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Internationale Standortwahl von Industrieunternehmen

Seminararbeit 2009 23 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Standortwahl und deren Kriterien (Faktoren)
2.1. Materialbezogene Standortfaktoren
2.2 Arbeitsbezogene Standortfaktoren
2.3. Absatzorientierte Standortfaktoren
2.4. Staatlich festgelegte Standortfaktoren

3. Entscheidungsmodelle der Standortwahl
3.1. Quantitative Entscheidungsmodelle
3.2. Qualitative Entscheidungsmodelle

4. Internationale Standortwahl unter dem Aspekt der Globalisierung
4.1. Historie der Globalisierung
4.2. Erfordernisse einer erfolgreichen unternehmerischen Globalisierung von Industrieunternehmen
4.3. Chancen einer internationalen Standortwahl
4.4. Risiken einer internationalen Standortwahl

5. Erhöhung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes

6. Schlussbetrachtung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Verwurzelt sein heißt,

seinen Standort freiwillig zu wählen.“

Klaus Ender, (* 1939), deutsch-österreichischer Fachbuchautor, Poet, bildender Künstler der Fotografie

Früher war der Standort neben dem produzierten Produkt der wichtigste Faktor eines Industrieunternehmens. Jedoch aus zum Teil anderen Gründen als heute. Betriebe hatten sich mit dem Ort oder der Stadt ihrer Wahl identifiziert. Die Voraussetzungen und Möglichkeiten haben sich explizit in den letzten Jahrzehnten durch politische Veränderungen und Verbesserungen in Technik und Logistik erheblich verändert. Grenzen sind verschwommen und Entfernungen überwindbarer geworden. Doch es ergaben sich nicht nur Verbesserungen und Erleichterungen aus diesen Prozessen. Die Kriterien, nach denen ein Standort ausgewählt werden sollte und wird, sind wichtiger denn je.

Diese sogenannten Standortfaktoren sollen zunächst im Folgenden durchleuchtet und verifiziert werden. Anschließend werden gängige Entscheidungsmodelle der analytischen Standortwahl vorgestellt, sodass der Vorgang der Standortwahlentscheidung hinreichend dargelegt ist. Aufgrund der schon lang anhaltenden Phase der Globalisierung ist es selbstverständlich zusätzlich notwendig, die Standortwahl auf globaler Ebene zu betrachten und die Auswirkungen der Globalisierung auf die Wahl eines unternehmerischen Standorts zu erläutern. Ein Auto eines deutschen Automobilherstellers ist beispielsweise schon lange kein rein deutsches Produkt mehr. Ein finnischer Mobiltelefon-Hersteller lässt seine Produkte auch in China produzieren, wenn ihm daraus ein Nutzenvorteil, welcher Art auch immer, entsteht. Nach einem kurzen Aus- und Rückblick bezüglich der Globalisierung allgemein werden sowohl die erforderlichen Mechanismen einer unternehmerischen Globalisierung sowie Chancen und Risiken einer internationalen Standortwahl thematisiert. Abschließend werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie und mit welchen Maßnahmen ein Staat seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig erhöhen und somit sein Land an Attraktivität zunehmen kann.

2. Standortwahl und deren Kriterien (Faktoren)

Laut empirischen Untersuchungen stellt die Standortwahl für ein Unternehmen eine sehr elementare Entscheidung mit längerfristiger Wirkung dar. Da ein einmal bestimmter Standort im Zuge der Errichtung des Betriebes eine sehr hohe Investition zur Folge hat, ist von der Entscheidung an, die Flexibilität des Betriebes deutlich eingeschränkt. Trotz allem wird die Standortwahlentscheidung von Unternehmensgründern oftmals vernachlässigt behandelt. So berücksichtigen über 60% der befragten Gründer nur einen einzigen Standort. Eine Standortwahl kann sich sowohl auf ein Land, eine Region oder auf einen lokalen Standort innerhalb einer Stadt beziehen. Sie ist bei Betriebsgründung, Unternehmensverlagerung oder bei Betriebserweiterungen zu treffen. Wobei über die Qualität eines Standortes bereits vor Beginn der Geschäftstätigkeit zu entscheiden ist. (Rosenberger)

Zur Wahl eines Unternehmens-Standortes sind eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren relevant. Die Unterscheidung liegt hierbei sehr gravierend daran, ob es sich um einen Sitz oder um eine Betriebsstätte handelt. Bei einem Sitz ist es wichtig, welches Rechts- und Steuersystem im betreffenden Land vorherrscht. Wobei für Betriebsstätten völlig andere Kriterien in Betracht kommen. Entscheidend ist, dass die Ziele und Erwartungen eines Unternehmens erfüllt werden können. Dabei spielt der Gewinn selbstverständlich eine tragende Rolle. (Dey, Veith, & Wilde, 2003, S. 82); (Kreis, 1993, S. 161) Laut Wöhe ist die perfekte Standortwahl die, „an dem ceteres paribus die Differenz zwischen standortbedingten Erträgen und standortabhängigen Aufwendungen die größtmögliche ist.“ (Wöhe, Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 1997, S. 323)

„Standortfaktoren sind die variablen standortspezifischen Bedingungen, Kräfte, Einflüsse etc., die sich positiv oder negativ auf die Anlage und Entwicklung eines Betriebs auswirken; sie sind als wirtschaftliche Vor- und Nachteile zu begreifen, die aus dem Niederlassen eines Unternehmens an einem bestimmten Standort resultieren.“ (Gabler Wirtschaftslexikon)

Eine Standortwahl stellt sich zu aller erst als Bedürfnis des Unternehmens dar. Das heißt, welche Anforderungen es an den potenziellen Standort stellt. Es gibt mannigfaltige Parameter, nach denen man die Vielzahl von verschiedenen

Faktoren systematisieren könnte. Ein sehr einfaches Modell zeigt sich in der nachfolgenden Grafik (Abb.1). Da in dieser Ausarbeitung hauptsächlich das produzierende Gewerbe im Fokus steht, hat die Systematisierung nach Zugehörigkeit zur Leistungserstellung in diesem Fall Priorität. Verschiedene Systematisierungen sprechen im Hauptsächlichen die gleichen Faktoren an. Dadurch treten hier oftmals Überschneidungen auf. (Gabler Wirtschaftslexikon); (Dey, Veith, & Wilde, 2003, S. 83-84)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einteilung der Standortfaktoren

Quelle: Eigene Darstellung nach (Dey, Veith, & Wilde, 2003, S. 84); (Gabler Wirtschaftslexikon); (Anerni); (Müller & Kornmeier, 2000)

Ergänzend soll anhand der Abbildung 2 verdeutlicht werden, welche Bedeutung in der Praxis den einzelnen Kriterien tatsächlich zukommt. Stockholm rangiert beispielsweise bei einer allgemeinen Experten-Umfrage bezüglich der Standort- Attraktivität nur auf Rang 18, obwohl die schwedische Hauptstadt beim Grad der Umweltbelastung am besten bewertet wurde und bei der Lebensqualität der insgesamt 30 bewerteten Städte immerhin auf Rang 9 lag. (Müller & Kornmeier, 2000, S. 110f)

Abbildung 2: Direkt erfragte Bedeutung einzelner Kriterien für die Standortentscheidung von Unternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach (Müller & Kornmeier, 2000, S. 111)

2.1. Materialbezogene Standortfaktoren

Die materialbezogenen Standortfaktoren beinhalten sowohl Faktoren wie Grundstücke hinsichtlich Qualität und Preis, Zugang zu Material, Infrastruktur und Energie als auch die nach Dey/Wilde/Veith1 bezeichneten fertigungsorientierten Faktoren „natürliche Umgebung“ (Klima) und „Nähe zu Kooperationspartnern“.

Natürliche Begebenheiten wie Beschaffenheit des Bodens, Vorkommen von Bodenschätzen oder Klimaverhältnisse schränken die Wahl eines Unternehmens aufgrund der hohen Bedeutung für diese erheblich ein. Um die Summe aus Preis und Transportkosten so gering wie möglich zu halten, ist es für einen Produzenten, der zur Herstellung seiner Produkte große Mengen an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen benötigt, sinnvoll, einen Standort nahe seiner Rohstoffbasis zu wählen. Es gilt der Leitsatz: Je höher die Transportkosten, desto näher sollte der Standort am Ursprungsort des benötigten Materials liegen. Die gute und sichere Zulieferung von Lieferanten ist ein wichtiges Kriterium. Vor allem für alle Betriebe, die immens auf diese angewiesen sind. Besonders betroffen sind solche, die verderbliche Waren erhalten und einen möglichst kurzen Transportweg benötigen. Jene Unternehmen sollten sich so nahe wie irgend möglich an ihren 93)

2.2 Arbeitsbezogene Standortfaktoren

Für Unternehmen, die in der Hauptsache Produkte mit hohem Arbeitsaufwand in ihrem Portfolio haben, stellen arbeitsbezogene Standortfaktoren mitunter die wichtigsten Kriterien dar. Wohingegen in früheren Zeiten das Hauptaugenmerk der Personalleitung an den Standorten mit den niedrigsten Löhnen lag, sind Unternehmen heute, aufgrund des allseits bekannten Fachkräftemangels eher daran interessiert, sich unternehmerisch in den Regionen nieder zu lassen, wo das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften das Beste ist. Es kann jedoch angenommen werden, dass je höher die Löhne sind, desto weniger Probleme tendenziell bei der Suche nach ausreichend geeigneten Human-Ressourcen auftreten. Wie in der nachfolgenden Grafik dargestellt, unterscheidet man drei Dimensionen, die miteinander im Zusammenhang stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Dimensionen des Faktors

Quelle: (Thommen, 1996, S. 93)

Die in Abhängigkeit vom Lohnniveau und den Lohnnebenkosten stehenden Arbeitskosten sind, wie schon erwähnt, zu vernachlässigen. Wohingegen die Bedeutung der Verfügbarkeit sowohl quantitativ als auch qualitativ wächst. Es besteht ein ausgewiesener Konflikt zwischen günstigem Wirtschaftsstandort und Attraktivität der Standort-Umgebung des Unternehmens gegenüber qualifizierten Fach- und Führungskräften. Die Crux besteht darin, diese Personen zu veranlassen, sich trotz des vorherrschenden Mangels an Freizeit- und Bildungsangeboten wie Schulen, Sportanlagen, Theater etc. an jenen Orten niederzulassen. Kompensiert wird dieser fehlende Freizeitwert meist mit höheren Gehältern oder Zulagen. (Thommen, 1996, S. 93 f.)

2.3. Absatzorientierte Standortfaktoren

Der Faktor absatzorientierte Standortfaktoren ist für Fertigungsunternehmen weniger wichtig als für Dienstleistungs- und Handelsunternehmen. Zentrale Fragen sind hier: Wie erreiche ich meine Kunden und wie erreichen meine Kunden mich? Beantwortet werden diese Fragen mit Hilfe des Faktors Absatzpotential. Das heißt, Kaufkraft und Struktur der Konkurrenz und Bevölkerung, dem Zugang zu Absatzmittlern und der Verkehrsanbindung. Weitere Attribute stellen, losgelöst von den Kernfragen, Absatzzeit und Absatzkosten dar.

Der Grad der Absatzorientierung hängt in hohem Maße von dem Produkt oder der Dienstleistung ab. So muss ein Unternehmen, welches verderbliche Ware produziert, die auf raschem Wege zum Kunden transportiert werden muss, einen Standort wählen, der ihm dies ermöglicht. Bei Ländern mit schwierigen Absatzstrukturen, ist es sehr wichtig, hinreichende Absatzkontakte zu besitzen. Bei Entscheidungen hinsichtlich eines Produktionsstandortes mit höheren Kosten muss ein Unternehmer stets die Absatzpotentiale des Ziellandes in Betracht ziehen, da diese im Zweifel höher sein können als die Kosten und das Vorhaben so rentabel machen können. (Breuer & Gürtler, 2003, S. 302-303); (Rosenberger)

Die Frage der Absatzzeit betrifft auch die Infrastruktur. Durch ein vielfältiges und gut ausgebautes Verkehrsnetz können Transportkosten und vor allem die Transportzeiten gering gehalten werden. Gewöhnlich neigen Unternehmen zu einem konkurrenzmeidenden Verhalten, vor allem wenn es sich um Waren des täglichen Bedarfs handelt. Bei „teuren“ Waren des periodischen (z.B. Kleidung) oder aperiodischen (z.B. Möbel) Bedarfs möchte der Kunde jedoch Qualität und Preis stärker miteinander vergleichen. Daher müssen konkurrenznahe Standorte in Betracht gezogen werden, wobei vor allem Anzahl, Größe und Art der Konkurrenz von Interesse ist. (Wöhe, Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2000, S. 344 f.)

[...]


1 Im Buch Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (Hrsg. Werner Pepels) Versorgern ansiedeln. (Dey, Veith, & Wilde, 2003, S. 84); (Thommen, 1996, S.

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640890781
ISBN (Buch)
9783640891061
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170310
Institution / Hochschule
Fachhochschule Stralsund
Note
1,3
Schlagworte
Standortfaktoren Industriestandort Industriestandorte Entscheidungsmodelle

Autor

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