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Zukunftsforschung der Zukunft

Welche Themen werden für die Zukunftsforschung im Jahre 2060 von besonderem Interesse sein?

Hausarbeit 2011 24 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Globale Zukunftsthemen der Vergangenheit

3. Globale Zukunftsthemen der Gegenwart

4. Globale Zukunftsforschung der Zukunft und ihre Themen

5. Konklusion

6. Bibliographie

1. Einführung

„Ich mache mir zwar viele Gedanken, aber nicht über meine Zukunft.“ - Mit diesen Worten endete ein Gespräch, das ich vor ein paar Jahren während meiner Tätigkeit als Schulsozialarbeiter an einer Berliner Hauptschule mit einem Schüler führte, der zur sogenannten Problemkategorie zählte. In diesen Worten spiegelt sich sowohl ein Gefühl der Perspektivlosigkeit wider, als auch eine Reflexionsfähigkeit, die Jugendlichen irrtümlicherweise zumeist abgesprochen wird. Ich beginne die vorliegende Arbeit mit diesem Zitat, da es meiner Ansicht nach im übertragenen Sinne substanziellen Wert speziell für die Fragestellung dieser Arbeit besitzt, jedoch auch allgemein der Zukunftsforschung eine kraftvolle Existenzberechtigung zuschreibt. Denn sich Gedanken über die Zukunft zu machen gehört in der heutigen, beschleunigten Welt zu einer lebenserhaltenden Grundfähigkeit. Dies gilt zum einen für das einzelne Individuum und zum anderen für kleine und große – bis hin zu globalen Gemeinschaften. Wenn wir beispielsweise von Ressourcenorientierung sprechen, dann sind damit einerseits zwar die Erhaltung und Wahrung der Natur- und Umweltressourcen, aber andererseits auch die individuellen Kraftquellen (körperlicher, emotionaler oder intellektueller Art) jedes einzelnen Menschen gemeint.

Nun gehört zu einer selbstreflexiven Herangehensweise selbstverständlich auch eine prognostische Sicht auf mögliche existenzielle zukünftige Themen. Und hierbei kann bzw. darf und sollte sich sowohl das Individuum als auch eine Gemeinschaft Einzelner genauso wenig herausnehmen wie die einzelnen Wissenschaftsbereiche. Um eine nachhaltige und fruchtbare Existenz zu gewährleisten, muss sich die Zukunftsforschung ihrer eigenen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Identität stets bewusst sein und werden.

Anhand dieser Grundgedanken habe ich mich in der vorliegenden Arbeit mit dem Thema „Zukunftsforschung der Zukunft – Welche Themen werden für die Zukunftsforschung im Jahre 2060 von besonderem Interesse sein?“ auseinandergesetzt. Um die gedankliche thematische Hinleitung zu unterstützen, habe ich meine Arbeit in 3 Kapitel gegliedert:

Das erste Kapitel „Globale Zukunftsthemen der Vergangenheit“ widmet sich der Frage, welche Leitgedanken die Zukunftsforscher in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben und wie sie sich die damalige Zukunft – folglich unsere derzeitige Gegenwart – vorgestellt haben und welche Lösungsansätze sie für spezifische Problemfelder aufzeigen.

In Kapitel Zwei („Globale Zukunftsthemen der Gegenwart“) gehe ich auf die gegenwärtigen Fragen und Themenfelder ein, mit der sich die Zukunftsforscher derzeit vornehmlich befassen und wie die Strategien zur Lösung ihrer Meinung nach aussehen sollten.

Das dritte und letzte Kapitel („Globale Zukunftsthemen der Zukunft“) umschließt zum einen eine perspektivische Sicht auf die Zukunftsforschung in den kommenden Jahrzehnten an sich und zum anderen ein abschließendes Konklusion zum Kernthema dieser Arbeit.

2. Globale Zukunftsthemen der Vergangenheit

(auf der Grundlage von Flechtheims sieben existentiellen Herausforderungen des Menschen)

Im letzten Jahrhundert sei immer klarer geworden, dass die Zukunft immer unklarer wird. Kognitive Schienen, die jahrhundertelang das gesellschaftliche Denken beeinflusst hätten, seien mit dem Beginn der Industrialisierung verlassen worden. Das bisher in weiten Teilen gestillte Sicherheitsbedürfnis des Menschen, habe man durch immer schneller werdende Abläufe nicht mehr ausreichend bedienen können. Die weitreichenden technologischen Entwicklungen seien weniger dem Menschen angepasst worden; vielmehr habe sich der Mensch an den Fortschritt gewöhnen müssen und werde noch immer gezwungen, sich mit ihm zu harmonisieren. Die Zukunftsforschung des 20. Jahrhunderts habe erkannt, dass wir gegenüber den kommenden Entwicklungen eine Verantwortung tragen und dass wir uns klar werden müssten, wohin unsere Reise in die Zukunft gehen soll (vgl. Mackensen et al. 1984: 13).

Denn „Zweckmäßige Entscheidungen setzen zutreffende Vorstellungen über die zukünftige Entwicklung voraus – sei es nun im politischen, gesellschaftlichen oder technischen Bereich. Wer die Zukunft am klarsten voraussieht, wird die zweckmäßigsten Entscheidungen treffen.“ (Steinbuch 1968: 127)

Flechtheim fragt, ob es überhaupt eine Zukunft gebe, über die man etwas Sicheres aussagen könne (vgl. Flechtheim 1987: 38). Auch Steinbuch (1968) beschreibt, dass das Treffen von Voraussagen, die sich später dann als wahr bzw. richtig herausstellen, zumeist äußerst schwer, jedoch nicht unmöglich sei. In der Geschichte der Menschheit hätten verschiedenste Kulturen sehr unterschiedliche Einstellungen zur Zukunft und zu deren Prognostizierbarkeit gehabt. Eines sei, laut Steinbuch, allerdings klar: Mithilfe rationaler Analysen gegenwärtiger Zustände und spezifischer Veränderungskräfte, wurden schon oft sehr genaue Vorhersagen über Entwicklungen in der Zukunft getroffen (vgl. Steinbuch 1968: 127).

Laut Flechtheim (1987: 95) müsse sich der Mensch der Zukunft aus seiner damaligen

Sicht hauptsächlich sieben existentiellen Herausforderungen in folgender Rangordnung

stellen:

1. Rüstungswettlauf und Krieg
2. Bevölkerungsexplosion und Hunger
3. Bedrohung und Zerstörung der Umwelt
4. Wirtschaftskrise und Überplanung
5. Demokratiedefizit und Repression
6. Kulturkrise
7. Krise der Familie und Identitätsverlust des Individuums

Diese seien nicht isoliert, sondern stets im Zusammenhang zu betrachten. Über das zukünftige Dasein des Menschen entscheide die Existenz des Krieges. Der Mensch habe nur dann eine Zukunft, wenn es keine Kriege mehr gebe. Die Zukunftsforschung stehe daher auch stets in enger Verbindung mit der Friedensforschung, da beide ähnliche Ziele verfolgen. Jede der beiden Disziplinen sei daran interessiert, globale, internationale und nationale Fragen nachhaltig zu lösen. Dies geschehe immer unter der Prämisse, dass das Allgemeinwohl über den Interessen einzelner steht (vgl. Flechtheim 1987: 95f.).

Zu 1.:

Die Entwicklung der Atomwaffen und deren unvorstellbare Zerstörungskraft stelle alle bisherigen Kriege in den Schatten. Erst durch die technologisierte Entwicklung der Kriegswerkzeuge ist der Fortbestand der menschlichen Spezies bei einem Einsatz dieser Waffen fraglich geworden (vgl. Flechtheim 1987: 103). Die fortschreitend wachsende Industrialisierung der Waffenindustrie und die gleichzeitige Identifizierung der Machthabenden macht die Vorstellung von einer Welt ohne Waffen immer surrealer. Zu viele Menschen leben von internationalen Konfrontationen und Konflikten.

„Die Wirtschaftskrise der siebziger Jahre trug im Westen das ihre dazu bei, diesen Trend zu verstärken und den Befürwortern der Rüstung zusätzliche Argumente zu liefern. Da es den Managern und Wirtschaftsführern wie auch den Politikern und Militärs unmöglich erschien, das kapitalistische System in Richtung auf eine Frieden, Wohlfahrt und Umwelt fördernde Produktion 'umzurüsten', wählten sie die kurzfristige und leichtere Lösung der kontinuierlichen Aufrüstung.“ (Flechtheim 1987: 105f.)

Um die Existenz des Menschen auch in der Zukunft zu gewährleisten, müsse eine konsequente Abrüstung sowohl in den Köpfen als auch materiell stattfinden. Dazu gehöre ein Stopp des Wettrüstens auf beiden Seiten und damit eine Entschärfung des Konfliktes zwischen Ost und West. Nachdem Europa sich entmilitarisiert und einen neutralen Standpunkt eingenommen habe, wären schlussendlich die globalen und internationalen Organisationen und Verbände in der Verantwortung sich zu stärken und ihre Machtposition zwischenstaatlich auszubauen (vgl. Flechtheim 1987: 120).

Schon 1968 äußert Steinbuch die Hoffnung, dass sich die Menschheit durch ihre atomaren Kriegsmittel nicht selbst zerstört bzw. auf ein steinzeitlich primitives Niveau zurückbombt (vgl. Steinbuch 1968: 139f.). Ebenso fordert er ein Ende der Formulierung von abstrakten Wertesystemen und den Beginn einer Konkretisierung derselben, inklusive eines gesellschaftlichen, kritischen Bewusstseins. Solch ein Bewusstsein sei eben „Nicht bei den Routiniers politischer Macht, nicht bei den erfolgreichen Managern, selten an den Lehrstühlen der Weisheit, kaum in der Öffentlichkeit.“ (Steinbuch 1968: 148) zu finden.

Mettler hingegen stellt die Frage, ob unsere äußere Sicherheit bei einer Reduzierung der Bundeswehr in Zukunft noch gewährleistet werden kann und versucht zu klären, welche Bedeutung der Begriff 'Angemessenheit' in Bezug auf die Finanzierung, die personelle Stärke und die Ausrüstung der deutschen Streitkräfte habe. Damit blickt er weniger radikal und eher pragmatisch in die sicherheitspolitische Zukunft und fragt nach sinnvollen Reformen für die Bundeswehr, ohne sie gänzlich aufzulösen. Ähnlich wie Flechtheim stellt er allerdings auch fest, dass für die sowohl internationalen als auch nationalen machthabenden Parteien eine militärfreie Welt völlig unvorstellbar sei und aus ihrer Sicht destabilisierend wirken würde (vgl. Mettler in: Mackensen et al. 1984: 184ff.).

Zu 2.:

Die zweite von Flechtheim benannte Herausforderung folgt aus der Annahme, dass bei einer globalen atomaren Zerstörung auch die Nahrungsmittel und damit die wesentliche Existenzgrundlage des Menschen vernichtet werden würde. Gleichzeitig dürfe sich die Weltbevölkerung nicht unendlich duplizieren, da dies eine Lebensmittelknappheit zur Folge hätte. Aufgrund eines schrittweisen Absinkens der Sterberate ist die Weltbevölkerung in den letzten 300 Jahren exponentiell gestiegen, während die Geburtenrate allerdings unverändert hoch blieb. Für das Jahr 2025 rechnet Flechtheim anhand seiner damaligen Datenlage mit ca. 8,2 Milliarden Menschen weltweit . Schon 1970 war der weltweite Hunger die am weitesten verbreitete Krankheit auf der Erde (vgl. Flechtheim 1987: 121f.).

Zur Bekämpfung dieser Herausforderung könne die sog. Systemplanung eine wesentliche Schlüsselrolle spielen. Dadurch dass die System-Theorie immer weiter verfeinert worden sei und ihre Möglichkeiten aufgrund der technologischen Entwicklung immer mehr zugenommen hätten, sei Zukunftsforschung überhaupt erst möglich geworden. Anhand von Grunddaten gehe es in der Zukunftsforschung um allumfassende Zusammenhänge und die Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Teilen der Systeme (vgl. Menke-Glückert in Steinbuch 1970: 53).

„Diese Ausgangsdaten setzt sie zu verschiedenen alternativen Zielen – oder anders gesagt: zu möglichen, wünschbaren, gewollten oder vermeidbaren Zukünften – in Beziehung. (…), Hungersnöte sind nur dann unvermeidlich, wenn nichts geschieht. Zukunftsforschung will Chancen, Optionen, Möglichkeiten zeigen, die Welt anders laufen zu lassen als sie jetzt läuft.“ (Menke-Glückert in Steinbuch 1970: 53f.).

Das internationale Symposium über Zukunftsfragen „Systems 69“ hat 5 grundlegende Prognosen benannt, von denen 2 davon ausgehen, dass im Jahr 2000 mehr als 6 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden und dass die Wahrscheinlichkeit von Katastrophen, u.a. auch Hungersnöten, steigt (vgl. Menke-Glückert in Steinbuch 1970: 65). Daher sei es nötig resistentere und ertragreichere Nutzpflanzen und Haustiere mit größerer Leistungsfähigkeit zu züchten, um damit die Erzeugung von Lebensmitteln zu steigern. Aber auch ein vermehrter Einsatz von Maschinen und von hochwertigerem Saatgut bieten mögliche Entlastungen. Ebenso müsse sowohl die Qualität als auch die Quantität von pflanzlichen Nahrungsmitteln erhöht werden – vor allem mit verbesserten Methoden der Düngemittelerzeugung. Der Mensch sollte in vermehrtem Maße seine technischen Fortschritte nutzen, um bei der Zunahme der Weltbevölkerung die Versorgung mit Lebensmitteln in der Zukunft sicherzustellen (vgl. Menke-Glückert in Steinbuch 1970: 68 und Graul/Franke 1970: 189).

Zu 3.:

Durch die industrielle Revolution änderte sich nach Ansicht Flechtheims das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, indem der Mensch begann die Natur maßgeblich zu beeinflussen und versuchte sie zu kontrollieren. Aufgrund des Wohlstandes, den das kapitalistische System brachte, war der Mensch nun in der Lage „Pest und Hunger zu besiegen und den Tod wenigstens hinauszuzögern. (…) Aus dem gottesfürchtigen wurde der 'faustische' Mensch, der in seinem Arbeitseifer der Natur nicht nur immer mehr Güter und Dienstleistungen abrang, sondern in seinem neuen Irrglauben auch die Natur für unerschöpflich hielt.“ (Flechtheim 1987: 133f.). Rohstoffverknappung, das Waldsterben und viele andere Faktoren seien verantwortlich dafür, dass sich die Bedrohung einer nicht zu kontrollierenden Klimaveränderung vergrößere (vgl. Flechtheim 1987: 134).

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640899562
ISBN (Buch)
9783640899227
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170865
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Erziehungswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Zukunftsforschung Bildung Futurologie Globalisierung Wirtschaft

Autor

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Titel: Zukunftsforschung der Zukunft