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Leo IV. und seine Bedeutung für die Stadt Rom

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Papst Leo IV
2.1 Herkunft, Ausbildung und Aufstieg Leos IV
2.2 Wahl und Weihe Leos IV. zum Papst

3 Das Pontifikat Leos IV
3.1 Leo IV. als Kriegsherr
3.2 Leo IV. als Baupast
(a) Schutzbauten
(b) Sakrale Bauten
(c) Baumaßnahmen außerhalb Roms
3.3 Leo IV. als Wundertäter

4 Herrschaftsmöglichkeiten Leos IV
4.1 Leo IV. und das Kaiserpaar
4.2 Leo IV. und die römische nobilitas

5 Conclusio

6 Literaturverzeichnis
6.1 Verzeichnis der verwendeten Quellen
6.2 Verzeichnis der verwendeten Forschungsliteratur

1 Vorwort

Unter den vielen Päpsten des frühen und hohen Mittelalters hat sich einer der römi- schen Bischöfe besonders um seine Stadt verdient gemacht. Die Rede ist von Leo IV., einem der Päpste, die sich weniger in liturgischen Fragen, sondern vielmehr durch die Sorge um die Stadt Rom und das Patrimonium Petri hervorgetan haben. Davon zeugen bis heute beispielsweise die Überreste der Verteidigungsanlagen im Westen der Vatikanischen Gärten, die Leo einst zum Schutz gegen die Sarazenen errichten lassen hatte.

Das Ziel dieser Hausarbeit soll deshalb sein, sich damit zu beschäftigen, in welcher Weise sich Leo IV. durch sein Handeln und Wirken für die Stadt Rom verdient gemacht hat. Dabei soll der Fokus zunächst auf die Person Leos sowie seine Wahl und Konsekration gerichtet werden, um das Verständnis für seine Politik und sein Verhalten als Papst zu erleichtern. Im Anschluss daran sollen dann nicht seine Tä- tigkeiten als Papst und geistiger Hirte, sondern primär sein Wirken als oberster Schutz- und Bauherr der Stadt, das er als Bischof von Rom ebenso versehen hatte, betrachtet werden, bevor schließlich untersucht werden soll, inwieweit Leo IV. dabei von weltlichen Mächten, wie dem Kaiserpaar oder dem römischen Adel, abhängig war beziehungsweise, wie stark diese Leos Politik beeinflussten.

Es sei zudem gleich zu Beginn auf die dürftige Quellenlage zum Pontifikat Leos IV. verwiesen. Es liegen nämlich lediglich zwei Werke, die Vita Leonis aus dem Li- ber pontificalis und die Briefe der Collectio Britannica1, vor, die relevant für die Themenstellung sind. Beide Quellenwerke lassen dabei aus verschiedenen Gründen die Frage nach ihrer Authentizität und ihrer Objektivität zu. Während die Leovi- ta zwar wahrscheinlich noch größtenteils zu Lebzeiten Leos entstand und deswegen ein grundsätzlich positives Bild des Papstes zeichnet,2 ist sie dennoch mit großer Wahrscheinlichkeit objektiver als die Briefsammlung der Collectio Britannica. Dies mag zum einen daran liegen, dass wir bei der Leovita von mindestens zwei Verfas- sern (oder Verfassergruppen) ausgehen dürfen,3 zum anderen wurde das päpstliche Register Leos nicht direkt überliefert4 und so schließt Herbers auf „eine stattliche Zahl verfälschter oder ‚umgebogener‘ Fragmente“5 (etwa jedes vierte gefälscht6 ). Da die Collectio Britannica nie vollständig erschien und der Anteil der Briefe Leos IV. in der Monumenta Germaniae Historica kaum Bewandtnis für die obige Themenstellung hat, lässt sich die Frage nach deren Echtheit und Objektivität aber bis zu einem gewissen Grad vernachlässigen.

Des Weiteren sei darauf verwiesen, dass sämtliche Forschungsliteratur zu dieser The- matik, die in den letzten zwanzig Jahren erschienen ist, stark von der Person Klaus Herbers beeinflusst ist. Seine Publikationen zu Leo IV. und der Zeit des 9. Jahrhun- derts sind von solch zentraler Bedeutung, dass sie zur Grundlage in den Schriften aller Autoren wurden, die sich mit den Päpsten und der Zeit des 9. Jahrhunderts beschäftigten. Dies sorgt aber dementsprechend, in Verbindung mit dem von ihm vermuteten aufkommenden Desinteresse an der Papstgeschichte des frühen Mittelal- ters, das durch die schlechte Quellenlage bedingt sei,7 dafür, dass kaum unterschied- liche Meinungen vorzufinden sind und bei der anstehenden Arbeit auf die Basis einer argumentativen Vielfalt verzichtet werden muss.

2 Papst Leo IV.

Wie bereits angedeutet, soll nun zunächst kurz die Person Leos IV. untersucht werden, um eine Vorstellung seines Charakters zu bekommen, die später zur Grundlage für die Betrachtung und das Verständnis seines Tuns werden soll. Dabei richtet sich der Blick zunächst auf seine Herkunft, seine Ausbildung und seinen Aufstieg in der Hierarchie der Kirche, bevor dann seine Wahl in die Nachfolge Petri und besonders die damit verbundene Weihe thematisiert wird.

2.1 Herkunft, Ausbildung und Aufstieg Leos IV.

Wie fast alle Päpste des frühen Mittelalters entstammte Leo IV., der Sohn Radualds, mit hoher Wahrscheinlichkeit einer reichen römischen Familie; seine war von lango- bardischer Abkunft.8 Für den Reichtum seiner Familie spricht die Tatsache, dass Leo zur Erziehung dem Martinskloster bei St. Peter anvertraut wurde,9 wo er sich trotz seines jungen Alters das geistliche Leben „ velut perfectus monachus “10 ange- eignet haben soll, sodass er deswegen sogar, „ quasi unus ex illis “11, zum Vorbild des ganzen Konvents wurde.12

Bald wurde auch Papst Gregor IV. auf den frommen Leo aufmerksam und berief ihn als Subdiakon an den Lateran.13 Nach dem Tode Gregors führte ihn sein weiterer Lebensweg schließlich als Kardinalspriester an die Kirche SS. Quattro Coronati, die ihm der neue Papst Sergius II. verliehen hatte.14 Nachdem er somit in die höchsten klerikalen Ränge Roms aufgestiegen war,15 blieb er noch etwa drei Jahre an die- ser Kirche,16 bis Sergius am 27. Januar des Jahres 847 starb und erneut ein Papst gewählt werden musste.

2.2 Wahl und Weihe Leos IV. zum Papst

Die folgende Wahl wurde von zwei Ereignissen überschattet. Zum einen war dies der plötzliche und unerwartete Tod Papst Sergius’, zum anderen waren es die Plünde- rungen der Sarazenen in St. Peter und St. Paul, die im August des vorangegangenen Jahres bis nach Rom vorgestoßen waren.17 So erfolgte die Wahl Leos sogar noch vor der Beisetzung des Sergius’;18 seine Weihe fand jedoch erst am 10. April 847, und zwar ohne die Zustimmung Kaiser Lothars,19 statt, nachdem die Bürger Roms dem Kaiser in einem Brief ihre Treue versichert hatten.20 Der Liber pontificalis begründet diese Maßnahme damit, dass die Römer „ periculumque Romanae urbis maxime me- tuebant “.21 Diese große Gefahr, die befürchtet wurde, waren erneut die Sarazenen,22 die scheinbar schon wieder Rom bedrohten.23

3 Das Pontifikat Leos IV.

Diese ständigen Bedrohungen durch die Sarazenen sollen nun im folgenden Ab- schnitt, der sich mit den Taten und Errungenschaften Leos befasst, genauer unter- sucht werden. Im Anschluss daran werden dann Leos Wirken als Bauherr sowie seine Schenkungen und die Wunder, die er vollbracht haben soll, analysiert werden.

3.1 Leo IV. als Kriegsherr

Zunächst einmal scheint die Bezeichnung Leos als Kriegsherr aufgrund der Tatsache, dass Klerikern schon immer der Kampf und die aktive Teilnahme an Kriegshandlungen verboten war, fehl am Platze. Hatte noch Augustinus einen „gerechten Verteidigungskrieg“ zu legitimisieren versucht, so herrschte im frühen Mittelalter die Meinung vor, dass jedwedes Töten, auch das im Krieg, Sünde und somit eine Beteiligung von Klerikern im Krieg unmöglich sei.24 Stattdessen sei es die Pflicht der weltlichen Herrscher, die heilige Kirche überall gegen heidnische Feinde zu verteidigen; die der Kirche sei es, für die Kämpfer zu beten.25

Dass diese Theorie in der Praxis nicht funktionsfähig war, zeigten die Sarazenen- einfälle deutlich auf. Da der Kaiser und sein Heer nicht ständig in Rom verweilen konnten, waren die Päpste des 9. und 10. Jahrhunderts gezwungen, sich selbst gegen die invasiven Sarazenen zu wehren. Als Leo schließlich sein Amt antrat, lag der letz- te Einfall der Sarazenen noch kein Jahr zurück. Zwar „ermunterte er das fränkische Heer [mehrfach, J.H.] mit Versprechungen zum mutigen Kampf gegen die Saraze- nen“,26 als diese aber im Jahre 848 oder 84927 erneut mit einer Flotte auf Ostia zu hielten, musste sich Papst Leo IV. selbst um die Verteidigung Roms kümmern.

Unterdessen segelten die Neapolitaner, Amalfitaner und Gaetaner, angeregt durch Gott,28 nach Ostia, um Leo ihre Unterstützung gegen die Sarazenen anzubieten. Doch dieser war sich zunächst unschlüssig darüber, welche der beiden Flotten die größere Bedrohung für die Stadt Rom darstellte. „ Tunc demum venerabilis papa ali- quantos ex eis prius ad se Romam venire praecepit, volens ad eos spetialiter scire si eorum pacificus esset adventus, vel non. “29 Nachdem Leo IV. sich ihrer schließlich versichert hatte, „ Ostiam properavit, “30 hieß die Verbündeten willkommen31 und fei- erte mit Ihnen die heilige Messe,32 um für einen Sieg zu beten.33

Als am nächsten Tag die Sarazenen vor der Küste Ostias erschienen - Leo war be- reits nach Rom zurückgekehrt34 - kam ein gewaltiger Sturm auf35 und noch bevor es zu großen Kämpfen gekommen war, ging die Flotte der Sarazenen darin unter. Die Überlebenden, die sich auf eine der Inseln oder an Land hatten retten können, wurden daraufhin, sofern sie nicht verhungerten, getötet oder als Kriegsgefangene nach Rom gebracht.36

Neben dieser einen Auseinandersetzung Leos IV. mit den Sarazenen, sei an dieser Stelle auf die Möglichkeiten einer zweiten verwiesen.37 Ein Registerfragment aus der Collectio Britannica,38 das Leo IV. an Kaiser Ludwig II. sandte, berichtet von einer heimlichen Ankunft der Sarazenen in Ostia, worauf Leo mit dem Volk die Stadt verließ. Während die Mehrheit der Historiker ob der Anrede Ludwigs als Kaiser39 eine Verbindung zur Schlacht vor Ostia ausschloss und dieses Fragment in das Jahr 852 datierte, sieht Herbers immerhin die Möglichkeit, dass die Anrede nachträglich korrigiert wurde und doch die Schlacht von Ostia in diesem Fragment gemeint gewesen sein könnte. Da aber neben diesen vier Zeilen des Brieffragments weder die Leovita noch eine andere Quelle von einer zweiten Auseinandersetzung mit Sarazenen berichten, besteht keine Chance, deren Echtheit zu verifizieren.

3.2 Leo IV. als Baupast

Da sich Leo IV. auch in vielerlei Hinsicht als Baupapst hervorgetan hat, werden seine Aktivitäten im Folgenden in drei Bereiche unterteilt werden. Auf der einen Seite stehen die Baumaßnahmen, die er innerhalb Roms tätigte und sich in Sakral- und Schutzbauten gliedern, auf der anderen Seite diejenigen, die er in der Umgegend der Stadt vornahm.

(a) Schutzbauten

Eine der ersten Baumaßnahmen, die dem Schutze der Stadt dienen sollten, war die Wiederherstellung und Ausbesserung der knapp 600 Jahre alten Aurelianischen Mauer.40 „ [Hi; J.H.] longo iam senio ad vetustatem infracti dirutique funditus vide- bantur “41 und so ordnete er aus Furcht vor Feinden an, dass zum einen die Mauern schnellstens erneuert werden sollten und zum anderen auch die Tore verstärkt42

[...]


1 Die Collectio Britannica ist eine Handschrift aus Italien, die 1831 in London auftauchte. Sie enthält vornehmlich Provenienz frühmittelalterlicher Päpste und war in ihrer heutigen Form wohl frühestens um 1095 beendet., vgl. Herbers, Leo IV., S. 50; Scholz, Politik, S. 172f.

2 vgl. Herbers, Leo IV., S. 20.

3 vgl. ebd., S. 33ff.: Herbers siedelt den Verfasserwechsel der Leovita im Liber pontificalis der Edition Duchesne auf S. 127 an.

4 vgl. ebd., S. 61.

5 ebd., S. 89.

6 vgl. ebd., S. 57.

7 vgl. ebd., S. 2.

8 „ Leo, natione Romanus, ex patre Radualdo. “, Lib. Pont. (Duchesne II, S. 106); vgl. Herbers, Leo IV., S. 95; vgl. zur langobardischen Abkunft: Gregorovius, Rom im Mittelalter, S. 509.

9 „ Hic primum a parentibus ob studia litterarum in monasterio beati Martini [...], quod [...] iuxta

ecclesiam beati Petri apostoli situm est, [...] sponte concessus est. “, Lib. Pont. (Duchesne II, S. 106).

10 Lib. Pont. (Duchesne II, S. 106).

11 ebd.

12 vgl. Schieffer, Kloster, S. 245; vgl. Herbers, Leo IV. S. 95.

13 „ Fama illius, sive sanctitatis opinio, huc illucque luce clarius divulgata est [...] subdiaconum quoque eum ob suae famam vitae laudabilis fecit. “, Lib. Pont. (Duchesne II, S. 106).

14 „ Defuncto autem huius sacratissimae sedis papa Gregorio, tunc Sergius archipresbiter sanctae Romanae ecclesiae praesul effectus, hunc de quo superius nonnulla retulimus, Leonem videlicet, beatissimus papa presbiterum consecravit, eique titulum sanctorum IIII Coronatorum largitus est. “, Lib. Pont. (Duchesne II, S. 106).

15 vgl. Schieffer, Kloster, S. 245.

16 vgl. Herbers, Leo IV., S. 96.

17 „ ... ecclesiae beatissimorum principum Petri ac Pauli a Sarracenis funditus depraedatae sunt. “, Lib. Pont. (Duchesne II, S. 106).

18 „ Necdum enim his qui obierat pontifex ad sepulturam debitam fuerat deportatus. “, Lib. Pont. (Duchesne II, S. 107).

19 Diese war seinerzeit eigentlich unabdingbar; vgl. hierzu Kaptiel 4.1.

20 vgl. Gregorovius, Rom im Mittelalter, S. 509.

21 Lib. pont. (Duchesne II, S. 107).

22 vgl. Herbers, Leo IV., S. 101ff.; vgl. Gregorovius, Rom im Mittelalter, S. 509; vgl. Seppelt, Papsttum, S. 227.

23 Tatsächlich erfolgte der nächste überlieferte Angriff der Sarazenen erst zwei Jahre später im Jahre 849; vgl. hierzu Kapitel 3.2.

24 vgl. Herbers, Leo IV., S. 105f.

25 Karl der Große in einem Brief an Leo III. 796, vgl. bei Schimmelpfennig, Papsttum, S. 101.

26 Herbers, Leo IV., S. 107.

27 Im Liber pontificalis, der einzigen Quelle hierzu, ist nur die 12. Indiktion erwähnt; vgl. zur Problematik der genauen Datierung Herbers, Leo IV., S. 22ff.

28 „ ...excitavit tunc inter ceteros omnium Neapolitanorum Amalphitanorum Cagetanorumque corda. “, Lib. pont. (Duchesne II, S. 117).

29 Lib. pont. (Duchesne II, S. 118).

30 ebd.

31 „ omnesque [...] suscepit “, Lib. pont. (Duchesne II, S. 118).

32 „ Quibus ore suo missam in ecclesia beatae Auree decantavit. “ Lib. pont. (Duchesne II, S. 118).

33 vgl. Herbers, Leo IV., S. 113; vgl. Seppelt, Papsttum, S. 226.

34 „ Die vero altera postquam a iamdicta civitate reversus est presul, ipsi sceleratorum socii sive participes iuxta litus maris Ostensis multis cum navibus paruerunt. “, Lib. pont. (Duchesne II, S. 118).

35 „ validus ac supereminens excitatus est ventus “, Lib. pont. (Duchesne II, S. 118).

36 „ Ex quibus per quasdam insulas nostras famis laborantes penuria plurimi a nostris hominibus interfecti sunt, ceteros autem vivos, causa veritatis ac testimonii, vivos conprehendentes, Romam duxerunt. “, Lib. pont. (Duchesne II, S. 119).

37 vgl. hierzu: Herbers, Leo IV., S. 124ff.

38 MGH Epist. V S. 585 n. 1.

39 Die Kaiserkrönung Ludwigs war erst 850; vgl. Kapitel 4.1.

40 vgl. hierzu: Herbers, Leo IV., S. 136.

41 Lib. pont. (Duchesne II, S. 115).

42 „ Et non solum muros quos diximus celeri fieri agilitate praecepit, sed et portas, quibus omnis sepe clauditur civitas, novo cultu lignisque praevalidis ob inimicorum metum sive terrorem reaedificari festinantius iussit. “, Lib. pont. (Duchesne, S. 115).

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640902774
ISBN (Buch)
9783640902873
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171135
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,3
Schlagworte
Leo IV. Rom Mittelalter Leonina Leostadt Civitas Leonina Vita Leonis Sarazenen Baupast Ludwig II Lothar I

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Titel: Leo IV. und seine Bedeutung für die Stadt Rom