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Ausgewählte Aspekte der physiologischen Beanspruchung von Schiedsrichterassistenten im Fußball

Diplomarbeit 2010 196 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Zur Beanspruchung im Sport
2.1. Zur Theorie der Beanspruchung
2.2. Klassifikation von Beanspruchungsformen
2.3. Verfahren der Beanspruchungsmessung
2.4. Untersuchungen zur Beanspruchung im Sport
2.4.1. Psychische Beanspruchung
2.4.2. Physiologische Beanspruchung

3. Zur Physiologischen Beanspruchung von Spielern, Schiedsrichtern und Schiedsrichterassistenten im Fußball
3.1. Physiologische Beanspruchung von Spielern
3.1.1. Pulsfrequenzen
3.1.2. Bewegungsformen und Laufstrecken
3.2. Physiologische Beanspruchung von Schiedsrichtern
3.2.1. Pulsfrequenzen
3.2.2. Bewegungsformen und Laufstrecken
3.3. Physiologische Beanspruchung von Schiedsrichterassistenten
3.3.1. Aufgaben und Aktionen
3.3.2. Stellungsspiel und Lauftechnik
3.3.3. Pulsfrequenzen
3.3.4. Bewegungsformen und Laufstrecken
3.4. Spezifische Fragestellungen

4. Methodik
4.1. Untersuchungsart
4.2. Untersuchungsverfahren
4.2.1. Pulsfrequenzen
4.2.2. Bewegungsformen und Laufstrecken
4.2.3. Aktionen
4.2.4. Zusammenhang zwischen Bewegungsformen, Aktionen und Pulsfrequenzen in spezifischen Spielsituationen
4.3. Untersuchungspersonen
4.4. Untersuchungsdurchführung
4.5. Untersuchungsauswertung

5. Darstellung und Diskussion der Ergebnisse
5.1. Schiedsrichterassistent im Spiel der Landesliga
5.1.1. Pulsfrequenzen vor, während und nach dem Spiel
5.1.2. Bewegungsformen und Laufstrecken während des Spiels
5.1.3. Aktionen während des Spiels
5.1.4. Zusammenhang zwischen Bewegungsformen, Aktionen und Pulsfrequenzen in spezifischen Spielsituationen
5.2. Schiedsrichterassistent im Spiel der Landesklasse
5.2.1. Pulsfrequenzen vor, während und nach dem Spiel
5.2.2. Bewegungsformen und Laufstrecken während des Spiels
5.2.3. Aktionen während des Spiels
5.2.4. Zusammenhang zwischen Bewegungsformen, Aktionen und Pulsfrequenzen in spezifischen Spielsituationen
5.3. Vergleichende Betrachtung der physiologischen Beanspruchung bei den zwei Schiedsrichterassistenten
5.3.1. Pulsfrequenzen vor, während und nach dem Spiel
5.3.2. Bewegungsformen und Laufstrecken während des Spiels
5.3.3. Aktionen während des Spiels
5.4. Ausblick

6. Zusammenfassung

7. Literatur

8. Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 3.1. Mittelwerte ± Standartabweichungen der Gesamtlaufdistanz sowie der absoluten und relativen Anteile der Laufdistanz mit Ball auf den verschiedenen Spielpositionen (Nach: Di Salvo et al., 2007)

Tabelle 3.2. Fahnenzeichen der Schiedsrichterassistenten (Aus: DFB, 2010)

Tabelle 5.1. Bewegungszeiten des Stehens und der zusammengefassten anderen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga

Tabelle 5.2. Bewegungszeiten in den unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga

Tabelle 5.3. Laufstrecken in den unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga

Tabelle 5.4. Zeiten im Stehen und Laufstrecken der unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten in den Zwei- Minuten-Abschnitten der ersten Halbzeit (00-45 min) des Spiels der Landesliga

Tabelle 5.5. Zeiten im Stehen und Laufstrecken der unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten in den Zwei- Minuten-Abschnitten der zweiten Halbzeit (45-91 min) des Spiels der Landesliga

Tabelle 5.6. Häufigkeiten der Aktionen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga

Tabelle 5.7. Bewegungszeiten des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesklasse

Tabelle 5.8. Bewegungszeiten in den unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesklasse

Tabelle 5.9. Laufstrecken in den unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesklasse

Tabelle 5.10. Zeiten im Stehen und Laufstrecken der unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten in den Zwei- Minuten-Abschnitten der ersten Halbzeit (00-45 min) des Spiels der Landesklasse.

Tabelle 5.11. Zeiten im Stehen und Laufstrecken der unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten in den Zwei- Minuten-Abschnitten der zweiten Halbzeit (45-91 min) des Spiels der Landesklasse

Tabelle 5.12. Häufigkeiten der Aktionen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesklasse

Tabelle 5.13. Absolute (min) und relative (%) zeitliche Anteile an der Gesamtspielzeit in den unterschiedlichen Bereichen der theoretisch ermittelten maximalen Pulsfrequenz (% HFmax) der Schiedsrichterassistenten im gesamten Spiel der Landesliga sowie im gesamten Spiel der Landesklasse

Tabelle 5.14. Stand- und Bewegungszeiten der Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga und der Landesklasse

Tabelle 5.15. Bewegungszeiten in den unterschiedlichen Bewegungsformen der Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga und im Spiel der Landesklasse

Tabelle 5.16. Laufstrecken in den unterschiedlichen Bewegungsformen der Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga und im Spiel der Landesklasse

Tabelle 5.17. Häufigkeiten der Aktionen der Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga und im Spiel der Landesklasse

Tabelle 5.18. Durchschnittliche Pulsfrequenz (ø HF), durchschnittlicher Prozentsatz der maximalen Pulsfrequenz (ø % HFmax) und die Gesamtstrecke von Schiedsrichterassistenten während des Spiels. Falls vorhanden, beziehen sich die Angaben auf Mittelwerte ± Standartabweichungen aus Gruppenuntersuchungen bzw. auf Einzelwerte aus Einzelfallanalysen

Tabelle 8.1. Schiedsrichterassistent in der ersten Halbzeit des Spiels der Landesliga in der Spielzeit von 00:00 min bis 05:30 min

Tabelle 8.2. Schiedsrichterassistent in der zweiten Halbzeit des Spiels der Landesklasse in der Spielzeit von 45:00 min bis 50:00 min

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1. Herzfrequenzprofil einer weiblichen Biathletin während eines Wettkampfes (14.8 km). Die Laufabschnitte 1, 3 und 5 fanden auf einer kürzeren Streckenrunde als die Laufabschnitte 2 und 4 statt. Das Profil zeigt die hohen Herzfrequenzen während der Langlaufperioden sowie die unterschiedlichen Ausmaße der Herzfrequenzreduktion während des liegend bzw. stehend Schießens (Aus: Hoffmann & Street, 1992, S. 391)

Abbildung 3.1. Pulsfrequenzverlauf eines zentralen Mittelfeldspielers (20 Jahre) im Feldfußball vor, während und nach dem Spiel (Spieldauer: 2 × 40 min). 1) Anfang: 18:10 min, 2) Ende der 1. Halbzeit: 58:07 min, 3) Anfang der 2. Halbzeit: 62:30 min, 4) Spielende: 102:18 min (Aus: Teipel, 1992, S. 000)

Abbildung 3.2. Pulsfrequenzverlauf eines Schiedsrichters vor, während und nach dem Spiel (Aus: Catterall et al., 1993, S. 194). S. 23 Abbildung 3.3. Prozentuale zeitliche Anteile der ersten (helle Balken) und zweiten Halbzeit (dunkle Balken) innerhalb der Bereiche kleiner als 65% (passive Erholung), 65-75% (aktive Erholung), 76-85% (niedrige Intensität), 86-95% (hohe Intensität) sowie größer als 95% (maximale Intensität) der maximalen Herzfrequenz (Aus: Tessitore et al., 2007, S. 1185)

Abbildung 3.4. Bewegungen des Schiedsrichters Luis P. Siles in der 2. Halbzeit des Spiels zwischen Aston Villa F.C. und C.A. Peñarol Montevideo vom 12. Dezember 1982 in Tokyo (Aus: Asami, Togari & Ohashi, 1988, S. 342)

Abbildung 3.5. Zusammenhang zwischen hochintensiver Laufarbeit (Laufgeschwindigkeit > 5.5 m/s bzw. 19.8 km/h) der Schiedsrichter und Spieler (Aus: Weston et al., 2007, S. 394)

Abbildung 3.6. Grundschema des Stellungsspiels von Schiedsrichter (SR) und den beiden Schiedsrichterassistenten LR1 und LR2 (Aus: Ebersberger et al., 1996, S. 83)

Abbildung 3.7. Seite 1 des aktuellen Beobachtungsbogens (Aus: DFB, 2009, S. 298)

Abbildung 3.8. Seite 2 des aktuellen Beobachtungsbogens (Aus: DFB, 2009, S. 299)

Abbildung 3.9. Prozentualer Anteil der Gesamtspielzeit der 1. Halbzeit (dunkle Balken) bzw. 2. Halbzeit (helle Balken) in verschiedenen Bereichen der maximalen Herzfrequenz (Aus: Mallo et al., 2009, S. 334)

Abbildung 3.10. Prozentualer zeitlicher Anteil der Bewegungsformen Stehen (SS), Gehen (W), Traben (J), Laufen (C) und Sprinten (SP) der Schiedsrichterassistenten während der ersten (schwarze Balken) und zweiten Halbzeit (weiße Balken) (Aus: Mallo et al., 2009, S. 239)

Abbildung 3.11. Zusammenhang zwischen Laufdistanz der Schiedsrichterassistenten und der horizontalen Distanz des Spielballes während der Spiele (Aus: Mallo et al., 2009, S. 333)

Abbildung 4.1. Gehen vorwärts mit einer Geschwindigkeit von 0.5 bis 1,5 m/s (Bildreihe von links nach rechts)

Abbildung 4.2. Gehen rückwärts mit einer Geschwindigkeit von 0.5 bis 1.5 m/s (Bildreihe von rechts nach links)

Abbildung 4.3. Traben vorwärts mit einer Geschwindigkeit von 1.6 bis 3.0 m/s (Bildreihe von rechts nach links)

Abbildung 4.4. Traben rückwärts mit einer Geschwindigkeit von 1.6 bis 3.0 m/s (Bildreihe von rechts nach links)

Abbildung 4.5. Laufen vorwärts mit einer Geschwindigkeit von 3.1 bis 4.5 m/s (Bildreihe von rechts nach links)

Abbildung 4.6. Sprinten mit einer Geschwindigkeit ab 4.6 m/s (Bildreihe von rechts nach links

Abbildung 4.7. Laufen seitwärts rechts von der Mittellinie zur Grundlinie des Spielfeldes (Bildfolge von rechts nach links)

Abbildung 4.8. Laufen seitwärts links von der Grundlinie zur Mittellinie des Spielfeldes (Bildfolge von links nach rechts)

Abbildung 4.9. Räumliche Bedingungen der videobasierten Verhaltensbeobachtung. Der Beobachter positionierte sich mit der Videokamera in gleicher Höhe auf der gegenüberliegenden Spielfeldseite in der Mitte zwischen Grund- und Mittellinie. Das Beobachtungsfeld (graues Dreieck) erstreckte sich entsprechend dem Aktionsraum des Schiedsrichterassistenten (SRA) zwischen Grund- und Mittellinie

Abbildung 5.1. Pulsfrequenzen des Schiedsrichterassistenten vor, während und nach dem Spiel der Landesliga

Abbildung 5.2. Prozentuale zeitliche Anteile (% Spielzeit) in unterschiedlichen Bereichen der Herzfrequenz (HF-Bereiche) während der ersten und zweiten Halbzeit des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga. Die absolute Spielzeit betrug für die erste Halbzeit 45:15 Minuten und für die zweite Halbzeit 46:06 Minuten

Abbildung 5.3. Prozentuale zeitliche Anteile (% Spielzeit) der Pulsfrequenz in den bei Mallo et al. (2009) und Ardigo (2009) festgelegten Bereichen der theoretischen maximalen Pulsfrequenz (% HFmax) des Schiedsrichterassistenten während der ersten und zweiten Halbzeit im Spiel der Landesliga bei einer absoluten Spielzeit von 45:15 min in der ersten und 45:06 min in der zweiten Halbzeit

Abbildung 5.4. Prozentuale zeitliche Anteile (% Spielzeit) der erweiterten und differenzierteren Bereiche der maximalen Herzfrequenz (% HFmax) des Schiedsrichterassistenten während der ersten und zweiten Halbzeit im Spiel der Landesliga bei einer absoluten Spielzeit von 45:15 min in der ersten bzw. 45:06 min in der zweiten Halbzeit

Abbildung 5.5. Bewegungszeiten in den Bewegungsarten des Stehens und der zusammengefassten anderen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga

Abbildung 5.6. Bewegungszeiten in den unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga

Abbildung 5.7. Laufstrecken in den unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga

Abbildung 5.8. Häufigkeiten der Aktionen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga

Abbildung 5.9. Bewegungsformen, Aktionen und Pulsfrequenzen des Schiedsrichterassistenten der Landesliga in der ersten Spielsituation (erste Halbzeit, 4:10 ± 6:10 Minute)

Abbildung 5.10. Bewegungsformen, Aktionen und Pulsfrequenzen des Schiedsrichterassistenten der Landesliga in der zweiten Spielsituation (zweite Halbzeit, 59:00 ± 61:00 min)

Abbildung 5.11. Pulsfrequenzen des Schiedsrichterassistenten vor, während und nach dem Spiel der Landesklasse

Abbildung 5.12. Prozentuale zeitliche Anteile (% Spielzeit) der Pulsfrequenz in den bei Mallo et al. (2009) und Ardigo (2009) festgelegten Bereichen der theoretischen maximalen Pulsfrequenz (% HFmax) des Schiedsrichterassistenten während der ersten und zweiten Halbzeit im Spiel der Landesklasse bei einer absoluten Spielzeit von 45:33 Minuten in der ersten und 45:19 Minuten in der zweiten Halbzeit

Abbildung 5.13. Prozentuale zeitliche Anteile (% Spielzeit) der erweiterten und differenzierten Bereiche der theoretischen maximalen Pulsfrequenz (% HFmax) des Schiedsrichterassistenten während der ersten und zweiten Halbzeit im Spiel der Landesklasse bei einer absoluten Spielzeit von 45:33 Minuten in der ersten und 45:19 Minuten in der zweiten Halbzeit

Abbildung 5.14. Bewegungszeiten in den Bewegungsformen des Stehens und der zusammengefassten anderen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesklasse

Abbildung 5.15. Bewegungszeiten in den unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesklasse

Abbildung 5.16. Laufdistanzen in den unterschiedlichen Bewegungsformen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesklasse

Abbildung 5.17. Häufigkeiten der Aktionen des Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesklasse

Abbildung 5.18. Bewegungsformen, Aktionen und Pulsfrequenzen des Schiedsrichterassistenten der Landesklasse in der ersten Spielsituation (erste Halbzeit, 36:00 ± 38:00 Minute)

Abbildung 5.19. Bewegungsformen, Aktionen und Pulsfrequenzen des Schiedsrichterassistenten der Landesklasse in der zweiten Spielsituation (zweite Halbzeit, 53:00 ± 55:00)

Abbildung 5.20. Relative zeitliche Anteile an der Gesamtspielzeit (% Spielzeit) in den unterschiedlichen Bereichen der theoretisch ermittelten maximalen Pulsfrequenz (% HFmax) der Schiedsrichterassistenten im gesamten Spiel der Landesliga sowie im gesamten Spiel der Landesklasse

Abbildung 5.21. Bewegungszeiten in den unterschiedlichen Bewegungsformen der Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga und im Spiel der Landesklasse

Abbildung 5.22.Laufstrecken in den unterschiedlichen Bewegungsformen der Schiedsrichterassistenten im Spiel der Landesliga und im Spiel der Landesklasse

Abbildung 8.1.: Laufwege des Schiedsrichterassistenten vor,

Abbildung 8.1. während und nach dem Spiel der Landesliga (Quelle: Google Earth, Zugriff am 03.12.2010)

Abbildung 8.1.: Laufwege des Schiedsrichterassistenten vor,

Abbildung 8.2. während und nach dem Spiel der Landesklasse (Quelle: Google Earth, Zugriff am 03.12.2010)

1. Problemstellung

Handlungsurteile und -bewertungen sind inhärente Bestandteile des Sports. Die Bedeutung der Entscheidungen von Kampf-, Schieds- und Linienrichtern ist infolge der zunehmenden Professionalisierung und Kommerzialisierung sowie der gestiegenen Medienpräsenz des nationalen und internationalen Sports enorm gewachsen. In den Sportspielen, und hier insbesondere im Fußball, wird das Spielgeschehen und das Wettkampfergebnis entscheidend durch getroffene und unterlassene Entscheidungen des Schiedsrichterteams geprägt. Die Konsequenzen der Entscheidungen haben außer sportlichen auch indirekt finanzielle Folgen, die sich in Zuschauerzuwachs oder -rückgang, Prestigeverlust, Abwendung von Sponsoren oder Personalveränderungen in den Vereinen spürbar auswirken.

Die Entwicklung des modernen Fußballsports ist notwendigerweise auch eine Entwicklung des Schiedsrichterwesens. Die aus England stammenden frühen Regeln des Fußballs enthielten ab 1891 einen unmittelbar auf dem Platz amtierenden Schiedsrichter, wobei ihm zwei sog. Linienrichter assistierten. Diese bewegten sich damals noch entlang der gesamten Seitenlinie, mussten viel laufen und entschieden dafür aber nur, ob der Ball die Seitenlinie überschritten hatte. Im Zuge der Veränderungen im Leistungsfußball (vgl. Kleinefinke, Kuhn & Meyer, 2001) und der Weiterentwicklung der Regeln wandelte sich im Laufe der Jahrzehnte auch das Amt des Schiedsrichters bzw. seiner beiden Assistenten. Um der gestiegenen Verantwortung in der Assistenz des Schiedsrichters für das gesamte Spiel gerecht zu werden, entschied der µInternational Football Association Board¶ (IFAB) im Jahre 1996 den Linienrichter als Schiedsrichterassistenten zu bezeichnen und gleichzeitig dessen Aufgabenbereich im Rahmen der Spielleitung entscheidend zu erweitern.

Im Gegensatz zum Schiedsrichter, der sich während des Spiels entlang einer diagonalen Linie über das gesamte Spielfeld bewegt, befinden sich die beiden Assistenten jeweils nur an der Seitenlinie einer Spielfeldhälfte. Sie sind mit einer Fahne ausgerüstet, mit der sie dem Schiedsrichter ein Zeichen geben, wenn u.a. eine strafbare Abseitsposition, ein Ausball oder ein Foulspiel, welches der Schiedsrichter nicht erkennen konnte, vorliegt. Eine der Hauptaufgaben des Schiedsrichterassistenten während des Spiels ist das Anzeigen von Abseitsstellungen der Spieler. Um die in der Regel 11 beschriebene Abseitsregel korrekt zu beurteilen, muss sich der Assistent während des gesamten Spiels auf der Höhe des vorletzten Spielers der verteidigenden Mannschaft bewegen, um auf diese Weise besonders gut Abseitssituationen beurteilen zu können. Die perzeptiv-kognitiven Anforderungen an die Situationswahrnehmung und -beurteilung werden somit von einer infolge der aufgabenspezifischen körperlichen Aktivitäten wirkenden physiologischen Beanspruchung begleitet. Die Spezifität der physiologischen Beanspruchung von Schiedsrichterassistenten ergibt sich aus dem im Vergleich zum Schiedsrichter begrenzten Aktionsraum an der Seitenlinie einer Spielfeldhälfte sowie der daraus resultierenden seitlichen Blickrichtung auf das Spielfeld, woraus sich vermutlich spezifische Bewegungsformen und Laufstrecken während des Spiels ergeben.

Schiedsrichter im Fußball treffen heutzutage in einem Spiel durchschnittlich etwa 200 Entscheidungen, wobei mit einem Anteil von ca. 64 % die meisten Entscheidungen auf der Zusammenarbeit von Schiedsrichtern und Schiedsrichterassistenten beruhen (Helsen & Bultynck, 2004). Analysen von Entscheidungen des Schiedsrichterteams bei Weltmeisterschaftsspielen (van Meerbeek, van Gool & Bollens, 1987) und von Abseitsentscheidungen in verschiedenen europäischen Erstligaspielen (Oudejans et al., 2000) lassen vermuten, dass durchschnittlich etwa 10 bis 20 % aller Entscheidungen inkorrekt sind.

Betrachtet man die spezifischen physischen und psychischen Beanspruchungen von Schiedsrichtern (u.a. Asami, Togari & Ohashi, 1988; Catterall et al., 1993; Helsen & Bultynck, 2004; Johnston & McNaughton, 1994; Mascarenhas, O'Hare Plessner, 2006;

Teipel, Kemper & Heinemann, 1999) und Schiedsrichterassistenten (u.a. Ardigo, 2009;

Krustrup, Magni & Bangsbo, 2002; Mallo et al., 2008; Mallo et al., 2009), so erscheint diese Quote zunächst als niedrig. Trotzdem stehen tatsächliche oder vermeintliche Fehlentscheidungen immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit, wenn über die Leistungen des Schiedsrichterteams diskutiert wird, und Niederlagen von den betroffenen Mannschaften oftmals auf Fehlentscheidungen des Schiedsrichters oder der Assistenten zurückgeführt werden. Dies erscheint insofern gerechtfertigt, weil bestimmte Entscheidungen, wie beispielsweise die Vergabe von Elfmetern und Feldverweisen sowie Abseitssituationen, spielentscheidenden Charakter haben können (Oudejans et al., 2005; Plessner & Betsch, 2001; Sutter & Kocher, 2004).

Aus der hohen Bedeutung der Entscheidungen des Schiedsrichterteams ergibt sich das Interesse, die Quote von Fehlentscheidungen der Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten zu minimieren und die Ursachen für falsche Situationseinschätzungen und -bewertungen zu ergründen. Da physische und psychische Beanspruchungen allgemein nicht nur als Folge, sondern auch als Ursache für nachfolgende Handlungen betrachtet werden (Nitsch, 1976), stellt sich die Frage, welche Beanspruchungen bei Schiedsrichtern und Schiedsrichterassistenten als Folge von spezifischen Belastungsbedingungen vor, während und nach einem Fußballspiel auftreten und die Entscheidungsprozesse in spielimmanenten Situationen beeinflussen.

Da die athletischere und schnellere Spielweise des modernen Fußballs sowie die Einführung neuer Spielsysteme (z.B. Viererkette) notwendigerweise eine Erhöhung der physischen Anforderungen der Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten zur Folge hatte, wurden deshalb in den letzten Jahren neben vielen detaillierten Untersuchungen der physischen und psychischen Beanspruchung von Spielern (u.a. Di Salvo et al., 2007; Di Salvo et al., 2008 Filaire, Lac & Pequignot, 2003; Man, Stuchlikowa & Kindlmann, 1995; Ohashi et al., 1988; Reilly & Thomas, 1976; Rienzi, Drust & Reilly, 2000; Teipel, 1992; Teipel et al., 1994, Teipel et al., 1998) auch differenzierte Analysen zu unterschiedlichen physischen und psychischen Aspekten der Schiedsrichtertätigkeit durchgeführt (u.a. Asami, Togari & Ohashi, 1988; Catterall et al., 1993; Teipel, 1997; Teipel, Kemper & Heinemann, 1998; Teipel, Kemper & Heinemann, 1999; Tessitore et al., 2007; Weston et al., 2006; Weston et al., 2007a; Weston et al., 2007b; Weston et al., 2010).

Trotz der Erweiterung des Aufgabenbereichs durch den IFAB im Jahre 1996 und der entscheidenden Mitwirkung bei der Spielleitung hielt sich das wissenschaftliche Interesse hinsichtlich der Schiedsrichterassistenten jedoch bisher in Grenzen. Die bisher durchgeführten Studien an Schiedsrichterassistenten untersuchten v.a. perzeptiv-kognitive Aspekte bei der Beurteilung von Abseitssituationen (Catteeuw, Bilis & Helsen, 2007; Catteeuw et al., 2009; Gilis et al., 2008; Gilis et al., 2009; Helsen & Bultynck, 2004; Oudejans et al., 2005) und nur einige wenige Aspekte zur spezifischen physiologischen Beanspruchung während des Spiels (Ardigo, 2009; Krustrup, Magni & Bangsbo, 2002; Mallo et al., 2008; Mallo et al., 2009). Dabei wurden mit Hilfe unterschiedlicher Untersuchungsverfahren lediglich die während der untersuchten Spiele aufgetretenen Pulsfrequenzen und zurückgelegten Laufstrecken der Assistenten analysiert. Keine der Untersuchungen bezog die aufgabenspezifischen Aktionen der Schiedsrichterassistenten als Teilaspekt der physiologischen Beanspruchung während des Spiels in die Beschreibung mit ein. Weiterhin ist anzumerken, dass bis auf die Studie von Ardigo (2009) alle Untersuchungen an hochklassigen nationalen und internationalen Schiedsrichterassistenten durchgeführt wurden.

Das Ziel dieser Arbeit war aus den o.g. Gründen eine differenzierte Untersuchung unterschiedlicher Aspekte der physiologischen Beanspruchung von Schiedsrichterassistenten im Fußball. Die Analyse erfolgt hierbei anhand von zwei Einzelfalldarstellungen im Rahmen von zwei Spielen der sechsten bzw. siebten Liga. Im ersten Teil der Arbeit werden zunächst theoretische Grundlagen der Beanspruchung behandelt. Nach der Klassifikation verschiedener Beanspruchungsformen und der Beschreibung von Verfahren zur Beanspruchungsmessung folgt eine Darstellung ausgewählter empirischer Befunde zur psychischen und physischen Beanspruchung im Sport allgemein. Aus themenspezifischen Gründen werden nachfolgend Untersuchungsergebnisse zur physiologischen Beanspruchung von Spielern, Schiedsrichtern und Schiedsrichterassistenten vorgestellt. Der methodische Teil beinhaltet im Anschluss an die Beschreibung der gewählten Untersuchungsart die Kennzeichnung der verwendeten Untersuchungsverfahren zur Erfassung der Pulsfrequenzen, der Bewegungsformen und Laufstrecken sowie der Aktionen der Schiedsrichterassistenten während der untersuchten Spiele. Nachfolgend werden die beiden Untersuchungspersonen, die räumlichen und zeitlichen Bedingungen der Untersuchungsdurchführung sowie die unterschiedlichen Aspekte der Datenauswertung dargestellt. Die Ergebnisse der physiologischen Beanspruchung der beiden untersuchten Schiedsrichterassistenten werden zunächst im Einzelfall integrativ beschrieben und diskutiert sowie im Anschluss daran miteinander verglichen. Abschließend werden in einem kurzen Ausblick einige Aspekte zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Assistententätigkeit besprochen.

2. Zur Beanspruchung im Sport

Im einführenden Teil dieser Arbeit werden im Anschluss an eine theoretische Betrachtung der Beanspruchung Ansätze einer Klassifikation verschiedener Beanspruchungsformen sowie Verfahren zur Beanspruchungsmessung behandelt. Anschließend werden ausgewählte empirische Befunde zur Beanspruchung im Sport sowie zur Beanspruchung von Spielern, Schiedsrichtern sowie Schiedsrichterassistenten im Fußball dargestellt.

2.1. Zur Theorie der Beanspruchung

Im Rahmen allgemeiner psychologischer Grundannahmen wird menschliches Handeln als ein Systemprozess verstanden. Das Systempostulat des Handelns ist nach Nitsch (1986) der Kernpunkt psychologischer Theoriebildung und integriert kognitive, emotionale und aktionale Prozesse als wechselseitig aufeinander wirkende Komponenten der Gesamtdynamik eines psychophysischen Systems.

Personen wirken durch ihr Handeln auf die Umwelt ein, die ihrerseits wiederum die Person beeinflusst. Zentraler Moment des Handelns als Systemprozess ist deshalb die wechselseitige Beziehung zwischen Person- und Umweltbedingungen. Die Personbedingungen werden durch die Fähigkeiten und Bereitschaften eines Individuums bestimmt. Zu den wesentlichen Umweltbedingungen gehören die Aufgabenschwierigkeit und der Aufgabenanreiz. Die Interaktion von Person und Umwelt wird durch Übermittlungs- und Austauschprozesse (Kommunikationsprozesse) konstituiert und beinhaltet materielle, energetische und informationelle Kommunikation. Die Person-Umwelt-Beziehung kann in einen psychoökologischen und in einen psychosomatischen Bezug untergliedert werden (Nitsch, 1986). Aus psychoökologischer Sicht wird die Handlung als dynamische Einheit von Person und Umwelt betrachtet, bei der sich das Handeln stets als eine Auseinandersetzung einer Person mit ihrer jeweiligen materiellen und sozialen Umwelt vollzieht. Der psychosomatische Bezug der Person-Umwelt-Beziehung integriert zugleich psychisches und somatisches Geschehen. Hierbei wird menschliches Handeln als psychophysische Einheit verstanden.

Die Interaktion zwischen Person und Umwelt wird durch die individuellen Leistungsvoraussetzungen, die situativen Leistungsanforderungen sowie die aktualisierten Handlungen der betreffenden Person determiniert (Nitsch & Udris, 1976). Die persönlichen Leistungsvoraussetzungen schließen die Komponenten der individuellen Leistungsfähigkeit (Grundleistungsfähigkeit, Verhaltensstile, Vorbeanspruchung) sowie der persönlichen Leistungsbereitschaft (Motive, Bedürfnisse, Erfahrungen, Bewertungsstile, Sättigungsgrad) ein. Innerhalb der situativen Leistungsanforderungen sind die Art und Weise der zu bewältigenden Aufgabe (tätigkeitsspezifische Komponente) sowie die jeweiligen situativen Bedingungen (situationsspezifische Komponente) von entscheidender Bedeutung. Die aktualisierten Handlungen werden einerseits durch die Bewegungs- und Zeitstruktur sowie durch die jeweils zugeordneten Intensitäten bestimmt. Andererseits ist der Handlungsablauf durch die drei Phasen der Antizipationsphase (Handlungsplanung), der Realisationsphase (Handlungsausführung) und der Interpretationsphase (Bedeutungsanalyse) charakterisiert.

Das Grundprinzip der kommunikativen Beziehung zwischen Person und Umwelt ist die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung einer internen und externen Homöostase als ein Zustand des Gleichgewichts, bei dem die personalen Fähigkeiten und Bereitschaften den Aufgabenschwierigkeiten und Aufgabenanreizen entsprechen. Eine Störung dieses kommunikativen Gleichgewichts (materiell, energetisch, informationell) kann als Beanspruchung bezeichnet werden. Eine Beanspruchung als Destabilisierung oder Regelgrößenauslenkung biologischer Systeme bedeutet somit psychophysische Gleichgewichtsstörung (Nitsch & Udris, 1976). Unter dem Einfluss spezifischer Anforderungen weicht eine bestimmte Regelgröße (z.B. Körpertemperatur, Blutdruck usw.) von ihrem Sollwert ab und es entsteht eine Soll-Istwert-Diskrepanz, die sowohl durch zu hohe als auch durch zu niedrige Anforderungen entsteht. Für den Erhalt und die Wiederherstellung eines Gleichgewichtszustandes in der Person-Umwelt-Beziehung ist deshalb eine optimale Anforderungslage anzustreben.

Das Ausmaß der Destabilisierung des psychophysischen Gleichgewichts wird durch die Art, Intensität und Dauer einer auf ein biologisches System einwirkenden Belastung bestimmt. Belastungen sind alle erfassbaren Einflüsse, die von außen auf ein System zukommen und auf dieses einwirken. Es lassen sich dabei grundlegend (psycho)physiologische, psychische und (psycho)soziale Belastungen differenzieren. Sie stellen die Wirkungen der Situation dar, in der sich ein System befindet. Der Begriff beschreibt demnach die situativen Einflüsse und nicht die Eigenschaften des Systems. Bei technischen Verfahren wird von einer linearen Beziehung zwischen Belastung und Beanspruchung ausgegangen. Im Gegensatz dazu geht die psychologische Stressforschung davon aus, dass von außen stammende Belastungen über kognitive Vermittlungsprozesse subjektiv wirksam werden (Nitsch, 1981).

2.2. Klassifikation von Beanspruchungsformen

Zur analytischen Einordnung von Beanspruchungen wurde von Hackfort und Schlattmann (1989) eine Unterscheidung von physischen und psychischen Beanspruchungen vorgenommen. Ausgehend von der Anforderungsstruktur in der Person-Umwelt-Beziehung differenzieren Nitsch und Udris (1976) die Tendenzen der Unterforderung und Überforderung.

Auf der Grundlage des von Nitsch (1986) postulierten psychophysischen Systems menschlichen Handelns lassen sich aus analytischen Gesichtspunkten grundsätzlich physische und psychische Beanspruchungen voneinander abgrenzen (Hackfort & Schlattmann, 1989). Die bei einer Bewegungshandlung auftretenden physischen Beanspruchungen können danach unterschieden werden, ob sie verstärkt Anforderungen an die Kondition oder an die Koordination stellen. Dementsprechend werden die physischen Beanspruchungen in konditionsakzentuierte und koordinationsakzentuierte Beanspruchungen differenziert. In einem theoretischen Modell beschreibt (Nitsch & Udris 1976) den Zeitverlauf der physiologischen Beanspruchungsreaktion durch die drei Phasen der präkritischen Vorbereitungsphase (Destabilisierungsphase), der kritischen Phase (Kompensationsphase) und der postkritischen Phase (Restabilisierungsphase).

Innerhalb psychischer Prozesse werden mentale (kognitive) und emotionale Beanspruchungen unterschieden. Die beiden psychischen Beanspruchungsformen unterscheiden sich dadurch, dass bei mentalen (kognitiven) Beanspruchungen vorwiegend informationsverarbeitende Prozesse und bei emotionalen Beanspruchungen eher informationsgenerierende Prozesse auftreten. Mentale Beanspruchung beinhaltet die aufgabenlösungsbezogene Verarbeitung von Informationen. Im Gegensatz dazu generieren sich emotionale Beanspruchungen aus subjektiven Bewertungsprozessen von Situationsinformationen, die sich auf die Person selbst sowie ihre Beziehung zur Umwelt beziehen (Hackfort & Schlattmann, 1989). Das bedeutet, dass eine bestimmte Situation für verschiedene Personen sehr unterschiedlich beanspruchungswirksam sein kann. Solche persönlichen Bedeutungszuschreibungen der jeweiligen Person-Umwelt-Beziehung sind auch entscheidende Grundlage für die Stressentstehung (Lazarus, 1966). Aus diesem Grund ist es zweckmäßig, den Stressbegriff auf die Bezeichnung emotionaler Beanspruchungen einzuschränken (Nitsch, 1981, 85).

Nitsch und Udris (1976) unterscheiden je nach Richtung des Anforderungsgefälles zwischen Person und Umwelt zwei Grundformen der Beanspruchung: Unterforderung und Überforderung. Eine Unterforderung besteht dann, wenn auf Grund des Vergleichs zwischen personalen Fähigkeiten und umweltbedingten Aufgabenschwierigkeiten die Aufgabenanforderung zu gering ist. Die situativen Bedingungen bieten in diesem Fall nicht genügend Möglichkeiten, die vorhandenen Potentiale zu entfalten. Psychische Übersättigung (Unterforderungsstress) sowie Monotonie sind typische Folgen eines solchen Anforderungsdefizits. Dabei kann es zu einer Anpassung an das gegebene Anforderungsniveau und einer Senkung des eigenen Anspruchsniveaus durch die betroffene Person selbst kommen. Als Symptome nennt Schmidtke (1965) hierbei Müdigkeit, Schläfrigkeit, verminderte geistige Spontaneität und Wachsamkeit sowie Stumpfheit, die bereits zu einem Zeitpunkt auftreten, in dem weder eine Funktions- noch eine Allgemeinermüdung vorliegen.

Eine Überforderung ergibt sich dann, wenn die umweltbedingten Aufgabenschwierigkeiten die personalen Fähigkeiten übersteigen. Die Bewältigung der gestellten Aufgabe ist nur mit einer Anstrengung möglich, bei der die vorhandenen Fähigkeiten und Potentiale einer Person überstrapaziert werden. Auslösende Ursache für eine Überforderung kann sowohl in einer einmaligen Erschütterung des Persönlichkeitsgefüges als auch in einer anhaltenden und die innere Widerstandsfähigkeit einer Person zermürbenden Dauerbelastung liegen, in einem Angriff auf die Stabilität des Charaktergefüges oder der überpersönlichen Wertbindungen sowie in der Überbeanspruchung einzelner Funktionen (Mierke, 1955). Wesentliche Folgen einer Überforderung sind Überforderungsstress und Ermüdung. Beeinträchtigung der motorischen Koordination, Rezeptions- und Wahrnehmungsstörungen, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, Störungen des Denkens und personaler Antriebs- und Steuerungsfunktionen sowie eine u.U. negative Beeinflussung sozialer Beziehungen können weiterhin als überforderungsbedingte Beanspruchungsfolgen angesehen werden.

2.3. Verfahren der Beanspruchungsmessung

Schlicht (1989) unterscheidet bei der Analyse von Belastung und Beanspruchung belastungsorientierte, beanspruchungsorientierte und interaktionistische Konzepte. Belastungsorientierte (reizorientierte) Konzepte suchen nach den Bedingungen in der Umgebung einer Person, die eine Beanspruchungsreaktion auslösen. Im Gegensatz dazu befassen sich beanspruchungsorientierte Konzepte mit den kognitiven, emotionalen und physiologischen Reaktionen des Organismus auf belastende Situationen. Das interaktionistische Konzept erklärt die Wechselbeziehungen zwischen Belastung und Beanspruchung, d.h. unter welchen Bedingungen Reize belastend sind und beanspruchend wirksam werden. Auf der Grundlage des beanspruchungsorientierten Konzepts werden im Folgenden diagnostische Verfahren zur Beanspruchungsmessung behandelt, wobei grundlegend in handlungsbezogene, psychologische und (psycho)physiologische Verfahren differenziert werden kann.

Handlungsbezogene Ansätze der Beanspruchungsanalyse versuchen durch spezielle Verfahren der Verhaltensbeobachtung auf psychische Prozesse (Emotionen, Motivationen, Kognitionen) während der tätigkeitsspezifischen Handlungsausführung zu schließen (Clausen & Hosenfeld, 1994). Dabei wird auf der Verhaltensebene in das Ausdrucksverhalten (Gestik, Mimik, Pantomimik, Motorik), das Flucht- und Vermeidungsverhalten sowie das Leistungsverhalten (motorisch, kognitiv) differenziert (Hackfort & Schwenkmenzger, 1985). Unter Zuhilfenahme der Video- und Tonbandtechnik zur Verhaltensbeobachtung wurden u.a. die Verfahren der Video(selbst)konfrontation (Stoll, Zimmermann & Schega, 1998) sowie der Video(selbst)kommentierung (Hackfort & Schlattmann, 1994) entwickelt.

Die primär psychologischen Verfahren konzentrieren sich im Wesentlichen auf nicht- bzw. teilstandardisierte Erhebungsverfahren des Interviews sowie standardisierter Fragebogenverfahren (Halsig, 1988). Das Interview ist eine Methode, bei der durch planmäßiges Vorgehen die Versuchspersonen durch eine Reihe gezielter Fragen oder mitgeteilter Stimuli zu verbalen Äußerungen veranlasst werden sollen (Scheuch, 1967). Es ist geeignet, Informationen zu erfassen, die sich durch ihre Nähe zur Individualität und Realität des Verhaltens auszeichnen und ist besonders dann anzuwenden, wenn die Beschreibung von Verhaltensprozessen angezeigt ist. Interviews können bezüglich des Bewegungsspielraums der Gesprächspartner (standardisiert, halb-standardisiert, nicht-standardisiert) sowie nach der Beziehung zwischen den Interviewpartnern (weich, neutral, hart) eingeteilt werden (Halsig, 1988). Die standardisierten Fragebogenverfahren werden allgemein in die eindimensionalen Persönlichkeitsfragebogen und die spezifischen Verfahren zur Erfassung von Bewältigungs- und Abwehrvorgängen differenziert (Halsig, 1988). Im Sport existieren eine Reihe spezifischer Fragebogenverfahren zur Analyse von belastenden Trainings- und Wettkampfbedingungen (u.a. Frester, 1972; Mathesius, Müller & Schellenberger, 1974; Baum & Schellenberger, 1978; Teipel & Brocks, 1984; Teipel & Lingnau, 1986). Ergänzende psychologisch orientierte Objektivierungsverfahren sind verschiedene projektive Verfahren sowie die Beobachtungs- und Tagebuchmethode (Halsig, 1988).

Im Rahmen physiologischer Verfahren unterscheiden Nitsch und Udris (1976) Indikatoren von Kreislauf und Atmung, biochemische und elektrophysiologische Indikatoren. Die Erfassung der Beanspruchung von Kreislauf und Atmung erfolgt v.a. durch die Messung der Pulsfrequenz, des Blutdrucks und der Atemfrequenz. Ein valider biochemischer Indikator einer Beanspruchungsreaktion ist die Freisetzung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin (Katecholamine). Im Vergleich zur verzögerten Reaktion des Herz- Kreislaufsystems hat sich in belastenden Situationen die sehr schnell einsetzende Katecholaminausschüttung als ein empfindlicher Parameter der Beanspruchungsmessung erwiesen (Nitsch & Udris, 1976, 72). Als elektrophysiologische Indikatoren werden in der Beanspruchungsforschung die Elektroenzephalographie (EEG), die Elektrodermatographie (EDG) und die Elektromyographie (EMG) genutzt.

Lanc (1977) differenziert bei der psychophysiologischen Beanspruchungsmessung in zentrale und periphere Indikatoren. Als zentrale, die Aktivität des Zentralnervensystems beschreibenden, Indikatoren nennt er ebenfalls die bioelektrischen Hirnpotentiale (EEG) sowie die Hirnimpedanz. Periphere Indikatoren als Determinanten der Steuerungs- und Regelungsprozesse des autonomen Nervensystems sind neben den bereits erwähnten kardiopulmonalen und elektrophysiologischen Verfahren weiterhin die Messung von Transpiration, Körpertemperatur, Pupillenweite, Magenmotalität und Mikrovibration sowie die Erfassung von Volumenänderungen menschlicher Körperteile (Plethysmographie). Als weitere psychophysiologische Indikatoren nennt Lanc (1977) die Messung der Lidschlagrate und der Flimmerverschmelzungsfrequenz (FVF), die Untersuchung von Wahrnehmungsschwellen und Augenbewegungen (Okulographie) sowie die Erfassung der Aktivität der Speicheldrüsen und unwillkürlicher Zitterbewegungen der Gliedmaßen (Tremor).

Die Pulsfrequenz ist auf Grund ihrer diagnostischen Valenz und ihrer Proportionalität zu energetischen Prozessen im Organismus das in der Beanspruchungsforschung am meisten verwendete Einzelmaß. Sie ist das Ergebnis einer organismischen Informationsverarbeitung und kann als kardiale Reflexion einer Beanspruchungssituation bezeichnet werden. Das gesunde Herz reagiert mit seiner Schlagfolge gesetzmäßig auf akute und chronische Beanspruchungen verschiedener Art (Israel, 1982). Bei körperlicher Arbeit und muskulärer Ermüdung gilt ein Anstieg der Pulsfrequenz als gesichert (Lehmann, 1970). Die Erhöhung der Pulsfrequenz während einer Arbeitsperiode sowie deren Verhalten nach Beendigung der Muskeltätigkeit sind als wichtige Symptome der Muskelermüdung anzusehen. Bartenwerfer (1963) schlägt vor, die Pulsfrequenz in verschiedene Komponenten zu zerlegen, um physische und psychische Anteile der Beanspruchung voneinander abgrenzen zu können. Demnach wird in eine Ruhekomponente, eine Komponente der Muskelarbeit und eine Komponente der Muskelarbeit und eine Komponente psychischer Anspannung differenziert. Eine Messung der „reinen" psychischen Beanspruchung ist mittels der Pulsfrequenz nicht möglich (Schmidtke, 1965). Daher sind Pulsfrequenzerhöhungen im Zusammenhang mit psychisch belastenden Tätigkeiten als körperliche Begleiterscheinungen eines erhöhten allgemeinen Anspannungszustandes zu interpretieren (Schmidtke, 1965).

Aus handlungspsychologischer Perspektive ergibt sich für die Untersuchung von Beanspruchungen die methodische Konsequenz einer sinnvollen Verfahrenskombination. Dabei sind physiologische und psychologische als sich ergänzende Bezugssysteme zur Beschreibung von Beanspruchungsreaktionen heranzuziehen (Hackfort & Schlattmann, 1989). Bei der Beurteilung individueller Reaktionstendenzen im Beanspruchungsverhalten müssen spezifische physiologischer Muster sowie subjektive Befindlichkeitskennzeichen berücksichtigt werden. Des Weiteren ist eine Beanspruchung immer als Prozess zu begreifen, bei dem nicht nur statische psychophysische Zustände als Momentaufnahmen, sondern auch Veränderungen dieser Zustände in Abhängigkeit von Situations- und Tätigkeitsmerkmalen zu erfassen sind (Nitsch, 1976, 65).

2.4. Untersuchungen zur Beanspruchung im Sport

Sportliche Beanspruchungsprozesse werden durch die Interaktion von personalen, situativen und aktionalen Prozessen geprägt. Die individuelle Beanspruchungslage wird dabei durch die personalen Leistungsvoraussetzungen, die situativen Leistungsanforderungen sowie durch den Verlauf und das Ergebnis von aktualisierten Handlungen maßgeblich bestimmt. Im Hinblick auf ihren zeitlichen Verlauf lassen sich Beanspruchungen in sportlichen Leistungssituationen in eine Vorwettkampf-, Wettkampf- und Nachwettkampfphase differenzieren (Nitsch & Udris, 1976).

Die Vorwettkampfphase besteht dabei aus einer Trainings- und einer Umstellungsphase wobei v.a. antizipatorische Prozesse bzgl. des bevorstehenden Wettkampfes eine Rolle spielen (Vorstartzustand). Dabei werden insbesondere strukturell unbekannte Leistungssituationen mit hoher persönlicher Bedeutung sowie Situationen mit hohen, als verbindlich erlebten Leistungserwartungen und Konkurrenzsituationen als beanspruchend wirksam. Die Wettkampfphase (Kernphase) gliedert sich die Anfangsphase, die Hauptphase und die Schlussphase. In dieser Phase sind Behinderungssituationen (z.B. Fouls im Fußball, Fehlstart im 100-m-Lauf), Zwangssituationen (z.B. taktische Aufgaben im Mannschaftsspiel), Konfliktsituationen (z.B. mit Schiedsrichtern, Gegnern, Zuschauern), Überraschungssituationen (z.B. plötzliche Vor- oder Nachteile durch Feldverweise bzw. Disqualifikationen) sowie Indifferenzsituationen (z.B. Fußballspiel ohne Zuschauer) für die Genese der Beanspruchung wirksam. In der Nachwettkampfphase sind Beanspruchungsprozesse abhängig von der Selbst- und Fremdbewertung des Verlaufs und des Ergebnisses der jeweiligen sportlichen Handlung.

2.4.1. Psychische Beanspruchung

Die psychische Beanspruchung im Sport wurde u.a. von Brehm (1997) zu Stimmungszuständen bei Volleyballspielern vor und nach dem Wettkampf, von Adler und Ziemainz (2005) zu kritischen Situationen im Biathlon, von Fritsch und Weber (1991), Teipel et al., (1994), Man, Stuchlikowa und Kindlmann (1995) sowie Filaire, Lac und Pequignot (2003) zu verschiedenen psychischen Aspekten bei Fußballspielern untersucht. Außerdem analysierte Teipel (1997) die Belastungsbedingungen vor, während und nach dem Spiel bei Schiedsrichtern im Fußball.

Brehm (1997) analysierte mit Hilfe standardisierter Befindlichkeitsskalen (BFS) die Stimmungszustände von Volleyballspielern vor und nach Wettkampfsituationen. Dabei wurde deutlich, dass der Aspekt µErregtheit¶ unabhängig vom Wettkampfergebnis ist, wobei der Zustand der µAktiviertheit¶ nach einem gewonnenen Spiel länger anhielt als nach einem verlorenen Spiel. Desweiteren waren gewonnene Spiele insbesondere verbunden mit einer Verbesserung der guten Laune. Im Gegensatz dazu wurde nach verlorenen Spielen eine Abnahme der guten Laune bzw. eine Zunahme von µÄrger¶ und µDeprimiertheit¶ festgestellt.

Der Nachweis der veränderten Stimmungszustände in unterschiedlichen Wettkampfsituationen zeigte, dass solche Situationen zum Erhalt eines dynamischen emotionalen Gleichgewichts funktional sind.

Adler und Ziemainz (2005) analysierten psychisch belastende Wettkampfsituationen im Biathlon. Mit einem aus 47 kritischen Situationen bestehenden Fragebogeninventar wurden insgesamt 70 Biathleten des Deutschen Ski-Verbandes (DSV), die die dargebotenen Situationen nach ihrer kritischen Ausprägung bewerteten, untersucht. Als besonders belastend wurden Situationen empfunden, die als Probleme mit dem Wettkampfmaterial (z.B. Ski- und Stockbruch) sowie als Probleme mit dem Reglement (z.B. Strafrunde zu wenig gelaufen, zu spät zum Start gekommen, falsche Strecke gelaufen) beschrieben werden konnten. Überdies wurden verschiedene Situationen während des Laufens als kritisch bewertet. Sie konnten vordergründig als physiologische Probleme (z.B. schwere und müde Beine, Seitenstechen) oder laufstreckenbedingte Probleme (z.B. tiefer Schnee, gefährliche Abfahrt, schweres Streckenprofil) gekennzeichnet werden. Neben Situationen, die den automatisierten Handlungsablauf am Schießstand beeinflussten (z.B. zittrige Hände, Wind, Ladehemmungen, kalte Hände) wurden außerdem störende Kognitionen sowohl im Vorfeld des Wettkampfes (z.B. Leistungs- und Erwartungsdruck) als auch infolge verschiedener Wettkampfereignisse z.B. schlechtes Schießergebnis, vom Konkurrenten überholt) als belastend und leistungshemmend bewertet.

Adler und Ziemainz (2005) empfahlen, Übungen zur Wahrnehmung, Bewertung und Bewältigung kritischer Wettkampsituationen im wettkampfnahen Training einzusetzen, um das erworbene Wissen über die Regulierbarkeit psychisch belastender Ereignisse und Situationen im Wettkampf anzuwenden.

Bei einer Untersuchung zur Ärgerbewältigung bei Reservespielern in der Fußball-Bundesliga (Fritsch & Weber, 1991) zeigten die Ergebnisse, dass diese Spieler zwar mit einer konstruktiven, unauffälligen Ärgerbewältigung zufrieden sind, sich aber andererseits eine offene Auseinandersetzung mit dem Trainer und damit einen offenen Ausdruck ihres Ärgers wünschten. Die Diskrepanz zwischen gewünschter und tatsächlicher Ärgerbewältigung lässt einen Schluss auf die Entstehung negativer Emotionen, Belastung und Stress zu.

Teipel et al. (1994) untersuchten Anfang der neunziger Jahre die Einschätzungen der Belastung japanischer und deutscher leistungsorientierter Fußballspieler für verschiedene Spielpositionen. Die japanischen Spieler zeigten in 44 von 50 Belastungssituationen signifikant höhere Belastungsbewertungen als die deutschen Spieler. Die Autoren führen die großen Beurteilungsunterschiede auf die zu dieser Zeit noch vorhandenen Differenzen der Fußballerfahrung japanischer und deutscher Fußballspieler zurück. Die längere Erfahrung der deutschen Fußballer wirkte sich in niedrigeren Belastungsbewertungen aus.

Man, Stuchlikowa und Kindlmann (1995) konnten zeigen, dass Fußballspieler mit niedriger µTrait-Anxiety¶ (Eigenschaftsangst) bei unterschiedlich erlebtem Stress ein konstantes Selbstvertrauen besaßen, wohingegen Spieler mit hoher µTrait-Anxiety¶ bei steigender psychischer Belastung Selbstvertrauen verloren.

Filaire, Lac und Pequignot (2003) konnten bei Fußballspielern einen positiven Zusammenhang zwischen Leistung und Stimmung aufzeigen. Bei guter Leistung eines Teams zeigte sich im µProfile of Mood States¶ ein typisches µEisberg-Profil¶, das hohe Werte in der Dimension µTatendrang¶, aber niedrige Scores für µMüdigkeit¶, µKonfusion¶, µDepression¶, µÄrger¶ und µAnspannung¶ aufweist. Bei erfolglosen Phasen des Teams zeigte sich ein umgekehrtes µEisberg-Profil¶ mit Erhöhung der fünf negativen Dimensionen und einer Reduzierung des µTatendrang¶-Scores.

Teipel (1997) analysierte die psychische Beanspruchung von Fußball-Schiedsrichtern niedriger und hoher Spielklassen im Fußball u.a. im Hinblick auf die Bewertung von ausgewählten Belastungsbedingungen vor, während und nach dem Spiel. Vor dem Spiel wurden von den Schiedsrichtern niedriger Spielklassen v.a. die zu erwartenden körperlichen Anforderungen und die Information über eine fanatische Zuschauerkulisse als belastend bewertet. Die Schiedsrichter hoher Spielklassen schätzten v.a. eine weite Anfahrt zum Spielort sowie die Störung der mentalen Spielvorbereitung als belastend ein. Innerhalb der Situationen während des Spiels beurteilten die Schiedsrichter aus niedrigen Spielklassen u.a. die lautstarke Reklamation von Spielern, die Missfallenskundgebung von Zuschauern sowie eine schwere Verletzung nach einem groben Foulspiel als offensichtlich belastender als die Schiedsrichter hoher Spielklassen. In Hinsicht auf die Bedingungen nach dem Spiel bewerteten die Schiedsrichter aus niedrigen Spielklassen u.a. die Interaktion mit engagierten Zuschauern der Verlierermannschaft, den Vorwurf des mangelnden Fingerspitzengefühls bei strittigen Situationen und die schlechte Bewertung der eigenen Leistung durch Vereinsbetreuer als nachweisbar belastender als die Schiedsrichter aus hohen Spielklassen.

2.4.2. Physiologische Beanspruchung

Studien zur physiologischen Beanspruchung in spezifischen Trainings- und Wettkampfsituationen im Sport existieren u.a. von Schrode (1986) zu kardialen und zentralnervösen Parametern beim Marathonlauf, von Spicker (1991) zur Katecholaminausschüttung in verschiedenen Einzel- und Mannschaftssportarten und von Hoffmann und Street (1992) zum Herzfrequenzverhalten beim Biathlon.

Schrode (1986) untersuchte am Beispiel des Marathonlaufs die Bewältigungsstrategien unter extremer Dauerbelastung. Es wurden dabei 20 männliche und sieben weibliche Marathonläufer mit einer durchschnittlichen Bestzeit von 168 min bzw. 181 min untersucht. Neben verbal-subjektiven Parametern sowie der Beschreibung des Verhaltens wurden auf physiologischer Ebene periphere, zentralnervöse und biochemische Maße erhoben.

Die Herzfrequenz stieg bei Laufbeginn stark an und bewegte sich während des Laufs in einem Bereich zwischen ca. 110 und 130 Puls/ min. 10 min nach Beendigung des Laufs wurde eine signifikante Verringerung der Herzfrequenz auf ca. 90 Puls/ min ermittelt. Der Herzfrequenzverlauf zeigte, dass sich die Läufer während des Marathonlaufs auf einem µsteady-state¶- Niveau mit submaximaler Belastungsintensität bewegten.

Eine zentralnervöse Desaktivierung während des Marathonlaufs äußerte sich in Veränderungen im Elektroenzephalogramm (EEG). Es wurde ein steiler Anstieg der Leistungsanteile im Theta-Bereich gemessen, der mit einem Abfall der anderen Frequenzanteile verbunden war. Beim Vergleich der beiden Hirnhälften konnte festgestellt werden, dass die EEG-Veränderungen während des Laufens bevorzugt linkshemisphärisch erfolgten. Während die linke Hemisphäre verglichen mit der rechten in langsameren Frequenzen niedrigere Leistungsanteile aufwies, traten in den schnelleren Frequenzen höhere Leistungsanteile auf. 30 min nach dem Lauf tendierte die linke Hemisphäre zu schnelleren, die rechte zu langsameren Frequenzen.

Spicker (1991) untersuchte die Katecholaminausscheidung von Hochleistungssportlern und Leistungssportlern aus verschiedenen Einzel- und Mannschaftssportarten in speziellen Trainings- und Wettkampfsituationen mit z.T. unterschiedlicher Bedeutung für die Athleten. Die psychische Beanspruchung wurde in dieser Studie über die urinäre Bestimmung der Katecholamine Dopamin, Noradrenalin (NA) und Adrenalin (A) und insbesondere durch den NA/A-Quotienten ermittelt. Niedrige NA/A-Quotienten waren dabei Indikatoren hoher psychischer Aktivität. Umgekehrt spiegelten hohe NA/A-Quotienten Situationen mit niedriger Aktivität bzw. Ruhe wider. Insgesamt wurden 6.084 Urinproben erfasst, wobei die Probenahme unmittelbar vor und nach der zu untersuchenden Maßnahme (vor bzw. nach dem Training oder Wettkampf) erfolgte.

Es zeigten sich u.a. für die Adrenalin-Ausscheidungsraten und die NA/A-Quotienten von Spielerinnen einer Volleyball-Nationalmannschaft signifikante Unterschiede zwischen Trainings- und Wettkampftag. Die NA/A-Quotienten eines Wettkampftages waren durchweg niedriger als die eines Trainingstages. Für die Adrenalin-Ausscheidungsraten wurden am Wettkampftag höhere Werte ermittelt. Die Noradrenalin-Ausscheidungsraten zeigten sich nur nach der Belastung erhöht. Die niedrigeren NA/A-Quotienten an Wettkampftagen wurden als Indikator für eine hohe psychische Beanspruchung der Sportler gesehen. Dabei wurden Veränderungen in der Katecholaminausscheidung mit der individuellen Einschätzung der Wettkampfbedeutung und der Wettkampstabilität des Athleten erklärt. Bei der Volleyball- Nationalmannschaft der Frauen zeigte sich im Vergleich der Spiele der A-Weltmeisterschaft und der B-Weltmeisterschaft, dass eine höhere Wettkampfbedeutung zu einem niedrigeren NA/A-Quotienten und somit zu einer höheren psychischen Anspannung führte.

Eine vergleichende Analyse der Katecholaminausscheidung von Stamm- und Auswechselspielern kurz vor Spielbeginn zeigte eine mehr als doppelt so hohe AdrenalinAusscheidungsrate der Stammbesetzung gegenüber den Auswechselspielerinnen.

Weitere Untersuchungen an Basketballerinnen zeigten den Einfluss von Wettkampfort und Wettkampfbedingungen auf die Katecholaminausscheidung. Dabei waren die Heimspiele gegenüber den Auswärtsspielen von durchweg höheren NA/A-Quotienten gekennzeichnet. Als evtl. beeinflussende Faktoren für die unterschiedliche psychische Verfassung in Heim und Auswärtsspielen wurden diesbezüglich eine bekannte oder unbekannte Halle (Stadion), ein mehr oder weniger unterstützendes Publikum bzw. ungewohnte Ess- und Schlafbedingungen genannt.

Außerdem wurde bei Fußballspielern anhand der Katecholaminausscheidungsraten und des NA/A-Quotienten beschrieben, welchen unterschiedlichen Anforderungen Profi- und Amateur-Sportler ausgesetzt sind. Dabei wurden auf Grund der höheren physischen und psychischen Belastungen von Profi-Fußballspielern vor den Spielen niedrigere NA/A- Quotient als vor den Spielen von Amateur-Fußballspielern ermittelt.

Hoffmann und Street (1992) analysierten den Herzfrequenzverlauf im Biathlon. Dabei wurde die Herzfrequenz von elf amerikanischen Biathleten (fünf Männer und sechs Frauen) während eines Wettkampfes auf einer Meereshöhe von 2000 m ü. NN. und mit einer Distanz von 18.4 km (Männer) bzw. 14.8 km (Frauen) aufgezeichnet. Als bevorzugte Technik zur Fortbewegung innerhalb der Langlaufabschnitte nutzten die Biathleten die Skating-Technik. Das Gewicht der Schießgewehre betrug dabei 3.6 bis 4.1 kg. In Abbildung 2.1. ist ein Herzfrequenzprofil einer weiblichen Biathletin exemplarisch dargestellt.

Abbildung 2.1. Herzfrequenzprofil einer weiblichen Biathletin während eines Wettkampfes (14.8 km). Die Laufabschnitte 1, 3 und 5 fanden auf einer kürzeren Streckenrunde als die Laufabschnitte 2 und 4 statt. (Aus: Hoffmann & Street, 1992, S. 391).

Die durchschnittliche Herzfrequenz in den einzelnen Langlaufperioden betrug für alle untersuchten Athleten ca. 168 bis 177 Puls/min. Dies entsprach ca. 88 bis 93 % der maximalen Herzfrequenz. Die maximale Herzfrequenz innerhalb der ersten vier Langlaufabschnitte betrug im Mittel 177 bis 180 Puls/min (93 bis 95 % der maximalen Herzfrequenz). Im abschließenden fünften Laufabschnitt nach dem letzten Schießen konnte bei den Biathleten eine im Vergleich zu den vorhergehenden Langlaufperioden signifikant erhöhte maximale Herzfrequenz von im Mittel 183 Puls/min (97 % der maximalen Herzfrequenz) gemessen werden. In Vorbereitung auf das jeweilige stehende bzw. liegende Schießen wurde bei den Athleten eine Verringerung der Laufgeschwindigkeit ca. 50 bis 60 Sekunden vor dem Erreichen des Schießstandes beobachtet. Dies äußerte sich in einem Abfall der Herzfrequenz von ca. 10 bis 12 Puls/min. Beim Erreichen des Schießstandes betrug die Herzfrequenz im Mittel 166 Puls/min (87 % der maximalen Herzfrequenz). Der Abfall der Herzfrequenz während des Schießens zeigte signifikante Unterschiede zwischen der liegenden und der stehenden Position. Während des Schießens reduzierte sich die Herzfrequenz in der liegenden Position durchschnittlich um 47 Puls/ min auf ca. 120 Puls/min und in der stehenden Position um 28 Puls/ min auf ca. 140 Puls/min.

Die hohen Herzfrequenzen während der Langlaufperioden (größer 90 % der maximalen Herzfrequenz) belegen die hohen Beanspruchungen des kardiopulmonalen Systems während eines Biathlon-Wettkampfes. Der stärkere Abfall der Herzfrequenz während des liegenden Schießens wurde zum einen mit der insgesamt längeren Dauer im Vergleich zum stehenden Schießen erklärt. Zum anderen wurden die in der liegenden Position günstigeren Bedingungen für den venösen Rückfluss und eine damit verringerte Herzarbeit als Faktoren für die stärkere Reduzierung der Herzfrequenz in der liegenden Position diskutiert.

3. Zur Physiologischen Beanspruchung von Spielern, Schiedsrichtern und Schiedsrichterassistenten im Fußball

3.1. Physiologische Beanspruchung von Spielern im Fußball

Im Zuge der gestiegenen Anforderungen im Leistungsfußball (Kleinefinke, Kuhn & Meyer, 2001) fanden in den letzten Jahrzehnten umfangreiche wissenschaftliche Analysen zur physiologischen Beanspruchung von Spielern im Fußball statt. Mit Hilfe verschiedener Analyseverfahren wurden die Laufdistanzen auf verschiedenen Spielpositionen sowie die Laufstrecken in verschiedenen Intensitätsbereichen (Gehen, Traben, Laufen, Sprinten) während des Spiels ermittelt (Di Salvo et al., 2007; Di Salvo et al., 2008; Di Salvo et al., 2009; Mohr, Krustrup & Bangsbo, 2003; Reilly & Thomas, 1976; Rienzi, Drust & Reilly, 2000; Strøyer, Hansen & Klausen, 2004; Withers, Maricic & Wasilewski, 1982; Yamanaka et al., 1988). Andere Studien untersuchten das Laktatverhalten (u.a. Gerisch, Rutemöller & Weber, 1988; Gerisch & Weber, 1989; Rohde & Espersen, 1988; Weber, Gerisch & Tritschoks, 1992), die Katecholaminausschüttung (Haneishi et al., 2007) sowie das Herzfrequenzverhalten (u.a. Hollmann & Hettinger, 1990; Ogushi, 1993; Teipel, 1992) von Spielern vor, während bzw. nach dem Spiel. Im Folgenden werden die Ergebnisse ausgewählter Untersuchungen zu den Pulsfrequenzen sowie zu den Bewegungsformen und Laufstrecken von Spielern dargestellt.

3.1.1.Pulsfrequenzen

Teipel (1992) erfasste durch ein integriertes videogestütztes Aufnahme- und Analyseverfahren die Pulsfrequenzverläufe und Aktionen von 11 männlichen Spielern im Hallenfußball sowie von sechs männlichen Spielern und fünf weiblichen Spielerinnen im Feldfußball. Die maximalen Pulsfrequenzen reichten während des Spiels von ca. 160 Puls/min beim Torwart im Hallenfußball bis über 200 Puls/min beim Mittelfeldspieler im Feldfußball. Die durchschnittlichen Pulsfrequenzen betrugen im Hallenfußball beim Torwart während des Spiels 137 Puls/min und in den Pausen 109 Puls/min sowie bei den Angriffsspielern in drei Spielen im Mittel 148 Puls/min und in den Pausen 106 Puls/min. Die Pulsfrequenzen im Feldfußball beliefen sich bei einem Mittelfeldspieler vor, während und nach dem Spiel durchschnittlich auf 166 Puls/min (Abb. 3.1.) und bei einer Abwehrspielerin einer Bundesligamannschaft auf 147 Puls/min. In spezifischen Situationen ergaben sich bei den einzelnen Spielern und Spielerinnen infolge hoher läuferischer Intensität und assoziierter technisch-taktischer Aktionen in den maximalen Belastungsbereich hineinreichende Pulsfrequenzen. Grundlegend hing die psychophysiologische Beanspruchung im Hallen- und Feldfußball vom ausdauer- und schnelligkeitsbezogenen Trainingszustand und den spezifischen läuferischen und technisch-taktischen Aktivitäten der Spieler und Spielerinnen ab.

Abbildung 3.1. Pulsfrequenzverlauf eines zentralen Mittelfeldspielers (20 Jahre) im Feldfußball vor, während und nach dem Spiel (Spieldauer: 2 × 40 min). 1) Anfang: 18:10 min, 2) Ende der 1. Halbzeit: 58:07 min, 3) Anfang der 2. Halbzeit: 62:30 min, 4) Spielende: 102:18 min (Aus: Teipel, 1992, S. 53).

Im Rahmen einer Einzelfallanalyse untersuchten Hollmann und Hettinger (1990) das Pulsfrequenzverhalten eines Mittelfeldspielers während eines Spiels der ersten Bundesliga. Schon in der ersten Spielminute wurde der spätere mittlere Pulsfrequenzwert von 154 Puls/min erreicht. Der Maximalwert der Pulsfrequenz über 170 Puls/min wurde häufig, die niedrigste Frequenz mit 128 Puls/min nur einmal beobachtet. In der Halbzeitpause ging die Herzschlagfrequenz bis auf 90 Puls/min zurück. Kurze Sprints und Zweikämpfe während des Spiels führten auf Grund der verzögerten Reaktion des kardiopulmonalen Systems auf plötzlich auftretende hochintensive Belastungen nur zu einem geringen weiteren Anstieg der Pulsfrequenz und wirkten sich insgesamt nicht wesentlich auf das Herzfrequenzverhalten aus (Hollmann & Hettinger, 1990).

3.1.2. Bewegungsformen und Laufstrecken

Di Salvo et al. (2007) untersuchten die Laufdistanzen während des Spiels mit und ohne Ball mit Hilfe eines computergestützten Spielanalysesystems µAmisco Pro¶ EHL professionellen Spielern in 20 Spielen der spanischen µPrimera Division¶ sowie 10 Spielen der µUEFA-Champions-League¶. Zum Vergleich der verschiedenen Spielpositionen wurde innerhalb der Gesamtgruppe in 63 Innenverteidiger, 60 Außenverteidiger, 67 zentrale Mittelfeldspieler, 58 äußere Mittelfeldspieler und 52 Stürmer differenziert. Die Torhüter wurden nicht berücksichtigt. Die durchschnittliche Laufdistanz in den 30 untersuchten Spielen betrug 11.393 m mit einer Streuung von 1.016 m. Eine Übersicht zu den in der Untersuchung ermittelten Laufdistanzen mit und ohne Ball auf verschiedenen Spielpositionen ist in der Tabelle 3.1. dargestellt.

Tabelle 3.1. Mittelwerte ± Standartabweichungen der Gesamtlaufdistanz sowie der absoluten und relativen Anteile der Laufdistanz mit Ball auf den verschiedenen Spielpositionen (modifiziert nach: Di Salvo et al., 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der Tabelle 3.1. ist ersichtlich, dass die zentralen und äußeren Mittelfeldspieler während der analysierten Spiele mit rund 12.000 m die größten Laufdistanzen bewältigten. Die mit Abstand geringsten Wegstrecken wurden mit durchschnittlich 10.627 m und einer Streuung von 893 m für die Innenverteidiger gemessen. Für die Außenverteidiger und Stürmer wurden mit durchschnittlich 11.410 m und einer Streuung von 708 m bzw. 11.254 und einer Streuung von 894 m vergleichbare Gesamtlaufstrecken ermittelt. Bei der Betrachtung der absoluten und relativen Laufdistanzen mit Ball konnte für die äußeren Mittelfeldspieler im Mittel mit 286 m (2.4 %) und einer Streuung von 114 m die längste und für die Innenverteidiger mit durchschnittlich 119 m (1.2 %) und einer Streuung von 67 m die kürzeste Wegstrecke gemessen werden.

Aus der Analyse ging hervor, dass die Gesamtlaufdistanzen sowie die Laufstrecken mit und ohne Ball von den jeweiligen positionsspezifischen technisch-taktischen Aufgaben der Spieler abhängig waren. Di Salvo et al. (2007) forderten deshalb, die unterschiedlichen physischen Anforderungsprofile der jeweiligen Spielpositionen im Trainingsprozess sowie in der Spielvorbereitung zu berücksichtigen.

Di Salvo et al. (2008) ermittelte das Aktivitatsprofil von 62 professionellen Fufiball-Torhutern in insgesamt 109 Spielen der englischen 'Premier League'. Mit Hilfe automatisierter, videogestutzter Analysetechnik ('Prozone') wurde die Gesamtlaufdistanz sowie die Anteile der verschiedenen Bewegungsformen Stehen, Gehen, Traben, Laufen und Sprinten wahrend der Spiele erfasst.

Die Torhüter verbrachten einen Anteil von durchschnittlich 16 % der Gesamtspielzeit im Stehen, während sie in den anderen 85 % eine mittlere Distanz von insgesamt 5.611 m mit einer Streuung von 613 m zurücklegten. Dabei entfielen durchschnittlich 4.025 m (72 %) mit einer Streuung von 440 m auf das Gehen, 1.223 m (22 %) mit einer Streuung von 256 m auf das Traben und 221 m (4 %) und einer Streuung von 90 m auf das Laufen. Die übrigen 2 % stellten den Anteil hochintensiver Aktivitäten, wie z.B. kurze Sprints und Sprünge zum Ball, dar. Von diesen schnellkräftigen Aktionen konnten in den untersuchten Spielen eine mittlere Anzahl von 10 Aktionen mit einer Streuung von 6 Aktionen (0 bis 40) beobachtet werden. Die gesamte Sprintdistanz in den analysierten Spielen belief sich auf durchschnittlich 11 m mit einer Streuung von 12 m.

Di Salvo et al. (2008) charakterisierten die Aktivitäten der Torhüter als einen Wechsel von wenigen hochexplosiven Aktionen (Sprints, Sprünge) und relativ langen Erholungsphasen (Stehen, Gehen). Die Bewegungsformen und Laufstrecken unterschieden sich somit deutlich von denen der Feldspieler aus anderen Untersuchungen. Die im Vergleich zu Feldspielern relativ wenigen hochintensiven Aktionen der Torhüter wurden jedoch auf Grund der besonderen und spielentscheidenden Rolle des Torhüters als hoch bedeutsam eingeordnet.

Rienzi, Drust und Reilly (2000) analysierten anhand von Videoaufnahmen das spezifische Aktivitätsprofil von 17 professionellen südamerikanischen Spielern in neun Länderspielen. Neben der Ermittlung der Gesamtlaufdistanz wurden die läuferischen Aktivitäten während der Spiele in die Bewegungsformen Stehen, Gehen vorwärts, Gehen rückwärts, Traben vorwärts, Traben rückwärts, Traben seitwärts, Laufen und Sprinten differenziert.

Die Spieler bewältigten in den neun Spielen eine mittlere Laufdistanz von 8.638 m mit einer Streuung von 1.158 m, wovon 4.389 m mit einer Streuung von 549 m in der ersten und 4.248 m mit einer Streuung von 628 m in der zweiten Halbzeit gelaufen wurden. Die Gesamtdistanz wurde in 85 % der Spielzeit zurück gelegt. Die verbleibenden 15 % der Spielzeit verbrachten die Spieler im Stehen. Mit durchschnittlich 3.702 m (42 %) und einer Streuung von 1.152 m hatte das Traben vorwärts den größten Anteil an der Laufstrecke während der Spiele, gefolgt von 2.721 m (32 %) mit einer Streuung von 463 m im Gehen und 923 m (11 %) mit einer Streuung von 360 m im Laufen. Lediglich 345 m (4 %) mit einer Streuung von 222 m der im Spiel gelaufenen Distanz wurden im Sprint zurück gelegt. Die weitere Differenzierung der Bewegungsformen ergab, dass im Mittel 530 m (6 %) mit einer Streuung von 171 m im Gehen rückwärts, 263 m (3 %) mit einer Streuung von 182 m im Traben seitwärts und 154 m (2 %) mit einer Streuung von 103 m im Traben rückwärts gelaufen wurden.

3.2. Physiologische Beanspruchung von Schiedsrichtern im Fußball

Im Rahmen mehrerer wissenschaftlicher Untersuchungen wurden die Pulsfrequenzen (u.a. Catterall et al., 1993; Teipel, Heinemann & Kemper, 1998; Tessitore et al., 2007, Weston et al., 2006) sowie die Bewegungsformen und Laufstrecken (u.a. Asami, Togari & Ohashi, 1988; Teipel, Kemper & Heinemann, 1999; Weston et al., 2007a; Weston et al., 2010) von Schiedsrichtern während des Spiels analysiert. Im Folgenden werden die wesentlichen Ergebnisse ausgewählter Studien zu den Pulsfrequenzen sowie Bewegungsformen und Laufstrecken der Schiedsrichter dargestellt.

3.2.1. Pulsfrequenzen

Catterall et al. (1993) analysierte das Pulsfrequenzverhalten der Schiedsrichter in 13 Spielen der funf hochsten Spielklassen in England. Die Pulsfrequenzen der 13 Schiedsrichter wurden wahrend der Spiele mit einem tragbaren Herzfrequenzmessgerat ('Polar Electro') erfasst.

Die mittlere Herzfrequenz der Schiedsrichter lag kurz vor Spielbeginn bei ca. 100 Puls/min, wobei dies hauptsächlich auf das Aufwärmprogramm der Schiedsrichter vor dem Spiel und weniger auf psychische Prozesse zurückgeführt wurde. Die durchschnittliche Pulsfrequenz der Schiedsrichter belief sich während der Spiele auf 165 Puls/ min mit einer Streuung von 8 Puls/min. Dies entsprach einem Prozentsatz von ca. 95 % der maximalen Herzfrequenz. Die mittleren Pulsfrequenzen der ersten und zweiten Halbzeit waren offenbar mit 165 Puls/ min und einer Streuung von 8 Puls/ min bzw. 165 Puls/ min und einer Streuung von 9 Puls/min übereinstimmend hoch. Die maximalen Pulsfrequenzwerte wurden mit bis zu 200 Puls/min bei Schiedsrichtern in sehr bedeutsamen Spielen gemessen. Abbildung 3.2. zeigt beispielhaft den spezifischen Verlauf der Pulsfrequenz eines Schiedsrichters vor, während und nach dem Spiel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.2. Pulsfrequenzverlauf eines Schiedsrichters vor, während und nach dem Spiel (Aus: Catterall et al., 1993, S. 194).

Catterall et al. (1993) bewertete die Herzfrequenz als nützlichen und aussagekräftigen Indikator der physiologischen Beanspruchung von Schiedsrichtern während des Spiels. Die erhöhte Herzfrequenz während des Spiels wurde mit dem erhöhten Sauerstoffbedarf der Arbeitsmuskulatur sowie mit der Ausschüttung von Stresshormonen erklärt.

Teipel, Heinemann und Kemper (1998) erfassten in einer anwendungsorientierten Explorationsstudie die spezifische physiologische Beanspruchung eines erfahrenen Schiedsrichters in einem Spiel der zweiten Fußball-Bundesliga. Zur Analyse der physiologischen Beanspruchung wurde ein integriertes videogestütztes Aufnahme- und Auswertungsverfahren zur Erfassung der Pulsfrequenzverläufe und der Aktionen verwendet.

Die Pulsfrequenzen des Schiedsrichters beliefen sich 30 Minuten vor Beginn des Spiels auf ca. 110 Puls/min und bewegten sich zu Beginn des Spiels im Bereich von 130 bis 140 Puls/min. Die maximalen Pulsfrequenzen wurden nach starken läuferischen Belastungen mit ca. 185 Puls/min gemessen. Es zeigten sich insgesamt in Abhängigkeit von Umfang und Intensität der Laufaktivitäten starke Schwankungen der Pulsfrequenz. Die läuferischen Aktivitäten (Gehen, Laufen, Sprinten) des Schiedsrichters in den schnell wechselnden Spielsituationen beeinflussten dabei offensichtlich die Höhe der Pulsfrequenz.

Die Gesamtzahl der Aktionen des Schiedsrichters im Spiel der zweiten Bundesliga belief sich auf insgesamt 154 Entscheidungen, wobei in der ersten Halbzeit mit 90 Entscheidungen deutlich mehr als in der zweiten Halbzeit mit 64 Entscheidungen zu verzeichnen waren. Als häufigste Aktionen des Schiedsrichters wurden Toraus, Seitenaus und direkter Freistoß herausgestellt. Die erfassten Häufigkeiten waren offensichtlich auf Grund der langdauernden Unentschiedenheit des Spiels in der ersten Halbzeit größer als in der zweiten Halbzeit.

Um den Einfluss des Spielniveaus auf die physiologische Beanspruchung von Schiedsrichtern zu untersuchen, erfassten Weston et al. (2006) die Herzfrequenzen von 18 englischen Profischiedsrichtern in insgesamt 527 Spielen der vier höchsten englischen Spielklassen. Die Berechnungen der Herzfrequenzen in den Spielen der höchsten Liga ergaben, dass die Schiedsrichter mit durchschnittlich ca. 84 % ihrer maximalen Herzfrequenz höher beansprucht wurden als die Schiedsrichter in den drei niedrigeren Spielklassen mit ca. 81 % ihrer maximalen Herzfrequenz. Weston et al. (2006) stellte fest, dass die physiologische Beanspruchung der Schiedsrichter infolge der höheren Spielintensität auf höherem Spielniveau zunahm und forderte deshalb, den hohen Anforderungen in der Vorbereitung und Ausbildung der Schiedsrichter gerecht zu werden.

Tessitore et al. (2007) überprüften ebenfalls die physiologische Beanspruchung der Schiedsrichter mit Hilfe der Herzfrequenzmessung. Dabei wurden die Pulsfrequenzen von zehn Schiedsrichtern in Spielen der höchsten italienischen Amateurklasse mit einem mobilen Herzfrequenzmessgerat ('Polar Electro' S810) erfasst und anschliefiend die Zeitspannen in Prozent der Gesamtspielzeit berechnet, in denen die Pulsfrequenz kleiner als 65 % (passive Erholung), 65 bis 75 % (aktive Erholung), 76 bis 85 % (niedrige Intensität), 86 bis 95 % (hohe Intensität) oder größer als 95 % (maximale Intensität) der maximalen Herzfrequenz der Schiedsrichter waren. Abbildung 3.3. veranschaulicht die prozentualen Anteile der fünf verschiedenen Bereiche der maximalen Herzfrequenz. Bezüglich der Energiebereitstellungswege während des Spiels wurde der Bereich unterhalb 85 % der maximalen Herzfrequenz mit einer stärker aerob ausgerichteten Stoffwechselaktivität und der Bereich über 85 % der maximalen Herzfrequenz mit überwiegend anaerober Energiebereitstellung definiert.

Im Durchschnitt bewegten sich die Schiedsrichter während der Spiele mit ca. 85 % der maximalen Herzfrequenz. Den größten Anteil an der Gesamtspielzeit machte der Bereich der hohen Intensität mit 86 bis 95 % der maximalen Herzfrequenz aus, wobei der Anteil in der ersten Halbzeit mit ca. 55 % höher war als in der zweiten Halbzeit mit nur ca. 40 % der Spielzeit.

Abbildung 3.3. Prozentuale zeitliche Anteile der ersten (helle Balken) und zweiten Halbzeit (dunkle Balken) innerhalb der Bereiche kleiner als 65% (passive Erholung), 65-75% (aktive Erholung), 76-85% (niedrige Intensität), 86-95% (hohe Intensität) sowie größer als 95% (maximale Intensität) der maximalen Herzfrequenz (Aus: Tessitore et al., 2007, S. 1185).

Die Reduzierung des Zeitanteils im hochintensiven Bereich in der zweiten Halbzeit wurde von Tessitore et al. (2007) mit fortschreitenden Ermüdungsprozessen der Schiedsrichter und mit der Verringerung des Spieltempos infolge der Ermüdung der Spieler erklärt. Das Auftreten von Ermüdungserscheinungen konnte auch dadurch belegt werden, dass die Schiedsrichter in der ersten Halbzeit mit ca. 62 % der Spielzeit einen maßgeblich längeren Zeitanteil im Bereich oberhalb 85 % der maximalen Herzfrequenz verbrachten, als in der zweiten Halbzeit mit nur ca. 45 %. Schließlich stellten Tessitore et al. (2007) eine hohe aerobe Leistungsfähigkeit als wichtige konditionelle Fähigkeit für Schiedsrichter heraus, um eine schnelle Erholung zwischen hochintensiven Laufaktivitäten zu ermöglichen

3.2.2. Bewegungsformen und Laufstrecken

Erstmals erfassten Asami, Togari und Ohashi (1988) die Bewegungsformen und Laufstrecken von sechs japanischen Schiedsrichtern (u.a. vier FIFA-Schiedsrichter) und sieben internationalen Schiedsrichtern in insgesamt 17 nationalen und internationalen Fußballspielen auf höchstem Leistungsniveau. Dabei wurden die Schiedsrichter während der Spiele gefilmt und anschließend deren Laufbewegungen in fünfminütigen Abschnitten auf einer Spielfeldskizze im Maßstab 1:350 nachgezeichnet. Damit ergaben sich für das gesamte Spiel 18 Spielfeldskizzen. Die Längen der aufgezeichneten Laufstrecken im Gehen, Traben, Laufen und Gehen rückwärts wurden mit einem Kartenmessgerät erfasst und in den Originalmaßstab umgerechnet. Abbildung 3.4. zeigt die Bewegungen eines Schiedsrichters in der zweiten Halbzeit des Spiels zwischen den Meistern von Europa und Südamerika, Aston Villa F.C. und C.A. Peñarol Montevideo, vom 12. Dezember 1982 in Tokyo (Endergebnis 0:2).

Abbildung 3.4. Bewegungen des Schiedsrichters Luis P. Siles in der 2. Halbzeit des Spiels zwischen Aston Villa F.C. und C.A. Peñarol Montevideo vom 12. Dezember 1982 in Tokyo (Aus: Asami, Togari & Ohashi, 1988, S. 342).

Wie aus Abbildung 3.4. zu erkennen ist, bewegte sich der Schiedsrichter bis auf wenige Ausnahmen zumeist in Richtung einer diagonalen Linie zwischen zwei Eckfahnen. Auffällig war auch, dass sich der Schiedsrichter vermehrt in der rechten Spielfeldhälfte bewegte.

Die Schiedsrichter bewältigten in den 17 Spielen eine mittlere Gesamtlaufdistanz von 9.990 m mit einer Streuung von 927 m, wobei sie in der ersten Halbzeit durchschnittlich 4.881 m mit einer Streuung von 470 m und in der zweiten Halbzeit durchschnittlich 5.109 mit einer Streuung von 518 m liefen. Der Spitzenwert aller untersuchten Schiedsrichter betrug ca.

11.000 m. Der größte Anteil an der Gesamtlaufstrecke wurde mit 4.851 m (48.5 %) und einer Streuung von 946 m im Traben bewältigt, gefolgt von 3.385 m (33.8 %) und einer Streuung von 614 m im Gehen und 1.772 m (17.7 %) mit einer Streuung von 792 m im Laufen. Zudem gingen, trabten und liefen die Schiedsrichter insgesamt im Mittel 1.081 m (10.8 %) mit einer Streuung von 434 m rückwärts.

Insgesamt stellten die Spiele hohe Anforderungen an die aerobe und anaerobe Leistungsfähigkeit der Schiedsrichter. Asami, Togari und Ohashi (1988) wiesen darauf hin, dass die Schiedsrichter während der Spiele mit ca. 10.000 m eine ähnliche Laufstrecke wie die Spieler zurücklegten, wobei bei den Schiedsrichtern im Vergleich zu den Spielern Physiologische Beanspruchung von Schiedsrichtern im Fußball 27 einerseits geringere Anteile des Laufens und Sprintens und andererseits ein höheres Pensum im Gehen rückwärts ermittelt wurde.

Anhand mehrerer differenzierter Einzelfallanalysen bei Schiedsrichtern in der Bezirksliga sowie der ersten und zweiten Bundesliga ermittelte Teipel et al. (1999) neben den Bewegungsformen und -strecken auch die zeitlichen Anteile des Stehens sowie der anderen Bewegungsformen als Gesamtsumme. Zur Erweiterung des Untersuchungsverfahrens von Asami, Togari und Ohashi (1988) wurden zusätzlich die Bewegungsformen Sprinten und Traben rückwärts in die Analyse einbezogen. Dabei erfolgte aus untersuchungstechnischen Gründen die Differenzierung zwischen den Bewegungsformen Gehen, Traben, Laufen, Sprinten, Gehen rückwärts und Traben rückwärts anhand einer qualitativen Bewegungsbeschreibung mittels Schrittlänge, Schrittfrequenz und Flughöhe.

In einem Spiel der ersten Bundesliga erreichte der Schiedsrichter eine Laufstrecke von 10.381,5 m. Dabei legte er mit 3.931,5 m (37.9 %) die längste Strecke im Laufen zurück. Die zweitlängste Wegstrecke wurde mit 2.381,0 m (22.9 %) für das Gehen ermittelt, gefolgt von 2.120,5 m (20.4 %) im Traben und 1.123,0 m (10.8 %) im Traben rückwärts. Für die Bewegungsform des Gehens rückwärts wurde eine Strecke von 492.0 m (4.8 %) gemessen. Lediglich 333.5 m (3.2 %) wurden im Sprint zurückgelegt. Hinsichtlich der Bewegungszeiten konnte über die gesamte Spielzeit hinweg (91:31 min) für das Stehen ein Zeit von 10:32 min (11.5 %) sowie für die zusammengefassten anderen Bewegungsformen eine Gesamtzeit von 80:59 min (88.5 %) festgestellt werden. Teipel et al. (1999) wiesen darauf hin, dass als Ursachen für die Abweichung von anderen Untersuchungsergebnisse bzgl. der Bewegungsformen und -strecken unterschiedliche methodischen Festlegungen der einzelnen Bewegungsformen angesehen werden konnten.

Weston et al. (2007a) untersuchte mit Hilfe eines videogestutzten Spielanalysesystems ('Prozone') den Einfluss der Laufarbeit der Spieler auf die der Schiedsrichter. Es wurden dabei die Gesamtlaufstrecken sowie die Wegstrecken im hochintensiven Geschwindigkeitsbereich (Laufgeschwindigkeit grofier als 5.5 m/s bzw. 19.8 km/h) von 19 Schiedsrichtern in insgesamt 254 Spielen der englischen 'Premier League' ermittelt. Zum Vergleich wurden zusatzlich die Laufdistanzen der Feldspieler, die sie mit einer Laufgeschwindigkeit uber 5.5 m/s bzw. 19.8 km/h bewaltigten, aus 212 Spielen der englischen 'Premier League' erfasst. Dabei wurden nur die Spieler berucksichtigt, die wahrend der gesamten Spielzeit eingesetzt wurden.

In den 254 Spielen liefen die Schiedsrichter eine durchschnittliche Gesamtstrecke von 11.622 m mit einer Streuung von 739 m, wobei sie in der ersten Halbzeit im Mittel 5.832 m mit einer Streuung von 389 m und in der zweiten Halbzeit 5.790 m mit einer Streuung von 416 m liefen. Die mit einer Laufgeschwindigkeit größer als 5.5 m/s (19.8 km/h) zurückgelegte Wegstrecke der 19 Schiedsrichter betrug durchschnittlich 787 m mit einer Streuung von 245 m.

Zur Überprüfung des Einflusses der hochintensiven Laufarbeit der Feldspieler als Indikator für das Spieltempo wurden die Laufstrecken mit einer Geschwindigkeit von über 5.5 m/s bzw.

19.8 km/h (schnelles Laufen und Sprinten) der Feldspieler mit denen der Schiedsrichter verglichen. Wie Abbildung 3.5. zeigt, konnte dabei eine mittlere Korrelation festgestellt werden, d.h. durch eine erhöhte hochintensive Laufarbeit der Spieler erhöhte sich auch die hochintensive Laufarbeit der Schiedsrichter.

Abbildung 3.5. Zusammenhang zwischen hochintensiver Laufarbeit (Laufgeschwindigkeit > 5.5 m/s bzw. 19.8 km/h) der Schiedsrichter und Spieler (Aus: Weston et al., 2007, S. 394).

Weston et al. (2007a) stellte auf Grund seiner Ergebnisse fest, dass die Laufarbeit der Schiedsrichter maßgeblich vom Spieltempo der beteiligten Mannschaften beeinflusst wurde. Deshalb wurde empfohlen, dass die Schiedsrichter im Rahmen der Vorbereitung und Ausbildung energiesparende Strategien und Taktiken der Spielleitung entwickeln, um einerseits körperliche Ermüdungsprozesse zu verzögern und andererseits während der gesamten Spielzeit dem Spieltempo folgen zu können.

Auf Grund des altersbedingten Rückgangs der körperlichen Leistungsfähigkeit untersuchte Weston et al. (2010) die Laufarbeit von 22 professionellen englischen Schiedsrichtern verschiedener Altersgruppen in insgesamt 778 Meisterschaftsspielen der englischen µPremier League¶ von 2003 bis 2007. Dabei wurden die Schiedsrichter in die Alterskategorien jung (31 bis 36 Jahre), mittel (37 bis 42 Jahre) und alt (43 bis 48 Jahre) eingeordnet. Mit Hilfe einer Streuung von 713 m. Auch die zuruckgelegte Wegstrecke im im hochintensiven Geschwindigkeitsbereich (Geschwindigkeit größer als 5.5 m/s bzw. 19.8 km/h), die Anzahl der Sprints, die maximale Laufgeschwindigkeit sowie die mittlere Distanz zwischen Ball bzw. Ort des Foulspieles und der Schiedsrichter bestimmt.

Die älteren Schiedsrichter liefen im Mittel mit 11.302 m und einer Streuung von 749 m eine signifikant kürzere Gesamtdistanz als die jungen Schiedsrichter mit durchschnittlich 12.209 und einer Streuung von 713 m. Auch die zurückgelegte Wegstrecke im hochintensiven Geschwindigkeitsbereich (schnelles Laufen, Sprinten) war bei den alten Schiedsrichtern mit durchschnittlich 669 m und einer Streuung von 252 m im Vergleich zu den jungen Schiedsrichtern mit 936 m und einer Streuung von 251 m reduziert. Bezüglich der Distanz zum Ball bzw. zum Ort des Foulspieles konnten jedoch keine signifikanten Alterseffekte festgestellt werden. Die älteren Schiedsrichter zeigten dabei mit einer durchschnittlichen Distanz zum Ball von 19.1 m mit einer Streuung von 1.2 m bzw. 14.3 m mit einer Streuung von 1.5 m zum Ort des Foulspiels keine wesentlichen Unterschiede zu den jungen Schiedsrichter mit durchschnittlich 19.0 m und einer Streuung von 1.2 m zum Ball und 13.9 m und einer Streuung von 1.5 m zum Ort des Foulspieles. Trotz einer reduzierten Laufarbeit der älteren Schiedsrichter waren sie offenbar gleichermaßen fähig, dem Spielgeschehen zu folgen und Zweikampfsituationen aus unmittelbarer Nähe zu beurteilen. Weston et al. (2010) begründeten dies mit den in langjähriger Schiedsrichtertätigkeit erworbenen Fähigkeiten zur Ökonomisierung des Laufverhaltens während des Spiels und zur frühzeitigen Antizipation von Spielsituationen.

3.3. Physiologische Beanspruchung von Schiedsrichterassistenten im Fußball

Bevor der Schwerpunkt auf die Darstellung ausgewählter Untersuchungsergebnisse zur physiologischen Beanspruchung von Schiedsrichterassistenten gerichtet wird, ist für ein besseres Verständnis der physiologischen Beanspruchung die Beschreibung der spielbezogenen Aufgaben und Aktionen sowie des Stellungsspiels und der Lauftechnik der Schiedsrichterassistenten eine wesentliche Voraussetzung.

3.3.1. Aufgaben und Aktionen

Viele Spiele, insbesondere in den höheren Spielklassen, werden durch ein Schiedsrichterteam geleitet. Dabei wird der Schiedsrichter durch zwei Schiedsrichterassistenten unterstützt, deren grundsätzliche Aufgabe darin besteht, dem Schiedsrichter zu helfen, das Spiel in Übereinstimmung mit den durch den Fußball-Weltverband (FIFA) festgelegten und vom Europäischen Fußball-Verband (UEFA) bzw. Deutschen Fußball-Bund (DFB) übernommenen Regeln zu leiten. Die insgesamt 17 Fußballregeln werden vom DFB jährlich in Form eines Regelheftes aktualisiert und veröffentlicht. Die Spielregeln umfassen im

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jede Änderung und Anpassung der Regeln muss vom µInternational Football Association Board¶ (IFAB) genehmigt werden. Der 1886 gegründete IFAB, dem der englische, schottische, walisische und irische Fußballverband sowie die FIFA angehören, gilt als Hüter der Spielregeln. Jeder der vier britischen Verbände hat eine Stimme, die FIFA als Vertreterin der übrigen Mitgliedsverbände deren vier. Allein der IFAB darf die Spielregeln ändern und Tests bewilligen.

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Details

Seiten
196
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640885152
ISBN (Buch)
9783640885237
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169979
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
ausgewählte aspekte beanspruchung schiedsrichterassistenten fußball

Autor

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Titel: Ausgewählte Aspekte der physiologischen Beanspruchung von Schiedsrichterassistenten im Fußball