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Werteerziehung in der Elementarpädagogik

Am Beispiel des Kindergartens

Hausarbeit 2011 21 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Alltägliche Bedürfnisse
1.1 Individuelle Bedürfnisse
1.2 Familien- und Gruppenbedürfnisse
1.3 Gesellschaftliche Bedürfnisse

2 Werte
2.1 Was sind eigentlich Werte?
2.2 Werte im Unterschied zu Regeln und Normen
2.3 Vom Wandel der Werte

3 Werte als pädagogische Zielsetzung
3.1 Die Wertedebatte in Tageseinrichtungen
3.2 Warum Kinder Werte brauchen
3.3 Werte, die für die Elementarpädagogik in Kindergärten wichtig sind
3.4 Die Verantwortung der Träger in der Werterziehung

4 Werteerziehung in Kindergärten
4.1 Vorbildfunktion von Eltern und Erzieherinnen
4.2 Kinderstimmen- Studie
4.3 Eigenes Wertewissen ermöglicht den Dialog über Werte mit anderen

5 Fazit

Anhang

Literatur

Einleitung

Im Zentrum dieser Arbeit soll die Frage stehen: Kinder brauchen Werte- wie können ErzieherInnen sie darin unterstützen, kompetent mit der Wertevielfalt einer sich stetig wandelnden Gesellschaft umzugehen? ErzieherInnen stehen in Kindertageseinrichtungen einer großen Herausforderung gegenüber. Ein umfassender Bildungsauftrag im Elementarbereich soll wahrgenommen werden, ohne, dass dafür die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Wertedebatte stellt dabei eine weitere Hürde dar. Zunehmend fragen sich die Fachkräfte, wie sie Werte für Kinder erlebbar machen können und dabei die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen berücksichtigen. „Zur Begrüßung schaut man sich an und reicht sich die rechte Hand“, „In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt erst aus- dann einsteigen“, „Für Geschenke bedankt man sich“, solche und noch eine Vielzahl mehr von Aussprüchen haben wohl die Erziehung vieler beeinflusst und nachhaltig geprägt, so dass wir uns heute noch danach richten. Doch es scheint einen Wandel gegeben zu haben, heutzutage wird oft beobachtet, dass zur Begrüßung ein knappes „Hallo“ herausgebracht wird, mit etwas Glück wird dazu die Hand gehoben, ansonsten bleibt diese in der Hosentasche versteckt. Hält die Straßenbahn oder der Bus, entsteht ein Gerangel an den Türen, um möglichst schnell reinzukommen in der Hoffnung auf einen Sitzplatz und Geschenke werden immer gern angenommen, aber ein „Danke“- Fehlanzeige, vielmehr können wir zufrieden sein, wenn das Geschenk gefällt und wir nicht um den Kassenbon zum Umtausch gebeten werden. Hat die heutige junge Generation noch ähnliche Wertvorstellungen wie die letzte Generation Kinder und Jugendlicher? Müssen die Werte nach bestimmten Kategorien wie Individualität und Familie differenziert werden? Mit dem Existieren einer Gesellschaft bestehen auch Werte, oftmals sind diese von religiöser Beeinflussung geprägt und finden sich in Gesetzestexten wieder. Werte sind demnach unverzichtbar. Doch wie können wir sie in die Erziehung integrieren? Zur Beantwortung dieser Fragen möchte ich im Verlauf der Arbeit zunächst die Frage nach den Bedürfnissen klären, die grundlegend sind für die Einstellung zu Werten, die nachfolgend erläutert werden sollen, so dass schließlich die Werte als pädagogische Zielsetzung sowie die Werteerziehung in Kindergärten betrachtet werden kann, bevor ich zu einem Fazit komme.

1 Alltägliche Bedürfnisse

„Niemand wird je sagen können, wie es am besten funktioniert, doch es gibt ein paar Gesetze. Wir haben unseren Kindern unsere Gene vermacht, aber auch die Werte unserer Familie, unseres Milieus, unserer Zeit und zwar im alltäglichen Umgang miteinander, indessen Rahmen sich ihnen kulturelle Werte einprägen, je nachdem, wie gut unsere Beziehungen zueinander sind. Individuelles und Kollektives stehen prinzipiell in einem bestimmten Gleichgewicht zueinander. Immer wieder gibt es Resonanzwirkungen zwischen Gruppe und Individuum.“ ( Jeammet 2001, S. 120).

1.1 Individuelle Bedürfnisse

Kinder haben im Allgemeinen andere Bedürfnisse als Erwachsene. Doch eines haben beide gemein, Bedürfnisse werden vor allem dann sichtbar, wenn sie unbefriedigt bleiben. Das Bedürfnis nach Konsum, geht einher mit jenem nach Nahrung und Kleidung, welches wiederum auf die Anerkennung innerhalb bestimmter Gruppen ausgerichtet ist. Anerkennung als Bedürfnis, gilt für alle Menschen und hat demnach ein sehr breites Spektrum. Kinder müssen von Ihresgleichen und Erwachsenen Akzeptanz und Beachtung spüren, in nahezu all ihren Handlungen. Dabei ist die Wichtigkeit der Anerkennung innerhalb einer Personengruppen von der jeweiligen Altersstufe abhängig. So sind für jüngere Kinder häufig die Eltern diejenigen deren Anerkennung am Höherwertigsten ist, während ältere Kinder und Jugendliche sich Anerkennung in ihrer Peergroup holen. Doch die Beachtung von Personen gleichen Geschlechts ist unabhängig der Altersgruppe (von Kindern) von Bedeutung, da Kinder sich so ihrem Geschlecht zuordnen und sich zugehörig fühlen. In diesem Punkt schließt sich das Bedürfnis nach Geborgenheit an. Sich wohlfühlen, mit anderen Menschen zusammen sein, in der Familie bei Mutter und Vater geborgen sein und Sicherheit zu empfinden, das zeichnet dieses Bedürfnis aus (vgl. Ferro/Jeammet 2001, S. 26). Zudem ist ein weiteres wichtiges Bedürfnis, das der körperlichen Unversehrtheit, auch in Bezug auf die kindliche Psyche. Ein Kind soll gesund wachsen, groß werden, Wissen erwerben und kreativ sein können. Kinder wünschen sich Spielsachen, benötigen ein eigenes Zimmer und erheben Anspruch auf eigene Dinge, darin äußert sich das Bedürfnis nach materiellem Besitz.

Hier sei nur eine knappe Auswahl kindlicher Bedürfnisse benannt, doch diese werden sehr individuell erlebt und können sie nicht hinreichend befriedigt werden, so leidet das Kind darunter.

1.2 Familien- und Gruppenbedürfnisse

Finanzielle Sicherheit, ausreichend Wohnraum mit Rückzugsmöglichkeiten, sowie ein stabiles soziales Netzwerk sind grundlegende Bedürfnisse einer Familie. Ein Netz aus Beziehungen ist notwendig, um in Erziehungsfragen Unterstützung zu bieten oder Hilfe bei Problemen zu leisten, aber auch um Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen. In dem sozialen Netzwerk wiederum finden sich weitere Gruppen, die unterschiedliche Rahmenbedingungen benötigen, um ihre Ziele und Bedürfnisse befriedigend lösen zu können. Häufig ist dafür ein gewisser räumlicher, zeitlicher, finanzieller und personeller Rahmen unabdingbar für eine gelungene Durchführung, z.B. bei Interessengruppen, die Kindern je nach Altersstufe Freizeitangebote bieten, wie Sport und Kreativangebote. In diesem Kontext müssen Kindergärten erwähnt werden, die den Eltern eine Unterbringungsmöglichkeit für ihre Kinder während ihrer Arbeitszeit bieten. Auch die Einrichtung hat gewisse Maßgaben, die in der Konzeption festgeschrieben sind, aber nicht ohne Unterstützung von außen realisierbar sind. Hier gilt ein Abhängigkeitsprinzip, da Eltern und ErzieherInnen, sowie der Träger sich gegenseitig bedingen, indem sie nach den entsprechenden Vorstellungen handeln und arbeiten. Werte, Regeln und Normen nach denen sich die Eltern, Kinder und die ErzieherInnen richten sind aber nicht nur von den personellen Ressourcen, sondern auch von dem jeweiligen Träger und der Einrichtung abhängig.

1.3 Gesellschaftliche Bedürfnisse

Kindergärten sind ein Spiegelbild der Bedürfnisse, die unsere Gesellschaft hat. Noch vor einigen Jahren galten Kindergärten als Aufbewahrungsanstalten für Kinder alleinstehender, berufstätiger Mütter oder Institutionen, die die Kinder in Notsituationen aufnahmen, wenn die Eltern mit der Erziehung überfordert waren. Ebenso galten diese Annahmen für Kinderkrippen. Wobei in diesem Punkt eine Differenz zwischen der ehemaligen DDR und dem Westen Deutschlands liegt. In der DDR war es durchaus „normal“, dass die Frauen sich ihren Lebensunterhalt selbstständig erarbeiteten und die Kinder eine Tageseinrichtung besuchten, im Gegensatze zum Westteil Deutschlands, dort mussten sich die Frauen ihre gesellschaftliche Anerkennung nicht durch Arbeit verdienen. Doch es hat sich ein Wandel innerhalb Deutschlands vollzogen. Die Gesellschaft ist auf die Arbeit aller jungen und älteren Menschen angewiesen, die so zur Sicherung des Rentensystems beitragen. Es besteht ein sogenannter "Generationenvertrag", der auch durch die häufigen Debatten nicht außer Kraft tritt, er bildet einen gesellschaftlich relevanten Wert. Weiterhin ist auch die Erziehung der Kinder nicht ausschließlich individuell. Der Schutz der Familie ist gesetzlich festgeschrieben und wird durch zahlreiche Bestimmungen zur Unterstützung der Familie in der Kindererziehung als gesellschaftliche Aufgabe verstanden. Zudem misst sich eine Gesellschaft an denen zur Verfügung stehenden Unterstützungsmaßnahmen, die die Sicherung von Bedürfnissen von staatlicher Seite garantiert. Die Rahmenbedingungen für die Erfüllung individueller Bedürfnisse, derer von Gruppen und einer Gesellschaft, bilden Gesetze, die im Grundgesetz Artikel 1-19 formuliert sind. Speziell für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bildet das KJHG die gesetzliche Grundlage. Zusammenfassend, um die allgemeinen Bedürfnisse eines jeden Menschen darzustellen wird folglich die Maslow'sche Bedürfnispyramide abgebildet:

Selbstverwirklichungsbedürfnisse
Selbstentfaltung-Selbstwertgefühl
Aktive Gestaltung der Arbeit und Arbeitsbedingungen
Freiheit und Mitsprache bei der Lebens- und Umweltgestaltung

Ich-Motive
Wünsche nach Achtung,
Wertschätzung, Prestige, Anerkennung, Status, Geltung

Soziale Bedürfnisse
Bedürfnis nach Kontakt, nach Zugehörigkeit zu einer (Arbeit-) Gruppe,
Bedürfnis nach Zuwendung, Liebe

Sicherheitsbedürfnisse
Sicherung des Arbeitsplatzes, Erhaltung der beruflichen Position,
Streben nach ökonomischer Sicherheit,
Absicherung im Fall von Krankheit,
Unfall und Invalidität, Geborgenheitsbedürfnis

Physiologische Bedürfnisse (Grundbedürfnisse)
Hunger, Durst, Erholung, Schlaf, Wärme, Gesundheit

2 Werte

2.1 Was sind eigentlich Werte?

Nach Brigitte Beil (1996 S. 13 f.): Wert- der Begriff kommt aus dem wirtschaftlichen Bereich, meinte zunächst nur den materiellen Wert von Tausch-und Gebrauchsgegenständen und wurde erst im 19. Jahrhundert in das philosophische Denken übernommen. Da sind Werte so etwas wie ein moralisches Rankgerüst. Sie geben dem einzelnen Orientierungshilfe und Handlungsanleitungen für sein Verhalten sich selbst und anderen gegenüber. Jeder hat die Möglichkeit, persönlich zu wählen, um welche Werte er sich bemühen will, weil er sie für wichtig erachtet. Aber niemand lebt in einem Vakuum. In seinem sozialen Umfeld findet jeder immer schon bestimmte Wertvorstellungen verankert, die vorgeben, welche Verhaltensweisen als erstrebenswert gelten und welche nicht. Über die gesellschaftlichen Regeln, die Überlieferungen und Sitten lernt der einzelne, zwischen und “gut“ und „böse“, „richtig“ und „falsch“ zu unterscheiden und Maßstäbe für seine eigenen moralischen Prinzipien zu gewinnen. Unsere heutigen Werte unterliegen durchaus einem epochalen Einfluss, so stammen Werte wie Tapferkeit, Freundschaft und Gerechtigkeit bereits aus der Antike, um Glauben, Hoffnung und Liebe im Mittelalter erweitert. Der Absolutismus, die Aufklärung und das aufstrebende Bürgertum führten Wertbegriffe wie Gehorsam, Vernunft, Ordnung, Sauberkeit, Fleiß, Sparsamkeit und Pünktlichkeit ein. Aber auch die 68er Bewegung brachte neue Werte, wie Mitsprache, Toleranz und Selbstständigkeit hervor. Jahrhundertelang wachten obrige Instanzen wie die Kirche über die Einhaltung von Werten, mit deren Entmachtung von diesem Privileg ging die absolute Verbindlichkeit der Werte verloren, sodass der einzelne vor der Aufgabe steht sich mit überlieferten und neuen Werten auseinander zu setzen. Die moralische Wahl seiner Grundsätze muss mit Vernunft und Überlegung geschehen, da Werte nur stabil sein können, wenn sie freiwillig und aus eigener Einsicht übernommen werden.

2.2 Werte im Unterschied zu Regeln und Normen

Werteerziehung soll den Kindern die Möglichkeit geben, sich (wünschenswerte)Regeln des Zusammenlebens anzueignen, darüber zu sprechen, menschliches Zusammenleben zu verstehen und zu akzeptieren. Dabei muss eine Unterscheidung von Regeln, Normen und Werten getroffen werden. Regeln sind notwendig um ein Zusammenleben zu gestalten und Alltagskonflikte zu vermeiden. Sie nach Situationen und Gruppenzusammensetzung variabel und müssen den jeweiligen Bedingungen immer wieder neu angepasst werden. Normen hingegen sind Vorstellungen, die innerhalb einer speziellen Gruppe oder Gesellschaftsschicht etabliert sind und dort für jeden von Bedeutung sind. Dazu gehören auch bestimmte Moralvorstellungen und nach bestimmten Regeln durchgeführte Bräuche. So hat jede Familie bestimmte Normvorstellungen, und Kinder lernen früh, sich mit diesen Normen zu identifizieren. Alles, was in einer Gruppe, z.B. in der Familie oder der Einrichtung als "normal" angesehen wird, stellt die Norm der Gruppe dar. Werte unterscheiden sich dahingehend, als dass sie allgemeingültig sind und weit über die normale Alltagsstruktur hinaus reichen. Die Gültigkeit besteht für alle Gruppen und weit über die momentane Situation hinweg. Jedoch sind Werte auch abhängig von einer bestimmten Gesellschaftsstruktur - so sind in anderen Völkern oder Religionen andere Werte wichtig oder bestimmend. Um ein Zusammenleben unter humanen Bedingungen zu ermöglichen, müssen viele Werte aber von allen eingehalten und für wichtig erachtet werden. Werte hängen mit den Grundbedürfnissen und der persönlichen Lebensgestaltung von Menschen zusammen, sodass sie unterschiedliche gewichtet werden. Für die Werteerziehung von Kindern bzw. in der pädagogischen Arbeit muss daher im Vorfeld geklärt sein, welche Werte von Bedeutung sind und Priorität im Alltag haben.

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Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640911622
ISBN (Buch)
9783640909773
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171606
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Erziehungswissenschaft
Note
bestanden
Schlagworte
werteerziehung elementarpädagogik beispiel kindergartens

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