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Die Weimarer Republik und der Arbeitersport – Klassenkampf gegen das Bürgertum

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklungsgeschichte des Arbeitersportes

3 Die Weimarer Republik und der Arbeitssport
3.1 Fußball als Arbeitersport
3.2 Die Frankfurter Arbeiterolympiade
3.3 Die Wiener Arbeiterolympiade
3.4 Zerschlagung durch die Nationalsozialisten

4 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Der Arbeitersport war ein Teil der Arbeiterbewegung, die sich Zeit ihres Bestehens durch einen Kampf gegen das Bürgertum auszeichnete. Arbeiter hatten lange Zeit keine Möglichkeit in die Politik einzugreifen und eine Position zu gewinnen die es ihnen erlaubte auf ihr politisches Umfeld einzuwirken. Dieses änderte sich innerhalb der Weimarer Republik, welche den Übergang von monarchistischen Herrschaftsverhältnissen zu der ersten Demokratischen Regierungsform in Deutschland markierte. Diese gab erstmals auch Arbeitern politische Rechte und wirkte sich so auf den Arbeitersport aus, der innerhalb der Weimarer Republik seinen Höhepunkt erreichte.

Diese Hausarbeit gibt einen Überblick über die Entwicklung der Bewegung, die ihren Ursprung in der Zeit vor der Deutschen Revolution hatte, ihre Höhepunkte

mit den Arbeiterolympiaden setzte und ihr Ende in der Zerschlagung durch die Nationalsozialisten fand.

Es wird der Fragestellung nachgegangen inwiefern sich der Sport mit dem politischen Denken der Arbeiter verknüpfte. Ich stelle die These auf, dass der Sport und die Geselligkeit innerhalb der Vereine nicht nur der körperlichen Ertüchtigung, sondern auch der politischen Erziehung diente und Zeit seines Bestehens ein Kampf der Klassen war.

Ich werde die Entstehung des Arbeitersports am Ende des 19. Jahrhunderts und das Erscheinungsbild des Sports innerhalb der Weimarer Republik beschreiben und mich nach diesem allgemeinen Teil dem Fußball als Teil des Arbeitersports widmen. Anschließend gehe ich kurz auf die Höhepunkte des Arbeitersports innerhalb der Weimarer Republik ein, den Arbeiterolympiaden in Frankfurt von 1925 und in Wien von 1931. Zum Schluss beschreibe ich das Ende des Arbeitersports durch die Zerschlagung der Nationalsozialisten.

2 Entwicklungsgeschichte des Arbeitersportes

Der Arbeitersport war ein Teil der Arbeiterbewegung und so auch ein gesellschaftspolitischer Befreiungskampf des Proletariats gegenüber des Bürgertums. Die politische Ideologie war immer die des demokratischen Sozialismus und ergab sich aus der Notwendigkeit die Zustände innerhalb der Klassenlage zu verbessern.[1] So war der Sport letztendlich nur ein weiterer Ausdruck des Befreiungskampfes und hatte das Ziel politisch noch nicht aufgeklärte Arbeiter für einen Übertritt zur Arbeitersportbewegung zu begeistern und die Jugend politisch zu erziehen.[2]

Organisatorisch entstand der Arbeitersport 1893 mit der Gründung des „Freien Arbeiter – Turnerbundes Deutschland“ (ATB), reicht jedoch von seinen Wurzeln her in die Zeit vor der Deutschen Revolution von 1848 zurück. Zu diesem Zeitpunkt kämpften die Turner für ein demokratisches Deutschland gegen die Monarchie.

Von 1819 bis 1842 galt in Deutschland eine Turnsperre welche sich gegen eben diese Turner richtete und so demokratische Ansätze im Volk unterdrücken sollte. Nach Aufhebung dieser Turnsperre nahm die Zahl der Turnvereine welche eine demokratische Haltung beanspruchten rapide zu, und mit den Turnfesten von 1842 bis 1846 wurden deutliche Zeichen für einen demokratischen Freiheitswillen gesetzt.[3]

Im Jahr 1868 wurde die „Deutsche Turnerschaft“ (DT) gegründet, welcher sich zur ersten Massenorganisation im Bereich des Sports entwickelte und eng mit der Entstehung der industriellen Arbeiterschaft verbunden war. Die Arbeiter benutzten den Turnverein als Versammlungsort und zur ausgleichenden körperlichen Betätigung.[4]

Jedoch kam es durch die Bestimmungen der vom DT unterstützten Sozialistengesetze zur Abspaltung von Vereinen. Die rasch wachsende Industriearbeiterschaft sammelte sich in linksstehenden Vereinen, die zwar noch innerhalb des DT operierten und offiziell keine politische Ambitionen hegten, jedoch schon die Klassengegensätze verkörperten da sie oft illegale sozialdemokratische Aktivitäten unterstützten.[5]

Der Mitgründer der Turnerschaft, Ferdinand Goetz, sprach sich noch anfangs gegen die militante Denkweise der Fürstenhäuser aus. Nach Bismarcks „Einigung von oben“ allerdings avancierte er zu einem Befürworter der Flotte und des Heeres. Durch diese politischen Stellungsnahmen wurde der DT nach und nach zu einer staatstragenden Institution des wilhelminischen Deutschlands.[6]

Zeitgleich mit dem zunehmendem Kampf des DT gegen linksgerichtete Denkweisen gab es bereits die ersten Ansätze der Arbeiter zur Bildung eigener Turnabteilungen. Diese operierten im Rahmen von Arbeiter-Fortbildungsvereinen wie etwa der Turnabteilung des Leipziger Arbeiter-Fortbildungsvereins, waren also noch nicht selbstständig in ihrer Organisation.

Diese Absonderung vollzog sich bis zur Entstehung des ATB nach der Aufhebung der Sozialistengesetze.[7]

Den Anstoß zur Gründung des ATB gab schließlich die sozialdemokratische „Brandenburger Zeitung“, welche im Mai 1892 einen Artikel mit dem enthaltenen Aufruf zur Gründung eines „Märkischen Arbeiter-Turnerbundes“ veröffentlichte und dafür starken Zuspruch aus dem märkischen und sächsischen Raum erhielt. Nach einem Turntag in Berlin, zu dem Besucher aus Leipzig, Magdeburg, Wurzen, Gera und Verden erschienen, wurde eine Kommission mit der Ausrichtung eines allgemeinen Turntages in Gera zum 21. / 22.5.1893 beauftragt. Dieses Datum gilt als der Gründungstag des ATB und als der Beginn des organisierten Arbeitersportes.[8]

Die Gründung des ATB wurde von sozialdemokratischer Seite aus anfänglich nicht mit uneingeschränktem Wohlwollen aufgenommen da in ihm eine Konkurrenz angesehen wurde, die den Arbeiter von seinen innerparteilichen Aufgaben ablenken würde.[9] Dabei waren die Aufgaben des ATB, so zum Beispiel die Erziehung der Jugend nach sozialistischem Gedankengut, durchaus konform mit den politischen Zielen der Sozialdemokraten.

Nach einiger Zeit sahen Parteifunktionäre allerdings den positiven Nebeneffekt, so das auf dem Nürnberger Parteitag von 1908 sämtliche anwesenden Delegierten aufgefordert wurden samt ihrer Kinder aus dem DT auszutreten und zum ATB zu wechseln, da dieser mit seiner Ideologie gegen den Hurrapatriotismus des DT agierte.[10]

[...]


[1] Bernett, Hajo: Die Auseinandersetzung mit dem bürgerlichen Sport. In: Illustrierte Geschichte des Arbeitersports. Hrsg. v. Hans Joachim Teichler und Gerdhard Hauk, Berlin, Bonn 1987,S. 57

[2] Bernett, Auseinandersetzung,S. 57f.

[3] Timmermann, Heinz: Die Geschichte der Arbeitersportbewegung 1893-1933. Ahrensburg bei Hamburg 1973 (= Schriftenreihe für Sportwissenschaft und Sportpraxis 12).S.14.

[4] Teichler, Hans Joachim: „Nicht länger Reaktionären Gefolgschaft leisten“. In: Illustrierte Geschichte des Arbeitersports. Hrsg. v. Hans Joachim Teichler und Gerdhard Hauk, Berlin, Bonn 1987. S.17f.

[5] Timmermann,Arbeitersportbewegung,S.16.

[6] Timmermann, Arbeitersportbewegung, S.15.

[7] Timmermann, Arbeitersportbewegung, S.16.

[8] Timmermann, Arbeitersportbewegung, S.17.

[9] Timmermann, Arbeitersportbewegung, S.19.

[10] Timmermann, Arbeitersportbewegung, S.19.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640881123
ISBN (Buch)
9783640881215
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169728
Note
2,8
Schlagworte
Weimarer Republik Arbeitersport Bürgertum

Autor

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Titel: Die Weimarer Republik und der Arbeitersport – Klassenkampf gegen das Bürgertum