Lade Inhalt...

Die Schlacht an der Milvischen Brücke

Eine Widerrede zur „Wende“ Kaiser Konstantins zum Christentum am 28. Oktober 312

Forschungsarbeit 2011 22 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1 Vor der Schlacht an der Milvischen Brücke

2 Träume, Visionen und Symbole vor der großen Schlacht
2.1 Laktanz und das Christus-Monogramm
2.2 Eusebius und die Kreuzlegende

3 Widerrede: Die vergessene Symbolforschung
3.1 Das Christogramm zu Beginn des vierten Jahrhunderts
3.2 Das Kreuz-Symbol
3.3 Ergebnis

4 Eine bizarre nächtliche Malerei

5 Die Schlacht

Vorbemerkung

Am 28. Oktober 2012 werden die Freunde Konstantins I. (306-337) die hundertjährige Wiederkehr der Schlacht an der Milvischen Brücke (Rom) feiern. Am Vorabend des 28. Oktober 312, respektive in der Nacht vor der Schlacht, soll Konstantin eine Kreuzes-Erscheinung ("in diesem Zeichen siege") gehabt und dadurch erkannt haben, dass sein bisheriger göttlicher Wegbegleiter, der Sonnengott Sol, ihm nicht mehr den Sieg garantieren könne. Und so habe er sich, wie die damaligen christlichen Berichterstatter und eine Anzahl moderner Althistoriker zu berichten wissen, dem christlichen Gott zugewandt.

Das klingt zwar ein wenig merkwürdig, denn immerhin ist der Kaiser bisher unter dem Schutz heidnischer Götter von Sieg zu Sieg geeilt, auch ist der christliche Gott innerhalb der christlichen Gemeinden noch heftig umstritten und daher vermutlich wenig attraktiv, gleichwohl meinen die meisten Althistoriker, Konstantins Bekehrung zum Christentum sei ein "weltgeschichtliches Ereignis" gewesen. Und so feiern sie den Herrscher in regelmäßigen Publikationen und ehrfurchtsvollen Ausstellungen als „ersten christlichen Kaiser“ und auch der Vatikan mag nicht nachstehen und gedenkt seiner in prachtvollen Gemälden im Sala di Constantino des Vatikanischen Palastes.

Aber die „konstantinische Wende“ ist keine. „Christlich“ im Sinne des trinitarischen Christentums war der Kaiser nie, die „konstantinische Wende“ ist eine Legende.

Der folgende Text faßt die Ergebnisse einer vorbereitenden Detailstudie zusammen, die für das umfassende Werk „Kaiser Konstantin und die wilden Jahre des Christentums. Die Legende vom ersten christlichen Kaiser“ benötigt wurden.[1] Dort auch detaillierte Quellen- und Literaturnachweise.

1 Vor der Schlacht an der Milvischen Brücke

Im Sommer des Jahres 312 nutzt Konstantin Schwierigkeiten seines in Rom residierenden Mitkaisers Maxentius, um zum Angriff auf die Alleinherrschaft im Westreich anzusetzen. Maxentius, obwohl "erster" Kaiser im Westen, dennoch eher ein bewaffneter Lokalfürst der Stadt Rom, hat als Folge der Bekämpfung einer Rebellion in der Provinz Nordafrika die Steuerschraube anziehen müssen und kann nur mit Mühe die Lebensmittelversorgung Mittelitaliens sicherstellen. Um die Nordflanke zu sichern, aber auch um einem drohenden Angriff Konstantins zu begegnen, schickt Maxentius Teile der Elitearmee und einige kampfunerfahrene Truppenkontingente nach Norditalien, um dort strategische Positionen zu besetzen. Der Operationsplan wird von schlechten Vorzeichen begleitet: Unglücksvögel, eine Schar Eulen, beobachtet von der Stadtmauer den Auszug des Heeres.[2] Maxentius selbst bleibt in Rom und befragt nach guter römischer Sitte die Sibyllischen Bücher, die eine beruhigende Auskunft zu geben scheinen: Der Feind Roms, so sagen die schlauen Bücher, werde untergehen[3]. Und lassen damit offen, wer der Feind Roms sei.

In der Zwischenzeit hat Konstantin mit einem durch Germanen verstärkten kampferprobten Heer den Col de Mongenèvre überquert, einen Alpenpass auf 1850 Meter Höhe, der die Po-Ebene mit dem mittleren Rhonetal verbindet, hat die oberitalienischen Städte Susa, Turin, Mailand und Verona genommen und marschiert nunmehr im Zuge der Via Flaminia, der uralten Militärstraße von Rimini nach Rom, weiter in Richtung Süden. Einen Tagesmarsch vor Rom, in dem verschlafenen Dörfchen Malborghetto, richtet Konstantin am 27. Oktober 312 sein letztes Lager ein.

In diesem Feldlager geschehen am 27. Oktober 312, unmittelbar vor der Schlacht also, wunderbare Dinge: Konstantin hat eine Offenbarung, die durch einen Traum bestätigt und erläutert wird. Der christliche Gott, so die antiken Berichterstatter, hätte sich dem Kaiser durch ein Lichtzeichen am Himmel offenbart, ihm versichert, er werde "in diesem Zeichen" siegen und gleich auch noch eine Konstruktionsanweisung für ein neues, bisher in den christlichen Gemeinden nicht bekanntes Christus-Symbol übergeben: Das verschlungene X und P, heute bekannt als die übereinander gelegten Anfangsbuchstaben des griechischen Namens "Christus", das Christogramm.

Konstantin, wir folgen immer noch den antiken Texten und den Interpretationen der meisten modernen Althistoriker, wirft nunmehr den Glauben an die alten Götter über Bord und vertraut sich dem neuen Schlachtengott Christus an. Zwar macht das angesichts der vergangenen Siege mit Hilfe der heidnischen Götter weder einen militärischen Sinn, wie wir eingangs schon gesehen haben, noch einen theologischen, da Jesus sich ja einen Ruf als Verkünder der Feindesliebe und nicht als Kriegsgott erworben hat - "da sprach Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide" (Johannes 18,10-11) - aber sei`s drum, Konstantin erhält einen göttlich-christlichen Freibrief zur großen Schlacht.

2 Träume, Visionen und Symbole vor der großen Schlacht

Derweil hat sich Konstantins verruchter Gegner Maxentius mit seinem Hauptheer hinter der sechs Meter hohen Aurelianischen Mauer verschanzt, um den Ansturm der konstantinischen Truppen zu erwarten. Zur Verstärkung der Verteidigung läßt er die Tiberbrücke Pons Mulvius (Milvische Brücke) unterbrechen und die Stadtmauern verstärken, was ihm jedoch wenig nutzt. Denn der christliche Gott zieht den Nebenbuhler, an Ketten gefesselt, aus der Stadt heraus (Eusebius), so dass schließlich - wer wollte daran zweifeln? - Konstantin, von himmlischen Heerscharen unterstützt (Nazarius) - die Schlacht und damit die Macht über Rom gewinnt.

Von all diesen hilfreichen Wundern haben in der historischen Forschung allerdings nur die christlich-göttlichen Zeichen, gleich ob im Traum oder am Himmel erschienen, Bestand. Der Rest der Kriegsberichte, die Ketten und das himmlische Ersatzheer, werden von der Forschung nicht weiter erwähnt, obwohl deren Wahrheitsgehalt grundsätzlich nicht geringer zu bewerten ist als der der himmlischen Zeichen.

2.1 Laktanz und das Christus-Monogramm

Alles beginnt mit Laktanz (um 250-325), einem offenbar gelehrten Mann christlichen Glaubens, der trotz seiner umstrittenen Position zur Natur Jesu (E. DePalma) von späteren Generationen zum "Kirchenvater" ernannt wird. Laktanz wird um das Jahr 284 von dem heidnischen Kaiser Diokletian als Rhetoriklehrer in die Residenzstadt Nikomedia berufen und um 315 von Kaiser Konstantin zum Erzieher seines Sohnes Crispus am Trierer Hof ernannt. Laktanz verfaßt verschiedene Schriften, u.a. eine kleine Schrift De mortibus persecutorum - Von den Todesarten der Verfolger, in der er die Leidens- und Todesgeschichten von zehn römischen Kaisern erzählt, die Christen besonders ausgiebig verfolgt haben sollen. In diesem bluttriefendem Werk, das Glaubensbotschaften vermitteln, keinesfalls aber historische Forschung betreiben will, berichtet Laktanz auch über eine Traum-Vision Konstantins im Oktober 312, kurz vor der Schlacht an der Milvischen Brü>

"Konstantin ward im Traume ermahnt, das himmlische Zeichen Gottes [ caeleste signum dei ] auf den Schildern anbringen zu lassen und so die Schlacht zu beginnen. Er kommt dem Befehle nach, und indem er den Buchstaben X waagerecht legte/durchkreuzt und die oberste Spitze umbog, zeichnete er Christus auf die Schilde. Mit diesem Zeichen gewaffnet, greift das Heer zum Schwert".[4]

Es handelt sich also noch nicht um die berühmte Offenbarung Gottes "In diesem Zeichen wirst Du siegen", deren Berichterstattung einem späteren Autor, dem christlichen Bischof Eusebius, vorbehalten bleibt. Vielmehr geht es um das christliche Symbol „XP“, das Christogramm, das Gott dem Heiden Konstantin erklärt haben soll. Warum Gott dazu einen Heiden auserwählt und nicht den Bischof von Alexandria oder Antiochia, bleibt uns verborgen.

Der Traum enthält offenkundig zwei Abschnitte: Im ersten Abschnitt, gebildet durch den ersten Satz, ist das "himmlische Zeichen Gottes" eine deutungsoffene Erscheinung und nicht wie der Historiker Joseph Vogt ziemlich überraschend meint, man müsse "nach dem Sprachgebrauch der Zeit an das Kreuz denken". Ab dem zweiten Satz wechselt Laktanz unvermutet die Argumentations- und Handlungsebene. Konstantin kommt als Akteur ins Spiel, der das „himmlische Zeichen“ ohne nachvollziehbaren inneren oder logischen Zusammenhang in ein christliches Signum überführt. Er legt, so der abenteuerliche Bericht, das Zeichen als ein abstraktes Christus-Zeichen aus, als ein griechisches "X", dem ersten Buchstaben des griechischen Wortes für Christus. Dreht man dieses "X" um 45°, so entsteht ein liegendes "X", das, mit einem senkrecht geführten Strich versehen, einen sechsstrahligen Stern ergibt, der schon seit Jahrhunderten als Symbol der Sonne/des Lichtes in der paganen Kultur gebräuchlich ist. Nun soll Konstantin eine Spitze des gedrehten und/oder mit einem Senkrechtstrich versehenen "X" nach rechts zu einem Kreis gebogen haben und schon hat er das Christus-Monogramm "XP". Klingt doch einfach, oder?

Diese bisher im christlichen Alltag noch weitgehend unbekannte, hochabstrakte künstlerische Kreation eines verschlungenen P und X, angeblich gebildet aus den Anfangsbuchstaben des griechischen Wortes "Christus", verursacht unter den Althistorikern und Kirchengeschichtlern mancherlei Diskussion. Die Mehrheit der Althistoriker zweifelt die literarisch-historische Authentizität der eusebischen Formel nicht grundsätzlich an und schließt sich dem Urteil Rudolf Eggers an: "Die Gestalt des Zeichens, das Laktanz meint, ist die Kombination von X und P".Und da die Welt mit dem neuen Christogramm noch nichts anzufangen weiß, phantasiert Egger drauflos: Die "unverständlichen Zeichen" seien vor der Schlacht durch "tüchtige Unteroffiziere" den Soldaten, die die "griechischer Buchstaben nicht kannten" vereinfacht erklärt worden, so dass diese lediglich die römische Zehn (X) und die römische Eins (I) malen brauchten. Das ergibt zwar nur ein Sternsymbol, bekannt als das uralte Symbol des Sonnengottes, aber mit Hilfe der konstantinischen Biegung und mancher gedanklicher Beugung kann man das Zeichen auch als "XP" interpretieren. Im übrigen kann der mit den antiken Gebräuchen nicht so vertrauten Leser feststellen, dass es den römischen Soldaten offenbar gleichgültig gewesen ist, welche Inschriften und Symbole sie auf den Schilden führen.

Der Althistoriker Vogt, dessen Arbeiten über Konstantin jahrzehntelang als Standardwerke gelten, unterstellt Konstantin, er habe "sich als Knecht Gottes" gefühlt und spricht ohne Scheu und mit befremdlichem kirchengeschichtlichen Unverständnis von der "wunderbaren Selbstentfaltung des Christentums" und von "Irrlehren" der übrigen nichtchristlichen Religionen.[5] Zum Traumgeschehen meint er, man müsse "nach dem Sprachgebrauch der Zeit an das Kreuz denken".[6] Vogt wirft noch einen Blick in die Tiefe der konstantinischen Seele und erkennt, das Christogramm sei von Konstantin "aufgerichtet" worden, das Christogramm habe für Konstantin einen Sinn gehabt, aber "nicht für die Welt".[7] Der französische Althistoriker Paul Veyne pflichtet seinem Kollegen bei und erkennt, das Zeichen sei von Konstantin "erfunden" worden.[8] Soweit zu dem Bericht des Laktanz über die Hinwendung Konstantins zum Christentum.

2.2 Eusebius und die Kreuzlegende

Der zweite Autor, Eusebius, erwähnt in seiner dem Geschehen am 28. Oktober 312 zeitnahen Kirchengeschichte weder eine Vision, noch ein Kreuz, noch eine Christuserscheinung. Konstantin habe vor der Schlacht lediglich gebetet.[9] Die Visions-Geschehnisse werden erst Jahrzehnte nach dem Ereignis in der Vita Constantini detailliert beschrieben:

"Um die Stunde der Mittagzeit, da sich der Tag schon neigte, habe er, so sagte der Kaiser, mit eigenen Augen oben am Himmel über der Sonne das Siegeszeichen des Kreuzes, aus Licht gebildet, und dabei die Worte gesehen: „Durch dieses Zeichen siege!“ [...] Da habe sich ihm nun im Schlafe der Christus Gottes mit dem am Himmel erschienenen Zeichen gezeigt und ihm aufgetragen, das am Himmel geschaute Zeichen nachzubilden und es bei seinen Kämpfen mit den Feinden als Schutzpanier zu gebrauchen". Daraufhin, so berichtet Eusebius weiter, sei "ein langer goldüberzogener Lanzenschaft [gefertigt worden, der] trug eine Querstange und hatte somit die Gestalt des Kreuzes; am oberen Rande des Ganzen war ein kunstvoll geflochtener Kranz aus Gold und Edelsteinen befestigt, in dem das Zeichen für den Namen des Erlösers angebracht war, zwei Buchstaben, die als Anfangsbuchstaben den Namen Christi bezeichneten, indem das P in der Mitte durch das X gekreuzt wurde".[10]

Damit verfügt der Historiker nunmehr über zwei unterschiedliche Visionsdarstellungen: Eine von Laktanz, der zunächst lediglich von einem "himmlischen Zeichen" im Traum spricht und es Konstantin überläßt, daraus ein christliches "XP" zu schmieden. Und eine zweite von Eusebius, der erstmalig das Kreuzsymbol als kaiserliches Emblem in die Diskussion einführt, das dann - wie bei Laktanz ohne innere Begründung - zum Christogramm mutiert und in einer weiteren Steigerung als Heeresfahne (Labarum) den Truppen vorangetragen wird.

Es bricht die Stunde der christlichen Symbole und die Hoch-Zeit althistorischer Deutungen an und Rudolph Leeb, Professor für evangelische Theologie, verbringt viel Zeit damit, mit Hilfe der eusebischen Vita Constantini und unter Inbeschlagnahme aller Arten von Kreuzformen die Authentizität der "heilbringenden Zeichen" zu belegen.

3 Widerrede: Die vergessene Symbolforschung

Christliche Symbole - im Falle der Konstantinforschung also das Kreuz und das Christogramm - spielen in der Konstantin-Forschung eine herausragende Rolle. Bemerkenswert ist dabei, dass nahezu alle Konstantin-Biographen der letzten zwanzig Jahre versäumen, die Forschungsgeschichte über die besagten christlichen Symbole in die Analysen zu integrieren.[11]

Diese Abstinenz der Nachkriegs-Althistoriker von bedeutenden Forschungsergebnissen ist um so überraschender, da das Thema nicht neu ist. Denn seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es eine ausführliche Diskussion zu Herkunft und Besonderheiten der christlichen Symbole und Monogramme. Die Diskussion ist zwar in Form einer hoch spezialisierten Fachdiskussion geführt worden[12] und hat vermutlich deshalb bis heute weder einen sichtbaren Anschluß an die althistorische Diskussion noch einen mehr als oberflächlichen Eingang in die großen, für diese Thematik relevanten Nachschlagewerke gefunden[13], dennoch liegt es auf der Hand, in einer solch wichtigen Frage die Symbolforschung zu konsultieren.

Als Folge dieses Verzichtes gehen nahezu alle Autoren althistorischer Werke davon aus, dass die Kreuzsymbole und Monogramme zur Zeit Konstantins als christliche Zeichen zu interpretieren und allgemein als solche bekannt gewesen sind. Andreas Alföldi gilt als Trendsetter dieser Richtung. Er glaubt 1932, die christliche Symbolik erkennen zu können, denn das "X" sei "die einfachste Bezeichnung des Namens Christ" gewesen und "oft als christliches Symbol auf Münzen und Medaillen" der konstantinischen Zeit vorgekommen.[14] Die These ist angesichts des Fehlens von Belegen nicht nur angreifbar, sondern auch sachlich falsch. Denn bei dem "X" auf den konstantinischen Münzen, so wendet Konrad Kraft 1974 völlig richtig ein, handelt es sich lediglich um ein Schmuckmotiv. Ähnlich äußert sich, im Einklang mit der numismatischen Forschung, letztmalig das Staatliche Münzkabinett Berlin: Die auf den Münzen geprägten "x" oder "+" seien Beizeichen der Prägeanstalten zur Identifizierung unterschiedlicher Münzemissionen ohne jeglichen religiösen Bezug.

Meist wird allerdings vermieden, sich hinsichtlich des Ursprungs und des Werdegangs der beiden christlichen Symbole überhaupt festzulegen. Stattdessen wird die Flucht ins Ungefähre angetreten: Das Kreuz sei zur Zeit der konstantinischen Vision "epigraphisch nur selten überliefert, wenngleich sehr alt" und "bekannter sei das Christus-Monogramm", meint in diesem Sinne Ernst Dassmann.[15] Belege, Daten und Fakten werden nicht geliefert, so dass der Leser mit der Frage allein gelassen wird, wie "selten", "bekannter" und "sehr alt" zu interpretieren sind. Im allgemeinen wird jedoch überhaupt nicht nachgefragt und schlicht davon ausgegangen, dass bereits zu Beginn des vierten Jahrhunderts das Kreuz und das Christogramm als christliche Symbole ausreichend weit verbreitet gewesen sind.

[...]


[1] R. Bergmeier, Kaiser Konstantin und die wilden Jahre des Christentums. Die Legende vom ersten christlichen Kaiser, 350 S., Aschaffenburg 2010. Die Studie untersucht die Frage, was eigentlich „Christentum“ in der ersten Hälfte des 4. Jh. ist, prüft in einer Quellenkritik - unter Einbezug der Überlieferungspraxis des frühen Mittelalters - die einschlägigen Quellen und bewertet die „Christlichkeit“ Konstantins unter kirchengeschichtlichen, numismatischen, archäologischen, epigraphischen und textlichen Aspekten und unter Hinzuziehung der Ergebnisse der Symbolforschung neu.

[2] H. Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche, S. 714 (60).

[3] Laktanz, de mortibus persecutorum 44,1.

[4] Laktanz, de mort.pers. 44,5.

[5] J. Vogt, Constantin der Grosse und sein Jahrhundert, 1949.

[6] J. Vogt, Die Konstantinische Frage, 1974.

[7] J. Vogt, Die Bedeutung des Jahres 312 für die Religionspolitik Konstantins des Großen, 1974.

[8] P. Veyne, Als unsere Welt christlich wurde (312-394), 2008.

[9] Eusebius, Kirchengeschichte 9,9,2.

[10] Eusebius, Vita Constantini 1,28-32. Wann und wo Konstantin das Lichtzeichen gesehen hat, ob auf dem Marsch nach Rom oder unmittelbar vor der Schlacht, ist für diese Untersuchung nicht von Belang Auffallender ist dagegen der nicht nachvollziehbare Sprung in der eusebischen Schilderung von einem "Kreuz" zum "XP". Dieser Schwenk wird in der Forschungsliteratur sehr ernsthaft diskutiert (Girardet, Cameron/Hall, Bleckmann), aber die Argumente wirken alle weit hergeholt. Die Hypothese, dass die wirre Visionsgeschichte im Laufe der Überlieferung in den Schreibstuben der Klöster ergänzt und verändert worden ist, wird von den Historikern nicht geprüft.

[11] J. Bleicken ist wohl der einzige Nachkriegs-Historiker, der - wenngleich kurz - auf die Symbolforschung hinweist und seine Zweifel an der christlichen Interpretation der Symbole anmeldet (Constantin der Große und die Christen, 1992).

[12] An erster Stelle sei das gründliche Werk von V. Gardthausen, Das Alte Monogramm, Leipzig 1924, ND 1966 genannt, das wohl quellenmächtigste Werk über die christliche Symbolik. Weitere Belege und Nachweise bei R. Bergmeier, Kaiser Konstantin, 2010, S. 113.

[13] Das "Handbuch der Ikonographie", "Lexikon für Theologie und Kirche", "Reallexikon für Antike und Christentum", "Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft", "Lexikon der Ikonographie", "Wörterbuch der christlichen Ikonographie und das "Lexikon der Symbole geben keine brauchbare und historisch verwertbare Hilfe bei der Suche nach der Christlichkeit der Symbole.

[14] A. Alföldi, The Initials of Christ, 1932.

[15] E. Dassmann, Kirchengeschichte II/1. Konstantinische Wende und spätantike Reichskirche, 1996.

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640883035
ISBN (Buch)
9783640883264
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169813
Note
Schlagworte
schlacht milvischen brücke eine widerrede kaiser konstantins christentum oktober

Autor

Zurück

Titel: Die Schlacht an der Milvischen Brücke