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Pikareske Elemente in der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts am Beispiel des Romans von Mario Vargas Llosa, Pantaleón y las visitadoras’

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 19 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Entstehungsgeschichte des Romans

Der Aufbau des Romans

Pikareske Elemente des Romans
„Ich - Erzähler“ Merkmal
Der Protagonist als Außenseiter
Episodische Erzählstruktur

Typische Darstellungsmodi des pikaresken Romans
Parodie und Satire
Das Groteske
Komödie
Satire auf Kirche
Satire auf Militär
Satire auf Medien der Kommunikation
Satire auf Gesellschaft

Charakteristik der Hauptfigur des Romans, Pantaleón Pantoja

Zusammenfassung

Literatur:
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Einführung

Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist, die pikaresken Elemente im Roman Pantaleón y las visitadoras aufzufinden und zu erläutern.

Im ersten Kapitel wird die Entstehungsgeschichte des Romans präsentiert. Ich halte es für sinnvoll, den Inhalt dieses Abschnitts am Anfang darzulegen, um zu zeigen, wie die Idee des Romans entstanden war, und warum sich Vargas Llosa entschieden hat, dieses Buch zu verfassen. Im Weiteren geht es in diesem Abschnitt um eine bedeutende Veränderung im literarischen Still des peruanischen Autors, die dank dem Roman Pantaleón y las visitadoras zustande gekommen ist. Diese Veränderung war nicht nur für das Schriftgut von Vargas Llosa von großer Bedeutung, sondern beeinflusste die ganze lateinamerikanische Literatur, indem das Humor zum anerkannten literarischen Element geworden ist.

Der nächste Abschnitt ist dem Aufbau des Romans gewidmet. Hier lege ich dar, welche Erzählformen Vargas Llosa in seinem Roman benutzt hat, und welche Funktionen sie zu erfüllen haben.

Als nächstes übergehe ich zum wichtigsten Teil dieser Hausarbeit, zu der Darstellung der pikaresken Elemente des Romans, die mehrere Unterpunkte beinhaltet, welche ich ausführlich erläutern werde. Auch typische Darstellungsmodi des pikaresken Romans, die auch in Pantaleón y las visitadoras vorhanden sind, werden in diesem Abschnitt vorgestellt.

Im folgenden Teil, der auch der Beschreibung der pikaresken Elemente des Romans gewidmet ist, präsentiere ich die zentralen Kritikpunkte des Buches – Militär, Kirche, Presse und peruanische Gesellschaft.

Abschließend wird die Charakteristik des Protagonisten des Romans, des Hauptmanns Pantaleón Pantoja vorgestellt.

In der Zusammenfassung der Hausarbeit präsentiere ich resümierend alle pikaresken Elemente, die ich im Roman finden konnte und nehme Stellung zu der Frage, ob man dieses Werk von Vargas Llosa zum pikaresken Genre zählen kann.

Entstehungsgeschichte des Romans

Lange Zeit war Humor in der lateinamerikanischen Literatur nicht präsent, bzw. nicht sehr ausgeprägt. Auch der peruanische Autor Vargas Llosa war kein Anhänger des Humoristischen in der Literatur, was er in seinen Interviews immer bekannt gab. So äußerte er seine Misstrauen gegen Humor und meinte, dass „el humor no merece un sitio en la gran literatura“[1], „el humor,..., produce generalmente una baja de tensión“[2].

Im Jahre 1973 ändert sich die Meinung des Autors gegenüber dem Humor. In diesem Jahr erschien sein Roman Pantaleón y las visitadoras, bei dem das Humoristische, ohne Zweifel, als Bestandteil gilt. So schreibt Vargas Llosa: “ El humor no solo es una dimensión importante de la experiencia humana, que no tiene porque estar al margen de la novela, sino que además es una vena riquísima para explotar al hombre y representarlo literariamente“.[3] Vargas Llosa erkennt auch an, dass „ in dem Fall von Pantaleón ein lüstiges Element vorhanden ist, ein humoristisches Element, das dem erzählten Stoff entspricht.“[4] Schon das Sujet des Romans, in dem der brave Hauptmann Pantoja zum Organisator eines Bordells für Militär wird, ruft Lachen hervor. Die Grundidee kommt uns völlig absurd und unrealistisch vor. Und, obwohl sie so unglaubwürdig erscheint, sind wir um so mehr erstaunt, als wir herausfinden, dass sich der Roman auf der Realität beruht.

Schon während des Verfassens seines Werkes, gab Vargas Llosa bekannt, dass die Idee nicht erfunden war. Der Autor bezieht sich auf die Szenen, die er während seiner Reisen in den Urwald erlebt hatte. In seiner ersten Reise im Jahr 1958, beschwerten sich die Einwohner des Amazonien Gebietes über die betrunkenen Soldaten, die die Frauen der Dörfer überfielen. In der zweiten Reise, das 1965 statt fand, hat sich die Situation verändert: nun beschwerten sich die Einwohner, weil sie auf den Service neidisch waren, von dem sie ausgeschlossen blieben: „Yo descubrí por el rencor ya la envidia que esto provocaba en la población civil masculina. Los vecinos veían, con gran indignación, pasar a las visitadores ante sus narices, entrar en los cuartales e irse; y ellos no podían disfrutar también de ese servicio,...Pues eso me dio a mí inmediatamente la idea“.[5] Vargas Llosa meint, dass es offensichtlich war, dass dieser Service organisiert war und alles auf verwaltungsmäßige und bürokratische Weise vor sich ging.

Zunächst plante Vargas Llosa die erlebte Geschichte in ernsthafter Form darzustellen, begriff aber, dass dies völlig unmöglich ist, weil die Geschichte so unglaubwürdig ist, dass sie keiner akzeptieren würde. So sah er ein, dass: „ ...hay ciertas historias que sólo se pueden contar en una vena risueña“.[6]

Der Aufbau des Romans

Der Aufbau des Romans sorgt dafür, dass die erzählte Geschichte und der Held aus vielen Perspektiven dargestellt werden. Dabei tritt der Erzähler selbst nie auf und hat auch keine Urteilsposition, so dass es dem Leser selbst hinterlassen wird, die Geschichte zu beurteilen, und die Meinung über den Protagonisten zu bilden. So teilt Vargas Llosa sein Werk in zehn Kapiteln: vier beinhalten Dialoge und der Rest - Dokumentationen verschiedener Art.

Dialoge bieten uns einen Einblick in das Familienleben der Hauptfigur. Dies sind vor allem Gespräche mit seiner Mutter Leonor und Frau Pichita. Die Funktion der Dialoge besteht darin, das Gleichgewicht zwischen den unpersönlichen Dokumentationen, wie Berichte und offizielle Briefe, zu verschaffen. Sie bilden einen dramatischen Teil des Buches. Es ist zu bemerken, dass die Dialoge einen sehr komplexen Teil des Romans formen, dessen Aufbau eine hohe Konzentration und Aufmerksamkeit vom Leser verlangt, da unterschiedliche zeitliche, örtliche und figurale Elemente ineinander verschachtelt sind.

Die bevorzugte Form der Darstellung ist nicht das Erzählen, sondern die Zitate der Dokumenten, die sich auf ganze Kapiteln erstrecken und somit das Erzählen der Geschichte übernehmen.

Die militärischen Berichte präsentieren Pantaleón Pantoja als einen tadellosen Organisator, der seinen Dienst gewissenhaft erfüllt. Sie beinhalten offensichtlich den meisten Anteil an Humor, und bringen den Leser zum Lachen. Trotz des ernsten Stiles, in dem sie geschrieben sind, kommen sie uns sehr amüsant vor, weil der Gegenstand dieser Kommunikation einfach lächerlich ist.

Die Alpträume, die Pantaleón hat, protokollieren die psychischen Kosten seiner Arbeit.

Die Briefe seiner Frau an ihre Schwester geben, wie die meisten Dialoge, die Einblicke in sein privates Leben.

Radiokommentare, Zeitungsreportage und Interviews zeigen die wechselnde öffentliche Meinung bezüglich des Geschehens und der Hauptfigur.

Bemerkenswert ist auch, dass im Roman mehrere Handlungsstränge parallel laufen und sich entwickeln, wie z.B. die Geschichte der religiösen Bewegung der „Bruderschaft von der Arche“ und die Korruption der peruanischen Medien und ihr Einfluss auf die Einwohner des Urwaldes. Diese beiden Nebenhandlungen dienen dazu, dem Leser einen Einblick in das Alltag und Realität der beschriebenen Region zu ermitteln.[7]

Die Handlung des Romans ist linear aufgebaut. Der erste größte Teil des Romans bildet eine breite langsame Expositionsphase, die, indem sie sich dem Ende der Geschichte nähert, immer rascher auf den Höhepunkt zueilt. Dadurch, dass der Ablauf der Ereignisse gerafft und dramatisiert ist, baut der Autor die Spannung auf.

Pikareske Elemente des Romans

„Ich - Erzähler“ Merkmal

Wie schon oben erwähnt wurde, handelt es sich bei der Erzählstruktur des Buches um eine autoriale Erzählform. Die Geschichte wird aus der Perspektive des Autors dargestellt, und es gibt keinen Ich - Erzähler im Roman, genauso wie keine autobiographische Erzählung. Die dargestellte Geschichte beruht zwar auf realen Ereignissen, aber der Protagonist, sowie andere Figuren im Roman, sind vom Vargas Llosa erfunden und haben nichts Gemeinsames mit dem Leben des Autors.

Der Protagonist als Außenseiter

Ein charakteristisches Merkmal der pikaresken Werke ist die Darstellung des Protagonisten in einer Außenseiterposition. In klassischen Werken dieses Genres stammen die Hauptfiguren meistens aus gesellschaftlichen Unterschichten und müssen ihr Leben so gestalten, dass sie Überlebenswege finden. Ist dies auch der Fall bei Panteleón? Im Gegenteil zu solchen Hauptfiguren, kommt unser Protagonist nicht aus einer niederen sozialen Schicht und muss kein Hunger erleiden. Es gibt aber andere Momente, die uns erlauben, ihn als einen Außenseiter zu charakterisieren.

So wird der brave Soldat Panteleón Pantoja im Rahmen seines neuen Auftrags, ohne Zweifel, zum Außenseiter im Prostitutionsgeschäft, in einem Milieu, in dem er sich gar nicht auskennt. Er wird nämlich als genaue Gegenteil eines Machos charakterisiert: „Ya ve, por una vez el Servicio de Inteligencia acert ó – acaricia una fotokopia el cornel López, López. Tal cual: ni fumador, ni borrachín, ni ojo vivo.“[8] Mit der Zeit ändert sich aber die Situation, und Panteleón passt sich dem Ganzen erfolgreich an.

Andererseits, ist er teilweise fremd sogar in seinem Lieblingsmilieu - Armee. Die Männlichkeit, die die Militärangehörigen normalerweise auszeichnet, ist durch die das Weibliche bedroht: Panteleón hat eine Karriere gemacht, in der ihm das Weibliche immer näher gekommen war. Seine erste Aufgabe war die Regimentverpflegung, also las er Rezepte und lernte kochen; dann wurde er für Kleiderkammer zuständig und begann, sich für Schneiderei, Wäsche und Mode zu interessieren. Und die Organisation des Truppenbetreuungsdienstes ist zum Höhepunkt seiner Karriere geworden, in der das Weibliche Element immer präsenter wurde. Sein Hauptquartier wurde in der Stadt unter dem Namen „Pantilandia“ bekannt. Da in Lateinamerika Supermärkte oft „-landia“ heißen, klingt das Wort „Panti- “ nach Strumpfhosen. Der Mustersoldat muss erleiden, dass sogar sein Name in Verbindung mit Weiblichem gebracht wird.[9]

[...]


[1] Boland (1991: 62)

[2] Boland (1991: 62)

[3] Boland (1991:62)

[4] Scheerer (1991: 87)

[5] Marcelo (1991: 317)

[6] Marcelo (1991: 318)

[7] vgl. Scheerer(1991:93-95)

[8] Vargas Llosa (1973:13)

[9] Scheerer (1991: 92)

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640907823
ISBN (Buch)
9783640908042
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171394
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
pikareske elemente literatur jahrhunderts beispiel romans mario vargas llosa

Autor

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