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E-Mail-Spam und seine Auswirkungen auf Unternehmen, Umwelt und Gesellschaft

Hausarbeit 2010 52 Seiten

Informatik - Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Spam und seine Auswirkungen
2.1 Begriffsherkunft und Historie
2.2 Definition von Spam
2.3 Spam und ähnliche Plagen
2.3.1 Kommerzielle Werbung
2.3.2 Nicht-Kommerzielle Werbung
2.3.3 Betrug
2.3.4 Aktienspam
2.3.5 Malware
2.3.6 Kollateraler Spam
2.3.7 Prozentuale Verteilung und Trends der Spam-Kategorien
2.4 Probleme durch Spam

3 Die Funktionsweise von Spam
3.1 Technische Grundlagen
3.1.1 Das SMTP-Protokoll
3.1.2 Versand, Transport und Zustellung von E-Mails
3.1.3 Der Weg einer E-Mail vom Absender zum Empfänger
3.1.4 Fehlermeldungen
3.1.5 Die Anfälligkeit von SMTP für Spam
3.2 Wie Spammer operieren
3.2.1 Wie Spammer an E-Mail-Adressen gelangen
3.2.2 Wie Spammer E-Mail-Adressen verifizieren
3.2.3 Wie Spam versandt wird
3.3 Anti-Spam-Maßnahmen im Überblick
3.3.1 Gesetzgeberische Maßnahmen
3.3.2 Organisatorische Maßnahmen
3.3.3 Technische Maßnahmen

4 Auswirkungen von Spam
4.1 Kosten durch den Empfang von Spam
4.1.1 Direkte Kosten
4.1.2 Indirekte Kosten
4.2 Auswirkungen auf Unternehmen
4.3 Auswirkungen auf die Gesellschaft
4.4 Auswirkungen auf die Umwelt

5 Fazit und Prognose

1 Einleitung

„In zwei Jahren ist das Spam-Problem gelöst!“ Dies ist weniger eine kühne Behauptung des Autors zu Beginn dieser Arbeit, sondern eine Aussage von Bill Gates im Jahr 2004 auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos1. Ohne hier auf den genauen Kontext der Aussage einzuge- hen, kann festgehalten werden: Er lag gewaltig daneben, denn das Gegenteil ist Realität. Gab es im Jahr 2004 nach Schätzungen von Sophos ungefähr 8 Mrd. Spam-Mails weltweit pro Tag2, so stieg das Spam-Aufkommen seitdem unaufhaltsam an und lag im Jahr 2008 bei ungefähr 170 Mrd. Spam-Mails pro Tag3.

Ist dies einfach nur lästig, oder ein ernstzunehmendes Problem mit ökonomischer Relevanz? Aufgrund ausgefeilter Spam-Filter erhalten wir heute nur noch wenige SpamNachrichten in unsere Postfächer. Trotzdem wirft das Thema viele Fragen auf:

- Wie kam es eigentlich zu dem Begriff „Spam“?
- Ist Spam ausschließlich auf das Medium E-Mail begrenzt?
- Wie gelangen die Spammer eigentlich an meine E-Mail-Adresse?
- Warum ist es immer noch möglich, dass Spammer ihre Nachrichten verschicken? Welche Kosten entstehen eigentlich für einen Spam-Filter?
- Wie hoch ist der Ausfall an Arbeitszeit für das manuelle Löschen nicht erkannter SpamNachrichten in meinem Unternehmen, in Deutschland oder gar weltweit? Weltweit muss eine große IT-Infrastruktur mit der Spam-Problematik befasst sein. Wie wirkt sich das eigentlich auf die Umwelt aus?

Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich die vorliegende Projektarbeit zum Thema

“E-Mail-Spam und seine Auswirkungen auf Unternehmen, Umwelt und Gesellschaft.

Um ein schlüssiges Gesamtbild zu erhalten, wird vorab ein Überblick über Historie, Definiti- onen, Klassifizierung und Probleme durch Spam gegeben. Außerdem werden die Funkti- onsweise von Spam mit technischen Grundlagen und die Anti-Spam-Maßnahmen vorge- stellt.

Im Anschluss werden die aktuelle technische Trends und die Entwicklung der beworbenen Inhalte von Spam aufgezeigt. Schließlich wird nach einem kurzen Resümee noch eine eigene Prognose zur Entwicklung der Spam-Problematik erstellt.

2 Spam und seine Auswirkungen

Heutzutage werden die Begriffe Spam und E-Mail häufig in einem Atemzug genannt. Aber wie kam es eigentlich zu Spam? Was gab es zuerst, E-Mail oder Spam?

In diesem Kapitel sollen zunächst die grundlegenden Fragen geklärt werden. Der Begriff Spam wird historisch untersucht und es wird eine Definition für Spam festgelegt. Ein weiterer Schwerpunkt dieses Kapitels ist die Klassifikation von Spam. Schließlich sollen die durch Spam entstehenden Probleme aufgezeigt werden.

2.1 Begriffsherkunft und Historie

Im Jahr 193 7 brachte das Unternehmen „Hormel Foods Corporation“ aus Minnesota ein Frühstücksfleisch unter dem Namen Hormel Spiced Ham auf den Markt4. Später wurde der Namen des Produkts - im Rahmen eines Kundenwettbewerbs - in das geschützte Warenzeichen SPAM® geändert5.

Es gibt - auch innerhalb der Hormel Foods Corporation - widersprüchliche Aussagen, ob Spam die Abkürzung für „Shoulder of Pork and Ham“6 oder ein Kunstwort für „Spiced Ham“ ist.

Der Begriff Spam wird heute häufig als Synonym für eine unnötig häufige Verwendung und Wiederholung benutzt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Spam während der Rationierung der Nahrungsmittel im 2. Weltkrieg eines der wenigen Lebensmittel war, die unbeschränkt erhältlich waren. Dieser Überfluss des Fleisches förderte die Entwicklung des Begriffs als Synonym für die Omnipräsenz an unerwünschten Nachrichten.

Eine weitere Spur führt zu „The Spam Sketch“ von Monty Python und einiger weiter engli- scher Komiker7. Hier wird das Wort Spam so häufig verwendet, dass die ursprüngliche Be- deutung des Wortes verblasst und Spam nunmehr allgemein für die wahllose Streuung und Wiederholung ein und derselben Sache steht, die bei den Betroffenen Ärger verursacht.

Der erste Beleg für eine unerwünschte Verbreitung kommerzieller Werbung ist schon viel älter als das Internet. Laut dem britischen Historiker Matthew Sweet warben Londoner Zahnärzte bereits im Mai 1864 per Telegramm für ihre Dienste. Sie nutzten die Möglichkeit, Telegramme massenhaft an einen großen Kreis unbekannter Empfänger zu versenden.8

Die erste Spam-E-Mail wurde wohl am 3. Mai 1978 verschickt. Damals verschickte Gary Thuerk, Marketing Manager bei der US-Computer-Firma DEC, per ARPANET Werbung für eine Verkaufsveranstaltung eines neuen Computermodells. Statt jeden Empfänger indivi- duell anzuschreiben, schickte er aus Zeitmangel die Werbung in einer einzigen E-Mail an ca. 400 Empfänger an der US-Westküste9. Wohl auch aufgrund dieser Werbung verkaufte Gary Thuerk, nach eigenen Angaben10, in den nächsten Wochen PCs im Wert von ca. 12 Millio- nen US-Dollar. Diesem Erfolg versuchen Spammer seitdem weltweit nachzueifern.

Damals war das Versenden unerwünschter Werbung allerdings noch nicht unter dem Be- griff Spam bekannt. Der Begriff wurde u.a. durch die Omnipräsenz des Frühstückfleisches während des 2. Weltkrieges und durch den Sketch von Monty Python von Internetnutzern nach und nach übernommen. Im Jahr 1998 veröffentlichte das New Oxford Dictionary of English unter dem Begriff Spam neben der Beschreibung des geschützten Lebensmittels eine weitere Definition11.

2.2 Definition von Spam

Die Definition des New Oxford Dictionary of English lautete: „Irrelevant or inappropriate messages sent on the Internet to a large number of newsgroups or users“.

Dies ist allerdings keine allgemeingültige Definition. Vielmehr existiert eine Vielzahl an verschiedenen Definitionen12. Auch die Legislative hat sich in vielen Ländern Arbeitsdefinitionen geschaffen13.

Das Fehlen einer übereinstimmenden Definition bringt einige Probleme mit sich. So ist ein gemeinsames grenzüberschreitendes Vorgehen gegen Spam schwierig, wenn jedes Land eigene gesetzliche Definitionen hat oder gar die Rechtsprechung mangels gesetzlicher Regelungen eigene Auslegungen entwickeln muss14. Außerdem können Statistiken zum SpamAufkommen kaum miteinander verglichen werden.

Eine einheitliche, vollständige und praktikable Definition zu finden ist schwierig, da sie Ele- mente

- des Konsumentenverhaltens,
- der Psychologie des Empfängers,
- der übergeordneten rechtlichen Rahmenbedingungen, wirtschaftlicher Überlegungen und
- technische Belange

berücksichtigen müsste15.

Außerdem gibt es weltweit zu viele Interessen, die eine Definition durchsetzen wollen. Daher stellt die Working Group on Internet Governance (WGIG)16 nicht in Aussicht, dass eine einheitliche Definition gefunden wird17.

Trotz der Uneinigkeit bezüglich einer allgemeingültigen Definition von Spam herrscht weit- gehend Einigkeit darüber, dass Spam-Nachrichten typischerweise bestimmte Eigenschaften besitzen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) klassifiziert diese Eigenschaften von Spam in primäre und sekundäre Eigenschaften (s. Tab. 1). Erfüllt eine Nachricht alle Eigenschaften mit primärem Charakter, so handelt es sich definitiv um Spam, und zwar in Form einer unverlangten kommerziellen Massen-E-Mail, der sog. Unsolicited Commercial E]mail (UCE). Die Eigenschaften mit sekundärem Charakter sind weitere Indizien für das Vorliegen einer Spam-Nachricht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1 - Primäre und sekundäre Eigenschaften von Spam18

Umfassender ist der Begriff der Unsolicited Bulk Email (UBE), da er auf den kommerziellen Aspekt verzichtet. Als Mindestvoraussetzungen für das Vorliegen einer Spam-Nachricht sollen für diese Arbeit, in Anlehnung an die Definition der ITU19, folgende Eigenschaften gelten:

Der Begriff Spam steht für unverlangt zugesandte Massen-E-Mail.

Unverlangt ist eine E-Mail dann, wenn eine Einverständniserklärung des Empfängers zum Empfang der Nachricht nicht vorliegt und auch nicht zu erwarten ist.

Massen-E-Mail bedeutet, dass der Empfänger der Nachricht nur einer unter vielen Empfän- gern ist.

Hier ist zu beachten, dass beide Voraussetzungen kumulativ eintreten müssen. Es reicht also nicht aus, wenn eine E-Mail unverlangt oder Massen-E-Mail ist. Eine unverlangte, aber persönliche E-Mail (z.B. die Geburtstagsgrüße eines Kommilitonen) ist ebenso wenig als Spam einzustufen, wie auch eine Massen-E-Mail dann kein Spam ist, wenn man mit dem Empfang einverstanden ist (z.B. beim Abonnement eins Newsletters).

Von einer Massen-E-Mail (engl. Bulk-Mail) spricht man, wenn viele Empfänger eine Nachricht mit gleichem Inhalt erhalten. Dies wird nicht durch eine Personalisierung der E-Mail verhindert, etwa durch die Anrede mit Vor- und Nachnamen, da der Absender auch dann nicht auf die persönlichen Umstände des einzelnen Empfängers eingeht.

2.3 Spam und ähnliche Plagen

Die Belästigung durch Spam ist leider kein Phänomen, das nur auf das Medium E-Mail beschränkt ist. Daneben existiert eine Vielzahl weiterer Arten von Spam. Dies sind z.B.

- Link-Spam wie Blogspam, Wikispam und Social Bookmark-Spam
- Suchmaschinenspam
- Spam over Instant Messaging (SPIM), unerwünschte Nachrichten z.B. über ICQ
- Spam over Internet Telephony (SPIT), z.B. unerwünschte Anrufe per Skype
- Spam over Mobile Phone (SPOM), z.B. unerwünschte Nachrichten per SMS

Ein detailliertes Eingehen auf alle Arten würde den Umfang dieser Ausarbeitung sprengen. Daher konzentriert sich vorliegende Arbeit auf E-Mail-Spam.

Da Spammer aus den verschiedensten Motiven handeln, gibt es verschiedene Arten von Spam, die sich z.T. in der Wirkung und den Verbreitungswegen unterscheiden. Dieser Ab- schnitt zeigt anhand einiger Beispiele und Statistiken, welche Arten von Spam es gibt.

2.3.1 Kommerzielle Werbung

Ein Versender von kommerzieller Werbung verfolgt die Absicht, den Empfänger zur Bestel- lung eines Produktes oder einer Dienstleistung zu bewegen. In Deutschland droht dem Ver- sender solcher Nachrichten u.a. ein wettbewerbsrechtliches Ordnungsgeld20. Aus diesem Grund und der imageschädigenden Wirkung wird Spam heute kaum noch von seriösen Fir- men eingesetzt. Typischerweise werden derzeit vor allem Internetdienstleistungen bewor- ben aber auch - oftmals gefälschte21 - Arzneimittel wie Potenzmittel (s. Abb. 1) und frag- würdige Diätpillen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 - Beispiel für kommerzielle Werbung

Eine detaillierte Übersicht über die prozentuale Verteilung ist in Abb. 7 dargestellt.

2.3.2 Nicht-Kommerzielle Werbung

Neben der kommerziellen Werbung wird Spam vereinzelt auch dafür genutzt, um für Reli- gion oder aber eine politische Partei zu werben. So wurde z.B. im Vorfeld der Bundestags- wahl 2009 von der FDP eine zweifelhafte E-Mail-Werbekampagne in Auftrag gegeben (s. Abb. 2)22.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 - Beispiel für nicht-kommerzielle Werbung

2.3.3 Betrug

Auch Betrüger verschicken Spam-Nachrichten. Sie nutzen die Naivität und Unwissenheit der Internetnutzer aus und versprechen ihnen hohe Gewinne. Weitverbreitet ist die Angabe, dass der Betroffene einen hohen Geldbetrag gewonnen hat (s. Abb. 3). Dabei muss er aber erst in Vorleistung treten, um angebliche Gebühren u.ä. zu bezahlen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 - Beispiel für Betrug

Weitere Einstiegsszenarien zum sog. Vorschussbetrug sind etwa GebrauchtwagenverkaufOfferten oder Einladungen zu Internet Single-Börsen.

Außerdem versuchen Betrüger - mittels des sog. Phishings - Login-Daten etwa zu Banken oder Online-Auktionshäusern auszuspähen.

2.3.4 Aktienspam

Beim Aktienspam deckt sich der Spammer vor Beginn seiner Kampagne mit Aktien eines Unternehmens ein. Im Anschluss verschickt er eine Spam-Nachricht, die hohe Kurssprünge bei dieser Aktie verspricht (s. Abb. 4). Oft erweckt die Nachricht den Anschein einer angeb- lich fehlgeleiteten Insiderinformation und soll die Anleger dazu verleiten schnell „zuzu- schlagen“.

Lassen sich ausreichend Empfänger der Nachricht von der Empfehlung täuschen und kaufen die Aktie, so steigt in Folge des hohen Handelsvolumens auch der Kurs. Zu diesem Zeitpunkt verkauft der Spammer die Aktie meist zu einem deutlich höheren Kurs als dem Kaufkurs23. Daraufhin fällt der Kurs oft dramatisch, so dass die übrigen Anleger meist hohe Verluste einfahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 - Beispiel für Aktienspam

2.3.5 Malware

Die bisher genannten Spam-Kategorien zielten unmittelbar auf den Menschen ab, der das System bedient. Spammer verschicken jedoch auch Spam-Nachrichten, die zusätzlich Schadsoftware (sog. Malware) enthalten, die unmittelbar das Computersystem infizieren soll. Bei diesem zusätzlichen Bestandteil spricht man auch vom sog. Payload.

Ein Grund für den Versand von Malware ist, das Computersystem zu infizieren und dadurch zum Bestandteil eines Botnetzes zu machen. Botnetze sind riesige Netzwerke ferngesteuerter Computer und werden vor allem zum Versand von Spam eingesetzt (s. 3.2.3.5).

Dabei nutzen die Absender gezielt das Interesse des Empfängers an aktuellen Ereignissen, um sie in die Falle zu locken. An Feiertagen, bei Naturkatastrophen oder bei Skandalen von Prominenten und Politikern haben die Spammer Hochkonjunktur und reagieren oft blitz- schnell.

So gibt es z.B. regelmäßig infizierte Gruß-Karten zu Weihnachten und am Valentinstag24. Im vergangenen Jahr gab es große Spam- bzw. Malwareattacken zur Schweinegrippe25 oder nach dem Tod von Michael Jackson26 (s. Abb. 5). Auch zur Fußball-WM in diesem Jahr wird wieder eine regelrechte Welle von infizierten Nachrichten erwartet27.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 - Infizierte Spam-Nachricht zum Tod von Michael Jackson

In Zeiten, in denen positive Meldungen die Nachrichtensendungen dominieren, schrecken die Spammer auch nicht davor zurück, ihre Schlagzeilen selbst zu erfinden. So berichtete eine Schreckensnachricht (sog. Scare Mail) im März 2010 von einem angeblichen Atomschlag Nordkoreas gegen Japan28.

2.3.6 Kollateraler Spam

Spammer benutzen zum Versand von Spam meist gefälschte E-Mail-Adressen als Absender. Kann eine Spam-Mail nicht zugestellt werden, etwa weil der Provider die Nachricht nicht ausliefern kann, so schickt der Provider eine Fehlermeldung an den vermeintlichen Absen- der (s. Abb. 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 - Beispiel für Kollateralspam

Die Empfänger solcher Mails wundern sich oft über diese Nachrichten, da sie sich nicht erinnern können, dem Empfänger eine Nachricht geschickt zu haben. Sie sind jedoch schlicht Empfänger von Kollateralspam geworden.

2.3.7 Prozentuale Verteilung und Trends der Spam-Kategorien

Wer regelmäßig einen Blick in seinen Spam-Ordner wirft, dem wird auffallen, dass es oft- mals regelrechte Spam-Kampagnen gibt. Mal sollen wir mit aller Gewalt zu Glücksspielern werden, ein anderes Mal wird uns in etlichen E-Mails illegale Software zu sehr günstigen Preisen angeboten.

Was gerade von Spammern beworben wird, unterliegt starken Schwankungen. Dazu gibt es verschiedene Analysen von diversen Forschungseinrichtungen der IT-Security- Unternehmen, die durch die weite Verbreitung ihrer Anti-Spam-Lösungen eine große Datenbasis zur Analyse verfügen.

Die Studien lassen sich untereinander kaum vergleichen. Auffällig ist jedoch, dass es bisweilen kaum regionale Unterschiede gibt. Spam ist auch in Deutschland in der Regel in englischer Sprache formuliert.

Um dennoch einen Überblick über den Anteil der jeweiligen Spam-Kategorien am Gesamtaufkommen zu erhalten, wurde in Abb. 7 eine Übersicht der Jahre 2004 bis 2009 auf Basis des Forschungsnetzwerkes von Symantec erstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7 - Prozentuale Verteilung der Spam-Kategorien der Jahre 2004 bis 200929 Es wurden folgende Spam-Kategorien zusammengefasst:

- Internetgüter und -Dienstleistungen, wie etwa Webhosting, Webdesign oder Software für Spammer (sog. Spamware)

- Pharma-Produkte und Gesundheit, wie etwa Medikamente, Kräuter oder Gesundheitshinweise
- Freizeit, z.B. Urlaubsreisen oder Glücksspiel
- Kommerzielle Produkte, z.B. Kleidung oder Makeup
- Finanzen, wie etwa Aktienspam, Kredit- oder Immobilienangebote
- Betrug, d.h. sämtliche Formen des Vorschussbetruges und Phishing
- Pornographie und Partnerbörsen

Weitere unbedeutende Anteile verfallen vor allem auf die Rubriken

- Politik und
- Religion.

Anhand der Grafik lassen sich einige Trends feststellen:

- Pornographie spielt derzeit fast keine Rolle mehr.
- Der Höhepunkt des Aktienspams wurde im Jahr 2007 überschritten.
- Es werden weit weniger Spam zu Viagra, Glücksspiel oder Phishing verschickt als vermutet. Hauptsächlich werden heute normale Artikel wie Kleidung oder Dienstleistungen wie Webdesign beworben.

2.4 Probleme durch Spam

Wo genau liegt das Problem von unverlangt zugesandten Nachrichten? Man kann sie doch einfach löschen! Aber auch wenn das Löschen nur wenige Augenblicke dauert, macht es hier die Masse an Spam-E-Mails. Nach einer Studie der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA)30 stellten im Jahr 2009 Spam-Mails 95% des gesamten MailAufkommens dar. Daraus ergeben sich etliche Probleme:

- Verlust von Arbeitszeit durch Löschen von Spam oder der Suche nach fälschlicherweise von Anti-Spam-Produkten aussortierten Nachrichten (false positives).
- Verlust von geschäftskritischen Nachrichten durch temporäre Verzögerungen oder eines Zusammenbruchs des Mail-Systems aufgrund hohem E-Mail-Aufkommens.
- Nachrichtenverlust durch fehlerhafte Spam-Filter.
- Wachsendes Spam-Volumen stellt eine dauerhafte Denial-of-Service-Gefahr für Unternehmen dar.
- Unnötige dauerhafte Blockierung von IT-Ressourcen durch ungebremstes SpamWachstum.
- Zusätzliche Kosten für Ausbau der IT-Infrastruktur, um einen Puffer für Stoßzeiten vorzuhalten.
- Rechtskosten, wenn rechtliche Schritte gegen Spammer eingeleitet werden müssen. Häufig enthalten Spam-Mails zusätzlich Malware, z.B. Viren oder Trojaner. Missbrauch der eigenen E-Mail-Infrastruktur zum Mailversand (z.B. durch Botnetze).

Die Folgen: Wirtschaftliche Schäden und steigende Kosten durch Beeinträchtigung in der E- Mail-Kommunikation. Außerdem können Image-Schäden durch den Verlust von geschäftskritischen Nachrichten entstehen.

Bei Spam handelt es sich somit nicht mehr bloß um ein Ärgernis, es ist vielmehr zu einem bedeutenden ökonomischen Problem für die Empfänger geworden und zu einem globalen Problem für die Nutzer des Internets insgesamt. Bevor aber die monetären, gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen detaillierter untersucht werden, soll zunächst aufgezeigt werden, wie der Versand von Spam überhaupt funktioniert.

3 Die Funktionsweise von Spam

In diesem Kapitel wird die Frage geklärt, wie Spam überhaupt funktioniert. Dabei wird zunächst auf technische Grundlagen des E-Mail-Transports eingegangen. Im Anschluss wird dargelegt, wie Spammer die Schwachstellen des E-Mail-Transportprotokolls ausnutzen und welche Möglichkeiten es zur Eingrenzung von Spam gibt.

3.1 Technische Grundlagen

Um die Funktionsweise von Spam zu verstehen, wird in diesem Abschnitt kurz auf die technischen Grundlagen eingegangen.

3.1.1 Das SMTP-Protokoll

Zum Versenden von E-Mail-Nachrichten im Internet wird das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) verwendet. Es ist ein Protokoll der Familie der Internetprotokolle, das traditionell Verbindungen über Port 25 vornimmt. Erstmalig wurden die SMTP-Spezifikationen im August 1982 unter RFC31 82132 veröffentlicht.

Der Empfang von E-Mails wird zumeist über die Protokolle POP oder IMAP erledigt.

Das Protokoll soll im Folgenden anhand einer Beispielverbindung beschrieben werden.

Da SMTP ein textbasiertes Protokoll ist, ist es unter gängigen Betriebssystemen möglich, E- Mails mittels des Kommandozeilen-Programms telnet abzuschicken.

[...]


1 Vgl. Bishop, 2007

2 Vgl. OECD, 2004

3 Vgl. ICF International, 2009, S. 3

4 Vgl. Hormel Foods Corporation, o. J.

5 Vgl. o.V., The Chambers Dictionary, 1993, S. 1652

6 Vgl. Patten, 2000

7 Vgl. http://www.youtube.com/watch?v=anwy2MPT5RE

8 Vgl. The Economist, 2007

9 Für den Wortlaut der original Nachricht vgl. Templeton, o.J.

10 Vgl. CBC News, 2008

11 Vgl. Aguilar, 1998

12 Verbreitete Meinungen werden hier dargestellt: Mueller, o.J.; Alvergnat, 1999, S. 1; Gauthronet & Etienne Drouard, 2001, S. 14

13 Vgl. Bueti, 2005, S. 10ff

14 Vgl. ebd., S. 58

15 Vgl. OECD, 2004, S. 6

16 Die WGIB war eine internationale Expertengruppe zur Erläuterung der Sachfragen des Themas Internet Governance. Sie wurde durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan ins Leben gerufen.

17 Vgl. Working Group on Internet Governance, o.J., S. 1

18 Vgl. OECD, 2004, S. 8

19 Vgl. Bueti, 2005, S. 3

20 Gem. § 20 iVm. § 7 UWG, vgl. Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, 2004

21 Vgl. Tawab, 2010

22 Vgl. Ungerer, 2009

23 Vgl. Böhme & Holz, 2006

24 Vgl. GData, 2010

25 Vgl. Norton, 2009

26 Vgl. Reder, 2009

27 Vgl. McAfee Labs, 2010, S. 7

28 Vgl. Tecchannel, 2010

29 Auf Basis der Analysen von Symantec, 2010

30 Vgl. Manzano, 2009, S. 29

31 Request for Comments

32 Vgl. Postel, 1982

Details

Seiten
52
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640904204
ISBN (Buch)
9783640904310
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171234
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,7
Schlagworte
e-mail-spam auswirkungen unternehmen umwelt gesellschaft

Autor

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Titel: E-Mail-Spam und seine Auswirkungen auf Unternehmen, Umwelt und Gesellschaft