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Eine filmanalytische Untersuchung der Stilmittel von Dokumentarfilmen und der Darstellung von Globalisierung

Beispielfilme: 'We Feed The World' und 'Roger & Me'

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Globalisierung

3. Dokumentarfilme

4. Dokumentarfilme im Vergleich
4.1 ‚We Feed The World’
4.1.1 Handlung
4.1.2 Filmische Gestaltung
4.2 ‚Roger & Me’
4.1.1 Handlung
4.1.2 Filmische Gestaltung
4.3 Vergleichende Betrachtung

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Dokumentarfilme sind wieder kinofähig geworden“ (Stanjek 2006, S. 165). Zu diesem Resümee gelangt Klaus Stanjek in seiner Arbeit über das Dokumentarkino. Lange Zeit galten Dokumentarfilme als öde und die ihnen zugesprochene Funktion der Belehrung stand im Gegensatz zu dem Verlangen der Zuschauer nach Unterhaltung. Die jüngsten Dokumentarfilme konnten jedoch Erfolge verzeichnen. Auffallend ist am zeitgenössischen Dokumentarfilm nicht nur „seine noch nie dagewesene Popularität beim Publikum“ (Williams 2003, 27). Auch „seine Bereitschaft, sich mit oftmals schmerzlichen, historische komplexen Themen zu befassen“ (Williams 2003, 27) zeichnet diesen aus. Eine neue Generation von Dokumentarfilmemachern hat neue Formen von Dokumentarfilmen hervorgebracht, die Stoffe so aufarbeiten, dass sie die Zuschauer ansprechen. Viele dieser Dokumentarfilme behandeln Thematiken, die sich mit der Globalisierung beschäftigen. Sie beschäftigen sich demnach mit komplexen Themen, die den Rezipienten sonst nur schwer zugänglich sind. Filme bilden Abwesendes ab und so sorgen auch Dokumentarfilme dafür, dass globale Zusammenhänge weltweit für die Menschen sichtbar werden. Die Filme erzeugen so den Eindruck, sehr nah am Geschehen zu sein. Sie sind somit selber Instanzen, die der Globalisierung unterliegen, Globalisierung zeigen und sie demnach auch vorantreiben. Daher muss hier erwähnt werden, dass Phänomene wie die Globalisierung in unserer heutigen Mediengesellschaft nicht unabhängig von Medien existieren können. Um die Komplexität der Themen (Terrorismus, Arbeit, Ernährung usw.) zu reduzieren, haben die Autoren unterschiedliche Herangehensweisen entwickelt, um die Inhalte für den Zuschauer verständlich zu machen.

In der folgenden Arbeit werden zwei Dokumentarfilme hinsichtlich ihrer filmischen Gestaltung untersucht. Es wird dargestellt, wie im Film Globalisierung vermittelt wird und welche filmischen Mittel der Autor für seine Dokumentation wählt. Herangezogen werden hierfür zwei Produktionen der jüngeren Generation. Es handelt sich um den amerikanischen Dokumentarfilm ‚Roger & Me’ von Michael Moore, sowie ‚We Feed The World’ von dem Österreicher Erwin Wagenhofer. Der Umstand, dass beide Filme globalkritisch sind und trotz ihrer unterschiedlichen Herangehensweise sehr erfolgreich waren, macht sie für eine vergleichende Analyse interessant. Die theoretischen Kapitel, die Globalisierung definieren und ihre Problematik aufzeigen sowie auf das Genre Dokumentarfilme eingehen und klären, welche Aspekte es ausmachen, bilden die Grundlage für die in Kapitel 4 folgende filmische Analyse. Die Erkenntnis, die diese Arbeit letztendlich darstellen soll, ist, wie man die Dokumentarfilme von Wagenhofer und Moore charakterisieren kann und inwiefern sie sich voneinander unterscheiden. Meine methodische Vorgehensweise stützt sich auf Techniken der Filmanalyse nach Hickethier, Faulstich, Kühnel und Monaco. In einem abschließenden Fazit wird eine Schlussfolgerung aus der Untersuchung gezogen und die Bedeutung von Dokumentarfilmen eingeschätzt.

2. Globalisierung

Ein Kennzeichen unserer heutigen Welt ist der Vorgang der Globalisierung. Der Begriff ist in aller Munde und sowohl mit positiven als auch mit negativen Aspekten verbunden. Globalisierung bedeutet die zunehmende Vernetzung der Welt, die steigende Abnahme von Wirtschafts- und Handelsgrenzen und die internationale Verquickung von Wirtschaft, Politik, Industrie und anderen gesellschaftlich relevanten Bereichen, wodurch ein Austausch auf der ganzen Welt ermöglicht wird (vgl. Müller 2002). Globalisierung ist demnach das Zusammenwachsen der Weltgesellschaft und stellt eine Verdichtung der Welt dar. So definiert auch Anthony Giddens Globalisierung als eine „Intensivierung weltweiter sozialer Beziehungen, durch die entfernte Orte in solcher Weise miteinander verbunden werden, dass Ereignisse am einen Ort durch Vorgänge geprägt werden, die sich an einem viele Kilometer entfernten Ort abspielen, [sic!] und umgekehrt“ (Müller o.J.).

Der Vorgang der Globalisierung ist widersprüchlich und umstritten. Mit ihm sind sowohl Hoffnungen, als auch Ängste verbunden. Er läuft auf verschiedenen Ebenen ab, ist vielschichtig und selbstreflexiv. Das Zusammenwachsen der Welt führt zu einer Verschiebung von Raum und Zeit.

Ein Aspekt der Globalisierung ist die so genannte Glokalisierung, denn das Globale ist immer lokal vermittelt. Es ist kaum möglich, global zu agieren, es sind vielmehr nur Phänomene des Globalen, die die Globalisierung kennzeichnen.

Im Folgenden wird gezeigt, wie diese komplexe Thematik in Dokumentarfilmen aufgegriffen und dargestellt wird. Dabei können immer nur Ausschnitte gezeigt werden, die als Beispiele für Globalisierung dienen.

3. Dokumentarfilme

Dokumentationen und Dokumentarfilme gehören zum Genre der Informationssendungen und sind eine „Form der Auseinandersetzung mit der Realität“ (Heimbucher/ Hörmann 1984, S. 14). Im Gegensatz zu Nachrichtensendungen stellen sie Ereignisse und Entwicklungen ausführlich dar, wodurch es zu einem Aktualitätsverlust kommt, da die Recherche und Inszenierung von größeren Zusammenhängen viel Zeit verlangt. Mit diesen ausführlichen Darstellungen wollen die Filme „Informationen über die Welt“ (Carroll 2006) vermitteln.

Dokumentationen gehören zu einem Genre, das in vielen Formen im Fernsehen ausgestrahlt wird. Sie sind kürzer als Dokumentarfilme und oft in Studiomoderationen eingebettet. Dokumentarfilme sind filmische Aufbereitungen eines Themas, die nicht mit Schauspielern oder bezahlten Darstellern arbeiten. Filmische Aufnahmen bilden im Zusammenschnitt einen Film, der ein komplexes Thema aus der Sicht eines Autors komprimiert darstellt. „Der Dokumentarfilm knüpft an gesellschaftliche Probleme an, und zwar in dem Maße, wie sie von den Filmemachern als relevant erkannt werden“ (Heimbucher/ Hörmann 1984, S. 14). Dieser Autor entscheidet demnach, was im Film und damit für die Zuschauer zu sehen ist und was nicht, er selektiert. Er beansprucht damit eine besondere Form der Macht und Kontrolle, wodurch man ihn als eine Art ‚Gatekeeper’ bezeichnen kann. Aus diesem Grund und dadurch, dass auch die Gestaltung des Films eine bestimmte Sicht der Dinge vermittelt, ist in Dokumentarfilmen keine absolute Objektivität der Realitätsabbildung möglich. Trotzdem kann man Dokumentarfilme als ‚Fenster zur Welt’ ansehen, da sie Themen aufgreifen, die dem Rezipienten sonst nicht zugänglich sind. Dokumentarfilme machen auf Themen aufmerksam. Häufig haben Dokumentarfilme einen kritischen Ansatz, mit dem sie ihre Themen behandeln. Der Autor rückt hierbei „meistens in den Hintergrund und überlässt es den Bildern und gefilmten Personen, für sich zu sprechen“ (Allarly o.J.).

Ein Kennzeichen von Dokumentarfilmen ist zudem der Aspekt, dass sie nicht in einem Studio gedreht werden, sondern in natürlichen Umgebungen. Die Menschen werden „in ihrem jeweiligen Lebenszusammenhang“ (Guttner 1999) dargestellt, wodurch Authentizität erzeugt wird.

Ein Anspruch des Dokumentarfilms ist es, „außerfilmische Realität faktengetreu und authentisch im Filmbild selbstevident zur Anschauung zu bringen“ (Heller 1995, S. 97). Sie wollen also, dass das, was sie zeigen, auch der Wirklichkeit außerhalb des Fernsehens entspricht. Sie sind demnach nicht-fiktional, wodurch sie sich von Spielfilmen unterscheiden.

Themen, die sich mit der Globalisierung befassen, bieten viel Material für Dokumentarfilme. Nach Ulrich Beck bilden die Menschen eine globale Weltgesellschaft, da sie sich den gleichen Raum und die gleiche Zeit teilen. Dokumentarfilme, die globale Prozesse für die Menschen zugänglich und ihnen deutlich machen, wie weit die Auswirkungen reichen, tragen so zur Bildung eines Weltbewusstseins bei.

4. Dokumentarfilme im Vergleich

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird auf zwei erfolgreiche Dokumentarfilme eingegangen, die in den Medien teils kontrovers diskutiert wurden: ‚We Feed The World’ (R: Erwin Wagenhofer) und ‚Roger & Me’ (R: Michael Moore). Nachdem die Filme kurz vorgestellt und ihre Handlungen dargelegt sind, werden die filmischen Gestaltungsmittel aufgezeigt, die im Film angewandt werden. In einem letzten Teil dieses Kapitels sollen die Filme miteinander verglichen und die Unterschiede aufgezeigt werden.

4.1 ‚We Feed The World’

Der politische Dokumentarfilm ‚We Feed The World’ ist nach einer Idee von Erwin Wagenhofer entstanden, der sowohl das Drehbuch geschrieben, als auch die Funktion des Regisseurs und Kameramannes übernommen hat. ‚We Feed The World’ ist 2005 entstanden und Wagenhofers erster Langdokumentarfilm. Er ist eine österreichische Produktion, die am 27.04.2006 in die deutschen Kinos kam. Der Film wurde ausgezeichnet mit dem österreichischen Filmpreis 2006, mit dem Amnesty International Human Rights Award und mit dem FIPRESCI- (Fédération Internationale de la Presse Cinématographique = Internationale Vereinigung von Filmkritikern und Filmjournalisten) Preis.

4.1.1 Handlung und narrative Struktur

Der Film behandelt kritisch die Folgen der Globalisierung am Beispiel der Nahrungsmittelproduktion. Die Handlung lässt sich in sieben narrative Segmente aufteilen, die unterschiedliche Stationen der Lebensmittelindustrie aufzeigen.

Er beginnt in Wien/Österreich. Die Sequenz (Timecode: 00:00-00:07) handelt von den sinkenden Ertragsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und unverhältnismäßigen Lebensmittelpreisen. Ein Bauer äußert sich zu der subventionierten Überproduktion von Mais. Nach dieser Szene wird ein Bild mit glühendem Mais eingespielt mit der Titeleinblendung: We Feed The World. Das nächste Segment (Timecode: 00:07- 00:23) spielt in der Bretagne in Frankreich. Ein autonomer Fischer erklärt seine Art zu Fischen und verdeutlicht, dass die Industrialisierung, die durch die EU durchgeführt werden soll, die Fischbestände angreifen und die Qualität des Fangs zurückgehen würde. Die nächste Sequenz (Timecode: 00:24-00:38) behandelt die Treibhausanlage in Almería/Spanien, in der Tomaten gezüchtet werden und Arbeiter aus Marokko für sehr niedrige Löhne arbeiten. Ein weiteres Kapitel (Timecode: 00:39-00:54) befasst sich mit Brailâ in Rumänien, wo genmanipuliertes Gemüse mit Hybridsaatgut angebaut wird. Die 5. Sequenz (Timecode: 00:55-01:08) zeigt Orte in Brasilien. Hier wird Regenwald gerodet, um Soja als Futtermittel anbauen zu können, wobei im Norden Brasiliens Menschen Hunger leiden. Das folgende Kapitel (Timecode: 01:09-01:24) zeigt einen Geflügelmastbetrieb in der Steiermark in Österreich, indem die Massentierhaltung und der Umgang mit den Tieren deutlich wird. Die abschließende Sequenz (Timecode: 01:24-01:36) zeigt den Nestlé Konzernchef Peter Brabeck im Interview, der Befürworter von Gentechnik ist und seine soziale Verantwortung in der Profitmaximierung seines Unternehmens und damit die Sicherung der Arbeitsplätze sieht. Zum Abschluss wird der Abspann mit dem schon aus dem 1. Kapitel bekanntem glühenden Mais gezeigt und die Credits des Films.

Es handelt sich hier um einen Dokumentarfilm, der sehr appellativ ist. Es führt kein bestimmter Erzähler durch den Film, wie man es von den üblichen Fernsehdokumentationen kennt. Es gibt auch keinen Reporter, der die Orte und ihre Probleme vorstellt. Durch den Film leiten die Protagonisten, die während des Interviews gezeigt werden und auch aus dem Off zu hören sind. Diese Bild-Ton- Montage wird von Kühnel als Asychnronismus bezeichnet (Kühnel 2004, 285). Via Inserts werden Fakten eingeblendet, Orte und Personen vorgestellt. Sieben Sequenzen bilden den Film. Es ist demnach keine Handlung wie im Spielfilm, die dargeboten wird. Die Sequenzen sind in sich nicht abgeschlossen, sondern informieren über Geschehnisse an einem bestimmten Ort, die mit der globalen Lebensmittelproduktion zusammenhängen. Man kann daher insgesamt weder von einem offenen noch einem geschlossenen Ende reden. Die Aussagen, die der Film tätigt, bleiben im Raum. Der Film soll zum Nach- und Umdenken anregen. Der Film kann somit als Handlungsanweisung für die Konsumenten gesehen werden. Es handelt sich bei ‚We Feed The World’ um einen politischen Dokumentarfilm.

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Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640911912
ISBN (Buch)
9783640910106
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171666
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Medienwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Globalisierung Dokumentarfilme We feed the world roger and me filmische stilmittel filmanalyse

Autor

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