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Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in den Anfängen der sozialistischen Bewegung

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Der Zeitraum des Frühsozialismus (1789-1848)
1. Ursprung der Begriffe
2. Egalitarismus und Kommunismus während der Revolution
3. Jacques Roux: Die Bewegung der Zornigen
4. Gracchus Babeuf: Verschwörung der Gleichen

II. Von der bürgerlichen Revolution zum kritischen Sozialismus
1. Henri de Saint-Simon (1760-1825)
2. Charles Fourier (1772-1837)
3. Robert Owen (1771-1851)

III. Vom utopischen zum marxistischen Sozialismus
1. Erstarkung der Arbeiterschaft als Klasse
2. Wilhelm Weitling (1808-1871)
3. Marx-Engels – Theorie des dialektischen Materialismus

IV. Kurze Zusammenfassung

V. Literaturverzeichnis

Einführung

In der Französischen Revolution entstandene Begriffe wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit deuteten in erster Linie die Zukunftsvisionen der sozial benachteiligten Volksschichten. Der Ruf nach Freiheit und Gleichheit fand in den letzten drei Jahrhunderten nicht nur in der utopischen Literatur, sondern auch in den plebejischen Aufständen seinen reichlichen Niederschlag.[1]

Die in der Französischen Revolution errungene Freiheit sollte die Bauern und die arbeitende Bevölkerung in den Städten sowohl von den Feudallasten als auch von dem kirchlichen Aberglauben befreien.

Mit der Verwirklichung der Gleichheit hätte man endlich die Möglichkeit des „Naturzustands“, in dem alle Menschen gleich gestellt waren, wieder herstellen können.

Das Band der Brüderlichkeit sollte nicht nur die Franzosen, sondern alle Völker der Welt, die Unwissen, Vorurteil und Aberglauben abgeschüttelt haben, miteinander brüderlich verbinden.[2] Aber es kam anders als erwartet. Viele, die die Revolution vorangetrieben hatten, entfremdeten sich davon und versuchten ihr politisches Ziel irgendwo anders zu verwirklichen.

Diese Arbeit beabsichtigt, die ideologisch-politischen Positionen des Frühsozialismus bzw. der egalitären, sozialistischen und kommunistischen Bewegungen in der Französischen Revolution in Bezug auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu untersuchen.

Dabei wird auf die wichtigsten Vertreter dieser Strömungen und ihre politischen und philosophischen Werke eingegangen.

Die Französische Revolution von 1789 ist eine der wichtigsten historischen Urquellen der modernen politischen Bewegungen, die bis heute immer noch das gesellschaftliche und politische Leben bestimmen: Liberalismus und Sozialismus. Beide politischen Richtungen machten sich, die seit der Französischen Revolution nicht verwirklichten Ziele der Revolution zur Pflicht.[3]

Der Frühsozialismus formierte sich schon unter den Trümmern der Revolution;[4] er erfuhr eine Entwicklung in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts,[5] erreichte aber seinen Höhepunkt in der 1848er Revolution.[6] Nach der 1848er Revolution verlor der Frühsozialismus an Anziehungskraft und geriet schließlich innerhalb des späteren Sektierertums in Vergessenheit.[7] Die Zeit danach ist die Zeit des marxistischen bzw. „wissenschaftlichen“ Sozialismus.

Friedrich Engels würdigte in seiner berühmten Schrift „Von dem utopischen zum wissenschaftlichen Sozialismus“ die Errungenschaften des Frühsozialismus und kündigte an, dass mit dem Aufkommen des industriellen Proletariats auch das frühsozialistische Kapitel innerhalb der Arbeiterbewegung für immer abgeschlossen sei.[8]

Allerdings lebten einige Elemente dieses Frühsozialismus in den egalitären Kommunen der USA und in Kreisen der westlichen Intellektuellen bis Mitte des 20. Jahrhunderts weiter.[9]

I. Der Zeitraum des Frühsozialismus (1789-1848)

Mit der Revolution war für viele ein neues Zeitalter, insbesondere das Zeitalter der Vernunft und der Menschlichkeit, angebrochen. Die Früchte der Revolution würden nicht bloß den Franzosen, sondern allen Menschen, welche die Welt bevölkern, zugute kommen, durch die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, denen man die höchste Macht verliehen hatte, eine neue Gesellschaft aufbauen, in der Harmonie und Glückseligkeit herrschen würden. Unwissenheit, Vorurteil und Aberglaube würden für immer aus der Zivilisation beseitigt.[10]

Von Anbeginn der Revolution an verstanden und verteidigten die Volksmassen und ihre Sprecher die vermeintlichen natürlichen Menschenrechte als ihre Grundrechte. Hieran knüpften alle utopischen Sozialisten und Kommunisten an, indem sie die egoistischen Klassenschranken der bürgerlichen Ideologie und der von ihr idealisierten Einrichtungen kritisierten und ihr stattdessen die Idee einer neuen Gesellschaft entgegen setzten.

Die Machtkämpfe der Französischen Revolution und ihre Ergebnisse sind Ausgangspunkt, Drehachse und Kriterium der frühsozialistischen Ideologie und vor allem der Bewegung J. Roux’, Babeufs sowie der Ideen Saint-Simons und Fouriers und der Arbeiterkommunisten der vierziger Jahre.

Die Anfänge des frühen Sozialismus und Kommunismus liegen hauptsächlich in den Jahren der großen Französischen Revolution von 1789. Allerdings enthalten auch die Schriften von Gabriel Bonnot de Mably (1709-1785)[11] und Etienne Gabriel Morelly (1717-1778),[12] den auch Babeuf sehr schätzte und oft zitierte[13], einige Elemente des Frühsozialismus. Manche Autoren aber sehen auch das Schrifttum der Aufklärung als den Ursprung des Frühsozialismus.

Trotzdem wird im Allgemeinen der Zeitraum von 1789 bis 1848 als Aufkommen und Etablierung der frühsozialistischen Theorien angenommen.[14]

Unter dem Frühsozialismus und Kommunismus versteht man egalitäre, societäre und kommunistische Ideen des 18. und 19. Jahrhunderts.

1. Ursprung der Begriffe

In Europa stieß man schon sehr früh auf egalitäre, societäre und kommunistische Ideen in der utopischen Literatur des 17. und vor allem des 18. Jahrhunderts. In der romanhaften geschriebenen oder Gesellschaftsmodelle entwerfenden Schriftgattung entdeckt man oft Sehnsüchte nach Freiheit, Gleichheit und Gütergemeinschaft. Mit dem Begriff und Werk “Utopia” setzte Thomas Morus nicht nur einen Meilenstein bzgl. der utopischen Literaturgattung, sondern erweckte auch die egalitären und kommunistischen Ideen der Antike wieder zum Leben.[15]

Auch wenn man geneigt ist, die utopische Literaturgattung als Unterhaltungsliteratur zu betrachten, hat diese Literaturgattung nichtsdestoweniger einen enormen Beitrag zur Entwicklung der politischen Gesellschaftsmodelle geleistet.

Auf diesem Pfad entwickelten Jean Meslier, Holbach, Diderot, Montesquieu, Rousseau, Fichte, Goethe, um einige der berühmten Persönlichkeiten zu nennen, ihre utopischen Gesellschaftsmodelle.[16] Fast in allen Gesellschaftsmodellen der Neuzeit war die Sehnsucht nach Freiheit, Gleichheit und Demokratie präsent.[17]

2. Egalitarismus und Kommunismus während der Revolution

Das Aufkommen der egalitären Strömungen während der Französischen Revolution war unausweichlich, weil die Revolution nicht bloß eine Auseinandersetzung zwischen der Bourgeoisie und dem Adel war, sondern ein Ringen dreier Klassen. Die kämpfenden Volksmassen hatten die Revolution in jedem kritischen Zustand von Stufe zu Stufe vorangetrieben. Dennoch waren sie am Ende „leer“ ausgegangen. Für sie war das Ziel der Revolution nicht verwirklicht worden, weil man das Ideal der Freiheit nicht mit den sozialen Fragen verknüpft hatte. Die politischen Rechte hätten ökonomisch untermauert werden sollen. Die Revolution wagte aber diesen Schritt nicht und blieb auf halbem Wege stehen. Die Massen wollten keine wie bislang nur „politische“, d.h. vordergründig die politischen Einrichtungen umwälzende Revolution, sondern eine gründlicher aufräumende „soziale“ Revolution.[18]

Ein verhältnismäßig großer Teil der städtischen Handwerker, Krämer und Hausierer und der ländlichen Halbproletarier und Kleinbauern teilte das elende Leben und die Existenzsorgen des plebejischen Elements und deren Hass auf die Finanzbarone, verfolgte aber durchaus nicht immer die gleichen Interessen. Diese unterschiedliche Mentalität und Haltung spiegelt sich deutlich in der ideologischen und politischen Position ihrer Wortführer.

Die Masse der Kleinbauern und ländlichen Halbproletarier träumte von einem Stück Land, unbelastet von feudalen Abgaben. Ähnlich strebten viele Handwerker danach unabhängig zu werden. Ihre Alternative zur kapitalistischen Negation des Feudalismus ist oft nicht frei von konservativen Zügen. Ideologisches Kampfbanner der Kleinproduzenten wird der Egalitarismus, der sich wesentlich auf Rousseau beruft und im 18. Jahrhundert starke Verbreitung findet.

[...]


[1] Ernst Walter Zeeden, Hegemonialkriege und Glaubenskämpfe, Propyläen Geschichte Europas Bd. 2, Ullstein-Verlag, Frankfurt 1975, S. 16 ff.

[2] Jacques Roux, Freiheit wird die Welt erobern, Reden und Schriften, Reclam-Verlag, Leipzig 1985, S. 82.

[3] Claudia Fraas, Karrieren geschichtlicher Grundbegriffe. Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit, in: Gudrun Loster-Schneider (Hg.), Revolution 1848/1848. Ereignis-Rekonstruktion-Diskurs, St. Ingbert 1999, S. 13.

[4] Sowohl die Bewegung der Zornigen, als auch die Bewegung der „Verschwörung der Gleichen“ entstand während der Revolution. Beide Bewegungen wurden schon in der Revolutionszeit vernichtet, indem man ihre Wortführer hinrichtete.

[5] Die utopischen Bewegungen formierten sich hauptsächlich während der Restaurationszeit (1815-1848). Saint-Simonismus, Fourierismus und Owenismus entstanden in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit gründete man auch in den USA utopische Kommunen, um zu zeigen, dass eine Gesellschaft in Freiheit und Gleichheit gedeihen kann, was allerdings durch diese Kommunen nicht bestätigt werden konnte.

[6] Die letzte wichtige Organisation des Frühsozialismus war der „Bund der Gerechten“ bzw. „ Bund der Kommunisten“ von Weitling. Der Bund beauftragte Marx und Engels, in seinem Namen das „Kommunistische Manifest“ zu verfassen. Somit ging die letzte frühsozialistische Bewegung in den marxistischen Sozialismus hinüber. Karl Marx - Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Verlag Reclam jun., Stuttgart 2010.

[7] J. Höppner, W. Seidel-Höppner: Von Babeuf bis Blanqui –Französischer Sozialismus und Kommunismus vor Marx, Bd. II, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1975, S. 126 ff.

[8] Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, MEW, Bd. 35.

[9] Liselotte und O.M. Ungers, Kommunen in der neuen Welt -1774-1971, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1972, S. 20 ff.

[10] Jacques Roux, S. 82; Saint-Simon, Der Organisator, in: J. Höppner, W. Seidel-Höppner, Bd. I, S. 116.

[11] Gabriel Bonnot de Mably war einer der hervorragenden Philosophen seiner Zeit. Er wirkte aufklärerisch und veröffentlichte egalitäre Schriften.

[12] Etienne Gabriel Morelly: Gesetzbuch der Natürlichen Gesellschaft, Akademie Verlag, Berlin 1964.

[13] J. Höppner/ Seidel-Höppner, Bd. I, S. 74.

[14] Frits Kool und Werner Krause (Hg.): Die Frühen Sozialisten, Dokumente Bd. I-II, dtv -wissenschaftliche Reihe, München 1972, S. 8.

[15] Das Werk ‚Utopia’ beinhaltete nicht nur utopische Elemente aus Platons Werk „ Der Staat“, sondern zitierte oft die anderen antiken Werke von Aristophanes, Plutarch und Diodorus Siculus, welche auch als primäre Quelle der utopischen Werke der Antike angesehen werden.

[16] Jacques Droz (Hrsg.): Geschichte des Sozialismus – Von den Anfängen bis 1875, Das utopische Denken bis zur industriellen Revolution, Bd. I-II, Ullstein-Verlag, Frankfurt 1974.

[17] Ebd. Bd. I und II.

[18] J. Roux, S. 122.

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640887668
ISBN (Buch)
9783640887989
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170114
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Historisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Französische Revolution Utopischer Sozialismus Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit Babeuf Pobespierre Owen Saint-Simon Fourier Roux Utopismus Utopie

Autor

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Titel: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit