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Rote Haare. Fluch und Segen

Stereotypisierende Bilder am Beispiel der Rothaarigen

Masterarbeit 2011 49 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Haare im kulturhistorischen Kontext
2.1 Das Haar als Charakteristikum
2.1.1 Es ist mehr als nur das Haar
2.1.2 Bedeutung der Haare im Rückblick auf die Geschichte
2.2 Haare im Netz des Aberglaubens
2.2.1 Verankerung des Aberglaubens in Märchen
2.3 Symbolkraft der roten Haare und Assoziationen mit Rot
2.3.1 Zwei Pole der Assoziation
2.3.2 Auswirkung auf Rothaarige
2.4 Die Ablehnung und das Anderssein der Rothaarigen
2.4.1 Rothaarige als Opfer der gesellschaftliche Diskriminierung
2.4.2 Weiterführende Annahmen über die Folgen der Diskriminierung
2.5 Untertauchen oder Farbe bekennen

3. Die Macht des Stereotyps
3.1 Was ist ein Stereotyp? – Begriffsklärung
3.2 Stereotypenbildung über Rothaarige – durch Studien belegt?

4. Rote Haare als Merkmal des Bösen
4.1 Rothaarige im Bund mit dem Teufel
4.2 Das Image der Verführerin

5. Rothaarige und das Rampenlicht
5.1 Rothaarige als Fantasy - Figuren und Leinwandhelden
5.2 Rothaarige und ihre Präsenz auf den Titelseiten
5.3 Rothaarige in der Mode
5.4 Die Vorliebe für Blondinen - Rothaarig versus Blondinen
5.5 Die blonde Unschuld oder die rote Verführung
5.6 Blond gleich Blöd (?) oder trügt der Schien –warum die Blondine beliebter ist
5.7 Rot ist doch g’ wiß a schöne Farb’

6. Fazit

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Venus von Brassempouy

Abbildung 2. Tochter des Kaisers Titus Julia

Abbildung 3. Frisur auf einer römischen Münzprägung

Abbildung 4. Cinderella

Abbildung 5. Giftiger Fliegenpilz

Abbildung 6. Im Internet zum Verkauf angebotenes T-Shirt

Abbildung 7. Erzwingung eines Geständnisses durch Folter

Abbildung 8. Sommersprossen

Abbildung 9. Verbrennung einer angeklagten auf dem Scheiterhaufen

Abbildung 10. Albinos in Afrika in großer Gefahr

Abbildung 11. Stefan Lochner, Weltgericht um 1435

Abbildung 12. The Scarlet Witch

Abbildung 13. Katy Kane

Abbildung 14. The Black Widow

Abbildung 15. Pippi Langstrumpf

Abbildung 16. Darla

Abbildung 17. Chucky – Die Mörderpuppe

Abbildung 18. Rita Hayworth

Abbildung 19. Eine schrecklich nette Familie

Abbildung 20. Model aus The British Shop

Abbildung 21. Marilyn Monroe

Abbildung 22. Foto: Howard Schatz

Abbildung 23. Werbeplakat einer Tänzerin von Jules Chéret

Abbildung 24. Der Salon in der Rue Moulins

1. Einleitung

Die vorliegende Masterarbeit trägt den Titel Rote Haare – ein Fluch und Segen. Das damit angesprochene Thema löst zuerst einmal Befremden beim Leser aus. Die Arbeit ist somit eine bewusste Konfrontation mit dem stereotypisierten Bild der Rothaarigen in der Gesellschaft. Das Ziel der Arbeit ist es darzulegen, dass das Anderssein der Rothaarigen durch ein positives sowie negatives Zerrbild geprägt ist. Am Ende soll sich ein schlüssiges Bild ergeben, warum nun ausgerechnet die Rothaarigen ihren Ruf weg haben. Der gewählte Titel der Arbeit Rote Haare – ein Fluch und Segen hat die Intention den Leser für die roten Haare zu sensibilisieren.

Im Vordergrund der Arbeit stehen somit die Rothaarigen, deren Position in der Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven vorgestellt werden soll. Es wird der Versuch unternommen, den Ursprung des Stereotyps gegenüber den Rothaarigen darzulegen. Die kritische Betrachtung dessen, soll jedoch nicht zu kurz kommen, daher die Notwendigkeit das das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird.

Daher ist es von Wichtigkeit, die Herangehensweise an das Thema aus der historischen Sicht unternommen wird. Es werden die Bedeutung und der Einfluss von Haare in verschiedenen Kulturen betrachtet, somit soll ein Grundstein an Vorwissen gelegt werden. Es wird klar gemacht welche Faszination das Haar überhaupt auf die Menschen hat und welchen Symbolcharakter die Menschen diesen zusprechen. Ein möglicher Bezug wird zu den Rothaarigen hergestellt. In nachfolgenden Abschnitten sollen nochmals verschiedene Themenbereichen des Alltags vorgestellt werden. Unter den Teilbereichen des Alltags versteht man beispielsweise: Die Welt der Mode, die Kunst und die Literatur. Abgerundet wird das Ganze mit dem Versuch der wissenschaftlichen Studien über die Rothaarigen.

Es ist interessant zu betrachten, dass im Laufe der Jahrhunderte das Bild der Rothaarigen sich kaum verändert hat. Seit vielen Jahrhunderten bringen sie Versuchung, Tod und Angst mit sich. Sie werden als die Töchter des Teufels abgetan, als die verruchten Verführerin und Zerstörerin. Die Rothaarigen liebt man oder man lehnt sie ab, mit Abscheu und Angst. Die Rothaarigen sind das Symbol alles Negativen, das man im ewigen Weiblichen finden kann. Die Rothaarigen gefallen nur wenigen, sie sind eine Minderheit und wurden dem Hass und der Verfolgung ausgesetzt. Doch diese wenigen hegen eine besondere Beziehung zu Rothaarigen, in ihren künstlerischen Motiven, als Musen und Protagonistinnen von Romanen.

Es soll daher geklärt werden, was so besonders an Rothaarigen ist, warum sie immer wieder in Vordergrund treten oder gedrängt werden und überwiegend aus der negativen Perspektive betrachtet werden? Es wird dargelegt, warum die Rothaarigen an Diskriminierung erfahren und wie sich diese äußert. Warum weiterhin ein bestehendes Interesse an roten Haaren in positive und negative Richtung existiert, warum die roten Haare ein Fluch und ein Segen zugleich sind?

Aufgrund des geringen Umfangs der Arbeit besteht an dieser Stelle jedoch nicht die Möglichkeit, umfangreicher auf einzelne Punkte einzugehen und daher kann auf weiterführende Fragen nicht eingegangen werden. Daraus resultierte eine Eingrenzung die einen allgemeinen Überblick über das Thema der Masterarbeit gibt.

In der Arbeit stütze ich mich hauptsächlich auf die Literatur von Roberto Giardina – der mit einer Rothaarigen verheiratet ist - und Irmela Hannover - die eine echte Rothaarige ist und rothaarige Familienmitglieder hat. Ich habe meine Wahl getroffen diese Literatur zu benutzen, da beide persönliche Erfahrungen mit Rothaarigen vorweisen und aus dem Grund als glaubwürdig angenommen werden können.

Die Arbeit gliedert sich wie folgt: Als erstes wird die kulturhistorische Sicht der Haare vorgestellt sowie wird das Haar als Charakteristikum in Vordergrund gebracht. Die Zitate die entweder am Anfang eines Kapitels positioniert sind oder in der Mitte des fortführenden Textes, sollen die Aussagen unterstreichen sowie das Thema etwas greifbarer und lebendiger präsentieren. Die Abbildungen dienen der Veranschaulichung und sollen den gleichwertigen Effekt haben wie die Zitate. Desweiteren soll die Verbindung der Haare zum Aberglauben und in den Märchen hergestellt werden. Die weiteren Unterkapitel dienen dazu, das Image der Rothaarigen aus verschiedenen Perspektiven vorzustellen und sollen verdeutlichen warum es negativ behaftet ist. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Symbolkraft der roten Haare gelegt sowie auf die Assoziationen die mit Rot einhergehen und welche Auswirkungen es auf Rothaarige hat.

In den nachfolgenden Unterkapiteln wird sowohl die Ablehnung Rothaariger als auch die Andersartigkeit genauer dargestellt, um sich mit den Rothaarigen als Opfer der Diskriminierung auseinanderzusetzen. Desweiteren wird auf den Begriff des Stereotyps eingegangen und es wird versucht, durch Studien das Bild des Stereotyps über Rothaarige vorzustellen. Viertieft werden die Stereotype in den Abschnitten in denen die Rothaarigen als die Boten des Bösen auftreten oder im Rampenlicht der Mode, der Kunst und Literatur stehen. Abschließend wird ein Vergleich zu den Blondinen gezogen, der die Rothaarigen als eine Besonderheit wiederspiegelt und so ihre Andersartigkeit nochmals deutlich wird.

2.Haare im kulturhistorischen Kontext

2.1 Das Haar als Charakteristikum

Die Untersuchungen von Völkern und deren Kulturgeschichte haben ergeben, dass das Haar für Menschen seit Jahrtausenden von großer Bedeutung ist.

Überhaupt ist das Thema Haare sehr facettenreich. Die Betrachtung kann somit aus verschiedenen Blickwinkeln der Wissenschaften erfolgen und legt viele interessante Inhalte zur Diskussion frei. So lassen sich negative sowie positive Aspekte in Bezug auf das Thema darlegen.

Ein wichtiger Ausgangspunkt der Betrachtung des Themas Haare ist der, dass Haare für die Einzigartigkeit eines jeden Einzelnen stehen. Haare sind somit mit einem Fingerabdruck vergleichbar. Sie sind charakteristisch für die Person, die sie trägt, und repräsentieren diese. Ein Irokesenschnitt z.B. bei Jugendlichen repräsentiert daher eine antipolitische Einstellung und macht erkenntlich, zu welcher sozialen Gruppierung sich der Jugendlich positioniert.

Schon diverse Merkmale der Haare, wie die Haardichte sowie die Haarstruktur, das Vorhanden- und Nichtvorhandensein der Haare und die Haarfarbe können einen Menschen entweder schmücken oder entstellen. Ebenfalls die Frisur, mitunter die Art und Weise, wie das Haar getragen wird, lässt erahnen, ob sich der Mensch in Trauer, Glück oder im seelischen Schmerz befindet – das plötzliche, vorzeitige Ergrauen der Haare, wäre hierzu ein Beispiel für unermessliche seelische Trauer und Schmerz.

Da der Schwerpunkt dieser Masterarbeit, sich im besonderen Maße auf die roten Haare stützt, versuche ich, durch das folgende Zitat einen Bezug auf diesen herzustellen.

Das Zitat ist ein Beispiel einer Stereotypisierung, dass die Haarfarbe sowie die Haarstruktur ein Kriterium für eine Charakterbeurteilung sein können. So heißt es wie folgt: ,(…) Schlichtes, weiches Haar deutet auf einen furchtsamen Menschen. […] Krauses Haar bedeutet Kühnheit. Starker Haarwuchs am Bauch zeigt Unkeuschheit an. (…)’[1]

Dies verdeutlicht also, dass das Haar so Manches über ein Individuum verrät, es unterstreicht somit nicht nur die Persönlichkeit, sondern gibt auch einen Einblick über den Gesundheitszustand des Menschen. Das Haar kann somit als ein Charakteristikum mit multifunktionalen Eigenschaften gesehen werden.

2.1.1 Es ist mehr als nur das Haar

Ersichtlich ist es, dass Haare einen Grund für Gesprächsstoff liefern. Sie sind allzeit ein präsentes Merkmal. Daher ist die ständige Auseinandersetzung mit dem Thema Haare und insbesondere auffälligem Haar, wie dem roten Haar, unausweichlich.

Somit ist es folglich Fakt, dass Haare eine gewisse Faszination auf die Menschen ausüben müssen, wenn man dem Thema so viel Aufmerksamkeit zuwendet.

Dementsprechend hatten beispielsweise Mythen und Stereotype, in Bezug auf Haare, eine genährte Grundlage, sich herauszubilden und zu entwickeln. Diese haben sich bis in die Gegenwart durchsetzen und halten können (siehe 4.1). Der Unterschied zu damals und heute, ist die Intensität solcher Stereotype sowie die Art und Weise, wie diese heutzutage fortgelebt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sich auf die Faszination die von Haaren ausgeht bezieht, ist deutlich zu machen und zwar der, dass die Faszination in Angst, Abneigung und sogar Hass umschlagen kann. Das hängt lediglich mit einigen besonderen Merkmalen der Haare zusammen, z. B. dem auffälligem Merkmal der roten Haarfarbe sowie die sich daraus ergebenden Assoziationen (siehe 2.3.1).

Daher mussten Rothaarige teilweise aufgrund ihrer Haarfarbe, auf bestialischste Weise, das eigene Leben lassen. Aus der Geschichte ist es eindeutig belegt, dass für rothaarige Frauen, ihre Haarpracht das Todesurteil auf dem Scheiterhaufen bedeutete, da sie bis in das 19. Jahrhundert als Hexen angeprangert wurden.[2]

Trotz allem spiegeln sich die Bedeutung und die Wichtigkeit der Haare in vielen Lebensbereichen der Menschen wieder. In der Mode ist es z.B. das Tragen von Perücken oder das Färben der Haare. In der Sexualität dient das Haar als Instrument der Verführung. In Literatur und Kunst kann das Haar als Inspiration gesehen werden. In der Medizin dient das Haar einer natürlichen Schutzfunktion und kann auf einen Gesundheitszustand oder ein Krankheitsbild schließen lassen.

Das Thema Haare kann demzufolge in einem universellen Kontext ausdiskutiert werden.

2.1.2 Bedeutung der Haare im Rückblick auf die Geschichte

Anhand der Skulptur eines Frauenkopfes aus Mammutelfenbein die ca. auf 27000 Jahre geschätzt wird, ist die erste Darstellung einer Frisur erkennbar. Es ist der Kopf der Venus von Brassempouy, mit einer Höhe von 3,5 Zentimetern.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Venus von Brassempouy 7

Die Skulptur ist somit ein Beweis für die Faszination die von Haaren ausgeht und die Menschen seit Jahrtausenden beschäftigt und beständig anhält. Auch die entdeckten Papyrusrollen, aus der Zeit ca. 4500 v. Chr. liefern Auskünfte über die Bedeutung und den Stellenwert der Haare in der damaligen Zeit und präzisieren dadurch das

Handwerk der Haarkunst.[4][5]

In vielen Kulturen ist es bekanntlich so, dass man mit Haaren sogar Lebenskraft verbindet. Das Haar wird oft als der Sitz der Seele angesehen sowohl sprach man den Haaren magische Kräfte zu.[6] Besonders für die alten Griechen hatte die Haarpracht eine tiefgreifende Bedeutung. „Die Griechen des Altertums vertraten [genau] [diese] Auffassung, daß die Haare Sitz der Kraft und der Seele seien.“[7] So saß das Leben sogar „(…) in nur einem einzigen Haar.“[8] Selbst einen Eid besiegelte man damit, dass man auf das eigene Haar einen Schwur geleistet hat.

Anzumerken ist es, dass Haare schon damals als Symbol für Macht und Stärke standen. Die römischen Soldaten befestigten Haarteile an ihren Helmen, um so bei dem Feind einen imposanten Eindruck zu hinterlassen und dadurch die eigene Stärke zu symbolisieren.

Ein weiteres Beispiel für das Repräsentieren einer klaren Machtstellung die durch den Symbolcharakter der Haare erreicht werden konnte, ist jenes, dass den Gefangenen und Sklaven die Haare geschoren wurden. Vergleichbares Geschehen wiederholte sich im 20.

Jahrhundert in Konzentrationslagern[9] -; ,(…)Um dann auch äußerlich zu zeigen, daß der Besiegte als Sklave sein Eigentum geworden sei, (…).[10]

Das lange Haar war daher ein Kennzeichen eines freien und adeligen Menschen. Das Gleiche kann in Bezug auf die Weisheit gedeutet werden, denn je länger die Barthaare oder die Haare auf dem Kopf, desto weiser der Mensch. Auch die Gedanken sollen nach außen über die Haare sprießen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3. Frisur auf einer römischen Münzprägung 14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2. Tochter des Kaisers Titus Julia 13

So war es an der Art wie man das Haar trug unverkennbar, zu welcher sozialen Gruppe oder Schicht man zugehörig war. Im Übrigen war die Haarfarbe selbst vor tausenden von Jahren ein Erkennungsmerkmal einer Nationalität, eines Standes oder einer ethnischen Gruppe. [11] Unter der Betrachtung der Haare als Machtsymbol, wäre dem ein interessanter Gedanke hinzuzufügen: Wenn Haare also als Machtsymbol fungierten und in der Epoche des Mittelalters rotes Haar als die Haarfarbe des Teufels galt, somit gesagt werden kann, dass durch das Abschneiden der roten Haare, auch gleichzeitig der Teufel seiner Macht beraubt wurde. Dieser Ideengang soll dem als Stütze dienen, dass die Einstellung der Menschen sowie deren Handlungen und deren Lebensart, stark vom Aberglauben beeinflusst wurden (siehe 2.2).

Dass auch die alten Römer Haaren eine weitgehend intensive

Aufmerksamkeit schenkten, liefern Münzprägungen und Statuen. [12] Die darauf abgebildeten Frisuren sind Artefakte der damaligen Zeit. Sie sind mit Kunstwerken vergleichbar und nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer, trugen die Haare in kunstvollen Varianten (siehe Abb. 3 und 4). Verschiedene komplexe Flechtvariationen repräsentierten die Mode und waren eine Selbstverständlichkeit, die der Selbstdarstellung dienten.

Gleichermaßen war das Färben der Haare bei den alten Römern sehr weit verbreitet. Es ist jedoch zu erwähnen, dass besonders die rote Haarfarbe, aus modischen Gründen nicht erwünscht war. Beispielsweise galt bei den Ägyptern die rote Haarfarbe als die Unglücksfarbe. Die Ägypter ließen Neugeborene mit roten Haaren sofort töten.[13] Daher waren die blonden Haare der germanischen Sklaven das ersehnte Ziel und nicht die verpönten roten Haare.

Dementsprechend gab es schon damals die ersten in der Qualität unausgereiften Haarfärbemittel, diese ruinierten jedoch das Haar und Kopfhaut durch Verätzungen. Zugleich musste man mit unangenehmen Gerüchen der Haare rechnen, da die Palette von Inhaltsstoffen der Haarfärbemittel, je nach Mixtur vom tierischen Blut, Galle bis hin zu der Leber eines Thunfisches reichte.[14]

Wie jede andere Epoche, setzte die Epoche des Mittelalters, in der entsprechenden Gesellschaft Trends und hatte selbstverständlich Schönheitsideale – auch hier zählte das rote Haar nicht dazu.

Vergleichbar mit den alten Griechen und den alten Römern, galt auch im Mittelalter das Haar als „(…) ein Zeichen von Macht und Ansehen.“[15] Mit einer langen, lockigen Mähne wurde Freiheit symbolisiert. So galt das Entfernen der Haare, aus rechtlicher Sicht, als eine Bestrafung und diente der Entehrung.[16]

Der geschichtliche Abriss verdeutlicht, dass im Verlauf der Epochen, das Haar eine starke Anziehungskraft auf Menschen gehabt hat, unabhängig von Stand, Herkunft und Nationalität. Dadurch entwickelte sich das Motiv der Haare, zu einem wichtigen Bestandteil einer Kultur und Gesellschaft.

2.2 Haare im Netz des Aberglaubens

Der Aberglaube spielte in der mittelalterlichen Vorstellung der Menschen eine besonders große Rolle. Dadurch kommt es, dass der Aberglaube das Leben und den Alltag der Menschen stark beeinflusste und bestimmte. Kennzeichnend für die Epoche des Mittelalters, war der Aberglaube im Zusammenwirken mit der Kirche. Die Menschen steigerten sich bestärkt durch Kirche und Aberglaube von Hexenverfolgung bis hin zu Hexenverbrennung.

Durch den Einfluss des Aberglaubens wurde die Symbolhaftigkeit der Haare für die Menschen stark von diesen Vorstellungen gelenkt. Aus diesem Grunde wurden zum Beispiel die abgeschnittenen Haare sofort verbrannt, da die Menschen der Auffassung waren, dass diese in falsche Hände – wie einer rothaarigen Hexe - geraten könnten und man dadurch einem bösen Zauber verfallen würde. Haare sollen auch nur bei Vollmond geschnitten werden, da diese dann viel dichter und schneller wachsen.[17]

2.2.1 Verankerung des Aberglaubens in Märchen

Der besondere Glaube, an die zum Teil magische Kraft der Haare, findet sich signifikant in den Märchen. So in einem der Märchen der Brüder Grimm, wo „[d]rei goldene Haare von des Teufels Kopf“ [18] den Inhalt des Märchens ausmachen. Wiederum wird aus dieser Andeutung ersichtlich, dass der Teufel, in der Vorstellung der Menschen rote Haare haben muss.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4. Cinderella 21

Überhaupt sind Haare in Märchen ein Motiv für Handlungen. Die Haarfarbe, die Haarlänge – wie die lange, goldene Mähne bei

Rapunzel - und die Art, wie die Haare frisiert wurden, war von Bedeutung und sagte vieles über Protagonisten und deren [19] Charakter sowie deren Funktion im Märchen aus. Daher wurden Helden und Bösewichte oft durch die Haarfarbe gekennzeichnet und charakterisiert. So wird in den meisten Märchen die Hexe empirisch rothaarig oder schwarzhaarig, als hässlich, böse und grausam dargestellt. Die Prinzessinnen, die Heldinnen und Schönheiten (wie der Traum aller kleinen Mädchen Cinderella) haben meist jedoch blondes Haar, sind liebreizend und erfüllen eine Vorbildfunktion (siehe 5.4).

2.3 Symbolkraft der roten Haare und Assoziationen mit Rot

Um auf das Thema dieser Masterarbeit tiefer einzugehen und zu verdeutlichen, warum das rote Haar, entweder als Segen oder Fluch gesehen werden kann, ist es wichtig zu erkennen, welche Assoziationen, überhaupt die Menschen mit der roten Farbe entwickeln und welche Arten es von Assoziationen in Bezug auf die rote Farbe gibt. Somit soll nunmehr der Zusammenhang der roten Haarfarbe in Verbindung mit den Assoziationen hergestellt werden.

Dadurch soll veranschaulicht werden, dass rothaarige Menschen, von den Nicht- Rothaarigen in der Gesellschaft, je nach den positiven oder negativen Assoziationen bewertet und beurteilt werden. Aus diesem Grund konnte sich das entsprechende, stark vom Stereotyp behaftete Bild der Rothaarigen hervorgehen und sich entwickeln.

2.3.1 Zwei Pole der Assoziation

Wie mit der roten Farbe werden auch mit der roten Haarfarbe zwei Pole assoziiert, ein negativer und ein positiver. Das bedeutet, dass das Rot eine widersprüchliche und zweideutige Farbe an sich ist und somit etwas Besonderes. Überhaupt haben Assoziationen einen kulturellen und symbolischen Charakter.

Positive Assoziationen, die die Menschen mit Rot in Verbindung setzen, wären daher: Der Bezug zum Leben, also die Lebenskraft, denn das Blut das uns Menschen am Leben erhält, ist erwiesenermaßen rot. Auch die Gefühle und Leidenschaft sowie die Liebe, werden durch die rote Farbe dargestellt und mit Rot assoziiert. Ebenso verbinden die Menschen die Sonne und die dadurch entstehende, lebenspendende Wärme mit der roten Farbe. Überwiegend in Ländern, wo die Sommermonate kurz sind und der Winter sehr kalt, ist die rote Farbe sehr beliebt. Besonders für die Russen ist die Farbe Rot eine teure und wertvolle Farbe. Der Rote Platz in Moskau ist bekanntlich rot sowie die legendäre russische Rote Armee. Auch werden die jungen, hübschen Mädchen красная девица - rotes Mädchen gerufen. Desgleichen bezeichnen die Russen die Sonne als красное солнышко – die rote Sonne – und sagen der Sonne daher eine magische Kraft nach. Häufig auffindbar ist der Begriff красное солнышко in russischen Märchen und der russischen Folklore. So findet sich in epischen Liedern der folgende Satz: „Закатилось красное солнышко за горушки высокие, за моря широкие […].“[20]

[...]


[1] Balabanova, 1993, S. 72f.

[2] Vgl. Feichtinger, 2004, S.55.

[3] Vgl. Balabanova, 1993, S. 16.

[4] Vgl. Ebenda, S. 18.

[5] Abbildung modifiziert entnommen: Online im WWW unter URL:

http://cudaswiata.files.wordpress.com/2008/03/venus_of_brassempouy.jpg

[Letzter Abruf: 09. 01. 2011].

[6] Vgl. Balabanova, 1993, S. 11.

[7] Ebenda, S. 46.

[8] Ebenda, S. 50.

[9] Benz, 2006, S. 214.

[10] Balabanova, 1993, S. 48.

[11] Abbildung modifiziert entnommen: Online im WWW unter URL:
http://www.haarigeseite.de/hs/hist/hist_ro0.htm [Letzter Abruf: 01. 01. 2011].
14 Abbildung modifiziert entnommen: Online im WWW unter URL:
http://www.monete-romane.com/solido_f.jpg [Letzter Abruf: 01. 01. 2011].

[12] Abbildung modifiziert entnommen: Online im WWW unter URL:
http://www.monete-romane.com/solido_f.jpg [Letzter Abruf: 01. 12. 2008].

[13] Vgl. Giardina, Roberto, 1997, S. 27.

[14] Vgl. Balabanova, 1993, S. 57.

[15] Ebenda, S. 64.

[16] Vgl. Ebenda, 67ff.

[17] Rutkowski, 2004, S.102ff.

[18] Grimm, Jakob/ Grimm, Wilhelm, 2007, S.106.

[19] Abbildung modifiziert entnommen: Online im WWW unter URL:
http://disney-clipart.com/Cinderella/jpg/Disney-Cinderella-Letter.jpg
[Letzter Abruf: 09.01.2011].

[20] Jakobi, Nadzeya: Былина. Handout. In: Landeskurs aus der russischen Folklore. Wintersemester

2008/2009.

Details

Seiten
49
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640882786
ISBN (Buch)
9783640882724
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169793
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Stereotyp Stereotype Stereotypen rothaarig rote Haare Vorurteile

Autor

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Titel: Rote Haare. Fluch und Segen