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Spaltet der Grundsatz eines Europas mit säkularer Werteordnung die Einheit der Europäischen Union?

Oder: Ihre Trennung geben bekannt: Die EU-15-Staaten von den nachfolgenden Beitrittsländern aufgrund unüberbrückbarer Differenzen ihrer Werteordnung

Essay 2010 7 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Spaltet der Grundsatz eines Europas mit säkularer Werteordnung die Einheit der Europäischen Union?

oder:

Ihre Trennung geben bekannt: Die EU-15-Staaten von den nachfolgenden Beitrittsländern aufgrund unüberbrückbarer Differenzen ihrer Werteordnung[1].

In der Präambel der Verfassung ist enthalten, dass sich die Europäische Union (EU) als säkulare Werteordnung sieht. Die EU weist sich also als säkulare Gesellschaft mit der Trennung von Politik, Gesellschaft und Religion aus. Die Verfassung der EU macht Religion (Anmerkung Buchhart: freilich auf der Grundlage der Menschenrechte, der Glaubens- und Religionsfreiheit) zur Privatsache, auch wenn Artikel 51, Absatz 3 "den Kirchen und religiösen Gemeinschaften" einen "offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog in Anerkennung der (nationalen) Identität(en) und ihres besonderen Beitrags" einräumt.

Stellt dieser Grundsatz eines Europas mit säkularer Werteordnung nun die Einheit der EU in Frage? Näherhin: Da die Säkularisierung ein zentraler Bestandteil des europäischen Wertehaushaltes ist (Verwiebe Folie 6/7: 17), welchen nicht alle Mitgliedsstaaten im selben Maße teilen, stellt sich die Frage, inwieweit Einheit gegeben ist? Dem gehe ich in meinem Essay nach, und stütze mich dabei auch auf Jürgen Gerhards, der ausführt, dass „das EU-Ideal vor allem von den Bürgern in westlichen Ländern mit hohem Protestantenanteil unterstützt [wird]“ (Gerhards 2006: 84). Schon daraus ergibt sich, dass dieser Grundsatz der EU in der erweiterten Gemeinschaft weit weniger angenommen wird.

Bei der Definition des Konzepts der Säkularisierung stütze ich mich auf die Ausführungen Hartmut Kaelbles (123f). Dieser stellt Säkularisierung als drei Prozesse dar, welche miteinander verwoben sind. Als ersten dieser Prozesse beschreibt er den Verlust an Macht der Kirchen, welcher sich an der Abnahme bzw. dem Ende ihrer weltlichen Aufgaben zeigt, wie z.B. der Führung der Geburten- und Sterbebücher, sowie der Verringerung des kirchlichen Vermögens. Der zweite Prozess besteht darin, dass der Kirche von der modernen Gesellschaft aufgrund von Vorgaben von unzeitgemäßen, unpassenden Werten und Normen (z.B. in Fragen der Empfängnisverhütung,...) mehr und mehr die Kompetenz und die Macht aberkannt wird, Werte und Normen zu bestimmen. Es bilden sich zusätzliche norm- und sinngebende Bereiche wie Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft und Politik aus. Den dritten Prozess, der die Säkularisierung beschreibt, stellt der Prozess des Rückgangs der Kirchenbindung dar. Dieser zeigt sich u.a. am schwindenden Besuch des Gottesdienstes. Die Zahl der österreichischen GottesdienstbesucherInnen ab 16 Jahre ging z.B. von 25% im Jahr 1973 auf 9% Anfang 2010 (www.imas.at) zurückging.

In der vorliegenden Arbeit führe ich desweiteren aus, dass eben nun dieses Prinzip der Säkularisierung die Gemeinschaft trennt und dass die Einheit Europas (auch?) in diesem Bereich nicht besteht, da die Länder der Beitrittsrunden I und II einen stärkeren Religionsbezug haben, kirchennäher sind und sich daraus resultierend auf ein anderes Wertesystem stützen. In West- und Nordeuropa nimmt die Kirchenbindung zudem weiter ab, der Prozess der Säkularisierung schreitet hier voran.

[...]


[1] Mit den so genannten EU -15-Staaten werden bezeichnet: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien. Am 1. Mai 2004 sind folgende zehn Länder der EU beigetreten: Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern (Beitritt I). Seit 1. Jänner 2007 sind auch Rumänien und Bulgarien (Beitritt II) Mitgliedstaaten der EU. Somit umfasst die EU heute insgesamt 27 Länder.

Details

Seiten
7
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640890811
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170316
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Schlagworte
Europäische Union Säkularisierung Werteordnung

Autor

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