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Das amerikanische Jahrhundert - Teil 1

Die verborgenen Seiten des Kalten Krieges

Fachbuch 2011 269 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einführung

Von der Peripherie ins globale Zentrum

Vorzeichenwechsel nach dem Tod F.D. Roosevelts

Strategien der Eindämmung und Befreiung

Schärfen des atomaren Schwertes

Die dunkle Seite des Westens: inszenierter Terror und verdeckte Kriegführung

Mit dem unsichtbaren Florett zum Welthegemon?

Zusammenfassung und Ausblick

Personenregister

Anmerkungen

Abkürzungen

Bildverzeichnis

Literaturverzeichnis

Dank

Kurzbiografie

Man kann alles von der Weltgeschichte sagen, alles,

was der perversesten Phantasie in den Sinn kommen mag,

nur eines nicht: Daß sie vernünftig sei.

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881)

Vorwort

Welche Metapher hätte Dostojewski, einer der bedeutendsten Autoren des 19. Jahrhunderts, erst für die Katastrophen des folgenden Jahrhunderts gefunden? Nach zwei Weltkriegen von unvorstellbaren Ausmaßen begann noch am Ende der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der so genannte "Kalte Krieg" – gezeugt während des atomaren Paukenschlages von Hiroshima und Nagasaki im August 1945.

Dieser erste und bisher einzige Kernwaffeneinsatz gegen zwei japanische Großstädte, in denen es keine wichtigen militärischen Ziele gab, ist weltweit im Bewusstsein verankert. Weit weniger bekannt sind die tatsächlichen Ziele und Motive. Erwünscht wurden von General Leslie Groves, dem militärischen Leiter des Manhattan Projekts, unbeschädigte Zielorte. Nur so meinte man, „die Gewalt der Bombe ge­nauer bestimmen“ zu könnten.[1] Das heißt, mehr als 400.000 japanische Zivilisten wurden getötet, um die Wirkung der neuen Waffe am lebenden Objekt zu tes­ten. Zum ersten Mal wurde darüber hinaus die zunächst überlebende Bevöl­kerung durch radioaktive Strahlung genetisch geschädigt.[2] Zutreffend sieht Detlef Bald, ehemaliger Hochschullehrer an der Bundeswehruniversität München, Hiroshima als „Metapher für Destruktivität und moralische Verwerflichkeit“.[3]

In der Hochphase des Kalten Krieges lagen auf beiden Seiten in den wohl gefüllten, wohlgewarteten "Arsenalen der Endlösung" vielfache Overkill-Kapazitäten, während an Technologien zur Pasteurisierung der gesamten Biosphäre noch gearbeitet wurde. Mit den Erfahrungen der ersten und zweiten "Vorbereitungskriege", wurden die Menschen in Ost und West massenmedial auf die Gestaltwerdung brueghelscher Höllenfahrten und eines planetarischen Totentanzes vorbereitet.

In den monatlichen Übungen des Oberbefehlshabers der nuklearen Streitkräfte der USA – besser bekannt unter dem Namen "Raketenbedrohungskonferenz" – wurde der monströse nukleare Kriegsplan durchdekliniert: 12.500 Ziele in den Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes sollten von ca. 10.000 Kernwaffen angegriffen werden, „im schlimmsten Fall — und davon gingen wir immer aus — alle gleichzei­tig“,[4] so General George Lee Butler, 1991 und 1992 Oberbefehlshaber des Strategischen Luftkommandos und zugleich oberster Kernwaffenberater des US-Präsidenten. Noch in seiner Dienststellung als Oberbefehlshaber der nuklearen Streitkräfte der USA kam General Butler zu der Erkenntnis: „Wir sind im Kalten Krieg dem atomaren Holocaust nur durch eine Mischung aus Sachverstand, Glück und göttlicher Fügung ent­gangen, und ich befürchte, das letztere hatte den größten Anteil.“[5]

Um zu erkennen, dass die Kernwaffen eine Art biologischer Zeitbomben, deren Wirkungen Zeit und Raum überschreiten und die Erde wie auch ihre Bewohner auf Generationen hinaus vergiften und somit der Feind der Menschheit sind, hat General Butler einen langen Prozess durchmachen müssen.

„Ich habe dreißig Jahre gebraucht, um die Karriereleiter so weit hochzusteigen, daß ich die Verantwortung und vor allem auch den Zugang zu Informationen hatte und mit Handlungen und Operationen konfrontiert war, die mein Verständnis dessen prägten, worum es bei der Fähigkeit zur nuklearen Kriegführung überhaupt geht. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß vieles von dem, woran ich glaubte, entweder falsch, höchst vereinfacht, außerordentlich brüchig oder einfach moralisch untragbar war.“[6] Weiter kam General Butler zu der Einsicht, daß „die Anhäufung des Kernwaffenarsenals in einem geradezu grotesken Ausmaß, wie wir das in den fünfzig Jahren des Kalten Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erlebten, ebensosehr das Ergebnis von Furcht, Ignoranz und Gier, von Egoismus und Machtstreben, von Glücksspiel und Profitsucht war, wie die Folge der scheinbar so eleganten Abschreckungstheorien.“[7]

Der Autor hatte von 1964 bis 1976 als NATO-Soldat aufgrund seiner Stabsverwendung Einblick in den »General Defense Plan« mit seinen nuklearen Planungsvorgaben. Hier bereitete ihm vor allem der geplante Einsatz von "atomaren Landminen" und das damit verbundene »worst case scenario« schlaflose Nächte. Auf der Wehrkundetagung in München (24./25. Oktober 1970) hatte der Autor einen jungen Verteidigungsminister Helmut Schmidt erleben dürfen, der noch ohne jedwede Beschönigung die aktuellen Fragen der transatlantischen Sicherheitspolitik erörterte. Schmidt hatte damals auch noch nicht damit kokettiert, die atomaren Landminen ein Jahr zuvor verhindert zu haben.[8]

Der Autor wurde nach seiner aktiven Dienstzeit bis 1989 zu Wehrübungen eingezogen. Hier nahm er in verantwortlicher Stellung an der letzten großen Heeresübung "Offenes Visier" teil.

Ohne Verklärung und ohne Klischees möchte der Verfasser unter Hervorhebung der zeitlichen Zusammenhänge die Rolle der USA im Kalten Krieg mit den Wechselwirkungen amerikanischer »Befreiungspolitik« (Liberation Policy) und Moskaus »Griff nach der Weltmacht« beleuchten. Wenn auch noch viele Dokumente in London, Washington und Moskau für weitere Generationen unter Verschluss gehalten werden, so sind doch inzwischen englische und amerikanischen Archive nach und nach zur Benutzung freigegeben worden. So hat sich 1998 das Gerücht bestätigt, dass Churchill am 1. Juli 1945 im Rahmen der Operation »Unthinkable« mit 113 Divisionen die Sowjetunion angreifen wollte. Um das Phänomen »Kalter Krieg« zu verstehen, müssen überbrachte und häufig eingeschliffene Denkmuster mit den Polen »Gut und Böse« überwunden und die Strukturen »der Grauzone« herausgearbeitet werden. Den Versuch einer umfassenden Gesamtdeutung mit historisch fundierten Beiträgen zur Einordnung der ideologischen Dimension des Kalten Krieges hat Ernst Nolte 1974 gewagt.[9]

Geprägt von persönlichen Erfahrungen und ausgestattet mit der Vorstellungskraft über das mögliche endzeitähnliche Schlachtfeld Europa, wandelte sich der Autor wie sein amerikanisches Vorbild – Kennedys Verteidigungsminister Robert S. McNamara – vom ehemaligen "kalten Krieger" zum Gegner dieser Kriegsplanungen.

Im Westen wurde diese ressourcenverschlingende Konfrontation von NATO (Nordatlantische Vertragsorganisation) gegen WVO "(Warschauer Vertrags Organisation) zum Kampf von "Gut gegen Böse" beziehungsweise "Demokratie gegen Diktatur" vereinfacht.

Heute räumt das Deutsche Historische Museum (DHM) der US-Expansion einen imperialistischen Charakter ein, jedoch nur soweit, „wie es die Partnerländer versäumten, entsprechenden Widerstand zu leisten und [eine] Gegenmacht zu bilden.“[10] Angesichts des Vietnamkrieges mit seinen über zwei Millionen Toten ist dieser Satz blanker Zynismus.

Hinterfragenswürdig ist auch der Hinweis des DHM, dass die USA erst einmal von den Europäern zur politischen Präsenz im Nachkriegseuropa gedrängt werden mussten. Und erst recht soll die militärische Präsenz der USA in der integrierten NATO-Streitmacht das Ergebnis heftigen europäischen Drängens gewesen sein. Nur zögernd, spät und auch dann noch halbherzig sollen die amerikanischen Verantwortlichen diesem Drängen nachgekommen sein. Diese realitätsferne Version wird die Herren der Propagandaabteilung des Pentagons sehr zufrieden stellen.

Im Jahr 2010 lassen sich die strategischen Absichten der USA aus den Angaben im "Base Structure Review 2009"[11] ablesen. Von den 716 größeren US-Liegenschaften jenseits der US-Grenzen befinden sich 87 in Südkorea und 123 in Japan – doch 235 in Deutschland. Von den etwa 136.083 dauerhaft in Übersee stationierten US-Soldaten findet sich das größte Kontingent mit 54.120 Soldaten (weiter aufgezählt sind 8.488 Zivilisten und 30.919 Andere) in der Bundesrepublik – dem westlichen Einfallstor nach Eurasien. Bis zum Jahr 2013 soll auf dem US-Airfield Erbenheim das neue Europa-Hauptquartier der US Army entstehen.[12] 68 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und nach 11 US-Präsidenten seit Harry Truman (1945-1953) sollen in einem amphitheaterähnlichen Einsatz- und Kampfführungszentrum die militärischen Geschicke Europas gesteuert werden. Den Grund für den Neubau erläuterte der Operationschef der USAREUR[13], Brigadegeneral David G. Perkins: "Bisher ist das Hauptquartier der USAREUR weder dazu ausgelegt, noch technisch oder personell so ausgestattet, dass es als Kriegsführungs-Hauptquartier dienen könnte."[14]

Hier stellt sich die Frage, warum gerade im bildungsbeflissenen Deutschland Geschichte so leicht manipulierbar ist. Die Antwort findet sich bei Friedrich Sieburg: weil „der Deutsche seine Geschichte weder kennt noch liebt“ [15].

Er muss sie nicht lieben. Aber er sollte sie kennen! Nur dann lässt sich rechtzeitig ein Demagoge entlarven und somit der emotionalen Falle entfliehen.

In seinem Hauptberuf Pädagoge, möchte der Autor das Geschehen von allen Mythen entkleiden und zugleich vor einer Politik des "polemischen Stils" warnen. Den beteiligten Generationen in West und Ost will er helfen, ihre Koordinatensysteme zu überprüfen, um sie dann hoffentlich im Sinne eines besseren Verständnisses füreinander neu zu justieren. Der jungen Generation und den Erben des "Kalten Krieges" möchte er bewusst machen, dass der "Kalte Krieg" nur messerscharf an einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes vorbeigeschrammt ist. Erschreckend ehrlich hinterlässt uns Robert S. McNamara seine Botschaft:

Wir standen während der Kubakrise „so nah am nuklearen Abgrund wie nie zuvor. Und verhindert haben wir den atomaren Schlagabtausch nicht etwa durch ein gekonntes Management, sondern durch schieres Glück. Keiner von uns begriff damals wirklich, wie nahe wir am Rand der Katastrophe standen.“[16]

Wie ein Buchalter hat Carl Friedrich von Weizsäcker im "Kriegsbild 9" seiner Studie "Kriegsfolgen und Kriegsverhütung"[17] die Situation nach einem Atombombenangriff auf die Bevölkerungszentren akribisch beschrieben: „Die Hälfte der Bevölkerung der BRD ist tot, ein Viertel strahlenkrank. Mehr als der halbe Viehbestand vernichtet“. Nüchtern werden die Kapazitätsverluste zwischen 196 und 277 Mrd. DM berechnet. Erst dann folgt die Feststellung, dass zwischen 900.000 und 6 Millionen Menschen zu evakuieren sind. Die geistige Elite versagte angesichts dieses Endzeit-Szenarios ebenso wie ihre Vorgängergeneration im Dritten Reich. Dort war es nach Wolfgang J. Mommsen "zu einer weitgehenden Selbstaufgabe der intellektuellen Eliten gegenüber dem Regime" gekommen.

Die heutige Elite sollte immer wieder bedenken, dass Geschichte ein Produkt von Interpretationen ist. Die aktuelle Geschichtsschreibung ist im Glücksfall das Ergebnis einer allgemeinen und allgemeingültigen "Geschichte der Geschichte". Häufig wird die Hand des Schreibers jedoch von dem geführt, der auf der Seite des "Gewinners" steht. Nicht immer muss diese Darstellung der Realität entsprechen. Deshalb muss hinterfragt werden, ob das "Wissen" zu historischen Ereignissen nicht von Deutungsinstanzen geprägt ist, deren Objektivität eingeschränkt sein dürfte. Müssen nicht auch angesichts einer Presse, die Vielen als gleichgeschaltet erscheint, Alternativtheorien gesellschaftliche Relevanz bekommen?

So soll die formale Darstellung – von den Konfliktparteien häufig theatralisch in Szene gesetzt –jenseits ihrer "offiziellen" Beschreibung „nach ihrer politischen Bedeutung, nach Hintergrundkonstellationen, nach Strategie und Effekten“[18] befragt werden.

In diesem Sinn möchte das Buch zum besseres Begreifen der aktuellen Zusammenhänge beitragen und den heutigen Erben des "Kalten Krieges" und den "Akteuren" im "Krieg gegen den Terrorismus" helfen, Fehlwahrnehmungen zu erkennen und Zerrbilder gerade zu rücken.[19]

Es will helfen, die eigenen Feindbildkonstruktionen, die für Propaganda und suggerierte mediale Weltbilder ein fruchtbarer Boden sind, zu hinterfragen.

Dazu musste der Autor selbst auch Lernprozesse durchmachen, da der Versuch, die politisch eingefärbten Interpretationsmuster zu überwinden die Bereitschaft einschloss, auch die eigene politische Position in Frage zu stellen, soweit sie durch die erlebte Ära des Kalten Krieges mitgeprägt war.

Wolfgang Effenberger Seefeld im April 2011

Einführung

Im ausklingenden 19. Jahrhunderts prophezeite Friedrich Nietzsche das Ende der kleinen Politik. Schon das nächste Jahrhundert würde den Kampf um die Erdherrschaft bringen und damit „den Zwang zur großen Politik.“[20]

Ebenso visionär entwarf im Jahr 1912 der US-amerikanische Autor Homer Lea[21] in seinem Buch die „Stunde der Angelsachsen“ ein faszinierendes Bild der kommenden Welt mit den USA als Nachfolger der britischen Weltmacht. Auf dem Weg zur planetarischer Herrschaft sah er zwei sagenumwobene Städte: „Manchmal erscheinen sie wie Triumphbögen, manchmal wie enge Pforten, durch die Nationen wie Individuen für immer verschwinden. Herat ist ein solcher Ort, Kabul ein anderer! In der ganzen Welt gibt es nicht zwei Orte, die ihnen an Bedeutung gleichen.“[22]

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bestimmt vom Kampf zweier politischer Systeme und war überschattet durch die Androhung der gegenseitigen atomaren Vernichtung. Dieser »Kalte Krieg« endete mit dem Triumph des Westens über den Kommunismus, in der Ent-Kolonisierung, der Globalisierung und nicht zuletzt in einem partisanenhaften Krieg mit militanten Islamisten. Die hegemoniale Supermacht USA wird wegen ihrer Stärke als übermächtig verstanden, was die Terroristen aus Schwäche zu unorthodoxen Methoden greifen lässt.[23]

In seinem wissenschaftlichen Werk beschreibt der Potsdamer Professor Bernd Stöver die Jahre von 1946/1947 bis zu dem Tag, als über dem Kreml 1991 die rote Fahne eingeholt wurde, als die »Geschichte eines radikalen Zeitalters«[24]. Während Stöver dieses Thema vielschichtig abhandelt, bleibt sein amerikanischer Kollege, John Lewis Gaddis, der klassischen amerikanischen Perspektive verpflichtet: In seiner »Schurken- und Heldengeschichte des Kalten Krieges« geht die gefährliche Dynamik von der Sowjetunion – der Inkarnation des Bösen – aus, die Amerika überall einzudämmen versuchte.[25] Die Wurzeln dieses ideologischen Konfliktes gehen für Gaddis bereits auf 1917 – das Jahr der bolschewistischen Revolution – zurück.

Wie Gaddis polarisieren viele Autoren den Kalten Krieg – die UdSSR als gnadenloser Aggressor gegen die defensiv orientierten USA – und neigen in der geschichtswissenschaftlichen Betrachtung der Auffassung zu, die George E Kennan 1947 in seinem berühmten und anonym verfassten Aufsatz in Foreign Affairs präsentiert hatte: Die Sowjetunion sei auf weltweite Expansion verpflichtet, ein Erbe aus dem russischen Nationalcharakter, verstärkt durch die Ideologie des Marxismus-Leninismus.[26] Doch schon 1982 hatte sich Kennan von dieser Haltung distanziert und zeigte sich sehr gemäßigt in seinen Urteilen über den Kalten Krieg.[27]

Ein schillernder Stichwortgeber rechter politischer Tendenzen im »Kalten Krieg« und auch in der heutigen Zeit ist der unter George W. Bush wieder zu Ehren gekommene Historiker und Ideologe James Burnham. Er datierte 1947 in seinem Buch "The Struggle for the World" den Beginn des Dritten Weltkrieges auf einen Tag im April des Jahres 1944, als die griechischen Streitkräfte in Alexandrien unter kommunistischer Führung meuterten. Während sich Hitlers Niederlage abzeichnete, stellte nach Burnham Stalin die Weichen für eine kommunistische Weltherrschaft. In der Tat konzentrierten bereits im Sommer 1944 die von Kommunisten geführten Partisanen ihre Angriffe nicht mehr auf die deutschen Truppen, sondern auf die rivalisierenden nichtkommunistischen Widerstandsbewegungen.[28] Bevor der junge Philosophieprofessor James Burnham zu einem Ideologen der amerikanischen Rechten wurde, war er Mitglied der trotzkistischen, also anti-stalinistischen und kommunistischen Socialist Workers Party. Erst der Abschluss des Nichtangriffspakts 1939 zwischen Stalin und Hitler, der sich anschließende Einmarsch der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee in Polen, sowie Stalins Angriff auf Finnland 1939 machten ihn zu einem entschiedenen Gegner der Sowjetunion. Burnham begann schließlich für die CIA zu arbeiten.

Wohl nicht ganz zufällig wurde in den Vereinigten Staaten im September 1944 Friedrich von Hayeks Alarmruf »The Road to Serfdom«[29] veröffentlicht. Mit scharfer Logik und schneidender Ironie führt Friedrich A. von Hayek den Beweis, dass Sozialismus und politische Freiheit miteinander unvereinbar sind – geltend sowohl für den deutschen Nationalsozialismus wie auch für den russischen Sozialismus und jede Form des Kollektivismus. Von Millionen gelesen zerstörte Hayek laut Milton Friedman das Stereotyp, dass die Verteidiger der Marktwirtschaft nur Werkzeuge des Kapitals sein konnten und dass alle anständigen Leute Sozialisten zu sein hätten.

Nun erkannten führende militärische Kreise der USA Analogien zwischen der Hitler-Diktatur und dem Stalinismus und begannen einen künftigen Weltkrieg gegen die Sowjetunion für möglich zu halten, der als Krieg gegen einen »totalitären Aggressorstaat« umschrieben wurde. Dieser Krieg sollte daher ein »Kräftemessen zwischen Gut und Böse in einem Kampf auf Leben und Tod sein.«[30]

Noch einigten sich die ungleichen Bündnispartner. Anfang Oktober 1944 konnte Churchill in Moskau Stalin für seine Balkanpläne gewinnen, die ein monarchistisches Griechenland vorsahen. Als die deutsche Besatzungsmacht Mitte Oktober Griechenland räumte, besetzten britische Soldaten Griechenland. Gegen sie nahmen griechische Kommunisten, Sozialisten und Nationaldemokraten den Kampf für ein republikanisches Griechenland auf. Die Schlacht um Athen ging verloren, weil Stalin sich an das gegebene Versprechen hielt und ein Hilfeersuchen der griechischen KP am 16. Januar 1945 ablehnen ließ: »Die internationale Lage erlaubt keine Entsendung militärischer Hilfe.«[31]

Wie kein anderes Ereignis im 20. Jahrhundert beendete der Zweite Weltkrieg die 400jährige Vorherrschaft West-Europas und stellte die Weichen für den Aufstieg der neuen Supermächte USA und UdSSR. Doch die sich revolutionär und weltweit vollziehenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen begannen bereits mit dem Ersten Weltkrieg, der nach G. F. Kennan als »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« verstanden wird. Während Ernst Nolte die Zeit von 1917 bis 1945 als den »Europäischen Bürgerkrieg« beschreibt, erkennt Hans-Ulrich Wehler diesen Abschnitt als das »Zeitalter der Extreme«, ja als zweiten »Dreißigjährigen Krieg«.

Hoffnung keimte auf, als am 26. Juni 1945 die Charta der Vereinten Nationen angenommen wurde. In der Präambel wurde zugesichert, die Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren die Grundrechte des Menschen zu achten. Für diese Zwecke wollte man Duldsamkeit üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander leben.

Trotz aller Bekenntnisse zur UNO ließen sich die Großmächte von ihren nationalen Interessen leiten und setzten in sicherheitspolitischen Fragen vornehmlich auf die eigene militärische Stärke und den Beistand von Verbündeten. In Artikel 51 der UN-Charta hatten sich die einzelnen Staaten ausdrücklich das Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung vorbehalten. Zu diesem Zweck gründeten die USA in den Jahren nach 1945 ein Reihe von Regionalpakte, wie z.B. der Pazifik-Pakt zwischen Australien, Neuseeland und USA (ANZUS, 1952), die Südostasiatische Vertragsorganisation (Southeast Asia Treaty Organization, SEATO, 1954), oder der sog. »Bagdadpakt«[32]. In diesem Kontext ist auch die Gründung der von den USA geführten Nordatlantik-Vertrags Organisation (NATO) und der von der Sowjetunion kontrollierten Warschauer Vertrags Organisation (WVO)[33] zu sehen. Über die militärische Bündnispolitik hinaus konnten die USA aufgrund ihrer aktiven Rolle nach Kriegsende zahlreiche internationale Wirtschaftsabkommen (GATT) schließen und internationale Organisationen (IWF, Weltbank) gründen. Damit waren die Weichen für ein offenes und liberales Weltwirtschaftssystem im Sinne der frühen »Open Door«-Doktrin gestellt. Aus der gesamten Vorgehensweise lässt sich die Trinität amerikanischer Außenpolitik seit 1898 ablesen: ökonomisch durch die »Open Door«-Doktrin, geopolitisch durch die erweiterte »Monroe«-Doktrin und pseudo- [34] durch die »Manifest Destiny«- Doktrin. Als Überbau steht das Sicherheitsdenken einer Seemacht, die zu allen Zeiten die Kontrolle über die gegenüberliegenden Küsten erzwingen will. Dieses Denken ist fast ausschließlich bei den amerikanischen Eliten mit angelsächsischen Wurzeln zu finden. Kontinentaleuropäern ebenso Amerikanern im Mittleren Westen ist es fremd. Die amerikanischen Politiker, die nicht die Strategie einer Seemacht verinnerlicht haben, werden fälschlicherweise als Isolationisten diffamiert.

So gesehen hat seit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in die Weltpolitik 1917 und der zeitgleichen russischen Oktoberrevolution kein Entscheidungskampf zwischen Kapitalismus und Kommunismus, Pluralismus und Totalitarismus, liberal-demokratischem und staatssozialistischem System stattgefunden. Diese Gegensätze wurden jeweils für die drei großen Doktrinen der Vereinigten Staaten instrumentalisiert.

Aus Unkenntnis oder Absicht prägte die Literatur über den Kalten Krieg zwei einander widersprechenden Grundauffassungen: die in der westlichen Literatur zunächst dominierende »traditionelle«[35] These vom sowjetischen Expansionismus als Ursache der Auseinandersetzung und der »revisionistischen«[36] These vom ökonomischen Imperialismus der USA als zentralem Faktor der Weltpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg. Beide Thesen werden in vielerlei Variationen angeboten, beide leiden aber auch darunter, dass sie nicht hinreichend empirisch belegt, dafür um so mehr emotional beladen sind[37].

Daneben war die amerikanischen »Grand Strategy« nach 1945 von einem führenden britischen Geostrategen, Sir Halford Mackinder, beeinflusst worden. Im Sommer 1943 beschwor er das atlantische Bündnis, die Bedeutung des eurasischen »Herzlands« zu berücksichtigen. Als Herzland definierte Mackinder Zentralasien mit der Region um das kaspische Meer – das geographische Zentrum des euro-asiatischen Kontinents. Damit wird für Mackinder Geographie zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. [38]

Den Lesern von Foreign Affairs, der Hauszeitschrift des Council of Foreign Relations, schärfte er ein: »… wenn die Sowjetunion aus diesem Krieg als Eroberer Deutschlands hervorgeht, dann wäre es die größte Landmacht der Welt«,[39] die dann Eurasien und die Welt dominieren könnte. Für Mackinder gehörte auch die Kontrolle über Osteuropa zum grundlegenden Element für eine globale Vorherrschaft der USA. Mackinders Analyse führte der amerikanische Geograph Nicholas J. Spykman weiter. So wundert es nicht, dass nach dem Zweiten Weltkrieg US-Sicherheitsplaner in der Sowjetunion die fundamentale Bedrohung der US-Sicherheitsinteressen sahen. Zur Abwehr einer sowjetischen geographischen und ideologischen Expansion wurde zunächst die Politik der Eindämmung (»containment policy«) eingeführt.

Zweifellos – und für Viele nicht leicht nachzuvollziehen – war der Kalte Krieg zu einem erheblichen Teil eine US-amerikanische Strategie zur Kontrolle der Nachkriegs-Weltordnung. Dabei wurden ein feindliches Russland und ein feindliches China instrumentalisiert, um den militärischen Schutz der USA durch die NATO und durch verschiedene asiatische Verteidigungsbündnisse zu etablieren.[40]

Hellseherisch sagte bei Kriegsende James Burnham Amerikas Rolle voraus : » Die USA bilden den Kern einer der großen zukünftigen Supermächte. Von ihrer kontinentalen Basis aus sind sie dazu berufen, in der Auseinandersetzung mit den anderen Supermächten die Weltmacht zu erringen.« [41]

Während Anfang der 60er Jahre die Europäer gebannt auf Berlin blickten, gab es bereits für Präsident John F. Kennedy mit Indochina einen zweiten Brennpunkt im Kalten Krieg. Im Rahmen der geostrategischen Vorgaben eine zwangsläufige Entwicklung, denn die Vereinigten Staaten definieren sich als eine pazifische wie auch als atlantische Macht. Zugleich wollte Kennedy dem Ostblock beweisen, dass dessen Theorie von den „gerechten Befreiungskriegen“ in der Praxis zu nichts führt.

So verstanden, praktizierte er in Vietnam das Gegenteil der "assiven Vergeltung", unter deren Schutz Berlin damals stand, nämlich die "subkonventionelle" Vergeltung gegen kommunistische Expansion durch Guerilla-Terror.[42] Doch schon Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson entschied sich mit seiner Tonking-Lüge vom 4. August 1964 für einen massiven Kriegskurs.

Beim Kampf gegen den Vietcong waren die Amerikaner seinerzeit auch in den Nachbarländern Kambodscha und Laos militärisch aktiv, um zu verhindern, daß die roten Pathet-Lao-Rebellen in Laos an die Macht kamen. Insgesamt fielen auf das kleine Land über zwei Millionen Tonnen Bomben - mehr als die alliierten Luftflotten im Zweiten Weltkrieg über Deutschland abwarfen.[43]

Um die amerikanische Öffentlichkeit, US-Alliierte und vor allem die Sowjetunion nicht unnötig herauszufordern, erklärte das Pentagon die verheerende Kampagne in Laos zur geheimen Kommandosache. Nicht die US-Streitkräfte, sondern der Geheimdienst führte anfangs die Regie in dem unerklärten Krieg im "Land der Elefanten". In dieser unheilvollen Atmosphäre reifte der Entschluß der US-Militärs zum punktuellen Einsatz chemischer Waffen. Das klägliche Scheitern in Indochina zwang zur Zurückhaltung bei Militäreinsätzen und ließ die Konturen eines US-Imperiums vorläufig in den Hintergrund treten.

Als Ende Dezember 1979 die alten Herren des Politbüros der KPdSU die sowjetische Armee nach Herat und Kabul marschieren ließen, ahnte Moskau nicht, dass mit dieser Invasion der Niedergang des sowjetisch-eurasischen Imperiums eingeläutet wurde.

Zur Beratung außenpolitischer Fragen rief die US-Regierung im Jahr 1987 Samuel Huntington in eine Strategiekommission.[44] Dort empfahl er, sich von dem alten "Hauptfeind Kommunismus" zu lösen und den Konflikten in der so genannten Dritten Welt mehr Bedeutung beizumessen. Diese Feststellung krönte Huntington in seinem folgenden Buch "Kampf der Kulturen".

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Kabul ging das »Reiches des Bösen« unter und ein neues Menetekel tauchte auf: der von Huntington vorhergesagte Kampf der Kulturen mit dem Feindbild des fundamentalen Islamismus.

Gleichzeitig verbreiteten sich im US-Verteidigungsministerium die Revolutions-Ideen militärischer Angelegenheiten (Revolution in Military Affairs RMA).[45]

Mit den modernen Marschflugkörpern sahen sich die USA wieder in der Lage, großräumige Militäroperationen durchzuführen. Mit geringem Risiko konnte jetzt die feindliche Luftabwehr neutralisiert werden. So wurden bereits mit Beginn der Operation Desert Strom erstmals 35 "intelligente" Raketen vom Typ AGM-86 ALCM (Air Launched Cruise Missile) von B-52 Bombern aus auf Bagdad und Mosul gestartet. Stolz verkündete George H. Bush nach dem Sieg über Saddam Hussein den Beginn einer "New World Order".[46]

Heute nutzen die USA Europa als den westlichen Brückenkopf Eurasiens. Vom Hauptquartier Stuttgart-Vaihingen aus wird Europa als das größte der fünf US-Kommandos (EUCOM) geführt. Alle militärischen US-Einsätze im mittleren Osten wie in Zentralasien – und somit auch in Afghanistan – werden über das Rhein-Main-Gebiet abgewickelt.

Von der Peripherie ins globale Zentrum

Eine Revolution verankert erstmals das Streben nach Glück

Am 4. Juli 1776 erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhängigkeit. Nach den Ideen von John Locke wurde die naturrechtliche Gleichheit und Freiheit eines jeden Menschen postuliert sowie das Streben nach Glück (Persuit of Happiness) verankert – das galt jedoch nur für wohlhabende Weiße, nicht für Indianer und Sklaven samt freier Nachfahren. Diese Demokratie gründete sich nach Alexis de Tocqueville auf dem doppelten Boden von Genozid und Sklaverei.[47]

Nach langwierigen Verhandlungen konnte die Verfassung 1789 verabschiedet werden. Damit konstituierten sich die Vereinigten Staaten als erste wirkliche Republik der Geschichte . Ein komplexes Geflecht der gegenseitigen Machteinschränkungen und -kontrollen (»checks and balances«) sollte für ein Gleichgewicht der politischen Kräfte sorgen.

Unangreifbar – im Schutz zweier Ozeane – expandierte die junge USA in aller Freiheit gefahrlos in ein riesiges Machtvakuum. Militärisch turmhoch überlegen, konnte es sich ohne Rücksicht auf die Ureinwohner, das spanisches Kolonialreich samt Nachfolgestaaten fast grenzenlos in »God's own country«, nur dem Gesetz eigener Interessen folgend, ungehemmt und hemmungslos ausdehnen.

Dagegen wurde der freie Handel und die Freiheit der Meere durch Piraterie empfindlich gestört. Nachdem 1793 elf amerikanische Handelsschiffe auf diese Weise verloren gingen, erließ der US-Senat auf Bitte Washingtons im März 1794 ein Gesetz zum Bau von sechs Kriegs-Fregatten.[48] Zweifellos sollte die aufzubauende US-Marine auch zum Schutz der jungen Nation vor feindlichen Absichten Englands und Frankreichs aufgebaut werden. Am 21. Oktober 1797 lief die US-Fregatte Constitution – das älteste dienstbare Kriegsschiff der Welt[49] – vom Stapel. Offiziell sollte sie für den freien Handel über die Weltmeere den »Verheerungen« der Piraten in internationalen Gewässern Einhalt ge­bieten. Schon ein Jahr später schützte die USS-Constitution amerikanische Handelsschiffe zwischen den Westindischen Inseln vor den Angriffen der Piraten. Doch die größte Gefahr lauerte an der Nordafrikanischen Küste, wo vor allem die Berberpiraten für Angst und Schrecken sorgten. Waren sie früher an der Ladung selbst interessiert, so bevorzugten sie nun die Erpressung von Lösegeldern für Schiffe und Mannschaften, sowie informelle Tributzahlungen der betroffenen Nationen. Darunter hatte besonders die Handelsmarine der jungen und militärisch noch schwachen USA zu leiden. Zwischen 1801 und 1805 konnte die Piraterie im »Ersten Barbareskenkrieg« zwischen Tripolis und der erfolgreichen US-Marine weitgehend eingedämmt werden. Als 1812 die USA in der Absicht, Kanada zu erobern, Großbritannien den Krieg erklärte, wurde am 11. August des gleichen Jahres die britische Brigg Lady Warren von der US-Fregatte Constitution auf den Grund geschickt. Nur wenige Tage später traf die britische Fregatte Guerriere vor der Küste von Neuschottland das gleiche Schicksal. Mitte September fiel die englische Flotte nach der Schlacht am Eriesee komplett in die Hand der Amerikaner. Das Ziel, Kanada den Briten zu entreißen wurde jedoch verfehlt.[50] Daneben ging auch der Kampf gegen die Berberpiraten weiter. Aber erst um 1830 sollte mit der Eroberung Algeriens durch Frankreich dieses Unwesen gewaltsam beendet werden.[51] Über zwei Jahrzehnte hatte der Kongreß fast ein Viertel seines Budgets als Tribut an Beys in Algier, Tunis und Tripoli gezahlt.[52]

Das schnelle territoriale Wachstum der amerikanischen Nation wurde weithin als Beweis für die Überlegenheit eines mythischen Konstruktes gesehen: gemeint sind die angelsächsischen Wurzeln – aber auch die normannischen sollten nicht übersehen werden.[53] Diese befähigten, so Jefferson, ein »Empire der Freiheit« hervorzubringen und für Freiheit und Wohlstand auf den amerikanischen Kontinent und der ganzen Welt zu sorgen.[54]

Seit der amerikanischen Revolution verband sich der »amerikanischen Traum« von der individuellen Freiheit und eines unbeschränkten materiellen Wohlstandes mit der Vorstellung, ein auserwähltes Volk zu sein und daher auch das Recht und die Pflicht zu haben, die eigene Lebensweise in andere Länder zu exportieren. An dieser Idee hat bereits Benjamin Franklin, Mitunterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung Ende des 18. Jahrhunderts, mitgewirkt. Doch unter dem Mantel dieses »Missionarismus« geht bis heute ein kaum gezügelter Weltherrschaftsanspruch einher.

Vorbild Rom?

So verwundert es nicht, dass bereits unter Washington sich die welthistorische Sonderstellung dieses Empire als römisch modifiziertes »Imperium Americanum« darstellt: Bei seiner Gründung 1790/91 war das idyllisch am Potomac liegende Washington D.C. ebenso klein und unscheinbar wie Rom im Jahr 509 v.Chr., das sich anschickte auf dem Capitol, einem der sieben Hügel des alten Roms, den Jupiter-Tempel zu vollenden. Und von diesem geistigen und religiösen Zentrum aus wurde mit dem Willen ein Imperium zu errichten die Kriegs- und Eroberungspolitik Roms geplant und umgesetzt.

Von der römischen Kulturleistung beeindruckt, wurde die Planung des amerikanischen Machtzentrums dem französischen Militäringenieur Pierre-Charles L´Enfant übertragen. Nach einer ausgetüftelten Geometrie durchzogen vom Capitol (Kongress) und Weißen Haus (Präsidentensitz) aus breite Straßen sternförmig die Stadt, die für einen Großstaat mit 50 Bundesstaaten und 500 Millionen Einwohnern geplant war: in seiner Dimension das alte Rom übertreffend.

Die hochragende Kuppel des dem Pantheon nachempfundenen Capitols ziert ein Fresco ähnlich denen bayerischen Barockkirchen. Von Engeln sicher geleitet scheint Gott in den Himmel aufgefahren zu sein. Doch der zwischen den Göttinnen der Freiheit und des Sieges auf einem Schwert gestützte Unsterbliche ist weder Gott noch ein römischer Imperator, sondern ein demokratisch gewählter, durch und durch irdischer Staatschef: George Washington, der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Durch den Senat als »Leuchtturm für die erniedrigte und unterdrückte Menschheit« weisen sich die USA nach Konstantinopel als »Drittes Rom« aus. Bewusst wurden weitere äußere Attribute der römischen Tradition entnommen. Im Staatswappen prangt ein imperialen Adler, der ein Bündel Blitze samt Friedenspalme in den Fängen hält, unter sich die Weltkugel mit dem lateinischen Motto »Novus Ordo Seclorum« (»Neue Weltordnung«), der römischen Reichsideologie aus Vergils »Aeneis« verkürzt nachempfunden.[55]

Eine weitere Erbschaft wurde von Washington angetreten: Das weltweite Eintreten für Menschenrecht, Freiheit und Demokratie steht in direkter Verbindung zu den Römern als Boten von »Humanitas«. Diese ließen sich dafür feiern, den »Barbaren« Menschlichkeit, Zivilisation und Kultur geschenkt zu haben. Ebenso befriedigt, wie heute die westliche Welt zur Kenntnis nimmt, wenn afghanische Frauen die Burka ablegen, waren die Römer beim Anblick ihrer Toga tragenden Vasallen.

Die »Offenkundige Bestimmung« des »weißen Mannes«

Begleitet von einer ständigen Gefahr für die Siedlungen in der apalachischen Grenzregion führte die religiöse Erweckung[56] zu einem Gefühl nationaler Identität. Aus dem Mythos dieser »Wilden Grenze« prägte John O'Sullivan 1845 eine amerikanische »Lebensraum-Theorie«[57], die Ideologie der »Offenbaren Bestimmung« (manifest destiny)[58] mit der »Last des weißen Mannes« (white man´s burden). Durch göttliche Vorsehung bestimmt seien die Vereinigten Staaten aufgerufen, »sich für die freie Entwicklung der sich jährlich vermehrenden Millionen über den Kontinent auszubreiten.«[59]

Dagegen sah Josiah Strong in dieser Doktrin eher eine geopolitische Bestimmung – die Kreation eines Weltimperiums: Amerika sollte das größte aller Imperien werden: »andere Nationen würden sich an der Wiege des jungen Westimperiums ebenso anschicken, wie sie es mit ihren Geschenken an der Wiege von Jesus taten.«[60]

Daneben entwickelte sich der Glaube, eine von Gott auserwählte und von der Geschichte bestimmte Nation zu sein, mit dem Auftrag, die Welt vom Bösen zu befreien. Der Traum vom gerechten Imperium erhielt alttestamentarischen Bezug als »amerikanisches Israel« und verschmolz als »Neues Jerusalem« zu »God's Own Country« der unbegrenzten Möglichkeiten.

Die betörenden Verheißungen von Freiheit und menschlichem Glück im Herzen, setzten sich die »Frontiers« kampfesmutig immer neue Grenzen. Erfolgreich konnten sich diese Pionier ihrer überlegenen Waffen bedienen. Dank der eigenen Güte sollte die überlegene Kultur – gemeint sind Freiheit und Kapitalismus – in den Rest der Welt getragen werden, wenn nötig mit Gewalt. Der Glaube an die göttliche Vorsehung wurde somit zum Inhalt einer Mission, eines Kreuzzuges, in dem zunächst die Ureinwohner verdrängt und ausgerottet wurden. Noch predigt die New Christian Right« diesen Glauben an die Vorsehung – die Folgen sind nicht zu übersehen.

Seit 1845 hatte sich der Terminus der »Offenbaren Bestimmung«[61] als »informelle Doktrin« und zugleich als Ergänzung der 1823 offiziell verkündeten »Monroe-Doktrin«[62] durchgesetzt. Mit dem Schlagwort »Amerika den Amerikanern« wurde 1845/48 Texas den Mexikanern in einer Kombination von ökonomischer Infil-tration, pseudodemokratischer »Revolution« nebst bewaffneter Intervention abgenommen. Somit ist Texas ein klassisches Beispiel für die Untergrundarbeit, »die es während der frühen amerikanischen Expansion bereits gab – für die Unterminierung fremder Souveränität, die Herausbildung einer Separatistenbewegung, schließlich die gewaltsam erkämpfte Abtrennung.«[63]

Nicht zuletzt durch die geographische Ausdehnung des Südens spitzten sich die Interessengegensätze zwischen den »Pflanzerstaaten« und dem industrialisierten Norden zu und führten 1861 in einen vierjährigen Bürgerkrieg – einen mit modernsten Waffen geführten Krieg, wie ihn die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte. Über 600.000 Opfer waren zu beklagen – bis heute mehr als in allen nachfolgenden Kriegen zusammen. Nach der schweren Niederlage von Gettysburg hatte Lincoln geschickt die Kriegsziele des Nordens mit der Sklavenfrage verbunden. In Wirklichkeit dürfte es eher um die Vorherrschaft des »mobilen Kapitals« von Industrie und Banken gegenüber des »immobilen Kapitals« der Pflanzer gegangen sein.

Als Folge des Bürgerkrieges setze in den 70er und 80er Jahren eine große Depression ein. Ein Strafgericht unter General Sherman hatte den Süden streckenweise verwüstet, während der Norden seine industrielle Überproduktion nicht mehr absetzen konnte. Auch hatte die staatliche Zensusbehörde 1890 den Abschluss der Siedlungspolitik verkündet. So richteten sich die Blicke der Industriellen nach Übersee, um dort Ventile für den Produktionsüberschuss zu finden.[64]

Nun wurde der Außenpolitik mit starkem Nachdruck die Aufgabe zugewiesen, als Ersatz neue Märkte jenseits der Landesgrenzen sicherzustellen und »die historische Frontier zu einer 'New Frontier' in Übersee gewissermaßen zu verlängern.«[65]

Daraus entwickelte sich ein formeller Imperialismus, der weniger auf Kolonien zielte, sondern eher auf eine ökonomische Expansion zielte und daher eine »Politik der Offenen Tür« favorisierte. »Sie wurde als 'Offenhalten der Außenmärkte' und Sicherstellung 'gleicher und liberaler Handelsmöglichkeiten' definiert.«[66] Diese Zielsetzung ist auch heute noch ein Segment amerikanischer Außen- und Militärpolitik.

Dank der von Gott vorgegebenen Bestimmung besaßen die Amerikaner den entscheidenden Rechtsanspruch auf den Raum, und konnten sich dadurch leichten Herzens über die Rechte anderer hinwegsetzen. In Kombination mit der »Monroe Doktrin« setzt die pseudo-religiöse »Manifest Destiny Doktrin« eine fast evangelikale Erklärung des geopolitischen Entwurfs zur Eroberung und Unterjochung von Räumen voraus:

Die Verwandlung Lateinamerikas in eine US-Halbkolonie – 1895 vom damaligen Außenminister Olney in einer Note an die britische Re­gierung mit den bemerkenswerten Worten umschrieben, dass »die Ver­einigten Staaten auf dem amerikanischen Kontinent praktisch souverän und ihre Befehle Gesetz sind«. [67] Das war häufig für die betroffenen Völker dieser Hemisphäre kaum weniger drückend als die direkte Kolonialherrschaft des europäischen Typs. 1898 wurde mit dem Krieg gegen Spanien dieser missionarhafte »Beglückungsanspruch« auf die ganze Welt ausgedehnt.

Auch das von den USA außerhalb Lateinamerikas verfochtene Prinzip der »offenen Tür« – 1899 offiziell für China verkündet – war le­diglich formal »anti-kolonialistisch«. Man wollte so nur verhindern, dass andere Mächte das profitable Geschäft der Ausplünderung fremder Völker für sich reservierten.

Am Ende des 19. Jahrhunderts hatten Frederick Jackson Turner, Brooks Adams und Admiral Alfred T. Mahan die intelligente Begründung der amerikanischen geopolitischen Doktrin ausformuliert und von drei Komponenten flankiert: a) die »Manifest Destiny Doktrin« als »theologische«, b) die »Monroe-Doktrin« als geopolitische und c) die »Open-Door-Doktrin« als die ökonomische Komponente.

Diese drei Säulen expansionistischer Weltanschauung sollten für nachfolgende Generationen Richtschnur werden, schreibt der amerikanische Historiker William Williams.[68] Nur so ist für ihn die imperiale amerikanische Expansion im 20. Jahrhundert zu verstehen. Die Umsetzung begann zielstrebig unter Theodore Roosevelt und wird entsprechend modifiziert bis heute fortgesetzt.

Die pazifische Gegenküste lockt.

Kaum hatten die Frontiers die pazifische Küste erreicht, wurde alles unternommen, um den Pazifik nach römischen Vorbild zum »US-Mare-Nostrum« zu machen.[69]

Zwischen 1852 und 1854 kreuzte im Auftrag des US-Präsidenten Millard Fillmore das Ostindien-Geschwader unter Commander Matthew Galbraith Perry vor der japanischen Küste und erzwang die Öffnung der japanischen Häfen.[70] Die Japaner hatten »keinerlei Möglichkeiten, ihr Land gegen auch nur eine einzige unserer Kriegsfregatten zu verteidigen«,[71] so zeitgenössische Publikationen und weiter: »Das Tor zur Sonne« musste sich öffnen, denn »Die Zeit ist gekommen dank der Vorsehung Gottes.«[72]

Dann wurden die wichtigen »Sprungbretter« zur Gegenküste des Pazifiks – 1867 Midway, 1878 West-Samoa und 1897 Hawaii annektiert. Im Februar 1898 reichte die Explosion des US-Kriegsschiffes Maine im Hafen von Havanna als Vorwand für den Krieg gegen Spanien, [73] den die USA schnell für sich entscheiden konnten. Spätestens mit der Annexion von Guam und den Philippinen verloren die USA ihre Unschuld: ein erster »Schritt auf dem Wege zu einem ausgreifenden territorialen Imperialismus.«[74]

Dagegen blieben Kuba – bis auf Guantanamo – und Puerto Rico zwar formal unabhängig, stand aber außen-, militär- und wirtschaftspolitisch unter US-amerikanischer Vormundschaft. Diese Territorien wurden nicht zuletzt in dem Bestreben »eingegliedert«, um ein Netz von Kohlen-, Kabel- und Marinestationen zu einem zusammenhängenden Handelswegenetz auszubauen. So verwundert es auch nicht, dass der älteste Nachrichtendienst der USA 1882 aus der Marine hervorging: das »Office of Naval Intelligence –ONI« (Amt der Marineaufklärung).

Damit waren die Voraussetzungen für eine Seemacht erfüllt, denn Seemacht ist nach Alfred Thayer Mahan (1840-1914) ein Produkt aus Flotte und seestrategischer Position.[75] Ein weiteres Axiom lässt sich aus der Geschichte der Seemächte ableiten: Nichts ist beständiger als der schnelle Wechsel von Bündnissen.

Ausbau der Seeherrschaft

Begeistert studierte der damalige Marineminister Theodore Roosevelt und spätere US-Präsident die seestrategischen Schriften des Flottenoffiziers Alfred T. Mahan. Darin wurde konsequent ein zusammenhängendes System von Stützpunkten und Niederlassungen zur Versorgung der Handelsflotte gefordert. Zugleich sollte auch der weltweite Einsatz der Kriegsmarine ermöglicht werden, um der »Open-Door-Politik« Nachdruck verleihen zu können. Nur so waren nach Mahan die Produktionsüberschüsse im Außenhandel abzusetzen. Für diese Märkte brauchte man keine Kolonien, sondern »liberale« und freundlich gesinnte Länder. Andererseits mussten andere Mächte gehindert werden, innerhalb amerikanischer Interessensphären Koloniebesitz zu erwerben. Geostrategisch forderte Mahan, dass die USA die Gegenküsten sowohl des Atlantischen als auch des Pazifischen Ozeans beherrschen müssten, um den Status einer überlegenen Seemacht zu erlangen.

Mahans Theorie – erfolgreich in der US-Außen- und Militärpolitik umgesetzt – ist bis heute eine in Kernpunkten gültige Geostrategie.

Nun wollte die junge Seemacht mit der Politik der »Offenen Tür« die Zukunftsmärkte im Fernen Osten sichern. Dazu half ein US-Expeditionskorps im Jahr 1900 den Boxeraufstand in China niederzuschlagen und machte damit die Unterschiede zum antiken Vorbild deutlich: War das »Imperium Romanum« eine mit starker Flotte ausgestatte Land- und Kontinentalmacht, so entwickelten sich die USA zu einer globalen Seemacht – einer Staatsform, die sich nach Thukydides auf ihre Überlegenheit zur See stützt. Als Krönung seiner Präsidentschaft ließ US-Präsident Theodore Roosevelt die neue Schlachtflotte, die »Great White Fleet«, von Anfang Dezember 1907 bis Februar 1909 Seemacht demonstrierend um die Erde dampfen.[76]

Vierzehn Tage nach Beginn des Ersten Weltkrieges konnte der Panama-Kanal Pazifik und Atlantik verbinden und die bis dahin getrennten Flottenteile der US-Marine jederzeit schlagkräftig vereinen. Dadurch war Washington zu einer ebenbürtigen neuen Weltmacht geworden.[77]

Im Gegensatz zum römischen Reich beruht die globale Macht der USA nicht ausschließlich auf weltweiten Annexionen. Anstatt erzwungener Assimilierung bevorzugen die USA – so wie die Minoer als erste Seemacht die Ägäis beherrschten und deren Nachfolger[78] – eine Fülle von abhängigen Klientelstaaten und den osmotischen Druck des »American way of life« als US-Variante seiner »mission civilisatrice«.[79]

Der erste Sprung nach Europa scheitert.

Wie schon seine Vorgänger im Amt war der ein Jahr vor Beginn des Weltkriegs zum Präsidenten gewählte Woodrow Wilson überzeugt, dass »unsere Industrie (...) aus allen Nähten platzen wird, wenn sie nicht einen freien Absatzweg zu den Märkten der Welt findet.«[80]

Für den Absatz wichtiger Kriegsgüter an Frankreich und Großbritannien sorgte trotz Neutralitätserklärung der Erste Weltkrieg. Die frühe Entscheidung gegen Deutschland mag nicht zuletzt daran gelegen haben, dass die deutsche Industrie die schärfste Konkurrentin der USA auf den Weltmärkten war. Zudem fehlten den einflussreichen deutschen Junkern jedes »liberale« Verständnis. Sie hatten für hohe Schutzzölle gesorgt, um ihr eigenes Getreide auf dem Binnenmarkt absetzen zu können.

Schon Ende 1916 hatte sich der einflussreiche Journalist Walter Lippmann[81] den Bemühungen britophiler Kreise angeschlossen, Präsident Wilson von der Not-wendigkeit eines amerikanischen Kriegseintritts auf der Seite der Entente zu überzeugen. In einem wahrhaft epochalen Artikel über den Ruf der Welt nach einer neuen, »westlich-atlantischen« Wertegemeinschaft stellte Lippman am 17. Februar 1917 das Ziel des Round Table der amerikanischen Öffentlichkeit vor – eine Atlantic Community als ideale Grundlage für den Wilsonschen Liberalismus und Ausgangspunkt für eine Liga des Friedens:

»An den Ufern des atlantischen Ozeans ist ein fest geknüpftes Interessengeflecht entstanden, das die westliche Welt verbindet. Britannien, Frankreich, Italien, sogar Spanien, Belgien, Holland, die skandinavischen Völker und Pan-Amerika sind im großen und ganzen in ihren tiefsten Bedürfnissen und ihren tiefsten Absichten eine einzige Gemeinschaft. Sie teilen ein gemeinsames Interesse für den Ozean, der sie vereinigt.«[82]

»Wir freuen uns, jetzt«, so US-Präsident Woodrow Wilson in seiner Kriegs-erklärung an Deutschland am 2. April 1917, »für den endlichen Frieden und für die Befreiung der Völker, mit Einschluss des deutschen, zu kämpfen für die Rechte der großen und kleinen Nationen und für das Vorrecht der Menschen, überall ihre Art zu leben.«[83]

Nebenbei erwähnte Wilson auch die wundervollen und herzerfrischenden Dinge, welche sich in den vorangegangenen Wochen in Rußland ereignet hatten.[84] In Wirklichkeit sei das russische Volk von jeher demokratisch veranlagt gewesen und träte nun in den partnerschaftlichen Kreis derjenigen Nationen, die in der Welt für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden kämpften. Es sei nun ein »fit partner« für eine künftige »league of honor« nach Kriegsende.[85]

Von diesem Ziel schien das deutsche Volk noch weit entfernt. So wurden in den USA die Aufführungen deutscher Musik bzw. Opern verboten, Straßen, Gebäude oder auch Städte mit deutschen Namen umbenannt, deutsche Denkmale umgestürzt und deutsche Bücher verbrannt. Auch der amerikanische Sprachschatz musste befreit werden: Aus Sauerkraut wurde » Liberty cabbage«, und aus den »German measles« wurde » Liberty measles«. Die Nachfahren deutscher Einwanderer, mit über 40 Millionen die größte Gruppe[86], verstanden den Wink und sind heute in den USA im Gegensatz zu vielen kleineren Volksgruppen völlig angepasst und nicht mehr wahrnehmbar.

Dabei hatte nur vier Jahre zuvor der Gelehrte Wilson im Geleitwort zur deutschen Ausgabe seines Werkes »Der Staat« festgehalten: »Das amerikanische Volk verdankt der geistigen Befruchtung durch Deutschland so viel, dass es einem jeden Amerikaner nur große Genugtuung bereiten kann, wenn auch Werke amerikanischer Autoren in Deutschland Verbreitung und Anerkennung finden.«[87]

Darin schreibt Wilson begeistert über die nationale Einigung als Folge des deutsch-französischen Krieges von 1870-71 und die glänzenden Erfolge der Preußen in diesem Kampfe, »der im Interesse des deutschen Patriotismus gegen französische Unverschämtheit geführt wurde«.[88]

Objektiv schildert Wilson in der nachfolgenden Untersuchung der europäischen Gesellschaftssysteme die positiven Seiten Deutschlands und Preußens.[89]

Vor diesem Hintergrund erscheint der weitere Punkt in Wilsons Kriegserklärung, die Welt müsse für die Demokratie sicher werden, nicht sonderlich stichhaltig. Waren doch bis dahin die USA kaum als internationale Vorreiter für Demokratie und Selbstbestimmungsrecht in Erscheinung getreten. Auch war die Gegnerschaft zum Kolonialismus in erster Linie ein nicht unwichtiges Kampfinstrument gegen die Kolonialmächte. Der Seemacht USA ging es immer um die Sicherung von Handelswegen und Märkten. So ließ man in Lateinamerika regelmäßig die eigenen Truppen zugunsten reaktionärer Regimes von Großgrundbesitzern eingreifen, sofern sie ihr Land als Markt für amerikanische Waren zur Verfügung stellten. Und als Kolumbien bei der Frage des Baus eines Kanals zwischen Atlantik und Pazifik von seinen souveränen Rechten nicht den »richtigen« Gebrauch machte, wurde 1903 kurzerhand ein Aufstand genau in dem Gebiet inszeniert, wo der Kanal geplant war. Es entstand ein US-abhängiger Staat namens Panama, dessen erste Amtshandlung die Übergabe des für den Bau benötigten Landstreifens an die USA war.

Trotz der fehlenden Vorbildfunktion wurde zur Legitimation für den Kriegseintritt gegen die feudalen Mittelmächte der demokratische Hut aufgesetzt. Dabei hatte Wilson keine Hemmungen, sich auch mit dem Zarenreich zu verbünden – ein Land dem »gegenüber das kaiserliche Deutschland mit seinem nach allgemeinem Wahlrecht gewählten Reichstag fast ein demokratischer Musterknabe war.«[90]

Somit könnte der wahre Kriegsgrund weitaus profaner gewesen sein. Vor einer drohenden Revolution in Russland und einem Sieg des deutschen Kaiserreiches wären die amerikanischen Kriegsdarlehen[91] an die Entente höchst gefährdet gewesen – mit ungeahnten Folgen für die Wall Street und hier vor allem des Bankhauses Pierpoint J. Morgan.

Zu diesem Zeitpunkt war, dank einer schützenden Insellage, eines enormen Reichtums an Bodenschätzen und einer klugen revolutionären Verfassung ein – von vielen noch unbemerkt – auch nach außen machtvoller Staat entstanden. Er war in der Lage, den Kriegseintritt von Kuba, Honduras, Guatemala, Panama, Haiti, Costa Rica und Nicaragua mit zweifelhaften Mitteln zu erzwingen und Brasilien und weitere südamerikanische Republiken mit Revolutionen und inneren Wirren zu bedrohen, falls sie sich nicht dem Krieg gegen Deutschland anschließen würden.[92]

Doch nach dem Krieg zerbrach Wilsons Vision einer Friedensliga. Der US-Kongreß lehnte die Pariser Friedensverträge sowie die Satzung des Völkerbunds ab. Die USA zogen sich auf die andere Seite des Atlantiks zurück, das Vorhaben, eine »Atlantic Community« zu schaffen, war im ersten Anlauf gescheitert.

Daraufhin wurde am 5. Juli 1920 in London das »Royal Institute of International Affairs«[93] (RIIA) in Anlehnung an Round Table gründet. In der hauseigenen Zeitschrift International Affairs konnten die politischen Ziele und Thesen nachgelesen werden. Ein Jahr später entstand in New York das amerikanische Pendant des RIIA, das private »Council on Foreign Relations« (CFR) mit der Hauszeitschrift Foreign Affairs.

In zaristischen Russland lagen die Dinge anders. Als Landmacht verlor es im Russisch-japanischen Krieg von 1904/05 nicht nur den einzigen Stützpunkt Port Arthur, sondern auch die Flotte. Den anfänglichen Erfolgen gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich folgte im Ersten Weltkrieg bald ein zermürbender Stellungskrieg, der 1917 nicht nur die Front, sondern auch die Moral des russischen Soldaten zusammenbrechen ließ.

Die zweite Revolution mit globalem Anspruch.

Dieser Umstand machte die Zeit reif, nach der amerikanischen Revolution eine zweite Revolution mit globalem Anspruch folgen zu lassen.

Als nach russischer Zeitrechnung am 25. Oktober 1917 Lenin und Trotzki mit ihrer bolschewistischen Partei die Staatsmacht eroberten und gemäß den Vorgaben von Marx die »Diktatur des Proletariats«[94] installierten, ging ein Beben durch die blutdampfende Welt. In diesem Beben erkannte Clara Zetkin die »entscheidende Weltwende der Menschheitsgeschichte, kündete ein revolutionäres Geschehen von tieffurchender Tragweite.«[95]

Dem stimmt Eric Hobsbawm zu, wenn er schreibt: »Die Oktoberrevolution brachte die gewaltigste Revolutionsbewegung der modernen Geschichte hervor« und bescheinigt ihr ein sehr viel stärkeres und globaleres Echo als der französischen Revolution.[96]

Von der Liebe zu Marx und dessen "Kommunistischen Manifest" durchdrungen, begannen sogar kritische Marxisten im übrigen Europa Lenin als Führer der russischen Revolution zu lieben. Gemäß den letzten Zeilen des Manifestes »Proletarier aller Welt vereinigt Euch!« sollte Lenin Führer der Weltrevolution werden: »Der Sozialismus kündigt sich an, wird angeführt von einem Herold, dem Sozialismus würdig«.[97]

Die Grundsätze der sozialistischen Revolution – schon ein halbes Jahrhundert zuvor von Marx und Engels niedergelegt – verlangten die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und die Sicherung des materiellen Lebens aller Menschen. Für immer sollte die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen sowie die Teilung der Gesellschaft in Klassen abgeschafft werden. Am Ende dieses utopischen Zieles sollte die Befreiung der Menschheit vom Kapitalismus und ihr Übergang zum Sozialismus stehen.[98]

Diese Umgestaltung war, wie Marx und Engels schrieben, nur mittels »despotischer« Eingriffe in bisheriges Recht möglich ist. Mit der »proletarischen Revolution« musste der feudale und bürgerlichen Herrschaftsapparat zugunsten der Diktatur des Proletariats zerschlagen werden. Janusköpfig musste nun die neue Herrschaft der Arbeiterklasse für die Werktätigen demokratisch und gleichzeitig für die bisherige Bourgeoisie diktatorisch sein. Damit war für die Anhänger des Marxismus eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte angebrochen: als verhohlen religiöse Botschaft sollte die gesamte Menschheit ähnlich den Zielen des Christentums oder des Islams materiell erlöst werden.

Nach den Vereinigten Staaten war nun auch die Sowjetunion im Verlauf einer Revolution entstanden. Die jeweils zugrundeliegenden Ideologien sollten im 20. Jahrhundert als Leitfaden für die gegensätzlichen Weltbilder der »freien« und der »sozialistischen Welt« dienen. Wilson wie Lenin ähnelten sich in ihrem missionarischen Eifer, und beide glaubten an die universale Anwendbarkeit ihrer Theorien sowie an ihren langfristigen und unvermeidlichen Erfolg.[99]

Der globale Anspruch beider Ideologien wird von dem amerikanische Historiker Gaddis nachgewiesen.[100] Doch damit erschöpfen sich auch schon die Übereinstimmungen. Beide mögen noch als Kontinentalstaaten mit Grenzen von gewaltiger Länge wahrgenommen werden, doch diese Ähnlichkeit trügt. Während die USA von Atlantik und Pazifik umschlossen wird und die Nachbarn Mexiko und Kanada bestrebt sind, in Frieden zu leben, musste sich die Sowjetunion entlang seiner eurasischen Landgrenze in langen Kriegen gegen Deutsche, Türken, Chinesen und Japaner wehren. Während der Versuch Russland, zur Seemacht aufzusteigen, scheiterte, konnten die Vereinigten Staaten ihr Produkt von Flotte und strategischen Stützpunkten ständig mehren.

Im Interesse des US-Kapitals und häufig zum Unglück der Völker Lateinamerikas führten die USA auch vor dem Zweiten Weltkrieg immer wieder bewaffnete Interventionen durch, die in der Regel zur Installation von einheimischen Diktatoren führten. Im Land selbst konnten die Bürger der USA trotz vorausgegangener Sklaverei, der nahezu vollständigen Ausrottung der Ureinwohner Amerikas und anhaltender Rassen-, Geschlechter- und Sozialdiskriminierung mit Recht behaupten, in einer der freiesten Gesellschaften der Welt zu leben.[101] Dagegen hatte sich die Sowjetunion unter Stalin zum autoritärsten Land der Welt entwickelt. Während amerikanische Zeitungen die wirtschaftliche Stabilität des sowjetischen Fünf-Jahres-Planes lobten, ließ Walter Lippmann Stalin im linksliberalen Blatt New Republic als Demokrat erscheinen. Stalin sei kein Diktator wie Mussolini, denn er könne von der Partei jederzeit abgesetzt werden.[102]

Am 17. November 1933 verkündete Roosevelt die diplomatische Anerkennung der Sowjetunion. Um diesen amerikanisch-sowjetischen Annäherungsprozess nicht zu stören, hatte das State Department Weisung erhalten, die Nachrichten von der stalinistischen Terrorwelle, die seit 1932 in der Ukraine und Südrußland raste und mehreren Millionen Menschen das Leben kostete, nicht überzubewerten. [103]

Weil im Rahmen der weltpolitischen Konstellation eine bilaterale Annäherung opportun erschien, waren die USA durchaus bereit waren, von ihren eigenen politischen Prinzipien abzurücken – ein Vorgang der immer wieder zu beobachten ist.

Den «Überfall Italiens auf Abessinien und die Intervention deutscher[104] und italie­nischer Streitkräfte im sogenannten spanischen Bürgerkrieg«[105] nahm US-Präsident Franklin Delano Roosevelt zum Anlass, am 5. Oktober 1937 seine berühmte »Quarantäne-Rede« zu halten: »Völker stacheln andere Völker, die ihnen nichts zuleide getan haben, zum Bürgerkrieg an und greifen dann in diesen Bürgerkrieg mit bewaff­neter Macht ein [...] ohne irgend­welche Rechtfertigung werden Zivilisten, einschließlich Frauen und Kinder, rücksichtslos durch Bomben aus der Luft dahingemordet.« In blumiger Sprache vergleicht Roosevelt die Feinde der Freiheit und des Friedens mit einer Epidemie. Darauf hinweisend, »dass sich die Seuche der Gesetzlosigkeit in der Welt ausbreitet«[106], gab er den friedliebenden Nationen den Hinweis, dass als Maßnahme gegen die Ausbreitung einer Epidemie das Gemeinwesen eine Quarantäne über die Kranken verhängt. Kein Land könne der internationalen Anarchie dadurch entrinnen, »dass es sich isoliert oder neutral verhält.«

Obwohl Roosevelt mit dieser scheinbar harmlosen Metapher eine im Kern brisante Aussage entschärft hatte, erkannten nur wenige darin eine versteckte Kriegserklärung – doch viele die Abkehr von der bisherigen amerikanischen Neutralitätspolitik: Somit musste eine Aufrüstung die Folge sein.[107]

Andere jedoch empfanden diesen moralischen Appell vor dem Hintergrund der nur sechs Monate zurückliegenden US-Intervention in Puerto Rico als reine Heuchelei. Um den Kolonialstatus dieser Insel zu erhalten, hatte US-Militär am 21. März 1937 in Ponce eine patriotische Demonstration zusammenschießen lassen.[108]

Zwischen den Zeilen hätten sich die Japaner angesprochen fühlen können. Waren doch nur drei Monate zuvor, am 7. Juli 1937, japanische Armeen in China eingefallen und führten diesen Krieg mit Härte und Entschlossenheit. Die japanischen Truppen werden China erst nach der Kapitulation vom 8. September 1945 verlassen.

Als am 11. Dezember 1937 auf dem Jangste das amerikanisches Kanonenboot Panay, das Amerikaner aus Nanjing (Nanking) evakuiert und 3 US-Öltanker im Geleit hatte, von japanischen Flugzeugen versenkt wurden, nimmt Roosevelt die japanische Entschuldigung und Entschädigung vorbehaltlos an.[109] Mit Rücksicht auf die US-Bevölkerung sollen die USA um fast jeden Preis aus den überseeischen Konflikten herausgehalten werden. Oder diente alles nur einem Täuschungsmanöver, um von einem Vorstoß gegen Japan abzulenken? Diesen Eindruck sollen die Botschafter Deutschlands und Italiens bekommen haben, als sie beim State-Department wegen der Quarantäne-Rede vorsprachen.[110]

Nicht angesprochen brauchte sich Josef Stalin zu fühlen. Seit 1935 raste ein Terrorwelle durch die Sowjetunion, der jegliche Opposition des kommunistischen Diktators zum Opfer fiel. Waren Roosevelt Stalins blutige Säuberungswellen entgangen?

Im August 1936 waren nach dem ersten Schauprozess in Moskau vierzehn führende Mitglieder der innerparteilichen Opposition hingerichtet worden. Es folgte die Erschießung des legendären Bürgerkriegsgenerals und nunmehrigen Marschall Tuchatschewski mit endlosen Reihe von Befehlshabern aus Armee und Flotte. [111]

Nach Andrej Sacharow wurden allein zwischen 1936 und 1939 mehr als 1,2 Millionen Mitglieder der Partei verhaftet. Nur 50.000 kamen wieder frei, die anderen wurden bei Verhören totgequält, erschossen, oder kamen in Lagern um.[112]

Eine interessante Erklärung für Roosevelts gespaltenes Wahrnehmungsverhalten überliefert George F. Kennan. Als der Stab der Botschaft in Moskau von den stalinistischen Säuberungen berichtete und eine Tyrannei enthüllte, die noch schrecklicher war als die der Zaren, schrieb Präsident Roosevelt »die Berichte als das Produkt einer in seinen Augen typischen Mentalität des steifen auswärtigen Dienstes zu«. Da er sich von diesen Enthüllungen nicht beunruhigen lassen wollte, schloss Roosevelt die russische Abteilung des Auswärtigen Dienstes, löste ihre Bibliothek auf und zwang ihren Chef zum Rücktritt.[113]

1939 vegetierten 2,5 Millionen »Systemfeinde« in den Gulags[114], um dort bei hoher Mortalität Zwangarbeit zu verrichten. »Die Verfolgungsmaschinerie, die Stalin in den dreißiger Jahren mit aller Kraft wüten ließ«[115], so sein Biograf Wolkogonow, erzeugte insgesamt ungefähr 9 Millionen Opfer. Hinzuzuzählen sind noch die Toten im Feldzug gegen die Kulaken und der damit verbundenen Hungersnot von 1932/33, der sechs bis acht Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind.[116]

Für den amerikanischen Historiker Rudolph J. Rummel ist die Ursache der Säuberungen in der Ideologie des

Marxismus zu suchen: im Besitz der absoluten Wahrheit kenne er zwischen den Polen »das Gute« (Kommunismus) und »das Böse« (Kapitalismus/Feudalismus) keine Kompromisse.[117] Um eine »bessere Welt« zu verwirklichen, musste zunächst die sozialistische Diktatur des Proletariats aufgerichtet und alle Feinde – ob rechts oder links stehend – ausgeschaltet werden[118]

Hitler-Stalin-Pakt

Zur Überraschung der Weltöffentlichkeit – insbesonders des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt – unterschrieben nach nur achttägigen Geheimverhandlungen Josef Stalin und der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop am 23. August 1939 in Moskau den als »Hitler-Stalin-Pakt« bekannten deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt.[119]

Hatte Hitler seine in »Mein Kampf« niedergelegten Prinzipien – die Kampfansage an die jüdisch-bolschewistische Sowjetunion – mit dem Arrangement seines Todfeindes aufgegeben? Oder brauchte er nur einen Bündnispartner für den geplanten Krieg gegen Polen und Rückenfreiheit für die zu erwartenden Kriegserklärungen aus Paris und London?

In Washington hielt Roosevelt neutrales Verhalten für verwerflich und war bereit, militärisch zu intervenieren, um totalitäre Systeme, besonders das deutsche, zu Fall zu bringen – die Sowjetunion gehörte für ihn nicht dazu. Der deutsche Geschäftsträger in Washington telegrafierte am 28. August 1939 an das Auswärtige Amt: »Bei Kriegsausbruch wird das Neutralitätsgesetz [von 1937], das schon heute Voraussetzungen für Maßnahmen zugunsten Englands und Frankreichs schafft, zunächst pro forma in Kraft gesetzt, später entweder aufgehoben, abgeändert oder umgangen werden.«[120] Stand doch die amerikanische Bevölkerung einer wiederholten Kriegsteilnahme in Europa ablehnend gegenüber.

Dank der Komplizenschaft mit Stalin konnten deutsche Truppen am 1. September 1939 von Westen her nach Polen einfallen. Zwei Tage später erklärten England und Frankreich Deutschland den Krieg und Franklin Delano Roosevelt – im Gegensatz zu seiner »Quarantäne-Rede« – vier Tage später die Neutralität. Am 17. September später rückte von Osten her die Rote Armee nach Polen ein. Doch Hitlers Konzept, Polen entlang der Linie San-Weichsel-Warschau-Kolno zu teilen[121], schlug Stalin aus. Die Rote Armee blieb weiter ostwärts auf der Linie Grodno-Brest-Litowsk-Przemyśl stehen, ein Grenzverlauf zwischen Polen und der Sowjetunion, der als Curzon-Linie[122] in die Geschichte eingegangen ist. Nach ethnischen Gesichtspunkten hatten die Alliierten auf Vorschlag des britischen Außenministers Curzon diese Linie am 8. Dezember 1919 festgelegt.

Von Frankreich ermuntert und den Traum von Großpolen vor Augen, war das Polen Josef Pilsudskis in das vom Bürgerkrieg zerrüttete Russland eingefallen, wobei die Verbände des polnischen Generals Rydz-Smigly bis Kiew vorstießen und Teile Weißrußlands und der Ukraine okkupierten.[123] Der am 18. März 1921 in Riga erzwungene Friedensschluss – die Sowjets waren durch die Konterrevolution geschwächt – verlegte die polnische Ostgrenze über 200 Kilometer ostwärts. Nach polnischer Quellen umfasste die Bevölkerung zwischen der Curzon-Linie und der nunmehrigen polnischen Ostgrenze etwa 6 Millionen Ukrainer und Weißrussen, etwa 1,4 Millionen Juden und nur etwa 1,5 Millionen Polen.[124] Neben dieser Annexion hatten polnischen Truppen unter General Lucjan Żeligowski am 9. Oktober 1920 die litauische Hauptstadt Wilna handstreichartig genommen. Anschließend wurde die gesamte Region Vilnius in das polnische Staatsgebiet »eingegliedert«.

Auch im Süden und Westen griffen polnische Verbände das tschechische Olsagebiet sowie die Oberschlesische Region an.[125] Über den Verbleib Oberschlesiens sollte eine Volksabstimmung entscheiden.

In sehr gespannter Atmosphäre bei einer Wahlbeteiligung von 97% votierten 59,6% der Oberschlesier für einen Verbleib bei Deutschland, 40,4% für Polen. Ein überraschend negatives Abstimmungsergebnis für Polen. Auch die oberschlesischen Juden hatten sich mit leidenschaftlichem Eifer für Deutschland entschieden. Sogar jüdische Kranke und Greise haben sich unter großen Opfern und Beschwerden auf den Weg in ihre Heimatorte gemacht, »um, oft unter Gefahren für Leib und Leben, ihrer vaterländischen Pflicht zu genügen!«[126]

Dieser für Polen überraschende Misserfolg führte unmittelbar zum dritten polnischen Aufstand, in dem Korfantys Kampftruppen den beanspruchten Teil Oberschlesiens besetzten und die strategische Schlüsselstellung Annaberg zu weiteren Überfällen nutzten. Während Frankreich die Aufständischen unterstützte, duldete England die Bildung von deutschen Freiwilligentruppen.[127]

Am 21. Mai 1921 konnten diese Freikorpssoldaten nach blutigen Gefechten den Polen ihre stärkste Befestigung in Oberschlesien entreißen. Zur Beilegung der Kämpfe wurden britische Einheiten nach Oberschlesien entsandt. Gegen das Abstimmungsergebnis schlug am 20. Oktober die Völkerbundskommission auf Betreiben Frankreichs das ostoberschlesische Industriegebiet mit seinen Kohle-, Blei- und Zinkgruben und rund einer Million Einwohnern zu Polen – damit hatte Deutschland insgesamt über 70 Prozent seiner Energieressourcen verloren.

In diesem expandierten Polen gehörte nun fast ein Drittel der 36 Millionen Einwohner nationalen Minderheiten an, »unter anderem der ukrainischen (etwa 14 Prozent), jüdischen (etwa 9 Prozent) und deutschen (etwa 3 Prozent)«.[128]

Am 28. September 1939 folgte auf den »Hitler-Stalin-Pakt« der »Grenz- und Freundschaftsvertrag« zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. In geheimen Zusätzen wurden die Einflusssphären festgelegt[129]: Im Austausch gegen mittelpolnische Gebiete bis zur Curzon-Linie akzeptierte Hitler die sowjetische Kontrolle über die Staaten des Baltikums, das östliche Rumänien bis zur Donau (Bessarabien) sowie Finnlands.

Am Tag des deutschen Einmarsches in Polen hatte Roosevelt den 58jährigen Brigadegeneral George Catlett Marshall von seinem Posten als Chef der Kriegsplanung abberufen und ihn zum Armeestabschef und Viersterne-General ernannt – über die Köpfe von 20 Generalmajoren und 14 dienstälteren Brigadiers. Eine ungewöhnliche Ernennung, die in Marshalls Organisationstalent und seiner Treue zum Dienstherrn eine Erklärung findet.

Kriegsplaner und Generalstabschef George Catlett Marshall, Jr.

Bereits im Grundschulalter soll Marshall mit Vorliebe Soldat gespielt und Befehle erteilt haben. Dazu ließ er seine Klassenkameraden Holzgewehre schultern und im Schulhof umhermarschieren. Im Sommer 1898 hatte der 17jährige George sein Erweckungserlebnis: Die vom Spanisch-Amerikanischen Krieg aus den Philippinen heimkehrenden Soldaten der 10. Pennsylvania Volunteer Infantry wurden in Marshalls Heimatstadt Uniontown/ Pennsylvania als Helden empfangen und ihnen zu Ehren eine Parade abgehalten.

»Es war eine grandiose Demonstration des Stolzes einer amerikanischen Kleinstadt auf ihre jungen Männer und des Enthusiasmus ob ihrer Erfolge«, erinnerte sich Marshall, um dann den Stellenwert zu unerstreichen: »Erst Jahre danach haben die meisten von uns begriffen, dass es viel mehr war. Es bedeutete den Eintritt Amerikas in die Welt jenseits der Ozeane.«[130] Dieses frühzeitige Begreifen globalstrategischer Zusammenhänge wird Marshall in die höchsten militärischen und politischen Stellen befördern.

Als Oberleutnant Marshall 1914 zu Manöver auf den Philippinen weilt, öffnen sich – zwei Wochen nach Beginn des Ersten Weltkrieges – erstmals die Schleusentore des Panama-Kanals: Die strategische Voraussetzung, um die US-Kriegsflotten des Pazifiks und des Atlantiks nun schnell und schlagkräftig vereinen zu können. Bis zum amerikanischen Kriegseintritt beteiligte sich Marshall sowohl an der Ausbildungsplanung als auch an der Vorbereitung militärische Operationen.

Während im Frühjahr 1917 Delano Roosevelt als rechte Hand des Marineministers Josephus Daniels die »United States Navy Reserve« mobilisierte, dirigierte Hauptmann Marshall in verantwortungsvoller Position die 1st US-Infantry-Division über den Atlantik nach Frankreich. Hier wurde Marshalls Organisationstalent und seine Fähigkeit als Ausbilder erkannt, was eine Verwendung in der Etappe nach sich zog. So blieb ihm ein Frontkommando erspart.

In den Jahren der großen Depression wollte Roosevelt – nunmehr US-Präsident – mit seinem New Deal die Wirtschaft erneuern. Zu seinen Lieblingsprojekten gehörte das »Civilian Conservation Corps« (CCC), in dem 250.000 arbeitslose Männer gemeinnützigen Arbeitsdienst nach dem Motto versahen: harte Arbeit in der Gemeinschaft und Dienst am Land. Mit der Aufsicht über diesen Arbeitsdienst betraute der Kongreß die Armee, was bei vielen Offizieren auf wenig Gegenliebe stieß. Nicht so bei Marshall. Im September 1933 unter Roosevelt zum Oberst befördert, gründete Marshall 19 »workcamps« im Süden der USA und übernahm im Nordwesten die Aufsicht über 35 weitere Lager.

Im Jahr 1934 fand Marshall Verwendung als stellvertretender Kommandeur der Infanterieschule in Fort Benning/Georgia. Hier führte er junge Offiziere in die Taktik eines modernen Krieges ein, wobei seine vorausschauende Ausbildung visionär auf die kommenden Kriegszenarien zugeschnitten war. So verwundert es nicht, dass er 1936 zum Brigadegeneral befördert, um als Chef der Kriegsplanung seine Erkenntnisse auf höhere Ebene umzusetzen.

Bis heute verknüpfen Historiker die eigentlichen Militärplanungen der USA für einen Krieg gegen Deutschland und Japan[131] mit den Ereignissen des Jahres 1939[132], da ab diesem Zeitpunkt die Sicherheitsinteressen der USA berührt schienen.

Dieser verbreiteten historische »Weisheit« widerspricht vehement Colonel Henry S. Gole in seinem Buch »The Road to Rainbow«[133] mit bisher nicht widerlegten Beweisen. Gole, in Soldaten- wie Historikerkreisen anerkannt, focht als Infanterist in Korea, diente als Offizier in Vietnam, als Militärattaché in Deutschland und als Stabsoffizier im Pentagon. So wundert es auch nicht, dass als Mitverleger die »Association of the U.S. Army« fungiert.

Für dieses Buch recherchierte Gole in den Archiven des »American Military Institute«.[134] Dabei sichtete er vor allem die Dokumente der Klassen 1934-1940 des Army War College, wobei er die enge Verbindung zwischen »War College« und »Army General Staff« – der späteren »War Plans Division« – nachweist.

Die grundlegenden Konzepte der Alliierten Strategie im Zweiten Weltkrieg konnten aber auch schon in dem 1960 erschienen Buch »Command Decisions«[135] nachgelesen werden. Im Kapitel eins »Germany First« zeichnet der US-Historiker Louis Morton, Universitätsrektor und Oberstleutnant, die Kriegspläne von 1919 bis 1938 nach und gibt der ab 1938 erfolgten strategische Anpassung Konturen.

Kriegspläne »Orange« und »Rainbow«

Im strategische Denken der US-Militärplaner sind nicht zuletzt die Einflüsse der Frontier, die Geopolitik und Maritime Strategie von Alfred T. Mahan verinnerlicht. Daneben wurde von den Offizieren in den 20er- und 30er-Jahren auch J.F.C. Fuller, Clausewitz und Colmar von der Goltz gelesen.

Die US-Interessen vor und während des Ersten Weltkrieges reflektierend, planten die US-Militärstrategen in einem Krieg mit den Achsenmächten und Japan ihre Hauptanstrengungen zielstrebig auf Europa zu richten, wobei Deutschland zuerst besiegt werden müsse.[136] Aus dieser Einschätzung heraus war ein einzigartiges Strategiekonzept entwickelt worden, niedergelegt in den »RAINBOW«-Plänen[137].

Der gegen Japan zwischen 1924 und 1938 entwickelte Kriegsplan »ORANGE«[138] sah anstatt einer Landung, Isolation und Störaktionen vor.

Waren bis 1934 Planspiele nur mit einem Kriegsgegner üblich, ging man jetzt von Kriegsallianzen auf beiden Seiten aus. Mit bemerkenswerter Voraussicht wurden Kriegsszenarien entworfen, in denen die USA und ihre Alliierten in einem gleichzeitigen »Zwei-Ozean-Krieg« die Nazi-Bündnisse und Japan niederwarfen.

Dabei konnten die Planer auf die Erfahrungen über den komplexen und zeitaufwendigen Prozess einer totalen Kriegsmobilisierung aus dem Ersten Weltkrieg zurückgreifen. Folgerichtig erkannten die Planer des War College die Chancen der riesigen US-Ökonomie. Diese Ökonomie würde es den USA ermöglichen zu überleben, solange der Krieg nur lange genug dauern würde. Bei einer erfolgreichen Mobilisierung würde sogar der Sieg sicher sein.[139]

Nicht die Einnahme der Japaner von Nanking, sondern der Beitritt Italiens im November 1937 zum deutsch-japanischen Gegenstück der kommunistischen Internationale, dem Anti-Kominternpakt, machte angeblich den Planern deutlich, dass ein Krieg nicht auf Japan und den USA begrenzt bleiben könnte. Drohungen oder direkte Angriffshandlungen seitens der Achse »Berlin-Rom-Tokio« in Europa und Asien wurden jetzt für möglich gehalten.

Während am 29. September 1938 der englische Premier Chamberlain das »Münchner Abkommen«[140] als »Paper of Peace« feierte, beauftragte Präsident Roosevelt das Militär, der Bedrohung amerikanischer Interessen und Sicherheit im Atlantik und Pazifik durch einen deutsch-italienischen Angriff in Europa und einer simultanen japanischen Expansion im Fernen Osten entgegenzutreten.[141]

Die RAINBOW-Pläne 1 bis 4 ließen noch offen, ob der Krieg gegen die Achsenmächte und Japan gleichzeitig oder nacheinander geführt werden sollten, sah der RAINBOW-Plan Nr. 5 die Entsendung bewaffneter US-Streitkräfte in den Ostatlantik sowie auf den afrikanischen oder europäischen Kontinent vor, um die endgültige Niederlage Deutschlands oder Italiens herbeizuführen.

Gemäß diesen Plänen besetzten die USA zur Sicherung der Nordatlantik-Route am 10. Mai 1940, dem Tag des deutschen Angriffs auf Frankreich, Grönland. Am Morgen des 17. Juni – fünf Tage vor dem Waffenstillstand in Frankreich – sprach General Marshall in seinem Stab das Problem einer schnellen Hilfe an. Neben defensiven Aktionen im Pazifik sollten die Hauptanstrengungen im Atlantik liegen, wobei besondere Bedeutung der Alliierten Flotte beigemessen wurde.[142] Größte Befürchtungen sah man in einer Übernahme der nach Nordafrika geflohenen französischen Flotte durch die Deutschen.

Churchill konnte am 3. Juli die amerikanischen Bedenken zerstreuen. In Abstimmung mit der »Operation Grasp«, bei der alle in britischen Gewässern befindlichen französischen Schiffe gekapert und beschlagnahmt wurden, startete am frühen Morgen des gleichen Tages die »Operation Catapult«. Nachdem das im algerischen Mers-el-Kébir ankernde Gros der französischen Flotte die Übergabe verweigerte, wurde es erbarmungslos zusammengeschossen. 1297 französische Marinesoldaten fanden den Tod.[143]

Der beunruhigten amerikanischen Nation versprach Roosevelt während der Wahlkampagne von 1940 immer wieder: »Your boys are not going to be sent into any foreign wars.«[144] Doch zugleich ließ Roosevelt das amerikanisch-britische Flottenbündnis ausbauen und den Frontstaaten benötigte Waffen und Ausrüstung leihen.

Das führte zwangsläufig in eine Abhängigkeit, die Roosevelt nutzen konnte, um sein Konzept des »Neuen Krieges« auch ihnen gegenüber durchzusetzen. In diesem neuen Krieg ging es nicht mehr darum, außenpolitische Ziele mit möglichst kurzen Feldzügen zu erreichen, sondern mit friedlichen und militärischen Mitteln einen strategischen Krieg über lange Zeiträume zu führen.

Die zweite Chance in Europa Fuß zu fassen

Am 22. Juni 1941 drang die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion ein. »Deutschland überfiel unser Land nicht im Alleingang,« so der ehemalige sowjetische Botschafter in der Bundesrepublik, Valentin Falin: »Dahinter stand das Potential praktisch des gesamten besiegten West- und Mitteleuropas. Schulter an Schulter mit der Wehrmacht drangen Truppen aus Italien, Ungarn, Rumänien, Finnland, Spanien, der Slowakei und Kroatien bei uns ein.«[145]

Nachdem Wilson sein Hauptkriegsziel, der Festsetzung der USA an der atlantischen Gegenküste verfehlt hatte, so schien dieser Krieg den USA eine erneute Gelegenheit zu geben. Nur wenige Tage nach dem deutschen Überfall besetzten amerikanische Truppen Island und bauten die Insel zu einem Stützpunkt und einer Nachschubbasis aus.

Während sich Roosevelt in der amerikanischen Öffentlichkeit als Gegner eines Kriegseintritts ausgab, suchte er die Konfrontation mit Deutschland. Doch zur Wahrung der moralischen Autorität als Friedensmacht sollte der Gegner den »ersten Schuß« abfeuern. Unter Umgehung der vom Kongress verhängten Einschränkungen ließ Roosevelt die von den USA beanspruchte Sicherheitszone im Atlantik immer weiter nach Osten ausdehnen.

Zum Abschluss der »Atlantischen Charta« sangen am 14. August 1941 die Matrosen des vor Neufundland liegenden Schlachtschiffes Prince of Wales den Choral »Vorwärts christliche Soldaten, das Kreuz des Heilands zieht uns voran«. In der Tat erschien der von Roosevelt und Churchill verfasste Text sehr christlich. Es sollten keine territorialen Veränderungen mehr vorgenommen werden, die nicht im Einklang mit dem Willen der Völker stehen. Nach der endgültigen Zerstörung der Nazi-Herrschaft[146] sollte ein Frieden es allen Völkern ermöglichen, innerhalb ihrer Grenzen in Frieden zu leben und allen Menschen in allen Ländern ein Leben frei von Not zu gewährleisten.

Während ein paar auf Effekt angelegte Phrasen die »Nazi-Tyrannei« verurteilten, so Valentin Falin, traf Tokio überhaupt kein einziger Vorwurf.[147] Weniger christlich war, dass sich für die Opfer der Aggression kein einziges Wort der Solidarität fanden. Am gleichen Tag bestätigte der US-Präsident das Projekt »Georg«. Es zielte darauf ab, den Boden für einen Umsturz gegen Hitler vorzubereiten.

Zu den Kritikern der Atlantik-Charta zählten in den USA neben manchen deutsch-freundlichen Politikern vor allem Cordell Hull, der einen Konflikt zwischen Deutschland und den USA ablehnte, während John Foster Dulles Kontinentaleuropa als föderale Gemeinschaft mit einem »desintegriertem« Deutschland reorganisieren möchte. Zusätzlicher Widerstand erfolgte von der »Kommission zur Erforschung der Grundlagen eines gerechten und dauerhaften Friedens«.

Warten auf den »Ersten Schuss«

Im August 1941 ordnete Admiral Stark, Chef der Seeoperationen, aktiven Geleitschutz zwischen Nordamerika und Island an. Bald entwickelte sich zwischen den deutschen Seestreitkräften und Roosevelts »Neutralitätspatrouillen« ein »Katz- und Maus-Spiel«, das am 4. September zu eskalieren drohte. Der US-Zerstörer Greer heftete sich auf die Fährte des deutschen U-Boots 652 und funkte unentwegt die Position von U-652 an die Briten. Das U-Boot setzte sich mit einem Torpedo zur Wehr und der Zerstörer antwortete mit Wasserbomben.

Während am 11. September Roosevelt den Angriff des U-Bootes brandmarkte und Schießbefehl auf alle »Angriffsdrohungen« der Mittelmächte gab, unterzeichneten General Marshall und Admiral Stark eine strategische Lagebeurteilung, die nun den Kriegseintritt der USA für notwendig ansah.[148]

Auch eine weitere Reihe von immer ernsteren Flottenzwischenfällen führten nicht zu dem ersehnten »ersten Schuss« von deutscher Seite aus: »zu Roosevelts maßloser Enttäuschung erneuerten Hitler und Dönitz nach jedem dieser Vorkommnisse ihre Befehle an die U-Boot-Kommandanten, die amerikanischen Seestreitkräfte auf keinen Fall anzugreifen.«[149]

Die atlantische Vordertür schied als Kriegseintritt vorerst aus. Nun musste die pazifische Hintertür aufgeschlagen werden.

Mit der Absicht, Japans Kriegsmarine einschränken, verhängten die USA am 1. August 1941 ein Ölembargo gegen Japan. Zuvor hatte man die japanischen Vermögen in den USA eingefroren. Während Roosevelt die amerikanischen Luftstreitkräfte auf den Philippinen massiv verstärken ließ,[150] wurden Japan für den Fall der Einstellung ihrer militärischen Expansion in Südost-Asien günstige Bedingungen angeboten.[151]

Die folgenden Tokioter Beschlüsse konnten nur wenige Tage danach von der amerikanische Funküberwachung in Klarschrift vorgelegt werden:

Aus ihnen ging zweifelfrei hervor, dass Japan Vorbereitungen zur südlichen Expansion in Gang setzt und einen Krieg zur Brechung der englisch-amerikanischen »Einkreisung« vorbereitet, wobei ein Krieg gegen die UdSSR ausgeschlossen wurde.[152]

Am 20. November 1941 suchte Japan das Einvernehmen mit den USA. Doch diese lehnte Japans Verlangen nach Anerkennung des gegenwärtigen Zustandes in Ostasien ab. Fünf Tage später lief ein japanischer Flottenverband zum Angriff aus.

Der 7. Dezember 1941 – ein Tag der Schande

Oberst Rufus S. Bratton war dem Generalstabschef (Chief of Staff) General George C. Marshall als Leiter des fernöstlichen Abschnitts der Abwehr (G-2) im War Department in Sicherheitsfragen direkt verantwortlich und äußerst gebildet: Im Gegensatz zu Marshall, der nur ein Kadetten-College besucht hatte, war Bratton Westpointabsolvent, hatte in Japan die Sprache erlernt, um als US-Offizier an der japanische Militärakademie studieren zu können.

In den frühen Morgenstunden des 7. Dezember 1941 entschlüsselte Colonel Bratton eine Meldung der Japaner über deren geplanten Überraschungsangriff auf Pearl Harbor.

Diese Meldung soll unverzüglich der Generalstabschef erhalten. Doch Bratton zögert, denn er fühlt instinktiv, dass er für dieses Telefonat einen vertrauenswürdigen Zeugen braucht. Dazu bat er um 6 Uhr (Washingtoner Zeit) den befreundeten Oberst James Compton in sein Dienstzimmer. Dieser soll die Gespräche mit seinem Vorgesetzten mithören. Bratton verlangt General Marshall, doch ihm wird nur mitgeteilt, das dieser nicht erreichbar sei. Über Stunden wiederholt Bratton seine Anrufe. Letztlich wird im mitgeteilt, dass Marshall das sonnige Winterwetter ausnutzend, etwas länger als sonst in den Wäldern bei Fort Myers auf dem jenseitigen Potomac-Ufers spazieren reite. Angewidert legte Bratton den Hörer mit der sarkastischen Bemerkung auf, dass dieser Ritt ebenso in die Geschichte eingehen würde, wie der vom legendären Minute-Men und Meldereiter Paul Revere zu Zeiten des Unabhängigkeitskrieges (»I am going to make this the famous horse-back ride since Paul Revere«).[153] In der Tat sollte der Ritt des Generals noch größere Geschichte schreiben.

Erst um 11.25 Uhr Washingtoner Ortszeit trifft Marshall in seinem Büro im War Department ein. Die wartenden Offiziere stimmen darüber ein, dass ein Angriff im Pazifik ungefähr gegen 13 Uhr Ortszeit zu erwarten sei. Nun entschließt sich Marshall, die pazifischen Stützpunkte zu warnen.

Dazu stehen dem Generalstabschef drei rasche Nachrichtenmittel zur Verfügung: »das Scrambler-Telefon auf dem Schreibtisch des Dienstzimmers, eine der großen Marinestationen oder der FBI-Sender.«[154] Doch Marshall bedient sich keiner dieser Möglichkeiten und lässt den codierten Warntext als Telegramm ohne jegliche Priorität über die Western-Union um 12.17 Uhr abschicken.[155] Mit über vier Stunden Verspätung, nachdem die letzten Bomben gefallen waren, traf es bei Admiral Husband E. Kimmel auf Hawaii ein. Dieser warf es nach dem Lesen direkt in den Papierkorb.

Hätte General Marshall um 11.25 Uhr telefoniert – bei bevorstehendem Angriff kann ein Verschlüsselung ohnehin entfallen –, so wäre binnen einer Viertelstunde die Verbindung hergestellt gewesen und es hätte noch immer eine Warnzeit von einer Stunde und 20 Minuten zur Verfügung gestanden. Ein Prioritäts-Radiogramm hätte mit Verschlüsselung weniger als eine halbe Stunde gedauert[156]. Die Gründe, die Marshall später angab, warum er nicht zum Telefon griff und das Telegramm als »low priority messages« von einer zivile Telegraphenagentur übermitteln ließ, erscheinen mehr als fadenscheinig. General Marshall konnte auf sicherem Wege nach Hawaii tele­fonieren, ohne dass man dafür die Western Union brauchte. Nor­malerweise hätte man eine solche Warnung auf mehrfachem Wege durchgegeben.

Die Wahl einer schnellen Übermittlung hätte die Katastrophe von Pearl Harbor weitestgehend vermeiden können. Diese Stunde Vorwarnzeit würde ausgereicht haben, die volle Abwehrbereitschaft herzustellen und den Gegner aufzuklären. Damit hätten die Jäger in den Luftkampf dirigiert und das Flugabwehrfeuer effektiv organisiert werden können. Eine erfolgreiche Abwehr lag im Bereich des Möglichen! Auf Pflichtversäumnis im Dienst war also in jedem Fall zu erkennen, wenn nicht mehr. Der Bannstrahl sollte bald die »Schuldigen« treffen, die Befehlshaber in Oahu von Marine und Armee – Admiral Husband Kimmel und General Walter Short.[157]

Zwölf Tage vor diesem Tag der Infamie, wie sich Roosevelt ausdrücken wird, vertraute Kriegsminister Henry L. Stimson nach der Kabinettsitzung seinem Tagebuch an: »The question was how we should manoeuvre them [the Japanese] into the position of firing the first shot without allowing too much danger to ourselves; it was a difficult proposition«.[158] Diese Strategie verfolgte auch General Marshall.[159] In einem Be­fehl vom 27. November 1941 an General Short heißt es: »If hostilities cannot ... be avoided, the United States desires that Japan commit the first overt act.«[160] Weitere Beweise untermauern die Absicht der Vereinigten Staaten, Japan in den ersten Schuss hineinzumanövrieren[161].

Diese Haltung wird durch Roosevelt selbst bestätigt. Nachdem er am Vor­abend des japanischen Angriffs die von der Funküber­wachung aufgefangenen ersten Teile der Note aus Tokio gelesen hatte, bemerkte er: »This means war.«[162]

So kann es kaum wundern, dass die Katastrophenmeldung aus Pearl Harbor Roosevelt und dessen Mitarbeiter weder bestürzen noch erschüttern konnte. Präsidentenberater Hopkins notierte nach der gegen ein Uhr anberaumten Konferenz: »Die Stimmung war nicht allzu gespannt; ... wir alle ... waren der Überzeugung, dass letzten Endes Hitler der Feind sei...; dass wir früher oder später doch in den Krieg hätten eintreten müssen und dass Japan uns nun die Gelegenheit dazu verschaffte.«[163]

Noch in den späten Nachmittagstunde des 7. Dezembers unterzeichnete der Präsident und Oberbefehlshaber von Armee und Marine die äußerst detaillierte, fünfseitige Proklamation Nr. 2525[164]. In ihr ist das Vorgehen der in Amerika oder in befreundeten Ländern lebenden "Feinde" mit japanischer Herkunft festgelegt. Bereits in den Abendstunden verhafteten FBI und Marine-Geheimdienst einige hundert legal in den USA lebende Japaner und Deutsche sowie amerikanischer Bürger japanischen und deutschen Ursprungs.[165]

Unter dem Eindruck des »Ereignisses der immerwährenden Schande«, wie Roosevelt die Vorgänge in Pearl Harbor mit den 2326 getöteten Amerikanern treffend bezeichnete, proklamierte der Kongress am 8. Dezember den Kriegszustand mit Japan. Die einzige Gegenstimme kam von der mutigen Repräsentantin von Montana, Jeannette Rankin. Sie hatte auch schon gegen den US-Kriegseintritt im Ersten Weltkrieg gestimmt.

»Mächtige und findige Gangster haben sich zusammengetan, um gegen das ganze Menschengeschlecht Krieg zu führen«, geißelte am 9. Dezember Roosevelt in seiner Rundfunkansprache die deutsche und japanische Unmoral und versprach, »die Urheber dieser Verbrechen der verdienten Strafe zuzuführen«, und »unsere Kraft ebenso für das künftige Wohl der Menschheit wie gegen das derzeitige Böse einzusetzen.«[166]

Vergeltung für Pearl Harbor fordernd, stand wie in den vielen Kriegen zuvor eine amerikanische Generation im Krieg und übte den Schulterschluss.[167] Das ließ bei einigen auch Argwohn und Misstrauen aufkommen und nach den Hintergründen des schrecklichen Ereignisses forschen. Als Parallele drängte sich die Explosion des US-Kriegsschiffes Maine im Hafen von Havanna auf, die 1898 zielgerichtet in den amerikanisch-spanischen Krieg führte.[168]

General Marshall, so urteilte das »Army Pearl Harbor Board of Investigation«, hätte Hawaii bereits am 6. Dezember und wiederum am 7. Dezember unterrichten oder entsprechende Befehle erteilen müssen.[169] Außerdem wurde auf die geltenden Regeln verwiesen, nach denen die Warnung gleichzeitig über den Marine- und den FBI-Sender und über das »scrambler«-Telefon[170] hätten weitergegeben werden müssen. Der Frage, ob Marshall nur die Befehle Roosevelts ausführte[171], durfte nicht nachgegangen werden. Ein Generalstabschef, der die Bedeutung derartiger Nachrichten nicht erkennt und nicht in der Lage ist, gefährdete Truppen rechtzeitig zu warnen, wird im Regelfall vor ein Kriegsgericht gestellt. Keineswegs bleibt er im Amt und steigt in die höchsten Staatsämter auf. So bliebt nur eine Erklärung übrig: Marshall war ein treuer Diener seines Herrn.

US-Brückenkopf Europa

Nur wenige hatten den nun folgenden Stimmungsumschwung in der amerikanischen Bevölkerung für möglich gehalten und kaum jemand rechnete mit der Entschlossenheit Roosevelts, die Herrschaft über beide Ozeane und deren Gegenküsten zu erringen. Am 6. Juni 1944 war es soweit.

Im Rahmen der Operation »Overlord« landete die 1. US-Armee an den Stränden Utah bei Sainte-Mère-Ėglise und Omaha bei St. Laurent. Vom Anblick der gewaltigen Landungsarmada überwältigt, erinnert sich US-Captain Anthony Duke: »Bei Gott, ich werde niemals das Gefühl der Stärke vergessen – Stärke die darauf wartete, freigesetzt zu werden –, das in mir aufstieg, als ich die langen, endlosen Kolonnen von Schiffen sah, die Richtung Normandie fuhren.«[172].

Schnell konnten die Alliierten ihren Brückenkopf in der Normandie ausbauen und damit eine feste Basis für einen weiteren Vormarsch nach Osten, Richtung Deutschland, schaffen. Paris wurde am 25. August befreit. Nachdem am 7. März 1945 die US-Truppen den Rhein bei Remagen überschritten, konnten sich bereits am 25. April Amerikaner und Russen in Torgau an der Elbe die Hände schütteln. Keine vierzehn Tage später war der Krieg in Europa beendet und die USA hatten über den Atlantik hinweg an der stärkeren Gegenküste, in der Heimat der ehemaligen europäischen Weltmächte, Fuß gefasst.

Im Gegensatz zu 1918 war nun die US-Administration in der Lage, in Westeuropa als Hegemon aufzutreten. Beträchtliche Kontingente der USA-Streitkräfte standen in Westdeutschland, Österreich und Italien sowie nur Wochen später in Japan, Korea, China und Nord­afrika. Von den 484 USA-Militärstützpunkten befanden sich 256 im Pazifikraum, während die anderen 228 im Gebiet Karibik-Nordafrika-Westeuropa lagen.[173]

Von Kampfhandlungen verschont, erlebte die US-Wirtschaft eine be­trächtliche Kriegskonjunktur. Dadurch prägte sich ein Militär-Industrie-Kom­plex aus, der bis heute einen maßgeblichen Einfluss auf die Politik der USA ausübt. Die USA verfügten über die Hälfte der Schiffstonnage und brachten mehr als die Hälfte der Welt-Industrieproduktion auf den Markt.

Von den weltweiten Goldreserven besaßen die USA beinahe zwei Drittel im Wert von 20 Milliarden Dollar. Auf dieser Basis konnten die USA im vereinbarten System von Bretton Woods mit dem US-Dollar als Leitwährung festlegen. Dazu wurde als Instrument der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) gegründet.[174]

Die Kolonialmächte England und Frankreich waren dagegen geschwächt und Deutschland als Konkurrent ausgeschaltet – wobei sich der Besiegte zum willfährigen Bündnispartner entwickeln wird. Gleichzeitig war die Sowjetunion nicht nur unabhängig geblieben, sondern sogar gestärkt aus dem Krieg hervor gegangen – wenngleich unter gewaltigen Opfern.[175] Sie besaß die Chance zu einer sozialistischen Entwicklung und hatte ihren Einflussbereich nach Osteuropa ausgedehnt.

Quasi als Testament hatte Roosevelt im März 1945 den Kongreß in seiner letzten Botschaft überzeugen wollen, dass von einer gewissenhaften Einhaltung der Vereinbarungen von Teheran und Jalta »die Geschicke der Vereinigten Staaten und der ganzen Welt für Generationen voraus« abhängen. Es gäbe keinen Zwischenweg, betonte er. »Wir müssen die Verantwortung für die internationale Zusammenarbeit übernehmen, widrigenfalls würden wir Verantwortung für einen neuen globalen Konflikt tragen.«[176]

Von diesem Geist getragen, kam es am 26. Juni 1945 in San Francisco – noch vor dem Abwurf der beiden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki – zu einer Um- bzw. Neugründung des Völkerbundes in die Vereinten Nationen durch die Staaten, welche die Erklärung der Vereinten Nationen vom 1. Januar 1942 unterzeichnet hatten. Zusätzlich waren die Länder eingeladen, die den Achsenmächten den Krieg erklärt hatten.[177] In einer Feindstaatenklausel wurde den Kriegsgegnern Deutschland und Japan im Falle einer aggressiven Politik militärische Interventionen angedroht.[178]

Ganz im Sinne Roosevelts, der am 12. April 1945 an einem Schlaganfall verstorben war, hält die Charta der Vereinten Nationen an dem Ziel fest, »den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren«. Dazu sollen wirksame »Kollektivmaßnahmen« ergriffen werden, um eine »Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen«. Als Maßnahme kann der Sicherheitsrat sowohl eine wirtschaftliche, politische und kulturelle Isolierung als auch den Einsatz von See-, Luft- und Landstreitkräften vorsehen.[179] Im Gegensatz zum Völkerbundsrat gilt nun das Mehrheitsprinzip mit der Einschränkung, dass ein Veto der Siegermächte USA, Großbritannien, Rußland und China eine Resolution verhindern kann. Damit war nicht nur die von den USA erträumte »One-World«-Regierung, sondern auch Mackinders Vision einer amerikanischen »Grand Strategy« mit dem Kampf um das »Herzland« in weite Ferne gerückt.

Vorzeichenwechsel nach dem Tod F.D. Roosevelts

Der Fanfarenstoß von Fulton

Wie ein Fanfarenstoß ging am 5. März 1946 die von Churchill im amerikanischen Fulton gehaltene Rede um die Welt. Viele verstanden sie als Manifest des Kalten Krieges und den Beginn eines Kreuzzuges gegen den Kommunismus.

Dozierend forderte der Ex-Premier, aus der Geschichte Lehren zu ziehen. Hatte der Versuch einer Koexistenz mit dem Nationalsozialismus zum Krieg geführt, sollte dieser verhängnisvolle Fehler nun vermieden werden. Halb Europa sei von der Sowjetunion mit seinem Eisernen Vorhang abgeschnitten worden. Angesichts der drohenden neuen totalitären Gefahr müssten sich alle Demokratien zusammenschließen. Warum wurde »gerade Winston Spencer Churchill damit beauftragt«, fragt sich Valentin Falin, »die bisher geheimen Absichten öffentlich zu artikulieren?«[clxxx]

Die Antwort Falins lautet: In der gesamten angelsächsischen Welt ließe sich kaum ein anderer Politiker finden, der den Russenhass derart umfassend und zügellos verkörperte.[clxxxi]

Churchill war zwar Pragmatiker, aber natürlich nicht emotionslos. Bereits im letzten Kriegsjahr verstärkten sich seine Zweifel am Kriegsbündnis mit der UdSSR. Zur Beschwichtigung Stalins ließ Truman am 26. Mai 1945 den früheren amerikanischen Botschafter in Moskau, Joseph Davies, nach London reisen. Im Gespräch soll Churchill laut Davies grundsätzliche Kritik am Gedanken der bedingungslosen Kapitulation geäußert haben, denn ohne diese Forderung hätte er schon längst mit Hitler Frieden schließen können.[clxxxii] Verwundert erwiderte Davies, dass Churchill jetzt vor der Welt bereit sei zu erklären, »dass er und Großbritannien einen Fehler gemacht hätten, indem sie Hitler nicht unterstützten ..«[clxxxiii]

Konsequent im Denken, hatte Churchill wenige Wochen vorher den Kriegsplan für die Operation »Das Undenkbare« (Unthinkable) in Auftrag gegeben. Der ausgearbeitete Plan zur militärischen Unterwerfung der Sowjetunion wurde am 22. Mai vom Chief of Staff, Generalleutnant Sir Hastings Lionel Ismay übergeben und am 8. Juni 1945 und 11. Juli 1945 ergänzt. Als erster Termin für den Angriff wurde der 1. Juli 1945 festgelegt. Geplant war der Einsatz von britischen und US-Truppen. Aufgrund der hohen zahlenmäßigen Übermacht der russischen Armee beabsichtigte man außerdem die Wiederbewaffnung von ca. 100.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht.[clxxxiv]

Dieses Vorhaben drang sogar bis nach Dresden und veranlasste Victor Klemperer zum Tagebucheintrag: Nach Gerüchten seien die wenige Monate zuvor aus Thüringen abgezogenen Amerikaner zurückgekehrt und in der britischen Zone würde bereits die Armee gegen den Osten mobilisiert.[clxxxv]

Um diesen Gerüchten entgegenzutreten, hatte das US-Militäramt bereits am 26. Mai 1945 Flugblätter in Umlauf gebracht.[clxxxvi] Es wird bestätigt, dass ehemalige Wehrmachtsangehörige ihre Bereitschaft erklärten, freiwillig in die amerikanische Armee einzutreten, sollten die USA Russland den Krieg erklären.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Churchills Konzeption entsprach dabei sogar einer Position Trumans vom Juni 1941: »Gewinnen die Deutschen, so soll den Russen geholfen werden, gewinnen aber die Russen, so soll man den Deutschen helfen - mögen sie einander umso mehr umbringen.«[clxxxvii]

So wundert es nicht, dass sich auch im Kongreß am 15.April l945 eine Mehrheit fand, die »Deutschland zu einem Bollwerk gegen Russland« konditionieren wollte.[clxxxviii]

Einige US-Abgeordnete sprachen damals schon vom dritten Weltkrieg mit Deutschland als Brückenkopf.

Folgerichtig schlug am 23. April 1945 der frischgebackene US-Präsident Truman seinen politischen und militärischen Beratern vor, einen Schlussstrich unter die Anti-Hitler-Koalition zu ziehen, da inzwischen die USA Japan auch ohne Assistenten zur Kapitulation zwingen kann. Folgerichtig wurde am 11. Mai die Waffenhilfe über das »Land-Lease-Abkommen« aufgekündigt und bereits am nächsten Tag die Lieferungen abrupt eingestellt. Mit der Ladung für die Sowjetunion ausgelaufene Schiffe wurden auf See gestoppt und zurückbeordert.

Diese Entwicklung war durchaus vorauszusehen. Anfang Januar 1945 hatte Roosevelt dem »sozialistischen Waffenbruder« das Gesuch um Kredithilfe für die Beseitigung der immensen Kriegszerstörungen abgelehnt. Und einen Monat später setzte Roosevelt auf der Krimkonferenz dem sowjetischen Interesse an einer Vereinbarung über gegenseitig zu respektierende Einflußsphären seine Vorstellung von einer von Freihandelsinteressen geeinten Welt entgegen.

So überrascht es nicht, dass Truman weitere Unterstützung ausgerechnet vom einem engen Freund Roosevelts, dem ehemaligen stellvertretenden Außenamtschef Joseph Grew erfuhr. In dessen Memorandum vom 19. Mai 1945 an Truman wurde Roosevelts politische Erbe mit der Forderung: »Wenn es in der Welt etwas Unabwendbares gibt, so ist das ein Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion«.[clxxxix]

Die Kollision sollte gesucht werden, »bevor Russland mit seinem Wiederaufbau fertig ist und sein riesiges militärisches, wirtschaftliches und territoriales Potential entwickelt hat«.[cxc]

Parallel zur erfolgreiche Erprobung von Kernwaffen im Bundesstaat Nevada – von Truman als »die USA-Visitenkarte für heute und für ewig«[cxci] deklariert – lief die Arbeit der Vereinigtes Stabschefs (JCS) an einer neuen Militärdoktrin der Vereinigten Staaten auf Hochtouren.

Angesichts der sich nun anbahnenden »Kollision« zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion bestand für die US-Stabschefs Bedarf an präzisen Informationen über militärische Ziele wie Flugplätze, Kraftwerke, Ölraffinerien, Rüstungsfabriken, etc. und denkbare Anflugrouten für kernwaffentragende Fernbomber. Da diese Informationen bei den ehemaligen Nachrichtensoffizieren der Wehrmacht zu finden waren, wurden diese »Talente mit Osterfahrung« und möglichst eigenem Informantennetz zunächst nach Camp King in der Nähe von Oberursel gebracht. Unter ihnen auch der ehemalig Generalmajor Reinhard Gehlen, in der Wehrmacht Chef der Nachrichtenabteilung »Fremde Heere Ost«. Zusammen mit einer kleinen Gruppe seiner engsten Mitarbeiter wurde er von der Liste der Kriegsgefangen gestrichen[cxcii] – der Anfang einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst der United States Army.[cxciii]

Mit der Atombombe in den Kalten Krieg

Am 16. Juli 1945 – einen Tag vor Beginn der Potsdamer Konferenz – formte sich über der Wüste von New Mexico eine düstere Wolke, die bald die Form eines Pilzes annahm. Disee erste Kernwaffenexplosion fand zur Erbauung Gottes unter dem Codenamen »Trinity« statt und steht für die Dreieinigkeitslehre des Christentums: Gott Vater, Gott Sohn (Jesus Christus) und Gott Heiliger Geist. Sollte hier mit dem neuen Massenvernichtungsmittel der ehemals christliche Stalin beeindruckt werden? Vermutlich ja, denn Präsident Truman hatte schon am Vorabend des ersten amerikanischen Kernwaffentests seinen Beratern unmissverständlich erklärt: »Wenn die [Atombombe] explodiert – und ich denke, sie wird –‚ so habe ich zweifellos einen Hammer gegen jene Burschen [wobei die Russen gemeint waren].«[cxciv]

Drei Tage später wurde die amerikanische Militärpolitik grundlegend revidiert. Am 19. Juli hatte der USA-Generalstab die Arbeit am Projekt JCS-1496 mit der Zielrichtung abgeschlossen, dass die beste Verteidigung präventive Schläge gegen den potentiellen Gegner seien. Und der Feind, so war sich der an der Konferenz teilnehmende US-General Henry Arnold bewusst, würde Rußland sein.[cxcv] Als US-Präsident Truman am 22. Juli 1945 von Potsdam aus mit ausdrücklicher Billigung von Churchill den Einsatz der ersten Atombomben gegen Japan anwies,[cxcvi] da ignorierte er nicht nur die Warnungen beteiligter Atomwissenschaftler, sondern auch die Ablehnung dieses Einsatzes der Bombe gegen Japan durch einen so hohen Militär wie Gene­ral Dwigt D. Eisenhower.[cxcvii]

Während der Konferenz soll Präsident Truman Homer Leas Bestseller von 1912 "The Day of the Saxon" gelesen haben. Im Vorwort der deutschen Ausgabe erging an die deutschen Leser die Aufforderung, angesichts der verheerenden Niederlage und des Triumphs der angelsächsischen Mächte endlich Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen.[cxcviii] Für die noch immer "uneinsichtigen" Japaner hielten die angelsächsischen Lehrmeister noch eine besondere Lektion bereit.

Nach Konferenzende wurde am 6. August »Little Boy« – eine 20-Kilotonnen-Uranium-Bombe über Hiroshima abgeworfen und drei Tage später explodierte über Nagasaki »Fat Man« – eine 22-Kilotonnen Plutonium-Bombe.

In seiner Radioansprache vom 9. August erklärte Truman, dass die USA die Atombombe gegen diejenigen eingesetzten, die sich gegen alle internationalen Gesetze der Kriegsführung gestellt haben. „Wir haben die Waffe genutzt, um das Leben von Tausenden und Tausenden von jungen Amerikanern zu retten.“ [cxcix]

Die Opfer der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki lösten beim US-Präsidenten keine Schlafstörungen aus, wie er selbst bekannte. Und die japanischen Toten, so der gottesfürchtige Präsident, seinen eben nur "Savages" gewesen, Wilde also, mit denen die Amerikaner schon immer kurzen Prozess gemacht hätten. In seinen Memoiren versucht Truman die Verantwortung auf General Marshall abzuwälzen: „General Marshall sagte mir, dass eine Invasion mit Marine, Luft- und Bodentruppen eine halbe Million Tote unter den amerikanischen Soldaten fordern würde.“[cc]

Zweifel am Einsatz hegten dagegen der Kriegsminister Henry L. Stimson und sein Stellvertreter John McCloy, und der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, General Dwight D. Eisenhower, äußerte dem Kriegsminister Stimson gegenüber seine schwerwiegenden Bedenken. „Erstens glaubte ich, Japan wäre bereits besiegt, sodass der Atomwaffeneinsatz völlig unnötig wäre, und zweitens, war ich der Meinung, unser Land sollte es vermeiden, die Weltöffentlichkeit dadurch zu schockieren. Das Argument, der Atombombenabwurf würde vielen amerikanischen Soldaten das Leben retten, halte ich nicht für legitim.“[cci] Der Kampf im pazifischen Raum hatte in den dreieinhalb Kriegsjahren 120.000 amerikanische Soldaten das Leben gekostet. Mit welcher Begründung konnte General Marshall für den Angriff auf das waidwunde, geschlagene und von allen Versorgungsmöglichkeiten abgeschnittene japanische Kernland angesichts der drückenden Materialüberlegenheit der US-Streitkräfte den Verlust von 500.000 amerikanischen Soldaten veranschlagen?

Warum aber hat US-Präsident Truman, trotz der Bedenken des höchsten US-amerikanischen Militärs, diesen menschenverachtenden Einsatzbefehl gegeben? Zielte die atomare Bombardierung Hiroshimas und Nagasakis viel weniger auf die Kapitulation Japans, als darauf, den Weltherr­schaftsanspruch der USA für die Nachkriegszeit — besonders der Sowjetunion gegenüber — deutlich zu machen?

Wie sich der maßgebend am Bau der ersten Atombombe beteiligte Physiker Leo Szilard erinnerte, hatte der damalige US-Außenminister Byrnes bereits Anfang Juni 1945 wörtlich erklärt: „Wir brau­chen die Bombe weniger um Japan zu besiegen, als darum in Europa ein leichteres Spiel mit Rußland zu haben.“[ccii] So scheint alles für die Richtigkeit der Einschätzung Patrick Blacketts zu sprechen, der wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu dem Schluss kam, „dass der Abwurf der Atombomben nicht so sehr der letzte Akt des zweiten Weltkrieges war als vielmehr eine der ersten größeren Operationen im Kalten diplomatischen Krieg gegen die Sowjetunion“[cciii]

Immer wieder müssen die Fragen nach den wahrhaftigen Gründe für die historisch beispiellosen Kriegsverbrechen von Hiroshima und Nagasaki zu gestellt werden. Vor allem deshalb, weil sich bis heute an der Rechtfertigung oder Verurteilung dieser atomaren Vernichtungseinsätze diejenigen scheiden, die einen Nuklearkrieg prinzipiell für führbar halten oder ihn prinzipiell ablehnen.

Schon damals waren beide Abwürfe bei den US-Militärs höchst umstritten. Heftige Kritik kam auch aus Kirchenkreisen.[cciv] Angesicht der grausamen Folgen bat John Foster Dulles zusammen mit dem Präsidenten des "Federal Council of the Churches of Christ", Truman am 9. August um mehr "Zurückhaltung".[ccv]

Selbst manchen gestandenen US-Militär wie der persönliche militärischer Berater des Präsidenten, Admiral William D. Leahy[ccvi], oder auch General Eisenhower, erschienen im Rückblick die Entscheidung zum Abwurf nicht nur militärisch völlig sinnlos, „sondern darüber hinaus als der Abschied von den hohen moralischen Ansprüchen der US-Politik.“[ccvii] Als besondere Infamie erschien es vielen damals wie heute, dass die Atombomben vornehmlich japanische Zivilisten töteten, die Bevölkerung nicht vorgewarnt wurde und nach dem bereits erfolgreichen Demonstrationsabwurf eine zweite Atombombe auf Nagasaki fiel.[ccviii]

Neben den moralischen Bedenken war der Öffentlichkeit klar geworden, dass die USA nun über einen "dicken Knüppel" zur "Neuordnung" der Welt verfügten.

Vorzeichenwechsel

Während gegen Ende August bereits eine »Strategische Karte einiger Industrieregionen Russlands und der Mandschurei« mit einer Liste mit 15 sowjetischen Städten als erstrangigen auftaucht, wird unter Leitung des Generals Leslie R. Groves die Produktion von den erforderlichen Atombomben auf den Weg gebracht. Im Oktober 1945 beauftragte Präsident Truman General Eisenhower mit der »Operation Totality«[ccix] (JIC 329/1) – ein hypothetischer Plan für einen umfassenden Krieg mit der Sowjetunion. Mit 20 bis 30 Atombomben sollte ein Überraschungsschlag gegen 20 sowjetische Städte[ccx] geführt werden.[ccxi]

Dazu wurden zeitgleich systematische Spionageflüge über dem sowjetischen Territorium aufgenommen. In dieser gespannten Atmosphäre führte USA-Außenamtschef James Byrnes ein ausführliches Gespräch mit Stalin. Nach seiner Rückkehr teilt Byrnes am 30. Dezember 1945 der amerikanischen Öffentlichkeit mit, dass er nach den Gesprächen in Moskau begriffen habe, dass »ein gerechter Frieden in der amerikanischen Auffassung dieses Wortes erreichbar ist.«

Das brachte den Präsidenten auf, der am 5. Januar 1946 seinen Außenamtschef wieder auf Kurs brachte. »Alles, was Sie da zusammengeredet haben, ist Unsinn. Wir brauchen keinen Kompromiss mit der Sowjetunion. Was wir brauchen, ist eine Pax Americana, die zu 80 Prozent unseren Vorstellungen entsprechen wird.«[ccxii]

Und für diese »Pax Americana« wurden Strategiepläne entwickelt. Die nachfolgende Einsatzkarte erschien am 30. Januar 1948 in den US-News und wurde sicherlich auch in der sowjetischen Botschaft in Washington mit Erstaunen zur Kenntnis genommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die endgültige Rückkehr zum antikommunistischen Feindbild scheint mit dem 8.000 Worte umfassenden »Langen Telegramms« von George F. Kennan[ccxiii] zusammenzufallen. Anscheinend beeindruckt von Stalins Rede vom 8. Februar 1946, in der das kapitalistische System als Todfeind der sozialistischen Welt bezeichnet wurde[ccxiv], führte vierzehn Tage später der interimistische Geschäftsträger der Moskauer US-Botschaft mit seiner Analyse über die »Grundzüge des sowjetischen Verhaltens seit Kriegsende« in die sowjetische Denkweise ein:

»Die UdSSR lebt immer noch inmitten feindseliger, kapitalistischer Einkreisung, mit der es auf die Dauer keine friedliche Koexistenz geben kann... Die kapitalistische Welt ist voll innerer Konflikte, die im Wesen des Kapitalismus liegen. Diese Konflikte sind durch friedlichen Ausgleich nicht lösbar...Die inneren Konflikte des Kapitalismus führen unvermeidlich zu Kriegen...«[ccxv]

Weiter wies Kennan in seinem Kabelbericht auf die Existenz einer grundsätzlich aggressiven sowjetischen Außenpolitik hin.[ccxvi] Die Sowjetunion werde versuchen, die äußeren Grenzen zu erweitern[ccxvii] und die westlichen Demokratien auf jede erdenkliche Weise zu schwächen. Zudem sei der Weltkommunismus ein bösartiger Parasit, so Kennan, »der sich nur noch von erkranktem Gewebe ernährt«. Somit könne es nur die Auseinandersetzung geben. Daher müsse es die unabdingbare Aufgabe der »US Grand Strategy« sein, die sowjetische Expansion zu stoppen[ccxviii].

Vorerst sollte das Sowjetsystem ins Stottern kommen und zu einer »Selbstreinigung« gezwungen werden. Dazu wäre es notwendig, der UdSSR wirtschaftliche, politische und psychologische Schwierigkeiten zu bereiten – ohne »in einen großen militärischen Konflikt zu flüchten.«[ccxix]

Kennans Feststellungen wurden nicht nur dankbar aufgegriffen, sondern verschafften auch der Truman-Administration eine Legitimation für die fortan nach innen wie außen demonstrierte antikommunistische Härte.[ccxx]

Keine vierzehn Tage später hält Churchill seine berühmte Rede in Fulton, wo er erstmals öffentlich von einem »Eisernen Vorhang« (»iron curtain«) spricht, der »von Stettin an der Ostsee bis nach Triest an der Adria« den europäischen Kontinent teile. Dieses geteilte Europa würde nicht die notwendigen Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden bringen.[ccxxi] Hier hatte Churchill erstmals die geographische Trennung der sich herausbildenden beiden großen Blöcke sowie die Qualität dieser trennenden Grenze beschrieben, an der sich später alle europäischen Einsatzplanungen der NATO orientieren werden.

Churchill hatte in dieser mit der Regierung der USA abgestimmten Rede offen zu einem »Kreuzzug gegen den Kommunismus« aufgerufen sowie ein langfristiges Programm für die amerikanisch-britische Weltherrschaft angedeutet: »nicht nur für die gegenwärtige Zeit, sondern für das kommende Jahrhundert«[ccxxii]. Dazu forderte er einen amerikanisch-britischen Militärblock. Diese Thesen entwickelte Churchill am 19.September 1946 in Zürich mit Blick auf Europa und die künftige Rolle Großbritanniens weiter und schlug den »Bau der Vereinigten Staaten von Europa« vor. Darunter verstand er den antisowjetischen Zusammenschluss der bürgerlichen Staaten Europas unter britischer Führung — einschließlich der westlichen Besatzungszonen Deutschlands.[ccxxiii]

Die starke Hervorhebung einer sowjetischen Bedrohung half, die Abgeordneten des US-Kongresses auf eine Bewilligung von Krediten in Milliardenhöhe für Großbritannien einzustimmen. »Dem Wesen der Sache nach stellten Mr. Churchill und seine Freunde in England und in den Vereinigten Staaten den nicht Englisch sprechenden Nationen eine Art Ultimatum«, erkannte Stalin in einem Prawda-Interview vom 13. März, um dann die anglo-amerikanische Zielrichtung aufzuzeigen: »Erkennt ihr unsere Herrschaft freiwillig an, so wird alles in Ordnung sein, im entgegengesetzten Fall ist der Krieg unvermeidlich.«[ccxxiv]

Scheitern der »Open-Door«-Politik in Osteuropa

Trotz vergleichsweise niedriger handelspolitischen Interessen in Osteuropa wollten die amerikanischen Führungseliten auch in diesem Raum nicht auf eine Politik der Offenen Tür verzichten. Da diese Politik in Deutschland, Italien, Griechenland, China, Korea und Japan mit der Förderung kapitalistisch-autoritärer und meist militant antisowjetischer Kräfte Hand in Hand ging, musste die Sowjetunion ihre Sicherheitsbedürfnisse tangiert sehen. Trotzdem versuchte die Truman-Administration mit einer Reihe von Pressionsversuchen die offene Tür für Osteuropa doch noch zu erzwingen: sogleich nach Kriegsende wurden alle Lieferungen aus dem Pacht- und Leihgesetz abrupt gestoppt, in Potsdam Reparationen aus der deutschen Produktion in der für den Wiederaufbau der zerstörten Sowjetunion erforderlichen Größenordnung verweigert und im Mai 1946 alle Reparationslieferungen aus der amerikanischen Besatzungszone eingestellt.

Mit dem Marshall-Plan im Juni 1947 wurde ein Investitions- und Liberalisierungsprogramm für Gesamteuropa auf den Weg gebracht. Es sollte nicht nur die ökonomische Basis für ein amerikanisches »informal empire« auch in Osteuropa legen, sondern sich auch in seinen politischen Folgewirkungen gegen die sowjetischen Herrschaft richten. Mit dem Plan von Bernhard Baruch – er beriet schon F.D. Roosevelt – gedachte man das Atomwaffenmonopol auf Jahrzehnte hinaus zu sichern.

Als sich die Sowjetführung gegen diese Pressionsversuche als resistent erwies, begnügte sich die amerikanische Führung mit der Konsolidierung der »Pax Americana« in der nichtkommunistischen Welt. Seit Anfang 1946 wurde die Teilung Deutschlands und Europas systematisch betrieben. Widerstände noch verbliebener »Isolationisten« im amerikanischen Kongress wurden nun vom weltweiten Expansionswillen der Sowjetunion überzeugt und in die »Neue Ordnung« mit einbezogen: so konnte mit der Truman-Doktrin 1947 der Marshall-Plan politisch durchgesetzt, während der Berliner Blockade 1948/49 das NATO-Bündnis aus der Taufe gehoben und im Koreakrieg ab 1950 der innenpolitische Vektor im westlichen Lager nachhaltig nach rechts verschoben werden. Die Konturen des Ost-West-Gegensatzes waren nun für jedermann sichtbar.

In einer Rede vor Mitgliedern der US-Militärregierung und den Ministerpräsidenten aus der Amerikanischen Besatzungszone trug am 9. Juni 1946 im Stuttgarter Staatstheater der amerikanische Außenminister Byrnes die Grundsätze der amerikanischen Besatzungspolitik in Deutschland mit neuer Entschiedenheit vor. Besonderes Gewicht erhält diese zukunftsweisende Rede vor allem durch die Erklärung, dass sich die USA möglicherweise noch lange in Europa engagieren würden.

Im gleichen Monat nimmt der Kriegsplan »PINCHER« Gestalt an. Nun sollen 50 Atombomben auf 20 sowjetische Städte abgeworfen werden.[ccxxv]

Begleitet wurden diese Pläne von umfangreichen Atomtests im Bikini-Atoll. Über 200 Schiffe und 42.000 Mann nahmen am 1. Juli 1946 am Test »Able« teil. Von einer B-29 wurde eine in der Luft detonierende Atombombe inmitten auf 75 im Zielgebiet verankerte Kriegsschiffe abgeworfen.[ccxxvi]

Noch im gleichen Monat wurde im Versuchstest »Baker« eine Unterwasserdetonation durchgeführt. Weitere Versuche folgten bei dem Eniwetok-Atoll. Alles diente nur einem Ziel: Die Komponenten einer Atomdetonation zu erfassen, die da sind: Lichtblitz, Druck- und Sogwelle sowie radioaktive Strahlung.[ccxxvii] Anhand der Schadensbilder bei den überlebenden Tieren, die man vorsorglich auf die Schiffe im Zielgebiet verteilt hatte, konnten nun Schutzmaßnahmen entwickelt werden.

Kennans Analysen und Folgerungen fanden sich ein gutes Jahr später in einer der bedeutendsten außenpolitischen Doktrinen der USA wieder: der so genannten Truman-Doktrin. Am 12. März 1947 richtete der amerikanische Präsidenten an den Kongress eine Botschaft mit der Verpflichtung, alle freien Völker gegen den Druck totalitärer Regime zu unterstützen. »Ich bin der Ansicht«,so Truman, »dass wir den freien Völkern beistehen müssen, ihr eigenes Geschick auf ihre Weise zu bestimmen.« Dieser Beistand sollte in erster Linie in Form von wirtschaftlicher und finanzieller Hilfe gewährt werde. Auch sollten keine Veränderungen des Status quo unter Verletzung der Charta der Vereinten Nationen durch Methoden des Zwanges oder auf dem Umweg der politischen Durchdringung zugelassen werden.»Die freien Völker der Welt sehen auf uns, dass wir sie bei der Erhaltung ihrer Freiheiten unterstützen«.[ccxxviii]

Mit dieser Botschaft verkündete Truman gleichzeitig einen neuen, nach Ernst-Otto Czempiel »allgegenwärtigen«,[ccxxix] US-Sicherheitsbegriff.

Nur knapp einen Monat spä­ter, am 21. April 1947, sah die Studie des eigens zur Koordinierung der Hilfe geschaffe­nen »State-War-Navy Coordination Committee« (SWNCC) eine Mischung aus Wirtschafts-, Finanz- und Militärhilfe vor, die durch politisch-ideologische Hilfestellung ergänzt werden sollte.[ccxxx]

Seit Kriegsende hatten die Abwehrexperten der Stabschefs bis zu diesem Zeitpunkt gemeldet: »Die Sowjetunion stellt keinerlei unmittelbare Gefahr dar. Ihre Wirtschaft und ihr Arbeitspotential sind im Krieg erschöpft worden«, und weiter schrieben die Analytiker: »Folglich wird sich die UdSSR in den nächsten Jahren auf die Wiederherstellung im Inland konzentrieren und sich begrenzte diplomatische Ziele setzen«.[ccxxxi]

Noch standen in der Tschechoslowakei, in Ungarn und Rumänien bürgerliche Politiker ihren Ländern vor: Edvard Beneš, Ferenc Nagy, Petru Groza. In Ungarn funktionierte sogar bis 1947 der von Horthy hinterlassene Beamten- und Gerichtsapparat. Die Verhältnisse zwischen diesen vom Sozialismus bedrohten Ländern war nicht unbedingt freundschaftlich. Beneš hatte die Rolle der Polen und der Ungarn bei der Zerstückelung der Tschechoslowakei im Zuge des Münchener Abkommens nicht vergessen, genauso wie die Polen es Jan Masaryk, dem ersten Präsidenten der CSR, nicht verziehen hatten, dass er den Waffentransit verweigerte, als Pilsudski im Jahre 1920 seinen Marsch auf Kiew und Moskau unternommen hatte.

Angesichts der Polarisierung im aufziehenden Ost-West-Konflikt kamen in Rumänien die Kommunisten an die Macht, in Ungarn ebenfalls, und in Polen ging eine »Hexenjagd« auf Kommunistenfeinde los. Während sich Tito in Jugoslawien kämpfend dem Einfluss Stalins entzog, waren Frankreich und Italien auf dem Weg, kommunistisch zu werden. Damit drohte der Verlust der soeben gewonnenen atlantische Gegenküste. Für die USA kam es nun darauf an, die an der Peripherie des neuen Sowjet-Imperiums grenzenden Regionen wirtschaftlich abzusichern, um sie somit antikommunistisch zu stabilisieren.[ccxxxii] Die Medien nehmen das Thema dankbar auf. So erschien am 16. Juli 1948 in den US-News nachfolgende Abbildung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der unmittelbare Zweck Trumans Botschaft diente vor allem der Absicht, die Kongreßabgeordneten zur Bewilligung von 400 Millionen Dollar Unterstützungsmittel für Griechenland und die Türkei sowie die Entsendung von amerikanischem Militär- und Zivilpersonal in diese Länder zu bewegen. Dazu dramatisierte der US- Präsident die Situation in Südosteuropa zu einem globalen Kriegszenario, in dem der Wille einer Minderheit mit »Gewalt der Mehrheit gegenüber geltend gemacht wird«.[ccxxxiii] Der kritische amerikanische Journalist W. Lippmann nannte das wahre Ziel der USA: »Wir haben die Türkei und Griechenland nicht deshalb ausgewählt, weil sie besonders hilfsbedürftig sind, und auch nicht deshalb, weil sie glänzende Muster für Demokratie sind, sondern weil sie das strategische Tor darstellen, das ins Schwarze Meer führt, in das Herz der Sowjetunion.«[ccxxxiv]

Das entsprach eher den Gegebenheiten. Die Aktivitäten in Griechenland und der Türkei beschleunigten den Aufbau eines Netzes von Militärblöcken sowie für den Ausbau eines weltweiten Militärstützpunktsystems. Von nun an wird Washington bestimmen, wann in irgendeinem Staat der Welt ein Zustand der »Bedrohung der westlichen Ideologie und Zivilisation« eingetreten ist.

Im griechischen Bürgerkrieg (1946-1949) unterstützte zunächst Großbritannien allein die Regie­rungstruppen, während vor allem Jugoslawien, Albanien und Bulgarien die kom­munistisch dominierten Partisanenverbände versorgten.[ccxxxv] Ein Sieg der »Nationalen Befreiungsarmee« (EAM) und der stalinistisch ausgerichteten Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) hätte mit Sicherheit die gesamte strategische Lage auf dem Balkan zugunsten der UdSSR verändert[ccxxxvi], obwohl die Sowjetunion selbst wenig Interesse an einer militärischen Eskalation in Griechenland hatte. Das hatte Stalin selbst gegenüber dem KKE-Führer Dimitrios Partsalides im Januar 1946 anlässlich eines Moskaubesuches deutlich gemacht.[ccxxxvii]

Die von Stalin bereits während des Krieges vorgetragenen Forderungen nach einer sowjetischen Mitkontrolle über die türkischen Meerengen, wurden nun von den Westmächten als eindeutige Drohung interpretiert. Im Rückblick erweist sich die türkisch-griechische Krise als der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Eindämmungs-Strategie mit der Erkenntnis, dass man Eindämmung offensiv betreiben müsse, wenn sie erfolgreich sein solle.[ccxxxviii]

Um politisch verdächtige Angestellte aller US-amerikanischen Bundesbehörden erfassen und entlassen zu können, erlässt Truman am 22. März den Loyalty Act. Anstatt das Vertauen in die Behörden zu steigern, leistet dieses Gesetz Tendenzen der Subversionshysterie Vorschub, die sich zunächst im Komitee für unamerikanische Aktivitäten regen.

Zeitgleich wurde Kennan vom neuen Außenminister, Truman hatte den idealistischen Byrnes durch den zuverlässigen Marshall ablösen lassen, beauftragt, einen »Politischen Planungsstab« aufzubauen, der die internationale Lage analysieren, Strategien entwerfen und die einzelnen Institutionen koordinieren sollte.[ccxxxix]

Angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage 1946/47 im be­siegten Deutschland und der damit befürchteten Anfälligkeit für kommunistische Ideen, galt es schnell ein Konzept zu entwickeln.

Dagegen beunruhigt der unverhältnismäßig große Vorteil der Roten Armee bei den konventionellen Streitkräften nicht sonderlich, ging man im Weißen Haus doch davon aus, dass ihr Atombombenmonopol mindesten sechs bis acht Jahre bestehen bleiben würde. »Solange wir die Welt mit Waren überschwemmen, die Meere kontrollieren und mit Atombomben im Landesinneren zuschlagen können«, bemerkte Verteidigungsminister James Forrestal Ende 1947, »so lange können wir gewisse ansonsten untragbare Risiken auf uns nehmen. « [ccxl]

Einflussnahme im außereuropäischen Raum

Der amerikanische Schriftsteller und Kritiker der US-Außenpolitik, William Blum[ccxli], will in der US-Strategie jedoch nur ein immerwährendes Ziel erkennen: die Welt für amerikanische Unternehmen sicher zu machen und jede Art von Gesellschaft zu verhindern, die als erfolgreiches Beispiel für eine Alternative zum kapitalistischen Modell dienen könnten. Dazu verweist er auf die über 70 Interventionen seit 1945.

Schon 1945 griffen die USA in den chinesischen Bürgerkrieg ein. Obwohl die Kommunisten im Weltkrieg enger Verbündeter der Vereinigten Staaten waren, stellten sich nun die USA auf die Seite von Tschiang Kai-Schek. Gleichzeitig kämpfte das US- Militär auf den Philippinen gegen sozialistische Kräfte (»Huks«), während diese noch gegen die japanischen Invasoren kämpften. Nach dem Krieg setzten die USA ihrem Kampf gegen die »Huks« bis zu deren Niederlage fort. Anschließend wurde eine Reihe von Marionetten als Präsidenten installiert, die in der Diktatur von Ferdinand Marcos gipfeln sollte. Und in Südkorea wurden die populären progressiven Kräfte zum Nutzen der Konservativen unterdrückt, die mit den Japanern kollaboriert hatten. Dies führte zu einer langen Ära von korrupten, reaktionären und brutalen Regierungen.

Mit Kanada konnten die USA am 12. Februar 1947 ein »Gemeinsames Verteidigungs­abkommen« schießen.[ccxlii] Damit war auf dem nordamerikanischen Subkontinent der politisch-militärische Einfluss der USA vertraglich abgesichert und das Gewicht Großbritanniens in diesem Commonwealth-Land weiter reduziert.

Im Vertrag[ccxliii] von Rio de Janeiro vom 30. August 1947 erweiterten die USA zudem ihre Vorherrschaft über die Staaten Lateinamerikas. Auf der Grundlage entstand dann 1948 die »Organisation Amerikanischer Staaten« (OAS).

Areas Of Responsibility (AOR) – Räumliche Verantwortungsbereiche

Schon im Februar 1942 schlug Roosevelt Churchill vor, Australien und Neuseeland in den amerikanischen Einflussbereich einzubeziehen, während Britannien Burma und Indien verstärken sollte.[ccxliv]

Zwei Wochen später einigten sich die Generalstäbe beider Länder – Großbritannien war noch gleichberechtigte Seemacht – auf nachfolgende Einteilung:

Der Pazifik – einschließlich Nord- and Südamerika, China, Australien, Neuseeland – kam zu den USA, der Mittlere und Ferne Osten – einschließlich des Mittelmeerraumes, des Roten Meeres, des Persischen Golfes, des Indischen Ozeans und alles Land zwischen Gibraltar und Singapur – zu Britannien. Die Verantwortung für Europa und den Atlantik wurde geteilt.

Als Präsident Harry S. Truman am 14. Dezember 1946 im » Outline Command Plan« US-Kommandobereiche festlegen ließ, brauchte er auf britische Befindlichkeiten nicht mehr sonderlich Rücksicht zu nehmen. Nach ihrer fundamentalen Mission und ihrer Einflusssphäre wurden sieben geographisch zusammenhängende Kommandos vereinigt.[ccxlv]

1) Ferne Osten (FECOM) mit Japan, Korea, Philippines, Marianas, und den Bonin Islands (1.Januar 1947),
2) Pazific (PACOM) (1.Januar 1947)
3) Alaska (ALCOM): mit Alaska und den Aleuten) (1.Januar 1947)
4) Europa (EUCOM) (15. März 1947)
5) Karibik (CARIBCOM) Panama Kanal, Antillen und U.S.-Außenposten in der Karibik (1. November 1947)
6) Atlantik (LANTCOM) (1. Dezember 1947)
7) U.S. Nordost (USNEC) Neufundland, Labrador und Grönland (1. Oktober 1950)

Seit 1947 gab es 21 vereinigte Kommandos, die heute in fünf US-Kommandobereiche zusammengefasst sind. [ccxlvi] Sie werden im weiteren Verlauf noch eine wichtige Rolle spielen.

Sicherung des europäischen Brückenkopfes

Die Planer in der Truman-Administration hatten sicherlich die Bilder der deutschen Revolution von 1918 vor Augen, als sie die Nachkriegssituation in Deutschland betrachteten und die Gefahr eines kommunistischen Umsturzes durchaus als gegeben betrachteten.[ccxlvii] Mit der Truman-Doktrin im Hinterkopf hielt der ehemalige Chef des Kriegsplanungsamtes und nunmehrige Außenminister am 5. Juni 1947 vor Studenten in Harvard eine programmatische Rede: »wenn es nicht in einen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verfall sehr ernster Art geraten soll«[ccxlviii], seien beträchtliche zusätzliche Hilfeleistungen für West­deutschland und ein Hilfsprogramm für den Wiederaufbau Europas notwendig.[ccxlix] Dieses European Recovery Program (ERP), besser bekannt als Marshall-Plan, schloss die mittel- und ost-europäischen Staaten ein.[ccl]

Somit ist der Marshall-Plan die logische Konsequenz aus der Eindämmungs-Strategie. Dieser »passiven« Containment-Politik stellten die Republikaner ihr »aktives« Modell des Zurückdrängens oder der Befreiung gegenüber, bekannt als »Rollback«- oder »Liberation«-Politik.

Daneben sollte jedoch noch ein anderer Gesichtspunkt berücksichtigt werden. Die USA hatten sich später als die meisten europäischen Staaten am Krieg beteiligt. Zudem waren Goldreserven und die große landwirtschaftliche und industrielle Produktionsbasis unversehrt geblieben. So verzeichneten die USA im Zweiten Weltkrieg das schnellste Wirtschaftswachstum seiner Geschichte, da es für das eigene Militär und für die Verbündeten produzierte. Nach dem Krieg konnte unmittelbar von der Rüstungs- auf Konsumgüterproduktion umgestellt werden, was bald zu einem Produktionsüberschuss führte, da Europa als Markt ausgefallen war. Dank den Krediten des Marshallplans konnte nun in den Vereinigten Staaten eingekauft werden.

In der Prawda erschien am 16. Juni eine erste, ablehnende Stellungnahme. Der Kommentator nimmt Bezug nehmend auf das von Truman verkündete Engagement der USA in Griechenland und der Türkei und sieht in Marshalls Vorschlägen »im Grunde genommen denselben Trumanplan der Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten«[ccli] und die Befürchtung, eine Integration der osteuropäischen Staaten in das geplante Wiederaufbauprogramm könnte möglicherweise die Kontrolle der sowjetischen Politik über die eigene Einflußsphäre in Frage stellen.

Das ist »angesichts der von den USA bevorzugten Methoden der wirtschaftlichen Zusammenarbeit nicht ganz abwegig.« So hatten die Empfängerländer einer Zehnpunkte-Forderung zuzustimmen. So wurde unter Punkt 8 verlangt: »Der amerikanischen Regierung auf Wunsch jede den Zwecken des ERP nützliche Information zu liefern.«[cclii] Die Wirtschaft der Empfängerländer wurde damit faktisch einer institutionellen Überwachung der USA unterworfen. Als Kontrollinstrument wirkte die am 16. April 1948 für die Verteilung der amerikanischen Wirtschaftshilfe gegründete OEEC – »Organization European Economic Cooperation«.

Am 18. Juni luden die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens, Bidault und Bevin, ihren sowjetischen Kollegen Molotow zu Konsultationen über den Marshall-Plan ein. Angesichts der sowjetischen Besorgnis über die wirtschaftliche Überlegenheit der USA muss Molotow ein gemeinsames Wiederaufbauprogramm als »zur Beseitigung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit führend« und deshalb »mit der Wahrung der nationalen Souveränität unvereinbar« ablehnen[ccliii].

Während am 4. Juli von Paris aus alle Regierungen europäischer Staaten – mit Ausnahme der sowjetischen und der spanischen - zu einer Konferenz über das Hilfsangebot der USA eingeladen werden, widerrufen die Regierungen der osteuropäischen Staaten[ccliv] auf Druck Moskaus später ihre Teilnahme.

Nach langen und erbittert geführten Debatten wurde am 26. Juli 1947 der »National Security Act« verabschiedet. Dieses Gesetz brachte nicht nur eine durchgreifende Reorganisation der Verteidigungsvorkehrungen der USA, sondern schuf das höchste politische Gremium – den »National Security Council«. Ihm gehörten der Präsident, der Vizepräsident, der Außenminister, der Verteidigungsminister sowie Mitglieder anderer politischer Organe an. Zur Aufgabe dieses Rates gehört die »Festlegung und Einstufung der Ziele, Verpflichtungen und Risiken der USA in bezug auf das augenblickliche militärische Potential gemäß den Interessen der nationalen Sicherheit zu dem Zweck, dem Präsidenten diesbezügliche Empfehlungen zu unterbreiten.«[cclv] Neben anderen zu schaffenden Behörden wurde eine Zentralstelle für die gesamte strategische Aufklärung und die Nachrichtendienste auf höchster Ebene zusammengefasst: die »Central Intelligence Agency« (CIA).

Die Kriegs-Marine wurde wieder mit der traditionellen Aufgabe betraut, die Diplomatie des Landes zu unterstützen. Die 6. US-Flotte zeigte von nun an im Mittelmeer zur Wahrung der westlichen Interessen Flagge. Immer vor Ort ein großer Flugzeugträger – zuerst die USS-Midway, später die USS-Franklin D. Roosevelt oder USS-Coral Sea. Ein weiterer Träger , mehrere Kreuzer und Zerstörer vervollständigten diese »Task Force«. Für Landeunternehmen des Marine-Corps wurden noch amphibische Transportmittel bereitgehalten.

Als Reaktion auf die Truman-Doktrin der USA entwickelte der Literaturfunktionär Andrei Alexandrowitsch Shdanow anlässlich der Gründung des Kommunistischen Informationsbüros (KomInform) am 27. September 1947 die "Zwei-Lagertheorie". Sie stellt im wesentlichen fest, dass die damalige Welt auf der einen Seite in die westliche, kapitalistische Gesellschaft und auf der anderen in die östliche, kommunistische gespalten war.

Diese zwei Lager wurden als so grundverschieden angesehen, dass eine Vereinigung im Sinne eines freundschaftlichen, diplomatischen Miteinanders ohne dem Einlenken einer der beiden Seiten als unmöglich angesehen wurde.

Mitte November 1947 brechen in Frankreich und Italien wochenlange, teilweise von Sabotageakten, Straßenschlachten und Parlamentstumulten begleitete Streiks aus. Sie werden von den kommunistischen Parteien und Gewerkschaften unterstützt und sind Bestandteil der neuen KomInForm-Strategie, die den Marshall-Plan als Angriff auf das sowjetische Sicherheitssystem in Osteuropa interpretiert. Absicht ist es, das von den USA angebotene Wiederaufbau-Programm auch in Westeuropa innenpolitisch zu diskreditieren.

Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln greifen nun die USA in Italien zwischen 1947 und 1948 in die Wahlen ein, um die Kommunistische Partei Italiens schließlich erfolgreich von einer Machtübernahme fernzuhalten.[cclvi]

Ebenso griffen die USA im griechischen Bürgerkrieg Partei gegen die griechische Linke, welche mutig den Kampf gegen die deutsche Besatzung geführt hatte. Die Ultrakonservativen gewannen und installierten ein Regime, für das die CIA eigens einen neuen Inlandsgeheimdienst (KYP) gründete.[cclvii]

Zunehmende soziale Unzufriedenheit führt in der Tschechoslowakei am 20. Februar 1948 zum Rücktritt der bürgerlichen Regierung. Staatspräsident Edvard Beneš gibt dem Druck der von der Sowjetregierung tolerierten militanten Massenkundgebungen nach, entlässt alle nichtkommunistischen Minister und akzeptiert eine neue Regierung der Nationalen Front.

Während die UdSSR mit einem Bündnispakt die politische Abhängigkeit Ungarns verstärkt, erzwingen am 25. Februar in Prag die Kommunisten eine Regierungsumbildung, die ihnen zusammen mit dem linken Flügel der Sozialdemokraten alle Schlüsselpositionen sichert. Die einem Staatsstreich ähnelnde Regierungsumbildung wird im Westen als ein Schritt in Richtung auf die Sowjetisierung Osteuropas gesehen.

Ohne die Sowjetunion, jedoch unter Beteiligung der Benelux-Staaten, werden in London auf der Sechs-Mächte-Konferenz Beschlüsse über ein föderatives Regierungssystem in Westdeutschland sowie über dessen Beteiligung am Marshall-Plan und eine Kontrolle über das Ruhrgebiet gefasst. Am 17. März vereinbaren im »Brüsseler Pakt« Frankreich, Großbritannien und die Benelux-Staaten ein Militärbündnis unter dem Namen »Westunion«. Drei Tage später fanden im alliierten Kontrollrat von Berlin nochmals »Schein«-Verhandlungen über eine gemeinsame Währungsreform statt, die zwangsläufig mit dem Auszug der sowjetischen Vertreter ohne Ergebnis endeten. Die faktische Teilung Deutschlands mit der Gründung eines westdeutschen Staates war anscheinend beschlossene Sache. Vor diesem Hintergrund begannen am 31. März die sowjetischen Besatzungstruppen die »kleine Berlin-Blockade« mit vermehrten Inspektionen und Transportbehinderungen durchzuführen, worauf am 2. April Amerikaner und Briten mit verstärkten Lufttransporten für die Berliner Garnisonen reagierten.

In diesen kritischen Tagen brachte das Memorandum Nr.7 des Nationalen Sicherheitsrates der USA (NSC 7- 30. März 1948) die Bedrohungsanalyse auf den Punkt:

»Die Niederlage der Achsenmächte führte dazu, dass in der Welt nur noch zwei große Zentren nationaler Macht übriggeblieben sind: die Vereinigten Staaten und die UdSSR. Die Sowjetunion ist die Kraftquelle aus welcher der internationale Kommunismus hauptsächlich seine Fähigkeit bezieht, die Existenz freier Nationen zu bedrohen.«[cclviii]

Kriegsplan HALFMOON

Befürchtet wurden nun zunächst mögliche Operationen der Sowjets zur Einnahme und Beherrschung des europäischen Kontinents einschließlich Großbritanniens, die sich dann im Nahen und Fernen Osten ausdehnen könnten. So vermuten der Kriegsplan »HALFMOON« vom 6. Mai 1948, als auch der ein Jahr später erschienene Kriegsplan »OFFTACKLE« vom 26. Mai 1949 als frühe Ziele der Sowjets daneben noch die Vernichtung oder Lahmlegung aller alliierten Streitkräfte auf der eurasischen Land masse, die Verstärkung und Konsolidierung von Stellungen bei den Satelliten, in China und Korea, die Zersetzung des Kriegspotentials der Alliierten durch Subversion und Sabotage sowie die Unterbrechung lebenswichtiger Verbindungslinien durch aggressiven U-Boot-Krieg und Luftoperationen.[cclix]

Aufgrund des geschätzten Zahlenverhältnisses nahm man an, dass die sowjetische Armee in fünf Tagen am Rhein, in 14 Tagen an der Kanalküste, in einem Monat am Atlantik und in zwei Monaten an den Pyrenäen stehen könnte, wobei die Besetzung Jütlands und Seelands in einer Nebenoperation 14 Tage beansprucht hätte.[cclx]

Die amerikanischen Planungen erfolgten überwiegend durch die »Joint Strategic Plans Group« – das vormalige »Joint War Plans Committee« – einer Abteilung in der Organisation der Vereinigten Stabschefs (JCS).[cclxi] Die in deren Verantwortung erarbeiteten Planungen standen unter der Leitung bekannter Spitzenmilitärs wie Leahy, Bradley, Vandenberg, Nimitz, Denfield und Sherman.[cclxii]

Der strategischen Studie der PIN­CHER-Serie vom März 1946. Auf deren Basis erfolgte 1947 die Planung BROILER, die dann wiederum in den ersten für alle Teilstreitkräfte gemeinsamen Nachkriegsplan HALFMOON[cclxiii] mündete.[cclxiv]

Im ersten Zeitabschnitt umriß HALFMOON den »Plan of Action«zur Verteidigung der westlichen Hemisphäre einschließlich des nord- und südamerikanischen Kontinents. Unter der Befehlsziffer »Evakuierungen« wurden die für Kontinentaleuropa befohlenen Maßnahmen aufgeführt. Der sowjetische Vormarsch sollte verzögert und der Widerstand befreundeter Länder gefördert werden, doch im Schwerpunkt des Auftrages standen die Rückzugsrouten der Alliierten Streitkräfte, wobei die erste Ausweichbewegung bis zum Rhein erfolgen sollte.[cclxv] Dagegen sollte die Linie Bering-See – Japanisches Meer – Gelbes Meer gesichert und zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine Luftoffensive eröffnet werden. Dazu waren die Einheiten des Strategischen Bomberkommandos (Strategic Air Command, SAC) zu Stützpunkten nach Großbritannien (alternativ nach Island) und in das Gebiet Khartoum – Kairo – Suez zu verlegen. Spätestens 15 Tage nach Kriegsausbruch sollte der strategisch-nukleare Angriff von Großbritannien, Okinawa und aus dem Gebiet Khartoum–Kairo–Suez auf die Sowjetunion beginnen. Weitere Einheiten des SAC hätten gegen verbleibende Teile der sowjetischen Ölindustrie und U-Boot-Stützpunkte vorgehen, sowie ausgedehnte Verminungen sowjetischer Häfen und Wasserwege vornehmen sollen.

Zu den frühen Atomkriegsplänen bemerkt der ameri­kanische Historiker David A. Rosenberg, von dem die umfassendsten Forschungen über die frühen Kriegspläne stammen:[cclxvi] »Anscheinend haben Truman und der Nationale Sicherheitsrat nicht vorhergesehen, dass die steigende Anzahl mög­licher sowjetischer Ziele, die wachsende Komplexität von Atomwaf­fen und ihrer Trägersysteme, Verbesserungen in der sowjetischen Luftabwehr und der Bau von Atombomben durch die Sowjetunion eine immer striktere Operationsplanung erforderlich machte.«[cclxvii]

Unter der Überschrift: »Weitere Operationen« wurde die Wiedereröffnung des Mittelmeeres, (soweit erforderlich) und im zweiten Kriegsjahr die Rückgewinnung der Ölförderstätten im Mittleren Osten vorgesehen.

Kritiker vermissten im Plan HALFMOON die angemessene Unterstützung der westeuropäischen Länder und die rechtzeitige Verteidigung der Ölquellen im Mittleren Osten[cclxviii]. Auch waren die Militärpotentiale der gerade gegründeten West-Union unzulänglich in die Planungen einbezogen worden und es fehlte die Rücksichtnahme auf Absichten der künftigen Alliierten[cclxix] – nicht zu sprechen von den unkalkulierbaren psychologischen Auswirkungen dieses Planes auf Kontinentaleuropa.

Reaktionen auf die einseitige Währungsreform

Unter absoluter Geheimhaltung startete am 11. Juni 1948 die Endphase der »Operation Birddog«, in der die neue deutsche Währung mit den nötigen Dokumente in die englische und französische Zone verschickt wurde. Am Freitag, den 18. Juni, wurde die westdeutsche Bevölkerung über die bevorstehende Währungsreform[cclxx] unterrichtet. Gleichzeitig ließ der britische Militärgouverneur dem sowjetischen Militärgouverneur mitteilen:

» Ich habe mich daher entschlossen, die britische Zone in einen Währungsreformplan einzubeziehen, der am Sonntag, dem 20. Juni, in den Westzonen eingeführt werden soll.«[cclxxi]

Am folgenden Tag erklärt Marschall Sokolowskij die Währungsreform in den drei Westzonen als die »Vollendung der Spaltung Deutschlands«, um dann lapidar festzustellen:

»Die in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands herausgegebene Geldscheine sind für den Umlauf in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und im Gebiet Groß-Berlins, das sich in der sowjetischen Besatzungszone befindet und wirtschaftlich einen Teil der sowjetischen Besatzungszone darstellt, nicht zugelassen.«[cclxxii]

Als weitere Antwort werden in der Nacht zum 24. Juni 1948 sämtliche zu Land wie zu Wasser bestehenden Verkehrsverbindungen mit den Westsektoren der Stadt unterbrochen, wogegen der Westen eine Gegenblockade durch Lieferstopp wichtiger Wirtschaftsgüter aus Westdeutschland für Ostdeutschland verfügt.

Nun galt es, eine Überschwemmung der Sowjetzone mit der in den Westzonen wertlos gewordenen Reichsmark zu verhindern. Sokolowskij bezog Gesamtberlin in die ostzonale Währungsreform ein. Da neue Banknoten in der SBZ nicht zur Verfügung standen, wurden die alten Reichsmark-Scheine mit Coupons überklebt.[cclxxiii]

Nur einen Tag später lässt US-General Clay die »Operation Vittles« anrollen. B-29-Bomber der US-Air-Force landen mit lebensnotwendigen Gütern für die Berliner US-Garnison auf dem Flughafen Tempelhof. Doch bald wird die »Luftbrücke« – eine kaum vorstellbare logistische Operation[cclxxiv] – für die gesamte Westberliner Bevölkerung überlebenswichtig.

Auf der anderen Seite schließen sich die KomInForm-Staaten enger zusammen. Auf der Bukarester Konferenz wird am 27. Juni Jugoslawien ausgeschlossen und mit einer Wirtschaftsblockade belegt. Der selbstbewusste Tito hatte ebenso wie Mao während des Weltkrieges keine Hilfe von Stalin benötigt und war jetzt nicht bereit, sich an der im ganzen Ostblock einsetzenden Stalinisierung zu beteiligen. Im Gegenteil! Daraufhin bezeichnete der sowjetische Ver­teidigungsminister Bulganin die Jugoslawen sogar als »böswillige Deserteure aus dem Lager des Sozialismus zum Lager des Imperialismus und Faschismus«[cclxxv]. Für Washington dagegen war nun der jugoslawische Diktator Tito »unser Mistkerl«, wie US-Außenminister Dean Acheson verlauten ließ.[cclxxvi] In der Folge genehmigte Truman fünf geheime Waffentransporte an Tito.[cclxxvii] Allein im Jahr 1949 sollte Jugoslawien für 55 Millionen Dollar Darlehen erhalten. Da die CIA noch Ende 1950 Jugoslawien neben Südkorea, Indochi­na, Iran und Westdeutschland für das am meisten von einem sowjetischen Angriff bedrohte Gebiet ansah,[cclxxviii] erhielt Tito 1951 durch den Mutual Security Act (MSA) Militärhilfe über 150 Millionen Dollar, die durch ökonomische Maßnahmen begleitet wurden.[cclxxix]

Während seit dem 15.Juli 1948 in London ein ständiger Ausschuss der Westmächte zu täglichen Beratungen über den Stand der Krise zusammentritt, verstärken die Amerikaner ihre Luftstreitkräfte in Europa und besetzen erneut schon geräumte Militärstützpunkte in England. Diese Maßnahme soll bei künftigen Verhandlungen mit der Sowjetunion helfen, die Gespräche unter der Voraussetzung eines »Gleichgewichts der Kräfte« führen zu können.

Außenpolitische Paradigmen der USA - Missionsgedanke und Kreuzzugsidee

Im amerikanischen Selbstverständnis ist die christliche Religion Bestandteil des politischen Denkens und Handelns.[cclxxx] Dieses Bewusstsein wird noch durch die Vorstellung der Auserwähltheit und der moralischen Überlegenheit verstärkt und führt zur Verinnerlichung eines missionarischen Dranges.

Bis heute betonen amerikanische Politiker den Gedanken der Freiheitsidee und die moralische Überlegenheit der US-Politik,[cclxxxi] während die Planer im Pentagon mit Vorliebe für ihre Operationen den Begriff »FREEDOM« wählen: siehe Operation »ENDURING FREEDOM« in Afghanistan und »IRAQI FREEDOM« im Irak.

Nicht nur George W. Bush, sondern auch Eisenhower und später Reagan, bekannten sich ausdrücklich zur globalen säkularen »Mission« der Vereinigten Staaten.[cclxxxii] Noch deutlicher als die Politiker brachte Theodore N. Kaufmann in seinem Buch » Germany must perish«[cclxxxiii] das christlich-jüdische Weltbild, vermengt mit quasi-religiöse Inhalten und amerikanisches Missionsbewusstsein auf den Punkt.[cclxxxiv]

Voller Sarkasmus kritisierte Ernst von Salomon 1951 in seinem weitgehend autobiographischen Roman die christliche Missionsidee als Paradigma der US-Außenpolitik:

»Für den Christen mag es nicht unbehaglich sein zu hören, wie die Stimme Amerikas unter dem Donnern der Bombengeschwader und dem Dröhnen der marschierenden Bataillone allen denen den Frieden zu bringen verspricht, welche guten Willens sind. Die Kirche hat in ihrer Geschichte, wenn es um den Glauben ging, immer ein weltliches Schwert gefunden [...] . Die Stimme Amerikas identifizierte sich mit der Christenheit: das Wort vom guten Willen umreißt einen moralischen Bezirk, es fordert, gleichviel an wen es sich richtet, die Anerkenntnis der Gültigkeit bestimmter Moralgesetze, und der Gleichklang dieses Wortes der Stimme Amerikas mit der geoffenbarten Stimme aus dem Himmel zur Stunde der Geburt Jesu Christi läßt keinen Zweifel, dass es die christlichen Moralgesetze sind.«[cclxxxv]

Und diese christlichen Grundwerte haben vor allem US-Politiker in den von Amerika geführten Kriegen, insbesonders beide Weltkriege, als Maßstab ihres politischen Handelns hervorgehoben.

Der maßgebliche Vertreter der US-Außenpolitik und Begründer der »Befreiungspolitik« (Liberation Policy) im Kalten Krieg, John Foster Dulles, hat die christliche Tradition als Fundament der US-Außenpolitik und die Mission als historische Aufgabe von Anbeginn der USA immer wieder betont: »Our nation from its beginning was inspired by a sense of mission«.[cclxxxvi]

Ein wesentliches Ziel der »Mission«, die logische Fortsetzung des begonnenen »Kreuzzugs«, liegt in der Bestrafung des »Bösen«.

Davon war auch Truman überzeugt, der noch stärker als Roosevelt ein klares Schwarz-Weiß-Weltbild mit einem »wenig differenzierten Moralismus«[cclxxxvii] besaß.

Der Nürnberger Prozess, betonte auch der amerikanische Ankläger Robert H. Jackson in seiner ersten Anklagerede, [cclxxxviii] »ist der verzweifelte Versuch der Menschheit, die Strenge des Gesetzes auf die Staatsmänner anzuwenden, die ihre Macht [...] benutzt haben, die Grundlagen des Weltfriedens anzugreifen [...]. Keine Nächstenliebe kann die Tatsache verhüllen, dass die Kräfte, für die die Angeklagten hier stehen [...] die finstersten und unheilvollsten Mächte der menschlichen Gesellschaft sind [...] Die wahre Klägerin vor den Schranken dieses Gerichts ist die Zivilisation.«[cclxxxix]

Im Sinne des amerikanischen Selbstverständnisses konnte hier ihrer Idee, einen »gerechten Krieg« geführt zu haben, Nachdruck verliehen werden. Das »Böse« verkörperten die Deutschen mit ihrer verbrecherischen Kriegführung.[ccxc]

Feindbilder und ihre tiefen Ursachen

Nun konnten die in Nürnberg geformten Moralgrundsätze für die Ideen der »Umerziehung«[ccxci] genutzt werden. Sie eigneten sich nun auch für die seit 1947 öffentlich diskutierten Konzepte »Eindämmungs«- und »Befreiungspolitik« sowie als Basis für die Politik gegenüber der Sowjetunion. Fast spiegelbildlich glich das »neue« Feindbild dem »alten« Feindbild Deutschland. Gemeinsame Klammer war die Totalitarismusthese, die im amerikanischen Verständnis Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus miteinander verband. Auf dieser Basis wurden die politischen Schlussfolgerungen gezogen, auch wenn Kennan im »Langen Telegramm« darauf verwiesen hatte, dass die UdSSR »im Gegensatz zu Hitlerdeutschland [...] weder schematisiert noch auf Abenteuer aus« sei.[ccxcii]

Ebenso wie England seit dem 17. Jahrhundert jede erstarkende Macht auf dem Kontinent bekämpfte, führte nun Amerika dieses britische Erbe fort. Anfang des 20. Jahrhunderts gibt der britische Geostrategen und Direktor der »London School of Economics and Political Science«, Halford J. Mackinder, diesen Ambitionen Konturen:

Er sieht im »geographische Drehpunkt der Geschichte« die ewig herrschenden Antriebe in der Weltpolitik: das uralte, ewig neue Gegenspiel der großen zentralen Steppenmacht der Alten Welt, die sich immer wieder gegen die meerbestimmten Länder erhebt.[ccxciii] So weist Mackinder auf die eurasische Landmasse mit ihrem größten materiellen Reichtum dieser Erde und erklärt sie zum »Herzland« (pivot area) und mithin zum potentiellen Macht- und Gravitationszentrum der Erde. Wer dieses Zentrum technisch erschließt, organisatorisch meistert und über die Bodenschätze verfügt, wird nach Mackinder auch den Planeten beherrschen.

Weitsichtig warnte Mackinder: »In der Gegenwart von aufstrebenden Mächten, die auf halben Kontinenten eine breite Basis von Ressourcen aufweisen, würde Britannien nicht noch einmal Herrin der See werden können ...«.[ccxciv]

»Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können,« schreibt der ehemalige Sicherheitsberater von Carter, Brzezinski, am Ende des 20. Jahrhunderts, »hängt aber davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird – und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann.«[ccxcv] Für Brzezinski ist Eurasien somit das Schachbrett, »auf dem der Kampf um globale Vorherrschaft auch in der Zukunft ausgetragen wird.«[ccxcvi] Für dieses Ziel ist »Europa Amerikas unverzichtbarer geopolitischer Brückenkopf auf dem eurasischen Kontinent.«[ccxcvii]

Verärgert wurde Ende 1948 in Washington registriert, dass mit sowjetischer Unterstützung in Polen, Rumänien, Ungarn, Bulgarien und der Tschechoslowakei kommunistische Regime an die Macht gelangt waren. Diese Vorgänge widersprachen nach US-Interpretation eindeutig der in Jalta vereinbarten »Declaration on a Liberated Euro­pe«. Zum Ärger kam der Schrecken: in den USA und Kanada waren sowjetische Spionageversuche innerhalb der Atomrüstung aufgedeckt worden.[ccxcviii] Das stärkte den »Hardliner«-Flügel um Byrnes, Forrestal, Vandenberg und anderen noch einmal erheblich. Hatte doch schon Averell Harriman während der ersten Berlin-Krise 1948 Truman ausdrücklich dazu gedrängt, einen härteren Kurs zu fahren.[ccxcix]

Wie ein siamesisches Zwillingspaar ließen sich Eindämmung und offensives »Rollback« kaum trennen – wie beim Versuch, kommunistische Partisanengruppen aus Griechenland zu vertreiben und den Kommunismus, nach amerikanischer Version die sowjetische Expansion, zurückzudrängen. [ccc]

Die Rollback-Politik des Jahres 1948 war zwar weniger eine Neuentwicklung, sondern eine Rückbesinnung auf die seit der Staatsgründung vorhandene eigentliche Mission der USA, der sich die Vereinigten Staaten seit Präsident Monroe immer wieder gestellt hatten.[ccci]

Wegen seines entschlossenen Auftretens wurde Truman entgegen aller Prognosen im November 1948 in seinem Amt als Präsident bestätigt. Aber auch die grassierende Kommunistenfurcht scheint zu diesem Ergebnis beigetragen zu haben.

Langsam nehmen die gegensätzlichen Lager Konturen an. Als Antwort auf den »Brüsseler Pakt« vom 17. März 1948 gründen am 25. Januar 1949 die UdSSR, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien in Warschau den »Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe« (RGW = COMECON).[cccii] Der Rat soll nationale Volkswirtschaften im Rahmen der internationalen sozialistischen Arbeitsteilung koordinieren.

Amerika wird Teil Europas

Nach allgemeiner Lesart wollten die USA im sich verschärfenden Ost-West-Konflikt und der als bedrohlich empfundenen Militärpräsenz der Sowjetunion in Europa als Gegengewicht ein Verteidigungsbündnis aufbauen.

Dieses Bündnis wird am 4. April 1949 von den Ländern Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und den USA in Washington als Vertrag der Nordatlantikorganisation (NATO)[ccciii] unterzeichnet. Im Artikel 5, dem Kernstück des Vertrages, kamen die Vertragspartner überein, dass »ein bewaffneter Angriff auf einen oder mehrere von ihnen als Angriff gegen sie alle angesehen wird.«[ccciv] Dementsprechend stimmten sie überein, gemäß Artikel 51 der UNO-Charta dem angegriffenen Partner auch mit bewaffneten Kräften beizustehen – wobei über den Umfang nichts ausgesagt wurde.

Nachdem zusätzlich am 5. Mai in London ein Zehnmächtepakt[cccv] die rechtlichen Grundlagen für den Europarat schafft, lässt Stalin eine Woche später die Blockade Berlins einstellen.

Somit war die NATO als eine im wesentlichen militärisch legitimierte Zweckgemein­schaft entstanden, deren fraglos unausgewogene Struktur ein Ergebnis der spezifischen Ent­wicklungen bis und nach 1945 war.[cccvi] Die dominierende Großmacht USA bot bis 1949 als einzige Nuklearmacht den Westeuropäern Schutz. Damit wurde eine relative Sicherheit vor militärischer Aggression »gegen weitgehende außen- und sicherheitspolitische Abhängigkeit und Entmündigung auf globaler Ebene«[cccvii] eingehandelt.

Der Europarat, die älteste europäische Organisation, war unter anderem aus dem »American Committee for a United Europa« hervorgegangen. Bereits in Fulton hatte sich der britische Oppositionsführer Winston Churchill für eine Art »Vereinigte Staaten von Europa« ausgesprochen. Mit dem Europarat, der in die Marshall-Plan-Hilfe und NATO eingebunden war, konnten die USA ihre Stellung auf dem Kontinent weiter ausbauen. Als sichtbare Teilung Europas und Deutschlands zeigte sich die Gründung zweier deutscher Staaten – die Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai und nur 7 Tage später die Deutsche Demokratische Republik.

Zu diesem Zeitpunkt ließen die Vereinigten Stabschefs weitere Kriegspläne gegen die UdSSR entwickeln[cccviii], wobei europäische Belange berücksichtigt werden sollten: die Sicherheit der Vereinigten Staaten bedürfe im Hinblick auf Konti­nentaleuropa einer kontinuierlichen Politik, »um im frühestmöglichen Augenblick mit den Nationen Westeuropas die Fähigkeit zu entwickeln, eine Linie zu halten, die den westeuropäischen Raum deckt und vorzugsweise nicht weiter westlich als der Rhein liegt.«[cccix] Eine immer mehr nach Osten verschobene Verteidigungslinie sollte schließlich Schwerpunkt der künftigen NATO-Planung werden. Nach Artikel 9 des NATO-Vertrages hatten die Außenminister der Vertragsstaaten – der Nordatlantische Rat – den Auftrag, erforderliche Untergliederungen (subsidiary bodies)[cccx] zu schaffen.

Anläßlich der Ratifizierung des Nordatlantikvertrags im Juli 1949 formulierte USA-Senator Vandenberg einen auf die NATO gestützten globalen Anspruch, dessen Konturen erst heute richtig sichtbar werden: »Jetzt sind wir unvermeidlich der Führer und die Stütze der freien Menschen in der gesamten freien Welt«.[cccxi]

Die dazu notwendige militärische Arbeitsteilung legte Stabschef General Omar. N. Bradley mit Blick auf die eben gebildete NATO am 20. Juli 1949 dem Kongreß recht offen dar: »Erstens werden die Vereinigten Staaten mit den strategischen Bombenangriffen betraut ...‚ denn die erste Priorität in der gemeinsamen Verteidigung ist unsere Fähigkeit, Atombomben zu transportieren. Zweitens wird die Kriegsmarine der Vereinigten Staaten und der westlichen Seemächte die Hauptseeoperationen, einschließlich des Schutzes der Seewege, durchführen. Die Westeuropäische Union und die übrigen Staaten werden die Verteidigung der eigenen Häfen und Küsten übernehmen. Drittens sind wir der Meinung, dass der Hauptteil der Landstreitkräfte aus Europa kommen sollte...«.[cccxii]

Bradley konnte überzeugen: der Bau des für die damalige Zeit riesigen Flugzeugträgers »United States« mit 65000 t wurde zugunsten der Konstruktion des strategischen Bombers (B 36) vom Verteidigungsministerium gestrichen.[cccxiii]

Bereits auf seiner ersten Sitzung Mitte September 1949 in Washington schuf der NATO-Rat einen Verteidigungsausschuss (Defence Committee), bestehend aus den Verteidigungsministern, einen Militärausschuss (Military Committee), bestehend aus den Generalstabschefs der beteiligten Länder zur Beratung des Rates in militärischen Angelegenheiten, eine »Ständige Gruppe« (Standing Group), bestehend aus drei hohen Offizieren Frankreichs, der USA und des Vereinigten Königreichs als Exekutivorgan des Militärausschusses sowie fünf regionale Planungsgruppen (Regional Planing Groups).[cccxiv]

Schon Mitte November folgte das zweite Treffen. Hier wurde der Finanz- und Wirtschaftsausschuss für Verteidigung (Defence Financial and Economic Committee) und der Ausschuss für Rüstungsproduktion und Versorgung (Military Production and Supply Board)[cccxv] geschaffen.

Die strategischen Planungen der USA hatten vom Dezember 1945 mit dem Kriegsplan JIC 329/1 – ein atomarer Überraschungsangriff auf 20 Städte der UdSSR – bis zum Oktober 1949 dreizehn weitere Pläne entstehen lassen.[cccxvi] Am 19. Dezember 1949 wurde vom Vereinigten Generalstab der Kriegsplan DROPSHOT »zur Durchsetzung der Kriegsziele der Vereinigten Staaten gegenüber der UdSSR und ihren Satelliten« verabschiedet. »Am oder um den 1. Januar 1957 ist den Vereinigten Staaten durch einen Aggressionsakt der UdSSR und/oder ihrer Satelliten ein Krieg aufgezwungen worden.«[cccxvii]

So wundert es nicht, dass sich die Kriegsplanungen des Pentagon auch auf die strategischen Anfangsplanungen der NATO auswirken mussten.

Das zeigte sich schon bei den gestellten Bedingungen für ei­ne Waffenhilfe an die künftigen NATO-Partner: der am 28.10. 1949 zum Gesetz gewordene »Mutual Defence Assistance Act« wurde in jeweils bilaterale Abkommen mit den nutznießenden Nationen umge­setzt. Weiter forderten die USA eine Reihe multilateraler Verpflichtungen von den Europäern für sich.[cccxviii]

Alle NATO-Verbündeten, die Rüstungshilfe beantragt hatten, mussten sich verpflichten:

»a) die von Amerika erhaltenen, militärischen Hilfeleistungen und Ma­terialien zur Verwirklichung der Ziele und Zwecke des Atlantikpaktes zu verwenden, d.h. im Kriegsfall die jetzt in Ausarbeitung begriffenen strategischen Pläne zu befolgen; b) das erhaltene Material nicht ohne Zustimmung weiter zu verkaufen oder an eine andere Nation weiterzugeben; c) wenn immer möglich, den Vereinigten Staaten ihrerseits Hilfe zukommen zu lassen.«[cccxix]

Den ersten Strategieentwurf (SG/I) – betitelt »Das strategische Konzept zur Verteidigung des nordatlantischen Raumes« – erstellte die Ständige Gruppe schon am 10. Oktober.[cccxx] Einen Tag später leitete der Militärausschuss dieses Dokument nun mit der neuen Kennzeichnung DC 6 dem Verteidigungsausschuss zu. Nach Veränderung wurde das erste Strategiedokument der NA­TO, das auf ministerieller Ebene gebilligt worden war[cccxxi], am 1. Dezember 1949 unter der Kennziffer DC 6/1 veröffentlicht.

Die Übereinstimmung der Ziele des NATO-Vertrages mit den Zwecken und Grundsätzen der UNO-Charta wurden in der Präambel von DC 6/1 festgestellt. Dazu sollten sowohl die politischen, wirtschaftlichen, psychologischen und militärischen Mittel der Bündnispartner integriert werden[cccxxii]

Der Präambel folgen die Grundsätze für eine Verteidigung im Bündnis: gemeinsames Handeln in der Verteidigung gegen bewaffnete Angriffe durch Selbst- und gegenseitige Hilfe, Leistungen der Partner nach ihrem Vermögen, Einsicht, dass wirtschaftlicher Wiederaufbau und wirtschaftliche Stabilität wichtige Elemente der Sicherheit sind, ein Maximum an Effizienz der Streitkräfte mit einem Minimum an Personalkosten und Materialaufwand als Ziel der Verteidigungsplanung, Aufgabenerfüllung durch die Nation, die von der Lage her am besten geeignet ist[cccxxiii].

Der dänischen Regierung[cccxxiv] bereitete der Umstand Kopfschmerzen, dass die »Allianz die Fähigkeit zu strategischen Bombardierungen, eingeschlossen den sofortigen Einsatz der Atombombe haben sollte.«[cccxxv] Der Kompromiss lautete dann »die Allianz sollte die Fähigkeit zu sofortigen strategischen Bombardierungen mit Einsatz aller Mittel, die mit allen Waffen ohne Ausnahme möglich sind, haben«[cccxxvi].

Trotz des Kompromisses war der sofortige strategischen Einsatz auch mit nuklearen Mitteln möglich und ließ das massive, ja totale Ausmaß eines zukünftigen Krieges erahnen. Umstritten war bei den Kontinental-Europäern auch der Auftrag, die Abwehr feindlicher Angriffe und Gegenangriffe mit allen Mitteln in der Luft, zur See und auf dem Land zu organisieren. Der harte Kern der Landstreitkräfte sollte zunächst durch die Europäer gestellt werden.[cccxxvii].

Auch waren die Europäer wenig angetan, dass im Kriegsfall die USA nur die strategischen Luftstreitkräfte, die Bündnispartner aber die Masse der Bodentruppen und die Masse der taktischen Luftunterstützung zu stellen hatten.[cccxxviii]

Zu den weiteren Aufträgen gehörte die Sicherung der Verbindungslinien zu Wasser und in der Luft sowie der Häfen und anderer Versorgungseinrichtungen. Auf dem offenen Meer lagen diese Zuständigkeiten hauptsächlich bei den Amerikanern und Briten[cccxxix].

Das Unverständnis der Kontinental-Europäer lässt sich nur durch mangelnde Geschichtskenntnisse erklären. Hatte doch schon Englands weitsichtiger und machtbesessener Außenminister William Pitt während des siebenjährigen Krieges – in England und Nordamerika nur als »Indian War bekannt« – bekundet, dass die englische Manneskraft der See gehöre. Die einzige Streitmacht sah er in der Flotte, während er auf Expeditionsarmeen tunlichst verzichten wollte. Auf dem Kontinent sollte das englische Geld arbeiten.[cccxxx] Pitt hatte die Wesensmerkmale einer Seemacht begriffen. Und im Jahr der NATO-Gründung waren Großbritannien und die USA Seemächte!

Eine Blaupause für die Welthegemonie?

Der britische Geopolitiker Peter J. Taylor zeigt in seinem Werk auf, dass die geopolitische Ordnung, die dem Kalten Krieg voranging, in der britischen Erbfolge – der Pax Britannica – zu suchen ist. Beide Weltkriege deutet er als »Kampf um die britische Erbfolge zwischen Deutschland und den USA«[cccxxxi]. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war das einflussreiche britische Staats-Empire durch ein neues amerikanisches Wirtschafts-Empire vertauscht.[cccxxxii]

Im Gegensatz zu den »Isolationisten« waren die »Universalisten« nicht überzeugt, dass die USA im Schutz beider Ozeane vor auswärtiger Bedrohung sicher seien. Sie fürchteten eine militärische Einkreisung immer dann, wie einer der führenden amerikanischen Geostrategen der US-Nachkriegsgeschichte Nicholas J. Spykman in seinem vielbeachteten Buch 1942 schrieb, wenn die transatlantische und die transpazifische Region in der Hand einer Macht oder Mächtegruppe vereint waren.[cccxxxiii]

Im Jahr 1943 schlug Spykman weitsichtig vor, die »europäische Machtzone durch ein System regionaler Bündnisse von Nationen mit den USA als ein besonderes regionales Mitglied«[cccxxxiv] anzustreben und nahm damit bereits die Gründung der NATO voraus: Als wichtigstes politische Ziel sei die Vereinigung der Machtzentren der Alten Welt zu verhindern.

So entwickelte sich der »Atlantizismus«, das Streben, die Gegenküsten des Atlantiks zu besetzen, als eine besondere Spielart staatsreligiöser Expansion – verwoben mit einem geopolitischen Katechismus.[cccxxxv] Im Rahmen dieser amerikanischen Weltanschauung stülpte das amerikanische Establishment, um Galleo und Rowland zu zitieren, »ein Protektorat über Europa, vollendet durch die NATO«[cccxxxvi]. Dank der angelsächsischen Wurzeln erscheint ihnen der »Atlantizismus« weniger systematisiert und weniger doktrinär«[cccxxxvii]. So hatte Hull´s Freihandel-Imperialismus Machtzuwachs erhofft, aber kein neues Römisches Empire mit dem Atlantik als »mare Nostrum« schaffen wollen.

In der Marine sah Admiral Mahan ein Vehikel zur Eroberung neuer Märkte, ein Instrument der »Open Door«-Politik sowie als geopolitisches Raum-Management. Die Architekten des amerikanischen Empire wünschten die NATO in eine ähnliche Rolle. Mit dem Marshall-Plan, auf den bald die NATO folgte, begann die frühe Ära der amerikanischen militärischen, politischen und ökonomischen Herrschaft über Europa, bringt es Stephen Ambrose auf den Punkt.[cccxxxviii] Und Senator Tom Conally fügt hinzu, dass »der Atlantik-Pakt immerhin die logische Ausdehnung der Monroe-Doktrin« sei.[cccxxxix] Und heute durchdringt auch die »Frontier-These« der amerikanischen Außenpolitik die NATO.

[...]


Vorwort

[1] Nach John Newhouse, Krieg und Frieden im Atomzeitalter, München 1990, S.72.

[2] Woit, Ernst: Die Gefahr des nuklearen Omnizids und der subjektive Faktor Mensch, in DSS-Arbeitspapiere Heft 93 – 2009, S. 14 – 23, hier S. 15

[3] Bald, Detlef: Hiroshima, 6. August 1945. Die nukleare Bedrohung, München 1999, S. 68

[4] Lee Butler, Zwölf Minuten, um über das Schicksal der Menschheit zu entscheiden, in: Frankfurter Rundschau vom 01.09.1999.

[5] Zitiert in Woit, Ernst: Die Gefahr des nuklearen Omnizids und der subjektive Faktor Mensch, in DSS-Arbeitspapiere Heft 93 – 2009, S. 14 – 23, hier S. 19

[6] Butler, Lee: Sind Atomwaffen notwendig? Vortrag von General a.D. Butler am 11. März 1999 bei einem Runde-Tisch-Gespräch für das Canadian Network to Abolish Nuclear Weapon.

[7] ebenda

[8] Kleinert, Peter: Wollte Helmut Schmidt wirklich den Einsatz atomarer Landminen verhindern?„Politik der Verantwortung“, in nrhz Nr. 181 vom 21. Januar 2009 unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13361

[9] Vgl. Nolte 1974. Da Nolte den Konflikt und die Art seines Ablaufs insgesamt als geschichtsnotwendig erscheinen lässt, hält ihn der Historiker Wilfried Loth ungerechtfertigterweise an vielen Stellen in einer Wiedergabe des traditionellen Selbstverständnisses befangen. Vgl. als Diskussion des Nolteschen Entwurfs Loth, Wilfried: Der ‘Kalte Kriege in deutscher Sicht. In: Deutschland-Archiv 9/1976), S.204-213.

[10] Das war jedoch nur Frankreich unter de Gaulle gelungen. Loth, Wilfried: Was war der Kalte Krieg? Annäherung an ein unbewältigtes Erbe, unter http://www.dhm.de/~roehrig/ws9596/texte/kk/dhm/was.html (Stand 03. Februar 2010)

[11] Defense of Department (DoD): Base Structure Review 2009, unter http://www.defense.gov/pubs/pdfs/2009Baseline.pdf

[12] Patton, Mark: Contract awarded for Wiesbaden USAREUR center, in Stars and Stripes, European edition, Tuesday, October 20, 2009, aufgerufen unter http://www.stripes.com/article.asp?section=104&article=65500

[13] Zu den Aufgaben von USAREUR zählte General Perkins neben der Ausbildung weiter auf: „schickt Einheiten an die Front, holt sie von dort wieder zurück und sichert die Lebensqualität für die Soldaten und ihre Familien [an ihren europäischen Standorten]."

[14] Dougherty, Kevin: An der USAREUR-Zukunft wird noch gebaut, in STARS AND STRIPES, 28.02.08
http://www.stripes.com/article.asp?section=104&article=60285&archive=true

[15] Sieburg, Friedrich: Die Lust am Untergang. Selbstgespräche auf Bundesebene, Hamburg 1954

[16] vgl. http://www.nur-zitate.com/autor/Robert_Strange_McNamara.html (Stand: 04.02.2010)

[17] Weizsäcker, Carl Friedrich von: München 1971, S. 264

[18] Hammerthaler 1999, S. 15

[19] Dazu sind zwei Aufsätze von Ernst Woit besonders hilfreich: "Kolonialkriege für eine Neue Weltordnung" in DSS-Arbeitspapiere Heft 64 2003 sowie "Geostrategische und ideologische Aspekte der EU-Integration Europas" in DSS-Arbeitspapiere Heft 73 2005.

Einführung

[20] Handelsblatt Management Bibliothek: „Die wichtigsten Philosophen für Manager“, Bd. 07, 2005, S. 160

[21] Homer Lea, 1876 in San Francisco als Sohn eines reichen Geschäftsmanns geboren, verwehrten gesundheitliche Probleme die militärische Ausbildung in West Point. So widmete er sich im Selbststudium strategischen, geographischen und politischen Fragen. Der chinesische Reformer SunYatsen ernannte ihn zu seinem Militärberater, beförderte Homer Lea zum General und sicherte ihm so militärische und politische Wirksamkeit, internationale Aufmerksamkeit und öffentliche Anerkennung.

[22] Homer Lea, Die Stunde der Angelsachsen. Aus dem Englischen von Margarita S. de Planelles, Bern 1946, S. 185. Amerikanische Erstausgabe: Homer Lea, The Day of the Saxon, New York 1912 (zweite Auflage New York 1942). Deutsche Erstausgabe: Homer Lea, Des Britischen Reiches Schicksalsstunde. Mahnwort eines Angelsachsen. Aus dem Englischen und mit einer Einführung von Graf Ernst zu Reventlow, Berlin 1913

[23] Die Bezeichnung »asymmetrische Kriegführung« kam nach dem Ende des Kalten Krieges auf, als die klassischen »symmetrischen« Kriege zwischen Staaten an Bedeutung verloren und dafür der moderne Terrorismus die Bedrohungsszenarien vieler Länder bestimmte.

[24] Stöver 2007

[25] Gaddis 2007

[26] George F. Kennan »X«, The Source of Soviet Conduct, in Foreign Affairs, 25,1947, Heft 7.

[27] Siehe dazu Kennan, George F.: Im Schatten der Atombombe: eine Analyse der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen von 1974 bis heute. Köln 1982

[28] Wie Zervas in Griechenland, Mihailowitsch in Jugoslawien, die Zogisten und die Republikaner in Albanien; in: Burnham 1950, S. 101

[29] Unter dem deutschen Titel „Der Weg zur Knechtschaft“2004 in Tübingen erschienen.

[30] Siehe Sherry 1977, S. 53

[31] Stalin hatte sich dennoch vor allem mit Churchill vor und dann auf der Konferenz von Jalta Anfang 1945 auf einen Aufteilungsplan für Osteuropa eingelassen ("75%" für Stalin in Rumänien, Bulgarien und Ungarn, "50:50" in Jugoslawien und "100%" (!!!) für Churchill in Griechenland, der dann unter Stalins Wohlwollen ab 1944 die machtvolle, KP-dominierte griechische Partisanenbewegung mit seinen britischen Truppen niederschlagen ließ.

[32] (später Zentrale Vertragsorganisation, Central Treaty Organization, CENTO, 1955 bzw. 1959, die 1979 wieder aufgelöst wurde.

[33] Im Kalten Krieg von westlicher Seite aus vornehmlich als Warschauer Pakt (WP) bezeichnet, da »Pakt des Bösen«.

[34] Für John L. O’Sullivan hatte Gott den USA den Auftrag gegeben, auf dem gesamten amerikanischen Kontinent aktiv und zur Not mit Gewalt Fortschritt, Zivilisation und Handel zu verbreiten. Prof. Dr. Michael Hochgeschwender weist darauf hin, dass die beiden mit Abstand wichtigsten religiösen Gruppierungen der 1840er Jahre in den USA - die postmilleniaristischen evangelikalen Christen und die Katholiken - mit der Idee des manifest destiny und seiner praktischen Umsetzung im Krieg mit Mexiko 1846 wenig bis gar nichts

anfangen konnten. Siehe auch Michael Hochgeschwender: Die USA - ein Imperium im Widerspruch, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 3 (2006), H. 1, Textabschnitt Nr. 7.

[35] Die traditionelle These ist schon 1946/47 besonders eindrucksvoll von dem damaligen amerikanischen Botschaftsrat George F. Kennan in seinem »langen Telegramm« vom 22. Februar 1946 formuliert worden. Kennan 1971, S. 552-568 und in seinem anonymen (Mr. X.) Artikel in der Zeitschrift Foreign Affairs 25 (1947) S. 566-582 vgl. John L. Gaddis, Containment: A Reassessment. In: Foreign Affairs 55 (1977), S. 873-887. Siehe auch Tucker 1971; Siracusa 1973; Loth, Wilfried: Der “Kalte Krieg” in der historischen Forschung. In: Niedhart (Hrsg) 1980.

[36] Die revisionistische These ist zunächst ansatzweise von inneramerikanischen Gegnern der Trumanschen Außenpolitik wie dem ehemaligen Vizepräsidenten Henry - A. Wallace und europäischen Gegnern der Westintegration entworfen worden. Vgl. Hamby, Alonzo, L.: Henry A. Wallace, the Liberals and Soviet-American Relations, in: Review of Politics 30/1968, S. 153-169

[37] Richtungweisend die zahlreichen Arbeiten des amerikanischen Historikers William A. Williams mit ihrer systematischen Deutung des säkularen Zusammenhangs der amerikanischen Politik. Vgl. Williams 1972 (deutsch 1973). Mit den Untersuchungen der vom Protest gegen die amerikanische Kriegführung in Vietnam geprägten »Neuen Linken« Ende der sechziger und zu Beginn der siebziger Jahre verstärkten vor allem der Williams-Schüler Gabriel Kolko sowie Lloyd C. Gardner, Barton J. Bernstein, David Horowitz, Gar Alperowitz und Thomas G. Paterson diese Denkrichtung; vgl. Kolko 1968; Kolko, Joyce and Gabriel 1972; Horowitz 1965 (deutsch 1969).

[38] Für den einflussreichen zeitgenössischen Geostrategen Zbigniew Brzezinski sind geostrategische Akteure „jene Staaten, die die Kapazität und den nationalen Willen besitzen, über ihre Grenzen hinaus Macht oder Einfluß auszuüben, um den geopolitischen status quo in einem Amerikas Interessen berührenden Ausmaß zu verändern.“(Brzezinski, Zbigniew: Die einzige Weltmacht, Frankfurt a. M. 1999, S. 66f)

Das Wörterbuch zur Sicherheitspolitik hält unter Geostrategie die „Konzeption für die planmäßige Realisierung strategischer und sicherheitspolitischer Ziele unter Berücksichtigung geographisch und geopolitisch bestimmter regionaler und weltweiter Bedingungen“ fest(Ortwin Buchbender, Hartmut Bühl, Harald Kujat, Karl H. Schreiner, Oliver Bruzek: Wörterbuch zur Sicherheitspolitik mit Stichworten zur Bundeswehr, Hamburg/Berlin/Bonn 2000.)

[39] Sir Halford J. Mackinder, The Round World and the Winning of the Peace, New York Council on Foreign Relations, Foreign Affairs, Jahrg. 21, Nr. 4, Juli 1943, S. 599–601

[40] Bereits im Herbst 1945 sah der Plan mit Namen TOTALITY (JIC 329/1) einen Atomangriff auf die Sowjetunion mit 20 bis 30 Atombomben vor. Details in Kaku/ Axelrod 1987, S. 30–31.

[41] Zitiert in Jentzsch, Barbara: Erst Trotzkist, dann Republikaner. Der Soziologe und Theoretiker James Burnham würde heute 100 Jahre alt; in: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kalenderblatt/439652/ vom 22. November 2005

[42] Sommer, Theo: Krieg ohne Kriegserklärung. Wird aus Vietnam ein zweites Korea? Amerika hat sich, unwiderruflich engagiert, in DIE ZEIT vom 23.02.1962 Nr. 08

[43] Operation Rückenwind, in DER SPIEGEL 25/1998, S. 136f.

[44] Commission on Integrated Long Term Strategy

[45] Diese militärtheoretische These besagt, dass in bestimmten Abständen der Menschheitsgeschichte Doktrinen, Strategien, Taktiken oder Technologien zu einer unwiderruflichen Umwälzung der Kriegsführung geführt haben.

[46] President Bush's speech to Congress, March 6, 1991

Von der Peripherie ins globale Zentrum

[47] Hannah Arendt ist voll des Lobes für die amerikanische Revolution und deren Ergebnis, den »persuit of happiness«; vgl. Arendt 1994. Angesichts der häufig anzutreffende Überhöhung der amerikanischen Revolution muß auf die revolutionsfreie Entwicklung Kanadas verwiesen werden. Das Nachbarland – letztmalig 1811 von US-Truppen überfallen – hat die Ideale von Freiheit und Recht viel tiefer entwickeln können. Bot es früher verfolgten US-Sklaven Asyl, so sind es heute die US-Deserteure des Irakkrieges; vgl. Effenberger/Löw 2004

[48] Constitution, United States, Constellation, Chesapeake, Congress, President

[49] Nach Gene­ralüberholung wurde die USS-Constitution – seit 1907 Nationales Denkmal – Ende 2007 in Boston mit Pomp gefeiert und als Museumsschiff wieder in Betrieb genommen. Ihren Spitznanem 'Old Ironsides' bekam sie im Gefecht mit der englischen Fregatte 'Guerriere', als die Kugeln dieses Schiffes an ihren mit Kupferplatten bewehrten Bordwänden abprallten.

[50] Nach der Kapitulation Napoléon Bonapartes 1814 konnte Großbritannien seine Aufmerksamkeit jedoch wieder vollständig auf Amerika richten und am Ende des gleichen Jahres zum Friedensschluß zwingen.

[51] Heute bekämpfen US-Kriegsschiffe immer häufi­ger Freibeuter vor der afrikanischen Ostküste. Ende Oktober 2007 schoss der Zerstörer USS-Por­ter ein Piratenschiff vor Somalia in Brand, während die USS-James E. Williams einem nordkoreanischen Frachter zu Hilfe eilte.

[52] Vgl. Oren, Michael B.: Power, Faith, and Fantasy. America in the Middle East, 1776 to the Present. New York 2007 sowie Detlev Quintern, To the shores of Tripolis. Die USA im Mittelmeer um 1800 – Zum Entstehungsmythos der US-Navy, in: Roder 2000

[53] Vgl. Effenberger, Pfeiler 2005

[54] Vgl. Foner, Eric: American Freedom in a Global Age unter http://www.historycooperative.org/journals/ahr/106.1/ah000001.html From The American Historical Review Vol. 106, Issue 1. Viewed September 11, 2007 6:31 EDT; vgl. Horsman 1991, S. 1–4 ebenso Tucker/Hendrickson 1990.

[55] Weitere eindrucksvolle Zitate bei Wehler 2001, S. 55-61, von denen einige hier noch folgen; auch ders. 1984

[56] Getragen von Timothy Dwight, Lyman Beecher, Nathaniel W. Taylor und vor allem dem konvertierten Rechtsanwalt Charles Grandison Finney.

[57] Siehe Stephenson 1995, S. XI

[58] Vgl. Raeithel, G., Geschichte der nordamerikanischen Kultur, 3 Bde., Bd. 1, Vom Puritanismus bis zum Bürgerkrieg 1600-1860, Frankfurt/M. 1997, S. 275. Zur Idee der „Manifest Destiny“ vgl. nach wie vor die grundlegende Arbeit von Weinberg 1935. Zur „Verallgemeinerung der Erwähltheitsidee“ in der US-Politik und zu ihrer Globalisierung vgl. insbesondere auch Zöller, M., Politische Kultur und politische Soziologie, in: Adams W. P. u.a. (Hrsg.), Länderbericht USA, 2 Bde., Bd. 1: Geographie, Geschichte, Politische Kultur, Politisches System, Wirtschaft, Bonn 21992, S. 281-302; hier: S. 295ff.

[59] Vgl. Stephenson 1995, S. XI

[60] Strong 1885, S. 20, zitiert in LaFeber 1963, S. 74

[61] Vgl. Saldívar 1997, hierin hinterfragt Saldívar den Mythos der (anglo)amerikanischen manifest destiny-Ideologie und ihrer parteiischen Geschichtsschreibung, der er Autoren wie Américo Paredes und Rolando Hinojosa-Smith entgegenstellt.

[62] Zusammengefasst im populären Schlagwort: »Amerika den Amerikanern«.Durch den Begriff »Doktrin« jeder Kritik enthoben, vgl. Wehler 1983, S. 101.

[63] Wehler 1983, S. 117

[64] Mc Cormick, Thomas: "Inselimperialismus und 'Offene Tür': Der chinesische Markt und der spanisch-amerikanische Krieg"; in: Wehler 1979, S. 400

[65] Wehler 1987, S. 34

[66] Mc Cormick in Wehler 1979, S. 400 f

[67] Zit. n.: Millis 1958, S. 129

[68] Zitiert in Kreitor, Nikolai: NATO and the Architects of American Lebensraum, in: http://www.alternatehistory.com/shwi/American_Imperialism_and_Geopolitics.txt vom 17. Oktober 2007

[69] Nach 1945 sollten Militärbasen in Japan und Südkorea folgen.

[70] Bereits am 10. November 1775 hatte die kolonialen Kongressversammlung die »Continental Marines« aufgestellt – Vorläufer des heutigen Marine Corps. Ihr erster Einsatz erfolgte weit außerhalb der Kolonien am 3. März 1776 in New Providence auf den Bahamas.

[71] Palmer 1857, S. 13

[72] American Heritage. Bd. 9. Nr. 3. New York 1958, S. 594

[73] Im Frühjahr 1898 wurde zeitgleich fast ohne Gegenwehr die spanische Kriegsflotte vor Kuba und den Philippinen auf den Grund geschickt.

[74] Mc Cormick, in Wehler 1979, S. 408

[75] Ist in dieser Kalkulation ein Faktor Null, dann ist auch das Produkt Seemacht Null.

[76] Vgl. Pringle 1931, S. 409ff.

[77] Im »Washingtoner Flottenabkommen« von 1922 zogen die USA in ihrer Flottenstärke mit Großbritannien gleich, aber mit einem großen Vorsprung vor Japan und einem noch größeren vor Frankreich und Italien.(Verhältnis der Flottenstärke 5 : 5 : 3 : 1,75 : 1,75).

[78] Beherrschte die Republik Venedig die wichtigen Seewege des Mittelmeers, so stellte die Hanse im Ostseeraum eine Seemacht dar. Die Weltmacht des Britischen Empire basierte vor allem auf seiner Stärke zur See.

[79] Geiss, Imanuel: Die Neue Heilige Allianz: Krieg gegen Terror und Asymmetrischen Krieg, in: Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts unter http://www.stiftung-sozialsgeschichte.de/index.php?selection=17&zeigebeitrag=10 vom 12. September 2007

[80] William Appleman Williams: Amerikas "idealistischer" Imperialismus 1900 - 1917; in: Wehler 1979, S. 426

[81] Lippmann gehörte als Sekretär dem Expertenstab der sogenannten Inquiry an, die eine Nachkriegsordnung entwerfen sollte; unter seiner Leitung erarbeitete das Team den ersten Entwurf der berühmten »14 Punkte«, die Wilson am 8. Januar vor dem Kongreß seine Punkte als amerikanisches Friedensprogramm verlas, Vgl. Gelfand 1963, S. 134-153.

[82] The Defense of the Atlantic World. 'The New Republic' vom 17. Februar 1917; in: Lippmann 1970, S. 74f

[83] Source Records of the Great War, Vol. V, ed. Charles F. Horne, National Alumni 1923

[84] Nach der russischen Februarrevolution von1917 kabelte der amerikanische Botschafter Francis um Erlaubnis, die Provisorische Regierung umgehend anerkennen zu dürfen, da »diese Revolution die praktische Verwirklichung des Regierungsprinzips [darstellt], das wir verteidigt haben«. Botschafter Francis an State Department, 18. März 1917; zit. nach Hellmann 1964, S. 164

[85] Baker /Dodd (Hrsg.) 1927, Bd. I, S. 12f.

[86] 42,8 (Millionen) Deutsche, 30,5 Iren, 24,9 Afro-Afrikaner, 24,5 Engländer, 18,4 Mexikaner, 15,6 Italiener, 9,0 Polen u.w.m. Zahlen vom U.S. Census Bureau, Census 2000 in: www.census.gov/prod/cen2000/doc/sf3.pdf vom 28. September 2007

[87] Wilson 1913, S. III

[88] Wilson 1913, S. 225

[89] »Wie alle aus der Volkswahl hervorgegangenen Vertretungen bewilligt der Reichstag die Steuern und unterwirft die Regierung scharfer Kritik« zitiert in Wilson, Der Staat. Berlin 1913, S. 235

[90] Karuscheit, Heiner: Von der Open-Door-Politik zum Rohstoffimperialismus, in: http://www.kommunistische-debatte.de/Imperialismus/usa2007.html vom 17. Oktober 2007

[91] Bei Kriegsbeginn hatte vor allem das Bankhaus Morgan 2,3 Milliarden Dollar der Entente geliehen. Für damalige Verhältnisse eine ungeheure Summe. Im Vergleich dazu hatte das Deutsche Reich amerikanische Darlehen in Höhe von 27 Millionen Dollar erhalten.

[92] Dahms 1989, S. 167

[93] Das nach seinen Räumlichkeiten auch als Chatham House bekannt wurde.

[94] Die Diktatur des Proletariats war auch eine Diktatur über das Proletariat!.

[95] Zetkin 1977, S. 406; Vgl. Deutscher 1962, S. 279f

[96] Hobsbawm 1995, S. 79; für Solschenizyn ist die »sogenannte Oktober-Revolution nur ein Mythos, den sich die Bolschewiki nach ihrem Sieg zurechtgelegt haben und den sich der auf den Fortschritt fixierte Westen völlig zu eigen gemacht hat. Am 25. Oktober 1917 gab es in Petrograd einen gewaltsamen Staatsstreich. Er war eher für einen Tag konzipiert, methodisch aber brillant vorbereitet. Und zwar von Leo Trotzki, denn Lenin musste sich in jenen Tagen noch wegen Hochverratsbeschuldigungen versteckt halten.« Solschenizyn: "Mit dem Blut von Millionen geschrieben", Interview in SPIEGEL ONLINE – am 23. Juli 2007 unter :http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,496046,00.html vom 26. August 2007

[97] Gorter, Hermann: Die russische Revolution, 1918, in: Gorter/ Pannekoek 1969, S. 102ff.

[98] Das Wörterbuch der Geschichte (Bd. 1, Berlin (Ost) 1983, S. 427) bezeichnete die »Große Sozialistische Oktoberrevolution« (G.S.O.) als Leitrevolution einer neuen »Epoche des weltweiten Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, des Untergangs des Kapitalismus und des Sieges des Sozialismus.«

[99] Gaddis 1978, S. 82f.

[100] Gaddis, 2007, S. 19; Hannah Arendt betont im ersten Kapitel (Über die Revolution) – »Der geschichtliche Hintergrund« – den großen Einfluss der amerikanischen Gesellschaft vor der Amerikanischen Revolution auf die europäischen Völker.

[101] Gaddis 2007, S. 19f.

[102] Filene 1967, S. 206f

[103] Conquest 1986, S. 311

[104] Hitler hatte 1936 den Vertrag von Locarno aufgekündigt und Truppen in die entmilitarisierte Rheinlandzone marschieren lassen sowie zur Unterstützung Francos den deutschen Freiwilligenverband „Legion Condor“ nach Spanien entsandt.

[105] Aus Präsident F.D. Roosevelt . Amerika und Deutschland 1936-45. Auszüge aus Reden und Dokumenten. Herausgegeben im Auftrag der Regierung der Vereinigten Staaten, o.O. o.J. (1949?), S. 11

[106] ebda, S. 12f.; vgl. auch Peace and War: United States Foreign Policy, 1931-1941, S. 49

[107] 1938 billigt der US-Kongreß das »Zwei-Ozean-Flotten-Programm«. Flottenrüstung von 1933, 1938, 1941,1945: Flugzeugträger 2,5,7,30; Schlachtschiffe 10,15,17,25; Kreuzer 17,27,43,75; Zerstörer 60,213,171 (am 2. September 1940 hatten die USA mit Großbritannien den Tausch von 50 alten Zerstörern gegen Militärstützpunkte auf Neufundland, den Bermudas, Bahamas, Jamaica, Santa Lucia, Trinidad, Antigua und Britisch Guayana vereinbart), 391; U-Boote 39,84,114,277. Damit verfügten die USA 1945 über die größte Kriegsflotte der Welt.

[108] Übersicht der US-Interventionen in Übersee von 1918 bis 1941: 1918/19 Mexiko, 1918/20 Panama. 1919 Honduras, 1920 China, 1920, Guatemala, 1921 Panama/Kostarika, 1922 Türkei, 1924-27 China, 1932 El Salvador, 1933/34 Kuba, 1935/37 Puerto Rico, 1940 Neufundland, Bermuda, St. Lucia, Jamaica, Antigua, Trinidad und Britisch-Guyana, 1941 Grönland, Niederländisch-Guyana, Island. Nach Congressional Record-Senate, 10. September 1969, abgedruckt in: Krippendorf 1970, S. 52ff.

[109] Am 24. März 1927 beschossen der amerikanische Panzerkreuzer Pittsburg und der Zerstörer Preston sowie ein britisches Kriegsschiff die Stadt Nanjing, wobei etwa 2000 Menschen getötet wurden. Insgesamt befanden sich 44 Kriegsschiffe der USA (bis 1941) in chinesischen Gewässern, um u.a. der Jiang-Jieshi-Gruppe im Kampf gegen die kommunistische Partei beizustehen.

[110] Dahms 1989, S. 34

[111] ()Gesamtzahl: 3 Marschälle (5); 13 Armeekommandanten (15); 8 Admirale (9); 50 Korpskdr (57); 154 DivKdr (186); Polit-Kommisare: 16 der Armee (16); 25 der Korps (28); 58 der Divisonen (4); 11 stv. Volkskommissare für Verteidigung (11); 98 Mitglieder des Obersten Militärrates (108); 43.000 Bataillonskommandeure/Kp-Chefs

[112] vgl. Sacharow 1974 sowie Hannes Stein: Im Taumel der Zahlen. In Russland beziffert man die Opfer kommunistischer Herrschaft mittlerweile auf 32 Millionen. In: Die Welt vom 31.10.2001

[113] aus Tuchman 1984, S. 333

[114] Der Begriff GULAG, durch Soschenizyns 'Archipel Gulag' in die allgemein Umgangssprache eingegangen, ist eine Abkürzung. Sie heißt Hauptverwaltung der Lager und war eine Abteilung im Volkskommissariat/Ministerium für Inneres (NKWD, MWD) der UdSSR.

[115] Wolkogonow 1989. S. 18

[116] Vgl. Davies/Wheatcroft 2004. Die grausige Bilanz der Autoren vom »Schwarzbuch des Kommunismus« kommt weltweit auf mehr als 80 Millionen Tote, welche die Vision von der klassenlosen Gesellschaft gekostet hat. Das Schwarzbuch benennt auch die Mitwisser und intellektuellen Mittäter im Westen, dies sich 90 Jahre blind und taub machten – manche bis heute (vgl. Courtois (Hrsg.) 2004).

[117] Ebenfalls nach den gängigen Klischees von Gut und Böse sowie blinder Heldenverehrung kam im Jahr 2000 das in Hollywood verfilmte Revolutionsspektakel »Der Patriot« auf die Bühne. Und böse waren hier die Engländer. Als Widersacher des Helden darf Jason Isaacs den abscheulichen, brutalen und hassenswerten englischen Dragonerobersten Tavington als Karikatur der Niedertracht verkörpern, wobei ein verachtungswürdiger Loyalist in der Rolle des untergebenen Captains willig die verbrecherischen Befehle des zynischen Colonels ausführt.

[118] Rummel 2003

[119] Vgl. Akten zur deutschen Auswärtigen Politik 1918-1945. Serie D (1937-1945) Band VII: Die letzten Wochen vor Kriegsausbruch 9. August bis 3. September 1939, Baden Baden 1956

[120] Akten zur deutschen Auswärtigen Politik 1918-1945. Serie D (1937-1945) Band VII: Die letzten Wochen vor Kriegsausbruch 9. August bis 3. September 1939, Baden Baden 1956, S. 315

[121] Vgl. Karte »Die zwischen der Deutschen Regierung und der Regierung der UdSSR festgelegte Demarkationslinie zwischen dem Deutschen Heer und der Roten Armee; in Blumenwitz, Dieter: Denk ich an Deutschland Antworten auf die deutsche Frage, München 1989, S. 64

[122] Auf der Konferenz in Jalta vom 4. bis 11.2.1945 bestätigten die Alliierten erneut die polnische Ostgrenze entlang der Curzonlinie, wobei Stalin die Städte Przemyśl, Tarnopol und Bialystok an Polen fallen ließ. Auf der ersten Konferenz der Alliierten Mächte Großbritannien, USA und UdSSR in Teheran vom 28.11.bis 1.12.1943 einigte man sich, den Verhandlungen die Formel zugrunde zu legen, dass die Heimstatt des polnischen Staates und Volkes zwischen der sog. Curzonlinie und der Oderlinie liegen soll unter Einbeziehung von Ostpreußen und der Provinz Oppeln in den Bestand Polens (Lehmann 1979, S.27).

[123] Die mit den Interventionstruppen und den „Weißen“ Armeen der Generale Dedekin, Wrangel, Miller und des Admirals Kolschak im Kampf stehende Roten Armee gelangt es zwischenzeitlich, Budjonnis „Proletarische Reiterarmee“ aus dem Kampf zu ziehen und mit Erfolg gegen die polnischen Eindringlinge zu werfen. Bald stand Budjonnis Armee vor Warschau und damit an der Weichsel.

Dieser Teil fehlt heute in den meisten »Geschichtswerken«, die gleich mit dem »Wunder an der Weichsel« beginnen. Und dieses polnische Wunder wird mit Hilfe alliierter Unterstützung möglich. Der französische General Weygand und seine Hilfskräfte wurden in militärischer Mission nach Warschau entsandt. So unterstützt konnte das Wunder beginnen und die Polen ihre Ostgrenze um annähernd 250 km nach Osten zu verschieben.

[124] Goguel 1959, S. 863, 928 f.

[125] »Einmal drangen wir in der Tschechoslowakei ein und nahmen die Region Teschen in Besitz. Dann richteten wir ein Ultimatum an Litauen, das sich zurückziehen musste- Überall Defilees und Paraden; eine ständige Zurschaustellung von Macht,« so der ehemalige polnische Präsident Jaruzelski in seinen Erinnerungen; Jaruzelski 1992, S. 41

[126] Landau, Joseph.: Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. Band für 1921. Rückblick auf 5682 und 5683, S. 12

[127] Neben dem deutschen »Selbstschutz Oberschlesien« sammelten sich in Schlesien das Freikorps Oberland, die Einheit des Düsseldorfer RjF- (Reichsbund jüdischer Frontsoldaten) Vorsitzenden Alwin Lippmann und im Sturmbataillon Heinz Hauenstein die Batterie von Leo Schlageter.

[128] Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung unter http://library.fes.de/library/netzquelle/zwangsmigration/32besatzpl.thm vom 26. August 2007

[129] »50 Jahre lang leugnete Moskau die Existenz dieser Dokumente, um seinen Landgewinn zu bewahren die drei baltischen Republiken, die Westgebiete Belorußlands und der Ukraine, Bessarabien und die Nord-Bukowina. Zum 50. Jubiläum des Landräuber-Pakts 1989 prüfte ein Untersuchungsausschuss des Volksdeputiertenkongresses unter Vorsitz des Gorbotschow-Vertrauten Alexander Jakowlew die Beweislage und kam noch dramatischen Auseinandersetzungen zu dem Schluss, die Protokolle habe es gegeben. Das Parlament annullierte darauf Pakt samt Zusätzen. Den Hintergrund beschreibt der Moskauer Historiker Lew Besymenski, 70, einst Vernehmungsoffizier des Stalingrad-Generalfeldmarschalls Friedrich Paulus.«, in: DER SPIEGEL 3/1991, Seite 105 – 112.

[130] Tidwell, Chad: George C. Marshall, Patriot des 20. Jahrhunderts, unter http://www.marshallcenter.org/site.graphic/lang-de/page-mc-about-1/xdocs/mc/factsh... Vom 19. September 2007

[131] Vgl. Miller 2005

[132] Im März 1939 rückten deutsche Truppen in die Tschechoslowakei und in das Memelgebiet ein Nachdem im April der deutsch-polnische Nichtangriffspakt von Hitler gekündigt wurde, erfolgte am 1. September der Angriff auf Polen.

[133] Gole 2003

[134] Gelegen in den Carlisle Barracks/Pennsylvania.

[135] Office of the Chief of Military History (Hg.): Command Decisions. Washington DC 1960

[136] Vgl. Morton, Louis: Germany First: The Basic Concept of Allied Strategy in World War II, in: Office of the Chief of Military History (Hg.) 1960, Kapitel 1

[137] Die erste Direktive für die RAINBOW-Pläne 1, 2, 3, und 4 ist datiert auf den 11. Mai 1939, ergänzt durch weitere Instruktionen vom 30. Juni 1939, Morton in: Office of the Chief of Military History (Hg.) 1960, S. 23

[138] Joint Army-Navy Basic War Plan ORANGE, 1924, Joint Board (JB) 325, Ser. 228. Im September 1924 und in modifizierter Form im Februar 1938vom Kriegsminister abgezeichnet

[139] Zwischen Oktober 1938 und Pearl Harbor 1941 wuchs die US-Army von 150.000 zu 1½ Millionen auf und hatte bei Kriegsende die Stärke von über 8 Millionen erreicht

[140] Die Tschechoslowakei musste die deutsch besiedelten Randgebiete an Deutschland und die polnisch besiedelten Gebiete um Teschen/Olsa an Polen abtreten.

[141] Vgl. Morton in: Office of the Chief of Military History (Hg.) 1960, S. 21

[142] Vgl. Notes on Conference in OCS, 17 Jun 1940, Misc Conf, Binder 3, zitiert in Morton 1960, S. 29 sowie Memo, CofS and CNO for President, 27 Jun 40, sub: Basis for Immediate Decisions, abgedruckt in ebda. S. 31

[143] "the biggest political blunder of modern times and will rouse the whole world against us…we all feel thoroughly ashamed…" wird der britische Admiral Somerville in Philippe Masson La Marine française et la guerre 1939-1945 auf Seite 164 zitiert.

[144] Sherwood 1948, S. 518 f.

[145] Valentin Falin am 22. Juni 2006 für RIA Novosti in einer Reihe von Beiträgen über Geheimnisse des Zweiten Weltkrieges: Das Jahr 1941 – die Stunde der Wahrheit.

[146] Die US-Industrie – in maßgeblichen Bereichen der deutschen Kriegsrüstung beteiligt - durfte trotz der scharfen Worte weiter Profite mit dem 3. Reich machen.

[147] Valentin Falin am 02. Dezember 2006 für RIA Novosti in einer Reihe von Beiträgen über Geheimnisse des Zweiten Weltkrieges: Die Schlacht bei Moskau - ein Wendepunkt im Krieg.

[148] »It is the opinion of the Joint Board that Germany and her European satellites cannot be defeated by the European powers now fighting against her. Therefore, if our European enemies are to be defeated, it will be necessary for the United Staates to enter the war.« Zitiert nach Sherwood 1950, Bd. 1, S. 497.

[149] Bavendamm 1993, S. 403

[150] »Der Entschluß, den er [Roosevelt, d.V.] zusammen mit seinen Beratern fasste, sah vor, die Japaner durch eine Reihe feindseliger Aktionen zu einer solchen offenen Kriegshandlung zu provozieren – zum Überfall auf Pearl Harbor.« zitiert in Stinnett 2003, S. 12

[151] Falin, Zweite Front 1995, S. 251

[152] Vgl. das sorgfältig die Tätigkeit der amerikanischen Funküberwachung nach­zeichnende Buch von Farago 1967, S. 204 und 211 f.

[153] Zitiert nach Aussagen von Zeitzeugen im Dokumentarfilm der BBC-Reporters Roy Davies: Perl Harbor. Der Köder zum Krieg. Anhand von Dokumenten, überlieferten Funksprüchen, Geheimdienstberichten und Aussagen von Zeitzeugen bewies Davies, dass Roosevelt mindestens eine Woche vorher über den mutmaßlichen Angriff der Japaner informiert gewesen sein muss. Schlussfolgerung des Autors: Pearl Harbor war das Bauernopfer für Amerikas Kriegseintritt.

[154] Dahms 1958, S. 84

[155] US Senate. Joint Committee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack. Investigation of the Pearl Harbor Attack. 79th Cong., 2nd sess, (S. doc no. 244) Government Printing Office, 1946

[156] E. Kimmel , Admiral Kimmel's Story, a.a.O., S. 4. Nach einem Memoran­dum von General Gerow wurde General Marshall mitgeteilt, die Depesche werde binnen 30 Minuten ankommen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Heeres-Funkstation von Washington wegen einer Funk­störung nicht mit Hawaii in Verbindung treten konnte. Hieraus entstand eine kurze Verzögerung, und die Depesche ging nach Verschlüsselung erst um 12.17 Uhr ab. Sie kam nach 46 Minuten, um 7.33 Uhr hawaiischer Uhrzeit, bei der RCA in Hono­lulu an. Inzwischen war der Angriff erfolgt.

[157] Am 27. April 1995 fand unter dem Vorsitz des Senators Strom Thurmond das »Kimmel-Hearing« statt, in dem die posthume Rehabilitierung bzw. Auszeichnung Admiral Husband E. Kimmel, des Befehlshabers der amerikanischen Flotte zur Zeit des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor, offiziell erklärt wurde. In diesem Hearing war auch der Autor von »Days of Infamy«, John Costello, befragt worden. Im Krieg beim britischen Nachrichtendienst tätig, hatte er sich anschließend über zwanzig Jahre durch die Papiere und Dokumente dieses Vorganges gearbeitet. Er konnte bestätigen, dass die Briten ihre entschlüsselten Warn-Meldungen über Pearl Harbor aus dem Code-Brecher-Zentrum in Bletchly Park an die amerikanischen Dienststellen weitergegeben hatten.

Diesem Hearing waren bereits neun aufeinanderfolgende Untersuchungen der Umstände des japanischen Angriffes auf Pearl Harbor vorausgegangen. Bis auf die Untersuchungsausschüsse von Marine und Armee dienten sie zur Verschleierung und Täuschung der Öffentlichkeit, um Roosevelt, Stark und Marshall zu schützen und die Karrieren von Kimmel und Short zu zerstören. Vierzig Bände füllen heute noch die Regale.

Vgl. http://users.erols.com/nbeach/kimmel.html vom 22. September 2007 sowie Costello 1994

[158] U.S. Congress, 79th Congress, Second Session, Hearings before the Joint Comrmttee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack, Washington, D. C, 1946, Part XI, S. 5433 und 5438; Vgl. "To fire the first shot" - Stimsons Diaries Bd. 36, S. 48 f; zitiert nach Fish, 1982, S. 159

[159] U.S. Congress, Hearings before the Joint Committee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack, a.a.O., Part VII, S. 2935

[160] Kimmel 1955, S. 49

[161] U.S. Congress, Hearings before the Joint Committee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack, a.a.O., Part III, S. 1310, Part XIV, S. 1328, Part XXVI, S. 265 und Part XXXIX, S. 85.

[162] Sherwood 1950, S. 514.

[163] Abgedruckt in Dahms, Roosevelt, 1958, S. 87; siehe auch Henry L. Hopkins, The White House Papers, hg. R.E. Sherwood, 2 Bde, 1949/50

[164] Presidential Proclamation 2525, Dec. 7, 1941; vgl. Francis Biddle, In Brief Authority , New York, 1962, S. 207 sowie Roger Daniels, Concentration Camps USA: Japanese Americans and World War II (New York, 1971), Kapitel 4. Am 8. Dezember 1941 wurde für das deutsche und italienische Klientel die Proklamationen Nr. 2526/2527 vom Präsidenten unterzeichnet

[165] Für die Rolle des Marine-Geheimdienstes siehe Dorwart 1983.

[166] Regierung der Vereinigten Staaten (Hg.): Präsident Roosevelt. Amerika und Deutschland 1936-1945, S.60ff.

[167] Nach den Unabhängigkeitskriegen folgte 1812 der amerikanisch-englischen Krieg, 1848 der amerikanisch-mexikanischen Krieg, 1861/65 der Bürgerkrieg, 1898 der amerikanisch-spanische und 1917 der Erste Weltkrieg.

[168] Die Kunst der provokatorischen Strategie wurde in Amerika nicht erst 1941 erfunden, sie war bereits 1846 zur Auslösung des Krieges mit Mexiko verwendet worden. Auch der amerikanische Sezessionskrieg begann, als die Südstaaten den ersten Schuß abfeuerten, eine reichlich unkluge Handlung, in welche die Nord­staaten sie hineinmanövrierten. Die Explosion des Schlachtschiffes »Maine« im Hafen von Havanna 1898 wurde oft als Provokation hingestellt, durch die der Krieg mit Spanien ausgelöst wurde. Die Anwesenheit des Schiffes in Kuba diente provokatorischen Zwecken, aber die Explosion ist seit 1951 als ein Unglücksfall verbürgt.

[169] U.S. Congress Hearings before the Joint Committee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack, a.a.O., Part XXXIX, S. 221 f.

[170] Dies ist ein Telefon, bei dem die Schallwellen moduliert werden, so dass das Ge­spräch nicht von unbefugter Seite abgehört werden kann.

[171] Als am 4. Dezember der Kode der japanischen Flotte außerhalb des Turnus gewechselt wurde – ein Zeichen, dass die Schlacht bald beginnen würde – wies Roosevelt General Marshall an, dass alle Warnungen an die pazifischen Kommandos nicht durch den Marine-Befehlshaber Admiral Stark, sondern nur durch Marshall zu senden sind.

[172] Ambrose 1994, Seite 258

[173] Charisius 1983, S. 56

[174] 1947 wurde GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) vereinbart, das unter der Regie der Vereinigten Staaten einen Abbau der nationalen Handelsschranken vorsieht

[175] 14 Mio. Soldaten und 13 Mio. Zivilisten kamen um – darunter auch die 800 000 Leningrader während der Blockade. Putzger (1969) und van Mourik (1978) geben die Zahl der getöteten Zivilisten mit 6 Mio. an. Auf amerikanischer Seite kamen 220.000 Soldaten um: 190.000 in Europa und 50.000 auf dem pazifischen Kriegsschauplatz.

[176] Valentin Falin am 03. März 2006 für RIA Novosti in einer Reihe von Beiträgen über Geheimnisse des Zweiten Weltkrieges: Wie der Kalte Krieg fas nahtlos an den Zweiten Weltkrieg anschloss.

[177] So erfolgte die Kriegserklärung der Türkei an Deutschland am 1. März 1945 und die von Argentinien am 27. März 1945.

[178] Obwohl mit den früheren Feindmächte bis heute keine Friedensverträge bestehen, wurde 1995 während der 50. Generalversammlung die Feindstaatenklausel aus den Artikeln 53, 77 und 107 als obsolet bezeichnet. Eine Streichung der Klausel wurde nicht vorgenommen, da nur noch »deklatorische« Bedeutung (UN-Res. 50/52).

[179] Der Sicherheitsrat darf militärischen Maßnahmen gemäß Artikel 42 der UN-Charta selbst durchführen, d. h. er ist nicht mehr auf das Wohlverhalten der Mitgliedsstaaten angewiesen. Die Mitgliedsstaaten sind gemäß Artikel 43 dazu verpflichtet, ihm die dafür erforderlichen Truppen zur Verfügung zu stellen.

Vorzeichenwechsel nach dem Tod F.D. Roosevelts

[clxxx] Valentin Falin am 03. März 2006 in einem Interview mit Viktor Litowkin für RIA Novosti in einer Reihe von Beiträgen über Geheimnisse des Zweiten Weltkrieges: Wie der Kalte Krieg sich fast nahtlos an den Zweiten Weltkrieg anschloß.

[clxxxi] Ebd. Als weitere Begründung verweist Falin auf das Jahr 1918: Churchill hatte 1918 dazu aufgerufen, die Sowjetunion in »Aktionssphären« aufzuteilen und auf diese Weise einen Zerfall des multinationalen russischen Staates herbeizuführen. Später bemühte er sich, dass Sowjetrussland von Ländern umgeben wird, die »die Bolschewiki wild hassen« würden.

[clxxxii] Charmley, John: Churchill. Das Ende einer Legende. Berlin/Frankfurt 1995, S. 690; siehe auch FRUS, Potsdam, S. 64-81 (Davies-Bericht über das Treffen mit Churchill)

[clxxxiii] Woodward, Sir Llewellyn: British Foreign Policy, Bd. 3, S. 580, Fn. 2

[clxxxiv] Der als streng geheim eingestufte Plan wurde 1998 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: 112 bis 113 Divisionen sollten den Krieg führen. U. a. mit einem Dutzend Wehrmacht-Divisionen, die sich den Engländern ergeben hatten. Die Divisionen wurden nicht aufgelöst, sondern in Lager in Schleswig-Holstein und in Süddänemark gebracht. Dort wurden sie bis zum Herbst 1946 bereitgehalten; siehe Churchill´s Plans For WWII Executive Intelligence Review, Oktober 1998; Operation Unthinkable: “Russia: Threat to Western Civilization“ British War Cabinet, Joint Planning Staff, 22. Mai, 8. Juni, 11. Juli 1945, Public Record Office, CAB 120/691/109040 / 001; Fenton, Bob: The secret strategy to launch attack on Red Army, Daily Telegraph, Issue 1124, 1. Oktober 1998

[clxxxv] Klemperer 1999, Bd. 1, S. 181 (Tagebucheintrag vom 20. Januar 1946)

[clxxxvi] Das US-Flugblatt stammt aus dem Archiv von Oberst a.D. Prof. Dr. Dr. Ernst Woit.

[clxxxvii] Zitiert von Valentin Falin am 03. März 2006 in einem Interview mit Viktor Litowkin für RIA Novosti in einer Reihe von Beiträgen über Geheimnisse des Zweiten Weltkrieges: Wie der Kalte Krieg fast nahtlos an den Zweiten Weltkrieg anschloß.

[clxxxviii] Dokument A 2170, 7th Congress, First session 1945.

[clxxxix] Siehe Grews 1958, Bd. II, S.1446

[cxc] Zitiert von Valentin Falin am 03. März 2006 in einem Interview mit Viktor Litowkin für RIA Novosti in einer Reihe von Beiträgen über Geheimnisse des Zweiten Weltkrieges: Wie der Kalte Krieg fast nahtlos an den Zweiten Weltkrieg anschloß.

[cxci] ebenda.

[cxcii] Simpson 1989, S.41

[cxciii] So erfolgreich, dass bereits im Juli 1946 die Organisation »Gehlen«gegründet und ab Dezember 1947 in der ehemaligen Rudolf-Hess-Siedlung in Pullach untergebracht wurde, wo sich noch heute die Zentrale des BND befindet. Ab 1949 übernahm die CIA die »Organisation Gehlen«.

[cxciv] Zitiert nach Horowitz 1965, S. 241

[cxcv] Vgl. Sherry 1977, S. 189

[cxcvi] Noch in Potsdam sagte Churchill, dass die Entscheidung über den Einsatz der Atombombe zur Erzwingung der japanischen Kapitulation nie ein Problem gewesen sei. Vgl Churchill, Winston S. Triumpf and Tragedy.(The Second World War, vol 6) Houghton Mifflin, 1953.

[cxcvii] Siehe J. Newhouse, Krieg und Frieden im Atomzeitalter, München 1990, S. 75 f.

[cxcviii] Vgl. das Vorwort von Margarita S. de Planelles, in: Homer Lea, Die Stunde der Angelsachsen, Bern 1946, S. 1-3.

[cxcix] McCullough, David. Truman. Simon & Schuster, 1992.

[cc] Truman, letter to Cate, January 12, 1953, reproduced in Craven and Cate, Army Air Forces. In his memoirs, Truman said that "General Marshall told me that it might cost half a million American lives to force the enemy's surrender on his home grounds." Truman, Harry S. Memoirs, Vol. 1, Year of Decisions. Doubleday, 1955

[cci] Hellmut Diwald: »Die Großen Ereignisse«, Lachen am Zürichsee, 1991, Bd. 6, S. 438 – 461

[ccii] Nach: R. Crawshay-Williams, Begegnungen mit Bertrand Russell, Zürich 1974, S. 164.

[cciii] P. M. S. Blackett, Militärische und politische Folgen der Atomenergie, Berlin 1949. S. 173.

[cciv] Vgl. Alperovitz 1996, S. 3f. Zur Kritik aus den Kirchen vgl. ebd., S. 437ff

[ccv] Vgl. Alperovitz 1996, S. 437f

[ccvi] »It is my opinion that the use of this barbarous weapon at Hiroshima and Nagasaki was of no material assistance in our war against Japan. The Japanese were already defeated and ready to surrender because of the effective sea blockade and the successful bombing with conventional weapons. « (Leahy, William D.: I Was There. New York/London 1950, S. 441).

[ccvii] Stöver 2002, S. 53

[ccviii] ebd. ; zur Reaktion der Zeitgenossen vgl. Raeithel, Geschichte III, S. 157

[ccix] Kaku / Axelrod 1987, Seiten X, 11, 30, 31

[ccx] Moscow, Gorki, Kuibyshev, Sverdlovsk, Novosibirsk , Omsk, Saratov, Kazan, Leningrad , Baku, Tashkent, Chelyabinsk, Nizhni Tagil, Magnitogorsk, Molotov, Tbilisi, Stalinsk, Grozny, Irkutsk, and Jaroslavl.

[ccxi] Im gleichen Monat begann die US-Air-Force unter dem Plan »Strategic Vulnerability of the U.S.S.R. to a Limited Air Attack« die Abwürfe von 20 bis 30 Atombomben auf sowjetische Städte zu studieren.

[ccxii] Zitiert von Falin, Valentin: Roosevelt sah in Stalin keinen Dogmatiker, in: Freitag 09 vom 4. März 2005

[ccxiii] Für Kennan war die Sowjetunion die Fortsetzung des Zarenreichs, wobei der Bolschewismus gefahrlos die russischen politischen Überlieferungen des siebzehnten Jahrhunderts wiederaufleben lassen konnte: den uneingeschränkten autokratischen Zentralismus, die byzantinische Schule des politischen Denkens, die selbstgenügsame Absonderung von der westlichen Welt und sogar die mystischen Träume vom ‚Dritten Rom‘ (Rußlands internationale Stellung am Ende des Krieges gegen Deutschland, Mai 1945, in: Kennan 1971, S. 538., zitiert in Stöver 2002, S. 56.

[ccxiv] Wiggershaus, Norbert: Von Potsdam zum Pleven-Plan. Deutschland in der internationalen Kon­frontation 1945 - 1950, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik 1945—1956, Band 1, München, Wien 1982, S.43

[ccxv] Czempiel/ Schweitzer 1989, D5 Das „lange Telegramm“ von George F. Kennan, S. 50

[ccxvi] Vgl. Kennan l968, S. 553-570; Stöver 2002, S. 53 f.

[ccxvii] Czempiel/ Schweitzer 1989, S. 51

[ccxviii] Efstathios:, Kennan´s Long Term Telegram, S. 3

[ccxix] Czempiel, Schweitzer: Weltpolitik USA, S. 51

[ccxx] Efstathios, Fakiolos T: ‚ „Kennan‘s Long Term Telegram and NSC-68, A Comparative Analysis“ East European Quarterly., Vol.31, Nr. 4, January 1998. http:\www.nato.int/archives/strategy.htm 3 of 14

[ccxxi] Freundl 1984 — 1. Auflage, Dok. 46, S. 68

[ccxxii] The New York Times. vom 6. März 1946; siehe auch Fleming 1961

[ccxxiii] Siehe Cornides 1965, S.146

[ccxxiv] Siehe Deutsches Historisches Museum: Deutschland im Kalten Krieg 1945 bis 1963, unter http://www.dhm.de/ausstellungen /kalter_krieg/zeit/z1946.htm vom 18. Oktober 2007

[ccxxv] Kaku/Axelrod 1987, S. X

[ccxxvi] Um das Zielschiff USS- Nevada lagen vier andere Schlachtschiffe, die Pennsylvania, Arkansas, New York und das japanische Nagato. Dann folgten die Träger Saratoga und Independence mit den Kreuzern Pensacola, Salt Lake City und dem deutschen Kreuzer Prinz Eugen und der japanischen Sakawa. Hinzu kamen etliche weitere Kriegsschiffe.

[ccxxvii] Dem elektromagnetischen Impuls wurde noch keine Bedeutng zugemessen.

[ccxxviii] Czempiel/ Schweitzer 1989, Dokument 6a, S. 52/53

[ccxxix] Für »allgegenwärtigen« steht bei Czempiel »ubiquitär« Czempiel/ Schweitzer 1989, S. 36

[ccxxx] Vgl. Hardach, Marshall-Plan, S. 39f.

[ccxxxi] Valentin Falin: Valentin Falin am 06. März 2006 in einem Interview mit Viktor Litowkin für RIA Novosti in einer Reihe von Beiträgen über Geheimnisse des Zweiten Weltkrieges: Der Kalte Krieg ist nicht zu Ende

[ccxxxii] Czempiel/ Schweitzer 1989, S. 38

[ccxxxiii] Siehe Congressional Record, Washington 1947, Bd.77, S.5f.; siehe auch F. Golemski, M. Gulczyński, Export der Konterrevolution, Berlin 1973, S.88;

[ccxxxiv] Lippmann 1947, S.251

[ccxxxv] Vgl. Sfikas, Th. D., Britain, The United States and die Soviet Union in die United Nations Commission of Investigation in Greece, January-May 1947, in: Contemporary European History 2 (1993), S. 243- 263; Woodhouse 1976; Amen 1979; Leffler 1992, S. 126

[ccxxxvi] siehe Stöver 2002, S. 60

[ccxxxvii] Vgl. Kousoulas, D. G., The Truman Doctrine and the Stalin-Tito Rift: A Reappraisal, in: The South Atlantic Quarterly 72 (1973), S. 427-439; hier: S. 428

[ccxxxviii] Vgl. Mai, G., Containment und militärische Intervention, Elemente amerikanischer Außenpolitik zwischen der Griechenland-Krise von 1946/47 und dem Koreakrieg von 1950, in: VfZ 32 (1984), S. 491- 528; hier: S. 498. Zur Entstehung der danach für die US-Politik zentralen Counterinsurgency-Idee während der Griechenland-Türkei-Krise 1946/47 vgl. McClintock 1992, S. 12ff

[ccxxxix] Vgl. Hardach 2003, S. 32.

[ccxl] Forrestal an Chan Gurney, 8. Dezember 1947, in: Forrestal, The Forrestal Diaries, S. 350f.

[ccxli] William Blum verließ 1967 wegen seines Widerstandes zu dem amerikanischen Vorgehen in Vietnam das US-Außenministerium. Er wurde einer der Gründer und Redakteure der Washington Free Press, der ersten »alternativen« Zeitung in der Hauptstadt. Blum forschte und publizierte ausführlich zu den US-Interventionen und den Morden der CIA. Sein Hauptwerk, Rogue State: A Guide to the World´s Only Superpower, erschienen zunächst 2000.

[ccxlii] Siehe Engel 1957, S.296

[ccxliii] auch bezeichnet als Interamerikanisches Beistandsabkommen von Petropolis.

[ccxliv] Maurice Matloff and Edwin M. Snell, Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941 - 1942 , The United States Army in World War II (Washington, DC: U.S. Army Center of Military History, 1990), 165-166.

[ccxlv] Poole, Walter S. et al.: The History of the Unified Command Plan, 1946-1993, S. 12-13 und 127-129 (Washington, DC: Joint History Office, Office of the Chairman, Joint Chiefs of Staff, February 1995).

[ccxlvi] NORTHCOM; SOUTHCOM; PACCOM; EUCOM und das zentrale Kommando CENTCOM

[ccxlvii] Vgl. Stöver 2002, S. 65

[ccxlviii] Deutsche Fassung abgedruckt in: Gasteyer 1994, S. 63

[ccxlix] Im Rahmen des Marshallplans erhielten von 1948 bis 1952 sechzehn europäische Länder insgesamt etwa 14 Milliarden US-Dollar, das George C. Marshall-Center geht sogar von 16,2 Milliarden US-Dollar aus, wovon Westdeutschland 1,4 Mrd. US-Dollar erhielt.

[ccl] Gasteyger 1965, S. 82

[ccli] Siehe Deutsches Historisches Museum: Deutschland im Kalten Krieg 1945 bis 1963, unter http://www.dhm.de/ausstellungen /kalter_krieg/zeit/z1947.htm vom 18. Oktober 2007 sowie nachfolgendes Zitat.

[cclii] Archiv der Gegenwart: Deutschland 1949 bis 1999, St. Augustin 2000, Bd 1, S. 6

[ccliii] Siehe Deutsches Historisches Museum: Deutschland im Kalten Krieg 1945 bis 1963, unter http://www.dhm.de/ausstellungen /kalter_krieg/zeit/z1947.htm vom 18. Oktober 2007

[ccliv] Jugoslawien, Rumänien, die Czechoslowakei, Ungarn, Albanien, Polen und selbst Finnland sagen ab. Nach dem Bruch Jugoslawiens im Sommer 1948 unterstützten die USA das Land mit Hilfslieferungen und großzügigen Krediten. Die erste von mehreren Hilfslieferungen im Rahmen des Marshallplans für Jugoslawien erfolgte am 23. November 1950 nach Belgrad.

[cclv] Abgedruckt in Potter, Elmar B./Nimitz 1982, S. 908f.

[cclvi] Für die nächsten Jahrzehnte fuhr die CIA damit fort, gemeinsam mit amerikanischen Unternehmen, in italienische Wahlen einzugreifen.

[cclvii] Vgl. Blum, William: A Brief History of United States Interventions, 1945 to Present, In ZMAGAZIN 1999, unter http://www.zmag.org/Zmag/articles/blum.htm vom 21. Oktober 2007.

[cclviii] NSC 7 vom 30.3.48 in: Greiner/ Steinhaus 1980, Doku 13, S. 124

[cclix] Brief of Short Range Emergency War Plan (HALFMOON), 6 th May 1948, http:\humanitiesuwe.ac.uk/corehistorians/powers/text s 18 conta. htm, S.1, sowie Kriegsplan “OFFTACKLE“ der Vereinigten Stabschefs (26.5.1947) in: Greiner/ Steinhaus 1980, Doku 22, S.179

[cclx] Mastny 2003, S. 242

[cclxi] Hecht, Rudolf: Von der konventionellen zur atomaren Kriegsführung, in: Österreichische Militärzeitschrift (OMZ), Heft 4/1985, S. 294

[cclxii] Korkisch, Friedrich: Die Nuklearstrategie der USA (1), in OMZ, Heft 3/1985, S. 222, Anmerkung 10; Die Pläne eines Kernwaffenkrieges gegen die UdSSR wechselten sich nur so ab. Zwischen 1945 und 1949 erreichte ihre Zahl zumindest sechzehn. Die Zahl der Zielstädte stieg von 15 auf 200, die der Bomben, die für die Erfüllung besagter Aufgaben bestimmt waren, von den anfänglichen 20 auf mehr als 300 an. Tatsächlich hatten die Vereinigten Staaten Ende 1945 zwei Atombomben, im Juli 1946 neun und ein Jahr später dreizehn.

[cclxiii] Alle Angaben dazu sind entnommen: Brief of Emergency Short- Range Emergency War Plan (HALFMOON) 6 th May 1948, US-National Archives, Records of the Joint Chiefs of Staff, CCS 381, USSR (3-2-46), S. 13, JCS 1844/4 Box 73

[cclxiv] Hecht, Rudolf: Von der konventionellen zur atomaren Kriegsführung, in: Österreichische Militärzeitschrift (OMZ), Heft 4/1985, S. 294/ 295

[cclxv] Vgl. Weigl 2005, S. 25f.

[cclxvi] Rosenberg, David Alan: A Smoking Radiation Ruin at the End of Two Hours: Documents on Amercan War Plans for Nuclear War with the Soviet Union 1954-55, in: International Security, Vol. 6, No. 3, Winter 1981/82, und The Origins of Overkill:Nuclear Wapons and American Strategy 1945-1960, in International Security, Vol. 7, No. 4, Spring 1983 sowie das Kapitel American Postwar Air Doctrine and Organization: The Navy Experience in Air Power and Warfare, Proceedings of the 8th Military History Symposium, United States Air Force Academy 18./20. October 1978.

[cclxvii] Zitiert in: Pringle/ Arkin 1985, S. 39.

[cclxviii] Greiner, Christian: Die alliierten militärstrategischen Planungen zur Verteidigung Westeuropas 1947-1950, in Foerster/ Greiner/ Meyer/ Rautenberg/ Wiggershaus 1982, S. 197 ff., S. 166

[cclxix] ebenda, S. 168

[cclxx] In den Westzonen durften die Deutschen am 20. Juni pro Kopf 60 Reichsmark 1:1 umtauschen, 40 DM erhielten sie sofort als "Kopfgeld " ausbezahlt, und den restlichen Betrag von 20 DM im August Aktienbesitz blieb unangetastet, nur die Sparer wurden weitgehendst enteignet. Löhne, Gehälter und Mieten waren ab sofort eins zu eins zu zahlen. So begünstigte die Währungsreform einseitig die Besitzer von Sachwerten. Das Eigentum an Grund und Boden sowie an Produktionsmitteln blieb von der Neuordnung unberührt.

[cclxxi] zit. nach Krause/Reif 1980, S. 131

[cclxxii] zit. nach Krause/Reif 1980, S. 132

[cclxxiii] Im Volksmund hieß das Geld deshalb "Tapetenmark".

[cclxxiv] In den fast elf Monaten der Blockade landeten 277.728 »Rosinenbomber«, wie sie der Westberliner liebevoll nannte, mit 2,1 Millionen Tonnen Lebensmittel, Brennstoffe und Medikamente in Tempelhof. Bei den Einsätzen kamen 78 Menschen ums Leben

[cclxxv] White Book on Aggressive Activities by die Government of die USSR, Poland, Czechoslovakia, Hun­gary, Rumania, Bulgaria and Albania towards Yugoslavia, Ministry of Foreign Affairs of die Federal s Republic of Yugoslavia, Beograd 1951, S. 232; zitiert nach: Nolte, Deutschland, S. 216.

[cclxxvi] Gaddis, S. 158f

[cclxxvii] Vgl. Andrew 1995, S. 174

[cclxxviii] National Intelligence Estimate (NIE), 11.12.1950 (Probable Soviet Moves to Exploit die Present Situa­tion); TLI, B- File, in Stöver 2002, S. 168

[cclxxix] Zum Mutual Security Program vgl. Hardach 2003, S. 129ff

[cclxxx] Zu den ideologischen Grundlagen der US-Außenpolitik Krakau 1967, S. 30ff. Dazu: Fenske 1987, S. 366ff.; Spillmann 1985 , S. 11ff. Vgl. dazu auch die 1927 erstmalig aufgelegte Arbeit von Parrington 1987, die einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung des puritanisch-calvinistischen Denkens gibt.

[cclxxxi] Vgl z.B. die Reden von Jimmy Carter anläßlich seiner Amtseinführung am 20.1.1977, Ronald Reagans am 20.1.1981 oder des US-Außenministers George Bush am 9.12.1984. Abgedruckt in: Görtemaker 1987, S. 46ff.

[cclxxxii] Vgl Brands 1988 S. 185ff.

[cclxxxiii] Kaufman 1941. Vgl. dazu Benz, W., Judenvernichtung aus Notwehr? In: VfZ 29 (1981), S. 615-630

[cclxxxiv] »Today‘s war is not a war against Adolf Hitler. Nor is it a war against the Nazis. It is a war of peoples against peoples; of civilized peoples envisioning Light, against uncivilized barbarians who cherish Darkness […] Hitler is no more to be blamed for this German war than was the Kaiser for the last one. Nor Bismarck before the Kaiser […] They were merely the mirrors reflecting centuries-old inbred lust of the German nation for conquest and mass murder.« in: Kaufman 1941, S. 5f

[cclxxxv] Salomon 1951, S. 86. Ähnlich: Schrenck-Notzing 1965, S. 19ff.

[cclxxxvi] „A Positive Foreign Policy“, Rede J. F. Dulles vor dem World Affairs Forum of the Foreign Policy Association of Pittsburgh, Pittsburgh (Pennsylvania), 15.5.1952, S. 23f; MLP, JFD-P, SC, Box 63, Folder: Re „Roll Back“ Policy, 1952

[cclxxxvii] Angermann 1978, S. 288.

[cclxxxviii] Vgl. Taylor, Telford: Die Nürnberger Prozesse. Zürich 1951, S. 47.

[cclxxxix] 1. Anklagerede, 21.11.1945, in: Müller 1995, S. 62f.

[ccxc] Zur deutschen Kritik vgl. Friedrich 2003, S. 837

[ccxci] Vgl. Vollnhals 1991, S. 9ff

[ccxcii] Kennan 1968, S. 569, vgl. Stöver 2002, S. 57.

[ccxciii] Haushofer 1934, S. 51

[ccxciv] Zitiert aus Kennedy 1983, S. 48

[ccxcv] Brzezinski 2001, S. 15

[ccxcvi] Brzezinski 2001, S. 16

[ccxcvii] Brzezinski 2001, S. 91

[ccxcviii] Angermann 1978, S. 293. Vgl. auch Kap. 1.3

[ccxcix] »which will be convincing to the Congress and the American public«, zitiert nach Mai, Containment, S. 499.

[ccc] Explizit zum offensiven Charakter der Containment-Idee und zur Vermischung von Eindämmungs- und Befreiungsvorstellungen auch: Mai, Containment.

[ccci] Vgl. z.B. „An Appraisal of US. Foreign Policy“, 5.2.1945, S. 8; MLP, JFD-P, SSP, Box 292, Folder: Speech „Appraisal of US Foreign Policy“. Auch „A Positive Foreign Policy“ vom 15.5.1952; MLP JFD-P, SC, Box 63, Folder: Re „Roll Back“ Policy, 1952 oder „The Goal of Our Foreign Policy“, 29.11.1954; ebd., Box 83, Folder: Re „Liberation“ Policy, 1954.

[cccii] Albanien tritt dem Rat am 21. Februar 1949, die DDR am 29. September 1950 bei. Er besteht bis zum 26.6.1991.

[ccciii] North Atlantic Treaty Organisation; dem Bündnis treten am 18. Februar 1952 Griechenland und die Türkei sowie am 5. Mai 1955 die Bundesrepublik Deutschland bei.

[ccciv] Abgedruckt in Potter 1982, S. 911

[cccv] Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und dem Vereinigten Königreich.

[cccvi] Vgl. Jolyon Howorth: The Third Way. In: Foreign Policy, No. 65, Winter 1986/87, S. 114 ff.

[cccvii] Peter Barth: Konventionelle Abrüstung und die Sicherheit in Europa, in Köllner/Huck 1990, S. 119

[cccviii] US-Kriegspläne im Jahr 1949: Januar: »TROJAN«: Oktober: »SHAKEDOWN«, »OFFTACKLE«, »CROSSPIECE«; Dezember: »DROPSH0T«

[cccix] siehe Greiner, Bernd: Weg zum 3. Weltkrieg, Doku 25, S. 196; der Kriegsplan DROPSHOT vom 19.12.1949 befahl schließlich in Zusammenarbeit mit den Alliierten die »Sicherung der Rhein–Alpen–Piave–Linie, ebd. S. 196

[cccx] NATO Facts and Figures, NATO — Information Service, Brüssel: Oktober 1971, S. 272

[cccxi] The Private Papers of Senator Vandenherg, Boston 1952, S.494

[cccxii] Zitiert nach House Commitee of Foreign Affairs, HearIngs, Mutual Defense Assistance Act of 1949 81 Congress, 1 session, S.71.

[cccxiii] Siehe Kissinger, Henry A.: Kernwaffen und auswärtige Politik, München 1959, S. 30

[cccxiv] Nordeuropa (Dänemark, Norwegen, U.K.); Westeuropa (Belgien, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, U.K.); Südeuropa (Westliches Mittelmeer– Frankreich, Italien, U.K.); Kanada/USA; Nordatlantik (alle Länder außer Italien und Luxemburg); Militärausschusses, NATO Facts and Figures, S. 26/27

[cccxv] NATO Facts and Figures, S. 27

[cccxvi] Juni 1946 PINCHER; März 1948 BROILER /BUSHWACKER; Mai 1948 FROLIC; Dezember 1948 SIZZLE/FLEETWOOD/HALFMOON/DOUBLESTAR, Januar 1949 TROJAN, Oktober 1949 SHAKEDOWN/ OFFTACKLE/CROSSPIERCE; Dezember 1949 DROPSHOT. Nachdem das sowjetische Atombomben-Projekt am 29. August 1949 zur erfolgreichen Zündung der ersten eigenen Atombombe geführt hatte, wurden die Angriffspläne vorerst auf Eis gelegt

[cccxvii] Joint Chiefs of Staff: J.C.S. 1920/5 (Volume II) »LONG-RANGE PLANS FOR WAR WITH THE USSR –DEVELOPMENT OF A JOINT OUTLINE PLAN FOR USE IN THE EVENT OF A WAR IN 1957 (Short Title –"DROPSHOT") vom 19. December 1949. Der Zeitpunkt für Dropshot war zweifellos auf den ursprünglich für diesen Zeit­punkt geplanten Abschluß der Remilitarisierung Westdeutschlands abgestimmt. Aufgrund der Ablehnung der Verträge über die sogenannte »Europäische Verteidigungsgemeinschaft« durch die französische Nationalver­sammlung 1954, aber auch wegen der Gegner einer Wiederbewaffnung der Bundesre­publik, verzögerte sich der Aufbau der Bundeswehr um einige Jahre. Als dann 1957 der fiepsende Sputnik seine Kreise um die Erde zog, musste der Zeitpunkt für Dropshot vertagt werden.

[cccxviii] Kaplan, Lawrence S.: Amerika und die Bündnisverstrickungen 1949 - 1956, in: Wiggershaus/ Heinemann 2000, S. 10

[cccxix] Keesing, Band 1949/50, S. 2123 H

[cccxx] Nach geringfügigen Änderungen wurde das Dokument mit dem Kenn­zeichen MC 3/1 und MC 3/2 am 19. bzw. 28. November 1949 verteilt.

[cccxxi] Pedlow, Gregory, W., Chief, Historical Office Supreme Headquarters Allied Powers Europe (Editor):The evolution of NATO Strategy 1949-1969, in: Nato Strategy Documents 1949-1969 SHAPE 1997, S. XI- XIII. Alle weiteren Texte oder Textausgaben zu Strategiedokumenten der NATO bis 1989 werden dieser Veröffentlichung entnommen, nachfolgend aufgeführt unter der Abkürzung: » NATO Strat Doc 1997«)

[cccxxii] Vgl. Weigel 2002, S. 29f.; NATO Strat Doc 1997, S. 59

[cccxxiii] NATO Strat Doc 1997,S. 61

[cccxxiv] NATO Strat Doc 1997, S. XIII

[cccxxv] NATO Strat Doc 1997, S. 46

[cccxxvi] Zitiert nach Weigel 2002, S. 31; NATO Strat Doc 1997, S. 62

[cccxxvii] NATO Strat Doc 1997, S. 62f.

[cccxxviii] Kaplan, Lawrence S.: Amerika und die Bündnisverstrickungen 1949 - 1956, in: Wiggershaus/ Heinemann 2000, S. 10

[cccxxix] NATO Strat Doc 1997, S. 64

[cccxxx] Vgl. Carrington 1950, S. 95 sowie Johnson 1997, S. 129

[cccxxxi] Taylor 1990, S. 17. Das von Taylor gebrauchte Konzept des »Geopolitical regime of hegemony« entspricht dem Konzept des »Historical regime of hegemony« in den Schriften von Antonio Gramschi. Neben der geopolitischen Begriffen wie "Grand Areas" or "Monroes" verwendete Carl Schmitt das Konzept des Großraumes und General Karl Haushofer das der "Panregion".

[cccxxxii] Taylor 1990, S. 17

[cccxxxiii] So im Falle der deutsch-japanischen Koalition, aber auch bei übermäßiger Machtausdehnung der eurasischen Sowjetunion. So ist das Verhalten der USA in Potsdam durchaus zu verstehen, die Sowjetunion in Asien nicht an den Früchten des Sieges teilhaben zu lassen. Vgl. Spykman 1942

[cccxxxiv] Spykman 1942, S. 468

[cccxxxv] Siehe auch Chomsky 1992, S. 12f. Die Politik des amerikanischen “Lebensraums” und des geopolitischen Konstruktes amerikanischer Großräume sind tiefschürfend von Joyce and Gabriel Kolko behandelt. Kolko, Joyce u. Gabriel 1972.

[cccxxxvi] Galleo/Rowland 1973, S 44

[cccxxxvii] Galleo/Rowland 1973, S. 18

[cccxxxviii] Stephen E. Ambrose: The Military Dimension: Berlin, NATO and NSC-68 in: Paterson, 1974, S. 178

[cccxxxix] ebenda

Strategien der Eindämmung und Befreiung

Details

Seiten
269
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640892709
ISBN (Buch)
9783640892631
Dateigröße
9.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170290
Note
Schlagworte
jahrhundert teil seiten kalten krieges

Autor

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Titel: Das amerikanische Jahrhundert - Teil 1