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Kurze Einleitung zum Buch Sacharja

Der Versuch einer bibeltreuen Annäherung an den Propheten

Studienarbeit 2011 19 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zur Ausgangsprämisse

2 Allgemeiner Hintergrund des Buches
2.1 Der Verfasser
2.1.1 Bibelkritische Sicht zur Verfasserschaft und Einheit
2.2 Abfassungszeit
2.2.1 Bibelkritische Sicht zur Abfassungszeit
2.3 Historische Einordnung / Kulturkreis
2.4 Intention / Adressaten

3 Einheitlichkeit und Aufbau des Buches
3.1 Gliederung des Buches nach Aebi

4 Inhalt und Botschaft
4.1 Formale Charakteristika
4.2 Theologische Charakteristika
4.2.1 Christologie
4.2.1.1 Einzug in Jerusalem
4.2.1.2 Silberschekel
4.2.1.3 Durchbohrte Seite
4.2.1.4 Krönung des Hohepriesters
4.2.2 Tabelle 1: Jesus in Jesaja, Sacharja und im NT
4.2.3 Nationen und Israel

5 Schlussbemerkung

6 Bibliographie

1 Zur Ausgangsprämisse

Im Folgenden soll eine knappe Einleitung zum Buch des Propheten Sacharja gegeben werden. Damit der Leser eine solche Einleitung theologisch richtig einordnen kann, ist es wichtig, dass der Autor dieser Arbeit[1] den eigenen Standpunkt darlegt.

Bekanntlich hat sich die historisch-kritische Methode der alttestamentlichen Exegese allgemein durchgesetzt. Obwohl vor allem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts neue Methoden[2] Eingang in die wissenschaftliche Exegese der Bibel gefunden haben, so stehen auch diese dem Inhalt der Bibel grundsätzlich kritisch gegenüber, fallen sie doch alle immer noch unter den Begriff der „Bibelkritik“.[3]

Hier möchte sich der Verfasser der Feststellung von C. D. Stoll anschliessen: „Eine zum allgemeinen Konsens gewordene Ansicht setzt grundsätzlich noch keine ideologiekritische Absicherung voraus.“[4] Vielmehr geht dem Konsens ein Paradigmen-Wechsel voraus, welcher auf der mehrheitlichen Durchsetzung der neuen Ansichten und Argumente, der Prämissen, beruht.[5] In diesem Bewusstsein soll in vorliegender Arbeit die bibeltreue, konservative Ansicht als Paradigma vor einem, wie er sich wohl selber versteht, revolutionären Wechsel dargestellt werden. Die historisch-kritische Sicht, welche in diesem Falle den allgemeinen Konsens aufgrund neuer Paradigmen darstellt, soll der Vollständigkeit halber Eingang in die Arbeit finden, jedoch nicht unbedingt diskutiert werden. Es soll hier auch nicht eine Darlegung der konservativen Ansätze aus der Defensive stattfinden, sondern vielmehr eine Darlegung der Umstände aus dem Selbstverständnis der Schrift, wenn diese als von Gott inspiriert, als Wort Gottes, betrachtet wird,[6] eben unter Verwendung eines mittlerweile belächelten Paradigmas. Das vaticinia ex eventu, als prophetische Ansage nach dem Eintreten der Ereignisse, würde meines Erachtens die Bibel zu einem Geschichtenbuch mit allenfalls historischem Wert degradieren. Somit wird auch klar, dass der Verfasser die supranaturalistische Einstellung befürwortet und diese in die Arbeit mit einfliesst. Eine Ablehnung von Prophetie würde auch den beiden Stellen in Am 3,8 und Hebr 1,1 widersprechen.[7]

2 Allgemeiner Hintergrund des Buches

2.1 Der Verfasser

Als Literat des gesamten Buches geht Sacharja hervor.[8] Er berichtet über die Visionen in der ersten Person Singular. Ebenso spricht er in der Ichform in den Kapiteln 8,18 und 11,4.13-15. Der Name Sacharja (hebr.: זכריה) bedeutet „JHWH erinnert sich“[9] und war zu seiner Zeit ein gebräuchlicher Name.[10] Zur Person des Propheten finden sich nur wenige Hinweise.[11] Sacharja war der Sohn Berechjas, der Enkel Iddos, welcher das Haupt einer Priesterfamilie darstellte und mit dem Hohepriester Jeschua von Babylon zurückkehrte.[12] Sacharja kam wahrscheinlich im Exil zur Welt und kehrte mit einer der ersten Gruppen von Rückwanderern um 537 v.Chr. nach Jerusalem zurück.

Es ist wahrscheinlich, dass Sacharja nicht nur als Prophet, sondern auch als Priester tätig war und seine Priesterschaft dem Prophetentum eine besondere Weihe und Authentizität gab. Aus dem Buch wird deutlich, dass der Prophet umfangreiche Kenntnisse des Alten Testaments, insbesondere der mündlichen und schriftlichen Tradition der grossen Propheten, aufweist. Dies könnte ein Hinweis auf eine priesterliche Tätigkeit des Auslegens der Heiligen Schriften sein[13]. Auf jeden Fall wurde er bereits in jungen Jahren von Gott in den Prophetendienst berufen, wie aus 2,8 hervorgeht.[14] Seine Zeit in Babylonien hat den jungen Propheten denn auch geprägt:

„Ohne Zweifel wirkten im Leben Sacharjas Erlebnisse und Erfahrungen der ‚70 Jahre babylonischer Gefangenschaft‘ … nach, die wie eine Art geistlichen Erbes sein Denken prägten und Ansatzpunkte für seine Verkündigung gaben.“[15]

Über das Lebensende des Propheten kann nur spekuliert werden. W. vom Baur postuliert in seiner Schrift, dass Sacharja in hohem Alter in Judäa gestorben und nahe dem Propheten Haggai begraben worden sei. Diese Meinung steht allerdings für sich alleine.[16] Hier kommt wohl eher der Hinweis aus Mt 23,35 zum Tragen, nach dessen Aussage der Prophet im Tempelbezirk umgebracht wurde.[17]

2.1.1 Bibelkritische Sicht zur Verfasserschaft und Einheit

Nach der bibelkritischen Sicht wird das Buch in drei Teile aufgeteilt (Sach 1-8, 9-11, 12-14). Lediglich die Kapitel 1-8 würden von Sacharja selber stammen. Gegen eine einheitliche Verfasserschaft werden die folgenden drei Hauptargumente angeführt:[18]

1. Die Atmosphäre des ersten Teils unterscheide sich von der Atmosphäre der zweiten und dritten Komponenten.
2. In 9,13 wird von Griechenland als beherrschender Macht gesprochen, während zur Zeit Sacharjas Persien dominierte.
3. Die veränderte Form in den Teilen zwei und drei deuten auf eine spätere Epoche hin.

Es wird allgemein die Sicht eines Proto- und eines Deuterosacharja, allenfalls sogar eines Tritosacharja vertreten.[19] Dazu G. Steins: „Worte des historischen Sacharja sind nur in Kap. 1-8 des nach ihm benannten Prophetenbuches zu vermuten.“[20] H. Reventlow schliesst Sacharja als Autor der Kapitel 9-14 gänzlich aus und bezeichnet Schüler des Propheten als eventuelle Verfasser.[21] Im neusten Standardwerk des universitären Theologiestudiums spricht sich der Theologe und Autor P. Mommer ohne Diskussion gegen Sacharja als Verfasser der Kapitel 9-14 aus: „Sie haben keinen Bezug zu dem Propheten und zeigen einen deutlich späteren zeitgeschichtlichen Hintergrund.“[22] Hier geht der konservative Alttestamentler R. K. Harrison bedeutend differenzierter vor: „From the foregoing discussion it will be clear that there are strong arguments both for and against the unity of Zechariah.”[23] Allerdings kommt er in seinen Ausführungen zum Schluss, dass Sacharja Verfasser des gesamten Buches ist.

Einerseits ist man nun geneigt, die Verfasserfrage beiseite zu schieben und sich der Meinung anzuschliessen, die Diskussion darum sei müssig, es gehe schliesslich um den Inhalt, die Botschaft des Buches. Andererseits ist gerade die Verfasserfrage zentral, steht und fällt mit ihr doch die Glaubwürdigkeit der Prophezeiungen.

[...]


[1] Nachfolgend Autor genannt.

[2] Z.B. die folgenden: linguistisch, literaturwissenschaftlich, rhetorisch; strukturalistisch; sozialgeschichtlich; psychologisch-tiefenpsychologisch oder feministisch (nicht abschliessend).

[3] Vgl. dazu: Marie-Theres Wacker, „Bibelkritik: I. Methoden der Bibelkritik im Alten Testament“, RGG4 , Bd. 1, 1474f.

[4] Claus Dieter Stoll, „Umstrittene Verfasserschaft am Beispiel des Jesaja-Buches“ in: E. Hahn, R. Hille, H.-W. Neudorfer (Hg.), Dein Wort ist die Wahrheit. Festschrift für Gerhard Maier. Beiträge zu einer schriftgemässen Theologie . (Wuppertal: Brockhaus/Brunnen, 1997), 169.

[5] Die „Normalwissenschaft“ (in diesem Falle die bibeltreue Wissenschaft) geht durch eine Krise und es kommt durch den Paradigmen-Wechsel, durch veränderte Prämissen, zur „Wissenschaftlichen Revolution“ (hier: historisch-kritische Forschung). M.E. befindet sich diese heute ebenfalls in einer grossen Krise und es wird interessant sein zu sehen, welche neue wissenschaftliche Revolution daraus erwächst. Siehe dazu auch: Thomas Samuel Kuhn, Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen , 21. Aufl. (Berlin: Suhrkamp Verlag, 2001).

[6] Als Beispiel der Korrelation in der Bibelforschung soll hier die Argumentation beim Buch Daniel dienen: Bereits im Jahr 1787 verteidigte der evangelische, konservative Theologe J. B. Lüderwald die Frühdatierung und Echtheit des Buches Daniel gegen die historisch-kritischen Ansichten von J. G. Eichhorn, welcher in seinen Ausführungen zum Propheten Daniel zum Schluss kommt: „Endlich, unser Daniel macht kein Einzelnes Ganzes mit einer bestimmten Rundung und Einheit aus; er enthält eine Sammlung von lauter einzelnen, für sich bestehenden Stücken; die nur das allgemeine Band verbindet; …“ (J. G. Eichhorn, Einleitung ins Alte Testament , 3. Teil, 2. Aufl. [Reutlingen: Johannes Erdzinger, 1790], 360). Dazu bemerkte Lüderwald in ironischem Ton: „Es könnte zwar dem Glauben und der Gottseligkeit des Christen einerlei sein, ob es mit den sechs ersten Kapiteln Daniels seine Richtigkeit hätte, oder nicht. Beide würden darüber nicht verlohren [sic] gehen, sondern hätten viele andere und keinem Streite unterworfenen Quellen.“ (Johann Balthasar Lüderwald, Die sechs ersten Kapitel Daniels: nach historischen Gründen geprüft und berichtiget [Helmstadt: J.H. Kühnlin, 1787], Einleitung). Argumente für eine historisch-kritische- und Gegenargumente für eine bibeltreue Exegese ziehen sich also schon seit Jahrhunderten durch die Arbeit an der Heiligen Schrift und für den Verfasser entzieht es sich der Logik, dass Zeugnisse aus der Bibel erst als wahr angesehen werden, wenn diese durch ausserbiblische Quellen belegt werden können, respektive biblische Geschichtszeugnisse von vornherein besonders kritisch betrachtet werden. Schlussendlich besteht die Beziehung zum Gott Israels aus Glauben an eben diesen und kann weder schlüssig bewiesen noch konkret wiederlegt werden. Daher bildet die bibeltreue Sichtweise die Grundlage dieser Arbeit, ohne sich der historisch-kritischen Forschung zu verschliessen, aber auch ohne die konservative Ansicht zu verteidigen, zumal dafür der Umfang der Arbeit schlicht zu beschränkt ausfällt.

[7] Wobei dies allerdings als Zirkelschluss aufgefasst werden kann: Wer an Prophetien glaubt, glaubt auch, dass die beiden Bibelstellen von Gott inspiriert sind. Wer nicht an biblische Prophetie glaubt, der wird für diese Stellen die Erklärung bereit haben, dass sie eingeflochten wurden, um den Prophetien die notwendige Autorität zu verleihen, falls diese durch menschlichen Rationalismus gefährdet würden.

[8] Diese Ansicht vertreten auch Ernst Aebi, G.L. Archer, Wilhelm vom Baur, Fritz Laubach, Rudolf Müller-Kersting, Fritz Rienecker, R.K. Harrison u.a.

[9] Auch: „JHWH gedenkt“. Dazu H. Möller: „Dem mag entsprechen, dass das Volk an Gott denkt (10,9) und nicht mehr an die Götzen (13,2).“ (Hans Möller, Alttestamentliche Bibelkunde, 2. Aufl. [Berlin: Evangelische Verlagsanstalt, 1989], 309.)

[10] Vgl. dazu: Ernst Aebi, Kurze Einführung in die Bibel , 14. Aufl. (Winterthur: Bibellesebund, 2007), 135.

[11] Dazu Helmuth Pehlke: „Die soziale Herkunft der meisten Propheten ist allerdings unbekannt. Das zeigt, dass ihre Herkunft zweitrangig war. Wichtiger war, was sie sagten.“ (Helmuth Pehlke, Hg., Zur Umwelt des Alten Testaments. [Holzgerlingen: Hänssler Verlag, 2002.], 171.)

[12] Siehe dazu Sach 1,1 und auch Neh 12,4.16. Das AT spricht häufig von Sohn, wenn damit nach unserem Verständnis allgemein ein Nachkomme gemeint ist. Laubach und Higginson vertreten aufgrund von Neh 12 die Ansicht, dass der Vater von Sacharja früh gestorben ist und darum sein Grossvater Iddo die Verantwortung für ihn übernommen hat. Dafür würden auch die Stellen in Esr 5,1 und 6,14 sprechen, welche nur von Iddos berichten.

[13] Vgl. Rudolf Müller-Kersting, Der Prophet Sacharja , (Zürich: Beröa Verlag, vergriffen, publiziert unter www.bibelkommentare.de, 2010), 4. Diese Meinung teilt auch Higginson in: R.E. Higginson, Sacharja , Kommentar zur Bibel, 7. Aufl., Herausgegeben von Donald Guthrie und J. Alec Motyer (Witten: SCM R. Brockhaus, 2008), 967. F. Laubach vertritt diese Meinung nicht unbedingt. Vgl. Fritz Laubach, Der Prophet Sacharja , Wuppertaler Studienbibel, AT Bd. 9, (Witten: R. Brockhaus/SCM Verlag, 2008), 16.

[14] Das hebräische „HaNa’ar“ (×”× ×¢×¨) in 2,8 meint auch Jüngling oder junger Mann. Vgl. dazu: Rita Maria Steurer, Das Alte Testament: Interlinearübersetzung Hebräisch-Deutsch , Bd. 4, 2. Aufl. (Holzgerlingen: Deutsche Bibelgesellschaft, 1999).

[15] Laubach, a.a.O., 16.

[16] Vgl. Wilhelm vom Baur, Der Prophet Sacharja allgemeinverständlich erkärt , 2. Aufl. (Erfurt: Philadelphia Verlag, 1935), 1.

[17] Vgl. dazu auch die Ausführungen von G.L. Archer, Einleitung in das Alte Testament: Einleitung zu den einzelnen Büchern , Bd. 2, Übersetzer David Poysti (Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 1989), 339.

[18] Nach Higginson, a.a.O., 968f.

[19] Vgl. dazu: Rolf Rendtorff, Das Alte Testament: Eine Einführung , 7. Aufl. (Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2007), 250. Wobei R. Rendtorff jedoch erörtert, dass Sacharja 9-14 kein „so deutlich eigenes Profil zeigen wie Deuterojesaja.“ Ebd. 250. Weiter schliesst Rendtorff nicht aus, dass Sacharja für die Gesamtkomposition verantwortlich zeichnet.

[20] Georg Steins, „Sacharja, Sacharjabuch“, LThK , 3. Aufl., Bd. 8, 1413. Die Hauptfuge sieht Steins zwischen den Kapiteln 8 und 9. Sogar im ELThG spricht sich Dreytza nicht für eine Einheit des Buches aus und merkt an, dass Herkunft und Entstehungszeit der Kapitel 9-14 umstritten seien. Eine Einheit wird aber mindestens nicht kategorisch abgelehnt. Vgl. dazu: M. Dreytza, „Propheten Israels: II. Die Schriftpropheten, 15. Sacharja“, ELThG , Bd. 3, 1614.

[21] Henning Graf Reventlow, „Sacharja/Sacharjabuch“, RGG4 , Bd. 7, 722.

[22] Peter Mommer, Module der Theologie: Altes Testament , Bd. 1 (Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2009), 112.

[23] Roland K. Harrison, Introduction to the Old Testament: with a comprehensive review of Old Testament studies and a special supplement on the Apocrypha, 5. Aufl. (USA: Inter-Varsity Press, 1975), 956.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640896660
ISBN (Buch)
9783640896592
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170584
Institution / Hochschule
Werkstatt für Gemeindeaufbau gGmbH
Note
1
Schlagworte
Prophet kleine Propheten Einleitungsfragen Einleitung Altes Testament Bibelkunde Sacharja G.L. Archer Bibelkritik historisch-kritische Bibelauslegung bibeltreu Verfasserfrage Abfassungszeit Intention Adressaten New Covenant International University Florida Akademie für Leiterschaft

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Titel: Kurze Einleitung zum Buch Sacharja