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Formale Analyse des Gedichtes "Archaischer Torso Apollos" von R. M. Rilke

Seminararbeit 2001 11 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aufbau

3. Metrische Analyse

4. Syntaktische Analyse

5. Rhetorische Analyse

Literaturverzeichnis

Rainer Maria Rilke

ARCHAÏSCHER TORSO APOLLOS

1 Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
2 darin die Augenäpfel reiften. Aber
3 sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
4 in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,
5 sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
6 der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
7 der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
8 zu jener Mitte, die die Zeugung trug.
9 Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
10 unter der Schultern durchsichtigem Sturz
11 und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;
12 und bräche nicht aus allen seinen Rändern
13 aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
14 die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.

Gedichte. Auswahl und Nachwort von Dietrich Bode.

Stuttgart - Reclam 1997, S. 138.

1. Einleitung

Das Gedicht Archaïscher Torso Apollos [1] von Rainer Maria Rilke[2] entstand im Frühsommer 1908 in Paris und stellt die Einleitung seiner Gedichtesammlung Der neuen Gedichte anderer Teil dar, die wiederum der zweite Teil eines Zyklus‘ mit dem Titel Neue Gedichte ist.

Durch die Freundschaft zu einigen Künstlern, insbesondere zu Rodin, dem er den zweiten Teil der Neuen Gedichte widmete, beschäftigte sich Rilke intensiv mit der bildenden Kunst, die er zum Anlaß für seine „Dinggedichte“, zu denen auch das hier vorliegende gehört, nahm. Das Bildwerk, das er im Archaïschen Torso Apollos bearbeitete, war eine sich im Louvre befindende Plastik Rodins.

2. Aufbau

Das Gesamtbild des Gedichtes Archaïscher Torso Apollos läßt sich in drei Teile gliedern, in der Reihenfolge: 1. Name des Autors, 2. Titel des Gedichtes, 3. Verstext,

wobei der Autorname und der Titel des Gedichtes nicht Bestandteile des eigentlichen Verstextes sind und deshalb als Verse keine Berücksichtigung finden, trotzdem aber eine Bedeutung bzw. Funktion haben. Für diese Form der Teiltexte führte der französische Literaturtheoretiker Gérard Genette die Bezeichnung Paratext [3] ein.

Eine wichtige Funktion kommt dem Titel zu, da er zum einen das Thema bzw. den Gegenstand des Gedichtes – nämlich eine Statue des Künstler- bzw. Dichter-Gottes Apollo – bezeichnet und somit eine erste Annäherung an den Verstext darstellt; zum anderen entsteht durch die Übereinstimmung der Anordnung der Anfangsbuchstaben A.T.A. (A rchaïscher T orso A pollos) mit der Anordnung der Initialen Rilkes (R.M.R.) eine (formale) Verbindung zwischen Autor und Verstext.

Das Gedicht besteht aus 14 Versen, die sich auf vier Strophen verteilen. Die beiden ersten Strophen enthalten jeweils vier Verse, sind demnach Quartette, und die letzten zwei beinhalten je drei Verse, die Terzette genannt werden. Hier handelt es sich um eine besondere Gattung des Gedichtes, denn dieser formale Aufbau ist charakteristisch für das Sonett[4]. Allerdings ist es eine freie Form des Sonetts, da es nicht vollständig die Kriterien der klassischen Sonettstruktur aufweist[5].

Die optischen Längen der Zeilen stimmen weitgehend überein, auffällig kürzer sind jedoch die zweite Zeile der ersten Strophe und die letzte Zeile der zweiten Strophe, als länger erweisen sich die erste Zeile der zweiten Strophe sowie die Abschlußzeile.

3. Metrische Analyse

Dem Versmaß zugrunde liegt der Wechsel von betonten und unbetonten Silben.

Die folgende Notation des metrischen Schemas kennzeichnet betonte Silben (Hebungen) mit x sowie unbetonte Silben (Senkungen) mit x:

[...]


[1] Erstdruck: Rilke, R.M.: Archaïscher Torso Apollos. In: Der Neuen Gedichte anderer Teil. Leipzig 1909.

[2] Eigentlich René M.R.; *4.12.1875 Prag, †29.12.1926 Val Mont (Kt. Waadt)

[3] Vgl. Genette (2001).

[4] Das Sonett ist eine italienische Gedichtform, die im 13. Jahrhundert in Palermo entwickelt und ab dem 15. Jht. in zahlreichen europäischen Ländern nachgebildet wurde. Die deutsche Lehnübersetzung des 17. Jhts. lautete „Klinggedicht” – vgl. Metzler Literatur-Lexikon (1990), S. 432f.

[5] Zu einigen Abwandlungen der Sonettstruktur vgl. „Metrische Analyse“, S.6f.

Details

Seiten
11
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638217361
Dateigröße
356 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17057
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Inst. f. deutsche Sprache und Literatur
Note
1
Schlagworte
Formale Analyse Gedichtes Archaischer Torso Apollos Rilke Seminar Einführung Literaturwissenschaft

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Titel: Formale Analyse des Gedichtes "Archaischer Torso Apollos" von R. M. Rilke