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Untersuchung zum Film "Berlin – Die Sinfonie der Großstadt" (D 1927) von Walter Ruttmann als Werk der filmischen Moderne

Seminararbeit 2011 10 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition der Konzepte im Einzelnen
2.1 „absoluter Film“
2.2 „Neues Sehen“ & „Neue Sachlichkeit“
2.3 „Querschnittfilm“

3 Anwendung der einzelnen Konzepte auf den Film BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSSTADT (D 1927)

4 Schlusswort

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser schriftlichen Übung werde ich folgende Aufgabenstellung anhand des Films BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSSTADT (D 1927, R: Walter Ruttmann) bearbeiten:

THEMA 3: Untersuchen Sie den Film BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSSTADT (D 1927) von Walter Ruttmann als Werk der filmischen Moderne. In welcher Beziehung steht er zu den Konzepten jener Zeit, wie dem „Neuen Sehen“, der „Neuen Sachlichkeit“, dem „absoluten Film“ und dem „Querschnittsfilm“. Stellen Sie diese Beziehungen konkret anhand von genauen Beschreibungen einzelner visueller und narrativer Eigenheiten des Films dar.

Dabei werde ich so vorgehen, dass ich im Kapitel 2 eine Definition der Konzepte im Einzelnen präsentiere, damit ein Überblick entsteht, wie sie funktionieren und was sie genau beschreiben. Dies soll als Leitfaden für das Kapitel 3 dienen, wo die Konzepte in Kontext zu Walter Ruttmanns BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSSTADT gestellt werden und die Beziehung des Films zum „Neuen Sehen“, zur „Neuen Sachlichkeit“, zum „absoluten Film“ und zum „Querschnittfilm“ dargelegt wird. Dafür werden sowohl inhaltliche und narrative, wie auch ästhetische und formale Elemente und Komponenten des Films einbezogen.

2 Definition der Konzepte im Einzelnen

2.1 „absoluter Film“

Der absolute Film zeigt völlig abstrakte Experimente (Sahli 2008: 106). Gute Beispiele für absolute Filme sind die Frühwerke von Walter Ruttmann, OPUS I – IV. Ruttmann sah das Medium Film als „Malerei mit Zeit“. Dementsprechend waren die OPUS-Filme ein abstraktes Formenspiel und wurden durch die handkolorierte Farbigkeit, sowie den musikalischen Rhythmus geprägt. Die Grundlagen für diese Art von Filmen entstanden in den 10er Jahren. Einerseits wurden sie als „bewegte Malerei“ betrachtet, andererseits greifen sie auf das Konzept des abstrakten Films zurück. Der russische Maler Leopold Survage entwarf dieses Konzept, nach welchem der Film eine Analogie zur Musik darstellt, da er in seiner visuellen Präsentation durch einen farbigen Rhythmus und eine rhythmische Farbe geprägt wird. Bezieht man das auf Ruttmanns frühe Filme, kann man sie als eine Verbindung von Malerei, speziell der Abstrakten, und des Medium Film betrachten. Sie werden als bewegte, absolute Malerei betrachtet. Man sieht in ihnen keine Gegenstände, sondern Kugeln, Kreise und Keile, die in einem Rhythmus spielen. Obwohl man keine Gegenstände oder Lebewesen sieht, weisen die Formenspiele Parallelen zu einem Gewitter, oder einem erotischen Akt auf. Diese Filme entstanden mit gemalten Vorlagen an einem Tricktisch (Korte 1991: 82–83). Der absolute Film kann also als eine filmische Parallele zur abstrakten Malerei betrachtet werden. Die abstrakten Bilder, welche verschiedene Formen zeigen, erhalten aber in diesen Kurzfilmen einen Rhythmus, eine Bewegung und eine musikalische Untermalung, welche die abstrakten Bilder erst zum absoluten Film konstruieren.

2.2 „Neues Sehen“ & „Neue Sachlichkeit“

Neues Sehen und Neue Sachlichkeit sind Realismuskonzepte der neuen Fotografie, die in den späten 20er Jahren im Weimarer Film entstehen. Sie sind als Gegenbewegungen zum absoluten Film, mit seinen rein abstrakten Experimenten, aber auch zum expressionistischen Filmstil zu sehen. Die Bildwelten im Expressionismus sind durchgestaltet und von einer radikalen Artifizialität geprägt. Damit wurden Traumbilder, Halluzinationen und subjektive Empfindungen stärker dargestellt, als eine konkrete Wirklichkeit. Die Tendenz im Neuen Sehen und der Neuen Sachlichkeit geht in die andere Richtung. In der Fotografie findet ein Umdenken statt, welches auch Einflüsse auf den Film hat. Haben sich Fotografen vor der zweiten Hälfte der 20er Jahre noch an der Malerei und am sogenannten Piktorialismus orientiert, versuchten sie danach eine fotografische Realismuskonzeption einzuführen. Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang war, dass man erkannte, dass die Fotografie Oberflächenstrukturen von Material wie Holz, Stein und Metall so hervorragend und realistisch darstellen kann, wie es die bildende Kunst niemals könnte. Daraus entwickelten sich die beiden Konzepte des Neuen Sehens und der Neuen Sachlichkeit, welche zwar einen ähnlichen Ansatz haben, sich aber dennoch voneinander unterscheiden. Die Neue Sachlichkeit ist ein registrierendes Sehen der Gegenstandswelt, durch das mechanische und sachliche Kameraobjektiv. Der Gegenstand rückt dabei in den Hintergrund. Es geht in erster Linie um das fotografische Sehen selbst. Die Neue Sachlichkeit ist sachlich-beobachtend und sozialkritisch. Das Neue Sehen hingegen propagiert eine revolutionierende, sinneserweiternde Funktion filmischer Bilder. Im Neuen Sehen geht es mehr darum, wie gesehen wird, während sich die neue Sachlichkeit mit der Frage beschäftigt, was gesehen wird (Sahli 2008: 105–111). Der radikalste Vertreter des Neuen Sehens in Deutschland war László Moholy-Nagy. Fotografie und Film waren für ihn Voraussetzungen für eine neue Konstruktion der Welt. Die Kamera und der Fotoapparat sind Hilfsmittel für ein objektives Sehen, denn sie reproduzieren das rein optische Bild, während der Mensch mit seiner intellektuellen Erfahrung das Gesehene zu einem Vorstellungsbild ergänzt. So können wir erst durch Kamera- und Fotobilder optisch-wahre Verkürzungen, Verzeichnungen und Verzerrungen wahrnehmen. Die neue Sachlichkeit sollte ein Versuch sein, in einer Krisenzeit – bedingt durch die Zerstörung des 1. Weltkriegs und einer politischen und wirtschaftlichen Instabilität – den Blick wieder auf das Wesentliche zu richten. Auf die Welt der Bürger, sei es die Ober- oder Unterschicht. Dabei schien der Fotoapparat als das perfekte Medium für diesen nüchternen Blick. Die Filme der Neuen Sachlichkeit funktionieren auf dieselbe Art und Weise. Sie konstatieren die Dinge ganz objektiv und nehmen dabei eine distanzierte, fast naturwissenschaftliche Haltung ein. Das Konzept sollte zunächst auch den prägnanten Titel „die Dinge“ erhalten. Während also im Neuen Sehen die Dinge durch die abstrakte Darstellung und Lichtgestaltung der fotografischen Oberfläche ein Eigenleben entwickeln, ist die Neue Sachlichkeit die perfekte Wiedergabe jedes Details der Oberfläche durch einen teilnahmslosen Apparat (Schmitz 1994: 81–87).

Das Neue Sehen präsentiert uns Untersichten, Aufsichten und allgemein neue Perspektiven und ungewohnte Blicke auf die sichtbare Wirklichkeit. Dabei ist die Art des Sehens und der Blick auf das Objekt im Vordergrund, während in der Neuen Sachlichkeit der Gegenstand selbst im Mittelpunkt steht (Sahli 2008: 110–111).

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Details

Seiten
10
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640913541
ISBN (Buch)
9783640913008
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171696
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Seminar für Filmwissenschaft
Note
bestanden
Schlagworte
untersuchung film berlin sinfonie großstadt walter ruttmann werk moderne

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Titel: Untersuchung zum Film "Berlin – Die Sinfonie der Großstadt" (D 1927) von Walter Ruttmann als Werk der filmischen Moderne