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Theodor W. Adorno - Theorie und Ansätze für Soziale Kulturarbeit

Studienarbeit 2011 25 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhalt

1. Ein kulturtheoretisches Verständnis nach Adorno

2. Adorno: Kurzbiographie und wichtigste Werke…

3. Ästhetik, Schönheit und Kulturindustrie (Textanalyse)

4. Musik und Soziologie - Der gesellschaftliche Auftrag der Kunst
4.1 Musiksoziologie nach Adorno
4.2 Typen musikalischen Verhaltens nach Adorno

5. Kritische Würdigung und Folgerungen
5.1 Kunst und Aufklärung
5.2 Die Frage der Ästhetik und der kulturellen Inklusion
5.3 Soziale Kulturarbeit als Alternative, Denkanstoß und Provokation

1. Ein kulturtheoretisches Verständnis nach Adorno

Fragestellungen nach inkludierender Kulturarbeit kommen nicht umhin, sich auch weitgehen- den theoretischen Aspekten zu widmen. Professionalität setzt eine vorangehende theoretische Einordnung des Handlungskonzeptes voraus. Anders ausgedrückt, geht es bei Projekten der Sozialen Kulturarbeit also darum, der entsprechenden Linie Hand und Fuß durch eine ent- sprechend durchdachte theoretische Basis zu verschaffen, so sie jedenfalls bestimmten An- sprüchen an Professionalität und Wissenschaftlichkeit genügen möchte. Ansatzpunkte bieten sich hierfür freilich viele. Im Felde der Kulturtheorien finden sich zahlreiche Möglichkeiten, ideologisch, theoretisch und vom Hintergrund her stark differenziert. Die hier vorliegende Arbeit möchte aufzeigen, inwiefern Theodor W. Adornos kulturtheoretische Ansichten eine tatsächlich praktikable Methode bieten können, ein differenziertes Verständnis von Kunst und Kultur zu ermöglichen. Adornos Thesen, so wird der Hauptkörper der Arbeit zu belegen ver- suchen, zeigen sich zunächst als eher schwierig praktikabel und scheinen einen elitären Kunstbegriff zu favorisieren1. Dennoch wird hier die Ansicht vertreten, Adorno eignet sich gerade deshalb für bestimmte Arten von Kulturprojekten, etwa, wenn die Ästhetik von Kunst sich gerade eben aus jenen Gründen der Anti-Haltung und Gesellschaftskritik mit Adornos Theorie vereint, ihn dabei jedoch freilich selbst einer gewissen Dialektik unterzieht.

Kunst die provoziert, die sich für manche Menschen als hässlich präsentiert und dennoch Adornos Kunstbegriff gleichzeitig widersprechen und genügen würde, dies ist auch Gegen- stand dieser Arbeit. Vorweg ist nun allerdings der Kulturbegriff genauer zu definieren, um eventuelle Missverständnisse zu vermeiden. Als Orientierung dient im Folgenden ein Kultur- begriff, der sich auf Kultur im Sinne von Kunst bezieht. Hansen (1995) bezeichnet diesen als ersten Kulturbegriff, einen Kulturbegriff der sich auf „ künstlerische und kreative Arbeit “ be- zieht, den sogenannten „ Kulturbetrieb “ 2. Was die Frage von Inklusion im Sinne sozialer Kul- turarbeit anbelangt, folgt also hieraus: Als inkludierend wird hier jene Form von sozialer Kul- turarbeit betrachtet, die aktive oder passive Teilnahme an künstlerischen Prozessen ermög- licht. Beispiele wären etwa das aktive Musizieren auf einem Konzert, sowie auch der Besuch und damit der passive Konsum von Kunst.

Um die Fragestellung, was Adornos Kulturtheorie hierzu beitragen kann, zu beleuchten, scheint vorerst eine genauere Betrachtung der Person Theodor W. Adorno von Interesse. Im Folgenden soll daher kurz auf das Leben und Schaffen des Philosophen und Soziologen eingegangen werden.

2. Adorno: Kurzbiographie und wichtigste Werke

Theodor W. Adorno wurde am 11.09.1903 in Frankfurt am Main als Theodor Ludwig- Wiesengrund Adorno geboren. In seiner Person trafen sich von Anfang an unterschiedliche Kulturen. Die Mutter war korsisch, italienischer Herkunft, der Vater ein liberal geprägter Weingroßhändler mit jüdischen Wurzeln, der sich später zum Christentum bekannte. Adorno selbst wurde katholisch getauft, konvertierte jedoch unter dem Einfluss seines Religionsleh- rers später zum Protestantismus. Durch den Eindruck des Holocausts gewann Adorno später außerdem ein engeres Verhältnis zum Judentum, also seinen väterlichen Wurzeln. Dennoch wählte er schließlich den Namen Adorno und verkürzte das väterliche Wiesengrund durch ein „W.“3.

Bereits sehr früh wurde Theodor W. Adorno musikalisch geschult, nicht zuletzt durch seine Tante. Diese war Sängerin und Pianistin und lebte im Haus der Familie. Adorno nahm die Musik stets besonders ernst, erlernte das vierhändige Klavierspiel und äußerte bereits als Ju- gendlicher den Wunsch, Musiker zu werden. Unter anderem nahm er bei Bernhard Sekles Unterricht in Kompositionslehre und war Schüler des Hoch’schen Konservatoriums. Einen weiteren bedeutenden Einfluss dieser Zeit übte auch Siegfried Kracauer auf Wiesengrund- Adorno aus, mit dem er unter anderem Kants „Kritik der reinen Vernunft“ las. Ein Werk, das Adorno entscheidend prägte. Bereits früh formte sich so das Selbstbild eines jungen Intellek- tuellen mit Hang zu Provokationen, der sich auch zu einem latenten Snobismus bekannte. Von Seiten Dritter wurde ihm nicht selten Neid und auch Antisemitismus entgegengebracht. Erfahrungen, die Adorno unter anderem später in Minima Moralia verarbeitete4.

1920 übersprang der hochbegabte Adorno eine Klasse am Kaiser Wilhelm Gymnasium in Frankfurt und erlangte bereits 1921 seine Reifeprüfung. Sein Abiturzeugnis enthielt den Zu- satz „primus omnium“ (früher: Bezeichnung für den besten Abiturienten eines Jahrgangs). Am 18. April immatrikulierte er sich schließlich an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in den Fächern Philosophie, Psychologie und Soziologie, womit die Entscheidung über seinen späteren Lebensweg und akademischen Werdegang im Wesentlichen gefallen war. Darüber hinaus belegte Adorno Veranstaltungen in den Bereichen Kunsthistorik und Musikwissen- schaft. Adorno verbrachte in Frankfurt insgesamt sieben Semester und schloss sein Studium außerordentlich zügig mit seiner Dissertation über Edmund Husserl „summa cum laude“ (mituszeichnung) ab. Weiter folgte ein Aufbaustudium in Komposition in Wien. Bereits wäh- rend seiner Studienzeit publizierte Adorno eine Vielzahl an Musikkritiken5. 1926 kehrte Adorno schließlich nach Frankfurt zurück und blieb dort bis 1934. Er nahm zu dieser Zeit auch seine erste Lehrtätigkeit auf und arbeitete als Privatdozent. Dies tat er bis 1933. Bedingt durch die jüdischen Wurzeln des Vaters, wurde ihm von den Nationalsozialis- ten schließlich die Erlaubnis für seine Lehrtätigkeit entzogen. In Folge dieser Ereignisse emi- grierte Adorno schließlich zunächst nach Oxford und 1937 in die USA, wo er in New York am Horkheimers Institute for Social Research eine Anstellung fand. Seine Frau Margarete Adorno geb. Karplus lernte er 1923 in Frankfurt kennen und heiratete sie im Jahr 1937 in London. Auch in Los Angeles arbeitete Adorno weiterhin eng mit Horkheimer zusammen, unter anderem unter Mitwirkung seiner Frau. Es folgte eine Vielzahl an Arbeiten, vor allem auch immer wieder mit den Hintergründen Holocaust, Antisemitismus etc.6. Im Jahr 1949 kehrte Adorno schließlich nach Deutschland zurück. Horkheimer und er widme- ten sich vor allem dem Wiederaufbau des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt. Weiter war er an der Universität in den Fächern Philosophie und Soziologie lehrend tätig. Adorno prägte den Begriff Positivismusstreit entscheidend mit. Neben Horkheimer war für ihn vor allem auch Walter Benjamin von großer Bedeutung. Seinen wohl entschiedensten philosophi- schen Gegner fand er in Martin Heidegger. Vor allem das zwiespältige Verhältnis zu seinen Studenten prägte die letzten Jahre von Adornos Leben. Er wurde zunehmend in eine Vielzahl an Konflikten - bedingt durch die Stu- dentenbewegung - hineingezogen. Unter anderem entstand so die Gruppe APO (Außerparla- mentarische Opposition), die sich nach dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg durch eine Polizeikugel zu radikalisieren begann. Auch Adornos Studenten formierten sich dort und for- derten Taten statt Worte. Dies war der entscheidende Unterschied zwischen Adorno selbst und seinen Studenten. Er selbst kritisierte politische Entscheidungen wie etwa die damals ge- planten Notstandsgesetze, lehnte jedoch radikale bzw. gewaltsame Revolutionsgedanken ab. Auch die Sympathien seiner Studenten für kommunistische Diktatoren wie etwa Mao Zedong zogen weitere Gräben. Die Lehrer und ehemaligen Idole der Studentenbewegung - wie z.B. Adorno - sahen sich vermehrt Vorwürfen ausgesetzt, sie seien gemäßigt bis konterrevolutio- när und reaktionär. Adornos Vorlesungen wurden daraufhin wiederholt durch studentische Aktionen gestört, seine Lehrtätigkeit für ihn somit immer schwieriger bis unmöglich. 1969 sah er sich schließlich dazu gezwungen, diese einzustellen. Letzter Auslöser waren Studenten, ) die unbefugt in das Institut für Sozialforschung eingedrungen waren und schließlich von Adorno und Friedeburg - den beiden Direktoren - angezeigt wurden. Adorno als entschiedener Gegner des Polizei- und Überwach]ungsstaates konnte diesen Bruch mit sich selbst nicht verkraften. Er verstarb in seinem darauf folgenden Sommerurlaub am 6. August 1969 in Visp in der Schweiz an einem Herzinfarkt7. Wichtigste Werke8:

- Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen (1933)
- Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente (mit Horkheimer) (1947)
- Philosophie der neuen Musik (1949)
- Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben (1951)
- Studien über Husserl und die phänomenologischen Antinomien (1956)
- Einleitung in die Musiksoziologie. Zwölf theoretische Vorlesungen (1962)
- Drei Studien zu Hegel. Neun kritische Modelle (1963)
- Noten zur Literatur I-IV (1958)
- Jargon der Eigentlichkeit (1965)
- Negative Dialektik (1967)
- 1970 - Ästhetische Theorie (1970, postum)
- Soziologische Schriften (1971, postum)

[...]


1 Vgl. hierzu z.B. Adornos Ausfuhrungen betreffend „hoherer bzw. ernster" Musik und Jazz (Typus des Jazz Horers) (Adorno, 1975, S. 27-28). Auch Adornos Ausfuhrungen zum Typus des Unterhaltungshorers und zur Trennung hoher und niederer Kunst untermauern diese These (Adorno, 1975, S. 28-32, S. 33).

2 Vgl. Hansen, 1995,S. 9.

3 Vgl. Muller-Doohm, 2003, S. 1-112.

4 Vgl. Muller-Doohm, 2003, S. 1-112.

5 Vgl. Muller-Doohm, 2003, S. 1-112.

6 Vgl. Muller-Doohm, 2003, S. 257-474.

7 Vgl. Muller-Doohm, 2003, S. 493-729.

8 Vgl. Didszuns, o.J..

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640880720
ISBN (Buch)
9783640880799
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169646
Institution / Hochschule
Fachhochschule Regensburg – Fakultät für Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Adorno Soziale Arbeit Sozialpädagogik Sozialarbeit Soziologie Soziale Kulturarbeit Inklusion Diversifizierung Exklusion

Autor

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