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Napoleonkarikaturen im Unterricht

Seminararbeit 2008 23 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

Teil I: Die Karikatur als Quelle im Geschichtsunterricht
Was ist eine Karikatur?
Geschichte der Karikatur
Der Einsatz von Karikaturen im Geschichtsunterricht
uswahl der Karikatur

Teil II: Napoleonkarikaturen im Unterricht
Napoleon
Die Napoleonkarikaturen
Die englischen Karikaturen Die deutschen Karikaturen
Die französischen Karikaturen
Unterrichtsvorschlag I: Der Staatsstreich vom 18. Brumaire VIII
Unterrichtsvorschlag II: Triumph des Jahres 1813
Weitere Ideen für den Unterricht
Abildungsnachweis
Literaturverzeichnis

Teil I: Die Karikatur als Quelle im Geschichtsunterricht

Heutzutage ist der Wert von Karikaturen als Bildquelle im Geschichtsunterricht unbestritten. In einigen Bundesländern finden sie sogar Eingang in schriftliche Abituraufgaben. Berühmte Kari- katuren, wie zum Beispiel die von Bismarck, der das sinkende Schiff verlässt, oder auch den als Affen dargestellten Darwin, besitzen einen besonders hohen Bekanntheitsgrad. Aber auch von Napoleon existieren einige sehr bekannte satirische Darstellungen. Zur „first universal figure in caricature“1 wurde der Korse insbesondere durch die englischen Karikaturen von James Gillray (1756-1815), Thomas Rowlandson (1756-1827) und George Cruikshank (1792-1878). Noch nie zuvor hatte es von einem Staatsoberhaupt so viele Karikaturen gegeben wie von Napoleon, zwischen 1797 und 1815 sind von ihm weit mehr als 2000 Karikaturen erschienen2.

Was ist eine Karikatur?

Im Deutschen ist der Begriff „Karikatur“ zweideutig. Er bedeutet zum einen eine bestimmte Art der Porträtzeichnung, auf der die dargestellte Person verzerrt wird und besondere Merkmale besonders betont werden. Zum anderen ist mit Karikatur auch eine politisch-satirische Me- thode des Zeichnens gemeint, bei der eine kritische Auseinandersetzung mit einem bestimm- ten Thema erfolgt. Auf solchen Karikaturen wird die dargestellte Szene zumeist in einen ande- ren Kontext gesetzt um sie damit zusätzlich zu verfremden. Für das Verständnis von Karikatu- ren ist also ein gewisses Welt- und Allgemeinwissen nötig, denn erst durch die Diskrepanz von Dargestelltem und der eigenen Vorstellung vom Normalen kann die Karikatur ihre Wirkung entfalten. Pandel schriebt hierzu, das rsenal eines Karikaturisten sei: „das Alltagswissen einer Kultur, in das ihre Geschichten und Mythem eingegangen sind und das sich historisch ständig weiter entwickelt. Es ist gefüllt mit Redensarten, Metaphern, historischen Zitaten.“3

Geschichte der Karikatur

Vorläufer von Karikaturen sind bereits aus dem Altertum bekannt. Aus römischer und griechi- scher Zeit sind verzerrende Darstellungen von Stereotypen wie „Säufer“ und „ thlet“ überlie- fert. Es gibt aber auch kritische Darstellungen von römischen Kaisern. Auf der links gezeigten Abbildung aus dem 3./4. Jahrhundert n. Chr. wird ein christlicher Page am Kaiserhof verspottet („ lexamenos betet seinen Gott an“). Auch mittelalterliche Drucke und Malereien prangern oft lasterhafte Menschen wie „Säufer“, „Fresssack“ und andere an.4

Frühe Karikaturen richten sich eher an einen kleinen Re- zipientenkreis. Im Gegensatz dazu zielen Satiren der Neu- zeit in erster Linie auf ein großes Publikum. Dies setzt sowohl eine funktionierende Infrastruktur als auch einfa- che Reproduktionstechniken voraus. Die Entwicklung der modernen Bildsatire ist also nur vor dem Hintergrund der schnell und billig verfügbaren Vervielfältigungsverfahren wie Holzschnitte, Kupferstiche und Lithographie möglich.

Im Zeitalter der Reformation erlebte die Karikatur einen ersten Höhepunkt. Teilweise gefördert durch Martin Luther setzte ein regelrechter Bilderkampf ein. In unzähligen „Schandgemel“ (schändliches Gemälde) wurden die katholische Kirche und der Papst diffamiert und abgewer- tet. Auch die katholische Seite versuchte mit Spottbildern über Luther die Reformation lächer- lich zu machen, allerdings geschah dies in wesentlich geringerem Umfang. Auch während des Dreißigjährigen Krieges5 und dem Freiheitskampf der Niederlande gegen Spanien fanden satiri- sche Bilder eine große Verbreitung. Eine wichtige Erfindung für die Entwicklung der Karikatur was der in der Mitte des 15. Jahrhunderts erfundenen Kupferstich. Durch dieses Tiefdruckver- fahren war es möglich geworden, wesentlich nuanciertere Drucke herzustellen. Allerdings war der Kupferstich technisch kompliziert herzustellen und erlaubte lediglich eine Auflage von 300 - 1000 Exemplaren pro Druckplatte. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die Karikatur immer mehr zu einem Medium mit Erzie- hungsabsicht. Außerdem wurden satirische Bilder verstärkt zur Kommentierung von tagespoli- tischen Ereignissen eingesetzt. Als Folge der Glorious Revolution hatte sich in England die Pres- sefreiheit immer weiter entwickelt und es konnte sich ein breiter Markt für gedruckte Bildsati- ren entwickeln. In Frankreich erhielt die Karikatur im Zuge der Französischen Revolution insbe sondere für die unteren Bevölkerungsschichten einen neuen Stellenwert als Aufklärungs- und Propagandamittel. Besonders bei einem Publikum, das nicht des Lesens und Schreibens fähig war, erfreuten sich die vereinfachenden, humorvollen und oft auch derben Darstellungen gro- ßer Beliebtheit. Der zeitgenössische gegenrevolutionäre Journalist Jacques-Marie Boyer-Brun bezeichnete die Karikatur darum auch als „écriture parlée“6, was man mit „dem Volk auf Maul schauen“ übersetzen könnte. Durch den Übergang vom Kupferstich zur wesentlich schneller und billiger zu realisierender Radierung erfuhr die Karikatur dann einen wahren Boom, der bis in die napoleonische Zeit andauerte.

Im 19. Jahrhundert wurde versucht, die Verbreitung von satirischen Bildern durch Zensur und Verbote zu verhindern. Trotz dieser Schwierigkeiten erschienen in Frankreich mehrere Satire- und Karikaturzeitschriften wie zum Beispiel „La Caricature“ (ab 1830) oder „Charivari“ (ab 1832) die, oft in versteckter Form, Kritik an politischen und gesellschaftlichen Missständen übten. Die Lithographie, die 1798 von Alois Senefelder entwickelt wurde, ermöglichte inzwi- schen noch einfacher herzustellende und sogar farbige Darstellungen. Die Erfindung der Schnellpresse eröffnete die Möglichkeit einer zeitnahen Massenproduktion. Auch in Deutsch- land gab es trotz einer besonders rigiden Zensur Karikaturzeitschriften, wie zum Beispiel die ab 1842 in Leipzig herausgebrachte „Leuchtkugel“. Aber erst mit dem Wegfall der Vorzensur im Revolutionsjahr 1848 und der damit verbundenen Möglichkeit zu einer ungehinderten Weiter- verbreitung innerhalb Deutschlands, erlebte die deutsche Bildsatire ihren Aufschwung.

Im Deutschland der Bismarckzeit musste die Mehrzahl der Blätter ihr Erscheinen unter dem Druck einer verstärkten Zensur allerdings wieder einstellen. Einzig das berliner Wochenblatt „Kladderadatsch“ konnte sich behaupten.

Während der Weltkriege erfuhr die Karikatur in ganz Europa eine erneute Erstarkung. Alle beteiligten Parteien benutzten zahllose Bilder um die Gegner zu verunglimpfen und die eigene Position zu rechtfertigen. Kritische Karikaturen wurden verboten, Feindbilder ausgiebig geschmäht und lächerlich gemacht.

Heutzutage sind Karikaturen fester Bestandteil fast jeder politischen Meinungsbildung. In der Abteilung der Pressedokumentation des Deutschen Bundestages wurden von 1974 bis 1998 rund 200.000 politische Karikaturen gesammelt - das entspricht im Durchschnitt etwa 20 Zeichnungen pro Tag7.

Welche politische Sprengkraft Karikaturen auch heute noch haben können, zeigen nicht zuletzt die 2005 von der „Jyllands Posten“ veröffentlichten Mohammedbilder mit dem Titel „Das Gesicht Mohammeds“. Als Reaktion auf diese und andere Karikaturen kamen bei Auseinandersetzungen mindestens 140 Menschen ums Leben. Die Karikaturen führten weltweit zu einer Debatte über Religions- und Pressefreiheit.

Die dänische Polizei nahm im Februar 2008 drei Personen fest, die einen Mordanschlag auf Kurt Westergaard, einen der Zeichner der Karikaturen, geplant haben sollen. Einen Tag nach Aufdeckung der Pläne veröffentlichten führende dänische Zeitungen erneut demonstrativ Westergaards umstrittene Karikatur, die Mohammed mit einer Bombe im Turban darstellt.

Der Einsatz von Karikaturen im Geschichtsunterricht

Kommen wir nun zum Gebrauch einer Karikatur im Geschichtsunterricht. Gezeichnete Satiren können einen reizvollen Einstieg in einen komplexen Themenzusammenhang geben denn oft werden komplizierte Sachverhalte pointiert und humorvoll dargestellt. Genauso eignen sie sich aber auch als Hauptthema einer Unterrichtsstunde. Viele Argumente sprechen für den Einsatz von Karikaturen8:

- Als zeitgenössische Bildquelle können Karikaturen interessante historische Bezüge zum Anknüpfen bieten.
- Durch Reduktion und Veranschaulichung wird ein komplexes Thema leichter zugäng- lich.
- Dem Schüler wird durch den Einsatz von Karikaturen ermöglicht, auch visuell zu lernen.
- Durch Komik und Humor können viele Karikaturen Themen für Schüler interessant ma- chen.
- Um die Bilder zu verstehen, muss der Schüler Wissen erwerben, Vorwissen aktivieren oder neu verknüpfen. Dies kann zur Entschlüsselung des Bildes anspornen. Schließlich möchte man ja dem „Geheimnis“ auf die Spur kommen.
- Bilder bleiben oft besser im Gedächtnis als lange Texte.

Aber bei der Auswahl von Karikaturen muss der Lehrer auch einige Sachen bedenken, denn was den Wert einer historischen Satire ausmacht ist gleichzeitig eng mit ihrer Problematik verknüpft. Natürlich stellt eine Karikatur nicht die „Realität“ dar, sondern ist im hohen Maß parteiisch und subjektiv geprägt. Bei der Auswahl gilt es also einige Punkte zu bedenken (die Herausarbeitung der folgenden Punkte könnte auch gemeinsam mit den Schülern geschehen).

- Durch die Reduzierung einer Karikatur kann es beim Schüler zu Fehlschlüssen kom men. Bestehende Vorurteile können weiter verstärkt oder historische Zusammenhän- ge falsch gedeutet werden. Eine Karikatur kann also nur sehr begrenz als historische Quelle herangezogen werden und bedarf immer der Erläuterung und Ergänzung durch anderes Material. - Der Künstler einer Karikatur bezieht sich oft auf eine konkrete historische Situation die von ihm auf eine bestimmte Weise sehr subjektiv gewertet wird. Diese Wertung ist eng von individuellen Faktoren wie zum Beispiel der politischen Sichtweise, Nationalität oder Religion des Künstlers abhängig. - Es ist immer zu beachten, für welchen Rezipientenkreis die Karikatur hergestellt wor den ist. Auch Einflüsse wie Zensur oder Vertrieb können für die Erschließung von Rele- vanz sein.

Auswahl der Karikatur - Eine Hilfe für die Lehrkraft

Welche Karikatur ist aber nun für den Unterricht geeignet? Kaulfuß9 schlägt für die Auswahl vier Kriterien vor: Bezug zum Gegenstand, Schülerbezug, Didaktisch-methodischer Bezug, Präsentation. Diese Kriterien sollen im Folgenden kurz etwas genauer dargestellt werden.

Bezug zum Gegenstand

- Welches Vorwissen hat oder braucht der Schüler um die Abbildung zu verstehen?
- Muss der Schüler bestimmte Symbole, Ausdrucke oder Anspielungen kennen, um die Karikatur zu verstehen? Schülerbezug - Scheint die Abbildung geeignet um Neugier, Erheiterung oder Widerspruch zu erzeu gen? - Besteht die Gefahr einer Fehlinterpretation oder die Verfestigung von bereits beste henden Vorurteilen? - Werden bestehende Konventionen oder Tabus verletzt die den Einsatz der Karikaturen im Unterricht fraglich machen?

Didaktisch-methodischer Bezug

- In welchem Zusammenhang soll die Karikatur im Unterricht eingesetzt werden? Als Einstig in ein Thema, Mittel zur Vertiefung, zur Lernkontrolle oder als Darstellung bestimmter politischer Ansichten?

- Ist der Einsatz von Karikaturen vom zeitlichen Aspekt her sinnvoll? Präsentation
- Ist die graphische Qualität einer Karikatur angemessen? (Fehlt etwa der Text, starke Verkleinerung, Farbe/schwarzweiß)
- Sollte die Karikatur durch eigene Erläuterungen oder Übersetzungen schülergerecht vorbereitet werden?

Es ließe sich an dieser Stelle noch vieles über die methodischen Möglichkeiten und über die Technik der Bildinterpretation im allgemeinen sagen, dies kann aber aufgrund des Umfangs dieser Arbeit leider nicht geleistet werden. Stattdessen sollen im zweiten Teil nun einige kon- krete Beispiele erarbeitet werden, wie Napoleonkarikaturen im Unterricht verwendet werden können.

Teil II - Napoleonkarikaturen im Unterricht

Napoleon

Nur wenige historische Gestalten sind wohl so bekannt wie Napoleon. Es existieren zahlreiche Bücher, Zeitschriften, Internetseiten sowie Spiel- und Dokumentarfilme die sich ausführlich mit dem Leben und den Taten des Korsen beschäftigen. Auch vielen Schülern dürfte zumindest der Name Napoleon nicht unbekannt sein. Der Aufstieg Napoleons liest sich ein wenig wie die Ge- schichte vom Tellerwäscher zum Millionär: Im Sturm fegt er die Grenzen Frankreichs hinweg und unterwirft Länder wie Holland und Italien seiner Kontrolle. In den okkupierten Gebieten setzt Napoleon ein Reformwerk in Gang, dessen Nachwirkungen noch weit bis ins 20. Jahrhun- dert hineinreichen.

[...]


1 Vgl. hierzu auch Willms, S. 237.

2 Vetter-Liebenow: S. 8

3 Pandel, S. 264.

4 Vgl. hierzu auch Lammel S. 67 ff.

5 Vgl. Kessemeier S. 50 ff.

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6 Zitiert nach Herding / Reichard S. 18.

7 Kaulfuß S. 96.

8 Im Folgenden basierend auf Kaulfuß S. 99 - 100. Eine Aufstellung der Kriterien bei der Interpretation einer Karikatur findet sich auch bei Pandel.

9 Kaulfuß S. 102- 103.

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640883073
ISBN (Buch)
9783640882892
Dateigröße
2.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169847
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Germanistisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Napoleon Unterrichtsentwurf Karikatur Gymnasium Frankreich Französische Revolution 1813 Unterricht

Autor

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Titel: Napoleonkarikaturen im Unterricht