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Die Rolle Kennedys bei der Beilegung der Kuba-Krise

Seminararbeit 2011 21 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundlagen der Krise
2. 1. Sieg der Revolution in Kuba und Operation Mongoose
2. 2. Kennedys Befürchtungen .

3. Der Beschluss über die Stationierung der Raketen
3. 1. Sowjetisch-kubanische Verhandlungen
3. 2. Operation Anadyr

4. Kennedys erste Reaktion
4. 1. Kennedy und Doktrin Monroe

5. Briefwechsel zwischen Kennedy und Chruschtschow
5. 1. Raketentausch-Variante

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nachdem Kennedy am 22. Oktober 1962 die amerikanischen Luftstreitkräfte in Kampfbereitschaft versetzte und Chruschtschow die sowjetischen Atomraketen nach Washington richtete, geriet die Welt in eine Krise, die den Dritten Weltkrieg hätte verursachen könnte. Später wurde sie als „Kubakrise“ bezeichnet. Die 13 Tage (14. bis 28. Oktober), die die ganze Welt bewegten, lösten eine Diskussion in Expertenkreisen aus.

Fast 50 Jahre zurückliegende Krise ist Gegenstand unzähliger Untersuchungen, Zeitungsartikel und sogar zahlreicher sowjetischen und amerikanischen Spielfilmen. Mit der Fernsehansprache ,,von

höchster nationaler Dringlichkeit“[1] des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy am 22. Oktober 1962 publik gewordene Krise, wurde durch das Briefwechsel zwischen Kennedy und Chruschtschow beigelegt. Die Briefe, die als Hauptquellen herangezogen wurden, bringen die Individualität der Hauptakteure in der Krise zum Ausdruck, wodurch die Krise beigelegt wurde. Durch die Interpretation Kennedys Briefen und Entscheidungen während der Krise versucht die Arbeit darzulegen, welche Rolle der Präsident Kennedy bei der Beilegung der Krise gespielt hat.

Um die Fragestellung transparent zu machen, stehen die Fragen – wie konnte es zu dieser Krise kommen, welche Faktoren waren dafür verantwortlich, welche sicherheitspolitische Interessen verfolgten die Sowjetunion und die USA – die damals die Experten beschäftigten, auch im Fokus dieser Arbeit. Des Weiteren soll auf die politischen Hintergründe der Kubakrise und auf das Krisenmanagement während dieser Zeit eingegangen werden. Abschliessend wird ein Versuch unternommen, die Folgen des möglichen atomaren Krieges sowie die Folgen der Krise selbst zu erörtern und festzustellen, welche Wirkungen hinterliess Kennedy mit seiner Rolle in der Weltpolitik.

Das theoretisch-methodische Vorgehen der Untersuchung stützt sich auf die Interpretation der militärischen und politischen Schritte, die Besprechung des Krisenmanagements sowie auf die Folgen der Kubakrise. In diesem Kontext werden die der Arbeit zugrunde liegenden Interessen der USA und die Vorgehensweise von Präsident John Kennedy näher erläutert. Nach dem Zerfall Sowjetunion veröffentlichten geheimen sowjetischen Dokumente über die Kuba-Krise ermöglichen es, den Verhalndlungsprozess während der Krise und die Ergebnisse neu zu gestalten und die Ziele neu zu definieren. Die virtuellen Archive des Cold War International History Project[2], des Kremlin Decison-Making Project[3] und auch des National Security Archive[4] bieten informative Einblicke in Vorgehensweisen der US-Regierung.

In der Arbeit wurden sowohl westliche als auch sowjetische Literaturen bezüglich der Kubakrise berücksichtigt. In der westlichen Literatur wurden hauptsächlich die amerikanischen Handlungen während des Konflikts beleuchtet und das sowjetische Vorgehen, besonders die sowjetisch-kubanischen Verhandlungen, blieben unter dem Schatten westlicher Untersuchungen. Das Buch von Igor Popov und Sergej Lavrenov, denen ein exklusiver Zugang zu streng geheimen, zum Teil unveröffentlichten sowjetischen Dokumenten vonseiten der russischen Regierung eingeräumt wurde, „Sowjetunion in den lokalen Kriegen“, das in dieser Arbeit benutzt wurde, ermöglicht einen breiten Überblick über die sowjetisch-kubanischen und sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen.

2. Die Grundlagen der Krise

2. 1. Sieg der Revolution in Kuba und Operation Mongoose

Der Sturz des kubanischen Diktators Fulgencio Batista im Januar 1959, der das Land mit amerikanischer Hilfe regierte, wurde Hauptgrund der Spannungen der Wechselbeziehungen zwischen den USA und Kuba. Nachdem Fidel Castro fing an, das Land in einen sozialistischen Staat zu verwandeln und amerikanische Investitionen in Kuba im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar zu verstaatlichen, kam es zum Streit.[5]

Der Reformer Castro versuchte in dieser schwierigen Situation die Sowjetunion an seiner Seite als Verbündete zu gewinnen. Im Februar 1960 unterzeichneten Castro und Chruschtschow ein Handelsabkommen, was zum endgültigen Abbruch der amerikanisch-kubanischen Beziehungen führte.[6] Nach den Verhandlungen erklärte Fidel Castro am 19. Dezember 1960 Kuba als Verbündeten der Sowjetunion und schliess sich nach einigen Monaten dem sozialistischen Lager an.[7]

Nachdem die diplomatischen Beziehungen abgebrochen waren, verordnete der amerikanische Präsident Eisenhower im Januar 1961, einen Plan auszuarbeiten, der den Sturz der Castro-Regimes vorsah.[8] Der neue Präsident Kennedy hatte, wie erwartet, die harte Politik in Bezug auf Kuba fortgesetzt. Der erste Versuch der kubanischen anti-revolutionären Bewegung, im April 1961 ins Land einzudringen, scheiterte, was die Sowjetunion dazu zwang, Kuba aktiv zu unterstützen.[9]

Kennedy stellte sich das Vorgehen gegen Kuba nicht anders als sein Vorgänger vor. Er versuchte durch konkrete Massnahmen, Castros Regime zu vernichten. Im November 1961 begann das Weisse Haus damit, das geheime Programm zur Sabotage und Unterwanderung Kubas durch eine militärische Operation mit dem Namen „ Mongoose“ auszuarbeiten. An dieser Operation, deren Ziel die Stiftung von Unruhen in Kuba war, nahmen hochrangige Vertreter sowohl des Aussen- und Verteidigungsministeriums als auch des Geheimdiensts teil. Die Planung der Operation stellte fest, dass „toppling Castro (…) something of an obsession“[10] für die amerikanische Regierung und besonders für den Präsident Kennedy darstellte. Neben den Unruhen, die eine Invasion amerikanischer Truppen in Kuba ermöglichen könnte, versuchte die Gruppe bis zu ihrer Auflösung (Januar 1963) Sabotageakten durchzuführen und den Führer der kubanischen Revolution zu ermorden. Die Invasionspläne des Weissen Hauses wurden vor der Krise revidiert und auf den karibischen Inseln Truppenübungen durchgeführt. Trotz Kennedys Bemühungen und einem Jahresbudget von über 50 Millionen US Dollar pro Jahr, schaffte das Programm ausser einer Schwächung der kubanischen Wirtschaft seine Ziele nie.[11]

Befürchtungen vor einer amerikanischen Invasion drängten Castro dazu, neue Verbündete zu suchen. Die Sowjetunion war in dieser Position die beste Wahl. Um diese Wahl detailliert zu erforschen, soll auf die sowjetisch-kubanischen sowie amerikanisch-kubanischen Verhandlungen eingegangen werden, die die Position und Politik des Castro-Regimes während des Konflikts genauer beschreiben könnte.

2. 2. Kennedys Befürchtungen

Die Berlin-Frage verhinderte das offene Vorgehen der USA gegen das Castro-Regime. Kennedy befürchtete, dass Chruschtschow seine Politik über Berlin verschärfe und deswegen auf eine offene Invasion gegen Kuba verzichtete.[12]

In Kuba sah Chruschtschow ein Gegengewicht zur Türkei und Italien, wo die USA 1959 die ersten Jupiter-Zwischenstreckenraketen stationierten, die die UdSSR in zehn Minuten erreichen konnten. Die sowjetischen Raketen würden erst 25 Minuten nach ihrem Abschuss Ziele in Amerika treffen.[13] Ausserdem verfügten die USA anfangs 1962 über die erdrückende Überlegenheit an nuklearer Ausrüstung. Ab den 60er-Jahren konnte sich die Sowjetunion den USA mit 300 Atombomben und Interkontinentalraketen annähern. Das Nuklearpotenzial der USA bestand aus 6000 Atombomben und 68 Raketen.[14] Der Plan SIOP-1962 (Single Integrated Operational Plan), der 1961 aufgenommen wurde, sah nach einem sowjetischen Nuklearangriff die Nutzung von 2200 Nuklearwaffen gegen die UdSSR vor.[15]

Um diese Überlegenheit der USA aufzuheben, beschloss Chruschtschow die sowjetischen Raketen in Kuba zu stationieren und überredete Castro, dass die Raketen für die Verteidigung der Insel notwendig sind. Schon ab Anfang 1962 lieferte die Sowjetunion Waffen nach Kuba, um die kubanische Armee zu stärken. Die gescheiterte Invasion der Exilkubaner in der Schweinebucht gab Sowjetunion als Grund für die Bewaffnung von Kubas Armee an. Im Dezember 1962 erklärte Chruschtschow vor dem Obersten Rat, dass das Ziel der Raketenstationierung der Verteidigung Kubas diene.[16]

3. Der Beschluss über die Stationierung der Raketen

Chruschtschows Beschluss über die Stationierung der Raketen ist Ende April und Anfang Mai 1962 endgültig ausgereift, erinnert sich Mikojans (damaliger Premierminister UdSSR – E. G.) Sohn Sergej Mikojan.[17] Gerade in diesem Zeitraum hat der Verteidigungsminister Rodion Malinovskij einen Vortrag vorgelegt, in dem er über die strategische Bedeutung der amerikanischen Raketen, die das Pentagon in der Türkei stationierte, referiert hat. Zwischen der Raketenstation und den Kurort der Parteielite der Sowjetunion in Krym, waren es nur einige hundert Kilometer, was Chruschtschow genervt hat. In seinem Bericht bestätigte Malinovskij, dass die amerikanischen Raketen in nur zehn Minuten Moskau erreichen können, während die sowjetischen Interkontinentalraketen 25 Minuten fliegen mussten.[18]

Nach dem Sturz von Batistas Regime herrschten in der Sowjetunion keine eindeutigen Vorstellungen über Kuba, obwohl Castros Machtergreifung für die sowjetische Elite eine Sensation gewesen war. „Als Vater Informationen über Kuba anforderte, stellte sich heraus, dass man ihm schlichtweg keine geben konnte“, schreibt der Sohn des Generalsekretärs Sergej Chruschtschow. Kubanische Kommunisten charakterisierten Fidel Castro in ihren Berichten an das Zentralkomitee der KPdSU als „Vertreter der Bourgeoise“. Sogar einige von Chruschtschows Beratern beschrieben ihn, als wäre er ein CIA-Agent. Diese Gerüchte beruhten auf Castros Washington-Reise nach dem Sieg der Revolution, die in Wirklichkeit zur Spaltung zwischen dem Weissen Haus und Havanna fuhr. Präsident Eisenhowers Verhalten nahm Castro als Beleidigung auf, nachdem er ihn nicht empfing.[19] Chruschtschows Interpretation der amerikanischen Handlungen gegen Kuba an der UN-Konferenz in Wien 1961 bestätigten, dass das Weisse Haus gegenüber dem Führer der kubanischen Revolution nicht korrekt gewesen war: „Castro is not a Communist, but US policy can make him one. US policy is grist on the mill of Communists, because US actions prove that Communists are right. “[20]

[...]


[1] Ankündigung Salingers zu Kennedys Fernsehansprache vom 22.10.1962.

Aus: http://edition.cnn.com/SPECIALS/cold.war/episodes/10/documents/kennedy.speech/

[2] www.wilsoncenter.org/index.cfm?topic_id=1409&fuseaction=va2.browse&sort=Collection

&item=Cuban%20Missile%20Crisis

[3] www.millercenter.org/scripps/archive/kremlin

[4] www.gwu.edu/~nsarchiv/

[5] Christian Ha> 2. Aufl., Bonn 2003. S. 70.

[6] Hacke, Zur Weltmacht, S. 70.

[7] Keith Eubank: The Missle Crisis in Cuba, Florida 2000, S. 3-5.

[8] Bernd Greiner: Kuba-Krise: 13 Tage im Oktober: Analysen, Dokumente, Zeitzeugen, Hamburg 1988, S. 15.

[9] Hacke, Zur Weltmacht, S. 70.

[10] Ural Alexis Johnson, Jef Olivarius McAllister: The right hand of power, New Jersey 1984, S. 343.

[11] Michael R. Beschloss: The Crisis Years: Kennedy and Khrushchev, 1960 – 1963, New York 1991, S. 375-377. Eubank, The Missile Crisis in Cuba, S. 9-12.

[12] Eubank, The Missile Crisis in Cuba, S. 4-6.

[13] Eubank, The Missile Crisis in Cuba, S. 4-9, 13-15.

[14] Die Zahlen entstammen den Angaben bei McNamara, Robert: Blindlings ins Verderben. Der Bankrott der

Atomstrategie, Reinbeck 1987, S. 53. Zit. nach Krüger, S. 87.

[15] Matthias Uhl: Krieg um Berlin?: die sowjetische Militär- und Sicherheitspolitik in der zweiten Berlin-Krise 1958 bis

1962, München 2008, S. 173.

[16] Arthur Schlesinger: Die Tausend Tage Kennedys, Bern/München 1965, S. 963.

[17] Sergej Mikoyan: „The Crisis of Misperceptions: One more Retrospective Appraisal of the Missile Crisis“. In J. A.

Nathan, ed., The Cuban Missile Crisis Revisited, New York 1992. Zitiert nach Igor Popov, Sergej Lavrenov:

Sovetskij Sojuz v lokalnyx vojnax (Sowjetunion in den lokalen Kriegen), Moskau 2003, S. 222.

[18] Igor Popov, Sergej Lavrenov: Sovetskij Sojuz v lokalnyx vojnax (Sowjetunion in den lokalen Kriegen), Moskau

2003, S. 222-223.

[19] Sergej Chruschtschow: Die Kuba Krise – Ansichten aus dem Kreml, S. 50-51. In: Heiner Timmermann: Die

Kubakrise 1962: zwischen Mäusen und Moskitos, Katastrophen und Tricks, Mongoose und Anadyr, Münster

-Hamburg-London 2003, S. 49-75.

[20] Memorandum eines Gesprächs zwischen Kennendy und Chruschtschow auf der Konferenz in Wien am 3. Juni 1961, in: Lawrence Chang, Peter Kornbluh: The Cuban Missile Crisis 1962, New York 1998, S. 11-16.

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640899791
ISBN (Buch)
9783640900084
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170843
Institution / Hochschule
Universität Zürich
Note
"-"
Schlagworte
rolle kennedys beilegung kuba-krise

Autor

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