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Der Rechte- und Lizenzhandel im Verlagswesen

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Rechte und Lizenzen?

3. Ausgewählte Daten und Fakten zum Rechte- und Lizenzhandel
3.1 Übersetzungsrechte ins Deutsche
3.2 Lizenzen ins Ausland

4. Der Lizenzvertrag

5. „Das Reich der Rechtehändler“ und „Frankfurt Virtual“

6. Die Rechtevermarktung am Beispiel von „Harry Potter“

7. Zusammenfassung

8. Literatur- und Internetquellenverzeichnis

9. Eidesstattliche Erklärung

1.Einleitung

Der Bücherumsatz in der Bundesrepublik Deutschland betrug im Jahr 2009 rund
9,7 Milliarden Euro zu Endverbraucherpreisen (vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2010a). Der wichtigste Vertriebsweg ist und bleibt hierbei der Sortimentsbuchhandel, gefolgt vom Direktvertrieb der einzelnen Verlage (vgl. ebd.). Neben diesen Distributionswegen gibt es in der Branche weitere Möglichkeiten, um Umsätze zu generieren – z. B. durch den Handel mit Rechten und Lizenzen. Die Übertragung des ausschließlichen Rechts zur Vervielfältigung und Verbreitung eines Werkes von einem Urheber auf einen Verlag wird als Hauptrecht bezeichnet. Bei Nebenrechten geht es um den Kauf und Verkauf von Verwertungsformen eines Werkes, die beispielsweise ein Verlag selbst nicht anbietet, dessen Nutzungsrechte aber an ihn übertragen wurden. So ordnet Katharina Werdnik vom Börsenverein den Filmrechten, als eine Verwertungsmöglichkeit, eine hohe Bedeutung zu, denn etwa „‚30 Prozent der weltweiten Verfilmungen basieren auf Literatur‘“ (Stadt Frankfurt am Main 2010).

Weitere Nebenrechte sind z. B. Übersetzungen, Taschenbücher, Vorabdrucke, Hörbücher, eBooks oder Computerspiele.

Im Zeitalter des Internets und der medialen Konvergenz lauern neue Gefahren für die Unternehmen, z. B. kommt es zu einer Vergrößerung der Konkurrenz oder digitalisierte Bücher können im World Wide Web illegal bezogen werden. Die Globalisierung und die Vernetzung von Märkten bieten für die Verlage aber auch Chancen. Die zentrale Forschungsfrage in dieser Hausarbeit lautet daher: Wie gestaltet sich der Rechte- und Lizenzhandel auf die Verlagstätigkeit in Deutschland?

Zunächst werden die beiden zentralen Begriffe „Rechte“ und „Lizenzen“ erläutert, eine anschließende Übersicht über aktuelle Daten und Fakten zum Rechte- und Lizenzhandel liefert weitere Einblicke in den bereits vorhandenen Absatzmarkt. Im Anschluss daran wird der Lizenzvertrag, mit seinen wichtigsten Eckpunkten, vorgestellt.

Buchmessen bieten vor allem für die Rechtehändler die Gelegenheit, direkt vor Ort gezielte Angebote zu unterbreiten und zu erhalten. Es geht hierbei in erster Linie nicht um einen sofortigen Vertragsabschluss, sondern um das Aushandeln von Konditionen, Fristsetzungen und den Aufbau und die Pflege von Kontakten. Da die Leipziger Buchmesse kein eigenes Lizenzzentrum besitzt, thematisiert die Arbeit die Frankfurter Buchmesse, als das „Reich der Rechtehändler“, und die Plattform „Frankfurt Virtual“, mit der Möglichkeit online Rechte und Lizenzen zu handeln. Die Rechtevermarktung am Beispiel von „Harry Potter“ soll die Bedeutung des Rechte- und Lizenzhandels vertiefen und abrunden. Anschließend werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst.

2. Was sind Rechte und Lizenzen?

Rechte sind allgemein Ansprüche eines einzelnen Individuums / der Individuen gegenüber anderen Personen bzw. der Gemeinschaft sowie dem Staat. Diese Berechtigungen werden in Verfassungen, Gesetzen oder Verträgen (z. B. dem Lizenzvertrag) nieder- und damit festgeschrieben. Rechtmäßig sind auch mündliche, einvernehmliche Vereinbarungen.

Der Begriff „Lizenz“ wird oftmals unterschiedlich definiert und gebraucht. In der praktischen Anwendung wird die Lizenz aber „für nahezu jede Rechteeinräumung benutzt,
z. B. die Einräumung einfacher und ausschließlicher Nutzungsrechte vom Urheber auf den Nutzungsberechtigten […]“ (Homann 2009:299). Die Übertragung eines Nutzungsrechts auf einen Lizenznehmer wird somit als Lizenz bezeichnet. Das Urheberrecht verwendet den Terminus „Nutzungsrecht“, meint jedoch damit dasselbe wie die Bezeichnung „Lizenz“.

„Dabei werden nur die Nutzungsrechte übertragen, der Lizenzgeber bleibt Eigentümer der Schutzrechte (Patente, Warenzeichen, Gebrauchsmuster und Geschmacksmuster, Rechte, die sich aus dem Urheberrecht ableiten, z.B. der Titelschutz für eine bestimmte Zeitschrift). Rechtliche Grundlagen hierfür bilden das Markenschutzgesetz, das Urhebergesetz und das Patentgesetz.“ (JuraForum.de 2011)

Der Inhaber eines geschützten Rechts wird als Lizenzgeber bezeichnet. Dieser überträgt in einem Lizenzvertrag definierte Nutzungsrechte auf einen Lizenznehmer. Somit erlaubt der Lizenzgeber Dritten unter bestimmten Bedingungen mit einem Produkt zu handeln. Lizenzen sind abgeleitete Rechte (Genehmigungen) und spiegeln gesetzliche Rahmenbedingungen wider, die in einem Vertrag festgehalten sind. Zu beachten ist bei der Lizenzvergabe stets, dass der Inhaber eines geschützten Rechts als „Lizenzpartner nicht mehr Nutzungsrechte zu vergeben verspricht, als er selbst zuvor erworben hat“ (Homann 2009:300).

Wenn ein Verlag bestimmte Verwertungsformen selbst nicht anbietet, kann er Rechte demnach anderen zur Verfügung stellen. Die Übertragungsrechte beinhalten ausschließliche (sog. exklusive) und / oder nicht-ausschließliche (sog. einfache) Nutzungsrechte. Ein nicht-ausschließliches Nutzungsrecht ermöglicht die Herstellung und Verbreitung eines Erzeugnisses. Hierbei darf der Lizenznehmer das Produkt, z. B. eine Taschenbuchausgabe, gemäß Lizenzvertrag veröffentlichen. Je nach Konditionen und Vereinbarungen wird die Verbreitung räumlich und / oder zeitlich noch einmal eingegrenzt. Wichtig ist hierbei, dass bei einem einfachen Nutzungsrecht auch ein anderer Verlag die Möglichkeit erhalten kann, eine Taschenbuchausgabe zu publizieren. Somit treten die beiden Unternehmen (jeweils als Lizenznehmer) in einen Wettbewerb um dieselbe Verwertungsform. Exklusive Nutzungsrechte beinhalten das alleinige Nutzungsrecht für einen Lizenznehmer, z. B. für ein bestimmtes Gebiet / einen bestimmten Sprachraum oder für eine festgelegte Gebrauchsart. Nur bei diesem Nutzungsrecht hat der Lizenznehmer das alleinige Herstellungs- und Verbreitungsrecht für die jeweilige Verwertungsform erworben, z. B. einen Titel als Buchclubausgabe zu publizieren. Auch das exklusive Nutzungsrecht kann räumliche und / oder zeitliche Einschränkungen enthalten.

Rechte und Lizenzen ermöglichen es, wesentlich schneller Umsätze zu generieren und diese damit prinzipiell zu erhöhen. Ein Verlag als Lizenzgeber hat beim Verkauf von Nutzungsrechten (anders als beim Kauf) so gut wie kein Risiko zu tragen, da nur geringe bis gar keine Investitionskosten anfallen. Der Rechte- und Lizenzhandel eröffnet, je nach Portfolio, neue Verwertungsgelegenheiten.

Wichtige Lizenzarten in der deutschen Verlagsbranche sind die „buchnahen“ Nebenrechte wie Taschenbuch-, Buchclub- und Sonderausgaben. Hinzu kommen die Vergabe von Abdruckrechten (z. B. in Zeitungen) sowie Übersetzungen. „Buchferne“ Nebenrechte sind unter anderem eine Verfilmung, eine Vertonung oder die Aufführung eines Theaterstücks.

„In großen Verlagen wird das Lizenzgeschäft, das einen wesentlichen Anteil am wirtschaftlichen Ergebnis eines Verlages haben kann, von einer eigenen Lizenzabteilung wahrgenommen, die mitunter in deutsche Rechte und Auslandsrechte geteilt ist. In kleineren Verlagen sind Pressearbeit und Lizenzgeschäft oft in einer Abteilung zusammengefasst.“ (Röhring 2003:149)

Rightsmanager (Rechtehändler) sind Intermediäre und übernehmen in der Verlagswelt überwiegend den Kauf und / oder Verkauf von Rechten und Lizenzen. Diese Literaturagenten zeichnen sich dadurch aus, dass sie, neben einem oft weltweit, gut funktionierendem Kontaktnetz, ein gutes Gespür für gewinnbringende Titel aufweisen.

3. Ausgewählte Daten und Fakten zum Rechte- und Lizenzhandel

Taschenbuchlizenzen gehören in der Verlagsbranche in Deutschland zu den ökonomisch relevantesten Nebenrechten (vgl. Röhring 2003:149). Hierzu zählen auch Übersetzungen von fremdsprachigen Buchtiteln für den einheimischen Markt, die oftmals als Taschenbücher erscheinen. Im Folgenden wird der Handel mit Übersetzungen ins Deutsche sowie von deutschsprachigen Titeln für das Ausland durch ein paar Daten und Fakten verdeutlicht.

3.1 Übersetzungsrechte ins Deutsche

Insgesamt 11.800 Übersetzungen (Erst- und Neuauflagen) sind 2009 auf dem deutschen Absatzmarkt erschienen. „Das entspricht einem Anteil von 12,7 Prozent an der gesamten Titelproduktion.“ (Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2010b:73)

Unangefochten liegen hierbei mit 64,9 Prozent Übersetzungen aus dem Englischen, wobei die Belletristik den höchsten Stellenwert einnimmt. „Rund 41 Prozent aller Übertragungen aus dem Englischen gehen auf das Konto der Literatur.“ (Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2010b:78) Französisch, Japanisch, Italienisch und Niederländisch folgen im Jahr 2009 als weitere bedeutende Sprachen für Übersetzungen ins Deutsche (vgl. ebd.:73-75).

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