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Die Kaiserwahl Friedrich II.: Inwieweit hatte Papst Innozenz III. Einfluss auf die Wahl und warum zögerte er, Friedrich II. zum Kaiser zu krönen?

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Innozenz Entscheidung zur Absetzung Ottos und zur Wahl Friedrichs

3. Gründe für die späte Einsicht des Papstes

4. Schlussbetrachtung

5. Biblographie
5.1. Quellen
5.2. Literatur

1. Einleitung

Die Umstände, unter denen Friedrich II. zum Kaiser gewählt wurde, sind einmalig in der Geschichte. Denn die Fürsten konnten zum ersten Mal einen König direkt zum Kaiser wählen. Aber es kann auch noch durch eine andere Tatsache begründet werden. Ein 17 jähriger König aus Sizilien, der kaum in der Lage ist die Verhältnisse im eigenen Land zu regeln und auch noch durch Kaiser Otto IV. bedroht wird und kaum noch einen andere Chance hat, als aus seinem Reich zu fliehen, wird von den deutschen Fürsten mit der Erlaubnis von Papst Innozenz III. zum Kaiser der Deutschen gewählt. Zeitgenössische Berichte erklären diese Umstände meist durch eine himmlische Fügung, da es rational nicht erklärbar zu sein scheint[1].

Zur Zeit seiner Wahl war Friedrich II. also dem Untergang geweiht. Otto IV. hatte schon Teile seines Reiches eingenommen, und viele der sizilianischen Städte sympathisierten mit ihm und würden sich ebenfalls leicht erobern lassen. Doch dann erreichte Otto die Nachricht, dass die Fürsten mit der Erlaubnis von Papst Innozenz III., Friedrich zum Kaiser gewählt haben. Anstatt seinen Feldzug gegen Sizilien fortzuführen und damit seinen Gegner direkt auszuschalten, brach er sein Vorhaben ab und reiste unverzüglich nach Deutschland um seine Machtstellung im Reich zu sichern[2].

Als Innozenz die Fürsten aufforderte, einen neuen Kaiser zu wählen, muss ihm klar gewesen sein, dass sie Friedrich, den König von Sizilien, wählen würden. Er war der Einzige, der sich schnell eine Machtbasis aufbauen konnte, da noch viele Anhänger der Staufer und vor allem von Philipp von Schwaben im Reich waren. Außerdem gehörte Friedrich II. auch rechtmäßig auf den Thron, da er vom Geschlecht der Staufer war und schon 1196 von den Fürsten zum König gewählt wurde. Daher kann man davon ausgehen, dass Innozenz, als er die Fürsten um die Wahl eines neuen Kaisers bat, wusste, dass diese Friedrich wählen würden.

Aber seit wann hatte Innozenz den Plan gehabt dem jungen Staufer das Reich anzuvertrauen?

Mit dieser Frage möchte ich mich im folgenden beschäftigen.

In der Forschung steht vor allem die Kaiserwahl im Vordergrund und nicht ihre Vorgeschichte. Es gibt einige wenige Historiker, die sich mit meinem Thema befasst haben, jedoch dass meist vor knapp 100 Jahre. Zu erwähnen ist dabei Michael Emil, der sich in seinem Zeitschriftartikel mit

dem gleichem Thema wie ich beschäftigt[3]. Des weiteren ist Konrad Burchard zu erwähnen, der sich mit der Wahl Friedrichs zum Kaiser auseinander setzt[4]. Aber auch sämtliche Artikel, die das Verhältnis der wichtigen Personen beschreiben, sollten nicht außer acht gelassen werden. So zum Beispiel das Buch von Max Halbe über das Verhältnis von Friedrich und den Päpsten seiner Zeit[5] und das Buch von Theo Holzapfel über das Verhältnis von Innozenz und Otto[6].

Historiker beschäftigen sich meist nur mit der Exkommunikation Ottos und mit der Kaiserwahl Friedrichs[7]. Aber den Zeitpunkt, an dem der Papst feststellt, dass er Otto nicht mehr dazu bewegen kann um zukehren, und sich dazu entscheidet Friedrich als Führer des Reiches einzusetzen, hat noch niemand festgestellt. Deshalb möchte ich im weiteren Verlauf der Arbeit auf diese Frage eingehen.

Ich möchte meine Untersuchungen im Dezember 1209 beginnen lassen, da Otto in diesem Monat mit seinen Vorbereitungen für den Italienfeldzug beginnt und damit gegen sein Versprechen vom 8. Juni 1201 im Neußer Eid und vom 22. März 1209 im Vertrag zu Speyer, in dem er die päpstlichen Rekuperationen akzeptierte und den Erhalt des Königreichs Sizilien garantierte, agiert[8]. Von diesem Zeitpunkt an, muss Innozenz damit gerechnet haben, dass Otto IV. Sizilien einnimmt und damit das gleiche Herrschaftsgebiet wie Heinrich VI. hat, wogegen der Papst damals erheblich demonstriert hatte. Eine Umklammerung des Kirchenstaates hätte weitgehende Folgen für den Papst gehabt[9].

Enden möchte ich mit meiner Untersuchung erst mit der Kaiserwahl Friedrich II. im September 1211, denn spätestens hier musste Innozenz III. der Wahl der Fürsten zustimmen. Innerhalb dieser zwei Jahre muss Innozenz sich also dazu entschlossen haben den König von Sizilien auf den Kaiserthron des deutsch-römischen Reiches zu setzen.

Die Quellenlage zu diesem Thema ist schwierig, denn niemand kann genau sagen, wann Innozenz den Entschluss gefasst hat, Friedrich zum Kaiser zu krönen. Burchard von Ursberg stellt für mich jedoch eine der zentralen Quellen dar, denn er schildert die Geschehnisse detailliert aus der staufischen Perspektive und hielt sich mehrfach in Rom auf, wodurch er auch über die italienischen Entwicklungen gut informiert ist. Ich gehe jedoch, trotz seiner Aussage, dass die Wahl von Friedrich II. von den Fürsten ausging[10], davon aus, dass Innozenz, als er die Fürsten aufgefordert hat einen neuen Kaiser zu wählen, den jungen Staufer für diese Position empfohlen hat, so wie es Albert von Stade berichtet: „1212. Papst Innozenz stellte dem nach Deutschland zurückkehrenden Kaiser einen Feind entgegen in der Person Friedrichs, des Königs von Sizilien, des Sohnes Kaiser Heinrichs, dem durch Vermittlung des Papstes viele Städte Italiens zur Seite traten.“[11] Des weiteren sind die Briefe von Innozenz an die Fürsten und an Philipp, den König von Frankreich, von großer Bedeutung. Vor allem die Briefe cum dolore, utinam fili und insolentiam et nequitiam. Sie geben Auskünfte über das Verhältnis von Innozenz und dem Kaiser Otto und zeigen seine Unentschlossenheit, sowie, dass er nicht bereit ist, seine Drohung der Exkommunikation endgültig durchzusetzen.

2.Innozenz Entscheidung zur Absetzung Ottos und zur Wahl Friedrichs

Kaiser Otto IV. spielt hierbei die entscheidende Rolle. Sein Versprechen, dass er im März 1209 gegeben hat, brach er schon ein dreiviertel Jahr später, im Dezember 1209, als er mit den Vorbereitungen für die Eroberung des Königreichs Sizilien und Unteritaliens begann. So berichtet es Probst Burchard von Ursberg: „Außerdem verachtete er völlig die Eide, die er bezüglich des Friedensschlusses mit dem König Philipp von Frankreich und dem König Friedrich von Sizilien

geleistet hatte, des Inhalts, dass nicht die ganze Kirche in Verwirrung gerate.“[12] Als Otto dann den Feldzug begann, war Innozenz entsetzt, denn dass, was er von Seiten der Staufer erwartet hatte geschah jetzt durch einen Welfen. Im Januar 1210 beklagte der Papst sich, in einem Brief an Bischof Konrad von Regensburg[13] und im Februar in einem Brief an den französischen König Philipp[14], über den Kaiser und sein Benehmen. Darin schildert Innozenz das Verhalten des Welfen als gegen Gott und die Kirche gerichtet und droht ihm mit der Exkommunikation und der Lösung der Untertanen vom Treueid.

Schon hier muss Innozenz damit gerechnet haben, dass er seine Drohung war machen muss und dass er die deutschen Fürsten dazu auffordern musste einen neuen König zu wählen. Aber hatte er hier wirklich schon den Plan gehabt Friedrich, den jungen Staufer, auf den Thron zu setzen?

Der kleine Friedrich war seinem Vormund gerade erst entwachsen und kannte sich kaum mit den Regierungsgeschäften eines Königs aus. Zudem hatte er Schwierigkeiten die Ordnung in seinem eigenen Land wieder herzustellen. Deshalb holte sich der junge König stets den Rat von Innozenz ein und beachtete ihn bei seinen Entscheidungen. Dies tat er in der Hoffnung die Verhältnisse in Sizilien besser regeln zu können. Auch wenn Friedrich öfters gegen die Empfehlung vom Papst gehandelt hat, konnte Innozenz darauf hoffen, dass er, wenn der Staufer Kaiser des Reiches wurde, auch ein gewisses Mitspracherecht hat. Denn nach Innozenz Ansichten, war nur derjenige ein guter Kaiser, der die Krone des Papstes ehrt und schützt[15]. Aber darauf konnte sich der Papst nicht verlassen. Denn wenn der König von Sizilien auch zum König im Reich gewählt wird, werden beide Reiche durch eine Person geleitet, und der Kirchenstaat ist wieder von einem Herrscher umklammert, so, wie es schon unter Heinrich VI. gewesen ist.

Der Papst konnte das Risiko nicht eingehen einen jungen und unerfahrenen Herrscher, der beide Reiche in sich vereinigen würde, zum Kaiser zu krönen. Daher hoffte Innozenz, dass er Otto noch

zur Umkehr bewegen kann.

Sein Zögern zeigt, dass Innozenz an Otto festhalten und ihm den Weg zur Zurück, in die Bahnen eines vernünftigen Kaisers, der nicht die Hand nach Sizilien ausstreckte, nicht ganz verstellen wollte. Daher ließ die angedrohte Exkommunikation von Otto und ihre offizielle Durchsetzung noch auf sich warten. Innozenz setzte aber den Kaiser im Frühjahr 1210 von seinem Vorhaben in Kenntnis und warnte die deutschen Fürsten vor einer Zusammenarbeit mit dem Kaiser[16]. Dass alles jedoch ohne einen Einfluss auf Otto, denn der war kurz davor mit seinen Truppen in das Königreich Sizilien zu marschieren.

[...]


[1] Gotfrid von Cosenza „..bis er, zu reiferen Jahren gelangend, unter dem Pontifikat des Papstes Innozenz III. den Kaiser Otto, der nach der Übernahme des Reiches nach dem Königreich Sizilien, dem kostbaren Erbe des Verwaisten, seine Hände ausgestreckt hatte, mehr durch himmlische als durch irdische Kräfte überwand und durch die Verfolgung der Tyrannen Rache nahm.“

[2] Dazu Albert von Stade: Hg von G.H. Pertz, übersetzt von Franz Wachter, Bd. 72, S.58f.

[3] Emil, Michael: Zwei staatsrechtliche Fragen des hohen Mittelalters: 1. Papst Innozenz II und die Kaiserwahl. 2. In welchem Verhältnis stand die Nürnberger Wahl Friedrichs II 1211 zu seiner Frankfurter Wahl 1212? in: Zeitschrift für katholische Theologie, Bd. 37, Würzburg 1913, S. 689-694.

[4] Burchard, Konrad: Die Wahl Friedrich II. zum römischen Kaiser, in: Historische Zeitschrift, Bd 154, München und Berlin 1936, S. 513-527.

[5] Halbe, Max: Friedrich II. und der päpstliche Stuhl: Bis zur Kaiserkrönung (November 1220), Berlin 1888.

[6] Holzapfel, Theo: Papst Innozenz: Philipp August, König von Frankreich und die englisch-welfische Verbindung 1198-1216, Frankfurt am Main 1991.

[7] So zum Beispiel bei Hubert Houben S.32 „Innozenz exkommunizierte den Welfen, der seine Zusagen gebrochen hatte, löste dessen Untertanen von ihren Treueiden und forderte die deutschen Fürsten dazu auf, einen anderen Kaiser zu wählen“ oder bei Jörg Rogge S.42 „Der Kaiser agierte in der Tradition der Salier und Staufer und wollte wohl Sizilien wieder mit dem Reich verbinden. Innocenz III. verhängte deshalb am 18. November 1210 den Bann über Otto..“ des weiteren bei David Abulafia S.117, Wolfgang Stürner S.129.

[8] Dazu Otto von St. Blasien: Hg. und übersetzt von Franz-Josef Schmale, Bd 18a, S.157f.

Annales Marbacenses: Hg von Hermann Bloch, MGH SS rer. Germ. 9, S.81f.

[9] Als Beispiel möchte ich hier die folgende Überlegung darstellen. Wenn der Kirchenstaat nicht von einem Herrscher umklammert ist, sondern von mehreren umgeben ist, kann der Papst bei Streitigkeiten immer auf den anderen Herrscher zurückgreifen und sich durch diesen im Falle eines Angriffs verteidigen lassen. Wenn der Kirchenstaat jedoch von einer Partei umklammert ist, kann dieser Herrscher das Papsttum schnell angreifen und vernichten, denn dem Papst kann niemand zur Hilfe eilen.

[10] „1210. Damals, kamen die Fürsten Deutschlands (..) zusammen und wählten König Friedrich von Sizilien zum Kaiser (..) und die somit erfolgte Wahl bestätigte der Papst.“ S.98f

[11] Albert von Stade: Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, Bd. 72, Leipzig 1890, S. 58f.

Auch die kleine Sizilianische Chronik berichtet dazu: Breve chronicon de rebus Siculis: Hg. und übersetzt von Wolfgang Stürner, MGH SS 77, Hannover 2004, S.69.

[12] Burchard von Ursberg: Die Chronik des Probstes Burchard von Ursberg², S.98.

[13] Brief an Bischof Konrad von Regensburg (18.1.1210): Cum dolore; Winkelman, Acta imperii, Bd.II Nr. 1009 S. 676-678; Vermutlich ging dieser Brief, zwar nicht in der gleichen Fassung, aber mit ähnlichem Inhalt, nicht nur an den Bischof von Regensburg, sondern an alle deutschen Bischöfe.

[14] Brief an König Philipp von Frankreich (1.2.1210): Utinam fili; Böhmer, Acta imperii selecta Nr. 920 S. 629f; Philipp begann zwar mit einigen deutschen Fürsten über die Situation zu reden, jedoch dachte er nicht daran zu handeln. Auf einen weiteren Brief von Papst Innozenz im September 1210 antwortete er, dass er sich, solange die Kirche Otto nicht endgültig, auch in der Offentlichkeit, exkommunizieren würde, nicht in der Lage sehe einen Angriff auf das Reich durchzuführen.

[15] Innozenz betonte immer wieder, dass das priesterliche Amt vor dem königlichen kommen muss. Er schreibt dazu „ der Gesalbte des Herrn, in die Mitte gestellt zwischen Gott und Mensch, unter Gott, aber über dem Menschen, kleiner als Gott, doch größer als des Mensch; der über alle urteilt während über ihn niemand ein Urteil fällt.“ in: Innozenz III.: Sermo II in consecratione pontificis, PL 217, S. 653-660.

[16] Briefe an alle deutschen Fürsten: insolentiam et nequitiam; Böhmer, Acta imperii selecta Nr. 921 S.630f; es scheint nicht möglich zu sein diesen Brief genau zu datieren. In der Literatur habe ich Angaben von April 1210 (Böhmer) bis April 1211 (Holzapfel) gelesen.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640904051
ISBN (Buch)
9783640904266
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171168
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Friedrich II Sizilien Kaiserwahl Innozenz III Otto IV Deutschland Kaiser König Papst Italien Staufer Welfen Thronstreit Königtum Bedeutung Bewertung Urteil

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Titel: Die Kaiserwahl Friedrich II.: Inwieweit hatte Papst Innozenz III. Einfluss auf die Wahl und warum zögerte er, Friedrich II. zum Kaiser zu krönen?