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Grundbegriffe der Umweltpsychologie: Stressoren (Klima, Hitze, Kälte, Gerüche, Schadstoffe)

Ausarbeitung 2008 15 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Stress: Begriffbestimmung, Umweltstress

2. General Adaptation Syndrome (GAS), der reaktionsorientierte Ansatz nach Selye (1957)

3. Faktoren von Umweltstress, The Stress Process nach Green (1990)

4. Streß als Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt, der transaktionale und kognitive Ansatz nach Lazarus & Launier (1981)

5. Umweltstressoren

6. Klassen von Stressoren
6.1 Soziale Stressoren bzw. physische Stressoren
6.2 Aktuelle Stressoren bzw. chronische Stressoren
6.3 Individuelle Stressoren bzw. kollektive Stressoren

7 Klima
7.1 Raumklima
7.2 Wetterfühligkeit

8. Hitze, Kälte
8.1 Hitze
8.2 Kälte

9. Gerüche
9.1 Aromatherapie

10. Luftverschmutzung, Schadstoffe
10.1 Kohlenmonoxid
10.2 Die Kognitive- Dissonanz Theorie – Festinger (1957)

11. Zusammenfassung

1. Stress: Begriffbestimmung, Umweltstress

Der Begriff „Stress“ wird sehr häufig im Alltag benutzt und ist von der modernen Welt kaum wegzudenken. Dieser Begriff ist sogar so etwas wie ein „Modebegriff“ geworden und wird in schulischen, alltäglichen und vor allem arbeitsbezogenen Kontexten sowohl im positiven als auch im negativen Sinne benutzt. Da der Begriff so vielseitig ist, erscheint es sogar notwendig, ihn erst mal zu definieren.

Das Wort „Stress" stammt aus dem Englischen und bedeutet „Druck", „Zwang“ und „Belastung“. Den Begriff hat der kanadische Wissenschaftler Selye in den 50-er Jahren der vorausgegangenen Jahrhunderts in der Medizin geprägt und damit den Anfang der wissenschaftlichen Stressforschung gegründet. (vgl. Allenspach/Brechbühler, 2005, S. 26)

Selye (1957) beschreibt Stress in seinem Handbuch „Stress beherrscht unser Leben“ als:

„Die Belastungen, Anstrengungen und Ärgernisse, denen ein Lebewesen täglich durch viele Umweltein­flüsse ausgesetzt ist. Es handelt sich um Anspannungen und Anpassungszwänge, die einen aus dem persönli­chen Gleichgewicht bringen können und bei denen man seelisch und körperlich unter Druck steht.“ (Wagner-Link, https://www.tk-online.de/centaurus/generator/tkonline.de/b01__bestellungen__downloads/z99__downloads__bilder/pdf/broschuere__der__stress,property=Data.pdf)

Allgemein gesprochen entsteht Stress in einer Situation, in der der Mensch als Individuum eine Anpassungsleistung vollbringen muss: Er muss sich an neue oder veränderte Umweltgegebenheiten anpassen. Wenn man sich im Gleichgewicht zwischen äußeren Reizen und seinen individuellen Bedürfnissen befindet, entsteht der Zustand der Homöostase . (vgl. Walden, 1998, S. 69) Wenn es dem Individuum nicht gelingt, sich der Umwelt anzupassen oder die Umwelt zu ändern, entsteht Stress. Dieser Zustand wird von Ereignissen eingeführt, die für das physische und psychische Wohlbefinden als bedrohlich empfunden werden, und wenn die betreffende Person unsicher darüber ist, ob sie mit der Situation umgehen kann oder nicht. Stress ist also auch mit der Einschätzung der eigenen Möglichkeiten zur Bewältigung von Überlastung und mit der subjektiven Wahrnehmung von dieser Belastung verbunden. (vgl. Walden, 1998, S. 69)

Greif, Bamberg, Semmer (1991) definieren Stress als „subjektiv intensiv unangenehmer Spannungszustand, der aus der Befürchtung entsteht, dass eine stark aversive, subjektiv zeitlich nahe (oder bereits eingetretene) und subjektiv lang andauernde Situation sehr wahrscheinlich nicht vollständig kontrollierbar ist, deren Vermeidung aber subjektiv wichtig erscheint“ (Frieling/Sonntag, S.195)

Stress erzeugt körperliche Abwehrreaktionen, die hauptsächlich durch das Hormone Adrenalin, Cortisol und Testosteron gesteuert werden, mit dem Ziel, den Körper auf Flucht oder Kampf vorzubereiten. Das zentrale Nervensystem wird aktiviert. Puls, Atemfrequenz und Blutdruck steigen. Wenn diese gesteigerte Leistungsfähigkeit aber zum Dauerzustand wird und nicht sinnvoll eingesetzt werden kann, richten sich die Hormone gegen den eigenen Körper und führen zur Krankheiten. Dauerhaft Stressoren ausgesetzt zu sein ruft eine Reihe von Krankheiten von Bluthochdruck bis sogar zum Schlaganfall hervor. Der Stress verursacht auch psychologische Probleme, die im Alkohol-, Drogenmissbrauch und in Depressionen zum Ausdruck kommen können. (vgl. McAndrew, 1993, S.78) Auch psychologische Konsequenzen wie Kontrollverlust und erlernte Hilflosigkeit treten im Zusammenhang mit dem dauerhaften Stress auf.(vgl. Walden, 1998, S. 69, McAndrew, 1993, S.78)

Wenn man betonen will, dass die Ursachen vom Stress aus der Umgebung stammen, spricht man von „Umweltstress“ und seine Auslöser nennt man „Stressoren“. Stressoren sind das Objekte, Reize, Ereignisse und Situationen, die bedrohlich erscheinen und Stressreaktionen hervorrufen. Umweltstressoren werden genauer im 5. Punkt dieser Ausarbeitung dargestellt.

2. General Adaptation Syndrome (GAS), der reaktionsorientierte Ansatz nach Selye (1957)

Von dem kanadischen Wissenschaftler Selye (1957) wurde Stress als Anpassungsversuch des Organismus und Reaktion auf einen Reiz definiert. Selye definiert Stress als „eine unspezifische Reaktion des Organismus bei seiner Anpassung an innere oder äußere Anforderungen“ (Frieling/Sonntag, 1999, S. 196). Selye geht davon aus, dass der Mensch ein gesundes Maß an Stress benötigt, um im Gleichgewicht zwischen seinen individuellen Bedürfnissen und Umgebungsreizen zu bleiben ( Eustress ); wird dieses Maß über einen längeren Zeitraum überschritten, so erleben wir Distress , der krank macht. (vgl. http://www.ergonassist.de/Publikationen/Psych.Belastung_GUV_I_8628.pdf, auch vgl. Allenspach/Brechbühler, 2005, S. 26)

Selye hat sich mit dem Phänomen „Stress“ beschäftigt und festgestellt, dass man verschiedene Phasen im Stressprozess unterscheiden kann. Zunächst folgt die Alarmphase , wenn der Stressor eine Reaktion auslöst. Bei zu starken Stressoren kann schon jetzt der Tod eintreten (z.B. durch Herzinfarkt). Ansonsten versucht der Organismus sich anzupassen bzw. alle Kräfte gegen den Stressor zu mobilisieren ( Widerstands- oder Resistenzphase ). Dauert die Stresssituation an, so tritt der Körper individuell verschieden in die Erschöpfungsphase ein. Selye hat diese 3 Stadien Alarm, Resistenz und Erschöpfung als Allgemeines Anpassungssyndrom (General Adaptation Syndrome, GAS) bezeichnet. (vgl. McAndrew, 1993, S. 78) Der reaktionsorientierte Ansatz von Selye erklärt sehr anschaulich wie Stress entsteht und welche Konsequenzen dauerhafter Stress haben kann.

3. Faktoren von Umweltstress, The Stress Process nach Green (1990)

Umweltstress kann anhand von 3 Faktoren verstanden werden, die von Green (1990) als „The Stress Process“ (vgl. McAndrew, 1993, S. 78-79) entwickelt wurden. Green unterscheidet in seinem Prozess der Stressentstehung den physischen Stressor selbst, die Bewertung von diesem Stressor und die Einwirkung des Stressors auf den Organismus. (vgl. Walden, 1998, S.69, McAndrew, 1993, S. 78-79) Stress ist also nicht der Stressor selbst, sondern das Ergebnis von Bewertung und Einschätzung des wahrgenommenen Reizes. Menschen gehen unterschiedlich mit den Stressoren um. Die wahrgenommenen Kontrollierbarkeit, Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten und soziale Unterstützung führen dazu, dass der Stressor als weniger bedrohlich empfunden wird. (vgl. Walden, 1998, S. 69) Ganz entscheidend ist also, wie man sich selbst in einer Belastungssituation bewertet und ob man die Fähigkeiten dazu besitzt, die Bedrohung zu bewältigen. Die 3 Faktoren des Umweltstresses heben es hervor, dass Stress kein objektives, sondern ein subjektives Phänomen ist. Bei dem Stressprozess nach Green (1990) kann man Ähnlichkeiten mit der Auffassung von Stress von Lazarus & Launier (1981) entdecken.

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Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640895687
ISBN (Buch)
9783640895939
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170692
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Psychologie
Note
1,9
Schlagworte
grundbegriffe umweltpsychologie stressoren hitze kälte gerüche schadstoffe)

Autor

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