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"Elite" - Eine Gruppe zwischen Macht, Leistung und Bildung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 17 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Gliederung

1) Einführung

2) „Elite“ – Ein Begriff mit Unstimmigkeiten

3) Die Selektionskriterien der „Eliten“

4) „Elite“ ist männlich!

5) Fazit

6) Quellen

1) Einführung

Egal ob während der Abiturzeit, des Studiums oder des beruflichen Lebensweges; zu verschiedenen Zeitpunkten kann ein Jeder auf den Begriff „Elite“ treffen. Bildungs-, Wirtschafts- und politische Kreise stellen sogenannte „Eliten“ und werfen dadurch die Frage auf, was darunter zu verstehen ist und wer sich dazu zählen kann. Bei genauer Betrachtung wird ersichtlich, dass „Elite“ sogar im privaten Raum Einzug gefunden hat (→ Elitepartner.de). Der Terminus erlebt eine wahre Renaissance und Ausbreitung im nationalen Raum. Es stellen sich die Fragen: Wer sind die Eliten des 21. Jahrhunderts und wie haltbar ist der Begriff noch? Diesbezüglich werde ich zu Beginn meiner Arbeit eine Definition anführen. Weiterhin möchte ich erste Probleme aufzeigen, die im Zusammenhang mit „Elite“ auftreten und Gründe für die Ablehnung dieser Gruppierung darstellen.

Noten und herausragende schulische und studentische Leistungen werden als Einfluss- und Aufstiegsfaktor genannt und erwecken den Anschein, dass jedem die Möglichkeiten offen stehen Spitzenpositionen zu erwerben (Meritokratie). Speziell im internationalen Kontext gewinnt der Terminus an Bedeutung und zwingt Deutschland sich dem weltweiten Vergleich zu stellen. Folglich gilt es zu untersuchen, ob die Bezeichnung „Elite“ als ein Güte- oder Qualitätsmerkmal zu verstehen und wie berechtigt die Klassifizierung ist. In diesem Zusammenhang untersuche ich die Selektionskriterien für die Zugehörigkeit. Hierbei lieg der Fokus auf der Herkunft, dem Bildungsgrad und dem (erwünschten) Habitus der „Elitegruppen“.

Abschließend wende ich mich der Frage nach dem Geschlecht der Eliten zu, denn bei ersten Überlegungen werden einem selten weibliche Elite-Zugehörigen ins Gedächtnis gerufen. Besonders als Frau, angehende Hochschulabsolventin und als ehrenamtliche Helferin in der geschlechtsspezifischen Kinder- und Jugendarbeit fühle ich mich durch diese Thematik angesprochen. Im Sinne der Chancengleichheit der Geschlechter lohnt es sich die prozentuale Verteilung von Männern und Frauen zu betrachten und nach Gründen für diese zu suchen.

2) „Elite“ – Ein Begriff mit Unstimmigkeiten

Die Bezeichnung „Elite“ hat sich in vielen Sektoren des Lebens und der Gesellschaft etabliert. In Wirtschaft, Bildungssektoren und in der Politik wird über die zukünftige, deutsche „Elite“ und ihre Berechtigung diskutiert. Gleichzeitig werden zahlreiche Synonyme angeführt, die eine eindeutige Begriffsklärung erschweren. So scheint es nicht verwunderlich, dass Ausdrücke wie „Super-Klasse“, „Machtelite“, „herrschende Klasse“, „Wirtschaftselite“ oder „Auserwählte“ eher zur Verwirrung beitragen, als Klarheit zu schaffen. Folglich gestaltet sich die Diskussion und somit die Literatur um „Eliten“ facettenreich. Einzig in der Wortherkunft scheinen sich die Autoren einig zu sein. Der Begriff taucht erstmalig im französischen Raum; zur Zeit der französischen Revolution auf und ist von „élire“ abgeleitet, was „auswählen“ oder im Sinne von „Elite“ = „Auserwählte“ bedeutet.[1]

Im 18. / 19. Jahrhundert etabliert sich der Terminus in Deutschland und wird von gängigen Enzyklopädien, als eine (soziale,) einflussreiche Gruppe verstanden, „ die sich durch hohe Qualifikationsmerkmale sowie durch eine besondere Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft auszeichnet“, als auch ergänzend durch „ besonderen Wert “.[2] Zwei zu untersuchende Aspekte hinsichtlich der Elitekonzeption werden hier ersichtlich: Auf der einen Seite wird „Leistung“ als ein Wesensmerkmal von „Eliten“ festgelegt, welches im Verlauf der Arbeit hinsichtlich der Selektionskriterien untersucht werden soll. Zum anderen bedeutet „Elite“ Hervorhebung und gleichzeitig Abgrenzung von einer anderen Gruppe. Es erfolgt eine Trennung zwischen wenigen „Auswählten“; sprich „Eliten“ und der restlichen Gesellschaft; sprich der „Masse“.

„Der zentrale Einwand gegen die Verwendung des Elitenbegriffs ist jedoch in der damit implizierten extrem verkürzten Vorstellung von Gesellschaft zu sehen. Konstitutiv für den Elitenbegriff ist, wie wir gesehen haben, die Entgegensetzung von „Elite“ und „Masse“; „Gesellschaft“ reduziert sich damit auf ein einfaches dichotomes Schema. Wenn die Eliten auch in ihrer ganzen Vielfalt erfasst werden können, so erscheint doch die nicht zu der einen oder der anderen Elite gehörende Mehrheit der Bevölkerung als bloßer „Rest“, mehr noch, sie wird mit dem verächtlichen Begriff der Masse belegt.“[3]

Krais sieht durch die Begriffsverwendung eine unzureichende Darstellung der Gesellschaft. Gleichzeitig erfolgt eine Unterwerfung der Gesellschaft in ein Klassen- und Wertsystem. Die positiv besetzte Minderheit verkörpert die Antithese zur negativ gesehenen Masse („ verächtlich “) und stempelt den Großteil der Bevölkerung als scheinbar weniger bedeutsam ab. Diese Aufteilung erfolgt in Politik, Wirtschaft und Bildungszweigen. Hartmann spricht diesbezüglich auch von Herrschenden und Beherrschten.[4] Hinter dem Begriff „Elite“ verbirgt sich folglich nicht nur ein vorherrschendes Gesellschaftsbild, sondern auch ein Machtzuspruch.

„Eliten sind qua Position und/oder Funktion aus ihrem Umfeld herausgehoben. Sie zeichnen sich durch ihren Einfluss auf gesamtgesellschaftliche Entscheidungsprozesse aus; sie verfügen über Macht.[5]

Mit der Aufklärungszeit, der damit verbundenen Demokratisierung und der Forderung nach Gleichheit verstärkten sich die Spannungen zwischen der sogenannten „Elite“ und der Massengesellschaft. Die Macht (und einhergehend Wohlstand) auf Wenige zu verteilen und ihnen somit Sonderrechte zuzusprechen, wird verstärkt kritisiert und die handvoll „Auserwählten“, speziell die „Machteliten“ geraten unter Legitimationsdruck; besonders wenn sie sich als Handlungsberechtigte im Namen der Gesellschaft oder mehrerer Personen sehen (à Politik, Wirtschaft). Rothkopf sieht in diesem Zusammenhang einen proportionalen Anstieg zwischen Machtzunahme und Rechtfertigung.[6]

Julia Friedrichs sucht in ihrem Buch nach einer Begriffserklärung und den (möglichen) „Eliten“ Deutschlands. Sie sieht den Terminus und die Existenz solcher Gruppen durchaus kritisch und erkennt in ihnen den Ruf und den Anspruch nach Sonderrechten.[7] In zahlreichen Interviews, Firmen- und Schul-/Universitätsbesuchen wird sie mit der Abgrenzung seitens der „Eliten“ von der restlichen Bevölkerung konfrontiert, wobei sie selbst als Vertreterin der „Massengesellschaft“ zu sehen ist. So wird sie beispielsweise mit dem Motto „ Survival of the fittest? “, den Bezeichnungen „ Minderleister “ und „ Niedrigleister “ für den deutschen „Rest“ und der Annahme „ Elite tut jedem Land gut “ konfrontiert.[8] Sind dies die Argumente, die die Existenz von „Eliten“ legitimieren? Diese Beispiele verkörpern durchaus die Abweichung zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung von „Eliten“. Denn deren angeführten Vergleiche und Begründungen für die Legitimität ihrer Gruppe sind der Nährboden für Kritiker der „Eliten“ und offenbaren Zeichen von Arroganz und Verachtung gegenüber anderen Gesellschaftsschichten. Dem gegenüber könnte man fragen, ob das anprangernde Aufzeigen solcher Äußerungen seitens der Autorin nur Neid darstellt? Bleibt der Begriff und die Existenz dieser Gruppen so diskutiert, „[...] weil Neid und Missgunst in Deutschland keine Platz für Helden lassen “ und stellt somit der Neid eher Anerkennung dar?[9] Die Antwort führt uns wieder dem Aspekt der Macht zu. Die Befürworter von „Eliten“ sprechen diesen, aufgrund von erzielten „Leistungen“ eine besondere Position und Einfluss zu. Durch Leistung und Chancengleichheit könnte folglich jede Person Teil von „Macht-“ oder „Funktionseliten“ werden und Spitzenpositionen in Wirtschaft und Politik besetzen.[10] Um „Eliten“ anzugehören, scheint die Herkunft bzw. Vererbung keine Rolle zu spielen. Dennoch sind „Eliten“ bezüglich ihrer sozialen Herkunft weitestgehend homogen und wenige Schichten stellen diese Gruppen. Weiterhin beeinflussen internationale Entwicklungen und Netzwerke den Zugang. Die Biographien von „Elite-Angehörigen“ können dadurch vielfältig geprägt werden und Karrieren sind nicht eindeutig vorhersehbar. Aus diesem Widerspruch zwischen Offenheit und Exklusivität hinsichtlich der Zugehörigkeit heraus fasst Rothkopf das gesellschaftliche Interesse und damit auch die Gründe für andauernde Diskussionen um „Elite“ treffend zusammen:

„Natürlich sind die Konflikte zwischen den Eliten und dem Rest der Welt nicht der einzige Grund, warum solche Gruppen unser Interesse wecken. Wenn man verstehen will, wie man Macht erlangt oder sich ihr widersetzt, muss man wissen, wer an der Spitze der Gesellschaftsordnung steht. Außerdem hat es einen unwiderstehlichen Reiz, herauszufinden, wer die Erfolgreichsten und Einflussreichsten unter uns sind und wie sich ihr Leben von unserem unterscheidet. [...] Eliten sind die Herrscher ihres Zeitalters, aber sie sind auch Metaphern ihrer Zeit. An ihnen kann man studieren, was in einer bestimmten Ära Wertschätzung erfährt, wie Erfolg errungen und wie Macht erlangt und ausgeübt wird. Sie zeigen, welche Fehler bei den Mächtigen toleriert werden und welche inakzeptabel sind. Eliten sind das Spiegelbild einer Gesellschaft, […].“[11]

Aufgrund der Feststellung, dass es verschiede Gruppen von „Eliten gibt, geht die Annahme einher, dass es ebenfalls unterschiedliche Formen von Macht und Einfluss gibt. Gleichzeitig könnte man von einer Hierarchie der Eliten ausgehen. Dementsprechend werde ich im nächsten Abschnitt die Kriterien für die Zugehörigkeit von „Eliten“ genauer untersuchen und welche Bedeutung bzw. Wertigkeit diese darstellen.

[...]


[1] Vgl.: Hartmann, Michael, Elite – Soziologie. Eine Einführung. 2. korrigierte Auflage. Frankfurt am Main 2008. S. 8; Schäfers, Bernhard: Elite. In: Politik und Zeitgeschichte 54. B 10/2004. S. 3-6. S. 3.

[2] Vgl.: Hartmann 2008. S. 8f.; Friedrichs, Julia: Gestatten Elite – Auf den Spuren der Mächtigen von Morgen. Hamburg 2008. S. 40.

[3] Vgl.: Krais, Beate (Hrsg.): An der Spitze: von Eliten und herrschenden Klassen. Konstanz 2001. S. 7-62. S. 50.

[4] Vgl.: Hartmann 2008. S. 19.

[5] Vgl.: David Rothkopf: Die Super-Klasse. Die Welt der internationalen Machtelite. München 2009. S. 2.

[6] Vgl.: Ebd. S.153.

[7] Vgl.: Friedrichs, Julia: Gestatten Elite – Auf den Spuren der Mächtigen von Morgen. Hamburg 2008. S. 183.

[8] Vgl.: Ebd. S. 25, 28, 17.

[9] Vgl.: Ebd. S. 133.

[10] Vgl.: Schäfers, Bernhard: Elite. In: Politik und Zeitgeschichte 54. B 10/2004. S. 3-6. S. 4.

[11] Vgl.: Rothkopf 2009. S. 43.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640886760
ISBN (Buch)
9783640886531
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170067
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Eliten Bildungssoziologie Meritokratie

Autor

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