Lade Inhalt...

Self-efficacy: Selbstwert und Eigenmotivation

Seminararbeit 2008 20 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Self-Efficacy (Selbstwirksamkeit)

3. Prozesse der Selbstwirksamkeit
3.1. Kognitive Prozesse
3.2. Motivationale Prozesse
3.3. Affektive Prozesse
3.4. Selektive Prozesse

4. Quellen der Selbstwirksamkeit
4.1. Die Meisterung von schwierigen Situationen
4.2. Das Beobachtungen von Modellen
4.3. Die Soziale Unterstützung
4.4. Die Physiologische Reaktionen

5. Leistung, Lernfreude und Stress
5.1. Leistung
5.2. Lernfreude
5.3. Stress

6. Selbstwert als Einflussfaktor der Leistungsmotivation
6.1. Leistungsmotivation als Selbstbekräftigungssystem
6.2. Handlungsdirektiven von Erfolgs- und Misserfolgsmotivierten
6.2.1. Erfolgsmotivierte Personen
6.2.2. Misserfolgsmotivierte Personen
6.2.3. Umwandlung von Misserfolgs- zu Erfolgsmotivation

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1. Erfolgsmotivation als Selbstkräftigungssystem

1. Einleitung

Der folgende „entwicklungsgeschichtliche“ Exkurs soll dem Leser/der Leserin[1] kurz und prägnant verdeutlichen, inwiefern sich die Entwicklung des Menschen auf die steigende Relevanz des behandelten Themas auswirkt:

Seit jeher versucht der Mensch Ereignisse in seinem Leben zu kontrollieren. Durch die Einflussnahme in Bereiche, die er kontrollieren kann, ist er in der Lage erwünschte Zustände zu erreichen und unerwünschte zu vermeiden.

In prähistorischen Zeiten, als der Mensch nur ein begrenztes Verständnis seiner Umwelt hatte, berief er sich auf übernatürliche Wesenheiten, die Macht auf sein Leben ausübten. Die Menschen praktizierten Rituale, um die Gefälligkeit oder den Schutz dieser übernatürlichen Kräfte zu erhalten. Einige Fälle, in denen irrelevante Rituale, zum gewünschten Ergebnis führten, konnten die Menschen im Glauben an deren Wirkung bestärken.

Im Verlauf der Geschichte führte jedoch ein Zuwachs an Wissen dazu, dass der Mensch seine Fähigkeiten zur Voraussage von Ereignissen und Ausübung von Kontrolle auf diese erweiterte. Der Wechsel vom Glauben an übernatürlichen Mächten hin zu der Erkenntnis, dass die Menschen ihr Schicksal selbst bestimmen, führte zu einem neuen Denken, beziehungsweise zu einem neuen Verständnis des „Ursache –Wirkungs-Prinzips“. (vgl. Bandura, 1997, S. 1f.)

In dieser Arbeit wird diese weitläufige Thematik „Self-efficacy: Selbstwert und Eigen-motivation“ nur eingeschränkt behandelt. Der Fokus wird auf den Zusammenhang der Selbstwirksamkeit und des Selbstwertes in Bezug auf erhöhte Leistung und Leistungsmotivation gerichtet werden.

Rund um das Thema wird in dieser Arbeit das Segment von der Entstehung der Selbstwirksamkeit und wie Selbstwirksamkeitseinschätzung das menschliche Verhalten beeinflusst, genauer beleuchtet. Zur Beschreibung der Selbstwirksamkeitseinschätzung werden anhand der sozial kognitiven Theorie von Bandura kognitive, motivationale, affektive und selektive Prozesse näher erklärt. Weiters werden die Bestimmungsfaktoren von der Selbstwirksamkeit erläutert. Hierzu dient Albert Banduras Konzept, das auf den 4 Quellen der Selbstwirksamkeit aufbaut, als Grundlage.

Nach Abhandlung der Grundlagen zum Thema Self-efficacy wird im darauf folgenden Teil im Speziellen darauf eingegangen, in welcher Weise Selbstwirksamkeit mit Leistung, Lernerfolg und Wohlbefinden im Zusammenhang steht.

Selbstwirksamkeit geht Hand in Hand mit Selbstwert, ein weiterer Hauptpunkt in dieser Ausarbeitung. Aufgrund eines Selbstbewertungsmodells von Heckhausen wird im letzten Kapitel der Arbeit die Bedeutung des Selbstwertes in Bezug auf Leistungsmotivation dargestellt. Durch die Beschreibung der Leistungsmotivation wird versucht den Zusammenhang zwischen Selbstwert und Motivation herzustellen und welche Auswirkungen das Selbstbekräftigungssystem auf erfolgs- und misserfolgsmotivierte Personen hat. Der Rückkopplungseffekt kann hier zwischen Selbstwirksamkeit, Selbstwert, Motivation und Leistung hergestellt werden → mehr Motivation = mehr Leistungserfolg = stabilisierte Selbstwirksamkeit. (vgl. Jerusalem / Pekrun, 1999, S. 228)

2. Definition Self-Efficacy (Selbstwirksamkeit)

Im ersten Abschnitt dieser Arbeit soll, der Begriff Selbstwirksamkeit erläutert werden. Selbstwirksamkeit („self-efficacy“) ist „[…] die individuell unterschiedlich ausgeprägte Überzeugung, dass man in einer bestimmten Situation die angemessene Leistung erbringen kann. Dieses Gefühl einer Person bezüglich ihrer Fähigkeit, beeinflusst ihre Wahrnehmung, ihre Motivation und ihre Leistung in vielerlei Weise“ (Zimbardo, 2003, S. 534f.).

Die sozial-kognitive Theorie betont die sozialen Ursprünge von Verhaltensweisen und die Bedeutung kognitiver Prozesse in allen Bereichen des menschlichen Lebens. Die beiden wichtigsten Vertreter Mischel und Bandura nehmen an, dass ein ständiger Interaktionsprozess zwischen dem Organismus und seiner Umwelt stattfindet. (vgl. Pervin, 1993, S. 398) Durch die Entwicklung von kognitiven Strukturen der Selbstkontrolle beeinflusst die Person ihre Umgebung und wird ebenso von ihr beeinflusst. Die Menschen werden von Umweltfaktoren beeinflusst, aber sie können auch wählen, wie sie darauf reagieren. Die sozial-kognitive Theorie sieht die Person als einen Organismus, der fähig ist, sich den veränderten Umweltbedingungen anzupassen. (vgl. Pervin, 1993, S. 402)

3. Prozesse der Selbstwirksamkeit

Der Unterschied der obigen Definition zu früheren Modellen, welche auf dem von Albert Bandura aufgebauten Konzept beruhen, liegt hauptsächlich darin, dass angenommen wird, dass außerhalb der Reiz-Reaktions-Zusammenhänge weitere höherwertige Prozesse zur Verhaltensbildung beitragen.

Wobei Bandura diesen Prozess in zwei voneinander abhängige Phasen unterteilt, welche wiederum aus Teilprozessen bestehen:

Aneignungsphase: Diese Phase besteht aus dem Aufmerksamkeitsprozess, welcher bestimmt, inwieweit der Umwelt die zur Aneignung nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird, sowie dem Gedächtnisprozess. Der Gedächtnisprozess ist notwendig, um das zuvor beobachtete Verhalten auch zu späteren Zeitpunkten reproduzieren zu können.

Ausführungsphase: Teile dieser Phase sind die motorische Reproduktionsphase, sowie die Verstärkungs- und Motivationsphase. Erstere beinhaltet kognitiv gesteuertes Verhalten, wobei auf diese nicht näher eingegangen werden soll, da die zweite Phase deutlich relevanter für diese Arbeit ist. Bei der Verstärkungs- und Motivationsphase werden die Handlungen gezielt zur Erreichung eines bestimmten Zieles gesetzt, wobei unterschiedliche Personen durchaus unterschiedliche Reaktionen auf gleiche Situationen zeigen können. (vgl. Bandura, 1997, S. 123ff)

Nach der sozial-kognitiven Theorie von Bandura regulieren Selbstwirksamkeitseinschätzungen das menschliche Verhalten anhand von vier zentralen psychologischen Prozessen. Sie umfassen kognitive, motivationale, affektive und selektive Prozesse. Diese unterschiedlichen Prozesse funktionieren im Zusammenspiel (vgl. Bandura, 1995, S. 5).

3.1. Kognitive Prozesse

Die Selbsteinschätzung eigener Fähigkeiten beeinflusst die persönliche Zielsetzung von Menschen. Je stärker die wahrgenommene Selbstwirksamkeit ist, desto höher ist die Herausforderung, die Menschen annehmen und desto stärker ist ihr Verantwortungsbewusstsein für ihre Ziele. Personen mit hoher Selbstwirksamkeits-überzeugung visualisieren Erfolgsszenarien, die positive Leitfäden bilden und somit das Leistungsverhalten unterstützen. Personen, die an ihrer Selbstwirksamkeit zweifeln, stellen sich Misserfolgsszenarien vor und denken an die vielen möglichen negativen Effekte. Selbstwirksame Menschen nutzen ihr analytisches Denken besser als Menschen, die sich unwirksam einschätzen. Das wirkt sich schließlich auf eine bessere Leistungsfähigkeit aus. (vgl. Bandura, 1995, S. 6)

3.2. Motivationale Prozesse

Selbstwirksamkeitsüberzeugung spielt eine entscheidende Rolle in der Motivationsbildung. Menschen glauben an das, was sie fähig sind zu tun. Angetrieben, den erwünschten Zustand zu erreichen, erhält ein Mensch eine Zielrichtung für sein Handeln. Er führt seine Anstrengungen soweit fort, bis der gewünschte Zustand erreicht ist (vgl. Bandura, 1995, S. 6f.). Untersuchungen von Locke und Latham haben gezeigt, dass herausfordernde Ziele die Motivation stärken und unterstützen (Locke, E.A. / Latham, G.P.: A theory of goal setting and task performance. Englewood Cliffs, NJ: Prentice-Hall, 1990. zit.n.: Bandura, 1995, S. 7). Dabei wird angenommen, dass Ziele Selbstbeeinflussungsprozesse auslösen und dadurch Motivation und Handlung steuern. Selbstwirksamkeit trägt zur Motivation auf verschiedene Arten bei. Sie bestimmt die Ziele, die sich Menschen selber setzen, wie viel Anstrengung sie aufwenden, wie lange sie im Falle von Schwierigkeiten durchhalten und wie gut sie sich von Misserfolg erholen. Schließlich trägt starkes Durchhaltevermögen zur Vollbringung der Leistung bei. (vgl. Bandura, 1995, S. 7f.)

3.3. Affektive Prozesse

Der Glaube in die eigenen Fähigkeiten wirkt sich darauf aus, wie viel Stress und Niedergeschlagenheit der Mensch in bedrohenden oder schwierigen Situationen erfährt. Menschen, die glauben, dass bedrohliche Situationen schwer zu meistern sind, lassen sich durch die Gefahren ihrer Umgebung beeinflussen. Durch diese unwirksame Denkweise fühlen sie sich in Bedrängnis und verschlechtern somit ihre Funktionsebene. Bandura verweist hier auf Untersuchungen von Sanderson, Rapee und Barlow aus dem Jahre 1989. Sie konnten nachweisen, dass die Kraft von Wirksamkeitsüberzeugungen, die Menschen bewegte, drohende Situationen in wertvolle umzugestalten. (Sanderson, W.C. / Rapee, R.M. / Barlow, D.H.: The influence of an illusion of control on panic attacks induced via inhalation of 5,5 % carbon dioxide-enriched air. Archives of General Psychiatry, 1989. S. 157-162. zit.n.: Bandura, 1995, S. 8) Eine Versuchsgruppe von Menschen war denselben Umweltstressfaktoren ausgesetzt. Die Personen unterschieden sich hinsichtlich ihrer Auffassung, die Umstände kontrollieren zu können. Jene, die glaubten, sie könnten die Situation bewältigen, blieben unbehelligt von den Umwelteinflüssen, während die anderen unsicher wurden.

3.4. Selektive Prozesse

Menschen sind Teil ihrer Umgebung. Selbstwirksamkeitsüberzeugung beeinflusst die Menschen in der Wahl ihrer Umgebung und ihrer Aktivitäten. In diesem Prozess werden Schicksale von der Auswahl des Umfeldes gelenkt. Unterschiedliche soziale Umfelder können bei einem Menschen unterschiedliche Lebensstile hervorrufen. Jedes Umfeld fordert andere menschliche Potenziale, das bedeutet, dass je nach Umfeld andere Talente gefördert werden. Menschen vermeiden Aktivitäten und Umgebungen, von denen sie glauben, sie würden ihre Bewältigungsfähigkeiten übersteigen. Sie suchen sich jene Umgebungen aus, in denen sie sich wohl fühlen. Die Wahl der Umgebung eines Menschen wird bestimmt von den Fähigkeiten, Interessen und sozialen Netzwerken, die sie entwickelt haben. Das Wahlverhalten wiederum wird gesteuert von Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und ist entscheidend für die Richtung der persönlichen Entwicklung. (vgl. Bandura, 1995, S. 10)

4. Quellen der Selbstwirksamkeit

Nach diesem Exkurs werden nachfolgend die vier Hauptquellen der Selbstwirksamkeit näher betrachtet. Diese bestimmen, je nach Ihrer Ausprägung, die Stärke der Selbstwirksamkeit, folglich auch den Selbstwert der betreffenden Person, sowie die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine Handlung erstmalig oder wiederholt ausführt.

4.1. Die Meisterung von schwierigen Situationen …

…erhöht das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Daraus folgt, dass die betreffende Person auch in Zukunft solchen Situationen eher positiv entgegensieht. Hingegen kann ein Scheitern durchaus zu einer Verminderung des Glaubens an die eigenen Fähigkeiten führen. Die betreffende Person muss, damit die obige Quelle wirksam werden kann, fähig sein, Reaktion und Wirkung entsprechend zu interpretieren. (vgl. Bandura, 1997, S. 80f.)

4.2. Die Beobachtung von Modellen …

… beschreibt inwieweit das Beobachten anderer Personen mit vergleichbaren Fähigkeiten, wie den eigenen, die Wahrnehmung der eigenen Leistungsfähigkeit beeinflusst. Hierbei wird davon ausgegangen, dass ein Erfolg motivierend auf den Beobachter wirkt, hingegen ein Misserfolg das Gegenteil bewirken kann. (vgl. Bandura, 1997, S. 92f.)

4.3. Die soziale Unterstützung …

…indiziert, dass, wenn Menschen von ihrem sozialen Umfeld Bestärkung erhalten, deren Selbstvertrauen steigt, bzw. eher gewillt sind, zur Erreichung eines Zieles mehr Anstrengungen auf sich zu nehmen. (vgl. Bandura, 1997, S. 101f.)

4.4. Die physiologischen Reaktionen …

… beinhalten die Selbstbeobachtung selbiger, wobei es zu einer Bewertung der eigenen Selbstwirksamkeit kommt. So kommt es oft in Situationen von Anspannung oder Angst zu körperlichen Reaktionen wie Zittern, Schweißausbrüchen, etc., welche meist mit persönlicher Schwäche assoziiert werden. (vgl. Bandura, 1997, S. 106f.)

[...]


[1] Die gleichberechtigte Nennung von weiblicher und männlicher Form wie an dieser Stelle wird aus Gründen der Lesbarkeit nicht in der gesamten Arbeit verwendet. Sofern im Text nicht anders erwähnt, sind im Folgenden mit einer männlichen Form immer beide Geschlechter angesprochen.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640905959
ISBN (Buch)
9783640905713
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171286
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
1
Schlagworte
self-efficacy selbstwert eigenmotivation

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Self-efficacy: Selbstwert und Eigenmotivation