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Das Feuilleton Alfred Polgars unter besonderer Berücksichtigung des Mediendiskurses

Magisterarbeit 2004 60 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Stand der Forschung zum Autor
1.2 Problem des Begriffs Feuilleton
1.2.1 Versuch einer Definition
1.2.2. Stand der Forschung zum Feuilleton
1.3 Medientheoretische Vorüberlegungen

2. Medien und Beschleunigung
2.1 Sechstagerennen

3. „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken“ ! Einzelmedien in Polgars Feuilletons
3.1 Die Schreibmaschine
3.2 Plakate / In der Telephonzelle
3.3 Aus Aufzeichnungen eines Radiohörers
3.4 Film / Das Drama im Kinematographen

4. Vom Sinn zu den Sinnen: Körper und Medien
4.1 Der Sandwichmann
4.2 Girls
4.3 Einsamkeit
4.4 Der Mensch
4.5 Der verhungerte Dichter
4.6 Die Uniform

5. „The medium is the message“ - Feuilletons über das „Medium“ Feuilleton
5.1 Theorie des Caf é Central
5.2 Die kleine Form / Ich kann keine Romane lesen
5.3 Georges de la Fouchardi è re
5.4 Wie sich die Schriftsteller helfen könnten

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1 Primärliteratur
7.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

1.1 Stand der Forschung zum Autor

„Er zielte auf den Tag und traf die Epoche“1, seine Feuilletons bezeichnete er selbst als „Seifenblasen mit Projektilwirkung“2. In der folgenden Arbeit werde ich mich mit Alfred Polgars Kurzprosa beschäftigen. Hier besteht meiner Meinung nach Forschungsbedarf, denn obschon sein Name im Zusammenhang mit dem Feuilleton immer wieder hervorgehoben wird3, wurden nicht viele Arbeiten zu seinen Feuilletons veröffentlicht. Zwar existieren einige Arbeiten zu Polgars Theater-, Film- und Opernkritiken sowie Buchrezensionen, die Arbeiten zur Kurzprosa Polgars jedoch sind zumeist eher oberflächlich oder hauptsächlich biographisch.4 Oft steht auch nur seine Beziehung zu anderen Literaten im Vordergrund, beispielsweise Peter Altenberg oder Karl Kraus.5 Das Problem der wenigen umfangreicheren Arbeiten zu seiner Kurzprosa besteht zum Teil in der Qualität6, oder darin, dass sie sich nur auf die Person Polgars konzentrieren, den Begriff des Feuilletons aber völlig ausklammern und zum Teil methodisch und strukturell etwas undurchschaubar wirken.7 Das mag jedoch an der Forschungssituation selbst liegen, zunächst war es wohl notwendig, einiges statistisches Material überblicksweise zusammenzustellen.8

Viele kürzere Texte zu Polgars Werk in Gesamtdarstellungen, Sammelbänden o. Ä. können nur unter Vorbehalten Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben.9 Es handelt sich hierbei eher um Äußerungen von Zeitgenossen und die mehr feuilletonistischen Rückblicke auf die Literatur in der Zeit zwischen den Weltkriegen.

1.2 Problem des Begriffs Feuilleton

Der Begriff Feuilleton, den ich hier verwende, um Polgars Kurzprosa zu benennen, ist vielfältig und seine Definition umstritten. Deshalb möchte ich zunächst versuchen, den Begriff, wie ich ihn in dieser Arbeit verwenden werde, zu definieren und dabei auch kurz auf den Stand der Forschung zu dem Thema eingehen.

„Es stößt auf erhebliche Schwierigkeiten, [!] will man bei der Vielfalt der Erzählungen Polgars einen einzigen Begriff benutzen, unter den die mannigfachen Erscheinungen zu fassen wären. Von der Sekundärliteratur sowie von Polgar selbst werden zahlreiche Begriffe angeboten, darunter Novelle, Erzählung, Kurzgeschichte, Essay, Notizen, Glossen, short story, Geschichten u. a. Vom Systematischen her gesehen liegen die verwendeten Begriffe jedoch nicht auf einer Ebene. Hinzu kommt, daß sich die meisten der Begriffe einer klaren Definition entziehen. [...] Mit geringen Einschränkungen läßt sich sagen, daß Polgars erzählende Schriften dem Feuilletonismus zugerechnet werden können, so daß durch den Begriff Feuilleton ein großer Teil der Arbeiten Polgars charakterisiert wird.“10

1.2.1 Versuch einer Definition

Wenn hier der Versuch unternommen wird, sich dem Begriff des Feuilletons zu nähern und die Frage nach seiner generischen Verortung als Textsorte gestellt wird, sei an dieser Stelle vorausgeschickt, dass sowohl der Versuch, der Textsorte endgültig definitorisch beizukommen, als auch grundlegende Problemstellungen der literaturwissenschaftlichen Gattungstheorie aufzulösen, den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Sichtet man Lexika und Artikel zum Begriff Feuilleton, lässt sich zunächst einmal feststellen, dass der Begriff das Ressort einer Tages- oder Wochenzeitung bezeichnet, dessen Ursprünge auf das Journal des D é bats zurückgehen, ein Annoncen-Beiblatt, dem der Raum unter einem horizontalen Querstrich in der Zeitung folgte, in dem Annoncen, Mitteilungen, Rätsel oder politische und literarische Kommentare abgedruckt wurden, hauptsächlich Pariser Theaterberichterstattung.11

Die zweite Bedeutung des Begriffs „Feuilleton“ ist die einer subjektiv gehaltenen Textgattung, der so genannten „kleinen Form“12. Weiterhin wird der Begriff auch verwendet, um eine ’journalistische Haltung‘ zu bezeichnen und den daraus abgeleiteten Feuilletonismus, den eine subjektiv persönliche Form der Darstellung kennzeichnet.13 Im Folgenden werde ich mich auf die zweite Bedeutung, die des Feuilletons als Prosa-Genre, beziehen.14

„In ihm [dem Feuilleton; P.W.] verfeinern sich während des 19. Jahrhunderts ältere, bis ins 17. Jahrhundert zurückreichende Formtraditionen zu einer eigenen im deutschsprachigen Raum vor allem in Wien, später auch in den Berliner, Frankfurter und Prager Zeitungen gepflegten Gattung, die sich im Idealfall durch Leichtigkeit, elegante Beiläufigkeit, Impressionismus und Sprachraffinement auszeichnet. Die zwanziger Jahre führen das Feuilleton zu einem Höhepunkt seiner Bedeutung. Immer umfangreichere Vermittlungs aufgaben [Hervorhebung P. W.] des Feuilletons im Kulturmarkt ziehen weitere Ausgliederungen von einzelnen Gebieten in eigene Sparten und Beilagen nach sich [...] Vor allem in den großen liberalen Blättern der Weimarer Republik [...] und in den Wiener und Prager Tageszeitungen entfaltet sich der gesellschaftliche und kulturräsonnierende Diskurs.“15

Hiermit hat Todorow das Feuilleton schon treffend charakterisiert. Es fällt auf, dass sie dies nicht nur über formale Gattungsmerkmale, sondern auch über die „Aufgabe“ und die diskursive Funktion des Feuilletons vornimmt, die es im Gegensatz zu anderen literarischen Gattungen zu konstituieren scheinen.

Kai Kauffmann beklagt in „Zur derzeitigen Situation der Feuilletonforschung“ in dem Band Die lange Geschichte der kleinen Form, dass der Begriff des Feuilletons problematisch sei:16 „Häufig ist bereits die Abgrenzung der Zeitungsteile und Textsorten extrem schwer, wenn nicht unmöglich.“ Wie Todorow betont auch Kauffmann den diskursiven Charakter des Feuilletons: „Das Feuilleton selbst muß als ein Ort der Vermittlung untersucht werden, an dem sich Literatur, Publizistik, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik wechselseitig durchdringen“.17 Oder: „Für das Genre des Feuilletons ist konstitutiv, daß sich die Texte auf viele Kontexte beziehen, die zusammen den aktuellen Diskurs der Öffentlichkeit bilden.“18

Wilmont Haacke, ein Vertreter der älteren Zeitungswissenschaft, definiert Feuilleton folgendermaßen:

„Ein Feuilleton ist ein Stück sauberer, gehobener und ansprechender Prosa, in welchem ein dichterisches Erlebnis mit literarischen Mitteln bei Innehaltung journalistischer Kürze unter Hinzufügung einer philosophischen Unterbauung oder Auslegung zu moralischer Perspektive, gehalten in einer betont persönlichen Schilderung, welche jedoch Nachempfindbarkeit für die Allgemeinheit nicht schwächt, sondern hebt, so dargestellt wird, daß sich Alltäglichstes mit Ewigem darin harmonisch und erfreuend verbinden.“19

Meunier und Jessen hingegen betonen den Charakter des „Plaudertons“ und die „Inhaltslosigkeit“ der Gattung:

„Das Feuilleton als Kunststil ist die Form, die sich, im Gegensatz zu der logischen Aneinanderreihung von Sätzen, wie sie in der typischen Gelehrtenprosa üblich ist - dem Plauderton annähert und Wesentliches und Unwesentliches geistreich vermengt.“20

Kennzeichen der „feuilletonistischen Darstellungsweise“ sind laut Knobloch „die besonders bildhafte Sprache“, „der leichte, plaudernde Ton“, „ungewöhnliche Wortbildungen“, überraschende Wendungen“, „anschauliche Vergleiche“ und „humoristische oder satirische Elemente“.21

Diese Diskrepanz zwischen „gehobener und ansprechender Prosa“ und Inhaltslosigkeit sowie das daraus r]esultierende ambivalente Selbstbild der Feuilletonisten werden im Verlauf dieser Arbeit noch aufgegriffen.

1.2.2 Stand der Forschung zum Feuilleton

An der Forschungsliteratur ist zu kritisieren, dass sie vielfach überaltet, zudem häufig antisemitisch gefärbt ist22, und nach dem zweiten Weltkrieg - ähnlich dem Feuilleton selbst - nicht wieder in der vorherigen Intensität aufgenommen wurde, bzw. erst sehr verspätet.23

Besonders die Literaturwissenschaft vernachlässigt bis heute den Bereich Feuilleton, hier vor allem „die tatsächlichen und häufig sehr engen Beziehungen zwischen Literaturproduzenten und Presse“.24

Jedoch lassen sich schon Fortschritte verzeichnen: Hildegard Kernmayer hat beispielsweise mit ihrer Arbeit Judentum im Wiener Feuilleton und ihrem kulturwissenschaftlich bzw. diskursanalytisch gefärbten Verfahren einiges zur Erhellung der Zusammenhänge zwischen den Diskursen ’Judentum’, ’Moderne’ und ’Feuilleton‘ beigetragen.25 Ebenfalls zu erwähnen ist Nöllkes Daniel Spitzers Wiener Spazierg ä nge.26 Er verwendet ebenfalls ein diskursanalytisches Verfahren, um Spitzers Feuilletons literaturwissenschaftlich zu untersuchen. Peter Utz widmet einen größeren Abschnitt Robert Walsers Feuilletons in seinem Band Tanz auf den R ä ndern. 27 Todorow untersucht das Feuilleton der Frankfurter Zeitung zur Zeit der Weimarer Republik.28 Auch mit der Gattung des Feuilletons und dem Stand der Feuilletonforschung beschäftigt sie sich in einem größeren Teil der Arbeit, ebenso wie Jäger, Kauffmann und Schütz in Die lange Geschichte der kleinen Form. 29 So beginnt sich die Forschungslücke, die Kernmayer und Jäger (1988) noch beklagen, doch langsam zu schließen.

1.3 Medientheoretische Vorüberlegungen

Warum nun sollten Alfred Polgars Feuilletons ausgerechnet auf medientheoretische Aspekte hin untersucht werden? Darauf gibt es zunächst einmal eine ganz banale Antwort: Weil viele seiner Feuilletons Medien zum Thema haben (z. B. „Film“, „Aus Aufzeichnungen eines Radiohörers“, „Das Drama im Kinematographen“, „Die Schreibmaschine“ etc.). Selbst die Texte, die nicht explizit Medientheoretisches verhandeln, weisen oft noch Spuren eines „Mediendiskurses“ auf. Das Reflektieren über Medien zu einer Zeit, in der der Begriff selbst noch gar nicht gebräuchlich war, ist typisch für die Gattung des Feuilletons. Medientheoretische Fragen tauchen schon bei Georg Simmel, Walter Benjamin, Siegfried Kracauer und später Bertolt Brecht auf.30 Polgar hat zwar nicht explizit eine Medien-„Theorie“ entwickelt, nichtsdestotrotz lassen sich seine Feuilletons unter diesem Aspekt noch einmal neu lesen und sich in seinen Texten Spuren eines Mediendiskurses finden.

Medium [lat.] bedeutet zunächst einmal „Mittel, Vermittelndes“.31 Verschiedene Probleme ergeben sich, will man den Begriff „Medien“ bzw. „Medium“ definieren:

„Ein enger Begriff von Medien, wie etwa die Konzentration auf Kanäle der Kommunikation schlösse zwangsläufig viele Ansätze, die wenigstens in Teilbereichen als medienwissenschaftliche Konzepte anerkannt sind, aus und umgekehrt machte ein weiter Medienbegriff wie der McLuhans, würde er ernstlich verfolgt, kaum Sinn, da dann Medienwissenschaften sich zu einer Universaldisziplin emporschwängen, die kaum mehr mit einiger Aussicht auf Erfolg zu betreiben wäre. Es kann also nur bedingt mit Vorgaben wie denen einer Definition des Begriffs operiert werden, sondern es muss vielmehr von einem medienwissenschaftlichen Diskurs ausgegangen werden, der sich sukzessive in den Medienwissenschaften herausgebildet hat.“ [Hervorhebung P.W.]32

Auch Schanze bemerkt in seinem Lexikon Medientheorie / Medienwissenschaft: „Im Rahmen der Begriffsentwicklung sind unterschiedliche M.begriffe zu bestimmen, die das Begriffsfeld unscharf erscheinen lassen.“33

Ich werde mich in meiner Arbeit hauptsächlich auf Friedrich Kittler beziehen und auf Jochen Hörisch, der mit Der Sinn und die Sinne eine Art Mediengeschichte erarbeitet hat. Wer sich mit Medientheorie beschäftigt, kommt auch nicht umhin, sich mit McLuhan zu befassen, da sein Werk The Gutenberg Galaxy: The Making of Typographic Man neben Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit als einer der „Gründungstexte“ zum Thema angesehen wird.

Es muss einschränkend gesagt werden, dass alle genannten theoretischen ‚Grundsätze‘ des Kittlerschen Unternehmens als Annäherungen verstanden werden müssen, da in seinen Schriften die Theorie im praktischen Umgang mit dem Material aufgeht und programmatische Aussagen rar sind. „Medium“ wird hier einmal generell als Vermittler von Kommunikation (Speicherung und Übertragung von Information) gesehen. Technik wird aber auch generell als Medium angesehen und ins Verhältnis gesetzt zum menschlichen Körper.

Die Kapitel dieser Arbeit sollen in folgender Weise aufeinander aufbauen:

Warum gerade in den Jahren von ca. 1900-1930 der Mediendiskurs und eine veränderte Körperdarstellung in die Feuilletons Eingang findet, könnte man mit Kittler erklären, der verschiedene „Aufschreibesysteme“ entdeckt zu haben glaubt.34 Demnach würde sich gerade ein neues „Aufschreibesystem“, nämlich das von 1900, herausgebildet haben. Kapitel zwei führt somit in das Thema ein und eine Beschleunigung des Alltags, ausgelöst durch neue Medien, soll nachvollzogen und eine Veränderung der Wahrnehmung hier schon angedeutet werden.

Nach dieser kurzen Einführung sollen im dritten Kapitel einige Feuilletons Polgars vorgestellt werden, in denen einzelne Medien explizit Thema sind, wie beispielsweise die Schreibmaschine, das Radio oder der Film. Hiermit möchte ich zeigen, wie technische Neuerungen und Medien Eingang in die Literatur finden und untersuchen, wie Polgar hiermit verfährt.

Ähnlich Kittler glaubt auch McLuhan, dass genau zu dieser Zeit mit den „neuen“ Medien (Photographie, Phonographie, Film etc.) das „Ende des Buch-Zeitalters“ bzw. der „Gutenberg-Galaxis“ erreicht sei.35 Diese relativ plakative These hat einen komplexeren Hintergrund, als man zunächst vermuten mag. Die Tatsache, dass nicht mehr „nur“ gelesen wird, oder das gedruckte Wort das ‚Leitmedium‘ ist, führt dazu, dass die Sinne wieder mehr in den Blick rücken. Auch Hörisch erläutert dieses Phänomen in Der Sinn und die Sinne. 36 Wie Medien die Wahrnehmung verändern, wird also in diesem Kapitel weiter ausgeführt.

Es lässt sich schließlich fragen, ob ein Zusammenhang besteht zwischen Mediendiskurs und der Rückkehr der Körperlichkeit.37 Dies könnte als Folge der neuen Wahrnehmung, wie im dritten Kapitel bereits angedeutet wird, gesehen werden. Sogar der Standpunkt, dass der Körper selbst als Medium gesehen werden kann wird z. B. von Wenzel vertreten.38 McLuhans Definition, nach der Medien „Ausweitungen“ des Körpers sind, demnach fast alles ein Medium sein kann, kommt dem sehr nahe. Dies ist jedoch eine sehr radikale Sichtweise, die dazu führen kann, dass die Untersuchung von Medien uferlos wird, deshalb möchte ich mit dieser Aussage lieber vorsichtig sein. Oft wurde diese Uferlosigkeit oder mangelnde Wissenschaftlichkeit als ein Schwachpunkt von McLuhans Ansatz gesehen, doch darf man nicht vergessen, dass er für die Medientheorie „Pionierarbeit“ geleistet hat, neue Denkanstöße gab und damit anderen den Weg bereitet hat, und unter diesem Blickwinkel sollte man seine Arbeit betrachten. Bei aller Vorsicht und Zurückhaltung lässt sich aber ein Zusammenhang von Medien und der Darstellungsweise des Körpers nicht leugnen und diesen möchte ich versuchen, aus Polgars Feuilletons herauszulesen. Aus dem Erklärungsversuch aus Kapitel drei resultiert schließlich der Zusammenhang zwischen Medien und Körper, dem ich mich in Kapitel vier zuwenden werde, wobei ich mich immer noch hauptsächlich auf Kittler und Hörisch beziehe.

Die veränderte Wahrnehmung, die Ausdruck im Bild der Beschleunigung findet, hat auch Auswirkungen auf die Sprache, die Literatur und die Form der Literatur. So sollte sich der Kreis, zwischen Kapitel zwei und fünf hier schließen. Ich werde in meiner Arbeit versuchen, Polgars Texte unter einem mehr medientheoretischen Aspekt neu zu lesen. Denn auf Polgar bezogen hat niemand bis jetzt die neueren Tendenzen in der literaturwissenschaftlichen Diskussion über Medien gewürdigt, eher bezog man sich auf Zeitgenossen wie Kracauer und Benjamin.

2. Medien und Beschleunigung

„Im Laufe des 19. Jahrhunderts werden Optik, Akustik und Taktilität dann generell auf das Leistungsniveau technischer Armaturen der Sinne gebracht: Dem elektrischen Telegraphen und der Photographie, dem Telephon, dem Phonographen und dem Film ist gemeinsam, daß sie Informationen als Datenströme unterschiedlichster Materialität (elektro-magnetische Schwingungen, Lichtstrahlen, Schallwellen etc.) verarbeiten, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen. An die Stelle des Bewußtseins treten physiologisch meßbare Nervenreize, die unter dem Schock völlig neuer Erlebnisse von Perzeption und Lokomotion [...] den Zusammenbruch der traditionellen Realitätsvorstellung verzeichnen. Die gewohnten Dimensionen und Distanzen schrumpfen und machen einem Schwindel Platz, der zum neuen Lebensgefühl im Zeitalter medientechnischer Beschleunigung wird.“39

Den Anstoß zu medienanalytischen Fragestellungen gaben in den 1920er und 1930er Jahren kulturelle Phänomene, die durch die Verbreitung von Film und Hörfunk bedingt waren. Auch Fragen über Medien und sozialen Wandel tauchten auf. Die Erfahrung des technisch organisierten Massensterbens im ersten Weltkrieg, fortschreitende Elektrifizierung der Welt, Folgen der technischen Entwicklung und die Rationalisierung sind Gründe hierfür.40 Der Diskurs der Großstadt und Metropole kam deshalb auf; Tempo war eines der Schlagworte der Zeit. Ansätze für eine Geschichte der Medialisierung der Wahrnehmung finden sich bereits bei Benjamin: Er sieht den Film als DAS Medium der Moderne an und darin die beschleunigten Alltagserfahrungen des 20. Jahrhunderts gespiegelt (Urbanisierung, Industrialisierung und Motorisierung).41 Auch Polgar bringt das Medium Film mit dem „Tempo“ in Verbindung: „Welche Disziplin in jeder Aufführung, welch rascher Szenenwechsel, welches gesunde, herrliche Tempo!“42 Polgars Beitrag zum Film werde ich im dritten Kapitel zu einzelnen Medien genauer untersuchen.

Kittler versucht das Phänomen der Beschleunigung mit seiner Theorie der „Aufschreibesysteme“ zu erklären. Das Wort „Aufschreibesystem“ steht für die diskursiven Vernetzungen, mit denen die technologischen, gesellschaftlichen und psychologischen Aspekte der medialen Konstellationen einer Epoche organisiert werden. Kittler geht es um „Macht- und Wissensformen“ - hierbei bezieht er sich auf Foucault, weshalb sein Projekt auch als „Medienarchäologie“ bezeichnet wird.43 Man sollte sich jedoch laut Kittler nicht nur auf die Analyse von Diskursen beschränken, sondern auch technische Medien miteinbeziehen. Mediale Techniken sind mit Institutionen wie Familie, Universität oder Wissenschaft zu einem System verknüpft.

Ist das Aufschreibesystem einer Epoche aufgedeckt, dann sind die Bedingungen ihres Denkens aufgedeckt. Sie gelten zugleich auch als Bedingungen der Macht, denn Produktion von Wissen heißt immer auch Negation oder Ausschluss eines anderen Wissens. In seinem Buch Grammophon, Film, Typewriter beschäftigt er sich weiter mit dem Thema, m. E. handelt es sich hierbei um eine Vertiefung der Arbeit zum Aufschreibesystem 190044, in der er sich ausführlicher mit den neuen technischen Medien dieser Zeit befasst. In Aufschreibesysteme untersucht Kittler die technische Basis der alten und jüngeren Medien und die Veränderung von Denk- und Verhaltensweisen durch die Massenmedien, z. B. den Einfluss der elektronischen Bilder auf die menschliche Wahrnehmung und das Verhältnis zwischen der Wirklichkeit und ihrer Erscheinung in den Medien.

Um das Aufschreibesystem von 1900 bzw. seine Implikationen (um die es hier eigentlich geht) zu verstehen, ist es zunächst notwendig, das vorhergehende Aufschreibesystem von 1800 und den Übergang zu dem von 1900 kurz anzureißen.

Es handelt sich dabei jeweils um kulturelle Umbruchsituationen, bzw. Anfangsstadien der Epochen „1800“ (ca. 1800 bis 1900) und „1900“ (ca. 1900 bis heute - bzw. 1985, dem Erscheinungsjahr von Aufschreibesysteme, „heute“ würde Kittler sicher schon wieder ein neues Aufschreibesystem definieren, das „Aufschreibesystem 2000“ im Zeitalter von Computer und Internet).

„1800“ beginnt nach Kittler mit der allgemeinen Alphabetisierung, die aus der Verbreitung der so genannten ‚Lautiermethode‘ von Stephani resultiert, die Mütter in die Lage versetzte, ihren Kindern innerhalb kurzer Zeit selbst das Lesen beizubringen. Kittler schreibt dazu:

„Das Aufschreibesystem von 1800 arbeitet ohne Photographen, Grammophone und Kinematographen. Zur seriellen Speicherung / Reproduktion serieller Daten hat es nur Bücher, reproduzierbar schon seit Gutenberg, aber verstehbar und phantasierbar gemacht erst durch die [...] Alphabetisierung.“45

Über solch anonyme Aufschreibesysteme, so Kittlers These, entsteht die kulturelle Moderne vor allem in zwei spezifischen Schüben an der Wende ins 19. sowie ins 20. Jahrhundert. Zuerst war es die allgemeine Alphabetisierung, die Ende des 18. Jahrhunderts mittels Lesefibeln die Familie ins Bildungssystem einbezogen hat. Zusammen mit dem diskursiven System von Universität und Literatur verhilft dieses Aufschreibesystem 1800 dann der deutschen Dichtung (der „nationalisierten Muttersprache“) dazu, allgemeine Sinngebungsinstanz bzw. Kulturträger zu werden.

In einem nächsten Schritt kommen um 1900 die neuen Formen der Datenspeicherung bzw. der ‚technischen Aufzeichenbarkeit von Sinnesdaten‘ zum Zug, was anhand der prototypischen Medien der neuen Massenkommunikation wie dem Grammophon, der Schreibmaschine und dem Film illustriert wird.46 McLuhan bezeichnet das Phänomen der Beschleunigung bzw. die Phase dieser Medienneuerungen bzw. das Auftauchen des „Aufschreibesystems 1900“, wie Kittler es nennen würde, als Ende der „Gutenberg-Galaxis“.

Im Aufschreibesystem 1800 lässt die allgemeine Alphabetisierung unser sinnenhaftes „Hören und Sehen“ in den Hintergrund treten. Lesen „exzentriert“. Beim Lesen spielt sich alles in unserem Geiste ab - beim Anschauen eines Films hingegen entfällt das ‚Dechiffrieren‘, der Transfer von Symbolen in Sinn. Die Vorstellungsleistung wie beim Lesen wird auf ein Minimum reduziert.47 Daraus folgend heißt vom Lesen auf phono- und photographische Medien, also audiovisuelle Medien umschalten, vom „Sinn auf die Sinne umschalten“, von Metaphysik auf Physis. Dieses Phänomen führt nach McLuhan (Hörisch übernimmt diese Annahme) zu einer „neuen Oralität“. Es ist der Anfang neuer Sinnlichkeiten und einer neuen Wahrnehmung.48

Der Diskurs der Beschleunigung schlägt sich nicht nur in Texten über das Sechstagerennen ! das Thema von Feuilletons verschiedenster Autoren war ! nieder, sondern ! gerade bei der Gattung des Feuilletons als sehr selbstreflexive Literaturform ! auch in Texten über das Schreiben selbst (Die kleine Form; Ich kann keine Romane lesen) oder über Kreise, in denen Feuilletonisten verkehrten (Theorie des Caf é Central). Auf die Auswirkungen auf Literatur und das Feuilleton werde ich in Kapitel fünf noch einmal zurückkommen.

2.1 Sechstagerennen (1929)

Das Sechstagerennen hat im Berlin der zwanziger Jahre viele Feuilletons motiviert. Die Feuilletonsammlung Gl ä nzender Asphalt verzeichnet allein vier Feuilletons verschiedener Autoren zu dem Thema.49 Auch Egon Erwin Kisch hat sich durch dieses Ereignis zu einem Feuilleton inspirieren lassen.50 In den Blick genommen wird in den Texten allerdings nicht nur das Rennen selbst, sondern auch das Publikum, beispielsweise die Oberflächlichkeit der „Creme“, die „helles Bier“ trinkt, wie in dem Feuilleton Sechs Tage von Victor Auburtin.51 Es werden zwei Witwen beschrieben, die im Publikum sitzen und schwarze Schleier tragen, was darauf schließen lässt, dass „sie die Gatten erst kürzlich verloren haben“, was Auburtin lakonisch kommentiert: „aber das Leben geht eben weiter“.52 In fast allen Feuilletons über das Sechstagerennen taucht immer wieder das Motiv von der gesichtslosen Masse auf:

„Hier gibt es keinen Beamten Schulze, keinen Rentier Mayer, kein Fräulein Krause mehr - nur ein vieltausendköpfiges, vieltausendarmiges Ungeheuer, das mit tausend Augen auf die Bahn starrt, als leckte es Blut - die Masse.“53

Dieses Motiv verwendet auch Hermann Sinsheimer:

„Hineingestreut in den anonymen Haufen, wie Rosinen in einen Kuchen, sitzen die Prominenten, die jeder kennt. [...] Sie vertreten, hart gesagt, die Menschenähnlichkeit. Man klammert sich an sie, es ist ein Klammern an die individuelle Existenz.“54

Ebenso wie die Girl-Revuen (vgl. Kapitel 4.2) soll das Sechstagerennen „die Masse“ von Problemen der Wirtschaft, der Gesellschaft ablenken: „Gladiatorenschlachten, Stiergefechte, Boxkämpfe - es bleibt immer dasselbe“. Die Fahrer des Sechstagerennens werden genauso „ausgesaugt“ wie der Sandwichmann (vgl. Kapitel 4.1): „Sklaven des Tempos, Märtyrer des Rekords.“ Das Sechstagerennen fungiert im Feuilleton als Ausdruck für die Diskurse „Tempo“, „Großstadt“55 oder „Moderne“.

Victor Auburtin beklagt, dass die Sportzeitungen „in Deutschland mehr gelesen werden als die Balladen Schillers.“56 Damit verweist er indirekt auf das „Ende der Gutenberg-Galaxis“, wie es aber in den 60er Jahren erst von McLuhan ausgeführt werden wird.57 Auch Polgar nimmt hierauf Bezug, indem er ironisch mit dem Klischee der marginalen Bedeutung und Flüchtigkeit des Feuilletons spielt. Die drei Stunden Pause, die ein Fahrer des Sechstagerennens am Tag habe, nutze er selbstverständlich auch „für die Lektüre der wichtigsten Theaterkritiken und für derlei Kultur-Notwendigkeiten mehr“.58 Natürlich ist dies ironisch gemeint, zu seiner eigenen Arbeit und zum Feuilleton schreibt Polgar an anderer Stelle:

„Nein, ich glaube nicht, daß meine Arbeit notwendig ist; dennoch muß ich sie tun. Sie ist meine Reflexbewegung des Widerstandes gegen das Bedrängende, Lächerliche, Unentwirrbar-Dunkle innerer und äußerer Welt, sie ist der natürliche Ausdruck meiner Freude am Geschenk des Daseins und meines Zweifels am Wert dieses Geschenks, sie ist ein so wesentlicher Teil von mir, daß ich mich selbst verneinen müßte, wollte ich sie verneinen.“59

In einer Zeit des Tempos, des Sechstagerennens bleibt dem Fahrer nicht viel Zeit, und damit steht er als Symbol für alle Menschen zu der Zeit, in der das Lesen von Feuilletons als obsolet empfunden wird. Das Ende des Gutenberg-Zeitalters zieht herauf und damit auch das Ende des Feuilletons - in ironischer Brechung macht Polgar auf diese Tatsache aufmerksam, zumindest könnte man es so lesen. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum das Feuilleton nach 1945 nicht mehr seinen vorherigen Stellenwert erreichen konnte.60 Das Medium Zeitung konnte seine Monopolstellung61, die ein Grund für die Bedeutung des Feuilletons in den zwanziger Jahren war, nicht länger behaupten, andere - neue - Medien hatten sich längst etabliert.

Kisch verwendet in seinem Feuilleton zum Sechstagerennen einen komplett anderen Schreibstil als Polgar, man kann förmlich das Tempo spüren - liegt das vielleicht daran, dass er auf einer Schreibmaschine schrieb, was dann zu einem seiner Markenzeichen wurde? Kittler zitiert 1985 Friedrich Nietzsche mit dem Diktum, dass das Werkzeug, seine primitive Schreibmaschine, an unseren Gedanken mitarbeite.62 McLuhan drückte es ähnlich mit seinem Satz: „Das Medium ist die Botschaft“ aus.63 Was so viel bedeuten soll wie: Man schreibt nicht nur anders sondern auch anderes.,

[...]


1 Ruth Greuner: Gegenspieler. Profile linksb ü rgerlicher Publizisten aus Kaiserreich und Weimarer Republik. Berlin 1969, S. 128

2 Alfred Polgar: Kleine Schriften. (Hrsg. Marcel Reich-Ranicki in Zusammenarbeit m. Ulrich Weinzierl) 4 Bde. Reinbek bei Hamburg 1982-84, Bd. IV, S. 285. Im Folgenden werden Texte aus diesem Werk zitiert als: Polgar Bd. I-IV, S.

3 Nicht nur Peter Utz stellt Polgar in eine Reihe mit Auburtin, Kerr, Kisch, Kracauer, Roth und Tucholsky. Peter Utz: Tanz auf den R ä ndern. Frankfurt a. M. 1998, S. 307 In fast jeder umfangreicheren Arbeit zum Feuilleton oder Feuilletonsammlung wird Polgar erwähnt.

4 Dies ist zum Beispiel der Fall bei Ulrich Weinzierl: Er war Zeuge. Alfred Polgar - Ein Leben zwischen Publizistik und Literatur. Wien 1978. Das Problem bei Weinzierl ist die ständige Vermischung von Werk und Leben Polgars. Die merkwürdige Begründung Weinzierls hierfür lautet: „Wir besitzen von ihm kein repräsentatives Einzelwerk, das für sich genommen den Anspruch erheben könnte, losgelöst von der Person des Schreibers betrachtet zu werden.“ S. 44

5 Beispielsweise Nienhaus verfährt so. Stefan Nienhaus: Das Prosagedicht im Wien der Jahrhundertwende. Altenberg - Hofmannsthal - Polgar. Berlin, New York 1986

6 Der Qualität von Philippoffs Arbeit mögen folgende Zitate Ausdruck verleihen: „Polgar wußte und wollte sich Moralist“ (S. 1), oder: „... haben zu Polgars Berufung als Glossar (!) seiner Zeit ...“ (S .1), zudem gibt es keine Einleitung, in der das Konzept oder die Struktur der Arbeit dargelegt würden. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass die Autorin den Begriff ’Feuilleton‘ einfach verwendet, ohne die Problematik desselben darzulegen oder ihn irgendwo definiert zu haben. Sie verwendet den Begriff, als sei er völlig abgrenzbar und klar unterscheidbar von den Begriffen „Glosse“, „Skizze“, „Streiflicht“ etc. In: Eva Philippoff: Alfred Polgar. Ein moralischer Chronist seiner Zeit. München 1980

7 Hier wäre die Dissertation Bohns zu nennen: Volker Bohn: Kritische Erz ä hlungen. Zur Prosa Alfred Polgars. Frankfurt a. M. 1978

8 Dies leisten beispielsweise die Dissertation von Rainer Schwedler und Ulrich Weinzierl: Rainer Schwedler: Das Werk Alfred Polgars. Die Spiegelung der politischen und sozialen Realit ä t in der Kurzprosa des Wiener Feuilletonisten. Hamburg 1973 und Weinzierl 1978

9 Zum Beispiel das Nachwort „Alfred Polgar - Meister der kleinen Form.“ von Lestiboudois in: Herbert Lestiboudois: Literarische Miniaturen. Bilder, Köpfe und Glossen. Hamburg 1951

10 Schwedler 1973, S. 55

11 Ich werde hier aus Platzgründen auf eine ausführlichere Darstellung der Geschichte des Feuilletons verzichten, zumal dies schon beispielsweise Almut Todorow ausgezeichnet geleistet hat. Almut Todorow: Das Feuilleton der „ Frankfurter Zeitung “ in der Weimarer Republik. Zur Grundlegung einer rhetorischen Medienforschung. Tübingen 1996 (im Folgenden zitiert als: „Todorow 1996a“), S. 9-45 und dies.: „Feuilleton“ In: Gerd Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Tübingen 1992, S. 259-265.

12 Alfred Polgar prägte diesen Begriff in: „Die kleine Form“, einem Text, der in Kapitel 5 noch untersucht werden wird.

13 Diese drei Bedeutungen des Begriffs erwähnt Todorow in Anlehnung an Dovifat und Wilke: Todorow 1992, S. 259. Auch Wilmont Haacke benutzt eine verwirrende Fülle von Feuilletondefinitionen in seinem Handbuch des Feuilletons. 3 Bde., Emsdetten 1951, Bd. 2, Kap. VI.

14 Schwedler 1973, S. 56: Er bezeichnet das Feuilleton nur lapidar als kurzes, in sich abgeschlossenes Prosastück; zu Polgars Feuilleton schreibt er: „Das Feuilleton bei Polgar [...] ist ein kurzer Prosatext, bei dem großer Wert auf prägnante Formulierung gelegt wird. Gefordert ist Witz im Sprachlichen wie in der Argumentation, wobei das Sujet in seiner Bedeutung zurücktreten kann hinter dem Wunsch, geistreiche Unterhaltung zu bieten. Die Kunst der Pointe bestimmt weitgehend die Komposition. Der spielerische Charakter schließt jedoch nicht aus, daß der Text auf das Wecken kritischen Bewußtseins des Lesers zielt. Das scheinbar leichthin Gesagte entbehrt nicht des Didaktischen; hinter Ironie, Spott und Satire gibt sich der Feuilletonist als Moralist zu erkennen.“, Schwedler 1973, S. 64

15 Todorow 1996a, S. 12

16 Kai Kauffmann: „Zur derzeitigen Situation der Feuilleton-Forschung“. In: Kai Kauffmann; Erhard Schütz (Hrsg.): Die lange Geschichte der kleinen Form. Beitr ä ge zur Feuilletonforschung. Berlin 2000, S. 13

17 Ebd., S. 12

18 Ebd., S. 16

19 Wilmont Haa>

20 Ernst Meunier, Hans Jessen: Das deutsche Feuilleton. Ein Beitrag zur Zeitungskunde. Berlin 1931, S. 7f

21 Heinz Knobloch: Vom Wesen des Feuilletons. Halle 1962, S. 29

22 Hauptsächlich Wilmont Haacke, Walther Heide, Emil Dovifat. Vgl. Georg Jäger: „Das

Zeitungsfeuilleton als literaturwissenschaftliche Quelle. Probleme und Perspektiven seiner Erschließung.“ In: Wolfgang Martens (Hrsg.): Bibliographische Probleme im Zeichen eines erweiterten Literaturbegriffs. Weinheim 1988, S. 66; Haacke beispielsweise nennt das dritte Kapitel in seinem zweibändigen Werk Feuilletonkunde „Die Ausmerzung des Judentums aus dem deutschen Feuilleton“. Haacke 1943-44

23 Dies beklagen unter anderem Todorow 1996a, S. 3 und Jäger 1988, S. 53-71

24 Todorow 1992, S. 263; Auch Kernmayer kritisiert das mangelnde Interesse an Feuilleton als literarisches Genre: „Als Genre zwischen Literatur und Berichterstattung angesiedelt, gebunden an den Ort seines ersten Erscheinens [...] dürfte das Feuilleton als Untersuchungsgegenstand der Aufmerksamkeit der Literaturtheorie entgangen sein.“ Hildegard Kernmayer: Judentum im Wiener Feuilleton (1848-1903). Exemplarische Untersuchungen zum literar ä sthetischen und politischen Diskurs der Moderne. Tübingen 1998, S. 16

25 Kernmayer 1998

26 Matthias Nöllke: Daniel Spitzers „ Wiener Spazierg ä nge “ . Liberales Feuilleton im Zeitungskontext. Frankfurt a. M. 1994

27 Utz 1998

28 Todorow 1996a

29 Kauffmann; Schütz 2000

30 Tatsächlich wird Benjamins Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ als einer der Gründungstexte der Medientheorie gesehen. (Vgl. Helmut Schanze: Metzler Lexikon Medientheorie / Medienwissenschaft. Ans ä tze - Personen - Grundbegriffe. Stuttgart, Weimar 2002. S. 201) Walter Benjamin: „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ In: Derselbe: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie. 11. Aufl., Frankfurt a. M. 1979, S. 7-44; Von Brecht z. B.: Bertolt Brecht: „Radio - Eine vorsintflutliche Erfindung?“ oder Derselbe: „Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. beide in: Derselbe: Gesammelte Werke in 20 B ä nden. Bd. 18, Frankfurt a. M. 1990, S. 119-121 und S. 127-134. Siegfried Kracauer: Theorie des Films. Die Errettung der ä u ß eren Wirklichkeit. 2. Aufl. Frankfurt a. M. 1993

31 Rainer Leschke: Einf ü hrung in die Medientheorie. München 2003, S. 10

32 Ebd., S. 11

33 Schanze 2002, S. 200

34 „Das Wort Aufschreibesystem [...] kann auch das Netzwerk von Techniken und Institutionen bezeichnen, die einer gegebenen Kultur die Adressierung, Speicherung und Verarbeitung relevanter Daten erlauben.“ Friedrich Kittler: Aufschreibesysteme 1800 - 1900. 3., vollst. überarb. Aufl., München 1995, S. 519

35 Marshall McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis. Das Ende des Buchzeitalters. Bonn, Paris u. a. 1995

36 Jochen Hörisch: Der Sinn und die Sinne. Eine Geschichte der Medien. Frankfurt a. M. 2001. Eine knappe Darstellung dazu findet sich auch bei Jochen Hörisch: „Einleitung“. In: Peter Ludes: Einf ü hrung in die Medienwissenschaft. Entwicklungen und Theorien. Berlin 1998, S. 11-32

37 Zur Rückkehr der Körperlichkeit vgl.: Dietmar Kamper, Christoph Wulf: „Die Parabel der Wiederkehr. Zur Einführung.“ In: Dies. (Hrsg.): Die Wiederkehr des Körpers. Frankfurt am Main 1982, S. 9-21 und Claudia Benthien: Im Leibe wohnen. Literarische Imagologie und historische Anthropologie der Haut. Berlin 1998, S. 10

38 Horst Wenzel: „Medien- und Kommunikationstheorie. a) Ältere deutsche Literatur.“ In: Benthien, Claudia; Velten, Hans Rudolf (Hrsg.): Germanistik als Kulturwissenschaft. Eine Einf ü hrung in neue Theoriekonzepte. Reinbek bei Hamburg 2002, S. 129

39 Jochen Hörisch, Michael Wetzel: „Vorwort der Herausgeber“ In: Dies. (Hrsg.): Armaturen der Sinne. Literarische und technische Medien 1870-1920. München 1990, S. 11

40 Vgl. Michael Bienert: Die eingebildete Metropole. Berlin im Feuilleton der Weimarer Republik. Stuttgart 1992, S. 57

41 Vgl. Benjamin 1979

42 Polgar Bd. IV, S. 359

43 Kittler 1995, S. 519

44 dem zweiten Teil von Aufschreibesysteme 1800 - 1900

45 Kittler 1995, S. 148

46 Vgl. Friedrich Kittler: Grammophon - Film - Typewriter. Berlin 1986

47 Vgl. Hörisch 2001, S. 296

48 Marshall McLuhan: Die magischen Kan ä le. Understanding Media. Düsseldorf, Wien, New York, Moskau 1992, S. 83; vgl. auch: Hörisch 1998, S. 26

49 Victor Auburtin: „Sechs Tage“; Leo Lania: „Six Days“; Alfred Polgar: „Sechstagerennen“; Hermann Sinsheimer: „Sportpalast - nach Mitternacht“, alle in: Christian Jäger; Erhard Schütz (Hrsg.): Gl ä nzender Asphalt. Berlin im Feuilleton der Weimarer Republik. 1994

50 Egon Erwin Kisch: „Elliptische Tretmühle“. In: Der rasende Reporter. Berlin 1972, S. 263-268

51 Auburtin 1994, S. 217

52 Ebd., S. 218

53 Lania 1994, S. 219

54 Sinsheimer 1994, S. 223

55 Sinsheimer schreibt hierzu: „Denn schließlich ist das Rasen der Fahrer im Kreis zuallerletzt auch ein bißchen Sinnbild des Großstadtlebens...“ S. 223

56 Auburtin 1994, S. 217

57 McLuhan 1995

58 Polgar Bd. I, S. 396

59 Alfred Polgar: Geschichten ohne Moral. Zürich, New York 1943, S. 5f

60 Günther Petersen: Feuilleton undöffentliche Meinung. Zur Theorie einer Literaturgattung im Kontext mit ihrem Resonanzfeld. Wiesbaden 1992, S. 7

61 Christian Jäger: „’Die Wirklichkeit ist eine Konstruktion‘. Überlegungen zur Bestimmung des feuilletonistischen Diskurses.“ In: Jost, Ulrich; Utz, Peter; Valloton, François (Hrsg.): Litt é rature „ bas de page “ . Le feuilleton et ses enjeux dans la soci é t é des 19e et 20e si è cles. Literatur „ unter dem Strich “ . Funktionen des Feuilletons in der Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts. Lausanne 1996, S. 150

62 Vgl. Kittler 1986, S. 293

63 „In einer Kultur wie der unseren, die es schon lange gewohnt ist, alle Dinge, um sie unter Kontrolle zu bekommen, aufzusplittern und zu teilen, wirkt es fast schockartig, wenn man daran erinnert wird, dass in seiner Funktion und praktischen Anwendung das Medium die Botschaft ist.“ McLuhan 1992, S. 17

Details

Seiten
60
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640904143
ISBN (Buch)
9783640903917
Dateigröße
1001 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171206
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Institut für Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
feuilleton alfred polgars berücksichtigung mediendiskurses

Autor

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Titel: Das Feuilleton Alfred Polgars unter besonderer Berücksichtigung des Mediendiskurses