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Welche Stellung hat die Kirche im Elitengefüge der Bundesrepublik Deutschland?

Der formelle Einfluss der Evangelischen Kirche Deutschlands auf die Funktionseliten der Bundesrepublik Deutschlands

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1) Vorwort
1.2) Heranführung ans Thema

2. Definitionen
2.1) Der Begriff Elite und seine Differenzierungen
2.1.2) Die Funktionseliten
2.2) Die Kirchen Deutschlands und „Kirche und Staat", das Staatskirchenrecht
2.2.1) Die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD)
2.2.1.a) Formelle Einflussnahme der Gremien auf die Funktionseliten
2.2.1.b) Sonderstellung Katrin Göring-Eckardt
2.2.2) Besondere Ämter in der EKD
2.2.2a) Der Bevollmächtigte des Rates
2.2.2b) Formelle Einflussmöglichkeiten des Bevollmächtigten
2.2.3) Funktionsträger im Bundestag und EKD

3. Zusammenfassung

4. Fazit oder Bewertung der Ergebnisse

5. Anhang

1.) Einleitung

1.1) Vorwort

Im Zuge des Referates über die Eliten in der Bundesrepublik Deutschland möchte ich mich nun mit einem mir persönlich interessant erscheinendem Thema auseinander setzen, dass die bereits in der Vorlesung eruierte Elitestruktur in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) näher beleuchtet. Es geht mir um Fokussierung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Laut dem aktuellen Forschungsstand sind die Kirchen in Deutschland kein Teilhaber an Einflussstrukturen im politischen System der BRD. Sie spielen also im politischen Prozess keine Rolle und haben damit auch wenig Einfluss auf die Gesellschaft. Mich interessiert nun, welchen Einfluss die EKD am politischen Prozess überhaupt hat. Ich möchte untersuchen, wie die rechtliche Stellung der Kirchen in der BRD ist, welchen Einfluss die EKD offiziell ausübt und z.B. wie viele Bundestagsabgeordnete Funktionsträger in der EKD sind.

Mir geht es hier nicht um eine umfassende empirische Studie, die en Details die Machtstrukturen der EKD und der Politik beleuchten. Ein umfassendes Werk zu diesem Thema wäre eine Arbeit von Jahren. Es geht mir aber um einen Überblick über die Strukturen. Ich möchte diverse Themen anreißen und mit Zahlen unterfüttern, sodass man auf dieses Papier eine wissenschaftliche Arbeit aufbauen könnte. Die Arbeit als eine reine These zu verstehen wäre zu flach und zu oberflächlich, eine Arbeitsrichtung soll mitunter aber vorgegeben werden.

Sämtliche verwendete Literatur und Quellen sind unmittelbar zur betreffenden Textstelle als Fußnote aufgeführt. Auf ein separates Quellenverzeichnis wurde deshalb verzichtet.

1.2) Heranführung ans Thema

Um zunächst wissenschaftlich arbeiten zu können, benötigt man diverse Hintergrundinformationen. Diese habe ich in Kapitel 2 zusammengefasst. Dort wird der aktuelle Forschungsstand von Eliten aus sozialwissenschaftlicher Sicht dargestellt sowie ein Überblick über die Stellung der EKD verschafft.

2. Definition

2.1 Der Begriff Elite und seine Differenzierungen

Es gibt in der Sozialwissenschaft keine einhellige Meinung über die begriffliche Definition der Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie. In dieser Hausarbeit soll sich an der Begriffsdefinition orientiert werden, die von Prof. Dr. Rainer Geißler näher eruiert wird. „Zur Elite gehören alle Mitglieder eines sozialen Systems, die aus einem Selektionsprozess als den übrigen Mitgliedern überlegen hervorgehen."[1] Dieser beschriebene Selektionsprozess ist die Basis für eine weitere Definition. Denn
auch über den Elitebegriff selbst liegen derweilen in der Forschung unterschiedliche Auffassungen vor. Ich möchte mich im Folgenden mit der Machtelite beschäftigen.

Die Machtelite beherbergt die Menschen, die die größten Chancen haben, „andermenschliches Verhalten steuern zu können."[2] Diese Machtlelite beherrscht und steuert demnach eine Gesellschaft, unabhängig von der quantitativen Ausprägung der beiden Seiten. Da die Machtelite verschiedene gesellschaftliche Bereiche tangiert, ist es nach Geißler sinnvoll, eben diese Machtelite weiter auszudifferenzieren. Man teilt also nochmals in verschiedene Funktionseliten auf, die je nach Bereich einen spezifischen Teil der Gesellschaft prägen und aus den wichtigsten Entscheidungsträgern bestehen.

2.1.2 Die Funktionseliten

Doch welche sind die Funktionseliten? Die Antwort findet sich bei Ralf Dahrendorf. Dieser unterscheidet in folgende acht Funktionseliten: Politik, Verwaltung, Justiz, Militär, Wirtschaft, Kommunikation, Kultur und Kirche.[3] Wie diese untereinander miteinander konkurrieren kann am Beispiel eines abstrakten Modells verdeutlicht werden. Auf der Suche nach einer Erklärung der Struktur der Funktionseliten hat David Riesman (USA) 1958 ein Modell konzipiert, dass nach Geißler auch heute noch auf die Situation in der BRD anwendbar ist, wenn auch gleich dieses Modell idealtypisch übersteigerte Extrempole darstellt. Riesman stellte ein pluralistisches gegeneinander von „Veto-Groups" an die Spitze der Gesellschaft. Diese Veto-Groups seien machttechnisch gefestigt und bildeten ein Checks- und- Balances- System. D.h. diese Funktionsleiten kontrollierten sich gegenseitig mit Vetos gegen ein für sie selbst schädliches Projekt. Die Folge aus diesem taktischen Kontrollsystem sei eine „uneinheitliche amorphe Machtstruktur".[4]

Eben dieser Pluralismus ist für die BRD ebenfalls anzuwenden. Mit Netzwerkanalysen hat man 1995 versucht, dem unterschiedlich deutlichen Einfluss der Funktionseliten empirisch auf den Grund zu gehen. Zwar kann man auf Grund dessen keine Aussagen über die Qualität dieser Kontakte treffen, aber die Quantität zeigt zumindest ein deutliches Bild von der Macht und dem Einfluss der „Partikular"-Interessen.

Abschließend ergab sich aus der Studie[5]folgendes Bild: Nicht alle Funktionseliten haben den gleichen Einfluss auf Machtausübung und einige wenige dominieren mit Einfluss die Machtelite.

Die Funktionselite mit dem größten Einfluss ist unangefochten die politische Funktionselite. Durch die starke Tendenz, den liberalen Rechtsstaat zu einem sozialen Wohlfahrtsstaat auszubauen, wurde diese Macht erheblich ausgebaut.[6] Fast alle wichtigen Entscheidungen der BRD werden in der Politik getroffen. Diese Tendenz ist eher steigend als fallend.

Eine weitere stark agierende Macht ist die Wirtschaft. Durch ihren inneren Konfliktherd (Arbeitnehmer- Arbeitgeber) geprägt, hat die Wirtschaftselite im Zuge der Globalisierung ihre supranationalen Verflechtungen ausbauen können und damit ihre Machtposition gefestigt.

Zu beiden Polen ergänzend wirken lediglich einige Medien- und Verwaltungseliten.

Alle anderen Funktionseliten sind erst einmal nicht einflussreich genug, um eine bedeutende Rolle in Machtelitengefüge zu spielen. Dies gilt für Militär, Kirche, Kultur und die Justiz.[7]

2.2) Die Kirchen Deutschlands

Es gibt unzählige Religionsgemeinschaften in der BRD. Im Anhang finden Sie eine Übersicht über die 10 mitgliederstärksten. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist konfessionslos. Die danach größte Gruppe bindet die Katholisch Kirche, danach die EKD mit knapp 30%.

2.3) Kirche und Staat, das Staatskirchenrecht

Das geltende Staatskirchenrecht Deutschlands basiert auf der Religionsfreiheit und der Trennung von Staat und Kirche, durch die der Staat zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist. Die Religionsgemeinschaften regeln ihre Angelegenheiten selbst und ohne staatlichen Einfluss (sog. Kirchliches Selbstbestimmungsrecht). Weil die Verfassung die Religionspflege zwar gerade nicht als staatliche, aber doch als öffentliche Aufgabe betrachtet, fördert der Staat Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Dadurch entstehen in allen Belangen Symbiosen und Spannungen.

Die wesentliche Grundlage der Beziehung von Kirche und Staat ist im Grundgesetz (GG) geregelt. Im Grundrechtsteil sind Art. 4 GG, der neben der individuellen auch kollektive Religionsfreiheit gewährt, und Art. 7 GG (Religionsunterricht) von Bedeutung. Hauptsächlich begnügt sich aber das Grundgesetz damit, in Art. 140 GG die „Weimarer Kirchenartikel" zu übernehmen: „Die Bestimmungen der Art. 136, Art. 137, Art. 138, Art. 139 und Art. 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes"[8]. Die Zuständigkeit zur Regelung des Rechtsstatus der Kirchen ist ansonsten die der Bundesländer (Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 137 Abs. 8 Weimarer Reichs Verfassung). Daher können sich in gewissem Umfang Unterschiede in jedem Bundesland ergeben (sog. Landeskirchenrecht). So schaffte z.B. das Land Brandenburg den Religionsunterricht ab.

Es gilt das Prinzip der staatlichen Neutralität gegenüber allen Religionsgemeinschaften. Dies bedeutet aber, nicht zuletzt aufgrund des Gottesbezuges in der Präambel des Grundgesetzes, keine radikale Trennung, bei der staatliche Einrichtungen oder staatliches Handeln im Sinne des Laizismus „religionsfrei", also frei von allen religiösen Bezügen, Elementen, Prägungen oder Zeichen sein müssten. Es existieren vielmehr im Bereich der sog. „gemeinsamen Angelegenheiten" (res mixta) gesetzliche oder vertragliche Regelungen, in denen Fragen wie Religionsunterricht, Kirchensteuer, Militärseelsorge, Theologische Fakultäten oder Besetzung von Universitätslehrstühlen außerhalb der Theologischen Fakultäten geregelt sind.

Aber formal gesetzlich ist allen Kirchen der Zugang zum politischen Willensbildungsprozess verwehrt.

[...]


[1] Enduwreit, G., Elitebegriffe in den Sozialwissenschaften, Zeitschrift für Politik 28, 1979, S.:30-46

[2] Geiger, T., Vorstudien zu einer Soziologie des Rechts,1964, Neuwied/Berlin, S. 341

[3] Vgl. Dahrendorf, R. Gesellschaft und Demokratie in Deutschland, 1965, München, S. 277ff

[4] Riesman, D., Die einsame Masse, Hamburg, 1958, S. 229

[5] Vgl. Sauer, M., Gesellschaftliche Steuerungschancen durch Elitenintegration, Opladen, 2000, S. 183

[6] Vgl. http://www.zeit.de/2001/02/Der_Ausbau_des_Sozialstaats, 03.02.2011 11:08.

[7] Vgl. Anhang: Grafik Funktionseliten

[8] http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg 11.html, 15.02.2011 15:56

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640889006
ISBN (Buch)
9783640889419
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170163
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
Schlagworte
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