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Tilde Michels' 'Es klopft bei Wanja in der Nacht' - Eine Kinderbuchvorstellung

Rezension / Literaturbericht 2006 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Kinderbuchvorstellung

Tilde Michels

„Es klopft bei Wanja in der Nacht“

verfasst von: Georg Rabe

Kinderbuchvorstellung

Das Buch „Es klopft bei Wanja in der Nacht" wurde von Tilde Michels geschrieben und ist mit Illustrationen von Reinhard Michl ausgeschmückt. Veröffentlicht wurde es erstmals 1985 im Ellermann Verlag und ist seitdem in mehr als einem Dutzend Auflagen erschienen (z.B. auch im dtv - Deutscher Taschenbuch Verlag).[1] Zudem ist es als Hörbuch auf CD und MC erhältlich und wird regelmäßig in Figurentheatern überall in Deutschland aufgeführt.[2] Ausgezeichnet wurde das Buch sowohl mit dem deutschen Jugendliteraturpreis als auch mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis.[3] Die mir vorliegende Ausgabe stammt aus dem Jahr 1985.

Sachanalyse - Aufbau und Inhalt des Buches

Das Buch enthält eine Geschichte, die 21 nicht nummerierte Seiten umfasst. Jede Seite ent­hält entweder einen Teil des Textes (der in Versen geschrieben ist), eine Illustration oder eine Kombination aus beidem. Die Geschichte spielt in einem Haus, das an einem Waldrand liegt und von einem Mann namens Wanja bewohnt wird. In einer Nacht mit eisigen Tempe­raturen, in der zusätzlich ein Schneesturm wütet, klopfen nacheinander ein Hase, ein Fuchs und ein Bär an der Tür des schlafenden Wanja und bitten jeweils um Einlass und Beherber­gung für die Nacht. Wanja gewährt den Tieren Unterschlupf, da ersichtlich ist, dass die Kälte allen dreien drastisch zusetzt. Zwar sind sich die Tiere der Reihenfolge der Nahrungskette und somit der eigentlich herrschenden Feindschaft untereinander bewusst, doch Fuchs und Bär versichern, niemandem ein Leid anzutun. Doch am nächsten Morgen wird die Sorge um die eigene Haut bei allen Tieren (der Bär hat Angst vor Wanja, der Jäger zu sein scheint) der­art groß, dass sie, einer nach dem anderen, das Haus schleunigst wieder verlassen.

Didaktische Analyse

„Es klopft bei Wanja in der Nacht" ist sowohl zum Vorlesen als auch zum selber Lesen geeig­net. Die Art der Verwendung hängt somit von der pädagogischen Intention ab. Zum einen ermöglicht die bildhafte Sprache den Kindern, sich in die Geschichte hineinzuversetzen, wo­durch die Fantasie und das Vorstellungsvermögen gefördert werden. Die auf das Wesentliche beschränkten und mit weichen Farben illustrierten Bilder können dabei als Fantasieanregung, aber auch zur Verdeutlichung bestimmter Aspekte der Geschichte (z.B. die klirrende Kälte, die gemütliche Wohnung, die Angst des Hasen) durch deren Darstellung dienen. Auf der anderen Seite können gerade die eindeutigen und Atmosphäre vermittelnden Bilder die Lust, das Buch selbst zu lesen, intensivieren. Abgesehen von einigen Wörtern, die Kinder, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, ohne Erklärung möglicherweise nicht verstehen (z.B. „verzehren", „behaglich", „ein Scheit"), ist der Text durch einfache Wortwahl gut zu lesen und zu begrei­fen. Ein weiteres Merkmal der Geschichte, das Kinder sehr anspricht, ist ihre Verfasstheit in die unkomplizierte Reimform von Paarreimen. Lediglich an manchen Stellen des Textes erfor­dert ein Satz, aufgrund seiner sich zwingend reimenden Satzstruktur, ein zweimaliges Lesen. Kinder im Grundschulalter sind im Allgemeinen sehr interessiert an dem Spiel mit Reimen. Insofern würde sich die Geschichte um Wanja beispielsweise dazu eignen, sie unter der Ver­wendung von Reimen mit Kindern mündlich fortzusetzen und so gemeinsam ein alternatives Ende der Geschichte zu entwickeln. Die Thematik der Geschichte bietet vielfältige Anwen­dungsgebiete für das Buch (die ich hier aufgrund der Seitenbeschränkung nur skizziere), z.B. bei Themen wie Feindschaft, Solidarität, aber auch Unwetter, Winter und das Tierreich.

Methodischer Vorschlag

Aus der Vielzahl an methodischen Vorschlägen, die sich aus der Textstruktur und der Thema­tik der Geschichte entwickeln lassen, wähle ich exemplarisch einen, bei dem das Interesse der Kinder an Reimen sowie ihre Freude an Rollenspielen in aktives Handeln umgesetzt werden. Nötig dafür ist eine Kleingruppe, die daran interessiert ist „Es klopft bei Wanja in der Nacht" im Rahmen eines Projekts als kleines Theaterstück aufzuführen (z.B. in einer Arbeitsgemein­schaft). Im Vorfeld sollte das Buch (vor-)gelesen, dessen Inhalt besprochen und somit allen Teilnehmern verständlich geworden sein. Die Kinder, die in der späteren Aufführung als Ak­teure fungieren, sollten Spaß an der mündlichen Wiedergabe der Verse haben. Um dies zu erreichen oder, wenn bereits vorhanden, zu verstärken, werden mit den Kindern spielerisch eigene Reime zu Teilen der Geschichte erfunden und einander vorgetragen. Für die Auffüh­rungen werden die Inquit-Formeln („Der knurrt", „Da schreit der Hase") aus dem Text ent­fernt, damit die einzelnen Absätze (ausschließlich in Form von 4-Zeilern vorliegend) von den Darstellern der Tiere / dem Erzähler gesprochen werden können. Ein 4-Zeiler, der in der Ge­schichte kontinuierlich wiederkehrt („Der Has [Fuchs/Bär] streckt sich behaglich aus. Bald

[...]


[1] Vgl. www.dtv.de/buecher/es_klopft_bei_wanja_in_der_nacht_7986.html (10.02.2006)

[2] Vgl. www.amazon.de/klopft-bei-Wanja-Nacht-Geschichte/dp/3770762584 (10.02.2006)

[3] Vgl. www.frieden-fragen.de/10070.html (11.02.2006)

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Titel: Tilde Michels' 'Es klopft bei Wanja in der Nacht' - Eine Kinderbuchvorstellung