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Zur Darstellung des Übermenschen in Chr. D. Grabbes "Don Juan und Faust"

Seminararbeit 2009 21 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Darstellung des Übermensch in Grabbes Don Juan und Faust
2.1. Definition des Begriffs Übermensch
2.2. Don Juan und Faust – Übermenschen?
2.2.1. 1. Akt
2.2.1.1. Zu Don Juan
2.2.1.2. Zu Faust
2.2.2. 2. Akt
2.2.2.1. Zu Faust
2.2.2.2. Zu Don Juan
2.2.3. 3. Akt
2.2.3.1. Zu Faust
2.2.4. 4. Akt
2.2.4.1. Zu Don Juan
2.3. Besonderheit der Schlüsselszene im dritten Akt

3. Schlussfolgerung

4. Literaturverzeichnis
4.1. Primärliteratur
4.2. Sekundärliteratur
4.3. Sonstige Quellen

1. Einleitung

Christian Dietrich Grabbe verfasste das Ideendrama „Don Juan und Faust“ 1828.[1] Fasziniert von Goethe und Mozart war es Grabbes Intention, die beiden Hauptcharaktere, nämlich Faust und Don Juan, in ihrer Gegensätzlichkeit miteinander zu verknüpfen und beide als Gegenspieler in ein und demselben Werk darzustellen.[2] Mit der Wahl des welthistorischen Roms als Handlungsort für das Drama, ist es Grabbe gelungen die beiden legendären Individuen Faust und Don Juan geschickt miteinander in Verbindung zu bringen, da Rom Grabbes Auffassung nach „im Augenblick [der] Jahrtausende verschmolzen“[3] ist und Grabbes wesentliche Einstellung zur Geschichtsauffassung widerspiegelt: Nämlich, dass alles von Menschenhand geschaffene nicht ewig bestehend bleibt, sondern vergänglich ist.[4] Gerade dieses negative Weltbild Grabbes, welches unumstritten aus seinen persönlichen Lebenserfahrungen rührt, lässt erkennen, dass Grabbe, welcher in einem Zeitalter aufwuchs, das von einem durch und durch geistlichen Denken bestimmt war, selbst in eine tiefe seelische Not geraten war, welche seine Welt gottesleer erscheinen ließ. Die Frage nach dem Wesen Gottes, sowie nach dem Sinn des Seins war für Grabbe essentiell und er bemühte sich zeitlebens eine Antwort darauf zu finden, welche ihm persönlich das Leben wieder lebenswert erscheinen lassen sollte. Dieses Streben nach dem Wesen des Göttlichen und dem Sinn des menschlichen Daseins prägte Grabbe zutiefst und spiegelt sich auch in seinem Drama Don Juan und Faust wieder.[5]

Ziel dieser Seminararbeit ist es, herauszuarbeiten, in wie fern Grabbe seine Hauptcharaktere Faust und Don Juan als Übermenschen darstellt und in wie fern sich die beiden von einander und von ihren Mitmenschen unterscheiden bzw. absetzen. Hierzu werden im Folgenden die einzelnen Akte des Dramas Don Juan und Faust einzeln behandelt und anhand von Textzitaten die Übermenschlichkeit Fausts und Don Juans aufgezeigt.

2. Zur Darstellung des Übermensch in Grabbes Don Juan und Faust

2.1. Definition des Begriffs Übermensch

Der Übermensch wird definiert als „Idealmensch“, welcher über das gewöhnliche Leben eines als normal und meist negativ bewerteten Menschen hinausgewachsen ist, oder hinausstrebt.[6] Dies bedeutet für Grabbes Drama Don Juan und Faust, dass Don Juan und Faust als Übermenschen dargestellt werden, wenn sie sich selbst, oder ihre Mitmenschen sie durch Aussagen auf eine höhere Ebene überordnen (welche sich über der, der Mitmenschen befindet) oder gar mit Gott gleichstellen.

2.2. Don Juan und Faust – Übermenschen?

2.2.1. 1. Akt

In der ersten Szene des ersten Aktes des Dramas Don Juan und Faust von Chr. D. Grabbe befinden sich Don Juan und sein Diener Leporello in Rom. Don Juan schwärmt von seiner Liebe zu Donna Anna, welche allerdings bereits mit Don Octavio verlobt ist. Schließlich stiftet Don Juan Unruhe vor Donna Annas Haus, um sie ans Fenster zu locken. Allerdings kann Don Juan nur einen kurzen Blick auf Donna Anna erhaschen, stattdessen erscheinen Donna Annas Vater, der Gouverneur und ihr Verlobter Don Octavio und laden Don Juan nach einer kurzen Unterhaltung zur Hochzeit Donna Annas mit Don Octavio am folgenden Tag ein.

Leporello, der mit Donna Annas Magd Lisette liiert ist, findet schließlich heraus, dass Donna Anna am nächsten Tag vor der Hochzeit im Garten ihres Vaters alleine spazieren gehen wird. Diese Gelegenheit will Don Juan für ein Gespräch unter vier Augen mit Donna Anna nutzen.[7]

Die zweite Szene des ersten Aktes trägt sich ebenfalls in Rom zu, allerdings im Zimmer Fausts auf dem Aventin. Faust sitzt am Schreibtisch und spricht in einem langen Monolog über seine Arbeit und seinen unbefriedigten Erfolg als Wissenschaftler, von den Mühen die er auf sich genommen hatte um diesen wissenschaftlichen Erfolg zu erreichen, von seiner Liebe zum Vaterland und von seinem Wunsch in Rom endlich Befriedigung zu erfahren. Anschließend beschwört Faust den schwarzen Ritter herauf und unterschreibt mit seinem eigenen Blut den Pakt mit dem Teufel. Der Ritter rät Faust an, sich in Donna Anna zu verlieben, um durch Liebe Glauben zu erfahren. Schließlich fährt Faust mit dem Ritter hinab zur Hölle. Kurz darauf treffen der Gouverneur und Don Octavio bei Faust ein und stellen fest, dass dieser kurz zuvor zur Höllenfahrt angetreten ist.[8]

2.2.1.1. Zu Don Juan

Als Don Juan seinem Diener Leporello von seiner Angebeten Donna Anna vorschwärmt, erfährt er von ihm, dass diese bereits mit Don Octavio verlobt ist. Daraufhin zählt Leporello einige Eigenschaften des Verlobten auf, wobei ihm Don Juan ins Wort fällt:[9]

– lebt mäßig, gibt nicht Anstoß, tanzt gut, reitet

Erträglich, spricht französisch, kann mit Anstand

Im Kreise der Gesellschaft sich bewegen,

Und schreibt vielleicht sogar auch orthographisch!

– Dergleichen Schuften in den Weg zu treten,

Ist mir die höchste Seligkeit![10] (Don Juan über Don Octavio)

Hier wird deutlich, dass Don Juan die Eigenschaften des Don Octavios mit den seinen vergleicht und es als Selbstverständlichkeit voraussetzt, dass er – Don Juan – in allen genannten Disziplinen weitaus besser ist als Don Octavio.

Als Donna Anna den unter ihrem Fenster stehenden Don Juan zürnend fortwinkt spricht dieser zu sich selbst:[11]

Pah,

Vergebens winkst du mich von dannen! Ich

Erreiche dich, und wenn ich über Leichen,

Durch deines Vaters Blutstrom schreiten müsste![12] (Don Juan zu Donna Anna)

In dieser Textstelle kommt besonders die außergewöhnliche Entschlossenheit Don Juans zum Ausdruck, welche ihn von seinen Mitmenschen unterscheidet. Don Juan begehrt Donna Anna so sehr, dass er um nichts in der Welt aufhören wird sie zu umwerben und nicht einmal vor dem Tod zurückschreckt, um Donna Anna zu bekommen.

Als Don Juan im Gespräch mit Donna Annas Vater, dem Gouverneur, ist und dieser Don Juan versichert, dass Donna Anna ein ehrbares Mädchen ist und nicht dem Werben des Zauberers Faust nachgeben wird, spricht Don Juan zu sich selbst:[13]

Der Vater selbst bläst meine Leidenschaft

Zu Gluten an, – wie göttlich über solch

Ein Weib zu triumphieren! [14] (Don Juan zu sich selbst)

Auch in diesem Zitat wird deutlich, dass Don Juan den Wunsch hat selbst „göttlich“[15] zu sein. Sein Plan ist es, das Herz Donna Annas zu erobern, um den Status „göttlich“ zu erreichen.

Nachdem Don Juan vom Gouverneur zur Hochzeit Donna Annas eingeladen wurde, soll Leporello über die Magd Lisette herausfinden, wo Don Juan Donna Anna am nächsten Tag alleine antreffen kann. Als Don Juan Leporello auf die Attraktivität der Magd anspricht entgegnet dieser:[16]

Ihr seid ein Kraft-, Universal-Genie!

Die Herrin lieben, von der Dienerin

Entzückt, – und das so durcheinander während

Desselben Augenblicks – Weh mir! mir schwindelt![17] (Leporello zu Don Juan)

Selbst der Diener Leporello ist davon überzeugt, dass sein Herr Don Juan kein gewöhnlicher Mensch ist. Indem er Don Juan als ein Kraft – und Universalgenie[18] bezeichnet, hebt Leporello seinen Herrn auf eine Ebene über seine Mitmenschen: Als Übermensch.

Auf das oben genannte Zitat Leporellos entgegnet Don Juan:[19]

Mensch, hälst du mich für einen albernen

Pedanten, eingewurzelt in Systeme?[20] (Don Juan zu Leporello)

Don Juan zeigt hier deutlich, dass auch er selbst überzeugt davon ist, außergewöhnlicher als seine Mitmenschen zu sein. Er macht Leporello klar, dass er nicht angepasst an die Strukturen der Gesellschaft lebt, sondern sich selbst davon abgrenzt.

Leporello soll Don Juan verraten, in welchem Zimmer die Magd Lisette schläft. Darauf entgegnet Leporello:[21]

's ist eine Sünde, dass ichs Euch verrate, –

Der Engel wohnt dort in dem Erdgeschoß –

– O mögen alle Teufel ihn beschirmen,

Denn vor den Engeln seid Ihr gar nicht bange![22] (Leporello zu Don Juan)

Die Tatsache, dass Leporello seinem Herrn Don Juan vorwirft, er schrecke nicht vor Engeln zurück[23], ist ein weiterer Hinweis auf die Übermenschlichkeit Don Juans. Engel, befinden sich zwar unter Gott, stehen jedoch deutlich über den Menschen. Don Juan bricht hier das Weltbild, indem er sich mit den Engeln als ebenbürtig aufwiegt, sich sogar anmaßt über sie zu bestimmen, so dass Leporello sogar die Verkörperung des Bösen, nämlich den Teufel, anfleht, die Engel vor Don Juan zu beschützen.[24]

[...]


[1] Christian Dietrich Grabbe. Don Juan und Faust. Eine Tragödie in vier Akten. Stuttgart. 1963. S. 105.

[2] Grabbe und die Dramatiker seine Zeit: Beiträge zum II. Internationalen Grabbe-Symposium 1989. Im Auftrag d. Grabbe-Ges. hrsg. von Detlev Kopp u. Michael Vogt. Tübingen. 1990. S. 232.

[3] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 109.

[4] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 109.

[5] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 110.

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Übermensch.

[7] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 5-18.

[8] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 18 – 30.

[9] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 5-7.

[10] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 6-7.

[11] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 8.

[12] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 8.

[13] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 10-11.

[14] Grabbe: Don Juan und Faust. S 11.

[15] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 11.

[16] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 13.

[17] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 13.

[18] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 13.

[19] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 13.

[20] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 13.

[21] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 14.

[22] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 14.

[23] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 14.

[24] Grabbe: Don Juan und Faust. S. 14.

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640900862
ISBN (Buch)
9783640901012
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171071
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Deutsche Philologie
Note
3,0
Schlagworte
Don Juan Faust Grabbe

Autor

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