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Analyse der Einführung von Mobile Ticketing im deutschen Regional- und Fernverkehr

Projektarbeit 2009 53 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Grundlagen: themaeinordnung, begriffspaare, Definitionen
2.1 Einordnung von Mobile Ticketing in E-Business/E-Commerce
2.2 Grundlegende Begriffspaare
2.2.1 Unterscheidung „Business" und „Commerce"
2.2.2 Unterscheidung „Electronic" und „Mobile"
2.3 Zentrale Definitionen
2.3.1 Electronic Business
2.3.2 Electronic Commerce
2.3.3 Mobile Business
2.3.4 Mobile Commerce
2.3.5 Beziehungen im Electronic bzw. Mobile Commerce
2.3.6 Mobile Ticketing
2.3.7 Mobile Payment

3 betrachtungsebenen auf das mobile ticketing
3.1 Gesellschaftliche Sicht auf das Mobile Ticketing
3.2 Technologische Sicht: IT-Infrastruktur für mobile Endgeräte
3.2.1 Arten mobiler Endgeräte
3.2.2 Netzwerktechnologien bzw. Mobilfunk-Standards
3.2.2.1 GSM
3.2.2.2 UMTS
3.2.2.3 WLAN
3.2.2.4 NFC
3.2.3 Software für mobile Anwendungen (Java)
3.3 Ökonomische Sicht
3.3.1 Geschäftsmodell hinter dem Mobile Ticketing
3.3.2 Bausteine des Geschäftsmodells
3.3.3 Geschäftsmodelltypologie „Commerce"
3.4 Geschäftsprozessmodell des Mobile Ticketing
3.5 Anwendungssysteme
3.5.1 Mobile Ticketing im Regionalverkehr: dashandyticket.de
3.5.2 Mobile Ticketing im Fernverkehr der Deutschen Bahn AG

4 Ausblick auf zukünftige Anwendungsmodelle
4.1 Forschungsprojekt „touch & travel"
4.2 Forschungsprojekt „ring & ride"

Literaturverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1 fachliche Einordnung des Themas Mobile Ticketing

Abbildung 2 Abgrenzung der Fachbegriffe

Abbildung 3 mögliche Beziehungsformen im E- bzw. M-Commerce

Abbildung 4 IAS für den Geschäftsprozess öffentlicher Personenverkehr

Abbildung 5 Geschäftsprozess des Mobile Payments io

Abbildung 6 Perspektiven-Fünfeck der Wirtschaftsinformatik li

Abbildung 7 Gesellschaftsmodell/-bereich

Abbildung 8 Zielgruppe für das Mobile Ticketing

Abbildung 9 Generationenfortschritt der Mobilfunk-Standards

Abbildung io Übertragungsraten im Vergleich (bei 4 MB-Download)

Abbildung 11 Verfügbarkeit des GSM- und UMTS-Netz in Deutschland

Abbildung 12 WLAN mit mobilen Endgeräten

Abbildung 13 NFC-Technologie im M-Ticketing-Projekt „touch & travel" ... 21 Abbildung 14 Near Field Communication im Betriebsmodus Active Mode

Abbildung 15 Konfigurationen und Profile der Java ME

Abbildung 16 Ablauf eines Java-Applets für mobile Geräte

Abbildung 17 Einordnung des Mobile Ticketing in die Wertschöpfungskette

Abbildung 18 Wertschöpfung durch elektronische Angebote

Abbildung 19 Unterstützung der Wertschöpfungskette durch el. Dienste ... 26 Abbildung 2o mögliche Bausteine eines Geschäftsmodells im M-Commerce . 28 Abbildung 21 Geschäftsmodelltypologien des 4C-Net-Business-Models

Abbildung 22 Vorgehensmodell der SOM-Methodik

Abbildung 23 initiales Interaktionsschema

Abbildung 24 IAS nach erstem Zerlegungsschritt

Abbildung 25 IAS nach zweitem Zerlegungsschritt

Abbildung 26 IAS nach drittem Zerlegungsschritt

Abbildung 27 IAS nach viertem Zerlegungsschritt

Abbildung 28 IAS nach fünftem Zerlegungsschritt

Abbildung 29 Handy-Ticket mit einlesbarer Barcode-Matrix

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1 Anwendungsbereiche im Mobile Commerce

Tabelle 2 Stärken und Schwächen des Mobiltelefons als Zahlungsmittel

Tabelle 3 Differenzierung mobiler Endgeräte

Tabelle 4 Bausteine des Geschäftsmodells im ÖPNV bzw. ÖPFV

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINFÜHRUNG

Das Mobiltelefon ist heute aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzuden­ken. Laut Statistischem Bundesamt besitzen 86,3% der Deutschen mindestens ein Handy.[1] Die große Verbreitung und die Leistungsfähigkeit der mobilen Endgeräte (Kapitel 3.2.1, S. 15) eröffnet über das reine Telefonieren hinaus eine Vielzahl zu­sätzlicher Anwendungsfelder.

Dem Mobile Business (Kapitel 2.3.3, S. 4) und seinen mobilen Datendiensten werden dabei große Zukunftschancen vorhergesagt. Trotz Wirtschaftskrise verzeichnet die Branche 2009 ein zehnprozentiges Marktwachstum. „Die Bürger und Unternehmen geben in diesem Jahr EU-weit 32,6 Milliarden und im kommenden Jahr 36,0 Milliarden Euro für mobile Datendienste aus"[2]. Die Bundesrepublik ist dabei mit 5,2 Milliarden Euro nach Großbritannien der zweitgrößte Markt in Europa.

In der vorliegenden Projektarbeit wird mit dem Mobile Ticketing (in Deutsch­land) eine zentrale Anwendung bzw. ein zentraler Teilbereich des Mobile Business beleuchtet. Der Fokus liegt dabei auf der Nutzung von Mobiltelefonen als Ticket­medium. Die Variante des Mobile bzw. Electronic Ticketing unter Verwendung von Chipkarten wird in dieser Arbeit aufgrund des höheren finanziellen und infrastruk­turellen Aufwands bei der Einführung nicht betrachtet. In Kapitel 2 (S. 2) werden dann eine Erklärung der grundlegenden Fachbegriffe und eine Themaeinordnung vorgenommen. Kapitel 3 (S. 11) betrachtet das Thema Mobile Ticketing aus den fünf Perspektiven der Wirtschaftsinformatik (nach Ferstl). Die gesellschaftliche Sicht (Kapitel 3.1, S. 11) legt den Fokus auf die Ziele, Werte und Präferenzen des Gesellschaftsbereichs in dem sich das Unternehmen bzw. das Projekt befindet.

In Kapitel 3.2 (S. 14) wird die für das Mobile Ticketing nötige IT-Infrastruktur (= technologische Sicht) untersucht. Die ökonomische Sicht (Kapitel 3.3, S. 24) durch­leuchtet das Geschäftsmodell hinter dem Mobile Ticketing. In Kapitel 3.4 (S. 30) wird ein Referenz-Geschäftsprozessmodell für die generellen Abläufe im Mobile Ticketing mit Hilfe der semantischen Objektmodellierung (SOM) erarbeitet. Aktuell bereits realisierte Umsetzungen von Mobile Ticketing werden in Kapitel 3.5 (S. 38) erörtert. Kapitel 4 (S. 40) bildet den Abschluss der Projektarbeit und gibt einen Ausblick auf zwei Ansatzpunkte (Forschungsprojekte) Mobile Ticketing in Zukunft noch einfacher realisieren zu können.

2. GRUNDLAGEN: THEMAEINORDNUNG, BEGRIFFSPAARE, DEFINITIONEN

Als Einstieg in die Thematik des Mobile Ticketing sollen die theoretischen, wissen­schaftlichen Grundlagen verständlich gemacht werden. Dafür wird im Folgenden eine Einordnung des Mobile Ticketing in seinen theoretischen Hintergrund (Kapitel 2.i, S. 2) gegeben. Anschließend werden die beiden grundlegenden Begriffspaa­re „Business"/"Commerce" bzw. „Electronic"/"Mobile" und ihre Abgrenzungen erläutert (Kapitel 2.2, S. 2). Das Grundlagen-Kapitel endet mit der Erklärung der notwendigen und häufig verwendeten (Grund-)Begriffe/Definitionen (Kapitel 2.3.1, 2.3.2, 2.3.3, 2.3.4, 2.3.6 und 2.3.7) und der dort möglichen Beziehungsformen (Kapitel 2.3.5).

2.1 Einordnung von mobile ticketing in e-business/e - commerce

M-Ticketing wird hier aus der Sicht der Betriebswirtschaftslehre bzw. des dortigen Teilbereichs Electronic Business / Electronic Commerce (Kapitel 2.3.1 und 2.3.2) be­handelt. Dieses Themengebiet beinhaltet wiederum das Mobile Business (Kapitel 2.3.3). Electronic bzw. Mobile Business lassen sich nach dem 4C-Net-Business- Model (Kapitel 3.3.3) in die vier Typologien (Geschäftskonzepte) Content, Con­text, Connection und Commerce untergliedern. Letztere umfasst schließlich die Anwendungen Mobile Ticketing (Kapitel 2.3.6) und Mobile Payment (Kapitel 2.3.7). Abbildung 1 verdeutlicht diese Zusammenhänge grafisch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 grundlegende begriffspaare

Vor der Befassung mit den zentralen Definitionen für diese Projektarbeit (Kapitel 2.3) ist es sinnvoll sich mit den dort häufig auftauchenden Begriffspaaren „Busi- ness"/"Commerce" (Kapitel 2.2.1) und „Electronic"/"Mobile" (Kapitel 2.2.1) zu beschäftigen. Eine Abgrenzung dieser Grundbegriffe erleichtert den Einstieg in die Fachterminologie.

2.2.1 Unterscheidung „Business" und „Commerce"

Buse und Tiwari subsummieren unter dem Begriff „Business" alle Aktivitäten, „die von einem Unternehmen vorgenommen werden, um Güter und Dienstleistungen zu erzeugen und zu verkaufen" (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 23, 24). Auch nicht-kommerzielle Prozesse wie etwa Beschaffung, Produktion oder Pflege von Kundenbeziehungen („Customer Relationship Management") zählen hierzu. Der Fachausdruck „Com­merce" wird dagegen als Teilmenge der „Business"-Aktivitäten gesehen. Der Fokus liegt dabei auf dem „Kauf bzw. Verkauf von Gütern und Dienstleistungen sowohl im Geschäftskunden- als auch im Endkundensegment" (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 24).

2.2.2 Unterscheidung „Electronic" und „Mobile"

Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Thema fallen häufig auch die Fachworte „Electronic" und „Mobile". Unter „Electronic" verstehen Buse und Tiwari einen zeitlich uneingeschränkten - allerdings stationären - „Zugang zu Geschäftsprozessen mit Hilfe von computerbasierten bzw. -vermittelten Netzwerken" (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 24). Im Unterschied dazu bezeichnet das Adjektiv „Mobile" „den nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich unbegrenzten Zugang zu den Geschäftsprozessen" (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 25). Realisiert wird dieser von der Position des Nutzers unabhängige Dienst durch mobile Telekommunikationsnetzwerke (siehe Kapitel з.2.2).

2.3 zentrale Definitionen

In Kapitel 2.1 wurden bereits relevante Fachbegriffe genannt. Aufbauend auf dem Wissen um die zentralen Begriffspaare aus Kapitel 2.2 lassen sich nun diese Fach­termini genauer spezifizieren und definieren.

2.3.1 Electronic Business

Auf oberster Stufe betrachtet die klassischen Betriebswirtschaft in diesem Fall das Electronic Business. Wirtz versteht darunter die „Anbahnung sowie die teilweise respektive vollständige Unterstützung, Abwicklung und Aufrechterhaltung von Leistungs­austauschprozessen mittels elektronischer Netze" (siehe Wirtz 2001, Seite 34). Oder kürzer: Electronic Business ist „jeder Prozess, der seitens einer geschäftlichen Organisati­on über computervermittelte Netzwerke vorgenommen wird" (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 26). Gemäß Buse und Tiwari gehören zum E-Business dabei folgende Vorgänge (vgl. Buse und Tiwari 2008, S. 26):

- Aufbau und Unterhaltung von Kundenbeziehungen
- Electronic Commerce
- Auftragsabwicklung
- Sendungsverfolgung
- Eingangs- und Ausgangslogistik
- Lagerhaltungskontrolle
- Finanz-, Budget- und Kontenbuchführung
- Personalwesen
- Kundendienst
- Reparaturservice
- Forschung und Entwicklung sowie
- Wissensmanagement

2.3.2 Electronic Commerce

Die beiden Begriffe Electronic Business (im Folgenden nur noch kurz E-Business ge­nannt) und Electronic Commerce (kurz E-Commerce) werden häufig gleichbedeutend verwendet. Während E-Business alle Geschäftsprozesse (siehe Kapitel 2.3.1, S. 3), „die über das Internet oder über ein firmeneigenes Netzwerk - das Intranet - abgewickelt werden" (siehe Kirn 2002, Seite 11-12), umfasst, versteht Kirn unter E-Commerce lediglich Präsentation und Absatz von Waren oder Dienstleistungen samt Abwick­lung der Transaktion und Zahlung. „Auch der Austausch weitergehender Informationen für einen umfassenden Kundennutzen und Service sind mit eingeschlossen. E-Commerce ist folglich eine Teilmenge von E-Business". (siehe Kirn 2002, Seite 11-12)

Im E-Business sieht Wirtz neben dem E-Commerce u. a. noch die Aktivitäten E- Information/E-Entertainment, E-Education, E-Communication und E-Collaboration (siehe Wirtz 2001, Seite 39). Auf diese Teilbereiche wird in der vorliegenden Arbeit nicht näher eingegangen.

2.3.3 Mobile Business

„Der Begriff Mobile Business oder M-Business umfasst alle Aktivitäten, Prozesse und Applika­tionen, welche mit mobilen Technologien realisiert werden können. Beim M-Business finden die Geschäftsbeziehungen mittels mobiler Geräte statt. M-Business kann als Untermenge des E-Business verstanden werden, wobei Informationen beim M-Business zeitunabhängig und ortsunabhängig zur Verfügung stehen" (siehe Meier und Stormer 2008, Seite 211). Wirtz bezeichnet demnach M-Business kurz als „PC-unabhängige Form des Electronic Business (siehe Wirtz 2001, Seite 43)".

Lehner rechtfertigt aber eine Unterscheidung zwischen E-Business und M-Business aufgrund der unterschiedlichen Technologien und aufgrund unterschiedlicher Ge­schäftsmodelle. „Mobile Endgeräte (siehe Kapitel 3.2) besitzen eine Reihe spezifischer Eigenschaften, die eine Differenzierung der Geschäftsmodelle notwendig und möglich ma­chen:

- Mobilität - die Benutzer haben an jedem Ort und zu jeder Zeit Zugang zu mobilen Netzen.
- Erreichbarkeit - die Benutzer sind jederzeit erreichbar.
- Lokalisierung - mobile Geräte können lokalisiert werden.
- Identifikation - mobile Geräte sind einzelnen Benutzern eindeutig zugeordnet" (siehe Lehner et al. 2008, Seite 312).

Aufgrund dieser speziellen Eigenschaften der mobilen Endgeräte ist Mobile Busi­ness nicht nur - wie oben angesprochen - als Teilmenge oder Erweiterung des Electronic Business (z.B. der Dienst Ticketkauf kann sowohl im E- als auch im M-Business angeboten werden) anzusehen. Tatsächlich bietet es „zusätzlich einige neue, einzigartige Dienste wie orts- und situationsabhängige Inhalte" (siehe Buse und Tiwari 20o8, S. 32) - z.B. location-based Services (siehe Kapitel 4, S. 40). In Abbil­dung 2 auf Seite 6 wird dieser Sachverhalt durch eine nicht exakte Überlappung des M-Business durch das E-Business Rechnung getragen.

2.3.4 Mobile Commerce

Die Begriffe Mobile Business und Mobile Commerce werden in Wissenschaft und Praxis gerne synonym verwendet. Inhaltliche Übereinstimmung besteht dahinge­hend, dass bei beiden Fachtermini mobile Endgeräte und Mobilfunk- bzw. andere drahtlose Netze zum Einsatz kommen. Reichardt sieht im Mobile Commerce streng genommen eine konsumentenorientierte Teilmenge (z.B. Handelstransaktionen) des Mobile Business (vgl. Reichardt 2008, S. 129, 130). Für Buse und Tiwari umfasst M-Commerce demnach „jede Transaktion, die mit einer Übertragung von Eigentums­oder Nutzungsrechten verbunden ist und über die Nutzung eines mobilen Zugangs zu computervermittelten Netzwerken per elektronischem Endgerät angebahnt und/oder beendet wird" (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 34).

Das Verhältnis zum korrespondierenden Begriff E-Commerce ist ähnlich wie das Verhältnis der Begriffe E- und M-Business untereinander (vgl. Kapitel 2.3.3, S. 5 bzw. Abb. 2). Auch hier gibt es Dienste, die sowohl im E- als auch im M-Commerce ein­setzbar sind. Darüberhinaus gibt es aber auch reine M-Commerce-Anwendungen. Das Fachgebiet Mobile Commerce ist demzufolge sehr vielschichtig und bietet eine Vielzahl von Anwendungen. Das in dieser Arbeit charakterisierte Mobile Ticketing (Kapitel 2.3.6) stellt nur einen dieser Dienste dar (siehe Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Anwendungsbereiche und Dienste im Mobile Commerce (entnommen von Buse und Rajnish 2008, S. 69)

Mit Abbildung 2 wird das Verhältnis der vorweg geschilderten Begriffe E-Business (Kapitel 2.3.1), E-Commerce (Kapitel 2.3.2), M-Business (Kapitel 2.3.3) und M­Commerce (Kapitel 2.3.4) grafisch noch einmal zusammengefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Abgrenzung der Fachbegriffe im Electronic Business (entnommen von Buse und Tiwari 20o8, S. 36)

2.3.5 Beziehungen im Electronic bzw. Mobile Commerce

Am Electronic bzw. Mobile Commerce sind Leistungsanbieter (Händler) und Leis­tungsnachfrager (Konsumenten, Kunden, Käufer) beteiligt. Beide Geschäftspartner sind juristische Personen und gehören immer zu einer der folgenden Kategorien (vgl. Merz 2002, S. 22):

- natürliche Personen (Consumer)
- Organisationen (Business) - z.B. Unternehmen, Vereine
- staatliche Körperschaften (Administration) - z.B. Behörden, Ministerien

Je nachdem, zu welcher dieser Ausprägungen die beiden Beteiligten gehören, kann es zu unterschiedlichen Formen einer solchen Zweierbeziehung kommen. Abbildung 3 zeigt die dabei möglichen Beziehungsformen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: mögliche Beziehungsformen im E- bzw. M-Commerce (entnommen von Meier und Stormer 2008, S. 3)

Das in dieser Arbeit thematisierte Mobile Ticketing (Kapitel 2.3.6) ist dabei der Beziehungsform Business-to-Consumer (B2C) zuzurechnen. Die beteiligten Ge­schäftspartner sind dabei das Transportunternehmen (Business) und der Fahr­gast/Endkunde (Consumer).

2.3.6 Mobile Ticketing

Das Mobile Ticketing (kurz M-Ticketing) ist Teil des Geschäftsprozesses öffentlicher Personenverkehr (siehe Abbildung 4). Mit dieser M-Commerce-Anwendung (sie­he Tabelle 1, S. 5) lassen sich die Transaktionsphasen (vgl. Ferstl und Sinz 2006, S. 63) Anbahnung (= Kontaktaufnahme), Vereinbarung (= Vereinbarung eines Leistungstransfers) und Teile der Durchführung (= Ticket/Transportleistung/Kon­trolle und Bezahlung) voll digitalisieren und mobil abwickeln - falls auch auf eine M-Payment-Lösung (siehe S. 8) zurückgegriffen wird. Lediglich die eigentliche Transportleistung (z.B. mit Bus oder Bahn) findet dabei außerhalb der digitalen Welt statt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Interaktionsschema für den Geschäftsprozess öffentlicher Personenverkehr Begriffserklärung

Für Hülskamp und Buse ersetzt das Moblie Ticketing „die herkömmliche Eintritts­karte bzw. den Fahrschein aus Papier durch eine elektronische Information, die an mobile Endgeräte versendet, darauf gespeichert und - ggf. mit Hilfe weiterer (mobiler) Endgeräte - kontrolliert werden kann" (siehe Hülskamp und Buse 2008, S. 549). Einsatzorte für mobile Tickets sind überall dort „wo eine Authentifizierung des Nutzers erforderlich ist, bevor eine kostenpflichtige Dienstleistung in Anspruch genommen (z.B. eine Zugfahrt) oder der Zugang zu einem kostenpflichtigen Bereich gewährt wird (z.B. Eintritt zu einem Musikkonzert)" (siehe Hülskamp und Buse 2008, S. 549). Hauptaugenmerk dieser Arbeit ist der Einsatz mobiler Tickets im Personennah- bzw. fernverkehr. Zlabinger und andere räumen diesem Konzept sehr gute Zukunftschancen ein (vgl. Zlabinger und Höller 2004, S. 118).

Arten mobiler Tickets

Meier unterscheidet beim M-Ticketing zwei technologische Verfahrensweisen (vgl. Meier und Stormer 2008, S. 222):

- PTD-Ticket (personal trusted device): Hier wird der Fahrschein direkt auf das Endgerät des Kunden übertragen - z.B. als Barcode (siehe Abbildung 29, S. 37) mittels MMS/SMS. Die Überprüfung erfolgt dann ohne Online-Verbindung zu einem Server oder Hintergrundsystem per Sichtkontrolle oder mit einem externen Lesegerät. Die aktuellen M-Ticketing-Umsetzungen im Nah- und Fernverkehr aus Kapitel 3.5 (S. 38) verwenden PTD-Tickets als Grundlage.

- Virtual Ticket: Beim Fahrscheinkauf wird automatisch ein sogenanntes viru- telles Ticket auf dem Hintergrundsystem (Server) des Anbieters erzeugt und abgelegt. Dieser Vorgang wird dem Fahrgast per SMS bestätigt. Die Fahrschein­kontrolle erfolgt durch Kontaktieren des Hintergrundsystems. Es muss dabei z.B. geprüft werden, ob zu der vorgelegten Bestätigungs-SMS tatsächlich ein virtuelles Ticket im Hintergrundsystem mit der Fahrberechtigung für den aktuellen Zug und Zeitpunkt existiert. „Dafür sind (mobile) Endgeräte notwendig, die mit dem Hintergrundsystem über (mobile) Datenübertragung in Verbindung treten können, um das jeweilige Ticket zu verifizieren. Der mobile Datenabgleich ist mit Datenübertragungstechnologien (vgl. Kapitel 3.2.2) wie GPRS, EDGE oder UMTS möglich" (siehe Hülskamp und Buse 2008, S. 550-552). Die beiden im Ausblick (Kapitel 4, S. 40) vorgestellten Mobile-Ticketing-Forschungsprojekte favorisieren eher diese Verfahrensweise.

Auch Mischformen aus beiden Verfahren sind denkbar.

2.3.7 Mobile Payment

Definition Mobile Payment

Eng im Zusammenhang mit Mobile Ticketing (siehe Kapitel 2.3.6, S. 7) ist auch der Teilbereich Mobile Payment (Mobiles Bezahlen) zu sehen (vgl. Speidel und Eberspächer 2007, S. 10i). Poustachi definiert Mobile Payment als „diejenige Art der Abwicklung von Bezahlvorgängen, bei der im Rahmen eines elektronischen Verfahrens mindestens der Zahlungspflichtige mobile Kommunikationstechniken (in Verbindung mit mobilen Endgeräten) für Initiierung, Autorisierung oder Realisierung der Zahlung einsetzt" (siehe Pousttchi 2003, S. 410). Die Vor- und Nachteile, die mobile Endgeräte bieten, werden in Tabelle 2 deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Stärken und Schwächen des Mobiltelefons als Zahlungsmittel (siehe Silberer et al. 2002, S. 331)

Anwendungsgebiete für das Mobile Payment

Das Mobile Bezahlen kann innerhalb und außerhalb des Mobile Commerce (siehe Kapitel 2.3.4, S. 5) in folgenden vier Szenarien zum Einsatz kommen (vgl. Kreyer et al. 2oo2, S. 3):

- Mobile Commerce:

Hier wird das Mobile Payment zur Bezahlung eines mobilen Angebots (wie z.B. Klingelton oder Spiel für bzw. auf dem Handy) genutzt.

- Electronic Commerce:

Waren oder Dienstleistungen (z.B. öffentliche Transportdienstleistung), die über das Internet gekauft wurden, lassen sich mit E- bzw. M-Payment-Lösungen bezahlen.

- Stationärer Händler:

- Person:

Das Mobiltelefon kann auch als Zahlungsmittel beispielsweise an Tank­stellen, im Taxi oder in Geschäften eingesetzt werden.

- Automat:

Beim Einsatz an einem Automaten (z.B. für Zigaretten) bieten M-Payment- Lösungen noch einen weiteren Vorteil: sie können noch vor der Transak­tion das Mindestalter des Kunden überprüfen (das Geburtsdatum des Kunden muss beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages nachgewiesen werden). Weitere Erleichterungen bietet hier die Near-Field-Technologie (siehe Kapitel 3.2.2.4).

- Customer-to-Customer:

Denkbarer Einsatz hier wäre z.B. die Übertragung von Guthaben vom Mobil­telefon der Eltern auf das Mobiltelefon eines Kindes als Taschengeld (Zahlung zwischen Privatpersonen).

Das Mobile Ticketing setzt auf die Bezahlszenarien Electronic Commerce (Fahr­schein wurde über das Internet gekauft) und Stationärer Händler (Fahrschein wurde am Automaten oder an einer Verkaufsstelle gekauft).

MPSP und ihre Lösungen

Es gibt eine Vielzahl Anbieter mobiler Payment-Lösungen. Die wichtigsten Gruppen von Mobile Payment Service Provider (kurz: MPSP) sind (vgl. Silberer et al. 2002, s. 343):

- Banken und Finanzdienstleister (z.B. Deutsche Bank und Luup Internatio­nal[1] )

- Mobilfunkanbieter und Mobiltelefonhersteller (z.B. T-Pay[2], MPass[3] )

- Intermediäre/Payment-Startup-Unternehmen (z.B. Paybox[4] )

Geschäftsprozess beim mobilen Bezahlen

Abbildung 5 zeigt vereinfacht den Ablauf einer mobilen Bezahl-Transaktion, wie er den meisten MP-Lösungen zugrunde liegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Geschäftsprozess des Mobile Payments (entnommen von Silberer et al. 2002, s. 332)

Abrechnungs- und Bezahlvarianten

Die MP-Produkte der genannten Anbieter(gruppen) nutzen dafür eine oder mehrere der folgenden Abrechnungsarten (vgl. Lammer 2006, S. 369):

- Abrechnung über die Mobilfunkrechnung

Die Zahlung erfolgt durch Aufnahme eines Buchungspostens bei Mobilfunk­Vertragskunden bzw. durch Abzug vom Guthaben bei Prepaid-Kunden.

- Lastschrift

Nach vorheriger Erteilung einer Einzugsermächtigung löst das MP-System zur Bezahlung automatisch eine Abbuchung vom Girokonto des Kunden aus.

- Kreditkarte

Hier wird zur Zahlung ein neuer Buchungsposten auf der Kreditkarten­Rechnung des Kunden erzeugt (nach vorheriger Bekanntgabe/Registrierung der Kreditkarten-Daten).

- separate MP-(Monats-)Rechnung

Der MPSP erstellt z.B. monatlich - nach dem Vorbild der Kreditkarten-Rechnung - eine eigene Rechnung und übermittelt diese zur Begleichung an den Kunden.

- Nutzung von E-Geld

Der Kunde besitzt ein vorausbezahltes, guthabenbasiertes Konto bei einem Online-Bezahlsystem (z.B. Paypal[5] ). Von diesem Konto werden dann vom MPSP die Zahlungen vorgenommen.

BETRACHTUNGSEBENEN AUF DAS MOBILE TICKETING

Die Wirtschaftsinformatik beleuchtet IT-Projekte zumeist aus den Blickwinkeln Technologie und Wirtschaft. Dabei handelt es sich jedoch noch nicht um einen ganz­heitlichen Ansatz. Um diesem Manko entgegenzuwirken, wurde von Ferstl das so genannte Perspektiven-Fünfeck der Wirtschaftsinformatik vorgeschlagen. Diese Her­angehensweise nähert sich einem IT-Thema aus folgenden fünf unterschiedlichen Betrachtungsebenen (siehe Abbildung 6):

1. gesellschaftliche Sicht/Gesellschaftsmodelle (Kapitel 3.1)
2. technologische Sicht/IT-Infrastruktur (Kapitel 3.2)
3. ökonomische Sicht/Geschäftsmodelle (Kapitel 3.3)
4. Geschäftsprozessmodelle/Abläufe (Kapitel 3.4)
5. Anwendungssysteme/praktische Umsetzungen (Kapitel 3.3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Perspektiven-Fünfeck der Wirtschaftsinformatik (entnommen von Frank und Ferstl 2008a, S. 8)

Das beschriebene Fünfeck dient in folgenden Kapiteln als Strukturierungs- und Gliederungsansatz für die Thematik des Mobile Ticketing.

3.1 gesellschaftliche sicht auf das mobile ticketing

Zur ganzheitlichen Betrachtung des Mobile Ticketing gehört im ersten Schritt die gesellschaftliche Sicht auf das Thema. Als Gesellschaftsmodell versteht Ferstl den „Gesellschaftsbereich, in dem sich ein Unternehmen bewegt" (siehe Frank und Ferstl 2008b, S. 6). Dieser wird charakterisiert (siehe Abbildung 7) durch die darin vorherrschenden Ziele, Werte, Präferenzen, Bedürfnisse sowie die dort verfügbare Infrastruktur und die Gesellschaftssegmentierung (= potentielle Nutzer).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Gesellschaftsmodell/-bereich (entnommen von Frank und Ferstl 2008b, S. 6)

Infrastruktur

Nährboden für die MC-Anwendung des Mobile Ticketing ist in Deutschland die enorme Verbreitung der Mobiltelefone. 95 Prozent der Deutschen besitzen min­destens ein Handy (siehe Bieh 2008, S. 28). Ein Großteil (62%[1] ) dieser Geräte ist auch in der Lage dem Nutzer mobil einen Zugang zum Internet zu ermöglichen (vgl. Kapitel 3.2.1, S. i6). Noch dazu ist das Mobiltelefon zu einem ständigen Be­gleiter des modernen Menschen geworden. Es ist dabei täglich fast 14 Stunden in Betrieb (vgl. "'Always-On-Prinzip"' gemäß Bieh 2008, S. 28). Verstärkt wird diese gute technische Infrastruktur durch die wachsende Verfügbarkeit von mobilen Breitband-Verbindungen - wie beispielsweise UMTS (siehe Abbildung 11, S. 19).

Gesellschaftssegmentierung

Ein weiterer Bestandteil des Gesellschaftsmodells ist die Gesellschaftssegmentie­rung. Dabei stellt sich die Frage welche Teile der Gesellschaft als potentielle Nutzer des Mobile Ticketing in Frage kommen könnten. Die Zielgruppe dieser Anwendung kann als Schnittmenge zweier großer Gesellschaftsteile verstanden werden (siehe Abbildung 8). Es fallen dabei die Mobiltelefon-Nutzer (ca. 95% der Bevölkerung) und die Nutzer des öffentlichen Fern- und Regionalverkehrs (ca. 66% der Bevölke­rung, (siehe Autor 2009, S. 7) zusammen. Besonders interessant können hier z.B. Berufspendler, Geschäftsreisende oder Schüler sein, die im Besitz eines Handys sind und fast täglich Bus oder Bahn nutzen. Eine detaillierte Zielgruppenanalyse kann in einem Nachfragermodell (Marktmodell) durchgeführt werden.

[...]


[1] vgl. https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur, voHanzeige.csp&ID=1023174, Ausstattung privater Haushalte mit ausgewählten Gebrauchsgütern - Fachserie 15, Heft 1 - 2008, S. 17; abgerufen am 03.08.2009

[2] siehe http://www.channelpartner.de/knowledgecenter/tk- business/279674/; abgerufen am 17.07.2009

[1] siehe https://www.luup.com/corporate/pressroom-press-deutschebank.html; abgerufen am 16.05.2009

[2] siehe http://www.t-pay.de; abgerufen am 16.05.2009

[3] siehe http://www.mpass.de; abgerufen am 16.05.2009

[4] siehe http://www.paybox.at; abgerufen am 16.05.2009

[5] http://www.paypal.de; abgerufen am 16.05.2009

[1] siehe http://www.accenture.com/NR/rdonlyres/443452F6-26C6-4A46-9F87- 89B9DAC5708C/0/MobileWebWatch2008.pdf; abgerufen am 28.05.2009

Details

Seiten
53
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640895366
ISBN (Buch)
9783640895823
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170603
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbes. Industrielle Anwendungssysteme
Note
2,0
Schlagworte
Betriebswirtschaftslehre Wirtschaftsinformatik Electronic Business E-Business Electronic Commerce E-Commerce Mobile Business M-Business Mobile Commerce M-Commerce Mobile Ticketing M-Ticketing Öffentliche Verkehrsmittel Regionalverkehr Fernverkehr Fahrschein

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Titel: Analyse der Einführung von Mobile Ticketing im deutschen Regional- und Fernverkehr