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Staat - Macht und Herrschaft

Gesellschaftlicher Wandel

Hausarbeit 2010 20 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhalt:

1 Einleitung

2 Definitionen

3 Texte
3.1 Adam Smith (1723 – 1790)
3.2 Max Weber (1864 – 1920)
3.3 Ulrich Saxer (geb. 1931)
3.4 Justin Stagl (geb. 1941)

4 Vergleich

5 Literaturverzeichnis

5.1 Internetquellen

1 Einleitung

Die Themen Macht, Herrschaft, Massenkommunikation und Politik mit ihren vielfältigen Variationen betreffen unser alltägliches Leben und die Gesellschaft als Ganzes. Ob wir eine Anordnung unseres Arbeitgebers ausführen, eine politische Debatte im Fernsehen ansehen oder historische Gesellschaften betrachten, immer spielen Macht- und Herrschaftsverhältnisse eine Rolle. Ein weiterer wichtiger Themenbereich ist die gesellschaftliche Herausbildung der Massenkommunikation und ihre Institutionalisierung nicht nur als Informationsträgerin, sondern auch als Macht- und Herrschaftsmittel. Die Politikethnologie als sozialwissenschaftlicher Forschungsbereich beschäftigt sich mit politischen Organisationsformen primitiver Gesellschaften und somit auch mit der Entstehung von Macht- und Herrschaftsgefügen. Soziologisch stellt sich nicht nur die Frage, wie gesellschaftliche Ordnung möglich sei, sondern auch, ob eine Gesellschaft ohne Macht- und Herrschaftsverhältnisse denkbar wäre. Was bedeuten diese Paradigmen überhaupt? Wie haben sie sich entwickelt und wie äußern sie sich? Was bedeutet Massenkommunikation als gesellschaftliches Phänomen und wie bilden sich politische Strukturen in der Gesellschaft heraus? In dieser Arbeit werden solche Fragestellungen aufgegriffen und näher betrachtet. Als Basis dafür dienen vier Texte von Autoren verschiedener sozialwissenschaftlicher Richtungen. Es werden nicht nur die Texte näher vorgestellt, sondern diese auch kritisch hinterfragt und abschließend miteinander verglichen. Interessante Aspekte ergeben sich auch unter Berücksichtigung der Epoche, der sozialen Zeit in der diese Texte verfasst wurden, was an den Geburtsdaten der Autoren abzulesen ist.

2 Definitionen

Zunächst sollen hier die Begriffe Macht und Herrschaft näher definiert werden, um das Verständnis der nachfolgenden Texte zu erleichtern. „ Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“ (Weber 1984, S. 89). Nach Weber ist der Begriff „Macht“ soziologisch amorph, da alle möglichen Konstellationen jemanden in die Lage versetzten können, seinen Willen in einer gegebenen Situation durchzusetzen. Daher muss der „Herrschaft“-Begriff präziser formuliert werden und kann nur die Chance bedeuten, für einen Befehl Fügsamkeit zu finden (vgl. ebda).

3 Texte

3.1 Adam Smith (1723 – 1790)

Adam Smith war ein schottischer Moralphilosoph und gilt als Begründer der klassischen Volkswirtschaftslehre (vgl. IQ1). In seinem Hauptwerk „Untersuchung über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker“ beschrieb er die Entwicklung der Ökonomie auf Basis der Arbeitsteilung und wurde zum Vorreiter einer liberalen Wirtschaftstheorie. Der vorliegende Text ist ein Auszug aus diesem Werk und trägt die Überschrift „Die Ausgaben für die Rechtspflege“.

Darin beschreibt er als Pflicht des Herrschers bzw. der Herrscherin die Einrichtung einer verlässlichen Rechtspflege, um die Mitglieder der Gesellschaft vor Unrecht und Unterdrückung von Seiten jedes anderen zu schützen (vgl. Smith 2005, S. 688). Er vergleicht dabei historisch die Kulturen der ersten Gesellschaftsperiode, die Jägervölker und der zweiten Gesellschaftsperiode, der Hirtenvölker. Bei den Jägervölkern gibt es kaum Eigentum und daher nur selten regelmäßige Rechtspflege. Menschen, die kein Eigentum besitzen, können einander nur körperlich oder in der Ehre verletzen. Jedoch haben die Aggressoren keinen persönlichen Vorteil davon. Daher werden die meisten Menschen aus Klugheit davon Abstand nehmen. Gesellschaftliches Zusammenleben ist auch ohne eine „schützende“ Obrigkeit möglich. Persönliche Leidenschaften wie Neid, Bosheit und Rachsucht werden als die einzigen Faktoren für körperliche bzw. Ehrverletzungen angesehen (vgl. ebda). Anders sieht Smith die Eigentumsverletzungen. Bei diesen ist der Nutzen der Täter gleich groß, wie der Schaden der Opfer. Als Leidenschaften, die zu Eigentumsverletzungen führen, identifiziert Smith Habgier und Ehrgeiz bei den Reichen, Arbeitsscheu, Genuss und Hang zur Bequemlichkeit bei den Armen. Der Überfluss der Reichen erregt den Unwillen der Armen (vgl. ebda). Smith stellt eine bis heute wichtige, soziologische These auf: „Überall, wo es große Besitztümer gibt, herrscht große Ungleichheit“ (ebda). Erst der Erwerb von wertvollem und ausgedehntem Besitzes verlangt nach der Einrichtung eines Privatrechte sichernden Staates. Dies setzt eine gewisse Unterordnung voraus. Smith sieht vier Gründe für die Unterordnung bzw. für die Bevorzugung von Menschen: erstens der Vorzug persönlicher Gaben. Darunter fallen körperliche Gaben, wie Schönheit und Behändigkeit und/oder geistige Gaben, wie Weisheit, Klugheit und Gerechtigkeit, wobei nur die Geistesgaben ein großes Ansehen verleihen können. Jedoch sei keine Gesellschaft bereit, Regeln für Vorrechte, Rang und Unterordnung aufgrund dieser unsichtbaren Eigenschaften zu erstellen (vgl. ebda, S. 689). Zweitens der Vorzug des Alters. Ältere Personen genießen überall größeres Ansehen als jüngere, soweit sie nicht als senil zu betrachten sind. Unter Geschwistern hat stets der oder die Älteste Vorrang. Das Alter ist eine greifbare Eigenschaft, über die sich nicht streiten lässt (vgl. ebda). Drittens den Vorzug des Vermögens. Reichtum genießt auf jeder Stufe gesellschaftlicher Entwicklung großes Ansehen, besonders jedoch in primitiven Gesellschaften. Als Beispiel gibt Smith einen Tatarenhäuptling an, dessen große Viehherden tausend Menschen ernähren können. Dadurch werden diese Menschen von ihm abhängig und müssen im Krieg seinem Befehl gehorchen und im Frieden seinen Richterspruch anerkennen. Auch seine Häuptlingsstellung ergibt sich aus seinem großen Vermögen (vgl. ebda, S. 689f). Im Unterschied dazu kann eine Person in reichen und zivilisierten Gesellschaften ein viel größeres Vermögen besitzen, ohne deshalb Leute befehligen zu können, da diese ja ohnehin für alle seine Leistungen bezahlen und somit die Abhängigkeiten geringer sind. Bei Jagdvölkern können keine vermögensbezogenen Ungleichheiten eintreten, da allgemeine Armut allgemeine Gleichheit schafft. Somit sind die Vorzüge des Alters oder der persönlichen Eigenschaften die einzigen, schwachen Grundlagen von Macht- und Herrschaftsbildung. Die zweite Gesellschaftsperiode der Hirtenvölker lässt sehr große Vermögensunterschiede zu und begünstigt so die Bildung von Macht und Herrschaft (vgl. ebda, S. 690). Der vierte Grund für Unterordnung ist der Vorzug der Geburt. Dieser setzt von alters her bessere Vermögensverhältnisse in der Familie desjenigen bzw. derjenigen voraus, der bzw. die diesen Vorzug in Anspruch nimmt. Alter bedeutet bei einer Familie das Alter des Reichtums bzw. eine Größe, die auf Reichtum gründet. Die Größe von Emporkömmlingen gilt immer weniger als althergebrachte Größe (vgl. ebda). Somit „… gehorchen Menschen leicht einer Familie, der sie und ihre Vorfahren schon immer gehorcht haben, wären aber höchst empört, wenn eine andere Familie, der sie nie irgendeinen solchen Vorzug zugestanden hatten, sich die Herrschaft über sie anmaßte“ (ebda, S. 691). Da die Unterschiede bei der Geburt die Folge einer Ungleichheit der Vermögen sind, können sich diese bei den Jägervölkern nicht geltend machen. Dagegen sind Geburtsunterschiede bei den Hirtenvölkern an der Tagesordnung. Es gibt keine Völker mit mehr Familien, die wegen ihrer Abstammung von einer langen Reihe berühmter Vorfahren mehr geachtet und geehrt würden (vgl. ebda). In Geburt und Vermögen sieht Smith die zwei Hauptfaktoren, die einen Menschen über einen anderen stellen und somit Macht und Herrschaft begründen. Bei Hirtenvölkern wirken beide Faktoren mit voller Kraft. HerdenbesitzerInnen werden wegen ihres Reichtums, von dem viele Lebensunterhalte abhängen, geachtet und wegen ihrer edlen Abkunft und des großen Alters ihrer berühmten Familien verehrt. Durch die soziale Tatsache der Verfügungsgewalt über eine große Anzahl von Personen sind sie in der Lage nicht nur als KriegsherrIn aufzutreten, sondern auch ihrem Urteil als RichterIn Autorität zu verleihen und Verurteilte zur Wiedergutmachung des Schadens zu zwingen (vgl. ebda). Das Zeitalter der Hirtenvölker ermöglichte erstmals die Ungleichheit des Vermögens und ein Maß an Autorität und Unterordnung, das zuvor nicht existierte. Damit wurde ein Privatrechte sichernder Staat eingeführt, der für die gesellschaftliche Selbsterhaltung unerlässlich notwendig ist. Weniger reiche Leute vergesellschaften sich, um den Reicheren ihren Besitz und ihr Eigentum zu erhalten, damit sich auch die Reicheren zusammenschließen mögen, um den Besitz der weniger Reichen zu sichern. Somit entstand eine kleinadlige Schicht, die die eigene Autorität auf der Macht ihrer Herren und Herrinnen aufbaute (vgl. ebda, S. 692). Dazu Smith´s zentrale Aussage: „Soweit der Privatrechte sichernde Staat der Sicherung von Eigentum dient, dient er in Wirklichkeit dem Schutz der Reichen vor den Armen…“ (ebda). Die richterliche Gewalt von Herrschenden war auch lange Zeit hindurch eine Einnahmequelle für sie. Wer sein Recht suchte, war auch bereit dafür zu bezahlen, Gesuche wurden unfehlbar von Geschenken begleitet. Mit gefestigter Macht wurden Verurteilte gezwungen Geldbußen an die Herrschenden zu bezahlen (vgl. ebda).

Zentral an Smith´s in vorindustrieller Zeit geschriebenen und historisch kontextuiertem Text ist sowohl das soziologische Paradigma der Ungleichheit als auch die Erklärung der Entstehung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen aus der zweiten Gesellschaftsperiode, der Hirtenvölker im Gegensatz zu den Jagdvölkern der ersten Gesellschaftsperiode (vgl. ebda, S. 688ff). Als Legitimation von Macht erkennt Smith vier Gründe (persönliche Gaben, Alter, Vermögen und Geburt), wobei Geburt und Vermögen als Hauptfaktoren zur Ausbildung von Macht und daraus zur Herrschaft identifiziert werden (vgl. ebda. S. 689ff). Herrschaft sieht Smith nicht nur als institutionalisierte Macht, sondern auch als Einnahmequelle (vgl. ebda, S. 692). Sein Zielpublikum könnten vor allem gelehrte Menschen mit höherem kulturellen Kapital sein, seine Motivation möglicherweise die Erklärung. Unklar bleibt, warum Smith nicht näher auf die Herrschaftsstrukturen seiner aktuellen Zeit und sozialem Raum eingeht. Entsprechend der sozialen Zeit der Entstehung des Textes hat Smith auf gendergerechte Formulierungen keinen Wert gelegt (vgl. ebda, S. 688ff).

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Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640882052
ISBN (Buch)
9783640881963
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169778
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Schlagworte
Staat Gesellschaftlicher Wandel Debatten Soziologie Adam Smith Max Weber Ulrich Saxer Justin Stagl Macht Herrschaft Politik Medien

Autor

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Titel: Staat - Macht und Herrschaft