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Die deutsche Inflation 1914-23

Wachstumsmotor statt Elendsbringer?

Seminararbeit 2011 25 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehung und Entwicklung der deutschen Inflation

3 Die Auswirkungen der Inflation
3.1 Folgen für die Binnenwirtschaft Deutschlands
3.2 Auswirkungen auf die Reallöhne
3.3 Wechselbeziehungen der Inflation mit dem Ausland

4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung

5 Quellenangabe
5.1 Abbildungsverzeichnis
5.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wirtschaftliche Entwicklungen, Geschehnisse und Krisen, unabhängig davon ob auf volkswirtschaftlicher oder internationaler Ebene, sind in der Lage immensen Einfluss auf den Menschen und seine Situation innerhalb eines solchen Wirtschaftsraumes zu nehmen. Man könne sogar behaupten, dass die Wirtschaft, sei es bei politischen Themen, Angelegenheiten öffentlichen Interesses oder vielleicht sogar der familiären Lebenssituation, in beinahe allen Aspekten der Gesellschaft eine Rolle spielt. Folglich ändert sich auch die Situation der Menschen, wenn sich die Wirtschaft verändert. Die vierzehn Jahre des Bestehens der Weimarer Republik sind genau aufgrund vieler solcher drastischer Veränderungen und Umbrüche von immenser wissenschaftlicher Brisanz. Denn schon allein die Tatsache, dass einige Wirtschaftshistoriker ganze neun dieser vierzehn Jahren in wirtschaftliche Krisen einteilen, nämlich in die fünfjährige Inflationskrise 1918-23 und die vierjährige Deflationskrise 1929-33, zeigt schon die beachtliche Dominanz dieses Themas[1]. Bei der Untersuchung der Inflationskrise 1918-23 stellt sich dann natürlich unweigerlich die Frage, welche Auswirkungen diese Entwicklung beispielsweise auf die noch junge und angeschlagene Volkswirtschaft der Weimarer Republik hatte? Inwiefern änderte sich dabei auch die Situation der Bürger selbst? Und hatte die deutsche Inflation womöglich sogar Einfluss auf die Weltwirtschaft und wenn ja, welche waren diese? Auf den ersten Blick scheint die Beantwortung einiger dieser Fragen recht simpel, denn welche Begleiterscheinungen bei einer Inflation typischerweise auftreten, kann, durch die inzwischen große Bedeutung dieses Themas für das Alltagsleben der Menschen, von einer großen Mehrheit beantwortet werden. Doch die große deutsche Inflation hatte jedoch etwas an sich, was sie sehr facettenreich, vielschichtig ja sogar widersprüchlich erscheinen lässt und ihre Untersuchung damit auch nicht so einfach macht. In der Literatur ist dabei oftmals von einer Inflationskrise die Rede, die in ihrer Schlussphase in der katastrophalen Hyperinflation endete[2]. Die Klassifizierung in eine Krise scheint ja auch völlig gerechtfertigt, denn wieso sollte eine Geldentwertung mit Folge einer geringeren Kaufkraft für die Bürger erfreulich sein. Diese Wahrnehmung der Inflation hat sich bis hin in unsere heutige Zeit gehalten und erschien vermutlich auch mit der deutschen Inflation. Das interessante und gar unfassbare an dieser Thematik ist allerdings, dass es auch Thesen gibt, die die Inflation der Nachkriegsjahre keineswegs als Problem oder sogar Krise für die Weimarer Bürger sehen, sondern ihr paradoxerweise sogar stabilisierende und genesende Wirkungen für die Weimarer Republik zusprechen. Bei der üblichen Bewertung der Inflation, wird der Fokus vor allem auf die letzten Monate gelegt, die von der Hyperinflation und ihrer verheerenden Wirkung geprägt waren. Der Fokus der „Inflationsanhänger“ liegt allerdings vor allem auf der Zeit von 1918-22, die zwar weiterhin von einer sehr schnellen, aber dennoch, im Vergleich zu den letzten Monaten, eher moderaten Inflation geprägt war. Diese kontroversen Theorien, die positiven Seiten der Inflation und vor allem die scheinbaren Widersprüche die sie damit an das Tageslicht bringen, haben mich dazu verlockt, die deutsche Inflation näher zu untersuchen und zum Kernpunkt meiner folgenden Arbeit zu machen. Nachdem die Inflationsentwicklung mitsamt ihren Ursachen zum weiteren Verständnis dargestellt wurde, soll daraufhin erläutert werden, welche Probleme der Inflation von den Kritikern aufgeführt werden und ob diese anhand der statistisch nachweisbaren Wirkungen zu vertreten sind. Anhand dieser im Verlauf der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse, soll abschließend eine Bewertung der Inflationsjahre vorgenommen werden, die dazu beitragen soll, ein möglichst genaues Gesamtbild dieser Währungsentwicklung aufzuzeigen und somit für eine Erhellung dieser für die Weimarer Republik wirtschaftlich so bedeutenden Jahre beizutragen.

2 Entstehung und Entwicklung der deutschen Inflation

Es ist das Jahr 1914 und der europäische Kontinent stürzt geradewegs in einen der erschütterndsten Kriege der Geschichte. Doch diese militärische Auseinandersetzung wird nicht nur an der Front geplant, organisiert und ausgetragen, sondern bedarf auch der Berücksichtigung einer anderen, in der Öffentlichkeit oftmals vergessenen „Front“, nämlich der Wirtschaftspolitik. Der Heeresleitung und der Politik stellte sich dabei vor allem die Frage, wie man solch eine militärische Konfrontation finanziert. Nachgedacht wurde dabei vor allem über eine Finanzierung durch die Notenpresse, um eventuelle kurzzeitige oder sehr hohe Kosten relativ schnell decken zu können[3]. Um diese Finanzierungsquelle im Krieg jedoch effektiv einsetzen zu können, wurde schon vor 1914 damit begonnen die nötigen Regelungen und Gesetze einzuführen, wie beispielsweise die Etablierung des Papiergeldes oder die Aufhebung des Rechtes zum Umtausch von Banknoten gegen Gold, sodass der uneingeschränkten Nutzung der Geldnotenpresse im August 1914 nichts mehr im Wege stehen konnte[4]. Das Deutsche Reich hatte also großes Interesse daran, sich einen effizienten Zugang zur Notenpresse zu verschaffen. Es stellt sich dann aber die Frage, warum es genau diesen Weg der Finanzierung so penibel in die Planung miteinkalkulierte und von diesem offensichtlich so stark abhing? Die besondere haushaltspolitische Situation im Deutschen Reich war die, dass der Reichshaushalt fast ausschließlich mit indirekten Steuern gespeist wurde, z.B. durch Zölle, Stempel- und Konsumsteuern, wohingegen die Haushalte der Länder durch direkte Steuern wie Einkommens- und Betriebssteuern finanziert wurden[5]. Während Großbritannien beispielsweise, in dem der Staatshaushalt hauptsächlich mit direkten Steuern finanziert wurde, die Steuerschraube jederzeit anziehen konnte, konnte das Deutsche Reich diese Möglichkeit nicht so ergiebig nutzen, wodurch diese Möglichkeit für das Reich gänzlich ungeeignet war[6]. Und so kam es dann auch, dass Großbritannien die Kriegskosten zu etwa 20-30% mit Steuermitteln stemmte, während beim Deutschen Reich dieser Anteil lediglich bei etwa 0-6% lag[7]. Es blieb dem Reich also keine andere Wahl, als auf die Mittel der Kriegsanleihen und vor allem der Notenpresse in erheblichem Maße zurückzugreifen, wobei beide Mittel, zumindest in Deutschland, die Geldmenge äußerst stark erhöhten. Denn die Kriegsanleihen konnten in Deutschland aufgrund der neu etablierten Institution der Darlehenskassen, in Darlehenskassenscheine und diese wiederum in Bargeld getauscht werden, was bedeutete, dass ein großer Teil der von Deutschland ausgegebenen Anleihen letztendlich wieder als Bargeld Verwendung fand[8]. Und durch die Finanzierung über die Notenpresse wurde die Summe des existierenden Geldes natürlich auf direktem Wege erhöht. Wir wissen in der heutigen Zeit bereits, dass das Drucken von Geld äußerst inflationsfördernd ist. Doch wie ließe sich eine inflationäre Entwicklung für diese Zeit empirisch genau feststellen und im Anschluss begründen? Irving-Fishers Verkehrsgleichung nach, wird die Preissteigerung, gleichzusetzen mit der Inflation[9], durch die Faktoren Geldmenge und Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, also der Häufigkeit, mit der Geld den Besitzer wechselt, bestimmt[10]. Die Umlaufgeschwindigkeit lässt sich in volkswirtschaftlichen Maßstäben nicht, oder äußerst ungenau, bestimmen. Die Geldmenge eines Staates hingegen kann durch Aufzeichnungen der Zentral- und Notenbanken relativ einfach ermittelt werden. Man kann darüberhinaus selbstverständlich auch die eigentliche Preissteigerung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in Betracht ziehen, sodass wir nun insgesamt zwei Methoden haben, eine Inflationsentwicklung, die wir theoretisch vermuten, statistisch nachzuweisen. An der hier vorgelegten Statistik zur Entwicklung der Geldmenge (vgl. Schaubild 1, Spalte 7) ist zu erkennen, dass bis zum Jahre 1914 die gesamte Geldmenge relativ konstant etwa 6 - 6,5 Mio. Mark betrug und sich erst im Jahre 1914 schlagartig erhöhte und im Anschluss nicht mehr sank, womit bewiesen wäre, dass die Notenpressen auch tatsächlich genutzt wurden und die Geldmenge damit aktiv erhöht wurde.

[...]


[1] Ziemer, Gerhard: Inflation und Deflation zerstören die Demokratie. Lehren aus dem Schicksal der Weimarer Republik, Stuttgart 1971, S. 7.

[2] Ziemer, Gerhard: Inflation und Deflation zerstören die Demokratie. Lehren aus dem Schicksal der Weimarer Republik, Stuttgart 1971, S. 6f.

[3] Holtfrerich, Carl-Ludwig: Requiem auf eine Währung. Die Mark 1873-2001, Stuttgart, München 2001, S. 125.

[4] Ebenda, S. 125ff.

[5] Holtfrerich, Carl-Ludwig: Die deutsche Inflation 1914-23. Ursachen und Folgen in internationaler Perspektive, Berlin, New York 1980, S. 105f.

[6] Holtfrerich, Carl-Ludwig: Die deutsche Inflation 1914-23. Ursachen und Folgen in internationaler Perspektive, Berlin, New York 1980, S. 114f.

[7] Ebenda, S. 105.

[8] Holtfrerich, Carl-Ludwig: Requiem auf eine Währung. Die Mark 1873-2001, Stuttgart, München 2001, S. 127f.

[9] Der heutigen Definition nach ist Inflation gleichzusetzen mit einer Preissteigerung von Waren. Durch eine erhöhte Geldmenge, sinkt der Wert der einzelnen Banknote, sodass beim Kauf von Sachwerten nun mehr Geld als vorher benötigt wird, um die selbe Menge an Waren zu erwerben. Den Inflationsbegirff als solches gab es zur Zeit der Weimarer Republik noch nicht, weshalb in der Verkehrsgleichung Preissteigerung statt Inflation verwendet wird.

[10] Holtfrerich, Carl-Ludwig: Die deutsche Inflation 1914-23. Ursachen und Folgen in internationaler Perspektive, Berlin, New York 1980, S. 94f.

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640897315
ISBN (Buch)
9783640897025
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170751
Note
Schlagworte
inflation wachstumsmotor elendsbringer

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