarchivar in Hof war, und im selben Jahr wie Schmid seine Dissertation über das Hofer Textilgewerbe publizierte.[4] Schmids Betrachtung endet 1913 und stellt wohl eine vollständige Textilgeschichte Hofs dar, bezieht aber weitere Entwicklungen bis in die heutige Zeit zwangsläufig nicht ein, Dietleins Werk endet im Jahr 1870. Schmids Werk ist aufgrund seiner Ausführlichkeit schwer zu ersetzen, allerdings auch wegen dessen Tätigkeiten im Vorstand der Vogtländischen Baumwollspinnerei kritisch zu betrachten, vor allem der Abschnitt über die Fabrikarbeiter und die sozialen Einrichtungen, welche die Fabrikanten für diese zu Verfügung stellten.

Viele weitere benutzte Literatur behandelt nur Teilaspekte der Hofer Textilgeschichte, die mit ihr in Zusammenhang stehen. Einige Werke beleuchten die gesamte oberfränkische Geschichte[5] oder, spezieller, die Geschichte des Textilgewerbes in Oberfranken,[6] und dort z.B. die Hausweberei[7], das Handspinnen- und weben[8] oder auf seine volkswirtschaftliche Bedeutung[9] hin betrachtet. Zwei Werke behandeln die Geschichte der Hofer Familien Franck und Wunnerlich, einflussreiche Textildynastien, die Fabriken gründeten und führten.[10] Das Buch über die Familie Wunnerlich behandelt weniger das wirtschaftliche Wirken der Wunnerlichs, sondern beschäftigt sich zum größten Teil mit den Biografien der einzelnen Familienmitglieder. Von den Arbeitern, ihrem Arbeitsumfeld, ihren Wohn- und Lebensverhältnissen und ihren Organisationen, handelt Rudolf Machts detaillierte Geschichte der Hofer Arbeiterbewegung in acht Bänden, von denen aber nur die ersten beiden für diese Arbeit relevant sind (Abschnitte von 1800-1918).[11] Macht war Kommunist, deshalb kann man ihm, trotz der damalig natürlich prekären Verhältnisse der Arbeiterschaft ein gewisses Schwarzweißdenken nicht absprechen, so dass er natürlich völlig auf Seiten des Proletariats steht, was sein Werk tendenziös erscheinen lässt.. Ein Aufsatz von Albrecht Bald vergleicht die Entwicklung der Hofer mit der Selber Arbeiterschaft von 1895 bis 1924.[12]

Zwei kleinere Aufsätze beschäftigen sich mit dem Eisenbahnbau in Hof und Umgebung, der der Industrialisierung Hofs und seines Umlandes einen gewaltigen Vorschub leistete, wobei ein Aufsatz diese Entwicklung am Beispiel bestimmter Firmenmonographien des Raumes Hof beleuchtet.[13]

Als Quellen für die Hofer Textilgeschichte vom 14. Jhdt. bis 1789 wurden hauptsächlich zwei Werke herangezogen: die Chronik der Stadt Hof[14] von Enoch Widmann (1551-1617), des Hofer Stadtchronisten, dessen Vater Tuchmacher war und der ab 1596 als Rektor des Hofer Gymnasiums fungierte. Die zweite wichtige Quelle ist die Schrift „Gegenwärtiger Zustand der Landeshauptmannschaft Hof[15] als ein Beytrag zur Statistischen Kenntniß des Burggrafthums Nürnberg oberhalb Gebirgs“[16] von Philipp Ludwig von Weitershausen (1727-95) von 1792. Weitershausen war der letzte Hofer Landeshauptmann und wirkte von 1761 bis 1795. Für sein Werk stützte er sich größtenteils auf kurz zuvor erschienene Statistiken und Tabellen, sowie auf eigene Erfahrungen und mündliche Berichte der einfachen Leute.[17] Archivalische Quellen verwandte er aus Ermangelung derselben nur selten.[18] Weiterhin wurde noch das Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera und Plauen verwendet.[19]

Für den Zeitraum von 1789 bis 1919 sind Akten aus dem Hofer Stadtarchiv und ein Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer für Oberfranken herangezogen worden. Für die Situation der Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen in den Hofer Textilfabriken und deren Vergleich mit anderen Textilunternehmen Oberfrankens wurden zwei Erhebungen der bayerischen Regierung von 1874 und 1906 verwendet.[20] Auch ein statistischer Abriss des Königreiches Bayern von 1876 sowie eine Statistik über die Stadt Hof von 1903 wurden benutzt.[21]

3. Die Industrielle Revolution

Die Industrielle Revolution wird als Umbruchsprozess von einer vorindustriell und traditionell eingestellten Wirtschaftsgesellschaft hin zu einer modernen Industriewirtschaft definiert,[22] die ihren Ursprung in Großbritannien hat.

Die Ursachen für diese Entwicklung lagen in vielen Bereichen begründet: gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Faktoren waren maßgebend, aber auch technische Neuerungen: beispielsweise gelang es Abraham Darby um 1725, indem er Holzkohle durch Koks[23] ersetzte, mit Kokshochöfen Eisen zu erzeugen. Henry Cort schaffte es 1784, durch das sog. „Puddel-Verfahren“ aus Eisen Stahl herzustellen, während James Watt 1765 die Dampfmaschine zur Massenverbreitung hin weiterentwickelte und James Hargreaves und Richard Arkwright 1765 und 1769 neue, effizientere Spinnmaschinen konstruierten.[24] Ein weiterer Grund war die beginnende Erschließung und Nutzung natürlicher Rohstoffe wie Kohle und Eisen.

Diese Entwicklungen hatten weitreichende Folgen. Es entstand eine neue Form der Organisation der gewerblichen Massenproduktion, die Fabrik, die ältere, obsolet gewordene Praktiken verdrängte. Sie hatte fünf charakteristische Merkmale: einen arbeitsteiligen Produktionsprozess, den Einsatz von Arbeits- und Kraftmaschinen, die ständige und rationale Nutzung von Anlagenkapital, eine disziplinierte und spezialisierte Lohnarbeit und die Unternehmensleitung durch einen Privatunternehmer, der marktwirtschaftlich kalkulierte.[25]

Weiterhin entwickelten sich neuartige Kommunikationsstrukturen, bedingt durch die Entstehung neuer Verkehrswege und –mittel, die die Herausbildung von nationalen und internationalen Märkten zur Folge hatten. Der dritte Aspekt ist der Auftritt einer neuen Wirtschaftsordnung, der Marktwirtschaft. Sie entfaltete sich durch ihren Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft, war die zentrale Regulierungsinstanz des Marktes und kontrollierte alle Produktionsfaktoren unter ihren Gesetzen.[26]

Als Folge der o.g. Entwicklungen war auch ein sozialer Umbruch zu beobachten: es bildeten sich soziale Klassen heraus, traditionelle soziale und kulturelle Bindungen brachen auf und die Urbanisierung schritt immer weiter fort.[27]

In Deutschland wird die Phase der Frühindustrialisierung etwa im Zeitraum von 1785 bis 1840 festgesetzt.[28] Sie war hauptsächlich von der Nachahmung ausländischer Technologie bestimmt, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Für den institutionellen Wandel waren zwei Aspekte entscheidend: die preußische Agrarreform und die Schaffung des deutschen Zollvereins.

Die Bodenreform in Preußen gab den Bauern die persönliche Freiheit. Außerdem verlieh sie ihnen Rechtstitel für den genutzten Boden und schuf aus dem Besitz individueller Eigentümer zusammenhängende Höfe, um zu verhindern, dass Besitzungen entstanden, die zu klein zum selbständigen Überleben waren. Als Folge davon nutzen die Bauern ihre Ressourcen effizienter, die Vermögensverhältnisse und die Sozialstruktur veränderten sich.[29]

Vor der Errichtung des Zollvereins führte die territoriale Zersplitterung dazu, dass es in Deutschland um 1790 noch ca. 1.800 Zollgrenzen gab. Die Gründung des Zollvereins 1833 schuf einen einheitlichen Wirtschaftsraum ohne Zollgrenzen und hatte vor allem zwei wesentliche Konsequenzen: der Eisenbahnbau und das Fortschreiten der monetären Integration. Durch den Bau der Eisenbahn wurde auch das Schienennetz erweitert, da die deutschen Kleinstaaten durch den Ausbau ihrer Transportwege ihren eigenen Handelsanteil sichern wollten. Die Währungsintegration, die allerdings schon vorher einsetzte und durch den Zollverein lediglich fortgeführt wurde, vereinheitlichte das Währungsgebiet und ließ damit Probleme wie das dauernde Wiegen und Umrechnen des Geldes aufgrund regional verschieden definierter Währungen zur Vergangenheit werden.[30]

Die Entstehung der Phase des „Take-Offs“ der Industrialisierung in Deutschland (1845-1873/79) ist vor allem durch den fortschreitenden Eisenbahnbau geprägt. Drei Merkmale sind hierbei wichtig: der Umfang der Investitionen in den Eisenbahnbau, der Zeitpunkt und die Natur der Investitionen sowie die Auswirkungen der Eisenbahnentwicklung auf Produktivität und Transportpreise.

Der erste Aspekt hatte als direkte Folge die Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen. Aber auch Rückkoppelungseffekte traten auf: beispielsweise wurde die Eisen- und Stahlindustrie massiv vom Eisenbahnbau beeinflusst, etwa durch generellen Aufschwung in diesem Gewerbe. Umgekehrt bewirkte eine gute Wirtschaftslage in der Eisen- und Stahlindustrie aber kaum eine verstärkte Tätigkeit im Eisenbahnbau. Das zweite Phänomen ist die Entwicklung der Großbanken. Ihre Chefs waren meist auch Mitglieder der Emissionskonsortien der Bahnunternehmen, die auch Aktien des Unternehmens hielten. Die neuen AGs wurden von den Bankiers mit Betriebskapital versorgt und standen deshalb auch unter ihrer Kontrolle, z.B. indem die Bankiers Direktoren der Eisenbahngesellschaften wurden.[31]

Der Zeitpunkt der Investitionen in den Eisenbahnmarkt war ein vom Markt angetriebener Prozess: erwartete Gewinne waren die Basis für realisierte hohe Investitionen der Eisenbahngesellschaften. Umgekehrt reagierte der Sektor auf die Entstehung moderner Industrieunternehmen.

Drittens ließ die Eisenbahnentwicklung die Effizienz enorm steigen: dies hatte Kostensenkungen zur Folge, die dann wiederum in die Verbesserung der Anlagen reinvestiert wurden. Dadurch ergaben sich technische (z.B. die Standardisierung der Ausrüstung) und organisatorische Verbesserungen (z.B. Optimierung der Fahrpläne).[32]

Die Phasen der Industrialisierung in Oberfranken sind im Vergleich zu denen Gesamtdeutschlands zeitlich nach hinten verschoben. Die Protoindustrialisierung umfasst den Zeitraum zwischen 1755 und 1855, die Frühindustrialisierung kann man zwischen 1855 und 1871 datieren, der „Take-Off“ von 1871 bis in die 1880er Jahre und die Hochindustrialisierung ab den 1880er Jahren.[33]

Die Textilindustrie konnte man wohl als die stärkste Industrie Oberfrankens bezeichnen, diese hatte ihr Zentrum in Hof.[34] In der Phase der Protoindustrialisierung herrschte noch das Verlagssystem[35] in der Weberei vor. Die städtischen Verleger machten sich hierbei die an die Familie gebundene Heimweberei zunutze, die sich aufgrund nur kärglicher landwirtschaftlicher Erträge entwickelte. Die Heimweber stellten ein billiges Arbeitskräfteangebot dar, das sich die Verleger zunutze machten und keinen Grund für eine Modernisierung und damit für teure Investitionen sahen, was den 100-jährigen Rückstand Oberfrankens gegenüber Gesamtdeutschland beim Beginn der Protoindustrialisierung erklärt. In der Frühindustrialisierungsphase, die durch den Eisenbahnbau eingeleitet wurde, erlebten die wenigen Manufakturen in den 1830er Jahren einen Niedergang wegen der Wirren der napoleonischen Kriege, dem Druck der ausländischen Konkurrenz und fehlender finanzieller Mittel. Vielen Unternehmern bot das traditionelle Verlagssystem mehr Chancen als die kapitalintensive und riskante Spinnerei und Weberei in den Manufakturen. Dies ist auch der Grund dafür, dass in Oberfranken zwischen dem Niedergang der Handweberei in den 1830ern und dem Aufkommen erster textiler Großbetriebe in den 1850ern einige Jahre lagen.[36] Kein oberfränkischer Textilbetrieb ist aus einer Manufaktur heraus entstanden.

Die Reichsgründung von 1871 hatte in Oberfranken den „Take-Off“ der Industrialisierung zur Folge. Die Hochindustrialisierung folgte in den 1880er Jahren, in denen in Hof die meisten Textilunternehmen gegründet wurden.

4. Das Hofer Textilgewerbe von den Anfängen bis 1789

Die Keimzelle der Hofer Textilindustrie ist, nach Ansicht einiger Forscher, das Hofer Klarakloster. Laut Dietmar Trautmann verarbeiteten seit der Gründung des Klosters um 1287 dort Nonnen, die „Beghinen“[37] genannt wurden, Flachs und Wolle, anfangs nur für den eigenen Bedarf, später auch für Stadt und Land.[38] Das Kloster besaß ab 1359 eine Schäferei am Alsenberg.[39] Arnd Kluge, der Hofer Stadtarchivar, geht deshalb davon aus, dass das Klarakoster möglicherweise den Ursprung des Hofer Textilgewerbes darstellt, da es eine enge Verbindung zu den damaligen Landesherren, den Burggrafen von Nürnberg und späteren Markgrafen von Brandenburg, hatte. Die Schäferei wurde im Laufe der Zeit systematisch ausgebaut, wohl als Instrument der Wirtschaftsförderung. Weiterhin erhielt der Klosterschäfer im Pachtvertrag die Auflage, eine Mindestzahl an Schafen zu halten, die den Bestand, den das Kloster benötigte, weit überragte, sodass selbiges aus dem Überschuss auch keinen finanziellen Nutzen ziehen konnte. Zudem produzierte die Alsenberger Schäferei eine Rohwollmenge von 1,5 bis 5 t jährlich, die zahlreiche Handspinner außerhalb des Klosters beschäftigte.[40]

Adelheid Weißer behauptet dagegen, dass die Klarissen aufgrund ihrer meist adligen Herkunft es nicht nötig hatten, zu weben oder zu spinnen, da die Frauen beim Eintritt in das Kloster diesem ihren Grundbesitz übertrugen. Weiterhin meint sie, dass es in Himmelkron ein Zisterzienserinnenkloster gab, aber nicht in Bamberg, Kulmbach und Hof. Auch Beghinen, die Trautmann nach ihrer Meinung fälschlicherweise das Hofer Klarakoster bewohnen lässt, gab es in Hof nie, sodass sie zu dem Schluss kommt, dass das Klarakloster nicht die Keimzelle des Hofer Textilgewerbes darstellt, sondern aufgrund der Wirtschaftsförderung durch den Landesherren die Spinner und Weber von außerhalb in Hof angesiedelt wurden. Die Nürnberger Burggrafen förderten in ihrem Territorium die Baumwollweberei und siedelten beispielsweise 1414 drei schwäbische Baumwollweber in Kulmbach an.[41]

Was war nun aber der Grund für die Entwicklung des Textilgewerbes in Hof? Drei Argumente können hier genannt werden: die Schafzucht, der Fernhandel und die mangelnden wirtschaftlichen Alternativen in der Region.

Die Schafzucht wurde schon im 14. Jahrhundert durch die Burggrafen von Nürnberg, wie ich gerade dargelegt habe, gefördert. Zudem war Hof an das Nürnberger Fernhandelssystem angeschlossen und besaß so die Möglichkeit, aus fernen Ländern Rohstoffe zu importieren und fertige Produkte zu exportieren. Drittens war die Textilindustrie in Hof wirtschaftlich alternativlos: Hof besaß keinen Bergbau, eine nur schwach ausgeprägte Landwirtschaft, keine Export-Flößerei und war auch kein Standort einer Residenz weltlicher oder geistlicher Würdenträger.[42]

1432 gab es schon 40 Tuchmacher in Hof.[43] Der älteste Beleg des Handels mit reinen Baumwollwaren in Oberfranken findet sich in einer Urkunde von 1402[44], und 1432 siedelten sich drei Kulmbacher Schleierweberinnen, die der Landesherr nach Hof geschickt hatte, dort an,[45] was die obige These Adelheid Weißers unterstützt. Tuche wurden aus Wolle, Schleier aus Baumwolle hergestellt. Schleier (auch „Schlöre“ oder „Stauchen“ genannt) waren Umschlagtücher aus weißer, reiner Baumwolle, die etwa 3 m lang waren.[46] Die Schleierweberei war im Verlagssystem organisiert, und meist gingen Bürgersfrauen, Dienstboten und im Nebenerwerb auch Handwerker und Krämer dieser Tätigkeit nach.[47]

Den Arbeitsprozess begann der Wollenmacher, der die Wolle mit Ruten schlug, um sie zu lockern, und sie dann anschließend in einem zweiten Arbeitsgang, dem sog. „Kratzen“, entwirrte. Danach verspann der Spinner auf einem Rocken[48] - später auf dem Spinnrad - die Wollfasern zu einem Garn, was anschließend dem Weber übergeben wurde, der daraus einen Schleier fertigte. Abschließend wurden die Schleier noch gebleicht.[49] Im Laufe der Zeit kam die Schleierweberei zu großer Blüte[50] und übertrumpfte auch die Tuchmacherei, da erstere eine bessere Verdienstmöglichkeit darstellte. Die Tuchmacherei entwickelte sich aber trotz der lokalen Konkurrenz ebenfalls stark.[51] Die Schleier wurden in großer Menge exportiert: sie wurden auf Jahrmärkten und Kirchweihen in der Umgebung verkauft, fanden aber auch auf großen Messen in Frankfurt, Naumburg, Nürnberg und Leipzig Absatz.[52]

In kurzer Zeit geriet die Schleierweberei jedoch in eine ernste Krise. Schlechte Qualität der Ware und eine enorme Überproduktion hatten negative Folgen und beschädigten den Ruf des Gewerbes. Eine weitere Ursache war wohl die Verselbständigung der Weber um 1550: sie sagten sich von den Verlegern los, kauften die Baumwolle selbständig und verkauften ihre Schleier direkt an die zünftigen Händler, ohne den „Umweg“ über die Verleger zu nehmen. Damit gingen sie natürlich ein hohes Risiko ein: zwar ermöglichte ihnen diese Methode bei guter Konjunktur einen besseren Verdienst; allerdings fertigten sie die Schleier auch auf eigene Rechnung an und liefen Gefahr, sie nicht zu verkaufen.[53] Zudem durften die Schleier nur an die Händler verkauft werden, die aufgrund ihrer monopolartigen Stellung die Preise festsetzen konnten und so indirekt die Herrschaft über die Produktion weiterhin innehatten.

Um die Missstände wie die Qualitätsverschlechterung der Ware zu beheben, wurde 1558 die erste Schleierhändlerordnung[54] erlassen: sie legte z.B. eine Handelsbeschränkung fest und eine ständige Tuchschau, die die Qualität und den Verkauf der Ware überwachen sollte.[55] Mädchen, die die Schleierweberei erlernen wollten, mussten das Hofer Bürgerrecht besitzen,[56] der Höchstlohn für einen Schleier durfte 9 Pfg. (Pfennig) und die Jahresproduktion eines Händlers durfte 60 Schock[57] nicht überschreiten.[58]

Die erste Schleierhändlerordnung konnte die Krise partiell eindämmen, allerdings mussten die Regeln noch verschärft werden: in einer nachfolgenden Ordnung von 1567 wurde die Jahresproduktionsmenge für Handwerker von 60 auf 24 Schock begrenzt. Dies musste eingeführt werden, da viele Handwerker aus anderen Branchen die Schleierweberei nebenberuflich betrieben und damit eine zu große Konkurrenz für die etablierten Schleierweber darstellten.[59]

Um 1590 erreichte die Schleierweberei ihren Höhepunkt, danach verschlechterte sich die Lage extrem, da sich der allgemeine Kundengeschmack änderte und Schleier nicht mehr so gefragt waren.[60] Der 1618 ausgebrochene Dreißigjährige Krieg versetzte der Schleierweberei schließlich den Todesstoß, da auch Hof von Truppenbelagerungen und Plünderungen nicht verschont blieb. Viele Einwohner wurden getötet, und die wenigen übriggebliebenen Schleierweber konnten ihre Ware nicht mehr veräußern.[61]

Nach dem Niedergang der Schleierweberei spezialisierten sich die Hofer Weber auf Flöre, schwarze, dünne Baumwollgewebe aus gröberem Garn, die 14 Bayreuther Ellen[62] lang und 1/3 Elle breit waren und von der ärmeren Bevölkerung als Halstücher getragen wurden.[63] Die freie Florweberei war einfach und mühelos zu erlernen, da der Anspruch an die Qualität und Feinheit der Ware sehr gering war. Die Flöre wurden auf schmalen Webstühlen aus grobem, aus der Region stammendem Handgarn gefertigt. Da das Anlage- und Betriebskapital nur gering war, stellte die Florweberei auch für arme und kinderreiche Familien einen möglichen Erwerbszweig dar. Sie teilten sich bei der Florherstellung die Arbeit auf: einer kämmte die Wolle, einige spannen und einer webte.[64] Im Unterschied zur Schleierweberei lag die Leitung von Produktion und Absatz fast ausschließlich bei der jeweiligen Familie, da die Arbeiter auf eigene Rechnung zum Verkauf auf den Messen oder an die Kaufleute, die die Hofer Jahrmärkte besuchten, arbeiteten. Ein kleiner Teil, nämlich sehr arme Weber, fertigten in Lohnarbeit für Hofer Florhändler, diese lieferten ihnen das Garn.[65]

Die Florweberei nahm eine günstige Entwicklung. Seine größte Blüte erlebte sie an der Wende des 17. Jahrhunderts. Hof produzierte jährlich über 200.000 Ballen Flöre für den deutschen und ausländischen Markt, die Erzeugnisse fanden vorwiegend in Südbayern, Salzburg, Österreich, Frankreich und Italien Absatz.[66]

Da er nicht zünftig organisiert war, brachte der große Umfang des Florhandels aber auch Probleme mit sich: beispielsweise übten zahlreiche bürgerliche Handwerker die Florweberei nebenberuflich aus, wie es schon bei der Schleierweberei der Fall war. Dies führte wie schon damals zu einem übermäßigen Ansteigen der Konkurrenz und zu einer starken Überproduktion, mit den ungesunden Folgen heftiger Preisdrückerei und Verschlechterung der Warenqualität.[67]

Um 1750 begann die Phase des Niedergangs, für den neben den gerade dargestellten Problemen einige weitere Gründe anzuführen sind. Die Nachfrage nach Flören reduzierte sich mit steigendem Wohlstand der Käufer. Die bisherigen Hauptabnehmer, Bauern aus Schwaben und Altbayern, begannen seidene Halstücher zu tragen und die Flöre wurden nur noch von den ärmsten Volksklassen gekauft. Zudem verhängte Österreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Importembargo für Flöre, womit ein wichtiger Absatzmarkt verlorenging. Weiterhin machte den Hofer Händlern die Konkurrenz aus dem nordwestböhmischen Asch zu schaffen, wo man ebenfalls mit der Florproduktion begonnen hatte. Und schließlich zogen sich auch viele Arbeiter aus anderen Branchen, die nebenberuflich Flöre produzierten, wieder aus der Florweberei zurück, da sie aufgrund der geringen Verkaufspreise keinen Verdienst mehr einbrachte.[68] Die Florweberei wurde zum unbedeutenden Lokalgewerbe reduziert; 1806 betrug die Produktion kaum mehr 2 % der ehemaligen,[69] 1812 gab man das Gewerbe völlig auf.

Umso gewinnbringender wurde dafür ein anderer Zweig, der im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Schwung gekommen war – die Tüchleinweberei. Sie entstand um 1755 durch die Initiative Georg Christoph Rosts, eines Hofer Kaufmanns, der die Krise der Florweberei und das damit verbundene Elend der Spinner und Weber nicht mehr mit ansehen konnte. Er ließ sog. „Tüchlein“ fertigen, um ihre Not zu lindern. Tüchlein waren ein- oder mehrfarbige, gemusterte Baumwollgewebe, die als Halstücher, Taschentücher und Schürzen verwendet wurden.[70]

Wiederum vollzog sich ein Wandel in der Form der betrieblichen Organisation. Die Flöre waren Modeschwankungen kaum unterworfen gewesen, die Tüchlein waren das genaue Gegenteil. Durch die Mode wechselte ständig ihre Feinheit, Größe und Farbe, was eine genaue Kenntnis der Marktlage und eine schnelle und genaue Anpassung an die Wünsche der Kunden erforderte. Außerdem war ein großer Kapitalstock notwendig, einerseits für den Rohstoffeinkauf und den Vertrieb der Produkte, andererseits zur Abfederung etwaiger Konjunkturschwankungen, dem dieser Artikel natürlich aufs stärkste ausgesetzt war. All diese Fähigkeiten besaßen die kleinen Weber nicht, sodass im Laufe der Zeit der Typus des Manufakturers (auch „Fabrikant“ oder „Verleger“ genannt) wieder aufkam (der schon in der Schleierweberei präsent war), der sich mit seiner Kapitalkraft und Beweglichkeit zwischen die ärmeren Meister und die Verbraucher schob. Sie übernahmen dank ihrer Kenntnis des Warenmarktes die Produktionsleitung, gaben Aufträge und Rohstoffe an die Weber aus und der Absatz der Waren lag in ihrer Hand.[71]

Die Tüchleinweberei wurde hauptsächlich von ehemaligen Florwebern und von Personen als Nebenerwerb ausgeübt, wie z.B. Frauen von Adligen, Beamten und Pfarrern sowie Witwen, Mädchen und Kinder.[72] Die Produktion war enorm: 1790 betrug die Jahresproduktion 45.000 Dutzend Tüchlein im Wert von 4-6 Gulden pro Stück, über 2000 Stücke Kattun[73], etwa 8000 Stücke Zitze[74] und Musseline[75] und 30.000 Flöre wurden gefertigt, der Ertrag belief sich auf 320.000 fl. (rheinische Gulden).[76]

Um 1763 waren neben der Hofer Manufaktur Rosts mit 40 Webstühlen ca. 30 Händler tätig, die Baumwollwaren verlegten und sich aus Kaufleuten, Baumwollhändlern und teilweise auch aus Webern zusammensetzten. Einer kleinen Anzahl Webermeister gelang es nämlich, von den Verlegern unabhängig zu bleiben oder, in seltenen Fällen, sogar selbst zu solchen aufzusteigen, einige hatten 8-10 oder sogar 20 Stühle laufen.[77]

[...]


[1] Sich „verzetteln“ bedeutet „den Überblick verlieren“. Zu Beginn verteilte der Weber die Fäden, die er für seine Arbeit brauchte. Wenn er so viele davon ausgebreitet hatte, dass er sich in Kleinigkeiten verlor, nannte man dies „verzetteln“.

[2] „Aufbäumen“ heißt, dass man sich erhebt, gegen etwas rebelliert oder etwas trotzt. In der Weberei war dies der Ausdruck dafür, dass das Garn auf den Kettenbaum des Webstuhls aufgewickelt wird.

[3] Sich „Verhaspeln“ meint, dass man etwas nicht richtig ausspricht. Mit einer Haspel wurde die Garnlänge gemessen. Wenn hierbei ein Fehler gemacht wurde, nannte man dies „verhaspeln“.

[4] Karl Schmid: Die Entwicklung der Hofer Baumwoll-Industrie 1432-1913, in: Wirtschafts- und Verwaltungsstudien mit besonderer Berücksichtigung Bayerns, hg. v. Georg Schanz, Leipzig/Erlangen 1923 (im Folgenden zitiert als „Schmid, Entwicklung“); Ernst Dietlein: Das Textilgewerbe der bayer. Stadt Hof von 1500-1870, Diss., Erlangen 1923 ( im Folgenden zitiert als „Dietlein, Textilgewerbe“).

[5] Elisabeth Roth u.a.: Oberfranken im 19. und 20. Jahrhundert, Bamberg 1990; Georg Krauss: Die oberfränkische Geschichte, Hof 1981.

[6] August Benker: Die Entwicklung der Textilgewerbe in Oberfranken und ihre heutige Lage, Diss., Erlangen 1924.

[7] Carl Hofmann: Die Hausweberei in Oberfranken, in: Heimarbeit und Verlag in der Neuzeit, hg. v. Paul Arndt, 12. Heft, Jena 1927 (im Folgenden zitiert als „Hofmann, Oberfranken“).

[8] Arnd Kluge: Handspinnen und Handweben in der Geschichte Oberfrankens, in: Miscellanea curiensia VIII (57. Bericht des Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde), hg. v. Axel Herrmann u.a., Hof 2009 (im Folgenden zitiert als „Kluge, Handspinnen“).

[9] Jutta Keßler: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der oberfränkischen Textil- und Bekleidungsindustrie, Diss., Nürnberg 1956 (im Folgenden zitiert als „Keßler, Bedeutung“).

[10] Peter Eitler: Die Familie Franck und die Industrialisierung Hofs, in: Miscellanea curiensia VI (54. Bericht des Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde), Hof 2006, S.181-207; Hermann Wunnerlich: Die Familie Wunnerlich, Hof 1998.

[11] Rudolf Macht: Geschichte der Hofer Arbeiterbewegung, 4 Bde., Bayreuth 1989-2001 (im Folgenden zitiert als „Macht, Hofer“).

[12] Albrecht Bald: Hof und Selb. Die Entwicklung von Industrie, Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung in zwei nordostoberfränkischen Städten 1895-1924 vor dem Hintergrund der Industrialisierung in Oberfranken, in: Archiv für Geschichte von Oberfranken, Bd.74, hg. v. Historischen Verein für Oberfranken, Bayreuth 1994 (im Folgenden zitiert als „Bald, Hof“).

[13] Arnulf Bührle: Eisenbahn und Industrialisierung, in: Münchberger Textil-Blätter, Bd.9, Münchberg 1986 (im Folgenden zitiert als „Bührle, Eisenbahn“); Martina Wurzbacher: Der Eisenbahnbau und seine Folgen für die Hofer Textilindustrie im 19. Jahrhundert – dargestellt am Beispiel ausgewählter Firmenmonographien des Raumes Hof, in: Miscellanea curiensia II (41. Bericht des Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde), Hof 1999 (im Folgenden zitiert als „Wurzbacher, Folgen“).

[14] Heinrich Wirth: Chronik der Stadt Hof nach M. Enoch Widmann, Rector der Schule zu Hof im Jahr 1596, und einigen anderen älteren Geschichtsschreibern, deren Namen unbekannt sind, Hof 1843 (im Folgenden zitiert als „Widmann, Chronik“).

[15] Die Landeshauptmannschaft Hof war eines von um 1750 elf, um 1806 sieben Verwaltungsgebieten des Fürstentums Bayreuth.

[16] Philipp Ludwig von Weitershausen: Gegenwärtiger Zustand der Landeshauptmannschaft Hof als ein Beytrag zur Statistischen Kenntniß des Burggrafthums Nürnberg oberhalb Gebirgs, Bayreuth 1792 (im Folgenden zitiert als „Weitershausen, Zustand“).

[17] Diese Berichte sind, wie er selbst gesteht, wohl nicht ganz korrekt: Ebd., Vorbericht (nicht paginiert): „Ich legte die 1783 von der Landeshauptmannschaft Hof verfertigte Statistische- und die vom Jahr 1787 auf Landesherrlichen Befehl herausgekommene allgemeine Bevölkerungs-Gewerbe-Feldbau und Vieh-Stands-Tabellen – die doch nicht so gar richtig sind, als man es glauben sollte – zum Grund, und neben bey nahm ich eigenen Augenschein, Bauern, Schultheiße, Dorfrichter, Zöllner und Schulmeister zu Hülfe. Dieses war diese – wahre Tagelöhner Arbeit, bey der so gar noch Unrichtigkeiten können untergelaufen seyn.“.

[18] Ebd.: „Archivarische Quellen, Longolii sichere Nachrichten, Großens Landes- und Regentenhistorie, des Herrn Hof Cammer-Rath Lange handschriftliche Topographie und andere Nachrichten, waren zu meinem Zweck gar nicht dienlich...“.

[19] Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera und Plauen, sowie ihrer Hausklöster Mildenfurth, Cronschwitz, Weida und z.h. Kreuz bei Saalburg, Bd.2, 1357-1427, in: Thüringische Geschichtsquellen, Bd.5, 2.Teil, hg. v. Berthold Schmidt, Jena 1892 (im Folgenden zitiert als „Urkundenbuch, Weida“).

[20] Königliches Staatsministerium des Innern: Ergebnisse einer Erhebung über die in Bayerischen Fabriken und größeren Gewerbebetrieben zum Besten der Arbeiter getroffenen Einrichtungen, München 1874, S.50f. (im Folgenden zitiert als „Staatsministerium, Einrichtungen“); Bayerisches Statistisches Bureau: Die Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen in bayerischen Fabriken und grösseren Gewerbebetrieben. München 1906, S.18 (im Folgenden zitiert als „Bureau, Wohlfahrt“).

[21] Königliches Statistisches Bureau: Statistischer Abriss für das Königreich Bayern, München 1876 (im Folgenden zitiert als „Bureau, Abriss“); Adolph Lienhardt: Statistisches aus der Stadtgemeinde Hof, Hof 1903 (Faltblatt ohne Seitenangaben) (im Folgenden zitiert als „Lienhardt, Stadtgemeinde“).

[22] Hans-Werner Hahn: Die Industrielle Revolution in Deutschland, 2. Aufl., in: Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 49, hg. v. Lothar Gall, München 2005, S.1 (im Folgenden zitiert als „Hahn, Revolution“).

[23] Koks ist ein poröser, stark kohlenstoffhaltiger Brennstoff, der in Kokereien aus Braun- oder Steinkohle erzeugt wird.

[24] Hahn, Revolution, S.3.

[25] Ebd., S.2.

[26] Ebd.

[27] Ebd.

[28] Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte II: Von der Reformära bis zur industriellen und politischen „Deutschen Doppelrevolution“ 1815-1845/49, München 1987, S.26, 54, 65, 612-614. Die Protoindustrialisierung (die Phase vor der Frühindustrialisierung) dauert dort von 1650-1790, der „Take-Off“ von 1845 bis 1873/79 und die Hochindustrialisierung beginnt ab 1873/79.

[29] Ray Porter/Mikulás Teich: Die Industrielle Revolution in England, Deutschland, Italien, übers. v. Wolfgang Kaiser, Berlin 1998, S.62f. (im Folgenden zitiert als „Porter, England“).

[30] Ebd., S.67f.

[31] Ebd., S.71-73.

[32] Ebd., S.74.

[33] Rainer Trübsbach: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, in: Elisabeth Roth, Oberfranken im 19. und 20. Jahrhundert, Bamberg 1990, S.593, 597, 602 und 661 (im Folgenden zitiert als „Trübsbach, Wirtschaftsgeschichte“). Bei der Protoindustrialisierung lag Oberfranken im Vergleich zu Gesamtdeutschland um 105 Jahre zurück, bei der Frühindustrialisierung um 70 Jahre und der „Take-Off“ begann ca. 30 Jahre später. Nur der Beginn der Hochindustrialisierung in Oberfranken lag nur um wenige Jahre hinter dem des Deutschen Reiches.

[34] Ebd., S.615 und 660f.. Trübsbach stellt diese Aussage unter Vorbehalt, da noch quantitative Forschungen zu diesem Thema das Bild ergänzen müssen. Als Argument führt er an, dass die moderne Schwerindustrie, die in den meisten Teilen Deutschlands die Industrialisierung ausgelöst hatte, in Oberfranken kaum vorhanden war, sodass eine andere Branche diesen Part übernehmen musste. Dafür hatte er aufgrund der Technisierung, der steigenden Produktivität, des Wachstums und ihrer dominierenden Rolle in der Region die Textilindustrie ausgemacht. Allerdings war auch die Porzellanindustrie, die in den 1860er Jahren in Selb entstand, ähnlich stark.

[35] Im Verlagssystem beliefert der Auftraggeber (der „Verleger“) die Heimarbeiter mit Rohstoffen, woraus diese dann die geforderten Waren herstellen. Anschließend verkauft der Verleger die gefertigten Produkte und entlohnt die Arbeiter.

[36] Bald, Hof, S.233.

[37] Beghinen waren Klosterschwestern, die unter einer selbst gewählten Vorsteherin ein andächtiges Leben führten, ohne einem Orden anzugehören. Auch legten sie ihre Gelübde nur auf Zeit ab, diese wurden jährlich erneuert.

[38] Dietmar Trautmann: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt Hof von Anbeginn bis zur Gegenwart, in: Die Chronik der Stadt Hof, Bd. VII, Teil 1: Die Zeit bis zur Eingliederung in das Königreich Bayern, Hof 1979, S.184 (im Folgenden zitiert als „Trautmann, Chronik“); Hofmann, Oberfranken, S.7f.; Keßler, Bedeutung, S.10.

[39] Vgl. dazu Arnd Kluge: Die Schafzucht in Oberfranken und das Beispiel Alsenberg aus dem Raum Hof, in: Beiträge zur Landeskunde Oberfrankens. Festschrift zum 65. Geburtstag von Bezirkstagspräsidenten Edgar Sitzmann, hg. v. Hans Becker (Bamberger Geographische Schriften, Sonderfolge Nr.6), Bamberg 2000, S.63-87 (im Folgenden zitiert als „Kluge, Schafzucht“). Der Alsenberg ist ein Stadtteil Hofs, der im Südosten der Stadt liegt.

[40] Ebd., S.84.

[41] Adelheid Weißer: Das Hofer Klarissenkloster – Keimzelle der Hofer Textilindustrie?, in: Miscellanea curiensia I (39. Bericht des Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde), Hof 1996, S.29-31.

[42] Kluge, Handspinnen, S.10f.

[43] Widmann, Chronik, S.43: „Damals waren nicht über 40 Tuchmacher dahier...“.

[44] Urkundenbuch, Weida, S.363: „Item uff der Eger strasse ward genomen unser burger einem von Hofe Heinrich Glaser genannt II pfert und IIII stucke gegarntes und ein sloyr, das tetten des von Wida gebrott knecht Denlein und Beheim, anno MCCC secundo.“ Diese Urkunde belegt die erstmalige Verwendung des Wortes „Schleier“ („sloyr“) in Oberfranken.

[45] Widmann, Chronik, S.43:“... auch nicht mehr als drei Schleierwirkerinnen, welche von Culmbach hierher gekommen, und das Schleiermachen bei uns angefangen haben.“

[46] Drei Meter waren eine „Kulmbacher Elle“. Während einige Autoren wie Schmid und Bayerlein meinen, dass sich die Schleier die Länge einer Kulmbacher Elle gaben, sagt Arnd Kluge, dass es genau andersherum gewesen sei. Aufgrund der genormten Länge der Schleier gab man dieser Länge die Bezeichnung „Kulmbacher Elle“ (Schmid, Entwicklung, S.1; Fritz Bayerlein: Die wirtschaftliche Lage des ehemaligen Fürstentums Bayreuth von 1806-1810 unter besonderer Berücksichtigung seiner Textil-Industrie, Innsbruck 1929, S.80; Kluge, Handspinnen, S. 11).

[47] Keßler, Bedeutung, S.15.

[48] Ein Rocken ist ein stabförmiges Gerät, an dem die noch unversponnenen Fasern befestigt werden.

[49] Schmid, Entwicklung, S.1f.

[50] Widmann, Chronik, S.43f.: „Das Schleiermachen ist aber so hoch gestiegen, daß es später der vornehmste Handel neben dem Bierbräuen geworden ist, und viele Personen durch das Spinnen und Wirken, Kaufen und Verkaufen der Schleier sich nährten.“; Ebd., S.225 sagt Widmann auch, dass man in der Stadt und außerhalb davon keine fünfzig Häuser findet, die einen Beruf ausüben, der nichts mit dem Baumwollgewerbe zu tun hat.

[51] Ebd., S.43: Hernach haben sich die Tuchmacher aber so sehr vermehret, daß 1533 und später gegen 200 in unserer Stadt gefunden wurden.“ Kluge meint dazu, dass die eigentliche Zahl niedriger lag, da Widmann wohl die Gesellen und Lehrlinge mitgezählt habe (Kluge, Handspinnen, S.9). Belege für den Aufschwung der Tuchmacherei sind erstens die Gründung einer Zunft 1514, zweitens der 1520 erhaltene Auftrag, die im 15. Jahrhundert vollendete Hofer Michaeliskirche auszustatten, und drittens der Export der Tuche nach Kulmbach und die andere Umgebung (Ebd.).

[52] Schmid, Entwicklung, S.2; Keßler, Bedeutung, S.15; Hofmann, Oberfranken, S.13.

[53] Schmid, Entwicklung, S.3f.; Hofmann, Oberfranken, S.16.

[54] StadtA Hof, M 31: Ernst Dietlein: Gewerbe-Geschichte der Stadt Hof. A) Textilgewerbe bis 1853, S.87; Schmid, Entwicklung, S.2f.

[55] StadtA Hof, M 1, Franz Joetze: Handschriftliche Abschriften mit Anmerkungen, 10 Bde., Bd.9, A11: Abschrift der Stauchenhändlerordnung der Stadt Hof von 1558, 1288 (im Folgenden zitiert als „Joetze, Abschriften“): „So sollen acht des handels verstendige zu schaumeistern verordnet und darzu mit sondern pflichten verpunden und beladen, aus denen das jhar über in viren das schaumeister ambt und inen bey iren pflichten aufgelegt werden sol, in iren weder gunst, feindschaft, furcht, reich oder arm anzusehen, sonder sich in die schaue, und was der sunst anhengig gegen einen jtlichen, als gleich mesigs zuerzaigen und alle zum Hof gemachte schlor mit vleis zu besichtigen und zu schauen, und sigel geld gegeben werden…“.

[56] Ebd., 1294: „Desgleichen auch kein leermaid aufs schlor wurken angenommen werden, sie sey dan eins burgers oder gesesnen inwonerin in der Altenstadt tochter.“

[57] 1 Schock = 60 Stück; 60 Schock = 3600 Stück.

[58] Joetze, Abschriften, 1295: „jerlich und jedes jhar besonder sechzig schock stauchen zu zeugen selbst zuplaichen, zuverkaufen und zuvertreiben und daruber nit[…] und bey straf zehen gulden[…] und darzu des handels ein ganzes jhar verlustig sein soll.“.

[59] StadtA Hof, M 31, S.88f.

[60] Widmann, Chronik, S.308: „Die ersten vier Monate dieses Jahres haben die armen Leute allhier, die sich zuvor mit spinnen und wirken nährten, und damals gar nichts zu arbeiten hatten, weil die Schleier zu Nürnberg, Leipzig, Frankfurt und anderswo nichts galten, die liebe Armuth, aus Noth einen Schleier um 3 Groschen geben mußte, und dennoch, ob sie schon die Schleierhändler um Gotteswillen baten, schwerlich oder gar nichts verkaufen konnte, dagegen ein Pfund Baumwolle um 9 Groschen kaufen mußten, einen solchen bitteren Hunger und Kummer gelitten, daß sie das Blut im Kuttelhof aufgefangen und gesotten, auch die Treber [die ausgelaugten Rückstände des Malzes bei der Bierherstellung und die ausgepressten Weintrauben, Anm. d. Verf.] aus Mangel des Brotes und anderer Speise gekocht und gegessen haben.“.

[61] StadtA Hof, M 31, S.90f.; Hofmann, Oberfranken, S.17.

[62] http://www.barnick.de/bt/wer/sonstige/provinzbayreuth.htm (Stand: 2.1.2011, 21:26h). Eine Bayreuther Elle war definiert als „1 Fuß 2 Zoll 3 Linien“ (ca. 36,4 cm), 14 Bayreuther Ellen waren also ca. 5,69m.

[63] Hofmann, Oberfranken, S.17.

[64] Schmid, Entwicklung, S.5; Keßler, Bedeutung, S.17; Hofmann, Oberfranken, S.17.

[65] Schmid, Entwicklung, S.5.

[66] Ebd.

[67] Hofmann, Oberfranken, S.17.

[68] Hofmann, Oberfranken, S.18; Keßler, Bedeutung, S.17; StadtA Hof, M 31, S.91.

[69] Schmid, Entwicklung, S.9. Auf welche „ehemaligen“ Daten sich Schmid hier konkret bezieht, ist unbekannt; es kann sich wohl nur um die 200.000 Ballen Flöre um 1700 handeln, die damals pro Jahr im Ausland verkauft wurden. Nach dieser Annahme lag die Produktion also 1806 bei über 4000 Ballen jährlich, da ja noch ein gewisser Inlandsabsatz hinzukam.

[70] Keßler, Bedeutung, S.17; Hofmann, Oberfranken, S.18f.; StadtA Hof, FI 20, Nr. 600: Zur Geschichte der Neuen Baumwoll-Spinnerei und Weberei Hof 1853-1953, Hof 1953.

[71] Schmid, Entwicklung, S.10f..

[72] Weitershausen, Zustand, S.60: „und zwar den Theil, der sonst meistens unthätig geblieben wäre: Adeliche-Beamten-Pfarr- und andere Frauen, Wittwen und Mädgen, die sich anderer Arbeiten nicht unterziehen würden, Kinder, die sich mit andern Arbeiten nicht abgeben könnten.“.

[73] Kattun ist ein glattes, sehr dichtes Baumwollgewebe.

[74] Zitze sind feinere, bedruckte Sorten Kattun.

[75] Musselin ist eine sehr leichte, lockere, feinfädige und glatte Stoffart, die aus Wolle oder Baumwolle in Leinwandbindung gewebt wird.

[76] Weitershausen, Zustand, S.60: „indeme über 45.000 Dutzend Tüchlein, über 2000 Stücke Cattun und gegen 8000 Stücke Mouseline verfertigt wurden. Nach dieser sicher gegründeten, eher zu gering als zu hoch gemachten Berechnung, beträgt der reine Ertrag gewiß 320.000 fl Rhn. Welch ein Nahrungs-Zweig, der 320.000 fl [fl. = florenus = Gulden, Anm. d. Verf.] reinen Ertrag, in ein Ländgen von 13 Meilen bringt!“. Schmid ist sich nicht sicher, ob Weitershausen diese Zahlen auf die Stadt Hof allein oder auf die ganze Landeshauptmannschaft (deren Hauptteil allerdings die Stadt ausmachte) bezieht, er nimmt jedoch ersteres als wahrscheinlicher an (Schmid, Entwicklung, S.11).

[77] Weitershausen, Zustand, S.60: „Die Wichtigkeit dieses Nahrungs-Zweiges, beruhet nicht auf großen Manufacturiers, denn außer den Herren Köhler, Schneider, Herold, Otto, und Wunnerlich, die den Mouselin, Cattun, Tüchlein und Strumpfhandel ins Große treiben, besuchen noch zehn bis zwölf Weber, davon jeder jährlich zwischen 3-6000 Dutzend Tüchlein verfertigen läßet, zweymal die Frankfurter Messen.“.

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Titel: Die Geschichte der Hofer Textilindustrie 1789-1919