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Polit-Talkshows

Bedingungen, Elemente, Inszenierungscharakter und Profilierung von Beteiligungsrollen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 33 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Politikvermittlung in Polittalkshows
2.1 Institutionelle Bedingungen
2.2 Mediale Bedingungen
2.3 Chancen und Risiken für politische Akteure

3. Die zentralen Elemente politischer Talkshows
3.1 Der Moderator
3.2 Die Gäste
3.3 Das Studiopublikum

4. Der Inszenierungscharakter politischer Talkshows

5. Visuelle Elemente der Inszenierung politischer Talkshows
5.1 Räumliches Arrangement
5.2 Bildgestaltung durch Kamera und Regie
5.2.1 Kameraeinstellungen und ihre Funktionen

6. Gegenstand und Methode

7. Profilierung von Beteiligungsrollen durch Kameraeinstellungen
7.1 Fallbeispiel Anne Will

8. Schlussbetrachtung

9. Anhang
9.1 Transkriptionskonventionen
9.2 Abkürzungsverzeichnis
9.3 Abbildungsverzeichnis

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es ist die Eigentümlichkeit demokratischer Regierungsformen, sich durch den öffent- lichen Diskurs zu legitimieren. Auf diesem Weg erfüllt die Politik grundlegende Funktionen, die zum Meinungsbildungsprozess der Bürger beitragen. Politik wird transparent, denn der Bürger kann sich über aktuelle Themen und Meinungen infor- mieren und im Gespräch mit anderen austauschen. Politik wird des Weiteren ver- gleichbar, da mehrere, teils konkurrierende Meinungen verschiedener Politiker aus unterschiedlichen Parteien präsentiert werden. Auf diese Weise ergibt sich für den Bürger eine Orientierungsfunktion, die ihn zur politischen Teilhabe sowie zur Kritik und Kontrolle befähigt. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts fand jedoch – nicht zuletzt auf Grund des Bedeutungszuwachses massenmedialer Kommunikationsformen – ein Wandlungsprozess der politischen Kommunikation statt.1 Bedingt durch die Groß- räumigkeit und Bevölkerungsdichte moderner Gesellschaften, ist die persönliche Kommunikation zwischen Bürgern und Politikern nicht mehr ausreichend gewähr- leistet. Mit Hilfe der Massenmedien wird ein stetiger Informationsfluss aufrechter- halten, der die Umwelt jedes Einzelnen sowohl räumlich als auch zeitlich entgrenzt.

Nicht mehr nur das persönliche Erkundbare und der physisch Erreichbare zählen zum individuellen Erfahrungsbereich: „Was die meisten Menschen über ihre Gesellschaft, ja über die Welt, in der sie leben, wissen, wissen sie durch das Fernsehen“2. Eine Politikvermittlung ohne Presse, Rundfunk oder Internet ist in modernen Gesellschaf- ten daher undenkbar geworden. „Fokussiert man die Rolle der Medien im demokrati- schen Prozess, so spielt vor allem die Funktion der Informationsvermittlung eine zentrale Rolle für unsere Gesellschaft, da die Bürger zur politischen Teilnahme auf diese Vermittlungsleistung angewiesen sind“3.

Trotz des Siegeszuges neuer Medien wie dem Internet, wird das Fernsehen im Ver- gleich mit anderen Massenmedien durchschnittlich am häufigsten und am längsten genutzt.4 Auf Grund seiner audiovisuellen Übertragung, seiner Aktualität und „be- sonderen Glaubwürdigkeit“5 kommen auch diejenigen Bürger mit Politik in Kontakt, die sich wenig bis gar nicht für dieses Thema interessieren.6 Für den vorliegenden Text von besonderer Relevanz ist daher das gesprächsorientierte Format der politi- schen Talkshow, welches die Politikvermittlung und Präsensmöglichkeiten für Poli- tiker im und durch das Fernsehen enorm verändert und erweitert hat. Anstatt lang- wierige Parlamentsdebatten zu verfolgen, bekommt der Fernsehzuschauer „lebendi- ge“ Politik in praktischer komprimierter Form serviert. Dass es sich bei politischen Talkshows aber um keinen Gesprächsrahmen im herkömmlichen Sinne handelt, ist leicht erkennbar: Gespräche im Fernsehen sind schon allein durch einen begrenzten Zeitrahmen vorstrukturiert, Themen werden geplant, Gäste nach bestimmten Krite- rien in ein Studio eingeladen und das Geschehen durch ein halbes Dutzend Kameras eingefangen. Es stellt sich die Frage, inwieweit eine politische Talkshow politische Inhalte vermittelt, ob sie der Diskussion lediglich folgt oder ob Fernsehdiskussionen, auf Grund ihrer medialen Rahmenbedingungen, reine Inszenierungen von Diskussio- nen sind. Welche Merkmale tragen zum Inszenierungscharakter politischer Fernseh- diskussionen bei? Inwieweit nutzen Politiker diese besondere Gesprächssituation als Darstellungsplattform, um bei den potentiellen Wählern vor dem Fernsehbildschirm um deren Gunst zu werben? Welche medienspezifischen Visualisierungsmöglichkei- ten, beispielsweise durch Kameraeinstellungen werden genutzt, um den Gesprächs- ablauf zu gestalten?

Nach einem Abriss der institutionellen und medialen Bedingungen moderner Politik- vermittlung (2.1-2) werden die daraus resultierenden Chancen und Risiken für Politi- ker erläutert (2.3). Um ein Verständnis der vorliegenden Arbeit zu sichern, wird das Fernsehformat der politischen Talkshow an Hand konstitutiver Elemente beschrieben (3-3.3). Darauf aufbauend erfolgt die Darstellung des Inszenierungscharakters politi- scher Talkshows (4), die zur eigentlichen Frage führt: durch welche visuellen Ele- mente wird die Inszenierung politischer Talkshows realisiert? Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den Kameraeinstellungen (5-5.2.1), da die Bildregie mit ihnen das Diskussionsgeschehen für den Zuschauer nicht nur nachzeichnet, sondern tendenziell auch Beteiligungsrollen der Gesprächsteilnehmer profiliert werden (7.).

2. Politikvermittlung in Polittalkshows

2.1 Institutionelle Bedingungen

Massenmedien nehmen eine Schlüsselfunktion im politischen Willensbildungspro- zess ein, während traditionelle Kanäle wie Parteien, Verbände und Gewerkschaften mit ihren Ständen, Veranstaltungen und Werbeaktionen in den Hintergrund gedrängt werden. Bedingt sind diese Veränderungen durch eine kontinuierlich steigende Nut- zung des massenmedialen Angebots durch die Bevölkerung, insbesondere des Fern- sehens.7 Zunehmend werden Alltagswissen, Handlungsorientierungen und soziale Identitätsbildung durch die Medien geprägt, wodurch sich auch Einstellungen, Werte und Verhaltensweisen ändern.

Seit Einführung des dualen Rundfunksystems in Deutschland im Jahr 1984 befinden sich öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender in einem permanenten Kampf um Einschaltquoten und Marktanteile. Dabei stehen die Sender vor der Herausforde- rung, einerseits ihrer im Rundfunkstaatsvertrag geregelten Informationspflicht nach- zukommen (RStV §2 Abs. 2), andererseits aber auch auf die hauptsächlich nachgef- ragten Unterhaltungsformate durch die Zuschauer zu reagieren. Um diesen Zwiespalt zu lösen, müssen die Sender „Information zunehmend in unterhaltend inszenierten Rahmungen“8 präsentieren, um überhaupt Zuschauer für derartige Formate zu finden. Infotainment, Dokutainment, Politainment etc. sind die Hybribbildungen, mit denen die Vermischung von Information und Unterhaltung benannt werden. Dabei ist seit Mitte der neunziger Jahre zum einen eine Ausweitung der Politikvermittlung in un- terhaltungsorientierte Sendungen zu beobachten; zum anderen die wachsende Bereit- schaft der Politiker, die gesamte Bandbreite der, primär unterhaltungsorientierten, Fernsehformate zur Vermittlung ihrer Person und Politik auch zu nutzen.9 „Moderne Politikvermittlung heißt somit zuvorderst auf die Bedürfnisse und die Erwartungen der Massenmedien und deren Nutzer ausgerichtete, also mediatisierte Politikvermitt- lung“10. Die Rahmenbedingungen der Politik unterliegen einem inhaltlichen und or- ganisatorischem Wandel, der oft als Amerikanisierung oder „Politainment“11 be- zeichnet wird. Damit gemeint ist erstens die dauerhafte Medienpräsenz von Politi- kern auch außerhalb von Wahlkampfzeiträumen sowie zweitens deren Professionali- sierung „vor der Kamera“. Diese Konzepte gehen davon aus, dass Politik in moder- nen Gesellschaften nicht mehr nur rechenschaftspflichtig und zustimmungsabhängig ist, sondern auch vermittlungsfähig sein muss, um Wählerstimmen zu gewinnen. Es bedarf publikumsorientierter, abwechslungsreicher und unterhaltsamer Darstellungen für die Medien und in den Medien. Innerhalb des Prozesses der Mediatisierung kommt dem Fernsehen daher eine zentrale Stellung zu.

2.2 Mediale Bedingungen

Das unverkennbare Charakteristikum des Fernsehens liegt auf der Hand: es überträgt Bilder und Töne. Die übertragenen Bilder sind allerdings nicht statisch wie in Zeit- schriften oder auf Plakaten, sie sind dynamisch. Und auch die Sprache stellt sich nicht als Textbild dar, sie wird in ihrer dynamischen Form als gesprochene Sprache präsentiert. Das Fernsehen verfügt somit über die Möglichkeit, die Vielfalt natürli- cher Kommunikation durch den medialen Raum zu transportieren, die körpernahen Kommunikationsweisen des Menschen mit seiner Mimik, Gestik und seinem Spre- chen in all ihrer Flüchtigkeit werden scheinbar voll vergegenwärtigt.12 Die Ein- schränkungen audiovisueller Medien gegenüber der leibgebundenen Face-to-Face- Kommunikation lassen sich ebenso wenig von der Hand weisen: Fernsehen ist kein interaktives Medium, sondern ein Einwegmedium.13 Die Kommunikation ist, trotz aller scheinbaren Lebendigkeit, nur halb, da der Adressat nicht präsent ist. Er wird seiner kommunikativen Möglichkeiten beraubt und zum bloßen Empfänger degra- diert. Holly spricht an dieser Stelle von „Blindkommunikation“14, da der Sender ohne unmittelbares Feedback kommuniziert. Das ist einerseits äußerst effektiv, da über- zeugende Kommunikatoren, wie beispielsweise Politiker oder Werbetreibende, mit geringem Aufwand ein großes, anonymes und heterogenes Publikum erreichen. An- dererseits kann eine solche Kommunikation auch scheitern, da die Kommunikation unpersönlich bleibt und der Sender nicht weiß, ob er beachtet und verstanden wird. Gerade für das Fernsehen wurden daher zahlreiche Strategien entwickelt, welche die Illusion einer normalen Kommunikation aufbauen, um damit den Zuschauer zu errei- chen. Für das in dieser Arbeit behandelte Thema der politischen Talkshow wären solche Ersatzformen von Interaktionalität etwa die Begrüßung des nicht anwesenden (Fernseh-)Publikums oder bestimmte Apelle („Rufen Sie an“).15 Es ist das Ziel des Übertragungsmediums Fernsehen, den Zuschauer zu binden, wobei jede Kommuni- kation permanent auf eine vielschichtige Adressatenkonstellation abgestimmt werden muss, die je nach Situation von einem prototypischen Rezipienten ausgeht: „So ent- steht ein Programm, das im Ganzen, aber auch in einzelnen Sendungen einen kalei- doskopartigen Charakter erhält, durch die Mischung und Variation von Themen und Darbietungsformen, von Gattungen, Textsorten, Stilen und Sprachvarietäten, von Interaktionsmodalitäten wie Spaß und Ernst, Pathos und Beiläufigkeit“16. Fernsehen ist demnach Massenkommunikation und unterscheidet sich strukturell stark von der „normalen“ Face-to-Face-Kommunikation. Weder lässt sich, im Sinne von Meinen und Verstehen, eine Verständigung über das Kommunizierte erreichen, noch mit Sicherheit eindeutige Absichten unterstellen, da die Kommunikate auf ein möglichst großes Publikum zugeschnitten sind. Es werden im Gegenteil sogar gezielte Mehr- fachadressierungen vorgenommen, um die sich immer weiter ausdifferenzierenden Interessenmillieus zusammenzubinden.17

Politische Fernsehdiskussionen bieten politischen Akteuren unmittelbare Darstel- lungsmöglichkeiten, die Sarcinelli/ Tenscher (1998, 308f.) wie folgt zusammenfas- sen: „Das bedeutet, daß jede Äußerung zwar vordergründig an den direkt angespro- chenen, physisch anwesenden Gesprächspartner gerichtet ist. Der eigentliche Adres- sat der verschiedensten Kommunikationsinteressen ist aber der Zuschauer am Bild- schirm“. In der Konsequenz bedeutet dies, dass jegliche Dialoge lediglich inszeniert werden. Neben der über Jahrzehnte erfolgten Institutionalisierung politischer Talk- shows nennen Sarcinelli/ Tenscher (1998, 310) dafür folgenden weiteren Grund:

„Das Festhalten am Konzept der politischen Fernsehdiskussionen und deren Erfolg leitet sich nicht zuletzt vom in den Köpfen der Bürger fest verankerten Glauben ab, daß die wesentlichen Entscheidungen in einem freiheitlichen, demokratischen Sys- tem aus Diskussionen hervorgehen“.

2.3 Chancen und Risiken für politische Akteure

In einer medial geprägten Gesellschaft kommt der Politiker nicht umhin, sich und seine Politik in verschiedenen Fernsehformaten zu präsentieren, will er seine politi- sche Macht festigen und erweitern. Insbesondere der Auftritt in einer Polit-Talkshow ist für Politiker aber ein zweischneidiges Schwert, denn der Ablauf derartiger Ge- sprächssendungen ist kaum planbar und daher nur bedingt vorherzubestimmen. Im Gegensatz zu organisierten Veranstaltungen wie Debatten im Parteitag, spielen hier „Unsicherheitsfaktoren“18 eine Rolle, z.B. Zuschauerreaktionen, Überraschungsgäste oder faktenschwangere Einspielfilme.19 Des Weiteren ist nicht jeder Politiker auto- matisch ein Medienprofi, d.h. nicht jeder verfügt über das notwendige Maß an rheto- rischer Kompetenz. Es sind Witz, Schlagfertigkeit und Spontanität gefragt, um den Anforderungen des Moderators, des Publikums oder den rhetorisch geschickten Mit- diskutanten gerecht zu werden. „Schließlich stellen Talkshowauftritte einen Balance- akt zwischen der Notwendigkeit eines der Sendung adäquaten Auftretens und den Authentizitätsansprüchen der Zuschauer dar. Gerade der politischen Klasse eher dis- tanziert gegenüberstehende Rezipientenkreise – vor allem Jugendliche – neigen dazu, allzu durchschaubare Gefälligkeitsgesten als bestenfalls peinlich, schlimmstenfalls als problematisch zu empfinden“20. Erinnert sei nur an das Guido-Mobil, mit dem der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle im Wahlkampfjahr 2002 durch die Lande tour- te. Hier wurde zu sehr auf die Spaßkomponente gesetzt, was schnell kippen kann, in diesem Fall auch kippte und zum Glaubwürdigkeitsverlust der gesamten Partei führ- te. Da Polittalks ihrem Selbstverständnis nach einen Beitrag zur Information der Bürger leisten wollen, ist es nur gerechtfertigt, normative Ansprüche zu stellen sowie qualitative Mindeststandards zu fordern. Allgemein erwartet das Publikum ein geho- benes Niveau öffentlicher Diskussionen, die möglichst themabezogen, rational und argumentativ geführt werden sollen.21

Dennoch bietet der fortschreitende Prozess der Entertainisierung des Politischen den Politikern die Chance, auch politisch weniger interessierte Rezipienten zu erreichen, was angesichts der Auflösungserscheinungen der klassischen Volksparteien, der all- gemein zu verzeichnenden Politikverdrossenheit und einer wachsenden Zahl von Wechselwählern nicht ganz unerheblich sein dürfte.22 Die Verbreitung elektronischer Medien führte dazu, dass Wahlkampf vor allem im Fernsehen stattfindet. Wahlkampf ist gewissermaßen zum Normalzustand der Politik geworden.23 So lässt sich auch die wachsende Bereitschaft der Politiker erklären, dauerhaft im Fernsehen präsent zu sein. Allerdings muss auch die Bereitschaft vorhanden sein, sich auf unterschiedliche Formate und deren spezifische Spielregeln einzulassen. Seit Mitte der 1990er Jahre ist eine Art Selektionsprozess zu beobachten, in dem sich die „Spreu vom Weizen trennt“. Talkshow-Meister wie Heiner Geißler, Wolfgang Schäuble oder Gregor Gysi die es verstehen, sich fernsehgerecht von Beckmann über Biolek bis Anne Will zu bewegen, sind gern gesehene Gäste, ihnen wird von Seiten der Programmverantwort- lichen Kompetenz und von Seiten des Publikums Glaubwürdigkeit bescheinigt. Fern- sehgerechtes Auftreten heißt hierbei auch, dem Zuschauer zu gefallen. Affektive Bindungen werden eher aufgebaut, wenn sich der potentielle Wähler emotional an- gesprochen fühlt, was eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Politikver- mittlung ist. Der informationsüberlastete Rezipient ist dankbar, komplexe Inhalte auf einfache Weise vermittelt zu bekommen. Ohnehin haben politische Inhalte eine Viel- schichtigkeit angenommen, die ohne entsprechendes Hintergrundwissen kaum mehr nachvollziehbar ist.24 Für Spitzenpolitiker wie für politische Debütanten stehen da- her vermehrt Plattformen zur Verfügung, auf denen sie sich dem Zuschauer – und damit natürlich dem Wähler – darstellen können. Das dies dreiseitig gewollt und gewünscht ist, lässt sich an permanent hohen Einschaltquoten politischer Talkshows ablesen.25

3. Die zentralen Elemente politischer Talkshows

Durch die starke Konkurrenz der auf Unterhaltung ausgelegten Programmstruktur der privaten Sender haben auch die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Formate an- passen müssen. Dabei suchen sie einen Mittelweg zwischen ihrem Informationsauf- trag und der vom Publikum gewünschten Unterhaltung. Für das Format der politi- schen Talkshow lassen sich daher allgemein folgende Merkmale ausmachen: die Vermischung sachlich-rational und emotional-unterhaltender Elemente; eine hetero- gene Teilnehmerstruktur; eine periodische Ausstrahlung; die Anwesenheit eines Stu- diopublikums sowie die Schlüsselposition des Moderators.26 Die gezeigten Gesprä- che sollen nicht nur informieren, sie sollen gleichzeitig auch unterhalten, wobei ak- tuelle politische und gesellschaftliche Themen behandelt werden. Konsequenterweise kommen die geladenen Gäste daher aus verschiedenen, mit dem Sendungsthema ver- knüpften Bereichen. Die wöchentliche Ausstrahlung und das Studiopublikum verlei- hen der Sendung dabei einen showartigen Charakter. Die drei grundlegenden Baus- teine, aus denen die politische Talkshow besteht, sind der Moderator, die Gäste und das Publikum.

3.1 Der Moderator

Die Schlüsselposition des Moderators wird schon daran deutlich, dass er oft als Na- mensgeber für den Titel der Sendung fungiert, z.B. Anne Will oder Maischberger und somit zur Identifikationsfigur der Sendung erhoben wird. Dem Moderator kommt die Rolle des Diskussionsleiters zu, er verteilt das Rederecht und steuert den Gesprächs- verlauf sowohl formal als auch inhaltlich.

[...]


1 Vgl. Tenscher in: Tenscher/Schicha 2002, 57f.

2 Luhmann 1996, 9.

3 Schmidt 2007, 1.

4 Vgl. ebd., 10.

5 Fahr 2001, 7.

6 Einschlägige Sendungen lassen sich zwar durch einen Knopfdruck ignorieren, Gastauftritte von Politikern in Daily Soaps, Kochsendungen etc. sorgen aber für die angesprochene Dauerpräsenz der Politik im Fernsehen.

7 Vgl. Schmidt 2007, 3ff.

8 Dörner 2001, 57.

9 Vgl. Tenscher in: Tenscher/ Schicha 2002, 60.

10 Ebd., 59f.

11 Politainment bezeichnet – in Anlehnung an den mittlerweile gebräuchlichen Begriff Infotainment – eine Vermischung von Politik und Unterhaltung (vgl. Dörner 2001, 31).

12 Vgl. Holly 2004, 4.

13 Vgl. ebd., 3ff.

14 Ebd., 8.

15 Wirkliche Interaktion geschieht dagegen durch Einbeziehung des Studiopublikums oder Telefon- schaltungen in eine Sendung.

16 Ebd., 9.

17 siehe hierzu: Kühn 1995.

18 Tenscher in: Tenscher/ Schicha 2002, 65.

19 siehe hierzu: Klemm 2010.

20 Tenscher in: Tenscher/ Schicha 2002, 65.

21 Vgl. Fahr 2009, 21ff.

22 siehe hierzu: Beyme 2002.

23 Vgl. Holtz-Bacha 2006, 13f.

24 Vgl. Fahr 2009, 18.

25 Vgl. Fahr 2009, 20.

26 Vgl. Tenscher/ Schicha 2002, 10.

Details

Seiten
33
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640905294
ISBN (Buch)
9783640905225
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171036
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Germanistik
Note
2,3
Schlagworte
Inszenierung Kameraeinstellungen politische Fernsehdiskussionen Anne Will

Autor

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Titel: Polit-Talkshows