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Interventionsprogramme zur Sturzprävention für ältere, daheimlebende Menschen, von Pflegefachkräften durchgeführt

Eine Literaturübersicht

Hausarbeit 2010 40 Seiten

Pflegemanagement / Sozialmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Fragestellungen

3. Methoden

4. Suchstrategien

5. Ein- und Ausschlusskriterien

6. Typologie

7. Ergebnisse
7.1. Welche Interventionsprogramme wurden im Rahmen der Sturz prävention bei älteren, daheimlebenden Menschen von Pflegefachkräften durchgeführt?
7.1.1. Multifaktorielle Sturzpräventionsprogramme
7.1.2. Muskel- und Balancetraining als Einzelintervention
7.1.3. Beurteilung der häuslichen Umgebung hinsichtlich der Sturzrisiken und deren Modifikation
7.2. Inwieweit trugen diese Interventionsprogramme zur Verhinderung von Stürzen bei älteren, daheimlebenden Menschen bei?

Tabelle 1: Übersicht der Interventionsprogramme, die im Rahmen der Sturzprävention von Pflegefachkräften durchgeführt wurden...

Tabelle 2: Auflistung der Ergebnisse und zusätzlichen Effekte der Sturzpräventionsprogramme

8. Diskussion

9. Schlussfolgerungen

10. Empfehlungen für die Praxis

11. Literaturverzeichnis

Abstract

Stürze im häuslichen Umfeld verursachen die häufigsten Verletzungen bei älteren, daheimlebenden Menschen in Deutschland. Diese sind zudem assoziiert mit einem Verlust an Autonomie und Lebensqualität, der Notwendigkeit von Pflegeheimeinweisungen und erhöhter Sterblichkeit.

Sturzpräventionsprogramme versuchen mit unterschiedlichen Interventionskomponenten und Interventionsstrategien, bestehende intrinsische und extrinsische Sturzrisikofaktoren zu beseitigen und zu minimieren. Diese Programme werden von verschiedensten Berufsgruppen durchgeführt. Eine Darstellung der Sturzpräventionsprogramme bei älteren daheimlebenden Menschen, welche von Pflegefachkräften bereits durchgeführt wurden, fehlt bisher.

Im Rahmen einer Literaturarbeit wurde aufgrund dessen den folgenden Forschungsfragen nachgegangen: 1) Welche Interventionsprogramme wurden von Pflegefachkräften im Rahmen der Sturzprävention bei älteren, daheimlebenden Menschen bereits durchgeführt? 2) Inwieweit trugen diese Interventionsprogramme zur Verhinderung von Stürzen bei älteren, daheimlebenden Menschen bei? 3) Inwieweit können diese Ergebnisse als Grundlage zur Implementierung sturzpräventiver Interventionsprogramme in Deutschland dienen?

In acht Studien, welche den Ein- und Ausschlusskriterien der Literaturarbeit entsprachen, wurden Sturzpräventionsprogramme, welche von Pflegefachkräften durchgeführt wurden, dargestellt, welche in Form und Inhalt eine große Heterogenität aufweisen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass verschiedene der untersuchten Interventionsprogramme zu einer signifikanten Reduktion an Stürzen und schwerwiegender Verletzungen geführt haben. Zudem fiel auf, dass vor allem die durchgeführten Sturzpräventionsprogramme für die Gruppe der älteren daheimlebenden Menschen erfolgreich waren, welche über multiple Risikofaktoren verfügten und somit ein hohes Sturzrisiko aufwiesen.

Aus den Ergebnissen wird der Schluss gezogen, dass Pflegefachkräfte, die über eine erweiterte und vertiefte Pflegepraxis verfügen, mit Hilfe von Sturzpräventionsprogrammen eines wesentlichen Beitrag in der Reduzierung von Stürzen bei älteren, daheimlebenden Menschen leisten können.

1. Einleitung

Nach statistischen Angaben beläuft sich die Anzahl an Stürzen in Deutschland bei älteren Menschen auf mehr als 4 Millionen jährlich, die meist im häuslichen Umfeld geschehen (BKK Bosch 2005) und deren Anzahl aufgrund des demographischen Bevölkerungswandels erwartungsgemäß in den kommenden Jahrzehnten noch weiter zunehmen wird (Obertacke & Nast-Kolbe, 2000).

Stürze verursachen die häufigsten Verletzungen bei älteren Menschen (Pierobon & Funk, 2007). Jeder Dritte über 65 Jahre stürzt mindestens einmal im Jahr (Rubinstein, 2006). Bei älteren Menschen zwischen 80 und 89 Jahren steigt die Sturzquote auf mehr als 45%, bei 90 bis 99Jährigen liegt diese sogar bei 54% (Campbell et al., 1989).

Mit zunehmendem Alter nimmt nicht nur die Sturzhäufigkeit zu, sondern auch das Ausmaß der aus den Sturzereignissen resultierenden Verletzungen. Alleine die Zahl der Oberschenkelhalsfrakturen wird hierzulande auf jährlich mehr als 135.000 Fälle geschätzt. 40% dieser Fälle erhalten ihre ursprüngliche Beweglichkeit nicht mehr zurück und müssen aufgrund dessen in ein Pflegeheim eingewiesen werden. Mehr als 25% dieser Personen wiederum versterben innerhalb einen Jahres (Becker et al., 2006).

Die Kosten für die Behandlungen der Sturzfolgen bei älteren Menschen belaufen sich bundesweit derzeit auf mehr als 1 Mrd. Euro jährlich (Höfert & Meißner, 2008). Als Sturzrisiken gelten sowohl intrinsische als auch extrinsische Faktoren. Erstere gelten als eigentliche Sturzursachen und letztere als Sturzauslöser. Diese liegen in der Person selbst begründet (Pierobon & Funk, 2007).

Zu den intrinsischen Faktoren zählen umgebungsbedingte Risiken wie Stolperfallen durch Türschwellen, Teppichkanten, glatte Böden und unzureichende Lichtverhältnisse (Nikolaus, Specht-Leib & Bach, 1999; Richter et al., 2002; Burkhardt & Gladisch, 2003; Heinze et al. 2004; Nikolaus 2005).

Als extrinsische Faktoren gelten das fortgeschrittene Alter, eingeschränkte kognitive Fähigkeiten, Balance- und Gangeinschränkungen, Gleichgewichtsdefizite, Seheinschränkungen, Depressionen, Einschränkungen der Aktivitäten des täglichen Lebens, Einschränkungen der Wahrnehmung, Arthrose, Inkontinenz, Demenz, Morbus Parkinson, Mehrfacheinnahme von Medikamenten, Einnahme von Psychopharmaka, Synkopen, Schwindel und Hypotonie (American Geriatrics Society, 2001; Hermann & Meier-Baumgartner, 1999; Cumming, 2002; Resnich & Junlapeeya, 2004; Nazarko, 2006, Moylan & Binder, 2007; MacCulloch et al. 2007; Huang et al. 2008, Fortinsky et al., 2008).

Tinetti et al. (1988), Campbell et al. (1989) und Campbell & Robertson (2006) weisen in ihren Studien jedoch darauf hin, dass die Mehrzahl an Stürzen als Resultat multipler, interagierender Faktoren zu verstehen sind und nicht als Resultat eines Faktors.

Stürze im höheren Lebensalter gehen nicht nur mit einem erhöhten Risiko einer Fraktur einher, sondern zudem mit einer Erhöhung der Angst vor erneuten Stürzen (Murphy, Dubin & Gill, 2003; Evitt & Quigley, 2004; Jung et al. 2009). Dies wiederum führt bei den Betroffenen zu einem Verlust des Selbstvertrauens (Zeitler 2004) und zu einer Reduzierung der gewohnten Aktivitäten, was wiederum deren körperlichen und geistigen Abbau beschleunigt (Werle & Zimber, 1999; Lamb et al., 2005; van Haagstregt et al., 2007; Zijlstra et al., 2005, 2007, 2009; Anders et al., 2008; Kempen et al., 2009; Delbaere et al., 2009).

Der Forschungsstand hinsichtlich Sturzpräventionsprogrammen in der ambulanten Versorgung älterer Menschen und deren Umsetzung stecken in Deutschland noch in den Anfängen (Freiberger & Becker, 2006) und beschränken sich bisher auf einige wenige Modelle (von Renteln-Kruse et al., 2003; Nikolaus & Bach, 2003; Becker et al., 2006; Freiberger et al., 2007; Anders et al., 2008; Härlein et al., 2009). Die Implementierung solcher Programme im ambulanten Bereich wird hierzulande kontrovers diskutiert (Meinck et al., 2004; Becker et al., 2006).

International hingegen zeigt sich eine Vielfalt verschiedenster Sturzpräventionsprogramme bei älteren, daheimlebenden Menschen, die teils durch multidisziplinäre Teams oder auch durch einzelne Gesundheitsberufe wie Pflegefachkräfte oder Physiotherapeuten durchgeführt wurden. Unterschieden wird zwischen multidimensionalen Sturzpräventionsprogramme, durchgeführt von multidisziplinäre Teams (Hébert et al., 2001; Day et al., 2002; Lord et al., 2005; Lin et al., 2007; Shumway-Cook et al., 2007; Hendriks et al., 2008; Sjösten et al., 2007, 2007a); multifaktoriellen Interventionsprogrammen, welche verschiedenste Interventionskomponenten und Interventionsstrategien kombinieren (Rubinstein & Josephson; 2006) und welche sich aufgrund ihres Intensitätsgrad hinsichtlich deren Kontakten zu den Teilnehmern und der Art der Interventionen nach Interventionsprogrammen niedriger, mittlerer und hoher Intensität unterscheiden (Mahoney et al. 2007); Trainings- und Übungsprogrammen, welche individuell als auch in Gruppen durchgeführt werden (Buchner et al., 1997; Rubinstein et al., 2000; Barnett et al., 2003; Wolf et al., 2003; Voukelakos et al., 2007; Luuikinen et al., 2007; Sherrington et al., 2008; Gregory & Watson 2009; Looghe et al., 2009) sowie Sturzpräventionsprogrammen, die der Beurteilung des häuslichen Umfeldes und deren Modifikation gelten (Cumming et al., 1999; Nikolaus & Bach 2003; Marshall et al., 2005).

Ziel dieser Übersichtsarbeit ist die Durchsicht der Literatur hinsichtlich vorhandener Interventionsprogramme zur Sturzprävention, die von Pflegefachkräften durchgeführt wurden.

2. Fragestellungen

Um die der Literaturrecherche zugrunde liegende inhaltliche Zielsetzung zu erreichen, wurden die folgenden Fragestellungen formuliert:

1. Welche Interventionsprogramme wurden von Pflegefachkräften im Rahmen der Sturzprävention bei älteren, daheimlebenden Menschen bereits durchgeführt?
2. Inwieweit trugen diese Interventionsprogramme und deren Interventionsstrategien zur Verhinderung von Stürzen bei älteren, daheimlebenden Menschen bei?
3. Inwieweit können diese Ergebnisse als Grundlage zur Implementierung sturzpräventiver Interventionsprogramme in Deutschland dienen?

3. Methoden

Die verschiedenen Fragestellungen wurden mittels Literaturrecherche und inhaltlicher Textanalyse untersucht. Es wurden ausschließlich randomisiert kontrollierte Studien verwandt.

4. Suchstrategien

Zunächst wurde die Literatursuche in den Datenbanken CINAHL, MEDLINE, EMBASE und Cochrane Database of Systematic Reviews durchgeführt. Die Suche fand zwischen Februar und April 2010 statt und reicht bis ins Jahr 1985 zurück. Fünf Begriffsgruppen wurden angewendet und innerhalb der Gruppen wurden die Begriffe durch «oder» verknüpft. Unter der Verwendung «und» wurden die Gruppen dann in der Suche miteinander kombiniert.

Begriff in Set A:

- falls

Begriffe in Set B:

- elderly
- aging
- aged
- older adults

Begriffe in Set C:

- prevention
- intervention
- multifactorial
- single
- exercise
- training
- assessment
- education

Begriffe in Set D:

- home
- home visit
- community

Begriffe in Set E:

- nursing
- caregiver

CINAHL (87), MEDLINE (163), Cochrane (2); EMBASE (75): Von den 327 gelesenen Abstracts wurden 129 ausgewählt. Die Anzahl der durchgesehen Arbeiten betrug 129, 8 dieser Studien entsprachen letzten Endes den nachfolgenden Ein- und Ausschlusskriterien und wurden in die Literaturübersicht übernommen (Medline/Cinahl 8, Embase 0, Cochrane 0). Eine die Kriterien erfüllende deutsche Studie wurde nicht gefunden. Die Studien stammen aus den USA (2), Neuseeland (4), den Niederlanden (1) und Australien (1).

5. Ein- und Ausschlusskriterien

Die folgenden Ein- und Ausschlusskriterien wurden für die Aufnahme der forschungsbasierten Publikationen zur Identifizierung festgelegt. Einschlusskriterien waren: Durchführung der Studien im ambulanten Sektor; die präventiven Maßnahmen der Sturzprävention wurden von Pflegefachkräften initiiert und in Zusammenarbeit mit anderen gesundheitsorientierten Berufen wir Physiotherapeuten durchgeführt; die Zielgruppe der pflegepräventiven Sturzinterventionen waren Personen ab einem Alter von 65 Jahren; der Nachweis über die Effektivität oder den Nutzen der pflegepräventiven Maßnahme zur Sturzprävention war Ziel dieser Studien und bei den Studien handelte es sich um randomisiert kontrollierte Studien. Als Ausschlusskriterien galten die forschungsbasierten Studien, die ausschließlich im klinischen Bereich stattfanden sowie Sturzpräventionsprogramme, die von Medizinern geleitet wurden und solche, die ausschließlich von Physiotherapeuten oder Beschäftigungstherapeuten begleitet wurden.

6. Typologie

Zur Analyse und Kategorisierung der in der Literatur beschriebenen Sturzpräventionsprogramme wurden in Anlehnung an Mayring (2010) die Inhalte jeder Studie mehrfach gelesen und entsprechende Abschnitte und Ergebnisse notiert. Um Fragestellung (1) und (2) zu beantworten, wurden in Anlehnung an Mayring die folgenden Kategorien gebildet: (1) Autoren/Jahr/Titel, Art der Interventionen, Stichprobengröße, Einschlusskriterien, Dauer und Verluste, (2) Autoren/Jahr/Titel, Ergebnisse und zusätzliche Effekte (siehe Tabelle 1 und 2). Die Beantwortung von Fragestellung (3) erfolgt auf Grundlage der Ergebnisse von (1) und (2) als Ergebnis der Diskussion.

7. Ergebnisse

Die Darstellung der Ergebnisse wurde so gegliedert, dass zunächst die Sturzpräventionsprogramme hinsichtlich ihrer Form und ihres Inhalts beschrieben werden. Im Anschluss daran wird aufgezeigt, welche Ergebnisse diese Interventionen zur Sturzprävention zeigten und inwieweit diese Ergebnisse als Argumentationsgrundlage zur Implementierung sturzpräventiver Interventionsprogramme in Deutschland reichen. In Ergänzung zu diesen Ausführungen wurden Tabelle 1 und 2 erstellt, um einen Überblick über das Design der einzelnen Studien und der gewonnenen Daten zu ermöglichen.

7.1. Welche Interventionsprogramme wurden im Rahmen der Sturzprävention bei älteren, daheimlebenden Menschen von Pflegefachkräften durchgeführt?

7.1.1. Multifaktorielle Interventionsprogramme

Fünf multifaktorielle Interventionsstudien erfüllten die beschriebenen Ein- und Ausschlusskriterien. Die Rekrutierungsmethoden der Studien variierten und beinhalteten unter anderem die Rekrutierung von Personen nach einem Klinikaufenthalt (Lightbody et al., 2002), in Hausarztpraxen (van Haagstregt et al., 2000), in Krankenversicherungsdateien (Tinetti et al., 1994), in Seniorenzentren (Mahoney et al., 2008) und in Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung (Elley et al., 2008).

Die beschriebenen multifaktoriellen Sturzpräventionsprogramme unterscheiden sich hinsichtlich deren Kontaktintensität und deren Interventionskomponenten. Eine niedrige Intensität weisen van Haagstregt et al. (2000), Lightbody et al. (2002) und Elley et al. (2008) mit weniger als fünf Kontakten und dem primär zur Verfügung stellen von Ratschlägen, Informationen und informellen Verhaltensmodifikationen auf. Elley et al. (2008) lieferten zudem ein Übungsprogramm von moderater Intensität.

Eine mittlere Intensität des Programmes weisen Mahoney et al. (2007) auf. Diese gaben in erster Linie individuelle Ratschläge und Empfehlungen ohne physikalische Therapie oder progressive Übungen, jedoch mit einer größeren Anzahl an Kontakten. Ausschließlich Tinetti et al. (1994) lieferten ein hochintensives Sturzpräventionsprogramm mit mehr als fünf Hauskontakten, der Erhebung und Modifizierung von Sturzrisikofaktoren und der Durchführung eines progressiven Übungsprogrammes.

Tinetti et al. (1994) rekrutierten Personen, die 70 Jahre und älter waren und mindestens einen Risikosturzfaktor (posturale Hypotonie, Sedativa, mindestens vier verschiedene Medikamente, Schwäche in Armen und Beinen, Geh- und Balanceschwäche) aufwiesen. Die Teilnehmer der Studie von van Haagstregt et al. (2000) waren ebenfalls 70 Jahre und älter, mit moderaten Verminderungen der Mobilität oder mindestens zwei Stürze oder mehr in den letzten sechs Monaten.

Lightbody et al. (2002) rekrutierten die teilnehmende Personen der Studie in einer Klinik, die 65 Jahre und älter waren und die aufgrund eines Sturzes eingewiesen worden waren. Die Teilnehmer der Studie von Mahoney et al. (2007) waren 65 Jahre und älter und hatten mindestens zwei Stürze im vergangenen Jahr oder einen Sturz in den letzten 2 Jahren erlebt.

Elley et al. (2008) rekrutierten Teilnehmer, die 75 Jahre und älter waren und mindestens zwei Stürze im vergangenen Jahr erlebt hatten oder einen Sturz in den vergangenen zwei Jahren erlebt hatten.

Die multifaktoriellen Sturzpräventionsprogramme, die von Pflegefachkräften, die u.a. über eine erweiterte und vertiefende Pflegepraxis verfügten (Nurse Practitioner, Community Nurse, Trained District Nurse, Trained Registered Nurse/Research Nurse, Falls- an Fracture Nurse, Trained Nurse), durchgeführt wurden, beinhalteten die folgenden Interventionskomponenten: die Einschätzung des Gesundheits- und Sturzrisikos, das Assessment der Medikation und ggf. in Absprache mit dem behandelnden Hausarzt deren Modifikation, die Einschätzung des Sehvermögens und ggf. deren Korrektion, die Beurteilung der häuslichen Umgebungsrisiken und deren Modifikation, die Edukation und Schulung der Klienten hinsichtlich Sturzrisikofaktoren sowie Muskelübungs- und Balancetrainingsprogramme in Zusammenarbeit mit Physi otherap euten.

Zwei der multifaktoriellen Sturzpräventionsprogramme boten fünf verschiedene

Interventionsstrategien an (Lightbody et al., 2002; Mahoney et al. 2007). Van Haagstregt et al. (2000) boten in ihrem multifaktoriellen Interventionsprogramm drei Interventionskomponenten und Elley et al. (2008) boten insgesamt vier Interventionskomponenten an. Einzig Tinetti et al. (1994) boten sechs verschiedene Interventionskomponenten in deren Sturzpräventionsprogramm an.

Vier Studien verwendeten eine umfassende Gesundheits- und Sturzrisikobeurteilung durch eine geeignete Pflegefachkraft (Tinetti et al., 1994; Lightbody et al., 2002; Mahoney et al., 2007; Elley et al., 2008). Veränderungen des Versorgungsplans, initiiert durch die Pflegefachpersonen, und die sich daraus ergebenden Nachsorge, mit der Beurteilung der Befolgung der Ratschläge, wurden nur in drei der vier Studien ersichtlich (Tinetti et al., 1994, Lightbody et al., 2002, Mahoney et al., 2007). Vor allem Mahoney et al. (2007) und Elley et al. (2008) boten das wohl umfassendste Gesundheit- und Risikoassement an, gefolgt von Tinetti et al. (1994) und Lightbody et al. (2002).

Alle fünf Studien beschäftigten sich mit dem Assessment der Medikation der teilnehmenden Personen, deren Edukation und Modifikation (Tinetti et al., 1994; van Haagstregt et al., 2000; Lightbody et al., 2002; Mahoney et al., 2007; Elley et al., 2008). Dazu zählten die Fragen nach Nutzung von Benzodiazepinen, mehr als vier Medikamente täglich (Tinetti et al. 1994) sowie anderen Schlafmedikamenten, Antidepressiva und Neuroleptika (Mahoney et al. 2007). Deren Modifikation erfolgte jedoch nur in vier der fünf Studien (Tinetti et al., 1994; van Haagstregt et al., 2000; Mahoney et al., 2007; Elley et al., 2008).

Die Einschätzung des Sehvermögens und ggf. deren Korrektur wurde in drei der fünf Studien durchgeführt (Tinetti et al., 1994; Lightbody et al., 2002; Mahoney et al., 2007), die jedoch keinen Effekt zeigten (Lightbody et al., 2002; Mahoney et al., 2007). Inwieweit die Korrektur des Sehvermögens einen Effekt auf die Sturzvermeidung hatte, wird bei Tinetti et al. (1994) nicht explizit erwähnt.

Eine häusliche Beurteilung des Sturzrisikos mit Edukation und/oder Modifikation, als Teil der multifaktoriellen Interventionsprogramme wurde in allen fünf Studien durchgeführt (Tinetti et al., 1994; van Haagstregt et al., 2000; Lightbody et al. 2002; Mahoney et al., 2007; Elley et al., 2008).

Die Teilnehmer erhielten während eines Hausbesuches eine Beurteilung der umgebungsbedingten Sturzrisiken wie Stolperfallen (Tinetti et al. 1994), inadäquate Beleuchtungsverhältnisse und inadäquater Möbel (Lightbody et al. 2002). Die Modifikationen der Umgebungsrisiken bezogen sich auf u.a. die Entfernung von Gefahrenquellen wie Teppichen (Mahoney et al. 2007), Möbeln oder Beleuchtungsverhältnissen sowie die Anbringung von Halterungen etc. (Tinetti et al. 1994).

Modifikationen der häuslichen Umgebung wurden tatsächlich in vier der fünf Studien durchgeführt (Tinetti et al., 1994; van Haagstregt et al., 2000; Lightbody et al., 2002; Mahoney et al., 2007). Hinsichtlich der Modifikationen fanden sich keine Effekte bei Lightbody et al. (2002) und Mahoney et al. (2007). Nur van Haagstregt et al. (2002) und Tinetti et al. (1994) zeigten Daten, die sich auf deren spezifische Veränderungen im häuslichen Bereich bezogen. Edukation war ein häufiges Interventionsmittel der multifaktoriellen Ansätze und wurde innerhalb der Studien in individuellen Sitzungen während der Hausbesuche durchgeführt. Dieses beinhaltete Informationen hinsichtlich sturzbedingten Risikofaktoren wie umweltbedingten Gefahren, Informationen hinsichtlich der medikamentösen Behandlung und Informationen hinsichtlich des Verlustes an Sehfähigkeit und deren Bewältigung (Tinetti et al., 1994; van Haagstregt et al., 2000; Lightbody et al., 2002).

Drei der fünf multifaktoriellen Sturzpräventionsprogramme beinhalteten ein Muskel stärkungs- und/ oder Balancetrainingsprogramm (Tinetti et al., 1994; Mahoney et al., 2007; Elley et al., 2008). Tinetti et al. (1994) und Mahoney et al. (2007) boten ein individuell zugeschnittenes Muskelstärkungs- und Balancetrainingsprogramm für die Teilnehmer der Interventionsgruppe an. Elley et al. (2008) boten das sogenannte Otago Exercise Programme an, welches aus einem individuellen Übungsprogramm und einem Spazierplan bestand.

7.1.2. Muskel- und Balancetraining als Einzelintervention

Einzig die Studien von Robertson et al. (2001a, 2001b) erfüllten mit ihrem

Einzelinterventionsprogramm die beschriebenen Ein- und Ausschlusskriterien. Dieses Übungsprogramm, welches aus wöchentlichen Übungen und einem Spazierplan bestand und der Stärkung der Muskulatur und des Gleichgewichts diente, wurde individuell von einem Physiotherapeuten erstellt und anschließend von einer Pflegefachkraft begleitet und durchgeführt. Während der Studie führten die Pflegefachkraft (Trained District Nurse) in regelmäßigen Abständen fünf Hausbesuche durch. In den Monaten, wo keine Hausbesuche stattfanden, telefonierte die Pflegefachkraft mit den Teilnehmern, um diese zu motivieren und Probleme zu diskutieren. Die Analyse der Subgruppen zeigte, dass das Sturzpräventionsprogramm am effektivsten für die Personen, die hoch sturzgefährdet sind: Personen die 80 Jahre und älter sind und die, die bereits einen Sturz erlebt haben. Nicht effektiv zeigte sich das Programm für die Teilnehmer, die zwischen 75 und 79 Jahre alt waren (Robertson et al. 2001a).

7.1.3. Beurteilung der häusliches Umgebung hinsichtlich des Sturzrisikos und deren Modifikation

Einzig die Studie von Stevens et al. (2001a, 2001b) erfüllte die beschriebenen Kriterien. Diese benutzen drei Interventionsstrategien zur Reduzierung der Sturzrate, die von trainierten Pflegefachkräften (Trained Nurses) durchgeführt wurden: erstens ein Umgebungsbeurteilung hinsichtlich häuslicher Sturzrisiken, zweitens Ratschläge bezüglich der Modifikation von ein bis drei identifizierten Risikoquellen im häuslichen Umfeld, welche gleichzeitige die Edukation von Sturzrisiken und deren Entfernung beinhaltete. Drittens boten die Pflegefachkräfte eine kostenlose Anbringung von Sicherheitshilfsmittel in den Wohnungen der Interventionsgruppe an. Alle Teilnehmer erhielten zudem ein Tagebuch, um Stürze und Unfälle zeitnah dokumentieren zu können. Die Identifikation der Sturzrate erfolgte nach einem Jahr durch sieben verschiedene Pflegefachkräfte (Research Nurses).

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Details

Seiten
40
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640889013
ISBN (Buch)
9783640889426
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170166
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
Schlagworte
falls; elderly aging aged older adults prevention intervention multifactorial single exercise training assessment education home home visit community nursing caregiver

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Titel: Interventionsprogramme zur Sturzprävention für ältere, daheimlebende Menschen, von Pflegefachkräften durchgeführt