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Wettbewerb in Netzwerkmärkten - Netzwerkeffekte, natürliches Monopol, technischer Fortschritt und Schumpeter-Wettbewerb

Seminararbeit 2003 19 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Netzwerke
2.1 Grundlegendes
2.2 Netzwerkeffekte
2.3 Veränderungen durch die Informationswirtschaft

3 Natürliches Monopol
3.1 Eigenschaften und Entstehung
3.2 Natürliches Monopol und Netzwerke
3.3 Markteintrittsbarrieren

4 Wettbewerb auf Netzwerkmärkten
4.1 Der Eintritt eines Wettbewerbers und die Frage der Kompatibilität
4.2 Die Rolle von Adaptern

5 Technischer Fortschritt auf Netzwerkmärkten
5.1 Technologiewechsel und Innovation
5.2 Schumpeter-Wettbewerb

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Nutzen, den der Käufer eines Produktes aus dessen Verwendung zieht, hängt häufig von der Zahl der anderen Käufer ab, die das gleiche bzw. ein kompatibles1 Produkt erwer- ben. Ein aktuelles Beispiel stellt die MMS2-Technologie im Mobiltelefonbereich dar. Damit ist es möglich, Bild- und Audiodaten über das Handy zu senden. Allerdings können nur MMS- fähige Handys auf diese Weise miteinander kommunizieren. Mit steigender Verbreitung die- ser Art von Mobiltelefonen erhöht sich damit auch der Nutzen des einzelnen Anwenders, da sich für ihn dadurch die Gruppe der potentiellen Kommunikationspartner vergrößert.

Netzwerkmärkte sind demnach Märkte, auf denen der Nutzen der dort gehandelten Produkte von der gegenwärtigen und der erwarteten zukünftigen Nutzerzahl abhängt.3

Im Folgenden werden die auf derartigen Märkten auftretenden Netzwerkeffekte und Beson- derheiten dargestellt. Anschließend wird auf das natürliche Monopol und sein Zusammen- hang mit Netzwerkmärken eingegangen. Darauf aufbauend wird der Wettbewerb durch auf den (Netzwerk-)Markt eintretende Konkurrenten betrachtet und abschließend werden die Auswirkungen technischen Fortschritts in diesem Umfeld aufgezeigt sowie der Wettbewerb über Innovationen erläutert.

2 Netzwerke

2.1 Grundlegendes

Netzwerke in ökonomischer Hinsicht können auf zwei Arten gesehen werden. Einerseits als Menge von Verbindungen, die die Kommunikation zwischen mehreren Akteuren ermögli- chen, andererseits als Gruppe von Akteuren, die sich eine ähnliche Verhaltensweise zu Ei- gen machen.4

Es können reale und virtuelle Netzwerke unterschieden werden.5 Zu den realen Netzwerken können Transport-, Kommunikations-, Versorgungs- und Informationsnetze gezählt werden.

Die physischen Verbindungen dieser Netze

leitungen, Fernsehkabel usw.) sind direkt erkennbar. Virtuelle Netze6 hingegen sind nicht sofort als Netzwerke erkennbar, da die direkten physischen Verbindungen fehlen. Dennoch sind sie aus ökonomischer Sicht Netzwerke. Zu ihnen gehören beispielsweise das Netz von Werkstätten einer bestimmten Automarke, die Beziehungen zwischen den Mitgliedern eines Vereins, die Gemeinschaft der Nutzer von VHS-Videorekordern oder die Studenten eines Jahrgangs an einer Universität.

2.2 Netzwerkeffekte

Auf Netzmärkten werden komplementäre Güter angeboten. Darunter sind Produkte zu ver- stehen, die nur in Verbindung mit einem (oder mehreren) anderen Produkt(en) für den Käu- fer einen Nutzen stiften.7 Komplementarität führt also dazu, dass Systeme an Stelle von ein- zelnen Gütern nachgefragt werden.8 Bei horizontaler Komplementarität werden gleichartige Güter zusammengefügt. So bilden beispielsweise viele Telefone gemeinsam ein Telefon- netz. Bei vertikaler Komplementarität werden ungleiche Produkte zusammengefügt. Am deutlichsten wird dies am Beispiel eines Personal Computers (PC). Ein PC besteht aus Hardware (z.B. Prozessor, Festplatte), welche sich jedoch nur zusammen mit einem Be- triebssystem (z.B. Microsoft Windows) und entsprechender Software (z.B. einem Internet- browser) zu einem nützlichen System verbindet. Fehlt einer der Bestandteile, so ist die Nutz- barkeit eines PCs eingeschränkt oder sogar unmöglich.

Aus der Komplementarität ergibt sich direkt eine weitere Eigenschaft, die Kompatibilität. Damit ist die Fähigkeit eines Gutes zur Zusammenarbeit mit einem anderen Gut gemeint.9 So kann beispielsweise eine Software nur mit dem Betriebssystem verwendet werden, für welches sie entwickelt wurde. Kompatibilität ist also Voraussetzung für die Herstellung kom- plementärer Güter, da nur Produkte, die zusammen arbeiten können, auf dem Markt als Sys- tem nachgefragt werden.

Durch Standardisierung, d.h. durch Festlegen gewisser Spezifikationen, an die sich die Hersteller halten, kann Kompatibilität erreicht werden. Dies setzt jedoch die Bereitschaft der Produzenten zur Koordination ihrer Aktivitäten voraus, birgt allerdings die Gefahr wettbewerbsrechtlich problematischer Absprachen.10

Eine weitere Besonderheit von Netzwerkmärkten sind Netzwerkexternalitäten, die aufgrund der Komplementarität der Komponenten eines Netzwerkes entstehen.11 Sie treten auf, wenn der Nutzen des Konsumenten eines Gutes von der Zahl der Käufer desselben Gutes ab- hängt. Netzwerkexternalitäten sind in der Regel positiv, da der Nutzen des Einzelnen fast immer mit zunehmender Verbreitung des Gutes steigt.12 Es können direkte oder indirekte Netzwerkexternalitäten auftreten.13 Bei direkten Netzwerkexternalitäten hängt der Nutzen, der für den einzelnen Käufer eines Produktes (z.B. eines Telefons) entsteht, unmittelbar von der Anzahl der anderen Besitzer bzw. Käufer dieses Produktes ab. Die direkte Netzwerkex- ternalität wird also durch horizontale Komplementarität ausgelöst. Für das Beispiel des Tele- fons steigt also der Nutzen eines jeden Telefonbesitzers wenn ein zusätzliches Telefon ver- kauft wird, da der neue Teilnehmer ein weiterer potentieller Telefonpartner wird. Bei indirek- ten Netzwerkexternalitäten steigt der individuelle Nutzen mit zunehmender Verbreitung eines Gutes nur mittelbar. Das Beispiel einer Videospielkonsole (z.B. Sony Playstation 2) verdeut- licht dies. Mit zunehmendem Absatz der Konsole steigt der Nutzen des Einzelnen dadurch, dass mehr Spiele für diese Konsole produziert werden, da es durch die Vergrößerung der potentiellen Käufergruppe für Spielentwickler lohnender erscheint, ein neues Spiel genau für diese und nicht für eine weniger oft verkaufte Konsole herzustellen.14

Netzwerkgüter generieren somit für ihre Käufer zwei Arten von Nutzen.15 Zum einen entsteht aus der eigenständigen Verwendung des Gutes ein individuell fixer Grundnutzen. Zum ande- ren stiftet dieses Gut aber auch einen zusätzlichen Nutzen, der daraus resultiert, dass ande- re Nachfrager dieses oder ein kompatibles Gut erwerben und verwenden. Dieser Zusatz- nutzen steigt dann mit zunehmender Verbreitung des Netzwerkgutes für den Einzelnen an.

Auf Netzwerkmärkten tritt oft das Phänomen des Lock-in auf. Die Nutzer eines Produktes sind dann an dieses gebunden, da der Wechsel zu einem anderen Produkt (z.B. der Wech- sel von einem IBM-kompatiblen PC zu einem Apple Macintosh) nur mit hohem Aufwand möglich ist. Die Kosten des Wechsels ergeben sich aus den verschiedenen Arten von Lock- in:16 Die Nutzer können durch Verträge (z.B. für Ersatzteile oder Dienstleistungen) an ein Produkt gebunden sein. Weiterhin werden sie durch Kosten für die Suche nach Alternativen, Kosten für das Erlernen des Umgangs mit einem alternativen Produkt oder durch den Verlust etwaiger individueller Vorteile, die der bisherige Hersteller gewährte, von einem Wechsel abgehalten. Besonders bei Software kommen bei einem Wechsel die Kosten der Konvertierung vorhandener Daten in ein mit der neuen Software kompatibles Format hinzu.

Die Gruppe der Käufer, die an ein verwendetes Produkt gebunden ist, bei der also ein Lockin stattgefunden hat, wird als installed base oder installierte Basis bezeichnet.17

Ein weiterer Netzwerkeffekt zeigt sich in zunehmenden Skalenerträgen. Dies sind Stück- kostenvorteile, die größere Netze oder Unternehmen gegenüber kleineren haben.18 Mit zu- nehmender Outputmenge sinken dabei die Stückkosten. Sie treten vor allem dort auf, wo die Produktion eines Gutes mit hohen anfänglichen Investitionen (z.B. für die Entwicklung) verbunden ist und die spätere Reproduktion des entwickelten Produktes mit relativ geringen Kosten erreicht werden kann.

Netzwerkeffekte können dazu führen, dass mehrere Gleichgewichte auf dem Markt möglich sind.19 Dies setzt allerdings voraus, dass eine kritische Masse von Käufern gewonnen wurde, da sonst nur ein Gleichgewicht bei einer Outputmenge von null erreicht wird. Das Problem der kritischen Masse resultiert daraus, dass der erste Abnehmer eines Netzwerkgutes nur einen äußerst geringen

Nutzen aus dem Kauf rea- lisieren würde, da noch kein Netz vorhanden ist, das diesen steigern würde. Somit ist niemand bereit, den Anfang zu machen. Abb. 1 zeigt dieses Phä- nomen unter der vereinfa- chenden Annahme kon- stanter Skalenerträge, was zu einer horizontalen An- gebotskurve führt. Der um- gekehrt U-förmige Verlauf der Nachfragekurve ergibt sich daraus, dass sowohl bei einem kleinen wie auch bei einem großen Netzwerk die Zahlungsbereitschaft marginaler Nachfrager gering ist.20 Die Punkte A und C stellen stabile Gleichgewichte dar. Bei leichten mengenmäßigen Abweichungen sorgt der Marktmechanismus (symbolisiert durch die Pfeile in Abb. 1) für eine Rückkehr zum Gleichgewicht. Punkt B stellt ein instabiles Gleichgewicht dar. Abweichungen nach links füh- ren zu einem Übergang zum Gleichgewicht bei Punkt A, Abweichungen nach rechts führen zum Übergang in das Gleichgewicht bei Punkt C. Somit stellt Punkt B die kritische Masse dar. Wächst das Netzwerk zu Beginn nicht über Punkt B hinaus, sinkt seine Größe wieder auf null (Punkt A). Überschreitet die Größe des Netzwerks jedoch Punkt B, so vergrößert sich das Netzwerk schnell bis Punkt C als neues Gleichgewicht erreicht wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 - Problem der kritischen Masse (Quelle: Varian, H. (2001), S.594)

2.3 Ver ä nderungen durch die Informationswirtschaft

Die Entstehung der Informationswirtschaft veränderte die Ökonomie in vielerlei Hinsicht. Die Ware Information unterscheidet sich grundlegend von materiellen Gütern. Hier sei vor allem die nahezu kostenlose Reproduzierbarkeit von Bits im Gegensatz zur relativ kostenintensi- ven Herstellung materieller Güter genannt.21 Die neuen Technologien und die veränderten ökonomischen Bedingungen wirken besonders auf den (Netzwerk-)Märkten der New Eco- nomy. Gerade hier ist eine starke Verschmelzung früher getrennt auftretender Effekte zu beobachten.22 So kommt es beispielsweise auf Softwaremärkten dazu, dass positive Netzwerkexternalitäten - verursacht beispielsweise durch die Kompatibilität der mit der Soft- ware erstellten Dateien - und zunehmende Skalenerträge - ausgelöst durch hohe Entwick- lungskosten bei der Programmierung und extrem geringen Herstellungskosten einer Kopie der Software - gemeinsam auftreten. Deshalb werden Softwaremärkte als winner-take-most Märkte bezeichnet.23 Hier findet sich ein führender Anbieter, der den Markt beherrscht und wenige kleine Anbieter, die durch eine Konzentration auf Nischen überleben können.

Allgemein führen Netzwerkexternalitäten und Skalenerträge zu positiven Rückkopplungen. Tritt ein einmaliger exogener Nachfrageanstieg auf, löst dieser weitere Nachfragesteigerungen aus. Auf der Nachfrageseite liegt die Ursache dafür darin, dass der Nutzen des Gutes mit steigernder Verbreitung wächst. Ist der Preis gegeben, folgt ein Anstieg der Nachfrage. Auf der Angebotsseite liegt die Ursache in den sinkenden Stückkosten. Höhere Nachfrage führt zu steigender Produktion und sinkenden Stückkosten. Sinkt daraufhin der Preis, kommt es ebenfalls zu einem Anstieg der Nachfrage.

[...]


1 Siehe 2.2 für eine Definition.

2 MMS steht für Multimedia Messaging Service.

3 Vgl. Graumann (1993), S. 1331.

4 Vgl. Umbhauer (1998), S. 1.

5 Vgl. Liebowitz und Margolis (1999), S. 67f. (z.B. Schienen, Telefonleitungen, Wasser-

6 Die Begriffe „Netzwerk“ und „Netz“ werden im Folgenden synonym verwendet.

7 Vgl. Shy (2001), S. 2.

8 Vgl. Varian (2001), S. 589.

9 Vgl. Farrell und Saloner (1987), S. 1f.

10 Vgl. Shy (2001), S. 2.

11 Vgl. Varian (2001), S. 592.

12 Jedoch sinkt z.B. bei Prestige-/Statusgütern der individuelle Nutzen mit steigender Verbreitung.

13 Vgl. Church und Gandal (1993), S. 239.

14 Vgl. Dies. (1992), S. 85f.

15 Vgl. Liebowitz und Margolis (1999), S. 93f.

16 Vgl. Shapiro und Varian (1999), S. 116ff.

17 Vgl. Katz und Shapiro (1992), S. 55.

18 Für eine Übersicht über Skaleneffekte vgl. Abschnitt 3.1.

19 Vgl. Katz und Shapiro (1985), S. 425.

20 Vgl. Varian (2001), S. 593.

21 Für weitere Unterschiede vgl. Krcmar (2000), S.15.

22 Vgl. Arthur (1994), S.3f.

23 Vgl. Schmalensee (2000), S. 192.

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638217101
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17028
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Institut für Volkswirtschaftslehre
Note
1,7
Schlagworte
Wettbewerb Netzwerkmärkten Netzwerkeffekte Monopol Fortschritt Schumpeter-Wettbewerb AVWL-Seminar

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