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Sterbehilfe - Ein Spannungsverhältnis zwischen Moral, Recht und Religion

Seminararbeit 2011 19 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorwort

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen und deren Abgrenzung zueinander
2.1 Unterlassene Hilfeleistung
2.2 Tötung auf Verlangen
2.3 Totschlag
2.4 Mord
2.5 Aktive Sterbehilfe
2.6 Passive Sterbehilfe
2.7 Indirekte Sterbehilfe
2.8 Sterbebegleitung

3. Unterschiedliche Positionen zur Sterbehilfe und ihre Argumentation
3.1 Position der christlichen Kirche
3.2 Position des deutschen Ethikrates
3.3 Position der Bundesärztekammer
3.4 Position der Bevölkerung

4. Das moralische Dilemma der Sterbehilfe am Fall von Ramón Sampedro

5. Legalisierung aktiver Sterbehilfe ein Versuch eines Lösungsansatzes

6. Fazit

7. Literatur-und Quellenverzeichnis

0. Vorwort

„Ramón träumt sich ins Meer, taucht ein und unter, wann immer es ihm die Fantasie erlaubt. Denn er liebt das Meer, auch wenn es ihm fast das Leben nahm. Vor 27 Jahren hatte er einen Unfall, als er in dieses Meer sprang - seither ist er querschnittsgelähmt, ist sein Körper gestorben. Und seit 27 Jahren möchte er, dass auch sein Kopf sterben kann. Aber für den Tod würde er Hilfe brauchen (...).“[1]

Das Schicksal von Ramón Sampedro basiert auf einer wahren Geschichte und wurde im Jahr 2004 verfilmt. Ramón Sampedro ist seit 1968 querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Er lehnt diesen jedoch strikt ab, da er mit diesem Hilfsmittel nicht leben kann. Er ist entschlossen zu sterben, er möchte sterben, aber er darf nicht.[2]Seine Sehnsucht nach dem Tod formuliert er in einem seiner Gedichte. „Ins Meer hinein, ins Meer, in seine schwerelose Tiefe, wo die Träume sich erfüllen und Zwei in einem Willen sich vereinen, um zu stillen eine große Sehnsucht".[3]

Mehrere Jahre kämpfte Ramón Sampedro vor spanischen Gerichten darum, aus dem Leben scheiden zu dürfen, doch 1993 verliert er den Prozess. Seine Familie weigert sich ihm beim Sterben zu helfen. Erst im Jahr 1996 lernt er Ramona Maneiro kennen, die auf seine Anweisung eine Wohnung mietet und am 12. Januar 1998 Ramón hilft mit einem Strohhalm, aus einem Glas Wasser versetzt mit Zyankali zu trinken. Seinen Tod ließ er mit einer Videokamera dokumentieren. Nach fast dreißig Jahren gefesselt an das Bett starb er qualvoll.[4]

Wäre es nicht sinnvoll aufgrund der Umstände den Wunsch von Ramón Sampedro sterben zu wollen zu berücksichtigen, um ihm einen würdevollen Tod ohne Schmerzen zu ermöglichen? Welche Argumente sprechen dafür und welche dagegen? In nachfolgenden Abschnitten dieser Modularbeit soll auf diese Schwerpunkte eingegangen werden.

1. Einleitung

Das Thema der Sterbehilfe ist ein hoch aktuelles, brisantes und sehr sensibles Thema. Was passiert, wenn solch ein Schicksalsschlag wie von Ramón Sampedro das Leben derart verändert, dass der Wunsch von unheilbar kranken Menschen oder gelähmten Menschen geäußert wird sie durch den Tod zu erlösen? Es ist sehr schwierig nachzuvollziehen, dass jemand freiwillig den Wunsch äußert sterben zu wollen, wenn man als Angehöriger oder eine außenstehende Person nicht direkt betroffen ist.

Der Verfasser verfolgt mit der Auseinandersetzung mit diesem Thema das Ziel, dass der Leser für das Thema der Sterbehilfe durch einen authentischen Fall sensibilisiert wird und die Möglichkeit bekommt die Sterbehilfe aus einer objektiven Sicht zu betrachten, um am Ende eventuelle für sich persönlich zu entscheiden, ob aktive Sterbehilfe legalisiert oder verboten bleiben sollte.

Bewusst steht der Titel der Modularbeit:„Sterbehilfe – Ein Spannungsverhältnis zwischen Moral, Recht und Religion“für die unterschiedlichen Positionen der Sterbehilfe, Befürworter und Gegner, die sich auf die moralischen, rechtlichen und religiösen Aspekte stützen.

Um einen Einblick in die Thematik zu ermöglichen, gliedert sich die Modularbeit wie folgt:

Im zweiten Abschnitt wird eine Auflistung von Begriffsbestimmungen und deren Abgrenzung zueinander aufgeführt, um einen Überblick über die einzelnen Begriffe zu geben, die mit dem Thema der Sterbehilfe einhergehen. Dieser Schritt ist daher erforderlich, da dadurch eine theoretisch fundierte Diskussion im späteren Verlauf der Modularbeit gestützt werden kann.

Des Weiteren werden unterschiedliche Positionen hinsichtlich der Sterbehilfe dargestellt, die es dem Leser ermöglichen sollen das Thema aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Im Abschnitt 4. wird das moralische Dilemma der Sterbehilfe am Fall von Ramón Sampedro dargestellt und mit Pro- und Contra-Argumenten begründet und diskutiert. Im nachfolgenden Abschnitt wird unter der Berücksichtigung der theoretischen Erkenntnisse im Abschnitt 3. der Versuch unternommen Lösungsansätze zu präsentieren wie in Zukunft mit dem Thema Sterbehilfe umgegangen werden könnte. Zuletzt folgt das Fazit mit persönlichen Feststellungen und Kritikansätzen zu dem Thema.

2. Begriffsbestimmungen und deren Abgrenzung zueinander

Häufig wird bei Sterbehilfe von Tötung und sogar von Mord gesprochen. Daher erfolgt in diesem Abschnitt eine Abgrenzung der Begrifflichkeiten zueinander, die mit der Sterbehilfe in Kontext gebracht werden sowie deren Begriffsbestimmung. Dieser Vorgang ist notwendig, um die richtige Verwendung der Begrifflichkeiten im Verlauf der Modularbeit zu gewährleisten und um eine sachliche Diskussion zu ermöglichen. Daher gilt es an dieser Stelle zu klären was unter den Begriffen: Mord, Totschlags, Tötung auf Verlangen, unterlassene Hilfeleistung, aktive, passive sowie indirekte Sterbehilfe und Sterbebegleitung zu verstehen ist.

2.1 Unterlassene Hilfeleistung

„Der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung ist eine Straftat im Sinne des Strafgesetzbuchs.“[5]In §323c StGB werden die Voraussetzungen für diesen Tatbestand geregelt, dass „jeder Mensch dazu verpflichtet ist, einem anderen Menschen in einer Notlage Hilfe zu leisten.“[6]Oftmals wird dieser Begriff insbesondere mit Verkehrsunfällen in Verbindung gebracht, wobei ein Mensch einem anderen Menschen keine Hilfe anbietet, obwohl dies erforderlich ist. Dazu kann es reichen, dass der Helfer die Polizei sowie den Notruf verständigt und den Unfallort absichert. Die unterlassene Hilfeleistung kann dabei vorsätzlich, aber auch nicht vorsätzlich sein.

2.2 Tötung auf Verlangen

„Ist jemand durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Getöteten zur Tötung bestimmt worden(...)“[7]so wird nach Tatbestand aus dem §216 StGB von Tötung auf Verlangen gesprochen. In Deutschland sind diese Regelungen strikt festgeschrieben. Wenn eine Person A beispielsweise die Tötung einwilligt, darf eine andere Person B diese Person A nicht töten. Der Person B würde, im Fall einer Tötung von Person A, vorsätzlich handeln.

2.3 Totschlag

Totschlag ist ein Strafbestand aus dem §212 StGB und definiert sich wie folgt: „Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.“[8]Der Totschlag erfolgt affektiv und nicht wie bei einem Mord durch Mordlust.

2.4 Mord

Mord ist ein Strafbestand aus dem §211 StGB. Als Mörder wird eine Person bezeichnet wenn diese „aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.“[9]Ein Mörder handelt vorsätzlich und aus niedrigen Beweggründen. Ein Mörder plant daher eine Tötungstat und handelt nach grausamen Methoden.

2.5 Aktive Sterbehilfe

Nach Arndt ist die aktive Sterbehilfe „das Töten von Patienten wird durch einen aktiven, nicht gebotenen medizinischen Eingriff gezielt verkürzt oder beendet. Dies geschieht aus Mitleid, um weiteres Leiden zu verhindern (...). Eine gezielte Tötungshandlung ist in Deutschland verboten und als Tötungsdelikt strafbar.“[10]

Charakteristisch ist hierbei, dass es um die gezielte Tötung und zum gewollten Beenden des Lebens eines Patienten geht. Der Vorgang wird vom Arzt vorgenommen und kontrolliert.

Es werden dabei die freiwillige aktive Sterbehilfe und die unfreiwillige aktive Sterbehilfe unterschieden. Die freiwillige aktive Sterbehilfe erfolgt aufgrund eines Einverständnisses des Patienten, der dazu in der Lage ist sich schriftlich oder mündlich zu äußern. Die unfreiwillige Sterbehilfe erfolgt nicht aufgrund eines Einverständnisses des Patienten, da der Patient nicht mehr in der Lage ist, aufgrund eines schlechten gesundheitlichen Zustands sich zu äußern.[11]

2.6 Passive Sterbehilfe

„Passive Sterbehilfe ist das Unterlassen oder Beenden von außerordentlichen, lebensverlängernden Maßnahmen bei sterbenden Patienten. Dies ist nach deutschem Recht straflos.“[12]

Die passive Sterbehilfe zielt demnach darauf ab, lebensverlängernde, künstliche Maßnahmen zur Erhaltung der Lebensfunktionen des Patienten zu beenden. Die passive Sterbehilfe erfolgt, wenn keine Aussicht auf Heilung besteht. Rechtlich ist diese Art der Sterbehilfe legitimiert, wenn der Patient vorher sein Einverständnis abgegeben hat.[13]Dieses Einverständnis wird auch Patientenverfügung genannt. Die Bundesärztekammer hat im Gesetzesantrag im Jahr 2006 beschlossen, dass die passive Sterbehilfe im Einzelfall vertretbar ist.[14]

2.7 Indirekte Sterbehilfe

„Die indirekte Sterbehilfe umfasst therapeutische Maßnahmen im Bereich der Symptomkontrolle, die den Sterbeprozess für den Patienten erleichtern. Sie haben Nebenwirkungen, die eine Lebensverkürzung nach sich ziehen. Diese ist jedoch nicht das Ziel der Maßnahme, wird aber in Kauf genommen (z. B. Schmerzbehandlung mit der Folge einer Atemdepression).“[15]

Im Zentrum der indirekten Sterbehilfe steht dabei die Schmerzlinderung des Patienten, um den Sterbenden unter humanen schmerzfreien Bedingungen das Sterben zu erleichtern. Dies erfolgt mithilfe von Medikamenten. Die Verkürzung des Lebens des Patienten wird dabei in Kauf genommen. Indirekte Sterbehilfe ist straflos und in Deutschland immer mehr verbreitet.

2.8 Sterbebegleitung

„Sterbebegleitung heißt vor allem, den Weg des schwerkranken Patienten durch seine physischen und psychischen Schmerzen zu begleiten und zu lindern - für ihn da zu sein und den Prozess des Sterbens mitzugehen und aushalten zu können.“[16]

[...]


[1]Userkritiken und Wertungen. Online im WWW unter URL: http://www.filmstarts.de/kritiken/38281-Das-Meer-in-mir.html [Letzter Zugriff: 09.03.2011].

[2]Vgl. Userkritiken und Wertungen. Online im WWW unter URL: http://www.filmstarts.de/kritiken/38281-Das-Meer-in-mir.html [Letzter Zugriff: 09.03.2011].

[3]Brachmann, 2005, o. S. Online im WWW unter URL: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0309/feuilleton/0002/index.html [Letzter Zugriff: 09.03.2011].

[4]Vgl. ebenda.

[5]Schmidt, u.a., 2009, S. 120.

[6]Schmidt, u.a., 2009, S. 120.

[7]STGB. Juristisches Informationsdienst, Tötung auf Verlangen. Online im WW unter URL:http://dejure.org/gesetze/StGB/216.html [Letzter Zugriff: 09.03.2011].

[8]STGB. Juristisches Informationsdienst, Totschlag. Online im WWW unter URL: http://dejure.org/gesetze/StGB/212.html [Letzter Zugriff: 09.03.2011].

[9]STGB. Juristisches Informationsdienst, Mord. Online im WWW unter URL:http://dejure.org/gesetze/StGB/211.html [Letzter Zugriff: 09.03.2011].

[10]Arndt, 2005, S. 34.

[11]Vgl. Giesen, 1992, S. 18.

[12]Arndt, 2005, S. 33.

[13]Vgl. Sterbehilfe und Euthanasie. Online im WWW unter URL: http://www.uwenowak.de/arbeiten/sterbehilfe.xhtml [Letzter Zugriff: 05.03.2011].

[14]Vgl. Gesetzesantrag

der Länder Saarland, Thüringen, Hessen. Online im WWW unter URL: http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/gesetzesantrag_sterbehilfe_230-06.pdf [Letzter Zugriff: 05.03.2011].

[15]Nagele, u.a., 2009, S. 214.

[16]Kulbe, 2008, S. 29.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640883691
ISBN (Buch)
9783640883448
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169840
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Sterbehilfe Suizid

Autor

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