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Der 20. Juli 1944. Darstellung der Ereignisse im Spielfilm "Operation Walküre" (2009)

Scheitern des Umsturzes

Facharbeit (Schule) 2011 23 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext
2.1 Die Attentatspläne
2.1.1 Der 13. März 1943
2.1.2 Der 15. Juli 1944
2.1.3 Der 20. Juli 1944
2.2 Claus Schenk Graf von Stauffenberg

3. Analyse des Spielfilmes „Operation Walküre“
3.1 Darstellung der Attentatspläne
3.1.1 Darstellung des 13. März 1943
3.1.2 Darstellung des 15. Juli 1944
3.1.3 Darstellung des 20. Juli 1944
3.2 Darstellung Claus Schenks Graf von Stauffenberg

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der 20. Juli 1944 war das erste sichtbare, weithin wirkende Fanal, das der Welt zeigte, dass in Deutschland der Wille zur Freiheit und der Wille zum eigenen Leben nicht untergegangen war.“

Ernst Reuter 19531

Die vorliegende Facharbeit untersucht an Hand des Spielfilmes „Operation Walküre“, welcher im Januar 2009 in den deutschen Kinos Premiere feierte, die gegenwärtige Darstellung der Ereignisse vom 20. Juli 1944.

Am 20. Juli 1944 verübt Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Bombenattentat im Führerhauptquartier, der Wolfsschanze, mit dem Ziel, Adolf Hitler zu töten und zusammen mit seinen Verbündeten einen Staatsreich zu verüben, der die Herrschaft der Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg beenden sollte. Im Laufe der Nachkriegszeit ist der 20. Juli 1944, kurz 20. Juli, zum Symbol des deutschen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus geworden. So gibt es in Deutschland einige Erinnerungsorte2 und in Bibliotheken findet sich eine kaum überschaubare Fülle an Literatur zu diesem Thema. Außerdem war der Attentatsversuch Grundlage für zahlreiche bisherige Filme3.

Auch wenn der Staatsreich missglückt ist, so zeigt er der internationalen Gemeinschaft, und insbesondere den Alliierten in der Nachkriegszeit, dass die Person Hitler nicht mit dem deutschen Volk gleich zu setzten ist. Trotz des totalitären Systems haben sich Deutsche gegen das Regime, gegen den Antisemitismus und gegen den Zweiten Weltkrieg gewandt und sind dabei bereit gewesen für ihr Land und ihre Ideale ihr Leben zu geben, so auch der Oberst Stauffenberg.

Die vorliegende Arbeit ist in zwei Abschnitte gegliedert: Der erste Abschnitt, die historische Einordnung, beschäftigt sich mit den Vorbereitungen des Attentats und den Ereignissen vom 20. Juli 1944. Bereits hier liegt der Schwerpunkt auf die auch im Spielfilm dargestellten Attentatspläne und auf der Person Stauffenbergs.

In dem zweiten Abschnitt, der Filmanalyse, wird der U.S.-amerikanische Spielfilm „Operation Walküre“ aus dem Jahre 2009 unter den herausgearbeiteten historischen Aspekten hin kritisch untersucht. Der Film dient dabei als ein Beispiel für die Art der Darstellung der Geschehnisse im 21. Jahrhundert. Untersuchungsgegenstände sind hierbei die historische Richtigkeit und Authentizität der Darstellung.

Geleitet von der Fragestellung, ob die Präsentation der Ereignisse des 20. Juli im hier untersuchten U.S.-amerikanischen Spielfilm der Realität entspricht, wird ein besonderes Augenmerk auf die richtige Darstellung der Zusammenhänge des Attentatsversuches gelegt. Da der Figur des Stauffenberg in der Verfilmung ein exponierter Stellenwert zugeordnet wird, soll in der Analyse des Spielfilmes besonders untersucht werden, ob diese Darstellung der Person der Realität entspricht.

In der zusammenfassenden Schlussbetrachtung werden die gewonnen Ergebnisse aus der Analyse mit den Fakten aus dem historischen Kontext einander gegenübergestellt und miteinander verglichen.

2. Historischer Kontext

2.1 Die Attentatspläne

Der 20. Juli 1944 ist nicht der erste Versuch gewesen, Hitler zu töten. Er ist vielmehr „Ende und Klimax einer langen Kette von Putschplänen und Anschlägen“4 gewesen. Um die vierzig Putschversuche sind bereits vor dem 20. Juli verzeichnet worden.5 Die meisten davon scheiterten jedoch bereits im Vorfeld an der Schwierigkeit in Hitlers Nähe zu gelangen, der Beschaffung von Sprengmaterial, technischen Schwierigkeiten, Denunziationen oder schlicht am mangelndem Glück.6

In den folgenden Unterkapiteln dieser Arbeit wird der Schwerpunkt auf dem Attentatsversuch „Operation Walküre“ liegen. Dieser Plan hat ursprünglich der Zerschlagung innerer Unruhen und Aufständen von Zwangsarbeitern gedient. Die vollziehende Gewalt und die militärische Führung lägen dann nicht mehr in den Händen der SS, sondern der des Ersatzheeres.7 Im weiteren Verlauf ist die Besetzung von „Regierungsinstanzen, Rundfunksendern, Telefon- und Telegrafenämtern, Konzentrationslagern und Verkehrsknotenpunkten“8 vorgesehen gewesen, so wie die Entwaffnung der SS - Einheiten und Verhaftung von SS - Führern.

Die Beteiligten des 20. Juli machen sich diesen Plan zu eigen, um mit ihm einen „legitimen“ Staatsreich ausführen zu können und wollen ihn nach außen so aussehen lassen, als wäre er von Nationalsozialisten hohen Ranges ausgegangen. Nur so glauben sie mit dem Rückhalt aus der Armee und dem Volk rechnen zu können9.

Der Plan ist mehrmals von den Beteiligten geändert worden: Die letzte Version ist im Jahre 1943 entstanden und von General Friedrich Olbricht und Oberst Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim überarbeitet worden.10

2.1.1 Der 13. März 1943

Am 13. März 1943 besucht Adolf Hitler die Heeresgruppe Mitte in Smolensk, Russland.11

Oberst Henning von Tresckow hat für diesen Besuch ein Attentat vorbereitet, bei dem ihm sein Adjutant, Fabian von Schlabrendorff, unterstützt hat. Dieser schmuggelt in Hitlers Flugzeug eine Bombe, welche in einem Paket versteckt gewesen und als zwei Flaschen Cognac ausgegeben worden ist.12 Die Verschwörer sind sich zu diesem Zeitpunkt somit bereits einig gewesen, dass ein Putsch nur Erfolg versprechen könne, wenn Hitler zuvor getötet würde. Die Bombe ist jedoch nicht explodiert. Gegenwärtige Forscher gehen davon aus, dass es im Gepäckraum des Flugzeuges zu kühl für eine Detonation gewesen ist.13

Entscheidender Vorteil dieses Planes wäre gewesen, dass das Attentat wie ein tragischer Unfall ausgesehen hätte. Denn bei einem offensichtlichen Anschlag auf Hitler befürchteten die Verschwörer einen von Heinrich Himmler, den damaligen Reichsinnenpräsidenten, eingeleiteten Bürgerkrieg, welchen die Verschwörer vermutlich ihrer eigenen Einschätzung nach verloren hätten.14

Unter dem Vorwand, es handle sich um eine Verwechslung, hat Schlabrendorff das Paket bei Oberstleutnant Heinz Brandt, der Mann, der das Paket an Board gebracht hatte, in Berlin abgeholt. Der Putschversuch ist unentdeckt geblieben.15

2.1.2 Der 15. Juli 1944

Für den 15. Juli 1944 hat sich Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg bereit erklärt, das Attentat auszuführen (für nähere Informationen zur Biografie des Attentäters siehe 2.2). Zusammen mit General Friedrich Fromm ist Stauffenberg zu einer Sonderlagebesprechung in das Führerhauptquartier, die Wolfsschanze, in Ostpreußen bestellt worden. Mit sich führt er zwei Bomben, versteckt in seiner Aktentasche.16

Die Besprechung findet in der „Lagerbaracke“, einem „niedrigen Holzbau statt“.17 Die Problematik dieses Attentatsversuchs besteht darin, dass Stauffenberg sich erst vergewissern sollte, ob auch Heinrich Himmler und Joseph Goebbels, damaliger Reichsminister, an der Besprechung teilnähmen. Da Himmler abwesend ist, hält Stauffenberg zunächst Rücksprache mit seinen Mitverschwörern in Berlin. Er ruft Mertz von Quirnheim im Blenderblock, der Zentrale des Widerstandes, an, der wiederum Olbricht und Beck anruft. Beide sind unter diesen Umständen gegen das Ausführen der „Operation Walküre“. Mertz dagegen entgegnet Stauffenberg, er solle agieren. Da die Besprechung kurz zuvor beendet worden ist, kann Stauffenberg das Attentat allerdings nicht mehr ausführen.18

In Berlin hatten Quirnheim und Olbricht bereits kurz nach Stauffenbergs Abflug die Walküre – Befehle eingeleitet. Daraufhin sind sie als Übung vor dem Ersatzheer ausgegeben worden.19

In Konsequenz des missglückten Attentats vom 15. Juli ist auf der einen Seite der Beschluss, beim nächsten Versuch die Ankunft Stauffenbergs in Berlin abzuwarten um von ihm persönlich den Erfolg des Anschlages versichert zu bekommen. Auf der anderen Seite sollte bei einem weiteren Versuch die Anwesenheit Himmlers oder Goebbels keine Rolle mehr spielen. Bundesweit überträgt Generaloberst Friedrich Beck Stauffenberg die uneingeschränkte Entscheidungsfreiheit.20

2.1.3 Der 20. Juli 1944

„Es ist Zeit, daß jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muß sich bewußt sein, daß er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem Gewissen.“

Claus Schenk Graf von Stauffenberg, kurz vom dem 20. Juli 194421

Am 20 Juli 1944 reist Stauffenberg aufgrund einer Sonderlagebesprechung erneut in die Wolfsschanze und wird von seinem Adjutanten Werner von Haeften begleitet. Nachdem sie mittags angekommen sind, behauptet Stauffenberg, sein Hemd wechseln zu wollen und zieht sich mit seinem Adjutanten in ein leeres Büro zurück. Da die Besprechung um eine halbe Stunde vorverlegt worden ist (am Nachmittag erwartet Hitler den entmachteten Mussolini), geraten sie in Zeitnot und es gelingt ihnen nur eine der beiden Bomben zu schärfen. Bis zur Detonation der Bombe hat Stauffenberg ungefähr 14 Minuten Zeit, um diese, versteckt in seiner Aktentasche, in die Nähe Hitlers zu platzieren, die Besprechung zu verlassen und mit seinem Adjutanten zu fliehen.22 Dies ist ihm gelungen und die Bombe ist zwischen 12:40 Uhr und 12:50 Uhr explodiert.23

Als Stauffenberg und Haeften nachmittags in Berlin ankommen, sind erst zwei Stunden zuvor die Walküre Pläne von Quirnheim erteilt worden. Stauffenberg sichert Olbricht den Tod Hitlers zu, woraufhin dieser auch Fromm, der sich bis zuletzt nicht eindeutig der Verschwörung angeschlossen hatte, davon überzeugen will, sich dieser anzuschließen. Fromm glaubt nicht an den Tod Hitlers und ruft sogar in der Wolfsschanze an, wo seine Vermutung, das Hitler lebt, bestätigt wird. Doch die Verschwörergruppe glaubt Stauffenberg und stellt Fromm unter Arrest.24

Anfangs läuft alles nach Plan (siehe 2.1), und es wird folgende Meldung via Fernschreiben verbreitet:

„Der Führer Adolf Hitler ist tot! Eine gewissenlose Clique frontfremder Parteiführer hat es unter Ausnutzung dieser Lage versucht, der schwerringenden Front in den Rücken zu fallen und die Macht zu eigennützigen Zwecken an sich zu reißen.“ 25

Da es nicht gelingt, die Rundfunksender unter Kontrolle zu bringen, kann die Meldung vom Überleben Hitlers verbreitet werden. Wenig später überzeugt Goebbels Remer, der diesen wegen angeblichen Hochverrats festnehmen soll, vom Überleben Hitlers durch ein Telefonat mit dem Führer. In diesem überträgt Hitler Remer die „(...) Vollmacht zur Unterdrückung des Aufstands, bis Himmler, der zum Befehlshaber des Ersatzheeres ernannt ist“, einträfe.26

Fromm kann von ein paar jungen, hitletreuen Offizieren befreit werden. Nach einer kurzen Schießerei auf einem Gang im Bendlerblock, resignieren die Verschwörer. Fromm ruft ein Standgericht ein und verurteilt Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Werner von Haeften, Friedrich Olbricht und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim zum Tode. Die Männer werden noch in derselben Nacht im Innenhof des Bendlerblockes erschossen. Ludwig Beck, der in der neuen Regierung der Verschwörer Reichspräsident geworden wäre, versucht sich mit einer Pistole selbst das Leben zu nehmen. Nachdem es ihm auch nach dem zweiten Kopfschuss nicht gelingt, gibt ihm ein Feldmarschall den Gnadenschuss.27

Das Attentat vom 20. Juli 1944 ist der letzte Versuch Deutscher gewesen, aus eigener Kraft, das Regime der Nationalsozialisten zu stürzen.28

2.2 Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Claus Philipp Schenk Graf von Stauffenberg ist am 15. November 1907 in Jettingen geboren worden.29 Im Jahre 1926 tritt er der Reichswehr bei, in der er schnell im Fach Taktik überragt.30

[...]


1 Ernst Reuter war 1953 Bürgermeister in Berlin. Bei dem Zitat handelt es sich um einen Auszug aus seiner Rede am 19. Juli 1953 zur Einweihung des Denkmals für die Opfer des 20. Juli 1944 im Ehrenhof des Bendlerblockes in der Bendlerstrasse, heute Stauffenbergstrasse, in Berlin.

2 z.B. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock, Berlin.

3 z.B.: Der deutsche Fernsehfilm „Stauffenberg“ (2004) oder die deutsche Fernseh- Dokumentation „Operation Walküre“ (1971).

4 van Roon 1979, S. 175

5 Vgl. Steinbach 1998, S. 3

6 Vgl. Sellen 2010, S. 127 f.

7 Vgl. Steinbach 1997, S. 2

8 van Roon 1979, S. 175 f.

9 Vgl. Fest 2004, S. 141

10 Vgl. Hoffmann 1992, S. 345

11 Vgl. Kniebe 2009, S. 9

12 Vgl.van Roon 1979, S. 135

13 Vgl. Fest 2004, S. 197

14 Vgl. Kniebe 2009, S. 15

15 Vgl. Kniebe 2009, S. 21

16 Vgl. Fest 2004, S. 246 ff.

17 Hoffmann 1992, S. 440f.

18 Vgl. Fest 2004, S. 250 ff.

19 Vgl. Hoffmann 1992, S. 443

20 Vgl. Hoffmann 1992, S. 445

21 Zitiert nach Hoffmann 1992, S. 420

22 Vgl. Kniebe 2009, S. 169

23 Vgl. Hoffmann 1992, S. 455

24 Vgl. Kniebe 2009, S. 194

25 Zitiert nach Hoffmann 1992, S. 458

26 Zitiert nach Hoffmann 1992, S. 462

27 Vgl. Hoffmann 1992, S. 473

28 Vgl. Tuchel 2009, S. 25 und vgl. Sellen 2010, S. 129

29 Vgl. Hoffmann 1992, S. 28

30 Vgl. Hoffmann 1992, S. 94ff.

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640903948
ISBN (Buch)
9783640903856
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171028
Note
12 Punkte (2+)
Schlagworte
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Titel: Der 20. Juli 1944. Darstellung der Ereignisse im Spielfilm "Operation Walküre" (2009)