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Pieter Bruegel der Ältere - Landschaft mit Sturz des Ikarus: Eine Analyse der verschiedenen Bildinhalte

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine Erläuterung des Mythos

3. Pieter Bruegel der Ältere

4. „Landschaft mit Sturz des Ikarus“
4.1 Beschreibung des optischen Eindrucks
4.2 Eine Interpretation über die Ebene des Mythos
4.3 Weitere Interpretationsansätze

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit dem Werk „Landschaft mit Sturz des Ikarus“, welches dem flämischen Künstler Pieter Bruegel dem Älteren zu geschrieben wird. Es handelt sich um ein Öl auf Leinwand Gemälde, welches Ende des 15. Jahrhunderts, Anfang des 16. Jahrhunderts entstand.1 Seine Maße betragen 73,5 x 112 cm. Es ist heute in den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel zu finden. Bei diesem Gemälde handelt es sich um das einzige Bild von Bruegel d. Ä., welches ein Mythologisches Thema behandelt. Es behandelt Ovids Episode von Daedalus und Ikarus, aus dem achten Buch seiner Metamorphosen.

Mit der Behandlung des Mythos, wird sich diese Arbeit zuerst befassen, da dieser für das Bildverständnis unerlässlich ist.

Anschließend soll der Künstler Pieter Bruegel d. Ä. genauer vorgestellt werden, um das ein oder andere Bildelemente und kleinere Details besser beurteilen zu können. Darauf folgt die Bildbeschreibung, die durch das Wissen um den Mythos und auch um Pieter Bruegel erheblich leichter von statten gehen kann. Anhand der Bildbeschreibung wird eine Interpretation folgen, die das Gemälde „Landschaft mit Sturz des Ikarus“ verständlicher machen soll. Sie soll die Zusammenhänge der einzelnen Bildmotive erläutern und die Wichtigkeit des Zusammenspiels dieser Bildmotive skizzieren. Abschließen wird diese Arbeit mit einer Schlussbemerkung, die sowohl ein Resümee als auch eine kurze Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse beinhalten wird.

2. Eine Erläuterung des Mythos

Um das Werk „Landschaft mit Sturz des Ikarus“ genauer betrachten und auch verstehen zu können, bedarf es der Erkenntnis, des dazugehörigen Mythos. Ovid beschreibt diesen im achten Buch seiner Metamorphosen, unter der Überschrift: Daedalus und Ikarus. Der Mythos erzählt die Geschichte des Daedalus, der mit seinem Sohn Ikarus, durch Minos nach Kreta verbannt wurde. Als Daedalus der Insel überdrüssig war beschloss er sie durch die Lüfte zu verlassen, da ihm die See und die Landstrecke verwehrt blieben. Da er ein begnadeter Handwerker war, war es ihm ein leichtes, für sich und seinen Sohn Ikarus Flügel zu fertigen.

Er legte Federn der Größe nach geordnet neben einander, band sie mit Leinen zusammen und verklebte sie anschließend mit Wachs.

Bevor sie den Flug antraten, belehrte er seinen Sohn Ikarus:

Halte dich auf mittlerer Bahn, Icarus - la ß dich ermahnen!-, damit nicht, wenn du zu tief fliegst, die Wogen die Federn schwer mache oder, wenn du zu hoch emporsteigst, das Feuer sie versenge. Fliege zwischen beiden! [ … ].2

Weiter beschreibt Ovid, wie ein Fischer, ein Hirte und ein Bauer, die beiden, wie sie in den Himmel flogen, sahen und diese für Götter hielten.

Als Ikarus jedoch gefallen am Fliegen empfand, flog er allen Ermahnungen seines Vaters entgegen, höher hinauf in Richtung Sonne. Die heiße Sonne ließ das Wachs der Flügel schmelzen und Ikarus stürzte hinab ins Meer.

Daedalus fand ihn, indem der die Flügel im Wasser sah. In der nächsten Episode beschreibt Ovid, wie Daedalus unter den Blicken eines Rebhuhns, seinen Sohn Ikarus bestattete.

3. Pieter Bruegel der Ältere

Pieter Bruegel der Ältere wurde ca. 1525, vermutlich in Breda geboren und starb am 5.September 1569 in Brüssel.3 Er gilt als einer der wichtigsten niederländischen Maler des 16. Jahrhunderts. Er war Schüler von P. Coecke van Ales in Antwerpen. Von ihm lernte er den genauen Umgang mit Texten und Schriften. P. Coecke legte größten Wert auf die präzise Textwiedergabe4 in seinen Bildern und erwartete dies anscheinend auch von seinen Schülern.. Später arbeitete Bruegel für den Kupferstecher Hieronymus Cock, dessen Bildersprache er oft, gerade in seinen früheren Werken, zitierte. Zwischen 1552/1555 war Bruegel in Italien, wo seine Leidenschaft für die Landschaftsmalerei entfachte und er sich in seiner Kunst immer mehr von der damals in Antwerpen herrschenden Richtung abwandte. In dieser frühen Zeit malte Bruegel vor allem biblische Szenen, die er in grandiose Landschaften eingebettete. Bruegel ging in seinen Werken oft von der älteren Bauernmalerei aus. Er schuf Bauernszenen, Sprichwortbilder und beeindruckende Genrebilder. Wegen seiner Vorliebe für realistische Szenen aus dem niederländischen bäuerlichen Leben erhielt er den Beinamen "Bauernbruegel".5 Bruegel legte in seinen Werk viel Wert auf eine detaillierte Darstellung der einzelnen Szenen, teilweise auch mit grotesken Zügen. Viele seiner Bilder sind als Sinnbilder zu verstehen. Seine Bildsprache ist äußerst komplex, jedes kleine Detail seiner Werke ist beabsichtigt und meist ein Bedeutungsträger. Alles möchte entdeckt und beachtet werden. Das Motiv der „verkehrten Welt“6 hat hierbei eine zentrale Bedeutung und dient als Schlüssel des Verständnisses.

4. „Landschaft mit Sturz des Ikarus“

4.1 Beschreibung des optischen Eindrucks

Bei der Betrachtung des Gemäldes „Landschaft mit Sturz des Ikarus“, ist, wie es der Titel schon vorgibt, eine üppige Landschaft dargestellt, die sich grob in drei Ebenen, den Vorder-, Mittel- und Hintergrund, unterteilen lässt.

Der Vordergrund wird durch eine Anhöhe in bergiger Landschaft gebildet. Sie besteht aus einen Acker in der Mitte des Bildes und einen weiteren kleineren Acker in der linken Bildhälfte, die beide durch Büschen und Sträucher von einander getrennt zu sehen sind. Letzteres ist bereits gepflügt, das vordere wird gerade von einem Bauer mit seinem Pferd und seinem Pflug bearbeitet. Der Bauer befindet sich in einer zentralen Position, die er sowohl durch die Stellung im Vordergrund, als auch durch seine Ausgestaltung erhält. Er erscheint sehr groß, gerade im Verhältnis zu seinem Pferd wird das sehr deutlich. Er trägt ein rotes Hemd, darüber eine graue längere Weste, die senkrechte Falten wirft. Sein Kopf ist nach unten geneigt.

Hinter dem Acker befindet sich eine weitere Nutzfläche, auf der sich ein Hirten mit seinem Hirtenhund und seinen Schafen positioniert. Er befindet sich direkt auf der senkrechten Mittelachse des Bildes. Er ist auf seinen Hirtenstab, der ihn als Hirte zu erkennen gibt, gestützt und schaut nach links oben, in den Himmel, in dem allerdings nichts zu sehen ist.

In der rechten unteren Bildhälfte ist ein Angler, an seiner Angelrute zu identifizieren. Er wendet dem Betrachter den Rücken zu. An dieser Stelle geht der Vordergrund eine Diagonale mit dem Meer ein, welches den Mittelgrund bildet. Diese Diagonale verläuft von links oben des Bildes, nach rechts unten. Das Meer, welches sich als eine Meeresenge beschreiben lässt, wird durch kleinere Inseln, Felsvorsprüngen und Schiffen gebrochen.

Im linken Mittelgrund zeigt sich eine Felsenlandschaft auf der sich eine kleine Hafenstadt befindet. Das Meer verläuft bis zum Horizont, verschmelzt mit einem nebligen Himmel, der letztlich den Hintergrund ausmacht. Zudem wird es zur Linken und Rechten von der Landschaft flankiert. Des weiteren ist eine auf - oder absteigende Sonnenscheibe, die zur Hälfte im Meer versingt am Horizont zu sehen.

Weitere kleine Details befinden sich auf dem Gemälde, die für das Verständnis, des Bildes von großer Bedeutung sind.

Zum einem im Vordergrund auf dem Acker. Dort liegt ein Dolch und ein Gürtel mit Geldbeutel.

Des Weiteren befindet sich in einem Gebüsch, hinter dem Acker, der Kopf einer Leiche. Das Pferd, welches stark verkürzt dargestellt ist, leitet den Blick des Betrachters direkt dort hin.

In der linken Bildhälfte sind zwei Vögel am Himmel, die über das Meer fliegen, zu erkennen.

In der rechten unteren Bildhälfte positioniert sich am Ufer, auf einem Ast, ein Rebhuhn. Und nicht zu vergessen, Ikarus, der vor den Blicken des Rebhuhnes ins Meer stürzt. Zu erkennen ist er allerdings nur an den Federn die ins Wasser fallen, da sonst nur seine strampelnden Beine zu sehen sind. Er wurde vollkommen in die Peripherie des Bildes verdrängt.

Die drei Zeugen, wie sie Ovid in seinen Metamorphosen beschreibt, werden bei Bruegel genau umgesetzt. Es ist somit anzunehmen, das Bruegel Ovid als Vorlage nutze. Allerding s variiert die Reihenfolge der Figuren. Ovid fängt mit dem Angler an, über den Hirten, bis zum Bauer. Bruegel hingegen beginnt mit dem Bauer, da dieser eine zentraler Position im Vordergrund des Bildes einnimmt. Durch die Diagonale von links oben nach rechts unten, rückt der Hirte an zweiter Stelle und der Angler an die letzte Stelle, da die Diagonale in der rechten unteren Bildhälfte endet, in der sich der Angler befindet.7

Das Bild ist in eher schlichten Farben sprich in Erdtönen gehalten mit Ausnahme des roten Hemdes, das der Bauer trägt. Der Grundton ist ein sandiger, der überall im Bild zu finden ist. Die vordere Erdlandschaft ist dunkler dargestellt als die Küstenlandschaft, das Meer und der Himmel. Jedoch ist der Himmel in der linken und rechten Bildhälfte dunkel und mit Wolken behangen.

Die Diagonale von links Oben nach rechts Unten teilt das Bild in zwei rechtwinklige Dreiecke. Und auch die Furchen des Ackers verlaufen diagonal. Jedoch verwendet Bruegel auch Waagerechten, wie die des Horizontes oder Senkrechte, wie die Baumstämme oder die Masten der Schiffe. Zudem befinden sich alle Figuren in einem Akt der Bewegung und erzeugen somit eine gewisse Dynamik.

4.2 Eine Interpretation über die Ebene des Mythos

Das Bild „Landschaft mit Sturz des Ikarus“ weist mehrere Erzählebenen auf. Eine davon ist die mythologische, sie rollt das Bild von „hinten“ nach „vorne“ auf, genauer gesagt von rechts Oben nach links Unten. Bei der kleine Hafenstadt in der rechten Bildhälfte handelt es sich um Megara, die Stadt des Nisus. Nisus ist der Vater der Königstochter Scylla und er befand sich mit dem König von Kreta, Minos, im Krieg.

[...]


1 Sellink, Manfred [u.a.]: Bruegel, the complete paintings, drawings and prints; in: The classical art series. Ghent [u.a.] 2007.

2 Ovidius Naso, P.: Metamorphosen in fünfzehn Büchern. Übersetzt und Herausgegeben von Michael von Albrecht. Stuttgart 2006.

3 Michel, Emile; Charles, Victoria: Die Bruegels. New York [u.a.] 2007.

4 Wyss, Beate: Pieter Bruegel. Landschaft mit Ikarussturz. 1990.

5 In vielen der von mir gelesenen Literaturen trägt er den Beinamen „Bauernbruegel“.

6 http://de.wikipedia.org/wiki/Pieter_Bruegel_der_%C3%84ltere(12.09.2010)

7 Vöhringer, Christian: Pieter Bruegel d.Ä.. Landschaft mit pflügendem Bauern und Ikarussturz. Mythenkritik und Kalendermotivik im 16. Jahrhundert. München 2002.

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640911066
ISBN (Buch)
9783640909001
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171524
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Kunstgeschichte
Note
2,3
Schlagworte
pieter bruegel landschaft sturz ikarus eine analyse bildinhalte

Autor

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