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Die Rolle Tunesiens von 1969 - 1972 in der US Außenpolitik der Nixon-Administration

Studienarbeit 2010 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführung über Tunesien
2.1. Bourguiba und die Unabhängigkeit Tunesiens
2.2. Bourguiba als Politiker
2.3. Einparteien Demokratie oder Diktatur?

3. Tunesien im Zusammenhang mit der US Außenpolitik
3.1. Die Freundschaft zwischen Tunesien und den USA
3.2. Die Frage der Sicherheit
3.3. Die Einschätzung Kissingers
3.4. Die US-Interessen in Tunesien
3.5. Ziele und Handlungsempfehlungen
3.6. Die Interessen Tunesiens
3.7. Eine Einschätzung der tunesischen Sicherheitssituation
3.8. Die praktische Politik der Sicherheits- und Wirtschaftshilfe
3.9. Der Nahostkonflikt

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.2. Sekundärliteratur
5.3. Internetquellen

1. Einleitung

Der Themenbereich dieser Proseminararbeit befasst sich mit der Rolle Tunesiens in der US Außenpolitik der Nixon-Administration. Die Basis für die Arbeit bilden die Dokumente der Foreign Relations.

In der folgenden Arbeit werde ich zuerst eine kurze Einführung über die Geschichte Tunesiens, Präsident Bourguiba und die politische Struktur des Landes geben. Danach werde ich auf die Rolle, die Tunesien für die US Außenpolitik spielte, näher eingehen. In diesem Teil werde ich vor allem versuchen u.a. die Sicherheitsfrage in Tunesien, die Ziele der US Außenpolitik, die Handlungsempfehlungen und deren praktische Umsetzung, die Interessen Tunesiens sowie die Wiedersprüche innerhalb der US Administration herauszuarbeiten. Danach folgt noch ein kurzer Abschnitt zum Nahostkonflikt. Zum Schluss werde ich dann nochmal die wichtigsten Punkte herausarbeiten. Meine Forschungsfragen bezüglich dieser Proseminararbeit lauten:

- Wie bedeutend war die Rolle Tunesiens in der US Außenpolitik in Afrika?
- Gab es innere Meinungsverschiedenheiten über die Bedeutung Tunesiens für die USA? Wie sah die Praxis der US Außenpolitik bezüglich Tunesien aus?

Mein Hypothese lautet: Es gab innere Meinungsverschiedenheiten innerhalb der US Administration über Tunesien und in der Praxis wurde ein Mittelweg gewählt.

Da ich für diese Arbeit so gut wie keine Sekundärquellen bzw. Internetartikel gefunden habe, musste ich mich beinahe ausschließlich auf die Quellen des Department of State, nämlich auf die Foreign Relations stützen. Die Sekundärliteratur die ich fand gab mir nur minimalste Informationen. Ich bin mir aber sicher, dass es sehr viel französische Sekundärliteratur gibt. Die folgende Arbeit und die Schlussfolgerungen aus dieser basieren daher so gut wie ausschließlich auf den Quellen. Um mir die Quellen verständlicher zu machen, versuchte ich diese, so gut wie möglich, zu übersetzen, und Übersetzungsfehler zu vermeiden. Bezüglich der (pauschalen) Quellenkritik, zweifelte ich nicht an der Authentizität der Quellen, da diese ja vom Department of State veröffentlicht wurden. Die äußere Quellenkritik, konnte nicht durchgeführt werden, weil es sich um online Quellen handelt. Bezüglich der inneren Quellenkritik sind die Intentionen der Verfasser manchmal recht gut zu erkennen, allerdings bei den meisten Dokumenten, da dies ja meist Memoraden sind, ist die Intention kaum erkennbar, sofern überhaupt eine andere Bestand, als die der korrekten Wiedergabe des Gespräches. Bei Memoranden, die einen Sachverhalt kurz näher erklären sollten, kann man aber durchaus teilweise die Intention erkenn, dass der Autor seine persönliche Meinung einfließen ließ. Deutlicher werden aber auf jeden Fall die Intentionen der beteiligten Personen, über die die Dokumente berichten. Die von mir verwendeten Dokumente der Foreign Relations erstrecken sich von Dezember 1969 bis April 1972, die gesamten Dokumente zu Tunesien in der Nixon-Administration erstrecken sich über den Zeitraum von März 1969 bis Dezember 1972.

2. Einführung über Tunesien

2.1. Bourguiba und die Unabhängigkeit Tunesiens

Der 1903 geborene Habib Bourguiba erhielt seine Ausbildung in Tunis und Frankreich. In den 1920er Jahren trat er der sozialistischen Destour Partei bei, die die Interessen der Bourgeoisie und der Großgrundbesitzer vertrat und auch die Unabhängigkeit Tunesiens anstrebte. Als diese Partei mit ihren Zielen scheiterte, gründete Bourguiba und andere die Neo-Destour Partei 1934. Während der ersten zwei Jahrzehnte wurde die Partei häufig unterdrückt. Bourguiba wurde 1938 ihr zweiter Präsident und er verbrachte ein Großteil der Zeit bis 1956 im Gefängnis oder im Exil. Tunesien wurde 1956 von Frankreich unabhängig und Bourguiba wurde 1957 der erste Präsident. Eine Verfassung wurde 1959 angenommen und Bourguiba wurde erneut dreimal in Folge für je fünf Jahre gewählt. Seine letzte Amtszeit sollte 1974 enden und zu diesem Zeitpunkt wäre er verpflichtet gewesen öffentlich in Rente zu gehen. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes konnte er kaum mehr aktiv in die Tagespolitik eingreifen und darum wurde die Nachfolgefrage wichtiger.[1]

Zu Frankreich baute Tunesien auch relativ schnell wieder gute Beziehungen auf, vor allem im Rahmen eines französischsprachigen Commonwealth, das allerdings immer ein lockerer Bund war, da die einzelnen Staaten sich nicht zu sehr an Frankreich binden wollten.[2]

2.2. Bourguiba als Politiker

Als Bourguiba 1956 die Regierung übernahm, stellte er sich den Problemen eines kleinen Landes mit wenigen Rohstoffen. Der Großteil der 3,5 Mio. Einwohner waren Analphabeten und lebte am Existenzminimum. Der Hauptanteil des Reichtums Tunesiens war in den Händen von Ausländern.[3]

Bourguiba war auch offen dagegen, dass Nasser immer mehr Einfluss in Nordafrika gewann und er vertrat auch eine starke anti-kommunistische und pro-westliche Haltung. Er war im Grunde ein Humanist, der den Marxismus ablehnte und den Sozialismus bevorzugte. Der Sozialismus sollte sich aber weiterentwickeln, um die Entfaltung des Einzelnen zu fördern. Sein erklärtes Ziel war die Schaffung einer egalitären und modernen Gesellschaft, also eine Vorzeigedemokratie. Daher waren auch die USA sein Vorbild. Mit Problemen wie Unwissenheit in der Bevölkerung, Fremdenfeindlichkeit, Ignoranz und einer Pan-Arabischen und traditionalistischen Opposition versuchte er die Lebensbedingungen, vor allem den Wohnungsausbau, das Bildungswesen, die Infrastruktur und die Stellung der Frau zu verbessern, und eine effiziente Wirtschafts- und Verwaltungsstruktur zu schaffen. Er förderte auch die Schaffung von mehr und effizienteren Privatunternehmen, sowie die Modernisierung der Landwirtschaft.[4]

Bourguibas Ziele waren oft mit den Interessen der reichen Familien und der ausländischer Unternehmen und Grundbesitzer konfrontiert. Seine Programme zur Modernisierung der tunesischen Gesellschaft wurden häufig mit Misstrauen ausgeführt. Beispielsweise gab es viel Wiederstand gegen Bourguibas Kampagne, die die strikte Einhaltung des Ramadan kritisierte, weil diese Zeit zu wirtschaftlicher Unproduktivität führe. Der Islam übte in Tunesien aber keinen so starken Einfluss aus, wie in anderen arabischen Ländern, und war auch politisch nicht entscheidend.[5]

Trotz der inneren Spannungen konnte Bourguiba immer wieder einen Ausgleich zwischen diesen schaffen. Seine Herrschaft war pragmatisch, sehr persönlich und autokratisch. Er wollte eine Nische in der Geschichte als der Schöpfer eines stabilen und respektierten Nationalstaates. Aufgrund seiner Reformfreude galt Bourguiba daher als der Kemalist des Mittleren Ostens. Er dachte zwar immer wieder über die Nachfolge nach, wollte aber auch seine Macht nicht verringern. Alle seine Nachfolgekandidaten waren grundsätzlich pro-westlich, allerdings bekannte sich keiner so offen zu den USA wie Bourguiba selbst. Die USA gingen davon aus, dass Bourguibas Erbe oder Erben wahrscheinlich nicht dieselben persönlichen Sympathien für die USA hegen würden, aber dennoch pro-westlich eingestellt sein würden.[6]

2.3. Einparteien Demokratie oder Diktatur?

Obwohl er öffentlich die Demokratie befürwortete, übte Bourguiba eine strenge Kontrolle über die Regierung und die Partei aus und die Effizienz der Regierung litt darunter. Seit der Unabhängigkeit wurden alle wichtigen Schlüsselfunktionen von der Partei kontrolliert. Anfangs wurden noch viele Ämter durch Wahl beschickt, später ging Bourguiba über sie selbst zu bestimmen. Innerhalb der Partei gab es im Großen und Ganzen zwei Lager. Die Konservativen, die für eine starke Zentralregierung und eine gelenkte Wirtschaft waren, und die Liberalen, die für Reformen, eine freie Wirtschaft und mehr Demokratie standen. Vor allem die Liberalen und andere Teile der Bevölkerung forderten zunehmend mehr Demokratie. Beispielseise wurden die Landwirtschaftlichen Kollektive aufgrund von Wiederständen Ende der 1960er Jahre abgeschafft. Die Forderungen nach einem Mehrparteiensystem, (die kommunistische Partei war seit 1963 verboten), wurden von der Partei mit der Begründung beantwortet, dass Tunesien zu arm wäre um sich den politischen Wettbewerb mehrerer Parteien leisten zu können.[7]

3. Tunesien im Zusammenhang mit der US Außenpolitik

3.1. Die Freundschaft zwischen Tunesien und den USA

Die guten Beziehungen und die Freundschaft Tunesiens zu den USA waren hauptsächlich auf Bourguiba persönlich zurückzuführen. Er betrachtete die USA als einen mächtigen Freund innerhalb des strategischen Nord-Afrika-Mittelmeerraumes und sah die USA auch immer als einen wichtigen Verbündeten an, der Tunesien unterstütztet hatte. Die USA spielten für ihn auch eine wichtige Rolle, weil sie zur wirtschaftlichen Entwicklung Tunesiens beitrugen.[8]

[...]


[1] Vgl. Edward C. Keefer/Monica L. Belmonte, Department of State (Ed.), Foreign Relations of the United States, 1969-1976, Volume E-5, Part 2, Documents on North Africa, 1969-1972, Ch. 5 Tunisia, Doc. 156, Intelligence Memorandum 2101/71, Washington, December 8, 1971, Washington D.C. 2007, in: 17.09.2007, [http://www.state.gov/documents/organization/92530.pdf], 15.11.2009, pp. 1 – 19, here pp. 1 – 5.

[2] Vgl. I. William Zartman, Europe and Africa: Decolonization or Dependency?, in: James Chace/Jennifer Seymour Whitaker/Elisabeth H. Bryant (Ed.), January 1976, An American Quarterly Review, (Foreign Affairs 54, 1975/1976), New York 1922, pp. 325 – 344, here pp. 334 – 335.

[3] Vgl. Doc. 156, pp. 2 – 6.

[4] Vgl. William H. Lewis, North Africa: Calculus of Policy, in: Sage Publications, Inc. in association with the American Academy of Political and Social Science (Ed.), America and the Middle East (Annals of the American Academy of Political and Social Science 401), o.O. 1972, in: 31.12.2007, [http://www.jstor.org/stable/pdfplus/1039112.pdf], 18.11.2009, pp. 56-63, here pp. 58 – 61 and Doc. 156, pp. 2 – 10 and Edward C. Keefer/Monica L. Belmonte, Department of State (Ed.), Foreign Relations of the United States, 1969-1976, Volume E-5, Part 2, Documents on North Africa, 1969-1972, Ch. 5 Tunisia, Doc. 152, Memorandum From the President's Assistant for National Security Affairs (Kissinger) to President Nixon, Washington, March 4, 1971, Washington D.C. 2007, in: 17.09.2007, [http://www.state.gov/documents/organization/92526.pdf], 15.11.2009, pp. 1 – 2, here pp. 1 – 2.

[5] Vgl. Lewis, North Africa: Calculus of Policy, 1972, pp. 58 – 61 and Doc. 156, pp. 2 – 10 and Doc. 152, pp. 1 – 2.

[6] Vgl. Lewis, North Africa: Calculus of Policy, 1972, pp. 58 – 61 and Doc. 156, pp. 2 – 10 and Doc. 152, pp. 1 – 2.

[7] Vgl. Doc. 156, pp. 5 – 19.

[8] Vgl. Doc. 152, pp. 1 – 2.

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640889303
ISBN (Buch)
9783640889808
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170258
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
2
Schlagworte
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