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“Künstliche Gletscher” – ein traditioneller Ansatz zur Wasserversorgung arider Hochgebirgsregionen des Karakorum, Hindukush und Himalaya

Hausarbeit 2010 24 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2.Geographie der erforschten Gebieten

3. Interdependenz der natürlichen und künstlichen Gletscher. Struktur und Eigenschaften der natürlichen Gletscher

4. Warum künstliche Gletscher

5. Wasserversorgung im Hochland des Himalayas

6. Physische Eigenschaften und Technologie der Akkumulation der Eiskörper

7. Künstliche Gletscher in der modernen Zeit
7.1 Künstliche Gletscher von Nordpakistan
7.2 Künstliche Gletscher von Nordindien

8. Wirksamkeit der Künstlichen Gletscher, Kosten und Aussichten

9. Fazit

10. Anhang

11. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Das Problem der Wasserversorgung existierte seit mehreren Jahrhunderten für die Bewohner der Dörfer, die sich in ariden Hochgebirgsregionen in Zentralasien und zwar in Karakorum, Hindukush und Himalaya befinden. Vor einigen Jahrzenten ist der Ansatz der traditionellen Wasserversorgung mit Hilfe der Bildung der sogenannten künstlichen Gletscher das Interesse der Wissenschaftler hervorgerufen und als Thema einiger Forschungsarbeiten und Reportagen geworden.

Zuerst zu der Definition. Der Begriff „künstliche Gletscher“ ist in dieser Arbeit, wie auch in einigen wissenschaftlichen und publizistischen Quellen als Bezeichnung des Forschungsobjektes verwendet. Nach der Aussage der einheimischen Geologen aber handelt es sich eher um einen Eiskörper, der nicht die Eigenschaften eines Gletschers aufweist. In den englischen Definitionen kann man auch solche Begriffe wie “artificially maintained deposits of snow” oder “non-electrical ice reserves“ finden (PALLAVA, 1998).

Folgende Seminararbeit ist der Entstehung, der geographischen Lage und den Eigenschaften der künstlichen Gletscher gewidmet, die von den Bewohner der ariden Hochgebirgsregionen als Lösung für Irrigations- und Wasserversorgungsprobleme benutzt wurden und auch in der modernen Gesellschaft neulich wieder implementiert, bzw. fortgesetzt wurden. Sogenannte künstliche Gletscher sind manuell geschaffene Eisakkumulationen von Bergbewohner einigen Teilen des Hochgebirgssystem nördlich des indischen Subkontinents und südlich des Tibetischen Hochlands – Himalaya, des Karakorum und Hindukush.

Das Thema der künstlichen Gletscher ist noch nicht ausführlich erforscht. In dieser Arbeit ist ein Überblick und Analyse anhand der wenigen Materialien und Quellen zusammengefasst. Die Forschungsfragen der folgenden Arbeit beziehen sich auf die Geographie der künstlichen Gletscher, ihre Struktur, Wirksamkeit und Effizienz für die Wasserversorgung der Dörfer, Entstehung der künstlichen Eisformationen in der modernen Zeit.

Die erwähnten Gebiete verfügen über riesige Eisakkumulationen, bzw. natürliche Gletscher in den Höhen ab 3000 hm. Wasserversorgung der Hochgebirgsregionen erfolgt hauptsächlich durch Niederschlag während bestimmten Zeitperioden und Gletschertauen. Die Bergbewohner leiden dabei daran, dass in den Bergen der Niederschlag in bestimmten Höhen und zu einigen Jahreszeiten stattfindet. Die Täler aber, wo die signifikantesten landwirtschaftlichen Objekte liegen, bleiben trocken. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt ca. 50mm. Im Winter sinken die Temperaturen bis -30C, im Frühling und Sommer, in der wichtigsten Zeit für Anbau der landwirtschaftlichen Kulturen, fällt kaum Regen und die Täler werden allein durch Schmelzwasser von den Gletscher versorgt. Somit bilden Hochgletscher ein wichtiges Element für die Wasserversorgung der Hochgebirgsregionen und vor allem für die Landwirtschaft (HAEBERLI et al., 2008:101). Wenn die Gletscher leichter zugänglich und nutzbar wären, konnte es die Situation der Wasserknappheit erleichtern. Künstliche Versionen der Eiskörper sind viel kleiner als normale Gletscher, können aber von der Länge her bis 800 Fuß betragen. Als Regel werden künstliche Gletscher im felsigen Umfeld auf der Höhe 14,800 Fuß ü. NN geschaffen.

Die Methode der künstlichen Eisakkumulation wurde nach den Berichten, veröffentlichten in dem Zeitschrift New Scientist (www.newscientist.com/...) schon seit mindestens 1812 bekannt und erfolgreich angewandt. Von dem her, kann man den Ansatz der künstlichen Gletscherbildung nicht nur als klimawandelbedingt bezeichnen, sondern als traditionelle Maßnahme gegen harte Klimabedingungen in den ariden Hochgebirgszonen betrachten.

2. Geographie der Gebiete, wo künstliche Gletscher entstanden sind

Die künstlichen Eiskörperformationnen sind zu verschiedenen Zeiten in einigen Hochdörfern von Himalaya, Hindukush und Karakorum entstanden. Für den besseren Überblick gehen wir weiterhin auf die geographische Lage und klimatische Eigenschaften des zu erforschten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gebietes und konkreter Ortschaften an, wo künstliche Gletscher zu verschiedenen Zeiten angelegt wurden. Bergkette Himalaya liegt zwischen Burma und Pakistan, die ungefähre Breite beträgt von 250 bis 350 Kilometern und die Länge von 3.000 Kilometern. Die Hochgebirgsregion des Abbildung 1

Himalaya erstreckt sich über acht Staaten (Pakistan, Indien, China, Nepal, Bhutan, Burma, Afganistan) und liegt hauptsächlich im chinesischen Tibet (GAESE et al., 2006, vgl. Abbildung 1). Das Gebirge in Zentralasien - Hindukusch liegt größtenteils in Afghanistan, der östliche Teil mit den höchsten Gipfeln liegt in Pakistan . Das Gebiet von Hindukusch, wo auch künstliche Gletscher angelegt wurden, erstreckt sich über Nordpakistan.

Das Himalayagebirge gilt aufgrund seiner großen Höhe als klimatischer Übergangspunkt zwischen

dem Subkontinent Indien und dem Hochplateau Tibet. Die kalten Nordwinde kommen nicht über das Gebirge. Hinter dem Himalayagebirge ist es ziemlich trocken. Hier sind die bekannten Wüsten und trockenste Ortschaften der Welt - Gobi und Taklamakan situiert (YURIN, 2001).

Die Südseite des Himalayas ist also geografisch und klimatisch komplett unterschiedlich von der Nordseite. „Während sich an den Südhängen Monsunregen und Steigungsregen abregnen und dort für Feuchtigkeit und Vegetation sorgen, bleibt das Klima im Himalaya im Norden des Gebirges trocken und kalt“(www.mercatpress.com).

Die Schneegrenze liegt im Himalaya bei ungefähr 5.000 bis 6.000 m. Da für diese Höhe starke Winde typisch sind, ist das Klima im Himalaya äußerst untauglich für Menschen und dauerhaft nur in den niedrigen Ortschaften zu ertragen. An die Regionen des Himalaya Gebirges können sich lediglich die Sherpas anpassen, die in Höhen von bis zu 3.500 m Siedlungen haben (HOFFMANN, 2004).

Die Nordseite des Himalaya Gebirges ist sehr trocken. Sie wird zusätzlich in den Wintermonaten durch den Nordostpassat, „einen kalten, trockenen Nordwind weiter „ (www.suedasien.info).

Verhältnismäßig zu dem alpinen Klima wo Bergen lediglich Wetterscheiden sind, ist das riesige und hohe „Dach der Welt“, das Himalaya Gebirge, - „eine Klimascheide“. Hier entsteht durch den Himalaya eine riesengroße, unüberwindbare Barriere, die das Klima nördlich davon von dem im Süden trennt (www.mercatpress.com).

Der Karakorum liegt auf 36 Grad nördlicher Breite, der östlichen Himalaya auf etwa 28 Grad (SEYFFERT, 2006). Der Karakorum schließt sich nördlich an die Hauptkette des Himalaya an und ist Teil des Hochgebirgssystems von Himalaya.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mehr als zehn künstliche Gletscher wurden von einem norwegischen Forscher Ingvar Tveiten in den Ortschaften Baltistan and Gilgit entdeckt. Die Gebiete liegen im nordöstlichen Teil von Pakistan (vgl. Abbildung 2). Diese Gegend ist seinerseits reich an großen natürlichen Gletscher, die ev. Zusammen mit der klimatischen Lage in der Interdependenz mit den künstlichen Gletschern stehen. Ausführlichere Information ist im Kapitel 3 dargestellt. In den 80er Jahren wurde die Arbeit an den künstlichen Vergletscherungen von einem Bauingenieur Chewang Norphel in Ladakh wiederaufgenommen. Das Gebiet liegt im Norden von India und erstreckt sich zwischen den Gebirgsketten des Himalaya und des Karakorum. Die Täler befinden sich auf einer Höhe von 3000 m ü.d.M. Die Berge erreichen Höhen von über 7000 m ü.d.M. Die Hauptstadt von Ladakh ist Leh, die ca. 27.500 Einwohner zählt. Ladakh ist ein sehr trockenes Gebiet, vergleichbar mit der Sahara (www.leh.nic.in). Die künstlichen Gletscher werden in diesem Gebiet vom großen und markanten Gletscher Siachen gespeist.

Abbildung 2. G ebiete in Pakistan und Indien, wo künstliche Gletscher gefunden wurden

Warum Tradition der Gletscherbildung in diesen Gebieten entstanden ist, liegt daran, dass das Klima in den Hochgebirgen arid ist und die Bewohner zusätzliche Wasserquellen für die Wasserversorgung und Irrigation brauchen (www.mercatpress.com).

Dazu sind in diesen Gebieten größte natürliche Gletscher situiert, so dass die einheimischen Bauern die Wasserakkumulationsmethode verwenden und selber nachvollziehen konnten.

3. Interdependenz der natürlichen und künstlichen Gletscher. Struktur und Eigenschaften der natürlichen Gletscher

Im Kapitel 4 sind Technologien der Eisakkumulation, bzw. der Bildung der künstlichen Gletscher dargestellt. Jeder künstliche Gletscher wurde aber in der Nahe zu dem natürlichen eingerichtet und vom Tauwasser gespeist. Bevor zur Struktur des künstlichen Gletschers zu übergehen, hab ich die Phasen der Wasserzirkulation der natürlichen Gletscher im Karakorum und Himalaya analysiert, von denen die vom Menschen angelegte Eisformationen unmittelbar abhängig sind.

Gletscher stellen Eiskörper dar, die ihrerseits aus Ablations- und Akkumulationszonen, bzw. Nähr- und Zerrgebieten bestehen. Ihre „Nahrung bekommen die Gletscher in Form von Schnee“ (SEYFFERT, 2006). Als Nahrungsquelle dienen auch Eis- und Schneelawinen, die von den steilen Hängen auf die Gletscher niedergehen. Ein Gletscher ist auch ein bewegliches Gebilde und Eis fließt unter dem Einfluss seines Gewichtes in die tieferen Regionen des Tales, wo auch Temperaturen höher sind und die Eisschichten verschmelzen. Dabei entsteht auch die Gletscherzunge – nach unten ausgedehntes, relativ dünnes und schmales Eisgebilde. Unterhalb der regionalen bzw. klimatischen Schneegrenze, wo die Ablation beginnt schmilzt der Schnee im Sommer völlig ab (DITTRICH, 2005).

Wo sich ein Gletscher bildet oder bis wohin er fließen kann hängt von den Temperaturen ab und von den Niederschlagsmengen. Die Volumen des abgeleiteten, bzw. der akkumulierten Eis sind von einander direkt proportional abhängig. Je grösser die Akkumulationszone ist, desto mehr Eis gelingt in die Ablationszone. Die Steilheit der Talsohle ist auch von großer Bedeutung. „Auf steiler Talsohle fließt das Eis schneller als auf flachen Talsohle“(SEYFFERT, 2006). Masse der Bedeckung des Gletschers ist auch von Bedeutung. Je mehr Eis von Geröll bedeckt ist, umso langsamer schmilzt es ab. Deswegen kann man auch vermuten, dass bei der Konstruktion der künstlichen Gletscher schon in früheren Zeiten die Eigenschaften der natürlichen Gletscher teilweise nachgeahmt wurden. Aber von der anderen Seite wurden die künstlichen Gletscher auch da angelegt, wo die am besten wachsen konnten, d.h. außer Lage der zukünftigen künstlichen Eisformation wurden auch vermutlich die Eigenschaften des speisenden Körpers oder Gletschers berücksichtigt.

Gletscherwasserausbrüche spielen auch große Rolle in der Landschaftbildung der Hindukush-Karakorum Gebirge. Im Paper von Dr. L.Iturrizaga[1] tritt als Forschungsgebiet Karamber valley, Ortschaft Gilgit in Nordpakistan auf. Glaziale Ausbrüche wurden durch Tauprozessen in den Gletschern entstanden, die sich auf der Höhe zwischen 2800 und 3750 m mit potenziellen Eisvolumen von 300-500 mill. m befinden. Zumindest 5 von den untersuchten Ausbrüchen wurden im 19. Und 20. Jahrhunderten gebildet (ITURRIZAGA, 2004). Die Gletscherwasserausbrüche dienen auch als Wasserspeicher in den Gebieten ihrer Entstehung.

Die Gletscher in Karakorum sind deutlich grösser und umfangreicher als die im östlichen Himalaya. Die größten Gletscher des Gebiets, die auch heutige künstliche Eisformationen speisen befinden sich im nord-östlichen Himalaya, im pakistanischen Hindukusch und im Teil Karakorums, der in Ladakh an der Grenze mit China liegt. Die Übersicht mit den Abmessungen der größten Gletscher in den Gebieten von Osthimalaya, Karakorum und Hindukush ist im Anhang als Vergleichstabelle von Guenter Seyfferth dargestellt.

4. Warum Künstliche Gletscher

Künstliche Gletscher oder vom Menschen geschaffene Eisakkumulationen sind in den erforschten Gebieten zur wichtigen Lösung für die Wasserversorgung geworden. Weiter wird auf die Gründe und Vorbedingungen derer Entstehung eingegangen.

Die Ökosysteme in Hochgebirgen sind ziemlich verletzbar und veränderlich. Er zeichnet sich als typisches Hochgebirge in seiner Ökologie durch verschiedene Höhenstufen in der Vegetation, des Klimas und der Böden aus (LESER, 2005: 351). Die Hochgebirgsökosysteme stehen in unmittelbarer Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung, und von der Temperatur, die mit zunehmender Höhe stetig abnimmt. Weitere Einflussfaktoren sind das Wasser, „welches in allen drei Aggregatzuständen auftritt, der Luftdruck, die benachbarten Lebensräume und die Morphologie“.

[...]


[1] Privatdozentin, Universität Göttingen, Geographisches Institut
Arbeitsbereich Geographie und Hochgebirgsgeomorphologie

Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640886739
ISBN (Buch)
9783640886609
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v170060
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
2,0
Schlagworte
Zentralasien Bewässerung Künstliche Gletscher Pakistan Gilgit Himalaya Hindukusch Karakorum

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