Lade Inhalt...

Die augusteischen Ständegesetze und deren Auswirkungen auf die Prostitution

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 41 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Augusteische Ständegesetze
2.1 Hintergründe
2.1.1 Der römische Bürgerkrieg, Feldzüge und Krisen
2.1.2 Rückläufige Geburtenraten in der römischen Oberschicht
2.2 Heirat zwischen den Schichten
2.3 Intentionen der Gesetze
2.3.1 Die Stärkung der principalen Macht
2.3.2 Die augusteische Gesetze und die Eliten
2.3.3 Die Abschaffung der Missstände

3. Die Prostitution im Alten Rom
3.1. Arten der Prostitution
3.1.1 Zwangsprostitution
3.1.2 Freiwillige und Gelegenheitsprostitution
3.1.3 Semiprofessionelle (Demimonde)
3.2 Orte und Kleidung der Prostituierten
3.2.1 Der Straßenstrich
3.2.2 Bordelle (lupanar, fornix oder stablum)
3.2.3 Bäder
3.2.4 Kleidung und Auftreten
3.3 Sexualtechniken und ihre gesellschaftliche Bedeutung
3.4 Probleme der Prostituierten
3.4.1 Medizinische Probleme
3.4.1.1 Verhütung, Abtreibung und plötzlicher Kindstod
3.4.1.2 Geschlechtskrankheiten
3.4.2 Der Zuhälter
3.4.3 Die Kundschaft
3.4.4 Die soziale und rechtliche Situation
3.4.5 Der schlechte Ruf und eine Hierarchisierung der Prostituierten
3.4.6 Die stabilisierende Funktion der Prostitution in der römischen Gesellschaft

4. Die Wechselwirkungen zwischen den augusteischen Ständegesetzen und der römischen Prostitution
4.1 Aus geschlechtsspezifischer Sicht
4.2 Die gesellschaftliche Perspektive
4.3 Die juristische Sichtweise

5. Schlussbetrachtung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Medien- und Internetverzeichnis

Medienverzeichnis

Internetverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Bordell in Pompeji (Außenansicht)

2. Bordell in Pompeji (Innenansicht)

Abbildungen sind im folgenden Werk enthalten:

Clarke, John R.: Ars erotica. Sexualität und ihre Bilder im antiken Rom, S. 60f

1. Einleitung

In dieser Arbeit, die sich mit den augusteischen Ständegesetzen auseinandersetzt, soll die Rolle dieser Gesetzgebung des ersten Princeps auf die Gesellschaft und die Prostitution des antiken Roms untersucht werden. Hierbei sind die Intentionen der Ständegesetze und deren Akzeptanz durch die Eliten Roms von sehr großer Bedeutung. Bei der Betrachtung der gesellschaftlichen Konsequenzen der Gesetze liegt das Augenmerk auf jenen sozialen Schichten und Berufsgruppen, die durch diese Gesetzgebung als Infames galten. Mit dieser Bezeichnung wurden viele Menschen, nicht nur Liebesdiener und Liebesdienerinnen, an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Nicht nur das Schicksal einiger Berufsgruppen ist hier interessant, sondern auch das einiger selbständiger Frauen dieser Zeit. Von daher soll in dieser Arbeit nicht nur der Zeitraum der Entstehung der Ständegesetze bis zum Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts betrachtet werden. Es werden auch einige Frauenbiographien erwähnt, die über diesen Zeitabschnitt herausreichen.

Aus diesem Kontext ergeben sich verschiedene Leitfragen, wie groß war der Einfluss der augusteischen Ständegesetze auf die Prostitution im alten Rom, wie haben diese Gesetze die Gesellschaft verändert und welche Auswirkungen gab es auf das Frauenbild jener Zeit?

Damit diese Arbeit fachgerecht erschlossen werden kann, wird einschlägige Literatur in Form von Standardwerken, Aufsätzen und Sammelbänden verwendet, die von Autoren wie Karl Christ, Alfred Heuss, Dietmar Kienast, Bettina Eva Stumpp und Werner Dahlheim publiziert und herausgegeben wurden. Des Weiteren werden antike Quellen herangezogen wie etwa „Res geastae“ von Augustus, „Augustus“ von Sueton, Ovids „Ars Amatoria“, die Sartieren von Juvenal und die Epigramme von Martial um nur einige zu nennen. Karl-Wilhelm Weeber hat in seinem Buch „Nachtleben im alten Rom“ zudem eine kleine Ansammlung antiker Quellen zum Thema „Prostitution“ herausgegeben, welche hier auch ihre Verwendung findet. Natürlich ist bei diesen, wie bei allen historischen Quellen, Vorsicht geboten. Die Quellen, die hier ihre Verwendung finden, sind literarische Texte und müssen deshalb nicht der Wahrheit entsprechen. Die Autoren jener Quellen haben eine besondere Meinung über die römischen Gesellschaft und eine gewisse politische Haltung zum Kaiserhaus, die hin und wieder in dieser Arbeit zum Ausdruck kommt.

Einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand in Fragen über die augusteische Zeit wird durch die Reihe „Oldenbourg Grundriss der Geschichte“ vermittelt. Werner Dahlheim hat den entsprechenden Band hierzu verfasst. Ein Vergleich moderner Augustus-Biographen wie von Dietmar Kienast, Heinrich Schlange-Schöningen und Jochen Bleicken bringt auch unterschiedliche Sichtweisen über diese Zeit zu Tage. Die unterschiedlichen Forschungsmeinungen zum Thema Prostitution im antiken Rom wird durch das Werk „Ars Erotica“ von John R. Clarke thematisiert und kommt an den entsprechenden Stellen zum Ausdruck.

Die Untergliederung dieser Arbeit erfolgt in drei Themenbereiche, die wiederum jeweils in mindestens drei Unterbereiche gegliedert sind. Im ersten Themenbereich werden die Ständegesetze im zeitlichen Kontext vorgesellt. Des Weiteren erfolgt die Benennung der einzelnen Codicis und die Bereiche für die sie Gültigkeit haben. Auch soll auf die Intention eingegangen werden, die Augustus mit ihnen verfolgte. Im letzten Unterbereich soll auf die Gesetzesrealität eingegangen werden, d.h. wie wurden die Gesetze von den jeweiligen sozialen Gruppe angenommen und wie veränderten sie sich die Praxis mittel- und langfristig.

Der zweite Themenbereich widmet sich der Prostitution im antiken Rom. Dabei werden Formen der Prostitution im ersten Unterbereich untersucht. Die Lebensbedingungen, die soziale Akzeptanz durch die römischen Bürger, sowie die rechtliche Stellung der „Huren“ und „Stricher“ finden im zweiten Unterpunkt ihre Erwähnung.

Der dritte Themenbereich untersucht dann die Auswirkungen der augusteischen Ständegesetze auf die Prostitution Roms. Dabei ist die geschlechtsspezifische, gesellschaftliche und juristische Perspektive dieser Auswirkungen interessant.

Im letzten Bereich werden alle Ergebnisse zusammengefasst und der Versuch unternommen einige offene Fragen zu beantworten. Zudem erfolgt noch eine persönliche Stellungnahme zu dem Gesamtthema.

2. Augusteische Ständegesetze

2.1 Hintergründe

In diesem Abschnitt sollen zunächst die Hintergründe beleuchtet werden, die zum Entstehen der augusteischen Ständegesetze führen. Dabei muss natürlich der Zeitabschnitt näher betrachtet werden, indem diese Gesetze eingeführt wurden. Der Princeps, der der Namensgeber für eine ganze Gesetzessammlung ist, steht nicht nur programmatisch für die Gesetze ein, sondern spiegelt sich als Person und seine Gesellschaft in diesen Gesetzen wider. Seine Erfahrungen und sein Schaffen über die gesamte Zeit von der Endphase der Republik bis zu seiner Erwählung zum Princeps drückt das am besten aus. Jedoch sind die gesellschaftlichen Auswirkungen des Bürgerkrieges, der sich durch das ganze erste vorchristliche Jahrhundert zieht, wohl die stärkste Triebfeder für diese Codifizierung.

Diese Gesetze griffen besonders stark in die Lebensführung der römischen Oberschicht ein, hatten aber auch Auswirkungen auf das Leben der Römer der Unterschicht. Ein Gesetz wendete sich beispielsweise gegen ein allzu aufwendige Lebensführung einiger Römer (lex Iulia sumptuaria), ein weiteres sollte Ehebruch (besonders der, der Frauen) unter Strafe stellen (lex Iulia de adulteriis coercendis), ein drittes regelte das Heiraten zwischen den römischen Schichten (lex Iulia de maritandis ordinibus). Das dritte Ständegesetz wurde dann im Jahre 9 n. Chr. durch ein viertes und letztes (lex Papia Poppaea nuptialis) erweitert. Dieses sollte Kinderreichtum besonders in der Oberschicht erzeugen.[1]

Zudem schuf der Princeps Augustus durch die Neuordnung und Neureglementierung der römischen Gesellschaft einen neuen politischen Stand – den Ritterstand. Den Ritterstand gab es zwar bereits schon ähnlich wie bei den alten Griechen als militärische Gruppe innerhalb der Armee, jedoch war er als gesellschaftliche Gruppe nicht in Erscheinung getreten. Bis zum Zeitpunkt der Neuorganisation bzw. Etablierung als gesellschaftliche Gruppe mussten alle, die in den Senat aufgenommen wollten, einen Zensus von 400.000 Sesterzen und eine Laufbahn als Beamter nachweisen. Erst dann konnten sie sich zur Wahl in das Gremium des Senats (800-600 Mann) stellen. Mit den Ständegesetzen des Augustus wurde der Zensus für senatorische Familien auf 1.000.000 Sesterzen angehoben, zahlreiche Privilegien folgten (z.B. latus clavus, die besten Plätze in einem Theater und Erblichkeit des senatorischen Status). Für Ritter blieb der alte Zensus bestehen, der ritterliche Status bzw. Zensus musste ständig nachgewiesen werden. Die äußeren Merkmale waren weniger gute Plätze in einem Theater, ein Ring und ein schmäleren Balken an der Tunika. Dafür waren sie für den Princeps treue Untergebene und erhielten dafür auch gute Posten auf unterschiedlichen Gebieten (z.B. Prefectus Aegypti).[2]

Hierzu muss aber gesagt werden, dass es in der Wissenschaft unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, wann der senatorische und ritterliche Stand als eigene Stände geschlossen auftraten. Heinrich Schlange-Schöningen sieht in der Neuordnung der Stände durch Kaiser Augustus die eigentliche Geburtsstunde,[3] während Dietmar Kienast diese Ausdifferenzierung schon zu Beginn des ersten vorchristlichen Jahrhunderts ansetzt und die Neuordnung durch Augustus war lediglich der Schlusspunkt einer langen Entwicklung.[4] Jochen Bleicken hat in seiner neuen Augustus-Biographie eine ganz andere Auffassung, so sieht er keine scharfe Trennung zwischen dem senatorischen und ritterlichen Stand vor der Neuordnung durch den ersten Princeps, da der Zensus von 400.000 Sesterzen identisch war und Söhne von Senatoren zunächst dem Ritterstand angehörten.[5] Von daher ist sich die Forschung uneins, wann beide Stände getrennt voneinander selbständig auftraten und ein eigenes Bewusstsein für ihren Stand entwickelten. Lediglich die Tatsache wird akzeptiert, dass sich beide Stände nach der Neuordnung eigenständig voneinander entwickelten und dass es durchaus Aufstiegsmöglichkeiten von dem einen in den anderen Stand gab.[6]

In den folgenden Abschnitten wird näher auf die Auswirkungen des Bürgerkrieges, den Rückgang der Geburtenrate unter den reichen römischen Bürgern und Verbindungen zwischen Oberschicht und Unterschicht eingegangen.

2.1.1 Der römische Bürgerkrieg, Feldzüge und Krisen

Das erste vorchristliche Jahrhundert ist gekennzeichnet von einer Reihe militärischer Auseinandersetzungen. Dabei handelt es sich entweder um einen Kampf zweier innerrömischer Kontrahenten oder um eine römische Expansion oder um den römischen Status Quo in einem Gebiet zu sichern.

In den Konflikt erster Art war besonders die römische Oberschicht involviert. Ein Sieg der einen Partei bedeutete immer, dass die Unterstützer der anderen Partei auf den Proskriptionslisten der neuen Machthaber stand. Das hatte zur Folge, dass viele Mitglieder der Oberschicht den Tod fanden. Nach dem Alfred Heuss fanden allein in den Proskriptionen des Sulla im Höchstfall 4700 Menschen den Tod.[7] Sulla war aber nur einer in der Reihe der Gewinner, der so versuchte seine Macht durch Proskription zu sichern. Das prominenteste Opfer einer solchen Liste war wohl Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.). Er war eines der bekanntesten Opfer des Machtkampfes zwischen Brutus und Cassius einerseits und Octavian und Marc Anton andererseits.[8] In ähnlicher Weise ging auch Augustus gegen seine Feinde vor, so sein Tatenbericht.[9]

Da diese Konflikte aber auch militärisch ausgetragen wurden, kam es auch zu einem hohen Blutzoll unter den einfachen Menschen, die ihre Höfe bewirtschafteten oder sich als Soldaten (einfacher Legionär oder Hilfstruppen) in der römischen Armee verdingen.[10]

Neben dem römischen Bürgerkrieg kosteten auch die großen Feldzüge wie etwa gegen Gallien (58-51 v. Chr.) oder gegen den Sklavenaufstand des Spartacus (70 v. Chr.) vielen Menschen in den einfachen Bevölkerungsschichten Roms u.a. Sklaven, Menschen mit und ohne Bürgerrecht, aber auch Personen der Oberschicht wie Senatoren und Ritter das Leben.[11]

Von daher war die gesellschaftliche und ökonomische Situation Roms um 18 v. Chr. so, dass sie durch ein Jahrhundert ständiger militärischer Auseinandersetzung auf eine Neugestaltung der Gesellschaft, eine demographische Vitalisierung angewiesen war. Diese konnte durch eine Vermischung oder eine strikte Trennung der einzelnen Schichten erreicht werden. Eine Vermischung erhöht natürlich die Bevölkerungszahlen erheblich, schwächt aber die etablierte Elite Roms. Eine Trennung der Schichten stärkt die Oberschicht, aber sie muss dafür Sorge tragen, dass sie nicht ausstirbt. Kaiser Augustus sorgte auch deshalb in den ersten Jahrzehnten seines Principats dafür, dass neue Familien aus ganz Italien in den Senat aufstiegen und dass es zu einer strikten Trennung zwischen den Schichten kam.[12]

2.1.2 Rückläufige Geburtenraten in der römischen Oberschicht

Die Ausdünnung der Gesellschaft und speziell der Oberschicht, die durch die unklare politische und militärische Situation bedingt war, stellte die Gesellschaft Roms vor große Probleme. Auch der ständige Rückgang der Geburtenrate mit dem die römische Gesellschaft von Anfang an zu kämpfen hatte wog schwer. Dabei gelang es Rom immer unkonventionelle Lösungen zu finden wie etwa den Raub der Sabinerinnen. Um die Zeitenwende musste aber das Problem auf eine Weise angegangen werden, das die Schichten trennte, Rom stabilisierte und die Eliten vor einer demographischen Krise bewahrte.[13]

Augustus setzte auf eine Lösung der gesellschaftlichen Probleme durch Gesetze. In seinen Heiratsgesetzen schuf er finanzielle und berufliche Anreize für die römischen Bürger. Dabei wurden kinderreiche Männer für den Staatsdienst bevorzugt, kamen in den Genuss von Steuererleichterungen und die Möglichkeiten der Scheidung wurden erschwert. Von daher zogen es die römischen Bürger vor, den Ehebruch nicht mit römischen Bürgern zu begehen, sondern mit Infames, mit denen der Ehebruch nicht sanktioniert wurde, da sie nicht als bürgerlich galten. Auch war der Zwang bis ins hohe Alter (Männer von 20 bis 60 Jahren/ Frauen von 20 bis 50 Jahren) sich zu binden und Kinder zu zeugen eine enorme Belastung für die Römer. Ein Element dieser Politik war das sogenannte „ ius trium liberorum “, das Familien ab drei Kindern besonders stärkte. Jedoch wurde dieses Recht nach und nach durchlöchert, da selbst die kaiserliche Familie den Erfordernissen dieses Rechts nicht gewachsen war.[14] Ebenso wurden auf diesen Gebieten Benachteiligungen von Familien geschaffen, die sich „verweigerten“ Kinder zu zulegen. Die Oberschicht stand daher gerade beim Erbrecht vor großen Belastungen, von dem der Staat stark profitiert. Eine breite Ablehnung der Heiratsgesetze in der römischen Gesellschaft war die Folge. Des Weiteren folgte in der Rechtswirklichkeit eine Anpassung an die überlieferten Rechtstraditionen mit der Folge, dass das Gesetz mit der Zeit seine wahre Intention und seine Wirksamkeit verlor.[15]

Als Privatmann lehnte Augustus die Ehelosigkeit ebenfalls ab. In einer Quelle heißt es, dass er auf Männer traf, die ihre Zärtlichkeit lieber an irgendwelche Tiere verschwendeten als an eine Ehefrau.[16] Ob diese Rüge etwas nützte verrät die Quelle allerdings nicht. Das macht die ganze Problematik des Ehezwangs per Gesetz deutlich. Man kann zwar etwas als Gesetz beschließen, aber ob es von einer widerstrebenden Bevölkerung angenommen und effektiv umgesetzt wird, bleibt unklar.

2.2 Heirat zwischen den Schichten

Die Ehen zwischen den Schichten scheinen bei einer sehr geordneten Gesellschaft vollkommen ausgeschlossen zu sein, aber bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass es dort auch einige Einzelfälle gab. So konnte es durchaus vorkommen, dass niedere Bürgerinnen einen Ritter heirateten. Dass aber ehemalige Sklaven ihre früheren Herren heirateten, scheint bei der gesellschaftlichen Konstruktion der römischen Antike eher unwahrscheinlich. Auch war die männliche Dominanz in allen gesellschaftlichen wie privaten Bereichen im Mittelmeer und darüber hinaus üblich. Besonders deutlich sieht man das an der Ehe, dort war ihre Stellung oftmals ebenso beschnitten und der Mann hatte eine ähnliche Verfügungsgewalt über seine Frau und ihr Vermögen inne, wie der Vater über seine Kinder (patria potestas).[17]

Der soziale Aufstieg generell war in der timokratischen Gesellschaft des römischen Reiches aber immer möglich. Dieser erfolgte immer an die Anpassung an der von den Göttern gegebenen Ordnung und an die höheren Stände. Die niedrigen Stände (humiliores) und die Sklaven wurden aber von den höheren Ständen (honestiores) abgesondert und sonderten sich ab. In einer Ehe konnte diese Grenze noch leichter durchbrochen werden, aber der Gehorsam zum Ehemann stellt eben auch diese Anpassung an die nächsthöhere Instanz da.[18]

Ein Problem kann aber die Akzeptanz einer solchen Ehefrau in der höheren Gesellschaft sein. Solche Konventionen vollziehen sich aber immer Abseits von juristischen und ökonomischen Gegebenheiten und richten sich nur nach Sympathie und Antipathie. Besonders deutlich sieht man das am sehr kritischen Umgang mit den Neureichen („homo novus“) im alten Rom. Denn genau dort spielten nur das Dazugehören und das Nicht-dazugehören eine erhebliche Rolle, das aber entscheidend war über den weiteren Verlauf von Karrieren in dieser antiken Gesellschaft. Unter dieser Maxime litten in solch einer Gesellschaft immer die Neuen und die Anderen, die praktisch in ein „fremdes Gebiet“ eindrangen wie Neureiche, Aufsteiger und natürlich Frauen.[19]

2.3 Intentionen der Gesetze

2.3.1 Die Stärkung der principalen Macht

Ein wichtiges Element der Herrschaft der Cäsaren im römischen Kaiserreich war die schrittweise Verrechtlichung der principalen Macht.

Dieser Vorgang sollte die Macht nicht nur legitimieren, sondern auch auf lange Sicht sichern. Das bekannteste Beispiel für solch eine Legitimation ist die lex de imperio Vespasiani, das die Herrschaft Vespasians auf eine rechtliche Grundlage stellte und dokumentiert die Machtfülle, die die Princeps von Augustus bis Nero erworben und gesichert hatten.[20]

Für den Princeps Augustus steht seine Herrschaft auf einer ähnlich rechtlichen Grundlage, denn diese fußte zwar noch nicht auf einem Gesetz, aber auf der Zustimmung des Senates. Damit Augustus aber die kaiserliche Macht inne hatte, wurden ihm ständig weitere Titel, Aufgaben und Machtbefugnisse zugewiesen. Mit dieser Machtfülle ausgestattet, konnte er Gesetze einbringen, um seine Macht über die römische Gesellschaft zu demonstrieren. Das heißt, er konnte die Gesellschaft mit Zustimmung des Senats formen und gestalten. Des Weiteren schuf er Abhängigkeiten einzelner Schichten durch Rechte, Pflichten und Privilegien.[21]

Zum augusteischen System gehörte es außerdem keine führende Schicht zu stark werden zu lassen, beispielsweise begrenzte er die Senatssitze auf 600 und betraute Ritter mit wichtigen Staatsaufgaben. Mit diesen Vorhaben konnte Augustus die politische Konkurrenz von Seiten des Senats und des Senatorenstandes minimieren. Die Ausdifferenzierung zwischen Senatoren und Rittern etablierte ein System gegenseitiger Konkurrenz, das beide Stände schwächte und die Herrschaft des Kaisers auf ein starkes Fundament stellte. Auf diese Weise gelang es Augustus aber auch reichsweit[22] eine halbwegs friedliche Phase in der römischen Geschichte einzuleiten, welches dem Volk zu Gute kam.[23]

[...]


[1] Vgl. Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis Konstantin, 5., durchgesehene Auflage, München 2005, S. 103f.

[2] Vgl. Christ, Karl: Die römische Kaiserzeit. Von Augustus bis Diokletian, 3., aktualisierte Auflage, München 2006, S. 63-67.

[3] Vgl. Schlange-Schöningen, Heinrich: Augustus, Darmstadt 2005, S. 121f.

[4] Vgl. Kienast, Dietmar: Augustus. Prinzeps und Monarch, 3., durchgesehene und erweiterte Auflage, Darmstadt 1999, S. 161 f., 182f.

[5] Vgl. Bleicken, Jochen: Augustus. Eine Biographie, Hamburg 2010, S. 474-476.

[6] Vgl. Dahlheim, Werner: Geschichte der römischen Kaiserzeit (=Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 3), 3. Überabeitete und erweiterte Auflage, München 2003, S. 41.

[7] Vgl. Bleicken, Jochen u.a.(Hg..): Alfred Heuss. Römische Geschichte, 10. Auflage, Paderborn u.a. 2007, S. 176f.

[8] Vgl. ebenda, S. 228.

[9] Augustus Res gestae, übersetzt, hrsg. und kommentiert von Giebel, Marion, Stuttgart 2002, S. 4-6 (caput 1 bis 3).

[10] Vgl. Bleicken, Jochen: Augustus, S. 473.

[11] Vgl. ebenda.

[12] Vgl. ebenda, S. 474.

[13] Vgl. ebenda, S. 474f.

[14] Vgl. Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit, S. 103f.

[15] Vgl. Augustus Res gestae, S. 12 (caput 8) und Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit, S. 104.

[16] Vgl. Augustus- Schriften, Reden und Aussprüche (Texte zur Forschung Bd. 91), hrsg., übersetzt und kommentiert von Bringmann, Klaus und Wiegandt,Dirk, Darmstadt 2008, S. 297 (261 F Plut. Per. 1,1).

[17] Vgl. Jaques , Francois / Scheid , John: Rom und das Reich in der hohen Kaiserzeit 44 v. Chr. – 260 n. Chr.. Staatsrecht, Religion, Heerwesen, Verwaltung, Gesellschaft, Wirtschaft, Hamburg 2008, S. 323 f. Diese Form der Ehe gab es noch bis in die späte Republik und wurde durch die Nicht-Manus-Ehe nach und nach ersetzt.

[18] Vgl. Dahlheim, Werner: Geschichte der römischen Kaiserzeit, S. 41.

[19] Vgl. Jaques , Francois/Scheid , John: Rom und das Reich in der hohen Kaiserzeit, S. 331.

[20] Vgl. Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit, S. 256f.

[21] Vgl. Kienast, Dietmar: Princeps und Monarch, S. 185-194.

[22] Bezieht sich nur auf die Innenpolitik des Princeps Augustus. Die Außenpolitik war weniger friedlich.

[23] Vgl. Dirscherl, Hans-Christian: Der Pate von Rom. Von Octavian zu Augustus, in Kaiser Augustus. Roms Aufstieg zum Imperium. G-Geschichte 09/2010, Lindau 2010. S. 34f.

Details

Seiten
41
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640923694
ISBN (Buch)
9783640923618
Dateigröße
931 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171364
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Institut für Geschichte
Note
1,6
Schlagworte
ständegesetze auswirkungen prostitution

Autor

Zurück

Titel: Die augusteischen Ständegesetze und deren Auswirkungen auf die Prostitution