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Aşık Veysel (1894 - 1973): Leben, Werk und Wirkung eines türkischen Volkssängers

Doktorarbeit / Dissertation 2004 302 Seiten

Biographien

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1. Terminologie “Ozan“ und “A§ik“, Geschichte und Herkunft Geschichte
1.1 Die Baglama in Geschichte und Gegenwart
1.2 In der Frühzeit
1.3 Unter den Seldschuken im 11./12. Jh
1.4 A§iks im Osmanischen Reich bis etwa 1923
1.5 In der Türkischen Republik ab 1923 unter Mustafa Kemal Atatürk
1.6 Ausbreitung der traditionellen Volksdichtung und Volksmusik durch vermehrt auftretende Wandersänger

2. Die geographische Lage der Provinz Sivas als kultureller Mittelpunkt der Ozans und A§iks
2.1 Klima von Sivas
2.2 Geschichte von Sivas
2.2.1 Sivas unter den Seldschuken
2.2.2 Atatürk der Gründer der Republik
2.3 Bedeutende A§iks aus der Region Sivas
2.4 Die Region Emlek als Stätte der Aleviten

3. Werdegang von Veysel §atiroglu zum “A§ik Veysel“
3.1 Erste Bekanntschaft mit fahrenden Volkssängern
3.1.1 Aufnahme in den engeren Kreis der Volkssänger
3.1.2 Veysel Çatiroglus Aufstieg vom wandernden Volkspoeten und Volkssänger zum “A§ik Veysel“
3.2 Veysel erhält fördernden Beistand
3.3 Einfluss moderner Medien
3.4 Ausklang zum Werdegang von A§ik Veysel

4. Die Musik von A§ik Veysel
4.1 Tabellarische Analyse von achtundsechzig seiner Lieder
4.2 Transkriptionen und Analysen von zehn Titeln

5. Der Poet Veysel im Spiegel seiner Gedichte
5.1 Ausgewählte Gedichte zu folgenden Themen:
- seinem Leben
- seinem Verhältnis zur Liebe
- seiner Sichtweise der Natur
- seine Stellung zur Solidarität
- seinem Bewusstsein für die Bildung

6. Erben von A§ik Veysels Musik und die türkische traditionelle Volksmusik in der Gegenwart
6.1 Türkische Folkloresänger, die als Band “Heimatliebende Geschwister“, auftreten
6.1.1 Tarkan singt Dichtung von Veysel
6.1.2 Zehra Çatiroglu, Urenkelin von A§ik Veysel, singt und spielt Titel von Veysel
6.2 Vergleich des Liedes “Uzun ince bir yoldayim“ , “Ich laufe auf einem schmalen dunklen Pfad“ in drei Versionen
6.2.1 Tabellarischer musikalischer Vergleich zum Hervorheben einiger Unterschiede im Vortrag des Titels “Ich laufe auf einem schmalen dunklen Pfad“
6.2.2 Ausführlicher Notenvergleich des in der Tabelle bearbeiteten Titels
- Original von Veysel
- Interpretation von Tarkan
- Variation von Zehra Çatiroglu
6.2.3 Fazit meines Vergleichs

7. Gespräche während meiner Studienreise 2002
7.1 Mit den Nachkommen Veysels
7.2 Mit Bewohnern der Heimatregion von Veysel
7.3 Mit Wissenschaftlern der A§ik-Veysel-Hochschule

Literaturverzeichnis

Diskographie

Anhang
- Gedichte
- Zeitschriftenartikel und andere
- Veröffentlichte Kassetten und CDs von Veysel und anderen Musikern

Vorwort

Gesellschaftliche und persönliche Motive sind für mich die maßgeblichen Kräfte, diese Dissertation zu schreiben. Dabei steht an erster Stelle das Zusammenleben von Deutschen und Türken in den letzten 40 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland.

Als Mitglied dieser mittlerweile aus Menschen verschiedener ethnischer und nationaler Herkunft bestehenden deutschen Bundesrepublik möchte ich als Deutscher türkischer Abstammung einen Beitrag im kulturellen Bereich leisten, weil ich der Meinung bin, dass über Kultur Menschen sich besser kennen lernen können. In dieser Dissertation gebe ich einen Einblick in die Wurzeln der türkischen Tradition und ihrer Quellen.

Mit dem Anwerberabkommen am 30. Oktober 1961 wurden Türken offiziell von der Bundesrepublik gebeten, in Deutschland zu arbeiten, um das Land mit aufzubauen. Aufgrund der Kriegsfragen fehlten im damaligen Deutschland-West Arbeitskräfte. Zurzeit leben über 2,5 Millionen Türken, davon ungefähr eine halbe Million türkisch stämmige Mitbürger mit deutschem Pass in unserer Mitte. Die Einbürgerung von Türken, die eine deutsche Staatsangehörigkeit beantragen, steigt von Tag zu Tag.

Das zeigt, wie notwendig und wichtig das gegenseitige Wissen über beide Kulturen ist. Dies gilt ebenfalls für den wissenschaftlichen Bereich, weil türkische Mitbürger heute in fast allen akademischen Berufen und in Berufen, die über die ursprünglichen Arbeitsgebiete hinausgehen, tätig sind. Das beschränkte Gebiet des einfachen Arbeitsplatzes, wo die Gastarbeiter anfangs nur geringe Tuchfühlung mit ihren deutschen Kollegen hatten, ist überwunden. Die Nachkommen stellen andere Ansprüche an sich selbst und an den deutschen Lebensbereich. Umgekehrt interessiert sich auch zunehmend die deutsche Bevölkerung für die Herkunft ihrer türkischen Mitbewohner und für ihre Kultur.

Ein weiterer Grund für diese Dissertation ist, die Deutschen mit dem letzten bedeutenden Repräsentanten der türkischen Volksdichtung und des Volksgesangs, mit der alttürkischen sowie türkischen Musiktradition, bekannt zu machen. Kulturkreises.

Für mich ergab sich der Anreiz über den türkischen Poeten und Sänger, A§ik Veysel Çatiroglu (Schatiroglu),1894-1973, eine Dissertation zu schreiben. Meine Forschung nach der Entwicklung dieses Mannes, die Analyse seiner Besonderheit und der Zeit, in der er lebte, ergeben das Spiegelbild einer Kultur und Tradition, die immer noch lebendig ist und weiter, wenn auch manchmal in anderer Ausdrucksform, verbreitet wird.

Meine ganz persönliche Motivation rührt von der Tatsache her, dass mein Großvater wie Veysel aus einem ostanatolischen Dorf stammte und ebenfalls gut auf der Baglama "Baglama" spielte und dazu sang. Wie ich heute beurteilen kann, ähnelte seine Spieltechnik der Veysels. Nachdem ich eine Musikkassette von Großvater gehört hatte, begeistert war, begann ich selbst das Baglamaspiel zu erlernen. Während meiner Schulferienaufenthalte in der Türkei spielte ich stolz den Großeltern, Verwandten und Bekannten etwas vor. Diejenigen, die mir zuhörten, stellten damals schon einen Vergleich zu meinem Großvater her und meinten, ich würde eines Tages ein Meister sein wie mein Vorbild. Vorbild war und ist mein Großvater für mich, weil er außerdem ein bescheidener, gerechter und friedfertiger Mann war. Ich bin sein ältester Enkelsohn und fühle mich verpflichtet, ihm nachzueifern. Für meinen Großpapa war Veysel u.a. ein Begriff für Solidarität, Freundschaft, Versöhnung und Natur. So lernte ich schon in jungen Jahren etwas von türkischer Kultur und Tradition kennen. Die Kenntnisse vertiefte und erweiterte ich später im Studium. Diese vergangene und noch immer lebendige Tradition möchte ich darstellen.

Ich hoffe, dass diese Untersuchung die Musikethnologie bereichert, zum besseren Verständnis der türkischen traditionellen Volksmusik führt und zum geeigneteren Einvernehmen der deutschen und türkischen Kultur beträgt.

Professor Dr. Kurt Reinhard hat dies treffend ausgedrückt: "Das Zusammenleben mit den türkischen Bewohnern in unserem Land macht die Beschäftigung mit der kulturellen Tradition dieses Volkes zu einer dringenden Aufgabe."

Wissenschaftliche Anregungen von Seiten meiner Professoren bestärkten mich außerdem zu meiner Dissertation, ein Stipendium machte sie möglich. Diejenigen, die mich unterstützten auf meinem oftmals steinigem Weg, bin ich zu Dank verpflichtet:

Hier möchte ich mit meinen Eltern beginnen, die mir eine schulische und letztlich akademische Ausbildung gestatteten, die mir immer mit ganzem Herzen beistanden, mich stets wieder mit Liebe ermutigten, nicht aufzugeben.

Meinen tiefsten Dank schulde ich meinem Doktorvater, Herrn Prof. Dr. Rüdiger Schumacher, der mir viel mehr war als nur Doktorvater. Seine stete Bereitschaft und seine Hilfe, den Dialog zwischen Deutschen und Türken zu stützen, ist für mich vorbildlich. Infolge seiner gesicherten wissenschaftlichen Kenntnisse wurde von ihm jede Frage, die ich für meine Forschung brauchte, beantwortet und weitere Anregungen gegeben.

Mein aufrichtiger Dank gilt Herrn Prof. Dr. Tassilo Küpper, Rektor der Universität zu Köln, der sich persönlich für mich einsetzte und mir ein Stipendium ermöglichte. Sein Engagement gab mir die nötige moralische Stärke zielbewusst zu forschen.

Besonders dankbar bin ich ferner Herrn Prof. Dr. Uwe Seifert, der mir stets von Herzen half.

Ein weiterer herzlicher Dank gilt meiner ehemaligen Lehrerin, Frau Hilde Heekeren, sie bot mir Hilfe in Schrift und Form.

Herzlich danken möchte ich meinen drei älteren Schwestern, Muazez, Sadet und Zehra, die mich niemals alleine ließen, mir ihre Zuneigung und Hilfe nicht versagten. Meine besondere Dankbarkeit geht an meinen Schwager, Bari§ Martin, der mich mit seinen technischen Kenntnissen im Umgang mit dem PC zu einem Könner machte.

Nicht vergessen möchte ich all denjenigen zu danken, die mein Leben während der Arbeit kreuzten, meine Freunde sind und das Miteinander mit Rücksicht auf mich gestalteten und mir beistanden.

Einleitung

Mit der vorliegenden Dissertation möchte ich einen Einblick bieten in die reiche anatolische Kultur. Unter dem Aspekt der Musikethnologie stelle ich in den Mittelpunkt den letzten bedeutenden Volkspoeten und Volkssänger der Republik Türkei, A§ik Veysel (1894-1973). A§ik Veysel führte die ihm vorausgegangene Tradition der epischen Dichtung, vorgetragen in einem Sprechgesang zum Saitenspiel, fort, bereicherte sie und machte sie über die Grenzen der Türkei hinaus bekannt. Da er fast dreißig Jahre seines Lebens Untertan des Osmanischen Reiches war und fünfzig Jahre Bürger der Republik Türkei, wurde er zum Vertreter einer alten und neueren Volksmusiktradition. Als noch relativ junger Mann hieß er die modernen Ideen Atatürks gut, setzte sich für ihn und dessen Ziele ein und verehrte ihn. Erst die von Atatürk vertretene türkische Kulturpolitik im 20. Jh. verschaffte Veysel den Durchbruch zum Erfolg.

A§ik Veysel hieß mit Geburtsnamen "Veysel Çatiroglu". Der in besonderer Würdigung verliehene Zusatz "A§ik" wird abgeleitet von der Dichtungsart "A§ik", auch Tekke-Literatur, die einen Volksgesang in mystischer Dichtung, bekannt seit dem 16. Jh., bezeichnet.

Vorläufer dieser Art zu dichten, sind Schamanen der Turkvölker, die, aus Zentralasien kommend, in Anatolien siedelten. Später nannte sich der Schamane "Ozan". Ihre Kulte übten sie musikalisch aus. Mit Trommeln oder einfachen Zupfinstrumenten begleiteten sie ihre einstufigen, jedoch aufrüttelnden Sprechgesänge. Im Zuge der Islamisierung des türkischen Gebietes wurden verständlicherweise Begriffe dem Arabischen entnommen, da die Turkvölker über arabisches Gebiet nach Anatolien eindrangen. Der Ozan hieß nun A§ik. Der Begriff A§ik heißt wörtlich „mystische Liebe zu Gott“. Der A§ik war Epensänger und Ependichter, Wandersänger, Volksdichter und Volkssänger; im weitesten Sinne ist er mit Troubadouren vergleichbar. Jedoch noch weiter zurückliegende Vorgänger der A§iks aus der Antike sollen hier kurz genannt werden: der Aöde und Rhapsode der homerischen Zeit.1 In dieser Arbeit werden beide nicht behandelt, obwohl starke

Parallelen bestehen, jedoch würde dies den begrenzten Rahmen dieser Studie überschreiten.

Ich lenke die Aufmerksamkeit des Lesers von Kapitel zu Kapitel durch die Jahrhunderte bis zur Gegenwart. Stets steht meine Arbeit unter dem Aspekt "A§ik", bis zum herausragenden Volkspoeten und Volkssänger der türkischen Kultur des 20. Jh. A§ik Veysel, der Ursache und Mitte für die Wahl meines Themas ist. Alle Kapitel führen zu Veysel, seiner Entwicklung vom blinden Knaben Veysel Çatiroglu ohne Schulbildung zum A§ik Veysel; sie sind diesem Poeten fortgesetzt untergeordnet oder beigeordnet.

Dem Leser verschaffe ich einen Streifzug durch die anatolische und türkische Geschichte, besondere geographische Regionen, Orte und Städte unter Verknüpfung ihrer klimatischen Verhältnisse, ihrer Besonderheiten und der Schönheiten, die sie darbieten.

Über die Lebensbedingungen der A§iks, ihre Handlungsfreiheit oder Unfreiheit unter den verschiedenen Herrschaftsstrukturen, über herausragende A§iks in der Historie, über einige Biographien außer der von Veysel, über ihre Gedichte und ihre Musik werde ich berichten.

Analysen und Transkriptionen, besonders von Veysels Noten, Übersetzungen seiner Gedichte im Kontext, aktueller Stand der türkischen Folklore sowie ein Ausblick auf den Fortbestand der Tradition, reichliches Bild- und Kartenmaterial, Ergebnisse meiner Gespräche mit Verwandten und Bekannten von Veysel sowie anderen an ihm Interessierten während meiner Studienreise durch Anatolien und hier vor Ort, runden die vorliegende Arbeit ab.

Da Veysel ohne seine Baglama nicht denkbar wäre, erhält der Leser der vorliegenden Arbeit darüber einen Einblick in Geschichte und Gegenwart dieses einzigartigen Musikinstruments.

Ich lenke hier die Aufmerksamkeit auf das erste Kapitel mit der nachstehenden Überschrift "Die Baglama in Geschichte und Gegenwart". Ihr gebührt gleichfalls eine entsprechende Würdigung.

Die Frage, ob Veysel Çatiroglu den Titel "A§ik" verdient hat, der ein hohes Ansehen für den Träger bedeutet, hoffe ich ebenfalls gebührend zu beantworten.

1. Terminologie "Ozan" und "A§ik", Herkunft und Geschichte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Alttürkische Instrumente aus Zentralasien

Viele Volkssänger und Volksdichter stammten aus Zentralasien. Sie betätigten sich als Wandersänger der Turkvölker und fungierten bis zum 9. /10. Jahrhundert, in der vorislamischen Zeit, der Schamanen. Als wandernde Dichtersänger wurden sie auch 'Ozan' genannt. Sie waren nicht nur umherziehende Musiker, sondern auch Heiler, Priester, Verkünder und Ratgeber. Die Menschen schätzten sie hoch. Sie entwickelten sich zu Förderern und Aufklärern ihrer damaligen Gesellschaft. Nachdem Turkvölker 1071 erstmals nach Anatolien eindrangen, folgten ihnen auch ihre Ozans. Die Ozans, die mit Ihrer Laute (Kopuz-i Ozan) ihre Dichtungen begleiteten, nannte man ab dem 15. Jahrhundert 'A§ik'. Dieser Begriff stammt aus dem Arabischen (ášiq) und bedeutet 'Liebhaber'. Die A§iks meinten jedoch mehr die mystische Liebe zu Gott. Sie sangen zur Verehrung Gottes hauptsächlich religiöse Liebeslieder. Unter dem Begriff "A§ik" versteht man nicht nur eine Person, sondern ebenfalls eine mystische Dichtungsart, auch Tekkeliteratur (Ordensliteratur) genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sprachen-Atlas

Fast 90 % der A§iks und Ozans in Geschichte und Gegenwart gehörten und gehören in ihrer Mehrheit der islamischen Minderheitsgruppe der "Aleviten" an. Die Aleviten, nach Ali, dem Schwiegersohn des Propheten Mohammed benannt, hatten ihren generellen Ursprung in der Schia-Bewegung der Partei Alis.2

Das Alevitentum erhielt die erste festere Ausprägung in Anatolien durch Haci Bekta§-i Veli. Da der Bektaçi Orden des Mystikers Haci Bekta§ Veli (1209-1271), in Hacibektaç in der Provinz Kirçehir, Ali als den rechtmäßigen Nachfolger Mohammeds (Kalifen) ansah, sprach er besonders die türkischen Schiiten oder Aleviten an. Seine Anhänger übernahmen auch nichtmoslemische Rituale wie die Taufe. Die Bruderschaft war lange Zeit eng mit den Janitscharen [Osmanischer Heer- Janitscharen-Musik] verbunden.3 In der heutigen Republik Türkei vertreten die Aleviten einen westlich orientierten Islam mit Inhalten turkmenischer Tradition. Ein Drittel der türkischen Moslems ist Mitglied der alevitischen Religionsgruppe.

"Die halbprofessionellen Volkssänger, "A§ik", die sich selbst auf der Langhalslaute (Baglama)4 begleiteten, sind als Erben alttürkischer Barden und islamisch mystischer Troubadourtradition anzusehen".5

Die Benennung A§ik ist vergleichbar mit einer "Doktorwürde". Diesen Titel erlangte nur derjenige, der nach den von ihnen selbst aufgestellten strengen Regeln lebte. Ein A§ik verpflichtete sich für die Dauer seines Lebens, dem Wohl der Gesellschaft zu dienen, sich stets vorbildlich zu verhalten. Verstieß er gegen die von den A§iks selbst gestellten strengen Statuten, schloss die Gemeinschaft ihn aus. A§iks hätten sich keineswegs schuldhaft auf betrügerische Weise kommerzielle Vorteile verschaffen dürfen. Andere illegale Machenschaften waren ebenfalls tabu, die der Tradition und dem Ansehen der A§iks hätten schaden können. Den Titel "A§ik" hätte die Gemeinschaft der A§iks dem schuldig Gewordenen entzogen. Sie hätten ihn verachtet und aus ihrer Mitte ausgestoßen.

A§iks in ihrer Eigenschaft als Wandersänger, nicht als Titelträger, sind vergleichbar mit den Troubadouren in Frankreich, den Minnesängern im deutschen Raum während des Mittelalters und den Wandersängern in anderen europäischen Gebieten6. Ebenfalls bestand eine geistige Verwandtschaft mit russischen Wandersängern nach Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland nach 1681. Ihre dichterischen Motive und ihre musikalische Begleitung unterschieden sich natürlich wegen anderer Lebensgewohnheiten und anderem Kulturraum. Deckungsgleichheit bestand zwischen den Gruppen, weil sie alle verkündeten, aufklärten sowie Weitergeber von Ereignissen waren, die Menschen der damaligen Zeit anders nicht hätten erfahren können.

Die einfache Musik der A§iks diente nicht der Unterhaltung, sondern sie unterstrich die mündlichen Aussagen und diente als Identifikationsfaktor ihres Kulturkreises. Die Musikbegleitung zur vortragenden Dichtung stützte die Kommunikation. Zu dieser Art der musikalisch vorgetragenen Dichtung passt ebenfalls, was Grillparzer über Schubert sagt: "Er hieß die Dichtkunst tönen und reden die Musik“.7 Fast jeder A§ik verarbeitete individuell bestimmte Inhalte. Diese entnahm er der Mystik, der Natur, der Liebe, der Gesellschaft, seinem eigenen Erleben oder der Politik. Jedoch fühlten sich die vortragenden Dichter und Sänger nicht nur einer Thematik verpflichtet. Im Laufe ihres Lebens passten sie ihre Dichtungen und musikalischen Vorstellungen ihrem jeweiligen Alter, ihren Erfahrungen, ihren Lebensumständen und denen der Gesellschaft an.

A§iks wirkten in fast allen islamisch ausgerichteten Ländern. In Persien hießen sie ä§huq, im Irak und in Ägypten säir, in Afghanistan äshiq und in Turkmenistan bäkhsi.

1.1 Die Baglama in Geschichte und Gegenwart

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die zentralasiatischen Türken machten Pfeil und Bogen, die sie zur Jagd benötigten, gleichfalls zu einem bedeutsamen Musikinstrument. Es wurde ebenfalls das erste primitive Saiteninstrument der Türken. Sie nannten es Oklug, kurz Ok, übersetzt: Pfeil. Für die ersten Instrumente hobelten sie einen Kürbis aus. An seinem untersten Teil montierten sie den Bogen, um mehr Klangvolumen zu erreichen. Später veränderten sie den Oklug. Sie montierten auf den Kürbis einen geradlinigen Holzgriff und überzogen den Kürbiskörper mit dünnem Leder. Das nun verbesserte Instrument erhielt mehrere Saiten, hieß jetzt Iklig und ähnelte einem richtigen Musikinstrument. Es war das erste Streichinstrument der Türken. Sie beließen es nicht dabei, sondern entwickelten außerdem noch ein Zupfinstrument, den Kopuz, der aus einem Holzkörper bestand. Diesen Prototyp fertigten die Türken später zur Baglama um.

Auf dem Kopuz spielte der Schamane der Türken, auch Heiler, Priester, Ratgeber und Epensänger in einer Person. Der spielende Schamane und der Kopuz nahmen in der türkischen Gesellschaft eine hohe Stellung ein. Der spezialisierte Kopuzspieler erhielt mit der Zeit den Namen "Ozan".

Der Musikethnologe Ali Uçan geht davon aus, dass der Kopuz sowie Iklig bereits zur Zeit der Hunnen im 5. Jh. in Europa gesichtet wurde8. Ikonographische Funde weisen darauf hin, dass ähnliche Langhalslauten bereits ca. dreitausend Jahre vor Chr. in Syrien und Babylon und Kleinasien, wo Hethiter lebten, vermutet werden, Belege gibt es jedoch erst seit ca. 2000 bis 1200 v. Chr.. In Byzanz hieß ein entsprechendes Instrument Pandura, in Rumänien cobza, in Ungarn koboz. Aus anderen südosteuropäischen Ländern sind die Begriffe Kobez, Kobzikcu oder Kobuz bekannt. Länder in Afrika (Sansibar), Indonesien und Indien sind gleichfalls im Gespräch.9

Der Musikethnologe M. R. Gazimihal erwähnt, dass in früherer Zeit, im heutigen deutschen Raum, für einige Lauteninstrumente der Begriff (=laguta çalgisi) Kobus benutzt wurde. Er erwähnt, dass dieses Wort dem türkischen Kopuz entlehnt sein könnte. Als Beweis legt Gazimihal uns diese Überschrift vor: “Die Kobus mit der Luten“ (mhd.). Mit "Lute" ist die Vorläuferin der heutigen Laute gemeint. Im 18. Jh. wurde dieses bautechnisch verfeinert als Generalbasinstrument in Europa benutzt. Zum östlichen Kopuz war der Resonanzkörper ausgedehnter und unter dem Namen „kola§on“ bekannt.10

Ab 1780 wandelte sich in der Türkei der Begriff Kopuz in Baglama. Baglama kommt vom baglamak, das bedeutet übersetzt "Binden" und meint das Verfahren der Instrumentenbauer, die auf dem Griffbrett "Bünde" anbrachten. Beginnend mit dem Bau der Baglama gab es Bünde, vordem waren sie unbekannt.

Allgemeines zur Baalama:

Die Baglama wird in verschiedenen Größen gebaut. Daher hat man einen Überbegriff angewendet: „Die Baglama Familie“. Die Kleinste dieser Familie ist die Cura. Sie ist etwa 60 - 80 cm lang. Die nächst größere ist die meist bevorzugte Baglama, ungefähr 80 - 120 cm lang. Sie ist das beliebteste Instrument der Baglama-Anhänger und am weitesten verbreitet. Die beiden größten sind Divan 114­140 cm lang und Meydan 122,5 -152,5 cm lang.

Die Baglama weist nach je nach Größe und je nach Anzahl der gewünschten Halb- oder Vierteltonschritten in der Skala des Instrumentes 14 - 26 Bünde auf. Die bekannteste und bevorzugste Baglama hat 19 Bünde. Das Zupfinstrument wird unterschiedlich gestimmt, anders von Region zu Region, selbst von Dorf zu Dorf dem entsprechenden Repertoire angemessen. Allerdings sind besonders zwei Arten des Stimmens gebräuchlich. Die meist verwendete Stimmung ist:

Baglama - Düzeni, besser bekannt als Astk Vevsel Düzeni die zweitrangige ist die Bozuk - Düzeni.

Die Baglama hat 7 Saiten, untergeordnet in drei Chören (2+2+3), die der Spieler aktuell bevorzugt.

Die Instrumentenbauer verwenden in unserer Zeit edle Holzarten wie Ebenholz für die sieben Wirbel, für die Decke Fichte und für das Korpus Mahagoni, Holz vom Maulbeerbaum, von der Kastanie o. ä.. Für den Griff nutzen sie Buche oder andere Holzarten mit höhere Dichte, die den Zug der stark gespannten Saiten halten können. Leichtere Holzarten sind für Decke und Korpus wegen der besseren Resonanz und Schallabstrahlung angemessener. Seit einigen Jahren besitzt die Baglama auch einen eigenen Tonabnehmer, der extra für die Baglama angefertigt wurde. Der Tonabnehmer wird unter dem Steg montiert. Die Baglama lässt sich sowohl akustisch als auch mit Verstärker spielen. Vierteltöne und halbe Töne eröffnen jedem Musiker fast unbegrenzte Möglichkeiten bei seinem Baglamaspiel.

Die Musiker haben fast unbegrenzte Möglichkeiten, östliche wie auch europäische Musik vorzuführen. Sie können sowohl fröhliche als auch melancholische Klänge hervorbringen.

Tonausstattung und Tonfarbe der Baglama sind inzwischen auf modernstem technischen Stand. Mit Gitarre und Mandoline könnte die Baglama ein gutes Trio bilden.

Die Baglama ist in der türkischen Bevölkerung hauptsächlich als Saz bekannt. Im Türkischen heißt Saz ganz allgemein nur Instrument. Die Baglama ist in der gegenwärtigen Türkei und unter den seit über 40 Jahren in Europa lebenden Türken oder türkisch Abstämmigen das beliebteste und bekannteste Instrument.

Touristen, die die Türkei besuchen, kaufen sich oftmals eine Baglama, deren Spiel sie in Deutschland auf türkischen Veranstaltungen oder in den Ferien in der Türkei hörten. Die Baglama gibt Gelegenheit, Liebe, Herzenswünsche, Trauer oder Lebensfreude zum Ausdruck zu bringen, sofern der Interessierte musikalisch ausreichend begabt ist.

Beim türkischen Publikum nimmt die Baglama den ersten Rang in Konzerten, bei Feierlichkeiten und anderen Veranstaltungen ein. Seit Anfang der neunziger Jahre ist die Baglama zunehmend ein beliebtes und nachgefragtes Zupfinstrument bei jüngeren Männern und Frauen. Junge Menschen beiderlei Geschlechts kommen zum Musizieren zusammen. Infolgedessen wird hierdurch auch die Emanzipation der Frau in der türkischen Gesellschaft enorm gefördert.

Die Baglama wurde zum Symbol der modernen türkischen Republik. Fast in jedem türkischen Haushalt ist eine Baglama zu finden. Laut Angaben des größten türkischen Instrumentenbauers steigt die Zahl der verkauften Baglamas wie bei keinem anderen Instrument. Im Jahre 2001 verkaufte man im Inland und Ausland insgesamt viele Millionen Baglamas. Diese überwältigende Zahl zeigt ebenfalls die Steigerung der Bedeutsamkeit, die das Instrument bei den Jugendlichen in der Türkei, in Deutschland und anderen Ländern Europas erwirbt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Die Baglama

1.2 In der Frühzeit

Die Türkvölker oder auch Turkvölker, die aus den Steppen Zentralasiens sich nach Westen ausdehnten, siedelten in fast allen Gebieten des Nahen Ostens und in Südosteuropa. Friedlich blieb jedoch ihre Niederlassung in keinem der neuen Länder. Sie erlebten kaum eine geschichtliche Epoche ohne Krieg oder diverse Schlachten. Da sie zunächst als Nomaden eindrangen, suchten sie fruchtbares Land. Sie konnten nur überleben, wenn sie neue fruchtbringende Gebiete entdeckten, die sie, wenn notwendig, eroberten.11

Das Leben der halb nomadisierenden Turkvölker war hart. Zu ihrer Geschichte gehörten Belastungen, Sehnsüchte, seelische und körperliche Qualen und immer wieder Trennungen von für sie geeigneten Orten, ohne die zukünftigen zu kennen. Aus diesen Situationen heraus entwickelten einige Männer der Stämme Fähigkeiten, als Ratgeber zu wirken, den Alltag zu dokumentieren und den gesammelten Erfahrungsschatz weiterzugeben. Fast jeder Stamm hatte seinen eigenen "Ozan", der die Erfolge, Niederlagen und Erfahrungen seines Stammes poetisch und musikalisch umsetzte.12

1.3 Unter den Seldschuken im 11. /12. Jh.

Die Seldschuken, nach dem Anführer "Selçuk Bey" in Turkestan um 1000 n. Chr. benannte türkische Dynastie, dehnte ihre Herrschaft auch nach Kleinasien aus13. In der Schlacht von Malazgirt um 1071 gewannen die Seldschuken. Sie schlugen die Byzantiner. Ost- und Mittelanatolien, ehedem christlich, machten sie zu ihrer Heimat und gleichzeitig zu einer islamisch türkischen Region. Das Jahr 1071 wird als Anfang des türkisch muslimischen Anatolien betrachtet. Auf dem Weg nach Kleinasien folgten ihnen auch ihre Ozans. Die erste Hauptstadt dieser Türken war Konya in einer verhältnismäßig großen Provinz in Mittelanatolien (38.257 km2), vergleichbar mit der Größe einer Fläche wie Niederlande (41.526 km2).

Aus Konya stammte auch der Orden Mevlana (Mevlana Celalettin-iRumí). Im 12. Jh. gründeten sie den Orden, der bekannt wurde durch die „Tanzenden Derwische“. Diese führten Medizintänze auf, die Menschen heilen sollten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Tanzende Derwische des Mevlevi Orden

Während der Zeit der Seldschuken teilten sich Führungen der einzelnen Stämme in zwei Gruppen. Die Sunniten stellten die gebieterische Macht und verfochten den sunnitischen Islam. Sie wohnten vornehmlich in den Städten. Eine andere Gruppe setzte sich aus nomadisierenden turkmenischen Glaubenskämpfern zusammen, die den 4. Kalif des Islams Ali unterstützten. Sie nannten sich Kizilbas Bekta§¡, heute bekannt als Aleviten. Die Aleviten nannten ihre "Ozans" nun "A§iks". Die A§iks drückten ihre religiösen Riten durch Poetik und Musik aus, beeinflusst vom mystischen Gedankengut der Ozans. Der altschamanische Geist lebte nun islamisch geprägt im Glauben und in den Herzen der alevitischen Turkvölker in Kleinasien weiter.14

1.4 A§iks im Osmanischen Reich bis etwa 1923

"Das Osmanische Reich, genannt nach seinem Gründer Sultan Osman I., ist auch bekannt als das Türkische Reich".15

Von 1299 bis 1923 existierte das Reich über 600 Jahre als Weltmacht im Nahen Osten weit über die Grenzen der heutigen Republik Türkei hinaus. Die Osmanen unterdrückten das überlieferte Kulturgut und dessen Vertreter. In einigen Epochen wurden die A§iks als Feinde und als Verräter des Reiches angesehen.

Das osmanische Geschlecht hatte sich von der altturkmenischen Tradition gelöst. Die Osmanen führten eine andere Kultur in Sprache und Musik ein. Die türkischen Untertanen ihres Landes verstanden die elitäre Sprache des Hofes nicht, die nun "osmanisch" hieß. Sie bestand aus Elementen der persischen, arabischen und türkischen Sprache, war jedoch nicht die Muttersprache der einfachen Untertanen.

Die Hofmusik der Osmanen, heute bekannt als Kunstmusik (Sanat Müzigi) beeinflusst von der arabischen Musik, besaß keine Gemeinsamkeiten mit der originalen überlieferten turkmenischen Musik und Dichtung. Diese richtete sich an das einfache Volk, wandte sich an das Volk und wurde von ihm verstanden. Der elitären Schicht fehlte der Bezug zum turkmenischen Kulturgut. So versagte die gegenseitige Beziehung zwischen der osmanischen Macht und ihren Untertanen. Diese fühlten sich unverstanden, weil sie der Sprache ihrer Obrigkeit nicht zu folgen wussten. Durch Unverständnis entstand nun eine Kluft, die sich weiter vergrößerte. Daraufhin zogen sich die A§iks zurück. Ohne Anerkennung und Unterstützung ihrer Obrigkeit fehlte ihnen ein wichtiger Motor. Das bewirkte ein Abklingen der Tradition der A§iks.

Nur wenige dieser Meister sind uns aus dieser Zeit bekannt. Ein berühmter A§ik im 16. Jh. hieß Pir Sultan Abdal. Er stammte aus der Provinz Sivas. Er trat besonders für das turkmenische Volk dieser Provinz ein, das vielfach zum Kreis der Aleviten gehörte. Pir Sultan Abdal ist heute noch nicht vergessen. Seinen Schwerpunkt legte er auf die Mystik. Die osmanischen Gebieter lehnte er ab, er redete gegen sie.

Pir16 Sultan Abdal vertrat die Belange der Safawiden. Er trat für die Gründung eines alevitischen eigenständigen Staates ein. Ihr erster Gründer war der persische Çah Ismail17, der sich jedoch nur kurz halten konnte. Ein späterer Herrscher der Provinz Sivas, Hizir Pa§a, verurteilte Pir Sultan zumTode durch den Strang.

Einige andere bedeutende A§iks im 16. Jh., die unter dem Einfluss von Pir Sultan Abdal wirkten, hießen "Kul Himmet", "Kul Hüseyin" und "Kul Ibrahim". Der Begriff "Kul" steht im mystischen Sinn für "Knecht Gottes".

Im 16. Jh. lebten außerdem A§iks, die mit Einstellungen zu einer besseren Welt und ihrer Sehnsucht nach ihr bekannt wurden. Der berühmteste unter ihnen war Köroglu. Er prangerte die Ungerechtigkeiten an, unter denen die Menschen litten. Ein weiterer ist Kerem. Er betrachtete das Extrem in der islamischen Religion als ein Hindernis auf dem Weg zur Liebe. A§ik Garip drückte in seinen Gedichten Widerstand gegen die häufigen Trennungen aus, weil er, wie viele andere, jahrelang fern von seinem Heimatland leben musste. Mehrmals wurde er aus seiner Heimat vertrieben.

Aus dem 17. Jh. ist der A§ik Karacaoglan und aus dem 19. Jh. sind die A§iks Dadaloglu und Güneçlioglu bedeutend.

Als weitere A§iks sind außerdem noch Tokatli Nuri, Ruhsati, Sümmani und Deli Boran zu nennen.

Alle A§iks genossen ein hohes Ansehen und wurden anerkannt von der damaligen einfachen Bevölkerung, deren Belange sie vertraten. Sie erwarben ihr Wissen im täglichen Umgang mit ihren Mitbürgern. Ihre "Universität" waren die Begegnungen mit einfachen Leuten, die sie auf ihren Wanderungen oder am Ort kennen lernten, deren Bedürfnisse und Notlagen sie in Epen und Musik umsetzten. Die erworbenen Erkenntnisse und Nutzbringendes für die Zukunft teilten sie den Menschen mit.

Dagegen studierten die elitären Schichten in Hochschulen (Medessen) Islamwissenschaften unter dem Einfluss der persischen und arabischen Sprache sowie deren Literatur. Ihr Kunstverständnis stand in Distanz zur Kultur des übrigen Volkes und hatte mit deren Erwartungen, Meinungen und Interessen wenig zu tun.18

Das Osmanische Reich endete 1923. Ab 1920 begann der Niedergang des Herrscherhauses der Osmanen und seit Süleymans Tod verfiel das Reich.19 Mustafa Kemal, besser bekannt unter dem Namen "Atatürk", übernahm 1923 die Regierungsgewalt und wurde erster Staatspräsident der „Republik Türkei“. Die Entfremdung von der eigenen turkmenischen Tradition ließ nach und endete vollends. A§iks, die eine schwere Zeit unter den Osmanen erduldeten, als Gegner und sogar als Landesverräter gegolten hatten, konnten trotzdem ihr Kulturgut und ihre Tradition retten, die sie in die neue Zeit einbrachten. Die Überlieferung der A§iks erfuhr in der Türkischen Republik eine Restauration und Auferstehung. Die moderne Regierung stellte Dialoge zwischen Staat und Bevölkerung wieder her. Die Administrationen förderten die Auffrischung der alttürkischen Kultur, die ja stets eine Kultur für die allgemeine Bevölkerung bedeutete. Niemals richtete sie sich gegen sie.

1.5 In der Türkischen Republik ab 1923 unter Mustafa Kemal Atatürk

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gründer der Republik, Mustafa Kemal Atatürk20, führte viele Reformen durch. Er schaffte 1924 das Kalifat21 und auf diese Weise das sunnitische22 Regierungssystem ab.

Atatürk reaktivierte ebenfalls die türkische Sprache. Zu seinen Reformen gehörten auch die Gleichberechtigung der Frauen und ihr Wahlrecht. Mit der Einführung der lateinischen Schrift, öffnete er die Türkei für die westliche Welt. Hiermit anerkannte er die Wünsche seines Volkes, deren A§iks (fast 90 % Aleviten) stets die Orthodoxie der islamischen Staatsform missbilligt hatten.

Dank Mustafa Kemal Atatürk konnten sich die A§iks wieder frei im Land bewegen. Sie wanderten nun erneut mit ihrer Laute (Baglama) von Ort zu Ort, von Provinz zu Provinz, ohne Angst haben zu müssen, von Staatsorganen festgenommen oder vertrieben zu werden. Im Gegenteil: Programmgestalter des staatlichen Rundfunks, später des Fernsehfung, (TRT) luden A§iks zur Mitarbeit an der Programmgestaltung ein. Die Zuhörer lernten so die Tradition der A§iks, ihre musikalisch untermalte Poesie erstmals kennen oder sie entdeckten sie wieder.

Themen, Sprache und Stil wurden und werden in der alttürkischen Tradition der Ozans und A§iks angeboten. Der TRT passte unter der Mitwirkung der A§iks Dichtungen und musikalische Darbietungen der modernen Zeit und den aktuellen Geschehnissen an. Dieser Zusammenarbeit verdanken die Türken heute die Überlieferung des alttürkischen Kulturgutes und bedeutende Kenntnisse ihrer eigenen Geschichte.

In unserer Zeit werden in vielen Provinzen der Türkei "Açikfeiern" (A§/k Bayram) organisiert, vielfach gefördert vom Staat. Einige besonders hervorragende

Açiks werden als "Künstler des Staates" (Devlet Sanatasi) vom Ministerium für Kultur besoldet. Sie haben dort eine Art von "außerordentlicher" Stelle.

Der erste A§ik, der ab 1965 vom türkischen Parlament mit einer Ausnahmeregelung auf Lebenszeit mit monatlich 500 Lira besoldet wurde, war der berühmte A§ik Veysel Çatiroglu.23

1.6 Ausbreitung der traditionellen Volksdichtung und Volksmusik durch vermehrt auftretende Wandersänger

Die Musik der A§iks veränderte sich kaum in den letzten tausend Jahren. An der musikalischen Grundstruktur hat sich nichts Wesentliches geändert.24 Die Instrumentenausstattung bestand und besteht aus der Langhalslaute (Baglama). Ihre Baglamas waren und sind ausschließlich mit 12 oder 17 Bünden eingerichtet, mit ganzen und halben Tönen (Chromatische Töne). Daneben spielen derzeit A§iks auch auf Baglamas mit bis zu 26 Bünden. Diese Veränderung kommt zustande, weil die türkische Volksmusik in den letzten drei Jahrzehnten stark vom arabischen Tonsystem, das auch Viertel- und Mikrotöne kennt, beeinflusst wird. Die Musikindustrie unterstützt den Trend teils gewünscht, teils intuitiv.

Die Themen der A§iks sind immerzu noch ziemlich breit gefächert und dem Leben entnommen. Sie behandeln wie früher die Mystik, die Gesellschaft, die Politik, die Natur, die Liebe zu Gott und die zwischenmenschliche Liebe im Allgemeinen.

Ali Ufki25, der im 16. /17. Jh. ein Mitglied des Osmanischen Hofes war, gab damals die Zeitschrift „Mecmua-i Saz ü Söz“ heraus. Von ihm wissen wir, dass der Textaufbau der A§iks hauptsächlich aus sieben, acht oder elf Silben bestand.26

Leider überdauerten wenige der bis heute überlieferten Lieder der A§iks die Tradition des "Meistergutes" (Usta Mali), weil Zwischenzeiten verhinderten, dass Meister ihre Gesellen unterrichten konnten. Dieser Brauch sagt nämlich, dass der Meister die Quelle sei und er nur die Kunst, die er von seinem Meister erlernte, an seine Gesellen weitergebe könne. Ein A§ik verpflichtete sich moralisch, so zu handeln, um das alte Kulturerbe für zukünftige Zeiten zu erhalten.

Die Kompositionen der A§iks weisen beachtliche Kerngedanken der Volksmusik auf. Die traditionelle Volkmusik wird gewöhnlich in zwei Kategorien aufgeteilt in:

1. Komponist bekannt.
2. Komponist unbekannt.

Die Musik und die Dichtungen der A§iks gehörten und gehören meist der ersten Kategorie an, weil in der letzten Strophe der Texte der Name des A§iks angegeben wird.27

Die Musik der Volkssänger ist entweder "metrisch gebunden" (KirikHava) oder "nicht metrisch gebunden" (Uzun Hava) 2 Jedoch ist etwa 90 % ihrer Musik metrisch gebunden. Metrisch gebunden heißt, dass die Melodie in ein bestimmtes Metrum eingepasst ist. Die hauptsächlichen Grundtakte sind 2/4, 4/4, und zusammengestellte wie 5/8, 6/8, 7/8, 8/8, 9/8 und 10/8 Metren, die in verschiedenen Varianten auftreten können.

Die A§iks waren keine gelernten Berufsmusiker, mehr Dichter und Philosophen aus der Zeit heraus. Sie setzen ihre Poetik lediglich angemessen musikalisch um. Die Inhalte der Texte waren wichtiger als die dazu komponierte musikalische Begleitung. Ich möchte es so ausdrücken: Virtuosität und Perfektion der musikalischen Begleitung standen und stehen auch gegenwärtig nicht im Vordergrund.

Ihre Kompositionen sind "einstimmig" 'homophon', deshalb kann außer den Bordunklängen, die in den oberen Saiten ihrer Baglama entstehen, von Harmonik und und Mehrstimmigkeit im europäischen Sinne nicht die Rede sein.

Die arabische Art zu musizieren mit vielen Verzierungen in “arabesker“ Art, vermissen wir bei den A§iks. Sie verwendeten den Bordun, der ihrer Musik auf der Baglama eine gewisse Wärme und Gleichklang verlieh. Eine Darbietung dauerte durchschnittlich drei bis fünf Minuten.

Das Vermögen der A§iks war und ist ihre Poetik und ihre besondere Musik. Sie boten und bieten sie jeweils dort an, wo sie gewünscht wurde und wird. Zu ihren Vorstellungen kamen und kommen Menschen, die ihrer Musik und ihren Worten gerne zuhören.

Ein A§ik gehörte keiner festen Institution an, wo er hätte präsent sein müssen wie ein Berufsmusiker eines Orchesters oder einer Philharmonie. Die Kompositionen der A§iks sind zum Teil Momentaufnahmen. A§ik-Dichtung und Musik gehören zur ältesten und klarsten Form der türkischen Klangwelt. Sie ging schon den Turkvölkern beim Zuhören zu Herzen, und auch die heutigen Türken bleiben nicht ungerührt. Aufgrund des zunehmenden Bekanntheitsgrades dieser besonderen Musik in Europa eroberte sie in den letzten Jahrzehnten auch vermehrt Zuhörer aus den europäischen Kulturkreisen.

2. Die geographische Lage der Provinz Sivas als kultureller Mittelpunkt der Ozans und A§iks

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Karte der Provinz Sivas

Die Provinz Sivas war in allen Epochen ein kultureller Mittelpunkt der A§iks.

Sie liegt mitten auf der Halbinsel Türkei, am oberlauf Teil des Flusses Kizilirmak, eine Gegend in Zentralanatolien. Der größere Abschnitt Anatoliens befindet sich am oberen Flusstal des Kizilirmak, der Untere, Kleinere, liegt in der Nähe des Flusses Ye§ihrmak\m Gebiet des Euphrat. Der Kizilirmak ist der längste Fluss der Türkei.

Im Größenvergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Region Sivas so groß wie Belgien. Siebzehn Städte interessieren im Zusammenhang mit A§iks und Ozans. Es sind die Städte Akincilar, Altiyala, Divrigi, Su§ehri, Dogansar, Gemerek, Gürün, Gö/ova, Hafik, imranh, Kangal, Koyulhisar, $arki§la, U!a§, YiIdi zeli und Zara.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1 Klima von Sivas

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Die Provinz Sivas verfügt über ein besonders charakteristisches Klima. Sie liegt auf einem Hochplateau ungefähr auf 1.285 m Höhe. Entsprechend der Lage herrscht dort ein Mikroklima mit stetigem Nordwind. Die Sommer sind ziemlich heiß, die Winter sehr kalt mit schneebedeckten Höhen. Die größeren Bereiche der Provinz werden vom zentralanatolischen Klima beeinflusst, der Norden dagegen vom Schwarzen Meer. Die östliche Lage von Sivas wird bedacht vom Klima Ostanatoliens. Das Dorf von A§ik Veysel, Sivrialan liegt auf 39° 28' nördlicher Breite und 36° 10' östlicher Länge.

2.2 Geschichte von Sivas

Die Provinz Sivas war immer einer der bedeutendsten Provinzen Anatoliens. Die Stadt Sivas hatte in ihrer wechselvollen Geschichte mehrere Namen:

Megalopolis, Sebastia, Sebasteia, Sevas, Sewas. Ausgrabungen förderten prähistorische Funde zutage. Diese Funde beweisen erste Siedlungen bereits in der Neolithischen Zeit (8. bis 6. Jahrtausend v.Chr.). Mit schriftlichen Aufzeichnungen der Geschichte von Sivas wurde ca. Anfang des 2. Jahrtausend vor Chr. begonnen.

Verschiedene historische Zeiten sind schriftlich belegt. Anfang des 7. Jh. vor Chr. führten dort die Hethiter, im 6. Jahrhundert vor Chr. die Meder und im gleichen Jh. die Perser. In der zweiten Hälfte des 4. Jh. vor Chr. streifte Alexander der Große die Provinz Sivas auf seinem Zug nach Osten.28 Im 1 Jh. bis zum 12. Jh. nach Chr. herrschten dort die Byzantiner.

Die Stadt Sivas wurzelt auf dem Gebiet der antiken Stadt Sebaste. Unter seldschukischer, byzantinischer und römischer Herrschaft erlebte Sebaste eine Blütezeit.

Heute heißt die Stadt Sivas, ist wieder bedeutend, zählt ungefähr 250.000 Einwohner und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Sivas.29

Sivas ist ein Handelszentrum und eine Industriestadt. In ihr gibt es u. a. verschiedene verarbeitende Betriebe, Kleinbetriebe und Fabriken, Nahrungsmittelhersteller, Zementfabriken und Eisenbahnreparaturwerkstätten.

2.2.1 Sivas unter den Seldschuken

Die seldschukischen Türken drangen vor der Malazgirtschlacht zwar bis nach Sivas, eroberten doch zunächst nicht die ganze Region. Dies gelang ihnen erst nach der Malazgirtschlacht 1071 n. Chr.

Um 1243 herrschten die Mongolen in Sivas und Umgebung. Im 14. Jh. besetzten türkische Emire die Provinz Sivas, die sie 1398 als Provinz dem osmanischen Sultan Yildirim Beyazt übergaben. Im Sommer 1400 verdrängte Timurdie Osmanen aus Sivas. Er tötete alle Soldaten der Stadt in einem Volksmassaker. In den Jahren 1403 bis 1408 wurde Sivas wieder eine Provinz des Osmanischen Reiches.

In den Dokumenten des berühmten türkischen Reisenden Evliya Çelebi, der sich 1649 in Sivas aufhielt, steht, dass sich innerhalb der Stadtmauern 44 Viertel (Mahallee) mit 4600 Häusern befanden. Außerdem schreibt er von Schulen, zahlreichen Läden, vielen Herbergen und 40 Brunnen. Er schätzte für diese Zeit eine Einwohnerzahl von etwa 30.000-40.000, vielleicht etwas zu hoch angesetzt.

Dieser Ausblick in die Historie der Stadt Sivas zeigt für die damalige Zeit eine beachtliche Infrastruktur, die auf eine hohe Bedeutung bereits im 17. Jh. hinweist.

2.2.2 Atatürk der Gründer der Republik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Atlasausschnitt: Türkei/Sivas/§arki§la

Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938), der Gründer der modernen Türkei, die den offiziellen Namen „Republik Türkei“ erhielt, betrachtete Sivas als so bemerkenswert, dass er von dort aus begann, die Menschen aufzurütteln.

Als Atatürk am 2. September 1919 nach Sivas kam, organisierte er innerhalb von zwei Tagen einen Kongress, der am vierten September 1919 begann und am elften endete. Es handelt sich um den berühmten "Kongress von Sivas" (Sivas Kongres/). Kemal organisierte ihn nicht nur, sondern leitete ihn auch. Auf diesem Kongress überzeugte Atatürk die Bevölkerung von Sivas und außerdem die Bevölkerung der gesamten ostanatolischen Region, mit ihm, für die Freiheit, gegen die osmanische Regierung zu kämpfen. Dieser Kongress läutete große, einschneidende historische Veränderungen ein, die schließlich zur Gründung der Republik Türkei und ihrer modernen Neuordnung führten.

2.3 Bedeutende Açiks aus der Region Sivas

a) Pir Sultan Abdal (16. Jh.)

Pir Sultan Abdals Geburtsort war das Dorf Banazim Bezirk Yildizeliin der Region Sivas. Sein Geburtsname ist Haydar. Über seine persönlichen Lebensumstände ist wenig bekannt. Als Poet kritisierte er die Politik des Landes und dessen Führung. Seine Gedichte schrieb er in einer direkten Sprache. Er stellte einer der bedeutendsten Poeten der alevitischen Religionsgruppe dar.

Wer an der türkischen Volksmusik im 21. Jh. interessiert ist, für den ist auch der Name Pir Sultan ein Begriff. Pir Sultan war Enthusiast und drückte seinen Enthusiasmus in seinen Gedichten aus. Er beeinflusste stark zeitgenössischen Dichter, besonders diejenigen, die sich der Tradition verpflichtet fühlten.

b) A§ik (16. Jh.)

Ibrahim Tennuri, nur als "A§ik" bekannt, war ein Dichter des 16. Jh. und wurde in Sivas geboren. Er dichtete im mystischen Stil von Yunus Emre. Seine bekannteste Dichtung war Gülizar-1 Manevi.

c) Kul Himmet Ustadim (18. Jh.)

Ibrahim, bekannt unter dem Namen Kul Himmet Ustadim, lebte Ende des 18. Jh. im Dorf Örencikbei der Stadt Divrigi. Er dichtete in reiner (Volkssprache) türkischen Sprache mystische Gedichte. Seine Themen widmete er hauptsächlich dem Alevitischen. Er verehrte Pir Sultan Abdal und ließ sich von dessen Kunst beeinflussen.

d) Agahi (19./20. Jh.)

Velis Künstlername war Agahi. Er wohnte von 1871 bis 1916 im Dorf Kiliçi. Als guter Kenner der türkischen Sprache liebte er insbesondere Wortspielereien. In seiner Zeit war er ein großer Poet. Leider starb er in der Blüte seines Lebens an Cholera.

e) Ruhsati (19./20. Jh.)

Ruhsatilebte von 1835 bis 1911 in Deiikta§ im Bezirks Kangal. Als Kind einer armen Familie arbeitete er von klein auf als Hirte. Später zog er als Wandersänger durch viele Orte Anatoliens. Er dichtete ausdrucksstarke traurige und mystische Gedichte mit didaktischem Charakter. Ebenfalls versuchte er sich in Liebesgedichten von besonderer Lebensnähe. Er legte großen Wert auf die Form seiner Dichtungen.

f) Derdiment (19./20. Jh.)

Fatma Ofiaz, bekannt unter dem Namen "Derdiment', lebte von 1894 bis 1980. Sie wurde im Bezirk Kangal geboren. Diese berühmte Dichterin war Analphabetin. Das bedeutet, dass sie ihre Dichtungen rezitierte und memorierte. Sie muss im Zusammenhang mit A§iks genannt werden, weil sie als eine der wenigen Frauen den Asiks zugeordnet werden kann.

g) Ay§e Berk (19./20 Jh.)

Ay§e Berk, die Tochter von A§k Serdari, lebte von 1874 bis1953 und wurde im Bezirk Çarkiçla geboren. In ihrem Leben musste sie Unzähliges erdulden. Ihr leidvolles Leben drückte sie in ihren Gedichten aus.

[...]


1 Vgl. Website mythologica.de, Brockhaus: fünfte, völlig neubearbeitete Auflage. Band 2. S.619. Wiesbaden, 1973.

2 Der Islam des 12. Jh., “Die Schiiten“, Brockhaus Band 4, 1975. S. 548.

3 Vgl. Hütteroth, Wolf-Dieter und Höhfeld, Volker: Türkei, Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt, 2002. S. 344-345.

4 Baglama: „Am häufigsten ist die mittelgroße baglama vertreten. Baglama heißt „binden“ und bezeichnet die Gepflogenheit, die 12 bis 28 Bünde aus Darm, bei den neueren Instrumenten aus Nylon, so um den Hals des Instrumentes zu befestigen, dass sie verschoben werden können, wenn es notwendig ist. Die Baglama hat drei, ebenfalls chörige Saiten aus Metall. Die Wirbel sind wie bei allen saz-Instrumenten vorder- und seitenständig angebracht“, zitiert in: Reinhard, Ursula/de Oliveira Pinto, Tiago: Sänger und Poeten mit der Laute. Dietrich Reimer Verlag. Berlin, 1990. S.172.

5 Vgl. Der Brockhaus Musik, Verlag F. A. Brockhaus. Mannheim, 2001. S. 818

6 Vgl. Der Brockhaus Musik, (Minnesang) Verlag F. A Brockhaus, Mannheim, 2001. S.569.

7 Über Schubert, eine Anthologie, Reclam o.J.

8 Vgl. Uçan, Ali: Geçmisten günümüze Günümüzden Gelecege, TürkMüzikKültürü, Müzik Ansiklopedisi Yayinlan, Ankara, 2000. S. 23: BiHnen en eski Türk teiiiçalgisi oían „kopuz“un kökü Milattan önceki ilkçag Hunlanna dayarnr. S. 25 : Türk kopuzu Hunlar yoluyla Asya 'dan A vrupa 'ya ta§rnan Hunpentatonik(be§perdeii) müzigioralarda, ózelllklebugünküMacaristan'da ve Balkanlar'da kalici izler birakiyordu.

9 Vgl. Reinhard, Kurt und Ursula: Musik der Türkei: Band 2: Die Volksmusik. S. 88.

10 Vgl.Gazimihal, Mahmut Ragip: Ülkemizde Kopuz ve Tezeneli Sazlarimiz (In unserem Lande, die Kopuz und Zupfinstrumente). Ankara: Üniversite Basimevi, 1975.Almanlar Lauteninstrument (laguta çalgisi) kar§iligi olarak birzamanlar Kobus adini kullandiklarini biliyor ve kelimenin as/ι „Türkçe kopuz“ oldugunu belirtlyor, hem de esk¡ metinlerinden §unu misal olarak hatiratiyorlar: „Die kobus mit der luten“ Gottes Zukunft 4672.XVIII. YüzyilA/manya sin da Kopuz adiyla generalbasinstrument vazifesini bile gördü; ancak, bu oradaklnln DoguAvrupa üzerlndenge/me tipinin azis/ah edllebllml§ birkocamarn oimu§iugu daha yakrn bir ihtimaidir. Latin Avrupa 'si kopuz adini hiç kullanmami§ti; oinar koia§onu biidiier.

11 Vgl. Yayla, Ali: Türk Kültür Medeniyet Tarihi, Istanbul, 1994. Bu nedenle bu milleti„Orda Millet“ olarakda tanimlanz. Technische Universität zu Istanbul- Türk Musikisi Devlet Konservatuari, Vorlesung, 1997.

12 Vgl. Uçan, Ali: Geçmisten günümüze Günümüzden Gelecege, Türk Müzik Kültürü, Müzik Ansiklopedisi Yayinlari, Ankara, 2000.

13 Vgl. Brockhaus, Band 4, Wiesbaden, 1975. S.666.

14 Vgl. Ursula Reinhard; Tiago de Oliveira Pinto, Sänger und Poeten mit der Laute, D. Reimer Verlag. Berlin, 1990. S. 12-15.

15 Vgl. Brockhaus Band 4, Wiesbaden, 1975. S. 91.

16 Pir = Meister. Vgl. Hiç Kalan Müzik, Istanbul, 1999.

17 Çah Ismail. Safawidenherscher (16. Jh.). Vgl. a.a.O., S.345 Hütteroth/Höhfeld. Der letztere war ein überzeugter Schiit. Er hatte theologische Gelehrte an seinen Hof geholt, die den Beweis der Rechtmäßigkeit der Zwölfer-Schi'a, das heißt des Imams Ali und seiner elf Nachfolger erbrachten und zur Doktrin erhoben. Vgl. a.a.O., S. 65. Reinhard/Tiago Ursula und Pinto

18 Vgl. Emnalar, A: Tüm Yönleriyle Türk Halk Müzigi ve Nazariyati, Ege Üniversitesi Basimevi, I Izmir, 1998. S. 228-229.

19 0 Kemal Atatürk, eigt. Mustafa Kemal Pascha, * Saloniki 12 März 1881, - Istanbul 10. Nov. 1938, türk. Politiker. - Offizier; Teilnahme an der jungtürk. Revolution 1908/09; Armeebefehlshaber im 1. Weltkrieg, vereitelte den Landungsversuch der Alliierten an den Dardanellen; organisierte als Führer der nat. Bewegung ab Mai 1919 den Widerstand gegen die alliierte und griech. Okkupation; 1920 zum Vors. Der Großen Nationalversammlung gewählt. Vertrieb 1922 im Griech.-Türk. Krieg die Griechen aus Kleinasien. Nach dem Frieden von Lausanne setzte er den Sultan ab und rief am 19. Okt. 1923 die Republik aus. Als Staatspräs. (seit 1923) formte er - die Türkei nach den Prinzipien des Kemalismus zu einem modernen Nationalstaat westeurop. Prägung. Der Beiname Atatürk („Vater der Türken“) wurde ihm 1934 verliehen. Vgl. Meyers G. T. Lexikon. Band 11. J-Klas. Seite 283. Meyers Lexikonverlag, 1983.

20 Vgl. Brockhaus Band 5, a.a.O., S. 328.

21 Vgl. Brockhaus Band 5, a.a.O., S. 194.

22 Vgl. Gülag Öz, A§ik Veysel Antolojisi, Uyum Yayinlari, Yeniçehir Ankara. (Jahr nicht angegeben)

23 Vgl.Emnalar, Atmς: Tüm Yönleriyle Türk Halk Müzigi ve Nazariyati (Richtungen der türkischen Volksmusik und ihre Theorie.). Izmir: Ege Üniversitesi Basimevi, 1998.

24 Ali Ufki (1610-1675) war als polnischer Sklave Albert Bobocski an den Sultanshof gekommen. Dort war er Musiklehrer und komponierte auch im türkischen Stil der Kunstmusik. Er war es, der zum erstenmal türkische Kunst- und Volksmusik in europäischer Notenschrift aufgeschrieben hat. In seiner Sammlung „Mecmua-i Söz“ sind eine Reihe von a§ik - Liedern enthalten. Er selber hat ebenfalls einige Volksdichter- Lieder gemacht.Vgl. Reinhard, Ursula/Pinto, Tiago de Oliveira: Sänger und Peoten mit der Laute. Türkische A§ik und Ozan. Berlin: Dietrich Reimer Verlag, 1990. S. 14.

25 Emnalar macht keine Angaben zu den Zeilen und Strophen. Vgl. Emnalar, a.a.O., S. 232.

26 Vgl. Emnalar, a.a.O., S. 219.

27 Vgl. Reinhard, Kurt/Ursula: Band 2: Die Volksmusik. Internationales Institut für vergleichende Musikstudien. Heinrichshofen's Verlag. Wilhelmshaven, 1984. S. 16-18.

28 Vgl. Brockhaus Band 1, a.a.O. S. 54.

29 Vgl. Encarta Weltatlas, 2000.

Details

Seiten
302
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640910878
ISBN (Buch)
9783640908837
Dateigröße
6.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171479
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
Schlagworte
Musikethnologie Türken Kultur Volkssanger Baglama/Saz Integration Migration

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Titel: Aşık Veysel (1894 - 1973): Leben, Werk und Wirkung eines türkischen Volkssängers