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Suffragetten in England

Die Veränderung des politischen Protests der Frauenwahlrechtsbewegung in der politischen Öffentlichkeit vor und während des Ersten Weltkriegs

Seminararbeit 2010 15 Seiten

Anglistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung zur Frauenwahlrechtsbewegung in England

2. Das viktorianische Bild von Weiblichkeit und der Gegensatz zu den Suffragetten

3. Suffragistinnen und Suffragetten

4. Die Aktionen der Wahlkämpferinnen und die Reaktionen der Öffentlichkeit

5. Der Erste Weltkrieg spaltet die Frauenrechtsbewegung

6. Fazit

7. Literaturliste

1. Einleitung zur Frauenwahlrechtsbewegung in England

Die englische Frauenrechtsbewegung ist eine der interessantesten und medienwirksamsten Protestbewegungen des 20. Jahrhunderts. Politisch aktive Frauen gab es bereits zuvor in England, allerdings mehr an der Seite ihres Mannes für gezielte politische Projekte. Erstmals in der Geschichte Englands setzten sich Frauen aktiv für ihr eigenes Recht ein und kämpften mit einer Vielzahl an Mitteln für das Stimmrecht für Frauen und traten damit eine breite Welle des Protests los lange vor der Radikalisierung der Frauenwahlrechtsbewegung. Abgeleitet werden die Namen Suffragistin und Suffragette vom lateinischen Wort suffragium , was Stimmrecht bedeutet. Worum es sich genau bei diesen zwei Gruppen handelt, wird in Kapitel 3 erklärt.

Doch zunächst einmal muss das vorherrschende Verständnis von Weiblichkeit in Kapitel 2 erläutert werden. Ich werde kurz den politischen Raum erläutern, den Frauen zu der Zeit einnehmen konnten, um so begreiflich zu machen, warum den Frauenwahlrechtskämpferinnen auch heute noch eine solche historische Bedeutung zugemessen wird.

Was Ende des 19. Jahrhunderts als friedliche Bewegung begann, gipfelte vor dem Ersten Weltkrieg in einem offensiven Kampf. Erstmals bedienten sich auch Frauen des radikalen und gewalttätigen Protests und kämpften vehement um die Aufmerksamkeit der Presse. In Kapitel 4 werde ich die Reaktionen der Öffentlichkeit darstellen.

Die Gruppen waren politisch und in ihrer Ausübung breit gefächert - von konservativ bis sozialistisch, von friedlich bis radikal.[1] In meiner Arbeit nehme ich die zwei wichtigsten Gruppen der Frauenwahlrechtsbewegung als Beispiel – die konstitutionelle Organisation National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) und die radikale und berühmtere Women’s Social and Political Union (WSPU). Bei beiden Organisationen gab es Überschneidungen, die aufgelöst wurden mit der Radikalisierung der WSPU. Die politische Orientierung beider Gruppen klaffte weit auseinander und nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam es dann auch innerhalb der Organisationen zu Spaltungen. Dieser politische Konflikt wird in Kapitel 5 erklärt.

2. Das viktorianische Bild von Weiblichkeit und der Gegensatz zu den Suffragetten

Das vorherrschende Bild von Weiblichkeit jener Zeit ist für den weiteren Verlauf dieser Arbeit von enormer Wichtigkeit und sollte vorab erklärt werden. Im viktorianischen England waren die Rollen für Mann und Frau klar verteilt. Es gab die Sphäre der Öffentlichkeit, die für den Mann vorbehalten war und die Sphäre des Häuslichen, des Privaten, in der die Frau ihren Platz hatte. Dies bedeutete, dass die Frau im öffentlichen Raum, also auch in der Politik, vom Mann vertreten wurde. Die Suffragistinnen und Suffragetten überschritten erstmals diese Linie und drangen in die Sphäre des Mannes ein, was zu öffentlicher Kritik führte. Denn rein logisch betrachtet, wenn die eine Sphäre eingenommen wird, wird die andere verlassen.[2] Konservative befürchteten hierin eine Vernachlässigung der häuslichen Pflichten, also der Obhut von Haushalt und Familie. Dieses Konzept wurde aber bereits seit Beginn der Industrialisierung und der Französischen Revolution unterwandert. Frauen der niederen Schichten verließen den heimischen Sektor um in der Fabrik zu arbeiten und drangen damit in die Arbeitswelt der Männer ein. Dies war also nicht vollkommen neu, dennoch reagierte man in Politik und Presse geschockt über das Engagement der Frauen.[3] Grund dafür war zum einen, dass sich Frauen erstmals professional in Gruppierungen organisierten und zum anderen, dass Protest – wie schon erwähnt – eine rein männliche Domäne war.

3. Suffragistinnen und Suffragetten

In dieser Arbeit werden durchweg weibliche Begriffsformen verwendet, wobei erwähnt werden muss, dass es auch Männer gab, die die Sache der Wahlrechtskämpferinnen unterstützten.

1903 wurde die WSPU von Emmeline Pankhurst gegründet, die NUWSS bestand zu dieser Zeit schon, jedoch konnte sie keinen nennenswerten Erfolg für sich verbuchen. Von vornherein wurde die WSPU mit der Intention gegründet neuen, aktiveren Wind in die Belange der Wahlkampffrage zu bringen. Die WSPU verstand sich von Anfang an als die jüngere, moderne und zugleich radikalere Organisation und bezeichnete die NUWSS schlichtweg als „alt“.[4] Denn die Suffragistinnen der NUWSS waren gemäßigter in ihren politischen Handlungen und griffen auf altbewährte Mittel zurück, die eher dem Ansehen einer Dame entsprachen. Gängige Methoden waren Petitionen einzureichen, Pressemitteilungen herauszugeben und stetig Kontakt mit Mitgliedern des Parlamentes zu suchen, die ihre Forderungen unterstützen sollten, da es im 20. Jahrhundert noch keine politische Vertretung für Frauen im Parlament gab.[5] Da sie auf das Gehör männlicher Politiker angewiesen waren, mussten sie ihr Wohlwollen erlangen. Offener weiblicher Protest wäre für ihre Strategie kontraproduktiv gewesen. Zudem ging es aber auch um das Selbstbild der Frauen, die die bisherigen Rollenmodelle nicht aufzulösen wagten. Des Weiteren lehnten sie Gewalt ab mit der Begründung, dass sich so keine Änderung dauerhaft etablieren könne. Im scharfen Gegensatz dazu argumentierte die WSPU, dass sie die Rolle der Frau neu definieren wolle und damit auch zu Mitteln greifen dürften, die bisher nur von Männern benutzt wurden. Gewalt sei Mittel bei allen großen Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit gewesen. Eine viel zitierte Aussage Emmeline Pankhursts ist „deeds not words“ und spiegelt am besten die Grundstimmung der Suffragetten wieder und damit den krassen Unterschied beider Organisationen. Im weiteren Verlauf konzentriere ich mich mehr auf die WSPU als bekanntere und aktivere Organisation. Sich bei dieser Arbeit nur auf die WSPU zu konzentrieren, würde ein falsches Bild auf die Frauenwahlrechtsaktivitäten werfen und deshalb vergleiche ich beide Organisationen wieder in ihrer Haltung in Bezug auf den Ersten Weltkrieg.[6]

4. Die Aktionen der Wahlkämpferinnen und die Reaktionen der Öffentlichkeit

Die Zahl der Frauengruppen in England war hoch zu der Zeit. Neben dem Wahlrecht nahmen viele Organisationen auch andere Forderungen in ihr Programm auf, wie das Recht auf gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Arbeit (z.B. in den Fabriken).

[...]


[1] Caine 159

[2] Günther 4

[3] Günther 6

[4] Günther 29

[5] Günther 21

[6] Lloyd 88 vgl Smith 63

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640895564
ISBN (Buch)
9783640896110
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170654
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Englisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Suffragetten Frauenwahlrecht viktorianisches England Erster Weltkrieg Suffragistinnen Emmeline Pankhurst National Union of Women’s Suffrage Societies Women’s Social and Political Union radikaler politischer Protest deeds not words no representation Christabel Pankhurst

Autor

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