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Dinosaurier in Bayern

Von Cetiosauriscus bis zu Sciurumimus

Fachbuch 2011 68 Seiten

Biologie - Evolution

Leseprobe

Vorwort

Mit den bisher im weißblauen Freistaat nachgewiesenen Gattungen der „Schreckensechsen“

befasst sich das Taschenbuch „Dinosaurier in Bayern“: Dabei handelt es sich um Cetiosauriscus, Compsognathus, Juravenator, Plateosaurus und Sciurumimus. Bereits 1834 wurde der bis zu 10 Meter lange pflanzenfressende Plateosaurus bei Heroldsberg unweit von Nürnberg entdeckt. Von ihm kennt man in Deutschland mehr als 50 Fundstellen. 1858 kam der räuberische Compsognathus bei Jachenhausen nahe Riedenburg zum Vorschein. Dieses kaum 90 Zentimeter lange Tier betrachtete man früher als kleinsten Dinosaurier. 1978 barg man zwischen Kulmbach und Kronach fossile Knochen, die vom pflanzenfressenden Elefantenfuß-Dinosaurier Cetiosauriscus stammen sollen. 1998 gelang in Schamhaupten bei Eichstätt der weltweit einmalige Fund des Raub-Dinosaurier Juravenator. Jener „Jäger des Juragebirges“ erreichte eine Länge von rund 75 bis 80 Zentimetern. 2009 oder 2010 barg man bei Painten unweit von Kelheim das ungewöhnlich gut erhaltene Skelett eines Jungtiers des Raub-Dinosauriers Sciurumimus („Eichhörnchen-Nachahmer“). Autor des Taschenbuches „Dinosaurier in Bayern“ ist der in Bayern geborene und heute in Wiesbaden lebende Wissenschaftsautor Ernst Probst, der etliche Werke über Dinosaurier und andere Tiere der Urzeit veröffentlicht hat.

Cetiosauriscus

Name: Walähnliche Echse

Größe: etwa 15 Meter lang

Vorkommen: Obere Jurazeit

Funde: England, Schweiz, Deutschland (Bayern)

Systematik: Saurischia, Sauropodomorpha, Sauropoda, Diplodocidae

Erstbeschreibung: Huene 1927 (nach anderen Angaben 1922)

Der Dinosaurier Cetiosauriscus lebte in der Oberen Jurazeit vor etwa 150 Millionen Jahren in Europa. Um 1850 wurden in einem Steinbruch in der Nähe von Moutier im schweizerischen Kanton Bern zahlreiche Saurierknochen gefunden. 1870 beschrieb der Basler Arzt und Geologe Jean Baptiste Greppin (1819–1881) diesen Fund als Megalosaurus meriani. Aber in der Folgezeit zeigte sich, dass nur ein Zahn vom Raub-Dinosaurier Megalosaurus („Große Echse“) stammte. 1922 beschrieb der deutsche Paläontologe Friedrich von Huene (1875–1969) die übrigen Reste als Knochen eines Elefantenfuß-Dinosauriers (Sauropoda), den er Ornithopsis greppini nannte. Doch später wurde diese Art der Gattung Cetiosauriscus einverleibt, weswegen das Tier heute Cetiosauriscus greppini heißt. Der pflanzenfressende Cetiosauriscus ist nahe verwandt mit der „Donner-Echse“Diplodocus. Einem Wirbelknochen von Cetiosauriscus ähnelt einer der Funde, die gegen Ende des Jahres 1978 den Kronacher Brüdern Dr. Friedrich Martin und Hans Martin auf der freigelegten Sohle eines Steinbruches zwischen den oberfränkischen Städten Kronach und Kulmbach glückten. Dies fand der damals am Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart arbeitende Paläontologe Rupert Wild durch Vergleiche heraus. In dem Buch „Dinosaurier in Deutschland“ (1993) von Ernst Probst und Raymund Windolf hieß es: „Ob die Kronacher Dinosaurierwirbel genau zu Cetiosauriscus oder zu einem ihm nahe verwandten Sauropoden gehören, ist noch nicht gesichert. Doch weiß man durch diese Funde, daß zu Beginn des Oberjura in Deutschland mittelgroße Sauropoden lebten. Etwas höher im Jura, im frühen Kimmeridge, kennt man aus der niedersächsischen Ortschaft Barkhausen Fährten, die Sauropoden verursacht haben, deren Größe zu Cetiosauriscus passen würde. Ob die Barkhausener Sauropoden allerdings mit den Kronacher Sauropoden identisch waren, bleibt vorerst nur Spekulation.“

Compsognathus

Name: Zartkiefer

Größe: etwa 89 Zentimeter lang

Vorkommen: Obere Jurazeit

Funde: Deutschland (Bayern), Frankreich

Systematik: Saurischia, Theropoda, Coelurosauria, Compsognathidae

Erstbeschreibung: Wagner 1859

Der kleine Raub-Dinosaurier Compsognathus aus der Oberen Jurazeit vor etwa 151 bis 148 Millionen Jahren wurde 1858 von dem Gerichtsarzt und Sammler Joseph Oberndorfer aus Kelheim vermutlich in einem Steinbruch bei Jachenhausen nahe Riedenburg entdeckt. Der Münchener Paläontologe Andreas Wagner (1797–1861) beschrieb diesen Fund 1859 kurz und 1861 länger und gab ihm den wissenschaftlichen Namen Compsognathus longipes („Langbeiniger Zartkiefer“). Der Gattungsname Compsognathus besteht aus den griechischen Wörtern kompsos (elegant) und gnathos (Kiefer). Wagner hielt dieses Fossil aus Bayern für eine Art Eidechse. 1868 vermutete der englische Wissenschaftler Thomas Henry Huxley (1825–1895), dass dieses Tier eng mit Dinosauriern verwandt war. 1896 identifizierte der amerikanische Paläontologe Othniel Charles Marsh (1831–1899) den Fund aus Bayern als Dinosaurier. Compsognathus hatte etwa die Größe eines Truthuhns, war 89 Zentimeter lang und wog schätzungsweise drei Kilogramm. Er trug einen etwa 7,5 Zentimeter langen Schädel, besaß die für Hohlknochen-Dinosaurier (Coelurosaurier) typischen hohlen Knochen und einen langen Schwanz zum Balancieren. An den Hinterbeinen waren drei Zehen nach vorne und eine kleine nach hinten ausgerichtet. Mit seinen dreifingrigen Händen konnte er flink Beutetiere ergreifen. Zu seinen Opfern gehörten kleinere Reptilien und vielleicht auch Insekten. 1881 entdeckte Marsh in der Bauchregion des Compsognathus aus Bayern ein kleines Skelett, das er für Reste eines Embryos hielt. 1903 stellte der österreichisch-ungarische Paläontologe Franz Baron Nopsca (1877–1933) fest, dass es sich hierbei um das Skelett einer kleinen Echse handelte, die von Compsognathus gefressen worden war. Der amerikanische Paläontologe John H. Ostrom identifizierte das Beutetier 1994 als Eidechse der Gattung Bavarisaurus. Weil das Bavarisaurus -Skelett komplett erhalten ist, muss Compsognathus dieses Beutetier ganz verschluckt haben. Da der langbeinige Bavarisaurus als schneller Läufer gilt, muss Compsognathus als Jäger dieses Tieres die Fähigkeit zur raschen Beschleunigung und ein gutes Sehvermögen besessen haben. Wegen seiner geringen Gesamtlänge galt der Compsognathus -Fund aus Bayern lange Zeit als der kleinste Dinosaurier der Erde. Später entdeckte man noch kleinere Dinosaurier wie Caenagnathasia (1993 beschrieben), Parvicursor (1996) oder Microraptor (2000). Merklich größer als das Exemplar aus Bayern ist der zweite Fund eines Compsognathus, der bei Canjuers nahe Nizza (Frankreich) glückte und 1972 Compsognathus corallestris genannt wurde. Dieser Fund, der 1983 vom „Musée national d’histoire naturelle“ in Paris erworben wurde, besteht aus zwei Gesteinsblöcken. Auf einem der Blöcke befinden sich der Schädel und das Restskelett bis zum siebten Schwanzwirbel, auf dem anderen die Schwanzwirbel 9 bis 31. Das hintere Schwanzende und einige Handknochen fehlen. Man konnte aber erkennen, dass der Compsognathus aus Frankreich an jeder Hand drei Finger hatte. Bei dem Exemplar aus Bayern waren nur jeweils zwei Finger erhalten geblieben. Die Gesamtlänge des Compsognathus aus der Gegend von Canjuers wird auf etwa 1,25 Meter geschätzt. Auch in seinem Bauch hat man Reste von verzehrten Echsen gefunden. Seit 1991 rechnet man den Fund aus Frankreich ebenfalls zur Art Compsognathus longipes. Das kleinere Fossil aus Bayern gilt heute als Jungtier. Der Skelettbau von Compsognathus ähnelt in Form, Größe und Proportionen verblüffend demjenigen des gleichzeitig existierenden Urvogels Archaeopteryx aus Bayern. Aus diesem Grund hat man einen Fund des Urvogels lange Zeit irrtümlich für einen Raub-Dinosaurier der Gattung Compsognathus gehalten. Doch an keinem der Compsognathus- Fossilien sind Abdrücke von Federn zu erkennen. So manches, was früher über Compsognathus publiziert wurde, gilt heute nicht mehr. 1901 beschrieb der deutsche Paläontologe Friedrich von Huene (1875–1969) am Compsognathus aus Bayern Hautabdrücke in der Bauchregion und einen Hautpanzer aus sechseckigen Hornplatten, der zumindest den Schwanz und den Nacken des Tieres bedeckt haben soll. Später wurden auch Strukturen an den Armen des Compsognathus aus Frankreich als Reste von Schwimmhäuten gedeutet. Doch John H. Ostrom widerlegte 1978 diese Ansichten. 1922 vermutete der österreichische Paläontologe Othenio Abel (1875–1946) nach der Untersuchung einer als Kouphichnium lithographicum bezeichneten Fährtenfolge, einige kleine Dinosaurier wie Compsognathus hätten sich hüpfend fortbewegt. 1937 glaubte der Paläontologe Martin Wilfarth, der Erzeuger dieser Fährte sei ein kleiner Dinosaurier, der zur Fortbewegung die Arme gespreizt nach vorne gesetzt habe, um die Hinterbeine nach vorne hindurch zu schwingen. Doch 1940 wies Kenneth Caster nach, dass es sich bei der Kouphichnium -Fährte um die Spuren eines Pfeilschwanzkrebses der Gattung Limulus handelte. Nach neueren Studien mit

Muskulaturmodellen erreichte Compsognathus eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 64 Stundenkilometern. 1983 deutete der deutsche Paläontologe Matthias Mäuser zehn Halbkugeln mit einem Durchmesser von jeweils einem Zentimeter unterhalb des Brustkorbs des Compsognathus aus Bayern als ungelegte Eier dieses Dinosauriers. Andere Experten bezweifelten dies, weil die vermeintlichen Eier außerhalb des Körpers liegen. Weitere Zweifel entstanden nach der Entdeckung eines Skelettes des eng mit Compsognathus verwandten Dinosauriers Sinosauropteryx aus China mit zwei fossilen Eiern in der Bauchregion. Denn diese Eier sind proportional größer und weniger zahlreich als die vermeintlichen Compsognathus -Eier. Manche Experten meinen, dass Compsognathus an der Meeresküste gelebt hat. Die Compsognathus -Fundorte Jachenhausen in Bayern und Canjuers in Frankreich waren nämlich zu Lebzeiten dieses Raub-Dinosauriers Lagunen zwischen den Stränden und Korallenriffen von Inseln im Tethys-Meer. Nach den Funden zu schließen, lebten damals auch der Urvogel Archaeopteryx sowie die Flugsaurier Rhamphorhynchus und Pterodactylus sowie Meerestiere wie Fische, Stachelhäuter, Krebse und Mollusken.

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Details

Seiten
68
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640888955
ISBN (Buch)
9783640889372
Dateigröße
4.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170085
Note
Schlagworte
dinosaurier bayern cetiosauriscus plateosaurus

Autor

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Titel: Dinosaurier in Bayern