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Kommunistisches Manifest und Aufstieg des Sozialismus in Asien

Aufstieg des Marxismus in Asien und Gründung der VR China (1920–1949)

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Das Zeitalter der Kolonialisierung (1700-1870)
1. Der Aufstieg des Bürgertums
2. Kolonialisierung der Welt

II. Das Zeitalter des Imperialismus (1870-1920)
1. Monopolisierung der Wirtschaft
2. Teilung der Welt in zwei großer Lager
3. Zustände in den Kolonien und Halb-Kolonien

III. Kommunistische Revolutionstheorien
1. Revolutionstheorie bei Marx-Engels
2. Lenins Revolutionstheorie

IV. Die politische und gesellschaftliche Lage in China
1. Halbkolonialer Zustand
2. Revolutionäre Strömungen und Aufstände im 19. Jh.
3. Abschaffung der Monarchie (1911)

V. Kommunistische Bewegung in China (1919-1927)
1. Sozialistische Strömungen bis 1919
2. Gründung der KPCh (1921)
3. Basis in den Städten (1921-1927)
4. Massaker von Shanghai und Zerschlagung der KP (1927)

VI. Maos These der “Neuen Demokratischen Revolution”
1. Basisaufbau in den Ländlichen Gebieten
2. Langwieriger Volkskrieg (1927-1935)
3. Endsieg der KPCh (1935-1949)

VII. Literaturverzeichnis

Einführung

Schon am Anfang des 20. Jahrhunderts, nach weniger als 100 Jahren, berufen sich revolutionäre Parteien fast in ganz Asien auf das von Marx und Engels verfasste Kommunistische Manifest und erobern in den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt die Macht.[1]

Wie kommt es, dass das Kommunistische Manifest, das eigentlich für die industriell am meisten entwickelten Länder der Welt bestimmt war, in einer kurzen Zeit in ganz Asien als Revolutionsprogramm akzeptiert wird?

Welche politischen und wirtschaftlichen Veränderungen auf der internationalen Ebene führten dazu, dass das Programm des Kommunistischen Manifests, Leitsätze der Revolutionären Parteien der Kolonien und Halb-Kolonien wurde?

Diese Hausarbeit beabsichtigt, anhand von Revolutionstheorien der marxistischen Tradition, die Gründe dieser neuen Entwicklung vor allem in China herauszuarbeiten.

Dabei wird vor allem auf die Revolutionstheorien von Marx-Engels, Lenin und Mao eingegangen.

Es wird hauptsächlich auf die politischen Zustände im 20. Jahrhunderts eingegangen; vor allem wird die politische Entwicklung des chinesischen Kaiserreichs, die Gründung und der Aufbau der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) näher untersucht.

I. Das Zeitalter des Kolonialisierung (1700-1870)

1. Der Aufstieg des Bürgertums

Die wissenschaftliche und industrielle Entwicklung revolutionierte die politischen und gesellschaftlichen Zustände dermaßen, dass das aufsteigende Bürgertum in vielen Ländern West Europas die politische Macht durch Revolutionen (1640-1688 England, 1789-1871 Frankreich und 1848’er Revolutionen in ganz Europa) oder durch Reformen eroberte. Somit wurde der politischen Macht der Monarchien bzw. des Adels ein Ende gesetzt. Dadurch konnte in allen Bereichen des Lebens eine Demokratisierung eingeleitet werden; die Wirtschaft blühte; die Forderungen der Gesellschaft und der Binnenmärkte wurden gesättigt.

2. Kolonialisierung der Welt

Durch die Industrialisierung angehäuftes Kapital drang nun nach neuen Absatzmärkten. Im Laufe des 19. Jahrhundert war die ganze Welt von den europäischen Mächten weitgehend kolonialisiert. Es blieben nur noch einige Länder übrig, welche die Begierde der westlichen Mächte erweckten: das Kaiserreich China, das Osmanische Reich und das Balkangebiet.

II. Das Zeitalter des Imperialismus (1870-1920)

1. Monopolisierung der Wirtschaft

Am Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Europa ein Überschuss an Güter und Kapital. Dadurch konnten nicht nur Waren, sondern auch das überschüssige Kapital exportiert werden.

Sehr früh entdeckten viele Politiker, dass die ausländischen Absatzmärkte nicht nur für wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Landes, sondern auch für die gesellschaftliche Stabilität notwendig waren.[2] Der Konkurrenz im In- und Ausland führte zur Monopolisierung in der Wirtschaft.

Durch die Monopolisierung der Industrie geriet der Staat völlig unter den Einfluss der Monopole. Die Beziehung der Politik und der Wirtschaft wurde dadurch noch enger. Ab 1870 versuchten europäische Groß- und Mittelmächte, ihr Herrschaftsgebiet durch gezielte imperialistische Politik auf Übersee-Territorien auszudehnen.

Die Zeit zwischen 1870-1920 wurde als „Zeitalter des Imperialismus“[3] bezeichnet. Die imperialistische Ausdehnung war vornehmlich durch wirtschaftliche und politische Interessen motiviert.[4] Später auch zunehmend von national-strategischer Konkurrenz der imperialistischen Mächten geprägt.

Der in dieser Zeit betriebene formelle Kolonialismus - vor allem in Afrika - ist dabei nur ein Teilaspekt des Imperialismus, der auch informelle machtpolitische und wirtschaftliche Durchdringung (etwa in China und dem Osmanischen Reich) umfasst.

2. Teilung der Welt in zwei großer Lager

Die Kolonialisierung und Aufteilung der Welt unter den imperialistischen Großmächten war am Anfang des 20. Jahrhunderts im großen und ganzen abgeschlossen. Es blieben nur noch einige Länder, wie das Kaiserreich China, das Osmanische Reich und das Balkangebiet übrig. Um diese Länder als Absatzmärkte zu erobern oder um sie zu kolonialisieren, entbrannte unter den Großmächten eine vernichtende Konkurrenz, die schließlich zwangsläufig zum I. Weltkrieg führte.

Durch die neue wirtschaftliche und politische Entwicklung war die Welt praktisch in zwei große Lager geteilt. Auf der einen Seite die imperialistischen Mächte, die nach Kolonialisierung der ganzen Welt strebten und auf der anderen Seite die unterentwickelten Länder, welche Ziel der Kolonialisierung wurden.

3. Zustände in den Kolonien und Halb-Kolonien

Der Mangel an materiellen Mitteln in den Industrieländern war gegen Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend beseitigt. Die politische und gesellschaftliche Lage stabilisierte sich; die Regierungen machten den Werktätigen weitgehende Zugeständnisse, und die innergesellschaftlichen Widersprüche hatten sich entschärft.

Aber dafür verschärfte sich die Lage in den Kolonien und Halb-Kolonien. Dort erfolgte eine Verelendung der Massen. Die imperialistische Kanonenpolitik entfremdete viele einheimische Völker, die zuerst an den politischen Geschehnissen kein Interesse zeigten.[5] Aber die Überschwemmung der einheimischen Märkte durch die Billigprodukte aus den Industrieländern, verbunden mit Erniedrigung des Nationalgefühls,[6] „brachte die einheimische Bevölkerung auf die Barrikade.“

Auf dieser Basis rückten unterschiedliche Klassen der Kolonien und Halb-Kolonien zusammen.[7] Auf der internationalen Ebene beobachtete man sogar die Solidarität aller fortschrittlichen Kräfte.[8] Alle einheimischen Klassen fühlten sich mit dem gleichen Schicksal verbunden.

Man beobachtete auch, wie sich das Zentrum der Revolution nach Osten verlagerte. Es entstanden in allen Ländern Asiens revolutionäre Arbeiter und national-bürgerliche Parteien. Der russischen Revolution von 1905 folgend betraten die kolonialisierten und halb-kolonialisierten Völker die Geschichtsbühne.[9]

Der Boxer-Aufstand in China (1900); die russische Revolution (1905), die Revolution der Jungtürken im Osmanischen Reich (1908); die bürgerliche Revolution in Persien (1909) sind einige von diesen Ereignissen.

In dieser Revolutionsphase spielte allerdings die Kommunistische Bewegung keine nennenswerte Rolle, da sich ihre Parteien erst in der Gründungsphase befanden.[10] Aber dieser Zustand wird sich nach der Oktoberrevolution in Russland (1917) schlagartig ändern. Danach werden in diesen Ländern kommunistische Parteien gegründet und einige davon werden eine weltgeschichtliche Rolle spielen, wie in China, Indien, Vietnam und Korea.

III. Kommunistische Revolutionstheorien

1. Revolutionstheorie bei Marx-Engels

Die am Anfang gestellte Frage kann man jetzt wiederholen: Wie kommt es, dass das Kommunistische Manifest, das eigentlich für die industriell am meisten entwickelten Länder der Welt bestimmt war, in einer kurzen Zeit in ganz Asien als Revolutionsprogramm akzeptiert wurde?

Um diese Entwicklung zu verstehen, muss man zuerst auf die Revolutionstheorien von Marx und danach auf Lenin eingehen.

Die Revolutionstheorie von Marx und Engels war mehr oder weniger auf die Zustände in Europa, besser gesagt auf die wirtschaftlich am meisten entwickelten Länder zugeschnitten. Nach Marx ist erstens die politische und intellektuelle Entwicklung einer bestimmten Gesellschaft nichts anderes, als die Reflexion der wirtschaftlichen Entwicklung. D.h. die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes bestimmt sogleich die politische und kulturelle Entwicklung.[11]

Zweitens, dass jede Gesellschaft in einem bestimmten geschichtlichen Zustand eine bestimmte Stufe des Klassenkampfs aufweist. Und dass sich die Entwicklung der Gesellschaften nur über den Klassenkampf, besser gesagt über die Revolutionen vollzieht.[12]

[...]


[1] Lucien Bianco (Hrsg.), Das Anschwellen des Kommunismus, in: Das Moderne Asien, Fischer Weltgeschichte, 1969 Frankfurt, S. 100 ff.

[2] Joseph Chamberlain, als Kolonialminister Großbritanniens hielt zwei sehr offenherzige Reden bzgl. der Rolle der Kolonialisierung für Großbritannien, in: Lothar Gall/Rainer Koch (Hrsg.) Der europäische Liberalismus im 19. Jh. Texte zu seiner Entwicklung, Dritter Band, Ullstein Ver., Frankfurt 1981, S. 153 ff.

[3] Iring Fetscher, Einleitung in: W.I. Lenin, Theorie, Ökonomie, Politik, Ausgewählte Texte und Werke, Kröner Ver., Stuttgart 1974, S. 23 ff.

[4] Joseph Chamberlain, ebd. S. 165.

[5] Diese Tendenz konnte man am Anfang des 20 Jahrhunderts im Osmanischen Reich und Persien und vor allem China feststellen.

[6] David Priestland, Weltgeschichte des Kommunismus, Von der Französischen Revolution bis Heute, Siedler Ver., Hamburg 2009, S. 298 ff.

[7] Vor allem in der Türkei, in China, Indien, im Persien und auf dem Balkan rückten die kommunistische und die bürgerlich-nationalistische Bewegungen zusammen.

[8] Ebd. S. 291 ff.

[9] Lucien Bianco (Hrsg.) Das moderne Osten, Fischer Weltgeschichte Bd. 33, Frankfurt 1969, S. 13 ff.

[10] Martin Bernal, The Triumph of Anarchism over Marxism, 1906-1907, in: China in Revolution The First Phase, 1900-1913, Edited by Mary Clabaugh Wright, Yale University Press, 4. Ausgabe, London 1978, S. 97 ff.

[11] Marx-Engels, Das Kommunistische Manifest, Vorrede zur deutschen Ausgabe von 1883, Reclam Ver., 2010 Stuttgart, S. 5.

[12] Ebd. S. 5.

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640887675
ISBN (Buch)
9783640888009
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170113
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Kommunistisches Manifest Kommunismus in Asien chinesische Revolution (1911-1949) Marxismus in Asien Mao Imperialismus China Sun Jat-sen

Autor

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Titel: Kommunistisches Manifest und Aufstieg des Sozialismus in Asien