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Das Weimarer Stadtbuch von 1380

Seminararbeit 2010 18 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Weimar im Spätmittelalter

3. Die Überlieferungs- und Editionsgeschichte des Weimarer Stadtbuches von

4. Die Handschrift, der Inhalt und die Schreiber des Weimarer Stadtbuches

5. Ausgewählte Beschlüsse und Bestrafungen bezüglich des unerlaubten Wein- und Bierverkaufs

6. Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nahezu täglich werden historische Dokumentationen über die verschiedensten öffentlich- rechtlichen sowie privaten Fernsehanstalten ausgestrahlt. Zu diesen Fernsehsendungen zählen häufig auch Dokumentationen über das Mittelalter, welche jedoch regelmäßig ein äußerst finsteres und gar rechtloses Bild dieser Zeit konstruieren und vermitteln. In diesem rechtlosen Raum, so eine Vielzahl der Dokumentationen, waren die Bauern die Schwachen, welche in absoluter Abhängigkeit zu ihrem Lehnsherren standen und keinerlei Rechtsmöglichkeiten hatten. In der Regel wird dieses Bild vom Zuschauer unkritisch übernommen und eventuell sogar weitergegeben. Doch ist diese Reflexion des Mittelalters tatsächlich korrekt? Befanden sich die Menschen zur damaligen Zeit wirklich in einem rechtlosen System, das nur den Herrschenden diente und untere beziehungsweise niedere Gruppen systematisch unterdrückte? Diese Fragen sollen im Verlauf dieser Arbeit anhand des Weimarer Stadtbuches von 1380 beantwortet werden.

Grundsätzlich zählen Stadtbücher „zu den besonders aussagekräftigen Quellen der mittelalterlichen […] Städtegeschichte.“1 Stadtbücher gehören zur Quellengattung der Geschäfts- und Amtsbücher, welche häufig in den städtischen Kanzleien geführt wurden und somit als wichtiges Hilfsmittel der ortsansässigen Verwaltung galten. Darüber hinaus wurden „rechtserhebliche Akte der städtischen Verwaltungsorgane, vor allem des Rates“2, festgehalten. Aus diesem Grund wird in diesem Zusammenhang oft der Begriff der Ratsbücher verwendet. Allgemein gilt, dass Stadtbücher in den nördlichen Reichsteilen als Beweismittel bevorzugt wurden, wohingegen „im Süden Notariatsinstrumenten und Siegelurkunden der Vorrang eingeräumt wurde.“3 Inhaltlich lässt sich ferner festhalten, dass neben Rechtsbüchern auch so genannte Mischbücher existieren, welche „Einträge der unterschiedlichsten sachlichen Betreffe vereinen.“4

Bei dem nun näher zu untersuchenden Weimarer Stadtbuch von 1380 handelt es sich ebenfalls um ein Mischbuch. In den folgenden Kapiteln wird zunächst kurz auf die Entwicklung Weimars im Spätmittelalter, die Überlieferungsgeschichte des Weimarer Stadtbuches von 1380, die Entstehungsgeschichte der Edition des Weimarer Stadtbuches sowie auf die Handschrift, den Inhalt und die Schreiber des Stadtbuches eingegangen. Als Grundlage hierfür dient eine edierte Version des Weimarer Stadtbuches von 1380, welche im Jahre 2005 von Henning Steinführer veröffentlicht wurde. Aufgrund des jungen Alters der Edition, kann davon ausgegangen werden, dass sich dieses Werk am aktuellen Forschungsstand orientiert. Nachdem die Edition näher betrachtet wurde, soll das Kapitel fünf die eingangs gestellten Fragestellungen anhand einiger Beispiele zu beantworten versuchen. Dabei wird vorzugsweise auf einige Bestrafungen, welche aufgrund des unerlaubten Weinverkaufs und Ausschanks erfolgten, eingegangen. Eine weitere Grundlage wird hierbei ein damals bestehendes Verbot des Weinverkaufes in Oberweimar sein. In diesem Zusammenhang soll gleichzeitig untersucht werden, ob die festgehaltenen Bestrafungen mit diesem Verbot in Verbindung stehen. Abschließend wird im sechsten Kapitel ein Fazit gezogen.

2. Weimar im Spätmittelalter

Bevor das Weimarer Stadtbuch von 1380 und die Edition von Henning Steinführer näher in den Fokus der Untersuchungen rücken, soll an dieser Stelle eine kurze Schilderung der Entwicklung Weimars im Spätmittelalter erfolgen. Ohne diese kurze Einführung in die Geschichte Weimars, wäre es wohl zunehmend schwieriger, die Zusammenhänge zwischen den Stadtbucheintragungen und den Geschehnissen nachzuvollziehen.

Zunächst scheint erwähnenswert, dass während des gesamten Spätmittelalters Weimar eine wohl eher bescheidene Stadt blieb. So dürfte die Bevölkerungszahl von 2000 Einwohnern nicht vor dem Ausgang des 15. Jahrhunderts erreicht worden sein. Die Anfänge der Entwicklung Weimars hin zu einer Stadt sind jedoch nicht genau zu datieren.5 Erstmalig erwähnt wurde die Stadt 899 als Vvigmara in einer Urkunde Kaiser Arnulfs.6 Maßgeblich am Ausbau Weimars und der rechtlichen Entwicklung der Stadt beteiligt war wohl das Geschlecht der Grafen von Weimar-Orlamünde, welches etwa seit dem 10. Jahrhundert in Thüringen nachweisbar ist. So soll beispielsweise im Jahre 1254 Herrmann III. von Weimar- Orlamünde eine Urkunde für das Zisterzienserinnenkloster Oberweimar ausgestellt haben. Diese Ausstellung erfolgte in civitate nostra Wimare und gilt als ein wichtiges, urkundlich belegbares Gründungsindiz. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die Stadt allmählich zu Füßen der gräflichen Burg und entstand neben bereits bestehenden Siedlungen um die Jakobskirche herum.7 Das Zentrum Weimars lag um das Areal der Peterskirche, „wo der Markt abgehalten wurde, Gerichtsverhandlungen stattfanden und auch der Standort des ältesten Rathauses vermutet werden darf.“8 Eine schwere Schädigung Weimars erfolgte im Jahre 1299, als ein erster verheerender Brand die Stadt heimsuchte. Nach diesem Brand erfolgte parallel zum Wiederaufbau eine Ausdehnung Weimars in Richtung Süden. Erneut zurückgeworfen wurde die Stadt jedoch durch einen zweiten Großbrand im Jahre 1424. Des Weiteren war für die Stadtentwicklung entscheidend, dass Weimar nicht an größeren Handelsstraßen lag und somit auf die Nahmarktfunktion beschränkt blieb.9

Bezüglich der Verwaltungspraxis der Stadt Weimar des Mittelalters ist festzuhalten, dass zunächst Schultheiße10 mit eben dieser beauftragt wurden. Mit der Herausbildung einer Ratsverfassung wurden diese Schultheiße jedoch immer mehr zurückgedrängt. So wurde letztmals 1370 ein Schultheiß erwähnt. Diese Ratsverfassung bildete sich wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts heraus, ihre Entstehung liegt aber weitestgehend im Dunkeln. Erstmalig erwähnt wird ein Rat 1348, die Entwicklung des Ratskollegiums muss wohl jedoch früher angesetzt werden.11 Der Rat „setzte sich aus drei Ratsdritteln mit jeweils zwei Ratsmeistern und vier Rasmannen zusammen, die im jährlichen Wechsel die Amtsgeschäfte versahen.“12 Insgesamt umfasste dieses Gremium also sechs Ratsmeister und zwölf Ratsmannen. Aufgrund der jährlichen Wechsel innerhalb des Ratskollegiums kann von einer relativ hohen Fluktuation bezüglich der Ratsmitglieder ausgegangen werden, weshalb es wohl nicht zur Ausbildung einer patrizischen Oberschicht kam.13 1370 tritt erstmalig neben dem Rat auch eine Gemeindevertretung mit nicht unerheblichem Einfluss hervor. Wie das Kräfteverhältnis zwischen diesen beiden Gremien ausgeprägt war, lässt sich aufgrund der Quellenlage jedoch nur noch schwer rekonstruieren.14

[...]


1 Steinführer, Henning: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters. Edition und Kommentar, Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2005, S. IX.

2 Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte: Mittelalter. 3. Auflage, Stuttgart: UTB 2006, S. 184.

3 Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. IX.

4 ebd.

5 Vgl. Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XVII.

6 Vgl. Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XVI.

7 Vgl. Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XVII. 4

8 Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XVIII.

9 Vgl. Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XVIII.

10 Laut Brockhaus ist Schultheiß die frühere Bezeichnung für einen Gemeindevorsteher. Der Begriff selbst kommt von sculdheizo, was so viel wie „Leistung Befehlender“ bedeutet. Gemeint ist demnach also ein Beamter, der im Auftrag seines Herrn für die Einhaltung der Verpflichtungen der Gemeinde sorgt und für die Einbeziehung der Abgaben zuständig ist.

11 Vgl. Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XIX.

12 Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XIX.

13 Vgl. Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XIX.

14 Vgl. Steinführer, H.: Die Weimarer Stadtbücher des späten Mittelalters, S. XX. 5

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640880096
ISBN (Buch)
9783640880188
Dateigröße
830 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169567
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Weimar Stadtbuch Stadtbücher Weimarer Stadtbuch Spätmittelalter Mittelalter Stadtschreibung Mathias Kunz Kunz

Autor

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Titel: Das Weimarer Stadtbuch von 1380