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Internationalisierung im Einzelhandel: Das Beispiel Carrefour

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 19 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Internationalisierung im Einzelhandel
2.1 Definition des Begriffs der Internationalisierung
2.2 Entwicklung im Einzelhandel
2.3 Vorherrschende Internationalisierungsstrategien

3 Die Carrefour Gruppe
3.1 Das Modell des Hypermarché
3.2 Internationalisierungsentwicklung der Carrefour Gruppe
3.3 Status quo der Internationalisierung von Carrefour
3.4 Auswirkungen von Großformaten auf regionale EH-Strukturen

Fazit

Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Internationaler Handel existiert im weitesten Sinne bereits seit Jahrhunderten. So unterhielten die niederländischen und englischen „Trading companies“ schon lange vor der Industrialisierung Exportaktivitäten und tätigten Direktinvestitionen in Form von Handelsrepräsentanzen oder Auslandsniederlassungen. Die heutige Internationalisierung moderner Einzelhandelsunternehmen ist dagegen eingebunden in diverse Strategien der globalen, multinationalen und transnationalen Unternehmenstätigkeit (Schwarz 2009, S. 1). Die Internationalisierung spiegelt quasi eine international verteile Konfiguration bzw. Koordination der Wertschöpfungsaktivitäten unter Einbeziehung vielfältiger Transaktionsformen wieder (Schwarz 2009, S. 1). Ein Unternehmen, welches bereits seit 1973 international tätig ist und seit den 1990er Jahren einen sehr dynamischen Internationalisierungsprozess widerspiegelt ist die Groupe Carrefour. Anhand dieses Unternehmens soll Internationalisierung im Einzelhandel beispielhaft dargestellt werden.

2) Internationalisierung im Einzelhandel

2.1 Definition des Begriffes der Internationalisierung

Eine gängige Definition der Internationalisierung lautet wie folgt: „Der Begriff der Internationalisierung deckt das gesamte Feld von Unternehmenstätigkeiten ab, welche sich mindestens auf einen ausländischen Markt richten und dabei regelmäßig erfolgen“ (Ahlert 2004, S. 305). Aufgrund der Unternehmenstätigkeiten kommt es zu internationalen Transaktionen, welche in diversen Koordinationsformen durchgeführt werden können (Ahlert 2004, S. 305). Dabei sollten die Koordinationsformen jeweils den unterschiedlichen Anforderungen der abzuwickelnden Transaktionen möglichst effizient entsprechen (Ahlert 2004, S. 305).

Vergleicht man allerdings die Internationalisierungsentwicklungen in verschiedenen Branchen, so zeigen sich im Falle des Einzelhandels diverse Unterschiede. So begann die Internationalisierung im Einzelhandel erst sehr viel später als in anderen Bereichen der Wirtschaft (Knorr et al. 2003, S. 12). In Anbetracht der relativ geringen Größe ihres jeweiligen Heimatmarktes waren es vor allem europäische Einzelhandelsunternehmen, welche die Vorreiterrolle übernahmen (Knorr et al. 2003, S. 12). So wagten beispielsweise Carrefour und Aldi schon bereits vor ca. 30 Jahren mit spezifischen Vertriebsformaten - Hypermärkte (Carrefour) und Hard discounting (Aldi) - den Eintritt in ausländische Märkte (Knorr et al. 2003, S. 12). Trotzdem kann erst Mitte der 1980er Jahre von einer stattfindenden Internationalisierung im Einzelhandel gesprochen werden, welche in den 1990er Jahren eine erhebliche Beschleunigung erfährt (Knorr et al. 2003, S. 12).

Dessen ungeachtet spiegelt die Fachliteratur die Meinung wider, dass es weltweit nur eine Handvoll an Unternehmen gibt, welche als veritable internationale Einzelhändler bezeichnet werden können (Knorr et al. 2003, S. 12). Diese Unternehmen haben es geschafft, dass ein signifikanter Teil des Umsatzes außerhalb des Heimatlandes erzielt wird und dass eine erfolgreiche langfristige Präsenz in einer großen Zahl kulturell unterschiedlicher und / oder geographisch weit entfernter Länder aufgebaut werden konnte (Knorr et al. 2003, S. 12). Die meisten dieser Firmen sind in Westeuropa anzutreffen und neben Carrefour können z. B. die Metro Gruppe (DE), Tesco (GB), REWE (DE), Ahold (NL) und Auchan (FR) genannt werden.

2.3 Vorherrschende Internationalisierungsstrategien

Innerhalb des Internationalisierungsprozesses lassen sich verschiedene Internationalisierungsstufen von Unternehmen unterscheiden, welche sich durch unterschiedliche Grade der Auslandsaktivität und Kapital- bzw. Managementleistungen im In- bzw. Ausland unterscheiden (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Internationalisierungsstufen von Unternehmen (Eigene Abbildung nach Schierenbeck 2008, S. 45)

Export

Der Export stellt die einfachste auslandsorientierte Unternehmenstätigkeit dar. Beim Exportvorgang werden Waren oder Dienstleistungen in das Ausland überführt. Kommt es dabei zu Warengeschäften mit ausländischen Kunden, spricht man von Exportgeschäften (Weber 2006, S. 222).

Lizenzierung

Durch eine Lizenzierung werden intangible (immaterielle) Vermögenswerte, wie z. B. Patente, Firmennamen, Urheberrechte, Warenzeichen oder technisches Know-How (Wissensgüter), auf Grundlage eines vertraglichen Abkommens, für eine bestimmte Zeitspanne dem ausländischen Lizenznehmer zur Verfügung gestellt (Weber 2006, S. 222). Im Gegenzug zahlt der Lizenznehmer Lizenzgebühren für die Inanspruchnahme dieser immateriellen Vermögenswerte (Weber 2006, S. 222). Dadurch wird eine Übertragung der Leistungserstellung vom In- ins Ausland ermöglicht, ohne Kapital, Personen oder Vermögen ins Ausland zu transferieren (Weber 2006, S. 222).

Franchising

Im Gegensatz zur Lizenzierung werden dem ausländischen Franchisenehmer hierbei keine immateriellen Vermögenswerte oder Wissensgüter zur Verfügung gestellt, sondern ein unternehmerisches Gesamtkonzept (Weber 2006, S. 223). Größtenteils handelt es sich dabei um ein umfangreiches, seit langem etabliertes und erprobtes Beschaffungs-, Absatz., Organisations- und Managementkonzept, welches dem Franchisenehmer mit umfassenden Weisungs- und Kontrollrechten übergeben wird (WEBER 2006, S. 223).

Strategische Allianz

Eine strategische Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehreren Unternehmen wird als strategische Allianz bezeichnet. Innerhalb dieser Allianz definieren die Allianzpartner, in welchen Bereichen sie zukünftig kooperieren wollen (WEBER 2006, S. 223). Das Ziel der strategischen Allianz ist die Bündelung der Stärken sowie der Ausgleich der Schwächen der einzelnen Mitglieder, um letztendlich eine Verbesserung der Wettbewerbsposition zu erreichen. Auf eine gegenseitige Kapitalbeteiligung wird jedoch verzichtet (Weber 2006, S. 223).

Joint Venture

Ein Joint Venture beschreibt die Kooperation eines ausländischen Unternehmens mit einem einheimischen Partner (Weber 2006, S. 223). Dabei wird eine grenzüberschreitende, auf Dauerhaftigkeit ausgelegte Zusammenarbeit vereinbart, welche auf gegenseitiger Kapitalbeteiligung basiert (Weber 2006, S. 223). Da sich Joint Ventures auf alle Wertschöpfungsstufen (Beschaffung, Produktion, Absatz, Forschung) beziehen können, geben normalerweise die beteiligten Partner ihre Unabhängigkeit in bestimmten Bereichen zum Vorteil von koordinierten Verhaltens auf (Weber 2006, S. 223).

Auslandsniederlassung

Niederlassungen, Filialen und Repräsentanzen sind rechtlich unselbstständige Unternehmen im Ausland (Weber 2006, S. 224).

Tochtergesellschaften

Sie stellen rechtlich selbständige Engagements inländischer Unternehmen im Ausland dar und stehen am Ende der langen Entwicklung der Auslandsaktivitäten von Unternehmen (Weber 2006, S. 224).

Allerdings stellt der Einzelhandel einen Spezialfall dar, da dieser stets ortsgebunden ist (ausgenommen: Versandhandel und e-commerce). Somit bildet z. B. die Internationalisierungsstufe des Exportes keine mögliche Option für den Einzelhandels, um das eigene Geschäft über die Landesgrenzen hinweg auszuweiten (Knorr et al. 2003, S. 12).

Infolge der „Ortsgebundenheit“ des Einzelhandels ergeben sich sechs grundlegende Internationalisierungsstrategien für Einzelhandelsunternehmen (nach Knorr et al. 2003, S. 12f):

- Internes Wachstum
- Joint Ventures
- Strategische Allianzen
- Franchising
- Minderheits- oder Mehrheitsbeteiligungen an lokalen Einzelhändlern oder
- Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions)

Trotz dieser durchaus umfassenden Anzahl an Internationalisierungsstrategien zeichnet sich in den letzten Jahren ein Trend ab, nach dem relativ risikoarme Strategien, wie z. B. das interne Wachstum, immer weniger umgesetzt werden. Dies ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Bebauungsbestimmungen zumindest in den dichtbesiedelten Gebieten Europas und Asiens immer strenger werden und somit die Expansion großer Vertriebsformate erheblich einschränkt (Knorr et al. 2003, S. 13). Aus diesem Grund entscheiden sich viele Unternehmen trotz der extrem hohen Ausfallquote, auf die wohl risikoreichste aller Markteintrittsstrategien zurückzugreifen: Fusion und Übernahme (Knorr et al. 2003, S. 13).

3) Die Carrefour Gruppe

Die französische Carrefour Gruppe wurde 1959 gegründet und ist ein international tätiger Einzelhandelskonzern. Im September 1999 fusioniert Carrefour mit Promodès, einem weiteren Einzelhandelsunternehmen und bis dato scharfen Konkurrenten des Konzerns (Groupe Carrefour 2009, S. 3).

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Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640888153
ISBN (Buch)
9783640888054
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170136
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Geographisches Institut
Note
2,7
Schlagworte
Geographie Frankreich Einzelhandel Internationalisierung Carrefour Hypermarkt

Autor

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