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Anorexia nervosa bei Kindern und Jugendlichen

Entstehung - pädagogische Alltagsgestaltung - Rückfallprophylaxe

Diplomarbeit 2008 120 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Krankheitsbild „Anorexia nervosa“
2.1 Klassifikationssysteme und Diagnosekriterien
2.2 Körperliche Komplikationen und Folgeschäden
2.3 Ätiologie
2.4 Epidemiologische Daten

3 Die Lebenswelt der betroffenen Kinder und Jugendlichen
3.1 Elterliche Wertevorstellungen und die damit verbundene Rollenverteilungen
3.2 Das familiäre Klima
3.3 Verhaltensmuster von Müttern magersüchtiger Kinder
3.4 Verhaltensmuster seitens der Väter von magersüchtigen Kindern
3.5 Das Erleben und Verhalten der betroffenen Kinder und Jugendlichen

4 Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene
4.1 Die ambulante Therapie
4.2 Die stationäre Therapie
4.3 Die teilstationäre Therapie
4.4 Methoden der Psychotherapie

5 Heilpädagogische Behandlung anorektischer Mädchen im Gruppenalltag
5.1 Exemplarische Darstellung des Krankheitsbildes anhand von Sandra
5.2 Die therapeutische Behandlung der Anorexie in einer heilpädagogischen Wohngruppe
5.3 Eltern- und Familienarbeit in der Heimerziehung

6 Orientierungshilfen für Eltern im Sinne einer Rückfallprophylaxe
6.1 Verarbeitung der Schuldfrage
6.2 Erschaffung von Rahmenbedingungen
6.3 Grenzen setzen
6.4 Verbesserung der Kommunikation und der Beziehungsgestaltung

7 Präventive Interventionen von Essstörungen
7.1 Gesundheitsförderung und Prävention
7.2 Die Primärprävention
7.3 Die Sekundärprävention
7.4 Die Tertiärprävention

8 Gesundheitlicher Bildungsauftrag der Schule
8.1 Gesundheitserziehung und Schulkultur
8.2 Der Auftrag des Lehrers im Hinblick auf das Störungsbild „Anorexia nervosa“
8.3 Gesprächsleitfaden für Lehrer und Lehrerinnen
8.4 Der Auftrag des Lehrers an einer Schule für Erziehungshilfe

9 Professionelle Haltung als Sozialpädagoge in der Arbeit mit magersüchtigen Kindern
9.1 Die Kompetenzen in der Dimension des Könnens
9.2 Die Kompetenzen in der Dimension des Wissens
9.3 Die Kompetenzen in der Dimension der beruflichen Haltung

10 Ausblick

11 Literatur- und Quellenverzeichnis
11.1 Literaturverzeichnis
11.2 Gesetzbücher
11.3 Internetadressen

12 Anhang

Abbildungsverzeichnis

2-1 Das Spektrum anorektischer und bulimischer Störungen

2-2 Körperliche Schäden bei Magersucht (Pauli 2006, 22)

2-3 Ätiologisches Modell des Essstörung (Steinhausen 2006, 225)

4-1 Stationäres Behandlungsschema (Knölker 2007, 325)

8-1 Gesundheitsbildende Maßnahmen im Schulumfeld (Stier 2002, 40)

9-1 Arbeitsbeziehung Sozialpädagogin-Klient (Bosshard 1999, 298)

1 Einleitung

Anorexie…

…du bist meine Geisel

…du hältst mich gefangen

…du erlegst mir Zwänge auf

…du zehrst meinen Körper aus

…du wäschst mein Gehirn

…du beeinflusst meinen Tagesablauf

…du gibst dir Mühe, dass sich alles um dich dreht

…du Egoistin!

(Gedicht einer Magersüchtigen)

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an chronischen Erkrankungen, was deutlich durch die Medien thematisiert wird. Das Verständnis der Bevölkerung beschränkt sich in diesem Zusammenhang vor allem auf Krankheitsbilder wie Neurodermitis, verschiedene Allergien, Hyperaktivität oder aggressive Verhaltensweisen. Kaum jemand verschwendet einen Gedanken an Essstörungen wie die Magersucht. Doch die „KIGGS“ – Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit verdeutlicht, dass jedes dritte Mädchen an einer Essstörung erkrankt (vgl. Bergische Landeszeitung 2007, 1).

Diese Erfahrung machte ich ebenfalls während meines Praxissemesters in einem heilpädagogisch-therapeutischen Zentrum für Kinder und Jugendliche, in dem ich zum ersten Mal mit der Anorexie im Kindes- und Jugendalter in Berührung kam. Während dieser Tätigkeit wurde mir vor Augen geführt, dass bereits im frühen Alter Themen wie das Aussehen und Diäten in das Zentrum der kindlichen Aufmerksamkeit rücken und stetig an Bedeutung gewinnen. Die Vorstellungen des übertriebenen Schönheitsideals „überschlank“ zu sein, lassen sich bereits in den Köpfen der Kinder und Jugendlichen wiederfinden. Alltäglich wird man mit erfolgversprechenden „Super-Diäten“ und Gesundheitsempfehlungen konfrontiert. In der heutigen Zeit, in der das Gesundheitsbewusstsein mehr denn je in den Vordergrund rückt und Diäten allmächtig und präsent sind, werden sie als völlig normal empfunden. Dies erweckt in der Gesellschaft (meiner Person nicht ausgeschlossen) zunehmend den Anschein, dass die ausgiebige Auseinandersetzung junger Mädchen mit Nahrung und Kalorien nichts weiter als eine Modeerscheinung unter Jugendlichen sei und folglich nicht weiter besorgniserregend ist. Doch durch den gewonnenen Einblick in das Verhalten und Erleben der Mädchen, wurde mir bewusst, dass der Wahn um das Schlanksein vermehrt zur Krankheit lanciert. Eine mit Vernunft beginnende Diät kann schnell zur krankhaften Einbahnstraße werden, wenn sie in Unvernunft umschlägt. Sind die Mädchen einmal in die fatale Spirale der Magersucht geraten, versucht diese die Betroffenen mit „Haut und Haar“ in Besitz zunehmen und alles zu zerstören, was es in deren Leben außer der Essstörung gibt. Dies nimmt seinen Lauf, bis sich die jungen Mädchen buchstäblich zu Tode gehungert haben. Selbst eine Einweisung und Behandlung in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie garantiert keinesfalls eine vollkommene Heilung. Vielmehr liegt dort die oberste Priorität auf der Gewichtserhöhung bzw. -stabilisierung und weniger auf tiefgreifenden Verhaltensänderungen. Während meiner Arbeit mit den magersüchtigen Mädchen kristallisierte sich allerdings schnell heraus, dass gerade diese Verhaltensänderungen ausschlaggebend sind, um positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung einzuwirken.

Infolgedessen stellte ich mir die Frage, wie und mit welchen Mitteln man den magersüchtigen Mädchen entgegentreten soll, um Rückfälle möglichst auszuschließen. Die vorliegende Arbeit beleuchtet somit das Thema „Anorexia nervosa bei Kindern und Jugendlichen – Entstehung – pädagogische Alltagsgestaltung – Rückfallprophylaxe“ und soll somit einen hilfreichen Beitrag zu dieser Fragestellung liefern. So liegt ein Schwerpunkt vor allem auf den unterschiedlichen Entstehungsbedingungen, deren Analysen ausschlaggebend sind, um Veränderungen herbeizuführen. Aufgrund der Basis der dargestellten pädagogischen Alltagsgestaltung sollen Orientierungshilfen im Sinne einer Rückfallprophylaxe aufgezeigt werden.

Als Grundlage und zum besseren Verständnis werde ich in Kapitel 2 auf das Krankheitsbild der „Anorexia nervosa“ eingehen. Dies umfasst zum einem die vorherrschenden Klassifikationssysteme und Diagnosekriterien, aber auch prädisponierende Faktoren. Fakt ist, dass die anorektischen Mädchen so lange wie möglich ihre Symptome wie etwas ganz Persönliches und Intimes vor anderen versuchen zu verheimlichen und verleugnen. Gerade diese Verharmlosungstendenz macht die Anorexie zu einer sehr gefährlichen Erkrankung. Demzufolge soll zu Beginn allgemein über das Störungsbild, dessen medizinischen Folgen und die Lebenswelt der betroffenen Kinder berichtet werden.

Darauf basierend sollen die allgemeingültigen Therapieverfahren dargestellt werden, wobei explizit auf die Behandlung und Förderung an Anorexie erkrankter Mädchen in einer heilpädagogischen Wohngruppe eingegangen wird. Anhand einer Auflistung der unterschiedlichen Behandlungsbausteine, die in der Heimunterbringung angeboten werden, sollen mögliche Orientierungshilfen für die Eltern im Sinne einer Rückfallprophylaxe abgeleitet werden.

Gestützt auf die epidemiologischen Daten, die zeigen, dass die Vorläufer einer Magersucht bereits in der Kindheit zu finden sind, widmet sich die Arbeit in den letzten Kapiteln der Präventionsarbeit. Diese schließt ebenfalls den gesundheitlichen Bildungsauftrag der Schule mit ein. Denn dass die Institution Schule neben der Familie einen beträchtlichen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten der Kinder ausüben kann, soll in dieser Arbeit demonstriert werden.

Auf dem Hintergrund basierend, dass Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagogen einen wesentlichen Beitrag in der therapeutischen Arbeit mit diesen Mädchen beitragen können, sollen abschließend deren erforderlichen Kompetenzen dargestellt werden. Um mit den Magersüchtigen gemeinsam einen Weg aus dem Teufelskreis der Anorexie zu finden und zu gehen, sind unterschiedliche Kompetenzen in den Dimensionen des Könnens, des Wissens und der beruflichen Haltung erforderlich, die thematisiert werden sollen.

Im Rahmen meiner synoptischen Arbeit beschränke ich mich auf die Darstellung weiblicher an Anorexie erkrankter Kinder und Jugendlicher. Dies liegt im Besonderen daran, dass die Krankheit überwiegend eine weibliche Erscheinung darstellt und daher die Auswahl der Literatur über männliche Magersüchtige gering ist. Zusätzlich berufe ich mich in dieser Arbeit neben der Literatur auf Erfahrungen, die ich während meines Praxissemesters in Bezug auf diese Klientel sammeln konnte. Des Weiteren wird aus stilistischen Gründen auf die explizite Erwähnung des weiblichen Geschlechts verzichtet. Wenn in dieser Arbeit von Lehrern oder Sozialpädagogen die Rede ist, dann ist ebenso die weibliche Form Lehrerin oder Sozialpädagogin damit gemeint.

2 Das Krankheitsbild „Anorexia nervosa“

2.1 Klassifikationssysteme und Diagnosekriterien

„Anorexia nervosa“ ist ein geläufiger, weltweit bekannter Begriff. Aber was sich detailliert dahinter verbirgt, in welchen Erscheinungsformen die Erkrankung auftritt und welche Ausmaße deren Auswirkungen haben, ist für einen Großteil der Bevölkerung kaum bekannt und vorstellbar.

Der Fachterminus stammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „nervöse Appetitlosigkeit“, was zu Verwirrung führen kann. Im Zweifelsfall wäre eher der Begriff der Selbstaushungerung angebracht. Denn magersüchtige Mädchen und heranwachsende Frauen leiden weniger an mangelndem Appetit. Im Gegenteil, sie leiden ständig unter Hungergefühlen, versuchen diese jedoch durch vielfältige Methoden zu unterdrücken (vgl. Vandereycken/ Meermann 2000, 17). Doch auch der geläufige Begriff der Magersucht bzw. Pubertätsmagersucht hat seine Tücken. Die Anorexie darf keinesfalls mit einer stoffgebundenen Sucht wie der Drogensucht gleichgestellt werden. Zwar können einige Verhaltensweisen einen suchtartigen Charakter annehmen und bestimmte Folgeerscheinungen wie z.B. der Kontrollverlust auftreten. Dennoch können ebenso gut völlig kontroverse Symptome wie Zwangssymptome oder depressive Symptome identifiziert werden (vgl. Franke 1994, 16).

Um bei Kindern und Jugendlichen eine Anorexie diagnostizieren zu können, müssen bestimmte Diagnosekriterien vorliegen. Hierbei haben sich das ICD–10 (internationale Klassifikation der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation) und das DSM–IV (diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen) als verbindliche Klassifikationssysteme herauskristallisiert. Diese werden ebenfalls bei einer Anorexie der erwachsenen Form angewendet und unterscheiden sich nicht.

Das Störungsbild der Magersucht findet sich im ICD in der Gruppe F 50.0, Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren, wieder (vgl. Schwarzer 2004, 211). Folgende Kriterien sind ausschlaggebend für eine Diagnosebildung und sehen wie folgt aus:

- „Das Körpergewicht liegt mindestens 15% unter dem erwarteten Gewicht, wobei entweder ein Gewichtsverlust herbeigeführt worden ist oder das altersgemäße Gewicht nie erreicht wurde. Eine andere Berechnungsformel für das niedrige Körpergewicht geht von dem Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße aus. Dieser sogenannte Body-Mass-Index (BMI = kg/m²) erreicht bei Patienten mit einer Anorexie den Wert von 17,5 oder weniger. Allerdings ist dieser Schwellenwert erst ab dem Alter von ca. 17 Jahren verwendbar. Für jüngere Patienten ist es sinnvoll, den Schwellenwert bei den dritten oder fünften, jeweils für das Alter und Geschlecht gültigen BMI – Perzentile anzusetzen. Die Perzentile werden auf der Basis von Erhebungen in der Bevölkerung gewonnen und geben an, welche Werte der BMI auf den jeweiligen Altersstufen für 3% bzw. 5% der Bevölkerung mit dem niedrigsten Gewicht einnimmt. Bei sehr jungen Patienten in der Vorpubertät kann das niedrige Körpergewicht nicht durch einen Gewichtsverlust, sondern durch eine unterbliebene Gewichtszunahme während der Wachstumsperiode bedingt sein.

- Der eingetretene Gewichtsverlust ist durch die Patienten selbst herbeigeführt, wobei folgende Mittel eingesetzt werden:

a) Diät mit Vermeidung vor allem hochkalorischer Speisen sowie eine oder mehrere der folgenden Möglichkeiten:
b) selbst herbeigeführtes Erbrechen,
c) selbst herbeigeführtes Abführen,
d) übertriebene körperliche Aktivitäten,
e) Gebrauch von Appetitzüglern und/oder harntreibenden Mitteln (Diuretika).

- Eine ausgeprägte Wahrnehmungsverzerrung des eigenen Körpers - wobei die tatsächliche Abmagerung nicht als solche erlebt wird - in Verbindung mit der Angst, zu dick zu werden. Diese Angst ist tief verwurzelt und bestimmt das gesamte Verhalten. Die Patienten legen sich ein sehr niedriges Gewicht fest.
- Eine Störung der Regulation der Hormone im Wechselspiel zwischen den steuernden Hirnzentren und den abhängigen Organen. Bei Mädchen und Frauen äußert sie sich nach dem Beginn der Menstruation durch das Ausbleiben der Monatsblutungen. Die Produktion anderer Hormone (Wachstums-, Nebennierenrinden-, Schilddrüsenhormone, Insulin) ist ebenfalls gestört.
- Beginnt die Anorexie bereits vor der Pubertät, so ist die Abfolge der pubertären Entwicklungsschritte verzögert oder gehemmt. Es kommt zu einem Wachstumsstopp, fehlender Brustentwicklung und dem Ausbleiben der Menstruation bei Mädchen. Bei den selten betroffenen Jungen bleiben die Geschlechtsmerkmale kindlich.“

(Steinhausen 2004, 75- 76)

Die „Anorexia nervosa“ findet sich im DSM-IV unter der Nummer 307.1 wieder und verwendet hingegen folgende Merkmale:

- „Weigerung, das Minimum des für Alter und Körpergröße normalen Körpergewichts zu halten.
- Ausgeprägte Ängste vor einer Gewichtszunahme oder vor dem Dickwerden - trotz bestehenden Untergewichts.
- Störung in der Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichts, übertriebener Einfluss des Körpergewichts oder der Figur auf die Selbstbewertung oder Leugnen des Schweregrades des gegenwärtigen geringen Körpergewichts.
- Bei postmenarchalen Frauen das Vorliegen einer Amenorrhoe.“

(Comer 2001,284)

Trotz beidseitiger Annäherungen der Klassifikationssysteme bestehen geringe Unterschiede. So z.B. in den vorliegenden Spezifizierungen dieses Krankheitsbildes. Das ICD-10 unterscheidet somit nochmals die Magersucht ohne aktive Maßnahmen (F 50.00) und die mit aktiven Maßnahmen (F 50.01) zur Gewichtsreduktion, sowie die atypische Anorexie (F 50.1), bei der ein oder mehrere der zuvor angeführten Merkmale fehlen. Das DSM-IV differenziert hingegen zwischen dem restriktiven Typ, wobei es zu keinen Heißhungeranfällen oder Maßnahmen zur Gewichtsreduktion kommt, was bei dem bulimischen Typ regelmäßig der Fall ist (vgl. Steinhausen 2006, 222).

In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass die Störungsbilder „Anorexia nervosa“ und „Bulimia nervosa“ eng zusammenhängend betrachtet werden sollten. Dementsprechend sind die Grenzen dieser Störungen in einigen Fällen nicht immer klar definierbar, wie die folgende Grafik verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2-1 Das Spektrum anorektischer und bulimischer Störungen

(Steinhausen 2006, 222)

Nicht wenige Essgestörte schlittern im Laufe der Zeit von einer Essstörung in die nächste, wobei mehr Magersüchtige bulimisch werden.

Bei einem frühen Krankheitsbeginn ist besondere Vorsicht geboten. Denn in diesem Kontext besteht, wie bereits in ICD-10 aufgelistet, die Gefahr, dass es zu Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen kommen kann. Demzufolge liegt die schwierige Aufgabe der Ärzte darin, trotz vorhandener und geläufiger Klassifikationssysteme, vorerst eine Essstörung in Betracht zu ziehen und das Thema bei den Betroffenen sensibel anzusprechen. Denn nur so kann eine Magersucht frühzeitig behandelt und therapiert werden. Die jungen anorektischen Patientinnen sind überwiegend sehr geschickt in Bezug auf Verleugnung, Vertuschung und Verschweigung ihrer Krankheit (vgl. Gerlinghoff/ Backmund 2005, 17). Hilfreich sind hier oftmals Informationen von Familienangehörigen bzw. wichtigen Bezugspersonen. Ebenso „muss eine vollständige Diagnose die Entwicklung von Gewicht, Menstruation, Essverhalten, Aktivität und Methoden der Gewichtsreduktion erfassen.“ (Steinhausen 2006, 224)

2.2 Körperliche Komplikationen und Folgeschäden

„Alles war so hoffnungslos und ausweglos. Der einzige Triumph, den ich hatte, war mein Hungern. Es war die Macht, die Gewalt, die Beherrschung über meinen Körper. Es machte mir richtig Spaß, mich zu quälen, meinen Körper zu spüren, das Brennen, die Leere im Inneren, den Hunger.“ (Gerlinghoff 2003, 23)

Magersüchtige machen sich selbst zu einem Hungerkünstler. Sie haben den Wunsch, aus ihrem Körper ein Kunstwerk zu erschaffen, ihn nach eigenen Vorstellungen zu modellieren, ihn zu kontrollieren und über seine Bedürfnisse, sein Verlangen zu verfügen. In welchem Ausmaß der eigene Körper darunter leidet und welche Folgen daraus resultieren, wird hingegen verdrängt. Die somatischen Symptome dieser Erkrankung sind sichtbar die Äuffälligsten (vgl. Huber/ Kraemer 2007, 71). Indem dem Körper jegliche Nahrung und damit Energie entzogen wird, ist er ganzheitlich davon betroffen, so dass es zu Mangelerscheinungen und den daraus resultierenden Folgeschäden kommt (vgl. Pauli/ Steinhauser 2006, 21). „Es gilt als gesichert, dass zahlreiche Veränderungen der hormonellen Regulationen des Neurotransmittersystems eine Folge und nicht die Ursache einer Anorexia nervosa [...]“ sind (Huber/ Kraemer 2007, 69).

Eine Anorexie in der Präpubertät bzw. in der Pubertät mit ihren somatischen Folgeschäden ist nochmals gravierender bzw. lebensbedrohlicher. Der kindliche Organismus befindet sich in seiner vollen Entwicklungsphase, sowie sind die Fettmassen signifikant geringer, dementsprechend der Körper weniger belastbar (vgl. DHS 2004, 35). Dennoch sind die körperlichen Komplikationen ähnlich wie bei erwachsenen Anorektikern. Die anführende Grafik soll die vielfältigen Schäden verdeutlichen, die daraufhin genauer erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2-2 Körperliche Schäden bei Magersucht (Pauli 2006, 22)

Das für Außenstehende deutlichste Symptom ist aller Wahrscheinlichkeit nach der gravierende Gewichtsverlust. Dieser hat u.a. zur Folge, dass es durch die eingeschränkte Nahrungszufuhr zu Hormonstörungen kommt. Dies äußert sich zum einen in der Präpubertät durch das vollständige Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe), bei Jugendlichen setzt die Regelblutung in vielen Fällen aus (vgl. Pauli/ Steinhausen 2006, 23). Aufgrund des geringen Körperfetts veranlasst der Körper eine Art Notabschaltung, so dass eine Schwangerschaft erst gar nicht in Betracht kommen kann (vgl. Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 79). Zum anderen können die Hormonstörungen zu Osteoporose führen. Falls der Körper an Vitaminmangel leidet bzw. die Kalziumzufuhr gering ist, stagniert der Knochenaufbau. Dieser Zustand kann auch nach Heilung einer Magersucht bestehen bleiben, so dass die ursprüngliche Knochendichte nicht immer vollständig wiederhergestellt wird. Die Störungen des Hormonhaushaltes haben ebenfalls Auswirkungen auf das Wachstum. Es tritt sozusagen ein Stillstand der somatischen Entwicklung ein, wobei sowohl die Körpergröße als auch die inneren Organe davon betroffen sein können (vgl. Pauli/ Steinhauser 2006, 23).

Ebenfalls charakteristisch für dieses Störungsbild sind die Folgeerkrankungen im Magen- und Darmbereich. Es kann zur Darmträgheit, Verstopfung (Obstipation), aber auch zu Blähungen und starken Gefühlen von Sättigung kommen. Diese Symptome können die Betroffenen dazu veranlassen, die Nahrungszufuhr erneut einzuschränken bzw. Abführmittel einzunehmen, um die Gewichtsreduktion zu erhöhen (vgl. Pauli/ Steinhauser 2006, 23).

Die Nahrungszufuhr dient jedem Menschen dazu, verbrauchte Energie wiederherzustellen und die Reserven des Körpers zu füllen. Dieses Phänomen ist bei anorektischen Patientinnen weniger zu verzeichnen. „Der unterernährte Körper von Menschen mit einer Magersucht versucht Energie zu sparen, indem das gesamte Kreislaufsystem heruntergefahren wird.“ (Pauli/ Steinhauser 2006, 21) Lebensbedrohliche Folgen dieses Mechanismus äußern sich in der Verlangsamung des Herzschlages, in Kreislaufstörungen, einem niedrigen Blutdruck sowie in Stoffwechselstörungen (vgl. Pauli/ Steinhauser 2006, 21). Indem der Stoffwechsel auf das Minimum reduziert wird, sinkt automatisch die Körpertemperatur. Das erklärt, warum Anorektiker ständig frieren, ihre Finger bzw. Zehen blau anlaufen und ihre Durchblutung gemindert ist (vgl. Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 80).

Indem die Fettreserven immer geringer werden, wird der Körper gleichzeitig immer schwächer. Die Leistungsfähigkeit, ebenso die Konzentration lassen enorm nach. Trotz alledem sind die anorektisch gewordenen Kinder und Jugendlichen sportlich sehr aktiv. Durch exzessiven Bewegungsdrang wird die körperliche Verfassung immer schlechter (vgl. Pauli/ Steinhauser 2006, 23).

Weitere wichtige Begleiterscheinungen aufgrund der Unterernährung sind Hautveränderungen, wie trockene und schuppige Haut, brüchige Nägel, aber auch Haarausfall bzw. Entwicklung einer Lanugobehaarung (vgl. Pauli/ Steinhauser 2006, 21).

Doch die Magersucht wirkt sich nicht nur körperlich gravierend aus. Bereits im Kindes- und Jugendalter äußern sich vermehrt psychische Auffälligkeiten. Auch wenn es zu Schwierigkeiten bei der Differenzierung kommt, ob sie als Vorläuferprobleme, Begleiterscheinungen oder Nachfolgeproblemen in Erscheinung treten, sollten sie ernst genommen und berücksichtigt werden. Vor allem unter dem bekannten Gesichtspunkt, dass die Erkrankten ihre seelischen Probleme immer wieder mit ihrer Essstörung versuchen zu überwinden. Diese werden dadurch allerdings verstärkt oder neue Störungen entwickeln sich (vgl. Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 82). Demzufolge ist die Komorbidität bei einer Anorexie beträchtlich. „Die häufigsten komorbiden Erkrankungen sind Zwangsstörungen, Angsterkrankungen und Depressionen.“ (Huber/ Kraemer 2007, 72)

Die Depression äußert sich vor allem durch depressive Verstimmungen wie Freud- und Lustlosigkeit, depressive Antriebsstörungen wie Antriebslosigkeit, Entschluss- und Handlungsunfähigkeit, aber auch durch depressive Denkstörungen, die sich durch Konzentrationsstörungen bemerkbar machen. Da diese affektive Störung auch durch körperliche Symptome u.a. durch die Appetitlosigkeit gekennzeichnet ist, muss genauestens abgeklärt werden, ob es sich um eine Depression oder eher um eine Anorexie handelt, um eine Fehldiagnose zu verhindern (vgl. Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 83). Das schwerwiegende Problem dieser affektiven Erkrankung liegt in der Selbsttötungsgefahr und den Selbstverletzungen. „Selbstmord ist bei der Magersucht die zweithäufigste Todesursache.“ (Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 83) Demzufolge müssen die Selbstmordgedanken und -handlungen als Notsignale der Kinder und Jugendlichen verstanden und interpretiert werden. Es besteht weniger die Absicht, Suizid zu begehen, vielmehr möchten die Betroffenen durch ihr Verhalten auf sich aufmerksam machen. Die Suizidversuche, wie auch die Anorexia nervosa selbst, können so gedeutet werden, dass die Kinder und Jugendlichen in ihrem aktuellen Wohlbefinden nicht weiter leben können. Die Warnsignale illustrieren, dass sie eigenständig keinen Ausweg aus ihrer Situation finden können (vgl. Baeck 1994, 22-24). Dabei muss berücksichtigt werden, dass die depressiven Symptome und deren Ausprägung immer im Zusammenhang mit dem Ausprägungsgrad des Untergewichts gesehen werden müssen (vgl. Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 83).

Eine weitere komorbide Erkrankung junger anorektischer Patienten stellt die Zwangsstörung dar, die sich in Zwangsgedanken und -handlungen unterteilen lässt. „Sie äußern sich in sinnlos erscheinenden Gedanken und Handlungen, z.B. übermäßigem Waschen, übertriebene Ordnung, Sauberkeit und Kontrolle, zwanghaftem Zählen, Grübeln oder sich aufdrängenden Bildern und Vorstellungen (z.B. andere zu verletzten), gegen die die Betroffenen sich nicht wehren können.“ (Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 84)

Dies verdeutlicht nochmals, dass das Krankheitsbild sich sowohl körperlich als auch seelisch ganzheitlich auswirkt und demzufolge die gesamte Persönlichkeit beeinflusst. Durch die daraus resultierenden somatischen, psychischen und oft sozialen Konsequenzen gilt die Anorexie mit als eine der teuersten Krankheiten (vgl. Klotter 2007, 140). „In der Bundesrepublik Deutschland soll die Anorexia nervosa pro Jahr 195 Millionen Euro an Kosten verursachen. Pro Patientin belaufen sich die Kosten auf 5300 Euro.“ (Klotter 2007, 140)

2.3 Ätiologie

In der Zusammenarbeit mit den magersüchtigen Mädchen kommt es bei den Eltern, Ärzten, Pädagogen, der Familie, aber auch bei den Betroffenen selbst immer wieder zu der Frage: Wie kommt es zu einer solch gravierenden Essstörung? So ist es für die Betroffenen sehr deprimierend, dass bis zum heutigen Zeitpunkt keine „einfache biologische oder psychologisch-psychiatrische Erklärung“ (Gerlinghoff/ Backmund 2005, 26) vorhanden ist und es somit kein Patentrezept gibt. Nach zahlreichen Untersuchungen, Forschungen und Studien ist sich die Mehrzahl der Ärzte jedoch einig, dass viele Faktoren bei der Entstehung einer „Anorexia nervosa“ berücksichtigt werden müssen. Dementsprechend darf nicht von einem statistischen Ansatz ausgegangen werden, vielmehr ist eine multidimensionale Sichtweise gefordert. In Fachkreisen spricht man in diesem Kontext auch von einer „bio-psycho-sozialen Perspektive“ (vgl. Jacobi/ Paul/ Thiel 2004, 21).

Im Folgenden werden unterschiedliche Erklärungsaspekte genannt, die bedingende Faktoren für eine Anorexie und ihre Entstehung sein können. Ein besonderes Augenmerk soll hier auf die soziokulturellen, die genetisch-biologischen, die familiären sowie die persönlichkeitsspezifischen Faktoren gelegt werden. Die abgebildete Grafik dient als Einstieg in die Thematik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2-3 Ätiologisches Modell des Essstörung (Steinhausen 2006, 225)

Anzumerken ist, dass die Bedeutsamkeit der verschiedenen Faktoren zur Krankheitsentstehung nicht gleichermaßen hoch ist. „Es bleibt letztlich die Aufgabe der Betroffenen selbst, die entscheidenden Bedingungen und ursächlichen Faktoren in ihrer eigenen Geschichte und ihren Beziehungen im Rahmen einer Therapie verstehen zu lernen.“ (Pauli/ Steinhausen 2006, 27)

Bis zum heutigen Zeitpunkt scheint es ungeklärt zu sein, inwieweit genetische Faktoren bei der Ätiologie einer Magersucht Einfluss nehmen. Dennoch wird in der Literatur immer wieder von einem genetischen Risiko gesprochen. Die ausschlaggebenden Indizien für eine genetische Disposition scheinen sich, in den Familien- und Zwillingsuntersuchungen wiederzufinden (vgl. Klotter 2007, 141). „Eineiige Zwillinge sind genetisch identisch, d.h. sie haben das gleiche Erbgut. Wenn ein Zwilling an Anorexie leidet, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Zwillingsschwester eine Anorexie entwickelt, bei etwa 50 Prozent [...].“ (Vandereycken/ Meermann 2000, 40)

Cuntz und Hillert gehen dabei von einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent aus und untermauern dies mit der Aussage, dass die Konkordanzrate bei zweieiigen Zwillingen deutlich geringer ist (vgl. Cuntz/ Hillert 2003, 55). Aufgrund solcher Ergebnisse spricht Treasure in diesem Kontext von einer familiären Veranlagung, denn in vielen Kernfamilien tritt eine Anorexie generationsübergreifend auf. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vererbung mütterlicher- oder väterlicherseits hervorgerufen wird (vgl. Treasure 1999, 28).

Vandereycken und Meermann machen allerdings darauf aufmerksam, dass diese Befunde nicht Beweis genug dafür sind, um bei einer Magersucht von einer Erbkrankheit sprechen zu können. Es muss berücksichtigt werden, dass die untersuchten eineiigen Zwillingsgeschwister überwiegend in derselben Familie aufwuchsen, so dass sich die Übereinstimmungen auf die ähnlichen Umweltbedingungen zurückführen lassen könnte (vgl. Vandereycken/ Meermann 2000, 40).

Ein völlig anderer, dennoch signifikanter biologischer Faktor stellt die Pubertätsentwicklung dar. Pauli und Steinhausen beziehen sich hier auf die Zeit, in der sich die jungen Mädchen in ihrer körperlichen Entwicklung befinden. Der Fettanteil des weiblichen Körpers nimmt in dieser Zeitspanne enorm zu und weibliche Rundungen werden offensichtlich. Viele pubertierende Mädchen haben das Problem, ihren veränderten Körper anzunehmen und zu akzeptieren. Sie versuchen durch Diätverhalten diesem Zustand entgegen zu wirken (vgl. Pauli/ Steinhausen 2006, 35). „Da in dieser Phase der körperlichen Reifung das Körpergewicht weniger stabil ist als in anderen Lebensabschnitten, können diese Diätversuche bei einigen dieser Mädchen leicht in eine Essstörung umschlagen.“ (Pauli /Steinhausen 2006, 35)

Prädisponierende soziokulturelle Faktoren begünstigen ebenfalls die Entstehung einer Magersucht. Steinhausen stützt dies auf die epidemiologischen Befunde: „Die Krankheit ist in den letzten Jahrzehnten häufiger behandelt worden, kommt vornehmlich beim weiblichen Geschlecht in einer bestimmten Altersgruppe vor und zeigt eine stärkere Bindung an die Lebensstile und kulturellen Werte der westlichen Zivilisation.“ (Steinhausen 2006, 226)

Aber wie und durch welche Mittel löst unsere moderne Gesellschaft einen solchen enormen Druck aus, dass Aussehen und Körper für die jungen Mädchen eine solch bedeutende Rolle einnehmen?

Um dieser Fragestellung nachzugehen, muss vorerst erwähnt werden, dass es sich bei dieser psychosomatischen Krankheit keineswegs um ein völlig neu auftretendes Störungsbild handelt. Bereits im Mittelalter unterzogen sich Frauen der Selbstaushungerung, wobei die Beweggründe vermehrt in der Religion zu finden waren. In unserer gegenwärtigen Überflussgesellschaft handelt es sich allerdings um völlig entgegengesetzte Phänomene: Das Streben nach Schlankheit, gesunder Ernährung, sowie der Vorbeugung einer Gewichtszunahme (vgl. Pauli/ Steinhausen 2006, 35). Dabei betonen Gerlinghoff und Backmund, dass der Verzicht auf Nahrung in den reichen Gesellschaften nur dann Sinn macht, wenn dieser auf eigenem Antrieb beruht (vgl. Gerlinghoff/ Backmund 2004, 63). Wo Nahrungsknappheit und Armut herrschen, findet sich dieses Phänomen weniger (vgl. Vandereycken/ Meermann 2000, 48).

So lässt sich in der heutigen Gesellschaft vermehrt beobachten, dass „eine beständige Idealisierung der körperlichen Schlankheit“ (Gerlinghoff/ Backmund 2005, 26) besteht. Dabei wird die Rolle der Medien immer wieder in den Vordergrund gestellt. Hier werden abgemagerte Models als Idealfrauen präsentiert, die Werbung versucht immer mehr Menschen zu bestimmten kalorienarmen Lebensmitteln zu verführen und die Boulevardzeitungen berichten ständig über neue Wunderdiäten. Es schleicht sich das Bild ein, dass mehr Wert auf das Äußere als auf Leistung gelegt werden sollte. So schweben die pubertierenden Mädchen in der Illusion, dass Schlanksein gleichzusetzen ist mit Intelligenz, Erfolg, Selbstsicherheit, Gesundheit, Attraktivität und Dynamik (Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 33). „Demgegenüber werden üppige Formen mit einem Mangel an Intelligenz und beruflicher Inkompetenz gleichgesetzt. Die Diskriminierung von Menschen, die nicht der jeweiligen Norm entsprechen, beginnen oft schon im Kindesalter.“ (Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 33)

Neben diesem massiven, vorherrschenden Schlankheitsdruck, dem die Heranwachsenden ausgesetzt sind, werden ihnen bestimmte Rollenerwartungen vorgelebt. „Daher haben Mädchen im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter das Gefühl, sich entscheiden bzw. einen Kompromiss finden zu müssen zwischen einer Entwicklung hin zu Unabhängigkeit und Eigenständigkeit, verbunden mit der Hoffnung auf eine befriedigende berufliche Tätigkeit, und der Erwartung, der traditionellen Frauenrolle als attraktive Partnerin, fürsorgliche Ehefrau und liebevolle Mutter gerecht zu werden.“ (Vandereycken/ Meermann 2000, 49)

Diese widersprüchlichen Anforderungen, aber auch der zunehmende Schlankheitswahn äußern sich oftmals in Überforderungen. Vor allem verunsicherte Kinder und Jugendliche verspüren infolgedessen noch mehr Unsicherheit, zweifeln an sich selbst und versuchen im schlimmsten Fall diesem Spannungsfeld durch Diäten zu entfliehen, die wiederum Vorläufer einer Essstörung sein können (vgl. Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 34).

Bei einer „Anorexia nervosa“ im Kindes- und Jugendalter darf die so genannte Peer-Group keinesfalls außer Acht gelassen werden, da sie eine prägnante Rolle einnimmt. Während der Ablösung vom Elternhaus suchen die Kinder dort Zuflucht und Orientierung. Ob jemand in diesen Gruppen aufgenommen wird, hängt von den jeweiligen Normen dieser Gruppe ab, die sich in diesem Alter vornehmlich auf Aussehen und Kleidung reduzieren lassen. Infolgedessen ist der Anpassungsdruck bereits in diesen Subkulturen beträchtlich stark (vgl. Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 34-35). „Schon bei 8- und 9- Jährigen ist das Gewicht ein entscheidender Einflussfaktor für das Selbsterleben. [...] Untersuchungen zeigen, dass erlebter Druck von Gleichaltrigen in Bezug auf Schlankheit und Diätverhalten und entsprechende soziale Vorbilder eng mit der Entstehung von Essstörungen verbunden sind.“ (Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 35)

Individuelle, persönlichkeitsspezifische Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Magersucht nehmen ebenfalls eine entscheidende Rolle ein. Da diese Erkrankung mit einem gestörten Verhalten zur eigenen Person einhergeht, ist dies gleichzeitig Teil dieser Krankheit. Die gestörte Persönlichkeit ist nicht als Folgeerscheinung der Anorexie zu interpretieren, sondern gilt oftmals als Vorläufer oder entwickelt sich wechselseitig mit ihr (vgl. Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 49). Ebenfalls muss darauf Bezug genommen werden, dass sich dieses psychosomatische Störungsbild vermehrt in dem Entwicklungsabschnitt der Adoleszenz entwickelt, welcher durch körperliche Veränderungen geprägt ist (vgl. Steinhausen 2005, 7).

Perfektionismus, Selbstunsicherheit sowie soziale Unsicherheit, Selbstwertkonflikte, die Schwierigkeit, Gefühle zu erkennen und zu deuten, prägen das Verhalten und Erleben Magersüchtiger. Viele dieser Eigenschaften gelten in der heutigen Gesellschaft als erwünscht und anerkannt. Im Zusammenhang mit der Anorexie werden sie jedoch als individuelle Risikofaktoren gedeutet (vgl. Huber/ Kraemer 2007, 76).

Das niedrige Selbstwertgefühl junger Mädchen ist oftmals die Grundlage, in eine Magersucht zu verfallen. Dabei streben sie nach Anerkennung durch andere, sowie sind ihre Ansprüche an sich selbst extrem groß. Minimales Abweichen von den eigenen Vorstellungen lösen demzufolge Selbstkritik bis hin zum Selbsthass und zur Selbstablehnung aus. Wie bereits erwähnt wird dies durch die gesellschaftlichen Anforderungen und Ideale unterstützt. So können Ablehnungen aufgrund körperlicher Merkmale bei unsicheren Kindern und Jugendlichen ein Gefühl erzeugen, nicht liebenswert zu sein (vgl. Pauli/ Steinhausen 2006, 28).

Die oftmals vorhandene allgemeine Unsicherheit erzeugt sozialen Rückzug, welcher durch den Perfektionismus und das negative Selbstbild unterstützt wird. Die Essstörung hat hier die Aufgabe, die Unsicherheit zu überwinden und zu bewältigen. „Dies geschieht über das Bestreben, schlank zu sein („Dann kann ich mich sehen lassen“), über das Essen selbst (als „Beruhigungsmittel“ und Ablenkung), durch das Erbrechen („dann hat der Essanfall keine Folgen, die jemand sehen könnte“), durch übertriebene sportliche Aktivitäten („dann wirke ich fit“), aber auch über das Abmagern („das ist das Zeichen dafür, dass ich mich kontrollieren kann und auf andere nicht angewiesen bin“).“ (Reich/ Götz-Kühne/ Killius 2004, 52-53)

Der zuletzt angeführte Aspekt verdeutlicht die Schwierigkeit Magersüchtiger, sich persönlich abzugrenzen. Das Streben nach Eigenständigkeit und das Zugehörigkeitsgefühl zur Familie stehen hier oftmals im Konflikt, und dieser wird durch das Essen bzw. das Nicht-Essen ausgetragen. Da es sich dabei um ein äußerst prägnantes Merkmal mit enormen Auswirkungen in Bezug auf das familiäre Leben handelt, wird es in Kapitel 3 genauer beleuchtet.

2.4 Epidemiologische Daten

Die zahlreich durchgeführten epidemiologischen Forschungen sind laut Literatur sehr kritisch zu betrachten und analysieren. Die genauen und aktuellen Zahlen über die Prävalenz einer „Anorexia nervosa“ in einer Bevölkerung sind schwer zu bemessen und ausfindig zu machen. Gründe dafür liegen unter anderem in den unterschiedlich vorliegenden Diagnosekriterien und den hohen Dunkelziffern. Zudem werden nur Patienten in die Häufigkeitsstatistiken aufgenommen, die sich einer Therapie unterzogen haben (vgl. Gerlinghoff/ Backmund 2005, 25). Betroffene hingegen, die selbst einen Ausweg aus der Krankheit gefunden haben oder die sich Hilfe in z.B. ambulanten Beratungsstellen gesucht haben, werden nicht berücksichtigt und aufgelistet (vgl. Stahr/ Barb-Priebe/ Schulz 2003, 32).

Es gibt verschiedene Meinungen dazu, dass sowohl die Prävalenz- als auch die Inzidenzraten der an Magersucht Erkrankten und deren Behandlung in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich zugenommen haben. Unumstritten ist allerdings, dass sich die Grenzsetzung des Mindestgewichtes, die ausschlaggebend für eine Anorexie ist, verschoben hat. Diese lag im Jahre 1972 bei 25%. Aufgrund dieser Tatsache ist Klotter der Auffassung, dass die neue Grenze von 15% enorm zur Erhöhung der Krankheitsfälle beiträgt (vgl. Klotter 2007, 139).

Die neusten Zahlen über die Häufigkeit von einer Essstörung wie die Magersucht zeigen, dass ca. zwei bis fünf Prozent der Frauen in den westlichen Ländern im Alter zwischen 14 und 35 Jahren betroffen sind. Speziell auf Deutschland bezogen leiden 150.000 bis 200.000 Menschen an diesem Krankheitsbild, wobei es sich bei 95% um weibliche Patienten handelt (vgl. Reich/ Killius/ Götz-Kühne 2004, 27).

Durch das so genannte kollektive Diätverhalten, dass wie bereits erwähnt, deutlich durch die Medien postuliert wird, hat sich die Zahl der erkrankten Mädchen und Frauen in den letzten zehn Jahren um die Hälfte verdoppelt (vgl. Stahr/ Barb-Priebe/ Schulz 2003, 32). Hinzu kommt, dass die Magersucht vermehrt im frühen Alter auftritt und die Vorläufer bereits in der Kindheit zu finden sind. So lässt sich in den westlichen Ländern ein drastischer Anstieg von ca. acht Prozent bei Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren verzeichnen. Bei weiblichen Jugendlichen im Alter von 14 und 19 Jahren liegt der Anstieg bei 14 Prozent (vgl. Reich/ Killius/ Götz-Kühne 2004, 28).

Es stellt sich nun die Frage, welche Gruppen bzw. Bevölkerungsschichten besonders gefährdet sind und in welchen Milieus das Risiko erhöht ist. Es wurde festgestellt, dass die „Anorexia nervosa“ häufig in den höheren Sozialschichten zu finden ist. „Ein eingeschränktes Essverhalten, ein extremes Schlankheitsideal, unangemessene Sorgen um das Gewicht und eine ausgeprägte Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper sind in den höheren Sozialschichten verstärkt zu finden und mit den hier auch sonst verbreiteten Werten verbunden.“ (Reich/ Killius/ Götz-Kühne 2004, 29) Weiterhin ist besondere Vorsicht bei Models, Tänzern und Tänzerinnen, Sportlern und Sportlerinnen, aber auch Gymnasiasten und Gymnasiastinnen sowie Studenten und Studentinnen geboten.

Aufgrund der Schwierigkeiten bei der medizinischen und pädagogisch-therapeutischen Behandlung von Anorexie Betroffenen sind die Verlaufsformen sehr unterschiedlich und von den Persönlichkeitsmerkmalen des Patienten abhängig. Die neusten Langzeit - Verlaufsuntersuchungen haben erwiesen, dass ca. 50 Prozent der Fälle die Magersucht überwinden und ein normales Lebens führen. Bei einem Drittel hingegen bleiben Symptome wie das kontrollierte Essverhalten oder das ständige Bemühen um das erwünschte Körpergewicht bestehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dadurch zu gesundheitlichen Schäden kommt, ist relativ hoch, wird von den Betroffenen allerdings verdrängt. Sie bemühen sich vielmehr darum, das Leben trotz Handicaps bestmöglich zu gestalten und sich mit den Restsymptomen ihrer Erkrankung zu arrangieren. Je länger man jedoch mit der Anorexie zu kämpfen hat, je tiefer man in den Teufelskreis verwickelt ist, desto schwieriger ist der Ausstieg aus ihr. In diesem Fall verläuft die Krankheit meist chronisch, was bei einem Fünftel der Patienten zu verzeichnen ist. Diese Mädchen und Frauen müssen sich mit ihrer desolaten Lebenssituation abfinden und verharren in ihren Verhaltensweisen. Sie sind kaum in der Lage Nahrung zu genießen und sich auf eine Zunahme des Gewichtes einzulassen, so dass sich ihr Körpergewicht meist an einer lebendbedrohlichen Grenze befindet. Chronische Unterernährung ist hier die Folge (vgl. Pauli/ Steinhauser 2006, 42-43).

Aufgrund dieser Tatsachen liegt die Mortalitätsrate bei etwa 5 bis 6 Prozent und zeigt die höchste Todesrate bei den Krankheiten, die bereits im Jugendalter ihre Anfänge haben. Die verschiedenen Behandlungsmethoden weisen allerdings besonders erfreuliche Erfolge auf, wenn die Krankheit bereits im Kindes- und Jugendalter beginnt und im frühen Stadium behandelt wird. Aber auch Anorektiker mit langjährigen Krankheitserfahrungen und bereits erfolglosen Behandlungsversuchen dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Denn auch in diesem Fall ist eine schwere Magersucht grundsätzlich heilbar (vgl. Pauli/ Steinhauser 2006, 43-44).

3 Die Lebenswelt der betroffenen Kinder und Jugendlichen

3.1 Elterliche Wertevorstellungen und die damit verbundene Rollenverteilungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Betrachtung der Familie und deren Auswirkungen auf die Entstehung des Krankheitsbildes „Anorexia nervosa“ sollte immer berücksichtigt werden, in welch einer schwierigen und komplizierten Situation sich die Eltern der Betroffenen befinden. Auch wenn diese vorerst die Diäten ihrer Kinder unterstützen und befürworten, wird ihnen früher oder später das Ausmaß bewusst, in welche Lage sich ihre Tochter gehungert hat. Sie sind erschrocken, vielleicht sogar ohnmächtig und ratlos über das abgemagerte Zustandsbild, fühlen sich hilflos und stellen sich Fragen wie: Wie kann ich meinem Kind helfen? Wie konnte es nur so weit kommen? Wer hat Schuld an dieser Misere? Was haben wir als Eltern falsch gemacht? Wir haben doch immer nur das Beste für unser Kind gewollt (vgl. Gerlinghoff/ Backmund 2004, 15).

Da diese Fragen so weitläufig sind und sich aus der aktuellen Situation heraus kaum beantworten lassen, ist es relevant, sich zu Beginn mit dem Gesamtsystem Familie und deren Zusammenleben genauer auseinanderzusetzen. Zuvor ist jedoch anzumerken, dass man immer im Blick haben sollte, dass die Auswirkungen der Krankheit das Familiengefüge erheblich beeinflusst und nicht ausschließlich die Familie die Magersucht hervorruft (vgl. Treasure 1999, 28).

Auch wenn man nicht von der „Magersuchtfamilie“, die spezielle Merkmale erfüllt, die auf andere Familien mit einem magersüchtigen Kind übertragbar sind, sprechen kann, lässt sich anhand von verschiedenen Studien immer wieder ein enger Zusammenhang zwischen den familiären Beziehungen und einer Essstörung finden (vgl. Reich/ Buss 2002, 233). Die meisten Familien, in denen das Krankheitsbild „Anorexia nervosa“ zum Vorschein kommt, sind solche, die nach außen hin kaum auffallen. Bei genauerer Betrachtung wird allerdings deutlich, dass ein intaktes Familienleben nicht dominiert und eher eine Seltenheit darstellt. Nun werden einige Merkmale, die jedoch nicht pauschalisiert werden dürfen, aufgelistet, um einen besseren Zugang zur Thematik zu ermöglichen (vgl. Gerlinghoff/ Backmund 2004, 17).

Bei der elterlichen Erziehung der Kinder stehen vor allem die Vermittlung von Konventionen, Pflichterfüllung, Leistungserbringung, Bildung, Erfolg, Anstand und Ordnung an oberster Stelle. Man ist bestrebt, in der Öffentlichkeit nicht aufzufallen, um keiner Kritik ausgeliefert zu sein. Emotionen und Gefühle spielen weniger eine Rolle und werden daher eher vernachlässigt. Wichtig ist weiterhin, dass der Zusammenhalt der Familie gewahrt bleibt. Konflikte und Auseinandersetzungen werden vermieden, Probleme werden aufgrund des Familienfriedens tot geschwiegen und selten einer Klärung zugeführt. Das alles dient dazu, um den familiären Zusammenhalt und die anscheinend trügerisch vorherrschende Harmonie aufrecht zu erhalten. Die elterlichen Kontakte zur Außenwelt beschränken sich aufgrund des angestrebten guten Ansehens vorwiegend auf gesellschaftliche Verpflichtungen, anderweitige Freundschaften bestehen weniger (vgl. Gerlinghoff/ Backmund 2004, 17).

Die Rollenverteilung innerhalb der Familie entspricht meist der traditionellen Sichtweise: „Der Vater sorgt als Ernährer für die finanzielle Sicherheit der Familie. Er weiß, was richtig und was falsch ist, lässt sich als Familienoberhaupt nicht gern in Frage stellen. Die Mutter investiert ihre gesamte Kraft in ihre vielfältigen Aufgaben als Hausfrau, Mutter und Erzieherin der Kinder. Zugunsten der Familie hat sie meistens auf eine eigene Berufskarriere verzichtet. Sie managt weitgehend das Familienleben und weiß nicht selten besser, was den einzelnen Familienmitgliedern gut tut, als diese selbst. Unglücklich sein darf sie sich nicht zugestehen, zumal die äußeren Bedingungen für ein glückliches und zufriedenes Leben gegeben sind.“ (Gerlinghoff/ Backmund 2004, 17-18)

Es stellt sich die Frage, was der Auslöser für eine solche traditionelle Sichtweise sein könnte. Laut Literatur ist dies oftmals ein Phänomen, das generationsübergreifend stattfindet. Die Eltern sind meist ebenfalls in komplexen Beziehungsstrukturen aufgewachsen. Es zeigt sich eine erstaunlich vorherrschende und prägende Rolle der Großeltern im Hinblick auf die Familie mit einer magersüchtigen Tochter. Dies wird nochmals durch die Weitergabe des Essverhaltens und der Essgewohnheiten speziell von Müttern an ihre Kinder untermauert, die oftmals selbst eine gestörte Einstellung zum Essen entwickeln (vgl. Reich/ Killius/ Götz-Kühne 2004, 45-46). „Insbesondere die Großmütter mütterlicherseits geben in einer dominanten Position ein asketisches Ideal über die Eltern an die Kindergeneration, vor allem an die später anorektische Patientin, weiter.“ (Reich/ Buss 2002, 234)

Es finden sozusagen über die Generationen hinweg kaum Abgrenzungen voneinander statt, die einzelnen Ebenen der Großeltern, der Eltern und der Kinder sind nicht klar definiert und verschwimmen ineinander. Dies spiegelt sich ebenfalls in dem langjährig bestehenden Eifer und dem Bemühen um Annerkennung, Ansehen und Lob der Eltern bei ihren eigenen Eltern wieder (vgl. Gerlinghoff/ Backmund 2004, S.71). Im extremen Fall lebt die Familie selbst nach dem Tod der Herkunftsfamilie noch nach deren Vorschriften weiter.

Das Verhältnis zwischen den Geschwistern, falls welche vorhanden sind, zeichnet sich ebenso durch die typisch verankerten familiären Merkmale aus. Obwohl sie in einem gemeinsamen Haushalt leben, ist die Beziehung eher kalt, herzlos und weniger intim. Sie sind sich oftmals fremd, wissen kaum etwas voneinander und bemühen sich wenig umeinander. Eine normale Geschwisterschaft kennzeichnet sich durch Gemeinschaft im Sinne von Solidarität, Zusammengehörigkeit, Freundschaft aber auch Konkurrenz oder Gegnerschaft gegen Vater und Mutter aus. All diese Eigenschaften lassen sich unter Geschwistern, von denen eines an Magersucht leidet, weniger finden. Das Geschwister-Subsystem ist vielmehr als dysfunktional zu bezeichnen (vgl. Gerlinghoff/ Backmund 2000, 35).

[...]

Details

Seiten
120
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640880706
ISBN (Buch)
9783640880812
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169627
Institution / Hochschule
Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen - Abteilung Münster
Note
1,3
Schlagworte
anorexia kindern jugendlichen entstehung alltagsgestaltung rückfallprophylaxe Magersucht Fallbeispiele Bezug zum Alltag

Autor

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Titel: Anorexia nervosa bei Kindern und Jugendlichen